Dokumentation der Gesundheitskonferenz

- EHRENAMT, FREIWILLIGEN-ENGAGEMEN, VOLUNTEERING -

Veranstaltet am 25. Oktober 2001 im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Impressum:

Herausgeber:
Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Abteilung Soziales, Gesundheit, Umwelt und Verkehr
Plan- und Leitstelle
Otto-Suhr-Allee 100
10585 Berlin

Redaktion:
Maritha Müller,
Medy Marion Stichling,
Christian Lüdeke,
Ilona Ksinzyk
Tel.: 030 / 9029 – 12858
Fax: 030 / 9029 – 12088
E-Mail
Internet

Berlin im Januar 2002

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Abteilung Soziales und Gesundheit
in Kooperation mit SEKIS – Selbsthilfe, Kontakt- und Informationsstelle
EHRENAMT V FREIWILLIGEN-ENGAGEMENT VOLUNTEERING

13.00 Uhr
Begrüßung der Gesundheitskonferenz durch Frau Bezirksstadträtin Martina Schmiedhofer Eröffnung im BVV-Saal
Einführungsreferat:
Herr Dr. Ansgar Klein, Referent der SPD-Bundestagsfraktion für die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements”
14.00 Uhr Pause
14.30 Uhr
Freiwilligenarbeit in Organisationen planen
Impulsreferat: Frau Beatrix Meier-Tacke, Caritas
Moderation: Herr Harald Lund, Bezirksamt Spandau
- Plan- und Leitstelle – Arbeitsforen
Raum 1138
Zur Zusammenarbeit hauptamtliche – ehrenamtliche Mitarbeiter/innen
Impulsreferat: Frau Carmen Korf-Krumrey, Seniorenbüro Berlin – DPW
Moderation: Frau Elke Berg, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
- Plan- und Leitstelle – BVV-Saal
Förderung des Freiwilligen Engagements durch Firmen: Corporate Citizenship
Impulsreferat: Herr Thomas Liljeberg, Agens 27 GmbH
Moderation: Frau Karin Stötzner, SEKIS Raum 1141
Lobbyarbeit für Ehrenamtlichkeit
Impulsreferat: Frau Carola Schaaf-Derichs, Treffpunkt Hilfsbereitschaft
Moderation: Frau Ingrid Papies-Winkler, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
- Plan- und Leitstelle – fällt wegen Krankheit leider aus
16.30 Uhr Pause
17.00 Uhr Plenum im BVV-Saal

Tagungsprogramm

Begrüßung
Martina Schmiedhofer, Bezirksstadträtin für Soziales und Gesundheit

Einführung
Die Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements
Dr. Ansgar Klein, Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages

Arbeitsforen

Freiwilligenarbeit in Organisationen planen
Impulsreferat: Anette Lahn, Berliner Aids-Hilfe e. V.
Script: Beatrix Meier-Tacke, Caritasverband für Berlin e. V.

Zur Zusammenarbeit hauptamtliche – ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Impulsreferat: Carmen Korf-Krumrey, Seniorenbüro Berlin – DPW

Förderung des Freiwilligen-Engagements durch Firmen:
Corporate Citizenship
Impulsreferat: Thomas Liljeberg, Agens 27 GmbH

Lobbyarbeit für Ehrenamtlichkeit
Script: Carola Schaaf-Derichs, Treffpunkt Hilfsbereitschaft e. V.

Anhang
Beiträge aus dem Diskussionsforum im Internet: Meinungen einiger
BürgerInnen zu ehrenamtlichem / freiwilligem Engagement sowie
Forderungen der EhrenamtlerInnen der Berliner Aids-Hilfe e. V.
an die Politik
Literatur, Internet-Hinweise, Anschriften zum Referat von Dr. Ansgar Klein
Literaturempfehlung der Akademie für Ehrenamtlichkeit
Verzeichnis der ReferentInnen, ModeratorInnen und anderer im
Rahmenprogramm beteiligter Organisationen

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Gesundheitskonferenz. Einige von Ihnen mögen sich bei der Einladung gedacht haben – eine Veranstaltung zum Ehrenamt ist eine spannende Sache, aber was hat das mit Gesundheit zu tun? Deshalb noch einige Erklärungen für den Hintergrund. Es gibt einen Auftrag der Bezirksverordnetenversammlung, jährlich eine Gesundheitskonferenz durchzuführen, wobei wir in der Themenwahl frei sind. Wir alle fühlen uns einem Gesundheitsbegriff verpflichtet, der, wie auch die Welt-Gesundheits-Organisation definiert, Gesundheit versteht als "mehr als die Abwesenheit von Krankheit", sondern körperliches und seelisches Wohlbefinden als Ziel benennt. Deshalb haben wir keine Veranstaltung zur finanziellen Lage der Krankenkassen konzipiert oder zu bestimmten Krankheitsbildern, sondern uns der Gesundheit aus der Perspektive von der Verhinderung von Krankheiten oder auch deren Verbesserung her genähert. Und hier ist ehrenamtliches oder freiwilliges Engagement wie kaum ein anderes Thema Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität unter verschiedenen Gesichtspunkten: Ehrenamtliche Tätigkeit stabilisiert sozial diejenigen, die für andere oder für das Gemeinwohl tätig sind – gerade haben wir den Ehrenamtspreis u.a. an einen älteren Herrn vergeben, der seit vielen Jahren Sportplätze und Grünanlagen pflegt – und sie hilft denjenigen, die krank oder körperlich behindert sind oder in einer anderen Form einer Unterstützung bedürfen. Um das richtige Ehrenamt für die richtige Person, die erforderliche Qualifizierung, die Abgrenzung von haupt- und ehrenamtlicher Tätigkeit und natürlich die notwendige Aufwandsentschädigung, wird seit einigen Jahren gerungen und diskutiert. Auf bezirklicher Ebene tun wir, was in unserer Macht und Durchsetzungsfähigkeit steht: die FreiwilligenAgentur, bestehend aus ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, vermittelt Einsatzstellen an Engagierte; die im Auftrag des Bezirkes tätigen Ehrenamtlichen erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung, Ehrungen sowie jährliche Einladungen sind Zeichen unserer Anerkennung; mit dem jährlich veranstalteten Tag des Ehrenamtes – dieses Jahr mussten wir leider wegen der entsetzlichen Ereignisse des 11. September absagen – , den wir als großes Fest veranstalten und auf dem sich viele ehrenamtlich Aktive präsentieren können, möchten wir sowohl die bereits Engagierten anerkennen wie auch für das Ehrenamt werben. Jährlich loben wir einen Ehrenamtspreis aus, mit dem besonders herausragende, aber auch beispielgebende ehrenamtliche Einsätze öffentlich gewürdigt werden. Und nicht zuletzt ist auch die heutige Veranstaltung ein Beitrag zur Weiterführung der Debatte um die Bedeutung und Aufwertung freiwilliger Arbeit und ehrenamtlicher Leistungen! __ Martina Schmiedhofer Bezirksstadträtin für Soziales und Gesundheit

Ansgar Klein

Bürgerschaftliches Engagement als gesellschaftspolitisches Reformpotential

Die Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" des Deutschen Bundestages

Enquete-Kommissionen sind eine Form parlamentarischer Politikberatung. Die Einberufung einer solchen Kommission signalisiert parlamentarischen Handlungs- und Beratungsbedarf. Dies ist auch der Fall beim Thema des “bürgerschaftlichen Engagements” und der Förderung der Zivilgesellschaft.

Der Begriff der Zivilgesellschaft bezeichnet einen vorstaatlichen oder nichtstaatlichen Handlungsraum mit einer Vielzahl pluraler (auch konkurrierender), auf freiwilliger Basis gegründeter Organisationen und Assoziationen (auch einzelne ‘Bürger’). Diese artikulieren ihre materiellen und normativen Interessen immer auch mit Bezug auf die res publica und orientieren sich am kommunikativen Handeln, teilen zudem einen normativen Minimalkonsens: die Anerkennung des Anderen (Toleranz), das Prinzip der Fairness sowie den Ausschluss physischer Gewalt. Die pluralistischen, nicht homogenen, aber durchaus konkurrierenden Akteure der Zivilgesellschaft streben nicht nach staatlichen Ämtern. Ausgegangen wird jedoch von wechselseitigen Beeinflussungen der zivilen und der politischen Gesellschaft (Lauth / Merkel 1997: 16f. ).

Die politische Gemeinschaft in der Demokratie benötigt gerade unter den Bedingungen eines Pluralismus von Lebensstilen einen gemeinsamen Horizont bürgerschaftlicher Einstellungen und Wertbezüge. Er ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. In zivilgesellschaftliche Assoziationen und Netzwerken entsteht das Vertrauen, auf das nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die politischen Institutionen angewiesen sind: Vertrauen innerhalb von sozialen Gemeinschaften, zwischen Gemeinschaften und das Vertrauen der Gemeinschaften zu den politischen Institutionen des demokratischen Rechtsstaats.

In den Diskussionen um das bürgerschaftliche Engagement wird deutlich, dass es sich um einen “mehrdeutigen, programmatischen Arbeitsbegriff” handelt. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff ein Engagement, das sich auf das politische Gemeinwesen (lokal, national, transnational) bezieht. Dieses auf Gemeinwohl, Gemeinsinn, Bürgertugenden, Zivilcourage bezogene Engagement erfasst somit zunächst ein weit gefasstes Feld des politischen Engagements. In den Diskussionen der Enquete-Kommission “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements” wird der Begriff jedoch als ein Oberbegriff für verschiedene Engagementformen verwendet: Dieser umfasst neben dem politischen Engagement auch das soziale und kulturelle Engagement in den Formen des Ehrenamts, der Freiwilligenarbeit und der Selbsthilfe. Damit werden die sozial und politisch integrierenden Leistungen innerhalb der verschiedenen Engagementformen in eine vergleichende Perspektive gerückt.

Ich möchte im Folgenden zunächst die Debatte um die Förderung des “bürgerschaftlichen Engagements” in ihren gesellschaftspolitischen Konturen beleuchtet (1.). Anschließend werden Auftrag, Zusammensetzung und die Arbeit der Enquete-Kommission vorgestellt (2.). Schließlich wird die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitsbereich genauer unter die Lupe genommen (3.)

1. Zivilgesellschaft als Reformperspektive
In den Diskussionen um das bürgerschaftliche Engagement wird deutlich, dass es sich um einen “mehrdeutigen, programmatischen Arbeitsbegriff” handelt In der öffentlichen Wahrnehmung spielt dieser Begriff derzeit noch eine bescheidene Rolle. Der Begriff umfasst die freiwillige bzw. ehrenamtliche Wahrnehmung öffentlicher Funktionen, klassische und neue Formen des sozialen Engagements, der gemeinschaftsorientierten, moralökonomisch bzw. von Solidarvorstellungen geprägten Eigenarbeit und der gemeinschaftlichen Selbsthilfe. In die Diskussion gehen von wissenschaftlicher Seite u.a. Untersuchungen zum ehrenamtlichen Engagement und zur Selbsthilfe, Ergebnisse der Vereinsforschung, der Dritte-Sektor-Forschung, der Wertewandel-Forschung und der Forschungen zu den neuen sozialen Bewegungen – um die es in den 90er Jahren ruhiger geworden ist – ein. Es bestehen zudem Bezüge zu Diskussionen, die unter den Stichworten “Bürgerinitiativen”, “Selbsthilfe” oder “mehr Demokratie wagen” seit den 70er Jahren geführt worden sind und die den Diskurs der Zivilgesellschaft wesentlich geprägt haben (Klein 2001).

Trotz dieser Vieldeutigkeit gibt es einen gemeinsamen Bezugspunkt, der im Begriff des bürgerschaftlichen Engagements zum Ausdruck gebracht wird: Innerhalb der Variationsbreite der genannten Facetten trägt bürgerschaftliches Engagement zu den demokratischen Qualitäten der Gesellschaft bei. Gegen eine lange etatistische Tradition gewandt (“alles Gute kommt vom Staat”), bedeutet die Wiederentdeckung der aktiven Bürgerin und des aktiven Bürgers für die politische Kultur der Bundesrepublik einen wichtigen Gewinn.

Die Aktivitäten der zivilgesellschaftlichen Assoziationen müssen nicht immer in den politischen Raum führen. Viele Aktivitäten sind selbstbezüglich auf den Ausbau und die Stabilisierung der Zivilgesellschaft bezogen. Die sozialwissenschaftlich in den USA und in Europa erhobenen Zahlen verdeutlichen, dass “Volunteering”, “Ehrenamt” und “bürgerschaftliches Engagement” keineswegs rückläufig sind. Wir erleben in den letzten beiden Jahrzehnten nicht einen Rückzug ins Private, sondern einen Formwandel des Engagements. Rückläufig sind die traditionsgebundenen Formen des Engagements, während neue Formen des freiwilligen Engagements und lockere Bindungen einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

Die gemeinschaftsbezogenen Aktivitäten, die Formen der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung und die Interessenartikulation von Bürgerinnen und Bürgern entfalten in den zivilgesellschaftlichen Räumen eine Praxis des Engagements jenseits privater Interessen und Bindungen. Diese Praxis ist auf das Gemeinwesen bezogen und wird in sozialen Netzwerken immer wieder neu belebt. In der aktiven Nutzung der Bürgerrechte und in der sozialen Teilhabe entfalten sich jene gemeinwohlbezogenen Motive und Werthaltungen und damit eine politische Kultur, auf die die Demokratie angewiesen ist. Zentrale Organisationsformen des bürgerschaftlichen Engagements sind Bürgergruppen, Vereine und Netzwerke. Etablierte Organisationen wie Verbände und Parteien müssen sich für diese Organisationsformen stärker öffnen, wenn sie in der Gesellschaft fest verankert bleiben wollen.

Im Kontext der Zivilgesellschaft bezieht sich bürgerschaftliches Engagement auf das Herstellen von politischer Handlungsfreiheit im Gemeinwesen: Engagierte Personen begegnen sich als Nachbarn und Mitglieder bestimmter kultureller oder lokaler communities, aber zugleich auch als citizens, als Bürger. Die Debatte um Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement stellt dabei eine Verbindung her zwischen den sonst vielfach getrennten Diskussionsbereichen um soziales und politisches Engagement.

In der Politik sind Diskussionen über das bürgerschaftliche Engagement und die Zivilgesellschaft in vollem Gange. Bund und Länder debattieren seit geraumer Zeit dieses Thema, das im “Internationalen Jahr der Freiwilligen” 2001 noch einmal einen besonderen Schub erfahren hat. In den Kommunen hat die Diskussion aus guten Gründen einen besonderen Stellenwert: Hier spielt sich der größte Teil des sozialen und politischen bürgerschaftlichen Engagements ab. Staatliche Akteure können hier – wie auch und Länder- und Bundesebene – die Voraussetzungen einer Kultur des bürgerschaftlichen Engagements verbessern, aber auch blockieren.

Die Leitbild-Debatte einer Reformpolitik, die sich der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements verschrieben hat, beruft sich mittlerweile auf den ‚ermöglichenden‘ und ‚aktivierenden Staat‘ und das Ziel einer neuen Verantwortungsteilung. Der Staat bewahrt hierbei seine Verantwortung für zentrale Probleme der gesellschaftlichen Wohlfahrt und fördert bewusst eine Infrastruktur des bürgerschaftlichen Engagements. Doch es geht nicht nur um die Förderung einer unterstützenden Infrastruktur des bürgerschaftlichen Engagements, sondern auch um ein neues Verhältnis von Rechten, Optionen und Pflichten, um einen beteiligungsfreundlichen Politikstil und ein verändertes Zusammenspiel von Staat, Markt und Zivilgesellschaft. Es geht auch um die Aktivierung gesellschaftlicher Potenziale und die dafür erforderlichen Politikformen.

Eine dialogische und beteiligungsfreundliche Politik kann sich nicht nur auf ein klügeres staatliches Management von Lobbyinteressen beschränken, sondern muss ihre Adressaten auch als Bürger ansprechen. Erst eine solche Politik zielt auf die Stärkung der Fähigkeiten gesellschaftlicher Akteure zur Berücksichtigung der jeweils anderen Interessen und ihrer Bereitschaft zur Gemeinwohlorientierung.

Skeptiker befürchten den Missbrauch von bürgerschaftlichem Engagement und Zivilgesellschaft als Rationalisierungsmaßnahme im öffentlichen Dienst und in der privaten Wirtschaft. Demnach wären ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Zivilgesellschaft‘ nur beschönigende Wörter für eine Politik, die Kosten und Probleme auf den so genannten selbstverantwortlichen Bürger abwälzt. Dieses Risiko ist nicht von der Hand zu weisen. Dies zu verhindern – und an praktischer Förderung und Unterstützung – bemisst sich glaubwürdige Politik.

Von Seiten der Politik – sowohl für die Bundes-, Landes- als auch für die Kommunalebene – gibt es genügend zu tun. Bisher hat sie ihre Rolle als “Ermöglichungsstaat” noch nicht im erforderlichen Maß angenommen. Es gilt die oft sehr unterschiedlichen Milieus der Ehrenamts- und Freiwilligen-Szene sowie den bürgerschaftlich Engagierten mit dem Ziel kommunaler Vernetzung moderierend zusammenzubringen und das Integrationspotenzial zu erkennen, das im bürgerschaftlichen Engagement steckt.

Auch über die kultur- und sozialstrukturell anders gearteten Engagementpotenziale von Migrantinnen und Migranten wissen wir bisher praktisch nichts. Hier liegen Ressourcen, die der nach wie vor schwierigen Annäherung unterschiedlicher Kulturen in unserem Land eine neue, positive Facette hinzufügen werden. Für die zugewanderten Mitbürger gilt derselbe Mechanismus, der im vorigen Jahrhundert für die Industriearbeiterschaft als “vaterlandslose Gesellen” und die Katholiken als mangelhafter nationaler Treue verdächtige “Ultramontane” in einem protestantisch dominierten Preußen galt: Erst auf der Grundlage eines weitverzweigten Netzwerkes von Vereinen und Initiativen im eigenen Milieu gelingt die Integration in Staat und Gesellschaft. Im übrigen werden bürgerschaftliche Aktivitäten im Bereich der Zuwanderer – ebenso wie der Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Zuwanderern für die ökonomische Entwicklung der Bundesrepublik – ein wirksames Gegenmittel gegen stereotype Klischees von den seltsam reduzierten sozialen und kulturellen Traditionen der Zuwanderer bilden und unser Ehrenamts- und bürgerschaftliches Leben bereichern.

Ähnliches gilt für die noch ausstehende Situationsanalyse in den neuen Bundesländern. Hier gab es vormals zwei nunmehr untergegangene Formen von Solidarität: die staatlich verordnete “real existierende” Systemsolidarität als sozial kontrollierte Freiwilligenarbeit an Feierabenden und an Sonn- und Feiertagen einerseits, und die auf kreativer Nachbarschaftshilfe beruhende Solidarität bei der Überwindung des Mangels andererseits. Vor diesem Hintergrund fällt es in den neuen Bundesländern besonders auf, wie schwer man sich hier sowohl mit dem klassischen Begriff des Ehrenamtes als auch mit neuen Formen bürgerschaftlichen Engagements tut.

2. Auftrag, Zusammensetzung und Arbeitsweise der Enquete-Kommission “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements”
Im Dezember 1999 wurde auf Antrag der Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP die Einsetzung einer Enquete-Kommission “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements” beschlossen. Die Enquete ist mit 11 Sachverständigen und 11 Abgeordneten besetzt, die gleiches Stimmrecht besitzen. Die Enquete-Kommission berät die federführenden Ausschüsse des Deutschen Bundestages auch in aktuellen Gesetzesvorhaben, die ihr Thema betreffen. Die Arbeit wird durch ein Sekretariat koordiniert.

Der Einsetzungsbeschluss formuliert die Ziele der Enquete-Kommission: Als bürgerschaftliches Engagement werden die Formen von Ehrenamt, Selbsthilfe und Freiwilligenarbeit verstanden. Als Bestimmungskriterien des bürgerschaftlichen Engagements nennt der Einsetzungsbeschluss dessen Freiwilligkeit, seine Gemeinwohlorientierung und das Fehlen materieller Gewinnorientierung. Die Kommission soll auf der Grundlage einer systematischen Bestandsaufnahme dem Deutschen Bundestag politische Handlungsempfehlungen in einem Abschlussbericht geben.

Bis Sommer 2001 hat die Kommission eine systematische Bestandsaufnahme vorgenommen. Um die Komplexität des Themas angemessen behandeln zu können, wurden drei “Berichterstattergruppen” eingesetzt. Diese haben die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Zivilgesellschaft, den Sozialstaat und die Erwerbsarbeit untersucht.

In der Berichterstattergruppe “Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft” wurden u.a. das Verhältnis von politischem und sozialem Engagement, der Beitrag des bürgerschaftlichen Engagements für die politische und soziale Integration (“Sozialkapital”) und die unterschiedlichen Entwicklungen des Engagements in Ost- und Westdeutschland erörtert. Die Konturen eines “ermöglichenden” und “aktivierenden” Staates wurden eingehend diskutiert – unter Einbezug der drei Ebenen der Kommunen, der Bundesländer und des Bundes.

Die Berichterstattergruppe “Bürgerschaftliches Engagement und Sozialstaat” behandelte nicht nur die sozialen Voraussetzungen des bürgerschaftlichen Engagements, sondern auch dessen Beitrag für einen Umbau sozialstaatlicher und gesellschaftlicher Praxis. Diskutiert wurden auch Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer Öffnung gesellschaftlicher Institutionen und Organisationen – von Kindergärten und Schulen über Krankenhäuser bis zu Pflegeeinrichtungen – für das bürgerschaftliche Engagement.

In der Berichterstattergruppe “Bürgerschaftliches Engagement und Erwerbsarbeit” wurden die Folgen eines Wandels der Erwerbsarbeit und veränderter Erwerbsbiographien für das bürgerschaftliche Engagement untersucht. Bürgerschaftliches Engagement kann und soll den Arbeitsplatz nicht ersetzen.

Erwerbsarbeit stellt jedoch nicht den alleinigen Wertmaßstab gesellschaftlich sinnvoller und wichtiger Tätigkeiten dar. Diese umfassen auch den Bereich fürsorgender Tätigkeiten im Umkreis von Familie und privatem Lebensraum und die gemeinwohlbezogenen Formen des bürgerschaftlichen Engagements. Vor diesem Hintergrund wurden nicht nur Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften geführt, sondern auch Möglichkeiten geprüft, wie diese das bürgerschaftliche Engagement stärker fördern können. Ein weiterer Themenkreis befasste sich mit Fragen von Nonprofit-Organisationen des “Dritten Sektors”.

Zahlreiche Gutachten wurden vergeben, darunter auch ein umfangreiches Rechtsgutachten, das die sozial-, zivil-, steuer- und arbeitsrechtlichen Regelungen in ihrem Zusammenhang in Hinblick auf Möglichkeiten der Förderungen des bürgerschaftlichen Engagements prüft. Die Gutachten werden ab Herbst 2001 in mehreren Bänden veröffentlicht. Es wurden viele Experten gehört und mehrere große Anhörungen veranstaltet (u.a. mit den kommunalen Spitzenverbänden, den Wohlfahrtsverbänden, mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und Netzwerken, mit Arbeitgebern und Gewerkschaften). Die Ergebnisse der Anhörungen sind von der Enquete-Kommission im Internet dokumentiert worden.

Untersucht wurden in den drei Berichterstattergruppen die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche: Kultur und Sport, Soziales, Kirche, Jugend- und Altenarbeit, Bildung und Erziehung, Katastrophenschutz, Rettungswesen, Rechtswesen, Arbeit und Wirtschaft, Umwelt/Ökologie bis zur Politik. Die Berücksichtigung verschiedener Organisationsformen – Verbände, Vereine, Institutionen unter Einbezug von Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros und Selbsthilfeorganisationen – bietet eine wesentliche Voraussetzung dafür, politisch relevante Handlungsempfehlungen auszuarbeiten. Einbezogen wurden ebenso die sozialen Bedingungsfaktoren des bürgerschaftlichen Engagements: Geschlechtsspezifische Faktoren, die Bedeutung unterschiedlicher sozialer und ökonomischer Ausgangslagen in den Familien, die Bedeutung von Bildung und Ausbildung, die wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen, Fragen der Fortbildung, Qualifizierung und Förderung sowie der materiellen wie immateriellen Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements. Untersucht wurde auch die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und Zivilgesellschaft im europäischen und internationalen Vergleich.

Die Bestandsaufnahme von Rahmenbedingungen und Bedingungsfaktoren des bürgerschaftlichen Engagements wurde im Sommer 2001 abgeschlossen. Nun fließen die Ergebnisse in einen Abschlußbericht ein. Im Mittelpunkt dieses Berichts stehen die politischen Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission. Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen des bürgerschaftlichen Engagements (Steuerrecht, Gemeinnützigkeitsrecht, Arbeitsrecht, Recht der sozialen Absicherung, Haftungsrecht, Versicherungsschutz, Stiftungs- und Vereinsrecht) sowie die Arbeitsmarkt-, die Sozial- oder die Bildungspolitik sind durch die Bestandsaufnahme unmittelbar angesprochen. In diesem Kontext sollen im Abschlussbericht der Kommission auch die gesellschaftspolitischen Reformpotenziale des bürgerschaftlichen Engagements deutlich gemacht und entsprechende Handlungsempfehlungen an die Politik formuliert werden.

Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements muss die Besonderheiten der jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Bereiche und die Formenvielfalt des Engagements berücksichtigen. Dies möchte ich an dieser Stelle für den Bereich des Gesundheitswesens herausarbeiten.

3. Bürgerschaftliches Engagement im Gesundheitswesen
Das bürgerschaftliche Engagement im Gesundheitswesen gibt es in der vielfältigsten Form – ohne in der öffentlichen Diskussion eine solche angemessene Beachtung gefunden zu haben, wie dies z.B. in Kultur, Sport oder Jugendarbeit der Fall ist. Erst seit den 1980er Jahren ist allmählich auch in der Politik die Erkenntnis gewachsen, dass der Partizipation der Patientinnen und Patienten im Gesundheitswesen eine wesentliche Bedeutung zukommt.

1992 tauchte im Sozialgesetzbuch V, jenem Sozialgesetzbuch, das die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen regelt, erstmals in § 20 die Förderung von “Selbsthilfegruppen und -kontaktstellen” auf. Dieser Passus wurde jedoch im Zuge von Sparmaßnahmen 1996 wieder gestrichen. Mit der “Gesundheitsreform 2000” konnte die Stärkung der Selbsthilfe erneut in § 20 SGB V festgeschrieben werden. Zudem wird nun im neuen SGB IX (Reha-Gesetz) die Förderung der Selbsthilfe den Rehabilitationsträgern in § 29 vorgeschrieben. Praktiker wissen, dass die Umsetzung der neuen gesetzlichen Förderregelungen noch unzureichend ist, doch scheint nunmehr ein Lernprozess in der Politik erfolgt zu sein, der nicht mehr umgekehrt werden kann.

Die Stärkung der Patientenberatung und der Patientenrechte wird in § 65b SGB V (Förderung von Einrichtungen zur Verbraucher- und Patientenberatung) gesetzlich vorgeschrieben. In diesem Jahr beginnen die Gesetzlichen Krankenkassen Modellvorhaben an 31 Standorten unter Einbezug von Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfe-Kontaktstellen. Es bleibt abzuwarten, ob der Einbezug der Patienten in kommunalen und landesweiten Gesundheitskonferenzen, in Ethikkommissionen, in Patientenbeiräten und auch im Bundesausschuss Ärzte-Krankenkassen künftig ausgeweitet wird. Ein derartiger Ausbau der Patienten-Partizipation dürfte eine sehr viel größere Wirkung entfalten als die aus den Sozialwahlen hervorgehende, jedoch öffentlich kaum wahrgenommene “Versicherten-Vertretung” in den Krankenkassen. Erste Ansätze gibt es bereits in zahlreichen deutschen Krankenhäusern (Patientenfürsprecher, die von Stadtverordnetenversammlungen oder Kreistagen gewählt werden, und Ombudsleute, die von den Kliniken selbst eingesetzt werden).

1989 gründete sich in Frankfurt/Main das “Gesunde-Städte-Netzwerk” unter Bezug auf die “Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung” der Weltgesundheitsorganisation. Gesundheit ist demzufolge “ … ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten und Gebrechen”. Dem Netzwerk sind mittlerweile mehr als 50 Kommunen angeschlossen, die das Thema der Gesundheitsförderung auch in den agenda 21-Prozess auf kommunaler Ebene einspeisen.

Eine kurze und keineswegs vollständige Skizze macht die Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements im deutschen Gesundheitswesen deutlich: Hier überwiegt das Engagement der Frauen (laut Infratest-Studie von 1999 machen sie 66 Prozent der Aktiven aus), ist ein hohes Bildungsniveau die Regel und sind die Altersgruppen der 25-34jährigen und der 65-70jährigen am stärksten vertreten, wobei ältere Menschen vor allem in kirchennahen Gruppen, Wohlfahrtsverbänden und privaten Initiativen, jüngere Menschen in Selbsthilfegruppen überwiegen.

Eine lange Tradition haben sozial und moralisch motivierte, individuelle Hilfeleistungen. Im Rahmen der Wohlfahrtsverbände engagieren sich 1,5 bis 1,7 Millionen freiwillige Helferinnen und Helfer. Die Kranken-, Alten- und Behindertenhilfe nehmen dabei einen wichtigen Stellenwert ein. Zahlreiche freiwillige Helfer betätigen sich etwa beim Deutschen Rote Kreuz (über 290.000), im Malteser Hilfsdienst (25.000), der Johanniter-Unfallhilfe (18.000) und im Arbeiter-Samariter-Bund (12.000). 10.000 Helferinnen engagieren sich in ca. 700 Gruppen in der Evangelischen und Ökumenischen Krankenhaus- und Altenheimhilfe (“Grüne Damen”), etwa 16.000 Helferinnen und Helfer in den etwa 75 stationären und etwa 700 ambulanten Hospiz-Diensten und etwa 7.000 Menschen in ca. 100 Einrichtungen der Telefonseelsorge. Hinzu kommen die Helfer in ehrenamtlichen Suchtdiensten, die im Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen zusammengeschlossenen Gruppen von Laienhelfern in der Psychiatrie, und auch die 567.000 ehrenamtlichen Helfer der DLRG sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

Im Freiwilligen Sozialen Jahr nahmen 1997 9.500 Jugendliche teil. Die Einsatzstellen liegen schwerpunktmäßig im Bereich der Gesundheitshilfe. Über 90 Prozent der TeilnehmerInnen sind junge Frauen. Bei diesen Zahlen ist natürlich zu berücksichtigen, dass die jungen Männer in Zivildienst und Wehrdienst gebunden sind.

Die öffentliche Aufmerksamkeit für das bürgerschaftliche Engagement im Gesundheitswesen ist jedoch maßgeblich durch einen anderen Typus des Engagements befördert worden: Durch ein gesellschaftspolitisches Engagement, in dem kritische Einstellungen gegenüber den Institutionen und Strukturen des Gesundheitswesens im Vordergrund stehen. Seit den 1980er Jahren hat eine “Gesundheitsbewegung” die Kritik des Gesundheitssystems formuliert und die Suche nach Alternativen vorangetrieben.

1980 gründeten sich mehr als 20 “Gesundheitsläden” mit dem Ziel, über Information, Beratung, Erfahrungsaustausch und Öffentlichkeitsarbeit die Stellung des Patienten im Gesundheitswesen zu stärken. 1985 schlossen sich Frauengesundheitszentren zum “Dachverband der selbstverwalteten Frauengesundheitsprojekte e.V.” zusammen, dem mittlerweile 19 Frauengesundheitszentren angehören.

Auf “Gesundheitstagen” (zuerst in Berlin 1980) wurden die Erfahrungen ausgetauscht und auch koordiniert, doch scheint die Gesundheitsbewegung als bundesweites Netzwerk, wie der letzte Gesundheitstag in Berlin 2000 gezeigt hat, mittlerweile ihre Bedeutung eingebüßt zu haben. Lokale und regionale Netzwerke haben längst die Impulse der Gesundheitsbewegung aufgenommen. Sie verfügen nicht nur in Gesundheitsläden, Frauen-Gesundheitszentren, Selbsthilfekontaktstellen u.a. über institutionalisierte, wenngleich finanziell prekäre und keineswegs dauerhaft gesicherte Netzwerkknoten, sondern finden auch auf Seiten der Kliniken, Arztpraxen und Gesundheitsämter Ansprechpartner, die über eigene Erfahrungen in der Gesundheitsbewegung verfügen. Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang diejenigen, die sich in den Gremien der Selbstverwaltungsorgane von Ärzteschaft und gesetzlichen Krankenkassen engagieren.

Einen dritten Typus bildet schließlich das Engagement aus unmittelbarer persönlicher Betroffenheit. Ungefähr dreiviertel aller Selbsthilfegruppen betätigen sich im Gesundheitsbereich. Sie bringen Zeit und auch in erheblichem Umfang eigenes Geld in ihr Engagement ein. In keinem anderen europäischen Land hat die Selbsthilfebewegung eine ähnliche Verbreitung und Ausdifferenzierung gefunden wie in Deutschland. Hier finden sich zwischen 70.000 bis 100.000 Selbsthilfegruppen mit ca. 3 Millionen Mitgliedern – alleine im Gesundheitsbereich etwa 80 überregionale Selbsthilfeorganisationen mit ca. 1 Millionen Mitgliedern in der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte (BAGH) und noch einmal soviele Gruppen und Mitglieder im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) bildet das Dach für 7.500 Sucht-Selbsthilfegruppen mit 200.000 Menschen. Die 700 wichtigsten bundesweiten Selbsthilfevereinigungen finden sich als CD-Rom und im Internet (Grüne Adressen”), zusammengestellt von der Nationalen Arbeits- und Kontaktstelle (NAKOS) der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG).

In ca. 250 Städten und Kreisen finden sich lokale Anlauf- und Kontaktstellen der Selbsthilfe. NAKOS erstellt regelmäßig auch ein bundesweites Verzeichnis der Selbsthilfegruppen-Unterstützungsstellen (“Rote Adressen”). Die Selbsthilfe-Kontaktstellen sind professionelle Beratungseinrichtungen mit hauptamtlichem Personal. Träger sind in der Regel Vereine, Kommunen oder Wohlfahrtsverbände. Sie informieren über die Angebote der Selbsthilfegruppen, stellen Selbsthilfegruppen infrastrukturelle Hilfe zur Verfügung und stärken die Kooperation zwischen Selbsthilfegruppen und Berufsgruppen im Gesundheitsbereich. Sie machen Öffentlichkeitsarbeit und haben Wegweiserfunktion im System der gesundheitlichen und sozialen Dienstleistungsangebote. Die Begleitforschung hat deutlich gemacht, dass Selbsthilfe-Kontaktstellen zur Neugründung, zur Ausweitung und zur Stabilisierung von Selbsthilfegruppen beitragen. Allerdings ist die finanzielle Situation der meisten Kontaktstellen prekär und die Umsetzung der bestehenden gesetzlichen Förderregelungen lässt noch deutlich zu wünschen übrig.

Die Entwicklungen des bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitsbereich sind keineswegs abgeschlossen. Drei kurze, aktuelle Beispiele müssen an dieser Stelle genügen:

Neue Initiativen und Formen werden entwickelt. So hat sich etwa 1995 eine “Notgemeinschaft Medizingeschädigter” gegründet, die mittlerweile in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern besteht. Sie schätzt die Zahl ärztlicher Behandlungsfehler auf jährlich mehr als 100.000, von denen 30.000 Schadensersatzforderungen stellen. In Berlin gründete sich 1997 die “Brustkrebsinitiative, Hilfe zur Brustgesundheit e.V.”. Deren Arbeit orientiert sich an US-amerikanischen Vorbildern (Schulungsarbeit, Information, Öffentlichkeitsarbeit). 1999 entstanden in Lüdenscheid und Lippstadt “Patienten-Informations-Zentren”. Sie verfügen über multimediale Bibliotheken und bieten umfangreiche Informationen, Fortbildung und Beratung an. Der Überblick über die Vielfalt der Formen des bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitsbereich macht deutlich, dass hier – wie in anderen Bereichen – große Potenziale für eine Reformpolitik der Zukunft vorhanden sind. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages wird diese Potenziale deutlich machen. Eine Politik des “ermöglichenden” und “aktivierenden” Staates bedeutet nicht den Abbau, sondern den Umbau von Sozialstaatlichkeit – sie öffnet den Sozialstaat stärker zur Zivilgesellschaft und ihren Akteuren. Das ist ein langer, aber lohnenswerter Weg, den es in einer zukunftsorientierten Reformdebatte weiter auszuloten und zu beschreiten gilt.

Dieses Referat erschien im November 2001 als Artikel in der Zeitschrift “Gesundheit und Gesellschaft”.

Dr. Ansgar Klein ist Referent in der Arbeitsgruppe “Bürgerschaftliches Engagement” der SPD-Bundestagsfraktion.

Glossar

Bürgerschaftliches Engagement: Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff ein Engagement, das sich auf das politische Gemeinwesen (lokal, national, transnational) bezieht. Dieses auf Gemeinwohl, Gemeinsinn, Bürgertugenden, Zivilcourage bezogene Engagement erfasst somit zunächst ein weit gefasstes Feld des politischen Engagements. In den Diskussionen der Enquete-Kommission “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements” wird der Begriff jedoch als ein Oberbegriff für verschiedene Engagementformen verwendet: Dieser umfasst neben dem politischen Engagement auch das soziale und kulturelle Engagement in den Formen des Ehrenamts, der Freiwilligenarbeit und der Selbsthilfe. Damit werden die sozial und politisch integrierenden Leistungen innerhalb der verschiedenen Engagementformen in eine vergleichende Perspektive gerückt.

Ehrenamt: Der Begriff bezeichnet die besonderen Formen eines Engagements, das von einer Gruppe, einer Gemeinschaft oder der Bürgerschaft einer Person überantwortet wird. Als ein übertragenes Amt ist diese Form des Engagements zumeist stärker formalisiert und hat einen besonderen Verpflichtungscharakter (“Ehre”). Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff freilich auch in einem weiteren Sinne verwendet, der auch weniger formalisierte Formen des Engagements umfasst.

Selbsthilfe: Der Begriff bezeichnet in einem engeren Sinn Formen der privaten wechselseitigen Hilfe innerhalb einer Gruppe, wobei eigene Betroffenheit zugrunde liegt. In einem weiteren Begriffsverständnis umfasst er Formen des selbstorganisierten Tätigwerdens, die auf öffentliche Aufmerksamkeit für die verfolgten Anliegen zielen.

Zivilgesellschaft: Der Begriff bezeichnet einen vorstaatlichen oder nichtstaatlichen Handlungsraum mit einer Vielzahl pluraler (auch konkurrierender), auf freiwilliger Basis gegründeter Organisationen und Assoziationen (auch einzelne ‘Bürger’). Diese artikulieren ihre materiellen und normativen Interessen immer auch mit Bezug auf die res publica und orientieren sich am kommunikativen Handeln, teilen zudem einen normativen Minimalkonsens: die Anerkennung des Anderen (Toleranz), das Prinzip der Fairness sowie den Ausschluss physischer Gewalt. Die pluralistischen, nicht homogenen, aber durchaus konkurrierenden Akteure der Zivilgesellschaft streben nicht nach staatlichen Ämtern. Ausgegangen wird jedoch von wechselseitigen Beeinflussungen der zivilen und der politischen Gesellschaft.

Verwendete Literatur, Internet-Hinweise und Anschriften

Arbeitsforum: Freiwilligenarbeit in Organisationen planen

Moderation: Harald Lund, Plan- und Leitstelle Spandau

Impulsreferat: Anette Lahn, Berliner Aids-Hilfe e.V.

Die Berliner Aids-Hilfe beschäftigt rund 180 ehrenamtliche HelferInnen, die in folgenden Bereichen tätig sind: Freunde im Krankenhaus Telefonberatung Cafe PositHiv Emotionale Begleitung Begegnungsangebote Präventionisten EKG Fundraiser Sozialrechtsberatung Knastarbeit

Alle Einsatzbereiche werden supervidiert.
Im Durchschnitt bleiben die Freiwilligen 2,7 Jahre bei der Berliner Aids-Hilfe.

Um das Engagement der Freiwilligen sinnvoll nutzen zu können, müssen in der Organisation einige Voraussetzungen geschaffen und Bedingungen erfüllt werden. Die Vereine, Einrichtungen oder Verbände müssen sich überlegen, an welcher Stelle die Freiwilligen in ihrer Organisation strukturell verankert werden, wo die Einbindung erfolgt (Grafik 1). Die Freiwilligenarbeit muss darüber hinaus geplant, vorbereitet und begleitet werden (Grafik 2).

Dazu gehören im einzelnen:

Vorarbeiten und interne Voraussetzungen Festlegung von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten Die Ermittlung des Bedarfs Erstellung von Tätigkeits- und Anforderungsprofilen Hauptamtliche und Ehrenamtliche miteinander in Verbindung bringen Gewinnung von Ehrenamtlichen Bestimmung von Zielgruppen Möglichkeiten der Ansprache Formen der Ansprache Das Erstgespräch Qualifizierung und Management von Ehrenamtlichen Qualifizierung von Ehrenamtlichen Möglichkeiten der Qualifizierung Fachliche Begleitung in Arbeitsprozessen Koordination und Einsatzplanung Kultur der Anerkennung Möglichkeiten der Anerkennung finden und strukturell verankern Interne und externe Anerkennung Nachweise und Zeugnisse ehrenamtlicher Arbeit Anerkennung durch verschiedene Hierarchien
Frau Lahn ist die Ehrenamtsmanagerin der Berliner Aids-Hilfe e.V.

Zusammenfassung der Diskussion

von Medy Marion Stichling

Ein Schwerpunkt in der Diskussion drehte sich um die Fragen der Qualifikation, welche Möglichkeiten der Aus- und Fortbildung es für Ehrenamtliche gibt und vor allem, wie die Finanzierung gewährleistet werden kann.
Kostenfreie Angebote sind rar und es ist Freiwilligen nicht zuzumuten, für Fortbildungen zu zahlen.
Es gibt jedoch die Möglichkeit, unentgeltliche Angebote zu organisieren. Die in den Organisationen tätigen Hauptamtlichen können ihr know-how an die Ehrenamtlichen weitergeben. Sinnvoll wäre dabei eine Zusammenarbeit der Organisationen mit ähnlichem Tätigkeitsprofil, ein gegenseitiges zur Verfügung stellen bzw. anbieten der Fortbildungen.
Eine weitere Idee für kostenlose Aus- und Fortbildungen ist die Kooperation mit entsprechenden Firmen. Eine Werbeagentur könnte beispielsweise Hospitationen für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit anbieten.
Das Motto für Fortbildungen sollte lauten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Da die Menschen, die sich heute freiwillig engagieren sich nicht für den Rest ihres Lebens binden möchten, sollte auch die Qualifizierung für die Tätigkeit im Verhältnis dazu stehen.
Ein weiterer Punkt war die Frage, wie es gelingt, die Motivation der Ehrenamtlichen für ihr Engagement zu erhalten. Voraussetzung dazu ist eine klare Aufgabenzuweisung und Abklärung der Kompetenzen, die die Ehrenamtlichen haben. Eine Vereinsidentität, in die die Ehrenamtlichen aufgenommen werden und mit der sie sich identifizieren können ist für den Erhalt der Motivation hilfreich.
Sehr wichtig ist eine “Kultur des Anerkennens”. Die Anerkennung muss jedoch über internes Lob in der Organisation selbst hinausgehen, auch die Öffentlichkeit, zum Beispiel die Medien und Politik sollen das Freiwilligen-Engagement würdigen. Voraussetzung dafür ist eine positive Darstellung der Aufgaben in der Öffentlichkeit. Das Selbstbewusstsein der Freiwilligen wird so gestärkt bzw. unterstützt und die Attraktivität von Freiwilligen-Engagement gesteigert. Dazu gehört auch eine behördliche Anerkennung von Zeugnissen über die ehrenamtliche Tätigkeit.
Als unabdingbar wird eine Person in der Organisation angesehen, die als Ansprechpartner für die Freiwilligen zur Verfügung steht.

Zusammengefasst wurden folgende Forderungen formuliert: garantierte Aufwandsentschädigung Finanzierung von Fortbildungen Anerkennung durch die Organisation, durch die Öffentlichkeit (Medien und Politik) Bsp.: behördliche Anerkennung von Zeugnissen über die ehrenamtliche Tätigkeit

Freiwilligenarbeit in Organisationen planen

Script: Beatrix Meier-Tacke, Caritasverband für Berlin e.V.

Im Jahr 1997 richtete der Caritasverband für Berlin e. V. eine Stabsstelle “Arbeit mit Ehrenamtlichen” ein. Ziel dieser Stelle ist der Ausbau und die Förderung der ehrenamtlichen Arbeit in unseren Einrichtungen.
Das Projekt “Arbeit mit Ehrenamtlichen” wurde durch eine Anschubfinanzierung des Deutschen Hilfswerkes und durch Eigenmittel ermöglicht. Im Vordergrund steht die Gewinnung, Qualifizierung und Pflege von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ebenso wichtig ist die Beratung und Begleitung der hauptamtlichen MitarbeiterInnen in ihrer Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Diese Ziele wurden erreicht: durch Information und Beratung, entsprechend den Fähigkeiten des Bewerbers, ihm die richtige ehrenamtliche Aufgabe anzubieten dass sich die professionellen Dienste durch Information und Austausch für Ehrenamtliche mehr öffnen konnten die Partnerschaft zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen gefördert wurde durch Einführung einer Aufwandsentschädigung für Fahrgeld, Ausweise, Zertifikate und die Einbeziehung der Ehrenamtlichen bei unseren Festen und Veranstaltungen, so dass eine höhere Anerkennung und Einbindung der Ehrenamtlichen entstand eine fachliche Unterstützung durch regelmäßige Fortbildungsangebote vorhanden ist

Arbeitsschwerpunkte

Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
Durch verschiedene Presseartikel, die in der Berliner Presse erschienen, wurden neue Ehrenamtliche erreicht. Es meldeten sich jeweils zwischen 20-50 Interessierte. Neben der Pressearbeit wurden Radio- und Fernsehinterviews gegeben. So konnten neue Ehrenamtliche u. a. für ein Krisenhaus, Sozialstationen, Betreuungsvereine, Kleiderkammern, Suppenküchen, den Migrationsdienst, die Verwaltung und für Jugendprojekte gewonnen werden.

Weitere Werbeaktionen: Flyer mit dem Titel “Ehrenamt bei der Caritas” eine Plakataktion Homepage “Ehrenamtliche Dienste in der Caritas” mit aktueller Jobbörse, E-Mail

Interessierte Menschen, die von uns informiert und beraten wurden:
1997: 66 Personen
1998: 118 Personen
1999: 124 Personen
2000: 138 Personen
2001: 134 Personen
Gesamtzahl: 580 Personen
Davon konnten in unsere Einrichtungen und Fachverbände 284 Ehrenamtliche vermittelt werden.

Zu ihrer Motivation befragt, gaben die meisten Ehrenamtlichen an: sie wollen eine sinnvolle Aufgabe erfüllen neue Kontakte knüpfen eigene Fähigkeiten und Kompetenzen für andere hilfreich einsetzen trotz Arbeitslosigkeit das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Zurzeit arbeiten 389 aktive Ehrenamtliche in unseren 100 Einrichtungen. Hier einige Beispiele: Mitarbeit im Begegnungszentrum für ältere MigrantInnen, in der Ambulanz für Wohnungslose, in der Alkoholberatung, in den Kleiderkammern und Suppenküchen, in der Verwaltung, im Besuchsdienst in Sozialstationen, Hospiz und Krankenhäusern.
Frauen sind nach wie vor im sozialen Ehrenamt stärker vertreten als Männer. Doch ist eine Zunahme der männlichen Bewerber von 15 % zu verzeichnen. Oft bedingt durch Vorruhestand und Arbeitslosigkeit.

Initiierung von Fortbildungsangeboten für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Es wurden 44 Seminare für ehrenamtliche MitarbeiterInnen durchgeführt mit 325 Teilnehmern. Themen waren u. a.: Helferrolle, Umgang mit Krisen, Abgrenzung, Rolle als Ehrenamtlicher, Gesprächsführung, Versicherungsfragen.
Für hauptamtliche MitarbeiterInnen wurden acht Seminare angeboten, die sich mit den Bedingungen und dem Aufbau ehrenamtlicher Mitarbeit beschäftigten, mit insgesamt 51 TeilnehmerInnen.
Seit 1999 gibt es gemeinsame Tagungen für ehrenamtliche und hauptamtliche MitarbeiterInnen zur Gestaltung einer kooperativen Zusammenarbeit.

Gremienarbeit
Auf Liga-Ebene wurde ein Forum “Ehrenamt” gegründet. Neben dem Erfahrungsaustausch werden wir gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden Leitsätze für die Arbeit mit Ehrenamtlichen erarbeiten und eine politische Plattform bilden, um die Anerkennung des Ehrenamtes weiter zu fördern.

Ausblick
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich das traditionelle Ehrenamt wandelt hin zum freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement. Die Menschen wollen nicht mehr jahrelang ein und dieselbe ehrenamtliche Aufgabe erfüllen, sondern zunehmend zeitlich begrenzt und projektbezogen arbeiten. Sie möchten verstärkt eigene Ideen und Fähigkeiten einbringen. Für uns bedeutet dieser Wandel, dass wir als Organisation noch flexibler auf die Wünsche und Bedürfnisse der Ehrenamtlichen eingehen müssen, damit eine produktive Zusammenarbeit gelingt.
Neben dem Ausbau von interessanten Einsatzmöglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit wird ein Schwerpunkt die Zusammenarbeit mit der Berliner Wirtschaft zur Förderung sozialen Engagements in Betrieben sein, sowie die Gründung eines Caritas-Freiwilligenzentrums.

Frau Meier-Tacke ist Ehrenamtskoordinatorin und -managerin bei der Caritas. Sie war ursprünglich als Referentin für dieses Arbeitsforum eingeplant, musste jedoch leider kurzfristig absagen. Sie hat uns freundlicherweise ihren Beitrag für den Abdruck in dieser Dokumentation zur Verfügung gestellt.

Arbeitsforum: Zur Zusammenarbeit hauptamtlicher – ehrenamtlicher MitarbeiterInnen

Moderation: Elke Berg, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Plan- und Leitstelle

Impulsreferat: Carmen Korf-Krumrey, Seniorenbüro Berlin - DPW

Ehrenamt: Fluch oder Segen?
Hauptamtlich – Ehrenamtlich – Miteinander
Fluch oder Segen? Diese Frage lenkt den Blick zunächst auf die Ehrenamtlichen selbst, dann aber auch auf die Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten für freiwilliges soziales Engagement. Unter diesem Blickwinkel bietet das Seniorenbüro im Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. Antworten aus einer beruflichen Praxis, die durch eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen geprägt ist. Nach seiner Geburt als Bundesmodellprojekt 1994 ist das Seniorenbüro inzwischen zu einer festen Anlaufstelle für Fragen zum Thema Ehrenamt geworden. Das Seniorenbüro bietet Unterstützung für meist ältere Menschen, die sich in der Phase der Nachberuflichkeit neu orientieren und Interesse an ehrenamtlicher Arbeit zeigen. Neben diesem Dienstleistungsangebot zählt auch die Beratung von Hauptamtlichen für ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen, die fachliche Begleitung von überwiegend ehrenamtlich getragenen Projekten sowie die Konzeptentwicklung für neue Projekte wie z.B. die Einrichtung eines Büros für bürgerschaftliches Engagement und Nachbarschaftshilfe in Neukölln mit zum Aufgabenspektrum des Seniorenbüros. Mit den Zielen, das Thema Ehrenamt “salonfähig” zu machen und dabei insbesondere ältere Menschen bei der aktiven Teilhabe an der Gesellschaft zu unterstützen, ist die Soziale Arbeit auf der ganzen Linie gefordert.

Ehrenamt – alter Wein in neuen Schläuchen?
Die Diskussion um “Fluch oder Segen” des Ehrenamtes für die Soziale Arbeit ist nicht neu. Neu sind lediglich die Wortkreationen, die sich dieser altbekannten Frage widmen: die klassische Bezeichnung Ehrenamt ist abgelöst worden von Begriffen wie bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit oder freiwilliges soziales Engagement. Ehrenamt bedeutet nicht mehr ausschließlich Hilfe für andere aus altruistischen Motiven. Im Vordergrund steht jetzt das Ehrenamt als Form der Mitgestaltung von Bürgern am Staat auf kommunaler Ebene. Auch wenn mit den genannten Begriffen strukturelle Veränderungen angesprochen werden, wie z.B. das Rollenverständnis von Ehrenamtlichen, ihre Motivation oder der wachsende Dritte Sektor, bleibt doch die Frage, inwiefern durch das Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Synergieeffekte erzeugt bzw. genutzt werden können, die eine positive Wirkung auf die Soziale Arbeit haben.
Unvermeidbar springen aus der Perspektive der Hauptamtlichen auch die damit verbundenen Gefahren ins Auge. Dem Thema Ehrenamt haftet mit dieser Sichtweise auch ein Fluch an, wie z.B. die Konkurrenz zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen oder die Entprofessionalisierung der Sozialarbeit durch die Rekrutierung von freiwilligen Quasi-Sozialarbeitern, die sich auf dem Bildungsmarkt für Ehrenamtliche ihr Wissen abholen.

Motivationsgründe für freiwilliges soziales Engagement
Was bringt Menschen dazu, sich freiwillig für andere zu engagieren?
Selbstverwirklichung und die Durchsetzung persönlicher Interessen haben das christliche Gebot der Nächstenliebe abgelöst. Diese Ablösung verleiht dem Begriff Ehrenamt eine neue Dimension. Die Pflicht zu Helfen ist zur Eigeninitiative für die Persönlichkeitsentwicklung geworden. Eine solche Veränderung ist nicht Bremse, sondern Motor für das Ehrenamt. Besonders deutlich wird diese Veränderung bei den älteren Ehrenamtlichen im Seniorenbüro, die sich selbst in einer aktiv-gestaltenden Rolle sehen. Sie nutzen das Ehrenamt, um eigene Fähigkeiten und Kenntnisse einzubringen und wollen ihren Horizont erweitern. Das vom Seniorenbüro initiierte Projekt “Internetz” ist ein Beispiel dafür. Für die berlinweite Vernetzung von etwa 60 Projekten aus dem Bereich der Altenhilfe wird das Internet als neues Medium genutzt. Es sind überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Projekten, die mit großem Interesse den Zugang zu diesem neuen Medium suchen.
Für die Motivationsgründe ist es des weiteren von Bedeutung, inwiefern die Möglichkeiten des Engagements zu den persönlichen Interessen passen. Je genauer diese beiden Komponenten zusammenpassen, desto nachhaltiger ist die Bereitschaft zum Ehrenamt. Der beschriebene Zusammenhang lässt sich in dem ebenfalls vom Seniorenbüro ins Leben gerufene Projekt “Ältere informieren Ältere über Wohnen im Alter”. Getragen wird dieses Projekt von einer festen Gruppe von Ehrenamtlichen, die jedoch offen für Interessierte ist. Die Projektidee ist, dass sich die Ehrenamtlichen aus ihrer Perspektive über Wohnformen im Alter informieren. Sie setzen sich zunächst selbst mit Themen wie z.B. Betreutes Wohnen auseinander, um ihr Wissen dann in selbständig durchgeführten Beratungen an Senioren weiterzugeben, die ihre Wohnsituation im Alter verändern wollen oder müssen. Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater begegnen dabei immer wieder ihrem persönlichen Prozess des Alterns und lernen mit der Vorbereitung auf die Beratung Hilfemöglichkeiten kennen, die sie auch selbst in Anspruch nehmen können. Ehrenamt braucht persönliche Berührungspunkte.

Formen der Zusammenarbeit
Wie passen nun die beiden Komponenten hauptamtlich / ehrenamtlich in der Sozialen Arbeit zusammen?
Freiwilligenarbeit kann professionelle Sozialarbeit zwar ergänzen, aber nicht ersetzen. Das Ehrenamt bietet für die Soziale Arbeit ein zusätzliches Potenzial, darf aber nicht als Lückenfüller für wachsende Löcher im sozialen Netz missbraucht werden. Während freiwilliges Engagement aus einer persönlichen Motivation heraus erwächst und nicht an bestimmte Zielvorgaben gebunden ist, erfüllen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mit ihrem Dienstleistungsangebot Leistungsvorgaben, die auf sozialpolitisch verankerte Rahmenbedingungen zurückzuführen sind. Im Vordergrund steht dabei nicht der persönliche Gewinn durch die Arbeit, sondern die Arbeit selbst. Zusatzqualifikation helfen Ehrenamtlichen, sich in dem gewählten Arbeitsumfeld zurechtzufinden, beinhalten aber auch den Schrecken der Entprofessionalisierung von Sozialarbeit. Hier taucht die Furcht der Hauptamtlichen vor Ehrenamtlichen auf. Bei der Abgrenzung zwischen Haupt- und Ehrenamt darf es jedoch nicht um besser oder schlechter gehen. Anstatt eine Angleichung beider Komponenten vor Augen zu haben, sollte der Blick auf die Vielseitigkeit gerichtet werden, die sich aus diesem Zusammenspiel ergibt. Die Soziale Arbeit erhält durch das Leistungspotenzial der Ehrenamtlichen eine besondere Qualität, wenn Fachwissen, freiwilliges Engagement und Kompetenzen der Ehrenamtlichen ineinandergreifen. Ehrenamtliche können sich nicht nur mit ihrem Erfahrungswissen einbringen, sondern ebenso mit Fachkompetenz resultierend aus ihren eigenen beruflichen Erfahrungen.
Will sich jemand ehrenamtlich engagieren, braucht er eine Organisationsstruktur, in der Hauptamtliche die Kompetenz von Ehrenamtlichen anerkennen und genügend Raum lassen für eine Form der Zusammenarbeit, die für beide Seiten befriedigend ist.
Immer wieder wird danach gefragt, welche Kompetenzen Ehrenamtliche mitbringen sollten. Soziale Arbeit mit Ehrenamtlichen funktioniert nur dann, wenn auch Hauptamtliche ihrerseits die Bereitschaft für eine solche Arbeitsform mitbringen. An erster Stelle steht hier die Forderung an Hauptamtliche, Ehrenamtlichen ein Stück von ihrem Arbeitsfeld zu überlassen. Diese Bereitschaft findet Ausdruck in einer Haltung gegenüber Ehrenamtlichen, die über Offenheit und Anerkennung zunächst das Tor für eine gute Zusammenarbeit öffnet. Flexibilität ist gefragt, weil Ehrenamtliche keinen Arbeitsvertrag abschließen, aus dem sich ein klares Aufgabengebiet ergibt. Ehrenamtliche bringen auch Chaos in den Arbeitsalltag. Der Alltag wird von zunächst außenstehenden Personen durchbrochen, die mit ihrem Engagement neue Ideen einbringen und allmählich in vorhandene Strukturen eintauchen.

Anforderungen an das Berufsbild der Sozialarbeiterin bzw. des Sozialarbeiters
Im Gegensatz zu anderen Berufsfeldern bieten sich gerade in der Sozialen Arbeit Tätigkeitsfelder für Freiwilligenarbeit. Mit der Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit ist meistens auch die Suche nach neuen sozialen Kontakten verbunden. Insbesondere ältere Menschen knüpfen auf diese Weise ihr eigenes soziales Netzwerk als Ersatz von sich auflösenden familiären oder freundschaftlichen Bindungen. Ältere Menschen, die sich freiwillig engagieren, befinden sich häufig in einer Umbruchsituation. Die Phase der Nachberuflichkeit beginnt, der Lebenspartner oder die Partnerin wird pflegebedürftig. Solche Ereignisse können eine Lebenssituation dahingehend beeinflussen, dass Ehrenamtliche selbst Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Aufgrund der vorhanden persönlichen Bindung zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen kann auf diese Weise auch eine “hausinterne” Beratung zustande kommen.
Das Seniorenbüro als Teil eines großen Wohlfahrtverbandes ist in erster Linie eine Interessenvertretung für am Ehrenamt interessierte Menschen.
Die ursprüngliche Zielgruppe der älteren Menschen wird zunehmend ausgedehnt auf Menschen aller Altersgruppen. Dies zeigt sich insbesondere im Bezirk Neukölln. Eine Aufgabe im Rahmen der Sozialen Arbeit besteht darin, die Öffentlichkeit für die vielfältigen Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements zu sensibilisieren. Soziale Arbeit mit und für Ehrenamtliche beinhaltet eine Vernetzung der individuellen Wünsche bezüglich Freiwilligenarbeit und dem aktuellen Bedarf an ehrenamtlicher Mitarbeit bei sozialen Projekten oder Vereinen. Interessierte müssen zunächst über die Möglichkeiten der freiwilligen Engagements informiert werden, bevor sie das Richtige für sich finden können. Die Arbeit endet jedoch nicht mit der erfolgreichen Akquise von Ehrenamtlichen. Ist ein potenzieller Ehrenamtlicher erst aktiv geworden, erfordert seine Tätigkeit fachliche Unterstützung. Die Organisation von Fortbildungsmaßnahmen für Ehrenamtliche, die Moderation von Gesprächsgruppen oder Supervision sind nur einige Beispiele dafür. Beratungstätigkeit und Koordinationsaufgaben sollten auch für diesen Bereich der Sozialen Arbeit derart verzahnt sein, dass vorhandene Potenziale optimal genutzt werden können. Gelingt dies, ist zwar der Fluch vorhanden doch der Segen des Ehrenamtes überwiegt, so dass eine Chance der Neuorientierung für die Soziale Arbeit nicht vertan wird. Sie erhält eine Lotsenfunktion, durch die sowohl professionelle als auch ehrenamtliche HelferInnen ein sinnvolles Miteinander gestalten können.

Frau Korf-Krumrey ist Diplom-Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin im Seniorenbüro im Paritätischen Wohlfahrtsfahrtsverband. Das Seniorenbüro entstand 1994 als Bundesmodellprojekt mit der Aufgabe “Vermittlungen ehrenamtlicher Tätigkeiten für Menschen in der nachberuflichen Phase”. Seit 1998 ist der Paritätischen Wohlfahrtsverband Träger dieser Initiative.

Zusammenfassung der Diskussion
von Christian Lüdeke

Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe stammten aus sehr unterschiedlichen Bereichen hauptamtlicher und nebenamtlicher Tätigkeit, wie die Vorstellungsrunde gleich zu Beginn ergab. Somit waren nach dem Impulsreferat beste Voraussetzungen für eine interessante Diskussion gegeben.
Dabei war es keinesfalls so, dass eine Fülle gegensätzlicher Standpunkte aufeinander prallte, denn überwiegend hatten haupt- und nebenamtlich Beschäftigte, so der Gesamteindruck, positive Erfahrungen miteinander gemacht. Faktoren, die dies förderten, seien die klare Trennung der jeweiligen Handlungskompetenzen sowie Transparenz in der Arbeitsorganisation. Wichtig sei aber vor allem die Bereitschaft, einander zu akzeptieren.
Ehrenamtlich Beschäftigte hoben hervor, dass es sehr motivierend für sie sei, verantwortungsvolle Tätigkeiten auszuüben und soweit möglich auch eigenverantwortlich handeln zu können. Bedeutsam sei für sie sowohl die Weitergabe eigener Berufserfahrungen als auch der Erfahrungsaustausch mit KollegInnen.
Als wenig förderlich für die Zusammenarbeit bezeichneten Ehrenamtliche die mitunter zu starren Regelungen in den Arbeitsabläufen. Manchmal stünden haupt- und ehrenamtlich Beschäftigte auch in Konkurrenz zueinander, sodass es zu stärkerer Abgrenzung komme. Schwierigkeiten könne es bereiten, mit hoher Verantwortung und Erfolgsdruck umgehen zu müssen. Kritisiert wurden schließlich Einzelfälle, wo Ehrenamtliche als Lückenbüßer für fehlende Hauptamtliche fungierten, dort aber von ihrer Qualifikation her falsch eingesetzt waren.
Hauptamtlich Tätige benannten andere Reibungspunkte bei der Zusammenarbeit: Freiwillige würden sich mitunter nur die Rosinen bei der Arbeit herauspicken. Manchen mangele es an Disziplin, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.
Die Frage nach den Wegen zur Veränderung bildete den Abschluss der Arbeitsgruppendiskussion. Ehrenamtliche sollten adäquat eingesetzt werden, Arbeitsabläufe und Kompetenzen müssen klar definiert sein. Grundsätzlich sollte die Möglichkeit zur Fortbildung, Weiterqualifikation und Supervision gegeben sein.

Diskussionspunkte in der Übersicht:

Arbeitsforum: Förderung des Freiwilligen Engagements durch Firmen: Corporate Citizenship

Moderation und Co-Referat: Karin Stötzner, SEKIS

Impulsreferat: Thomas Liljeberg, Agens 27 GmbH

Die agens 27 GmbH ist das kommerzielle Tochterunternehmen des Internationalen JugendKunst- und Kulturzentrums Schlesische 27. Die Gesellschaftsgründung im Juli 1998 ist das Produkt einer langjährigen und erfolgreichen Public-Private-Partnership.. Ziel ist es, mittelfristig neben dem weiterhin unverzichtbaren Engagement der öffentlichen Hand, der Unternehmen und privaten Förderer, einen gewichtigen Eigenbeitrag zur Finanzierung der Arbeit der Schlesischen 27 zu leisten. Deshalb ist in der Satzung festgelegt, dass die Gewinne des Unternehmens ausschließlich der ideellen Arbeit der Schlesischen 27 zufließen.
1999 beginnt die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der agens 27 GmbH und dem Showroom der Firma NIKE in Berlin, der NIKETOWN Berlin.

Die Firma NIKE wurde im Jahr 1972 in den USA gegründet 1982 wird die erste NIKE-Niederlassung in Deutschland eröffnet 1998 eröffnet europaweit der erste Showroom: NIKETOWN BERLIN 1999 beginnt das Volunteer-Programm mit der agens 27 GmbH 2000 arbeiten weltweit 550 000 Menschen direkt und indirekt für die Firma NIKE
NIKE engagiert sich mit Hilfe der agens 27 GmbH in einem Projekt der “corporate citizenship”. Dieser Begriff stammt aus den USA und steht für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen mit bestimmten, typischen Handlungsweisen:

Finanzielle Unterstützung sozialer Projekte Engagement von Freiwilligen in sozialen Projekten Wissenstransfer für gemeinnützige Einrichtungen Produktspenden, Bereitstellen von Infrastruktur Day of Caring
Die Firma agens 27, Gesellschaft für Kunst, Medien und Kommunikation mbH, hat ein Pilot-Projekt des gemeinnützigen Arbeitnehmer-Engagements für die Berliner Niederlassung von NIKE konzipiert.

In einer Vorbereitungsphase ermittelt das “Niketown Berlin Volunteer Programm” welche Mitarbeiterkompetenzen vorhanden sind, wie sie am sinnvollsten in soziale Projekte einfließen und gleichzeitig die corporate identity (Firmen-Identität) von NIKE kommunizieren können.
Ergebnis der Recherche war: die sehr junge, sport-orientierte NIKE-Belegschaft (Stichwort: Mitarbeiterkompetenzen) bietet Jugendlichen (Stichwort: Zielpublikum der Firma NIKE) in sozialen Brennpunkten gemeinsame sportliche Aktivitäten an. Dieses bürgerschaftliche Engagement kommuniziert gleichzeitig die “corporate identity” der Firma NIKE. Nach dieser Vorarbeit bekam die Firma agens 27 GmbH den Auftrag zur Betreuung des Volunteer Programms.
In Auswahlgesprächen mit interessierten MitarbeiterInnen wurden Vorurteile, Bedenken und Befürchtungen aus dem Weg geräumt. Nun begann die Auswahl der Sportarten sowie Projekte für einen Einsatz der Freiwilligen.
Während einer Pilotphase von sechs Monaten wurden zunächst acht MitarbeiterInnen von insgesamt 160 bei NIKE Beschäftigten für je 2,5 Stunden pro Woche freigestellt. Das heißt, die MitarbeiterInnen erhielten während ihres gemeinnützigen Engagements weiter alle Bezüge von ihrem Arbeitgeber.
Inzwischen betätigen sich bereits sechzehn NIKE-Angestellte freiwillig in diesem Projekt. Angeleitet von StreetworkerInnen und SozialarbeiterInnen / Pädagogen arbeiten sie als Trainer mit Kindern und Jugendlichen an sozialen Brennpunkten dieser Stadt. Die Anwesenheit der pädagogischen Fachkräfte vor Ort ist wichtig, weil sie die Jugendlichen und deren Situation kennen.
Aktuelle Projekte sind z.B. das Volleyballspiel in Kooperation mit dem Verein Gangway e.V., oder auch das Basketballspiel an der 7. Oberschule.
Freiwillige MitarbeiterInnen erwerben soziale Kompetenzen und tragen diese ins Unternehmen zurück, so werden z.B. Vorurteile ausgeräumt. Ein weiterer Effekt ist der Gewinn für das Unternehmens- und Markenimage.
Eine Mitarbeiterin der Firma agens 27 dokumentiert und evaluiert alle Einsätze der freiwilllig-engagierten NIKE-MitarbeiterInnen, um den Nutzen für das Unternehmen quantitativ und qualitativ zu erfassen.

Unternehmen messen Sinn und Zweck der “corporate citizenship” nach internen und externen Faktoren:

Zusammenfassung des Co-Referats von Karin Stötzner und der anschließenden Diskussion

von Ilona Ksinzyk

Frau Stötzner referiert aus einer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegebenen Dokumentation und einer Broschüre der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema unternehmerisches Engagement im Freiwilligenbereich.
Zusammenfassend stellt sie fest, dass sich hauptsächlich große Unternehmen engagieren und zwar bevorzugt in den Bereichen Behinderte und Kinder. Gemessen an den vielfältigen Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements erscheint die Konzentration auf überwiegend diese beiden Einsatzfelder etwas dürftig.
Die Unterstützungsvarianten reichen von der Freistellung bis zum Input der MitarbeiterInnen in einige Projekte, interessanterweise nie in Vereine.
Der feststellbare Nutzen für die Unternehmen liegt in den Bereichen Personalführung und Imagegewinn.
Es gab eine lebendige Diskussion, die vor allem Fragen nach der Kontaktaufnahme zu einem Unternehmen oder der Gestaltung der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen und die Akzeptanz der Akteure in einem Projekt zum Gegenstand hatte.
Die wichtigste Frage wurde auch gleich zu Beginn der Diskussion gestellt: Wie finde ich ein geeignetes Unternehmen für mein Projekt?
Die Suche beginnt mit einer präzisen Analyse der Engagementfelder und Themenbereiche, die für bestimmte Unternehmen interessant sein könnten. Das erleichtert die Kontaktaufnahme und ermöglicht ein weitergehendes Engagement.
Sicher ist es auch von einiger Relevanz, welche Rolle ein Unternehmen im globalen Kontext einnimmt. Unternehmen wie Daimler-Chrysler oder Siemens, die in den USA an der Börse notiert werden, sind eher bemüht, vor der interessierten amerikanischen Öffentlichkeit den Ruf als “good citizen” zu wahren. Das wirkt sich durchaus auf die Gepflogenheiten eines Unternehmens in Deutschland aus. Es macht also Sinn, die Unternehmen nach ihren internationalen Aktivitäten zu befragen und eher auf global agierende Unternehmen zurückzugreifen.
In der Ansprache einer ausgewählten Firma sollte der unternehmensbezogene Nutzen eines Projektes gut lesbar dargestellt werden. Die Türen öffnen sich leichter, wenn im Unternehmen ein Fürsprecher gewonnen wird.
Kommen MitarbeiterInnen eines Unternehmens zu einem Einsatz in eine Organisation oder in ein Projekt, dann stellt sich unter Umständen die Frage nach der Akzeptanz der MitarbeiterInnen bei der jeweiligen Zielgruppe. Im Fall von NIKE waren das Jugendliche, die von der Straße oder aus Schulen für den Sport gewonnen werden sollten. Freiwillige und Jugendliche sind über den Dresscode mit einander verbunden. Bekleidung aus dem Haus NIKE genießt bei den Jugendlichen per se ein hohes Ansehen: NIKE ist Kult. Dadurch tritt dieses Hindernis in diesem speziellen Fall nicht auf. So können die Jugendlichen das sportliche Angebot leichter annehmen und von der Partnerschaft profitieren. Berührungsängste, die es auf Seiten der NIKE-MitarbeiterInnen gibt, oder Missverständnisse, die im Verlauf der Zusammenarbeit auftreten, werden von den begleitenden SozialarbeiterInnen aufgegriffen und bearbeitet.
Der Nutzen für die Projekte und die ArbeitnehmerInnen ist unbestritten und wird begleitend evaluiert. Amerikanische ArbeitnehmerInnen haben Bei der Karriereplanung direkte Vorteile aus bürgerschaftlichen Aktivitäten. Ohne diesen Baustein schwinden die Chancen für den beruflichen Aufstieg. Inzwischen wird bei großen, deutschen Unternehmen im Personalfragebogen, soziale Kompetenz mit sportlichem Engagement gleichgesetzt und gleichermaßen hoch bewertet.
Weitergehende Unterstützung des freiwilligen Engagements von Unternehmen sieht Herr Liljeberg in einem “Day of Caring”. Für das Publikum stellte sich die Frage, inwieweit sich der bereits berlinweit bekannte “Day of Caring” des “Treffpunktes Hilfsbereitschaft” mit dem von NIKETOWN Berlin, offensichtlich in alleiniger Regie geplante Tage koordinieren, um Synergien zu nutzen?
Frau Stötzner wird den Treffpunkt Hilfsbereitschaft informieren und um die Koordination der Veranstaltungen ersuchen.
Das relativ neue Thema der “corporate citizenship” wird von den MitarbeiterInnen gemeinnütziger Organisationen sehr interessiert aufgenommen. Es besteht ein großes Interesse an einer Agenda zum Gestaltungsablauf einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Profit-Bereich.
Thomas Liljeberg ist Geschäftsführer der Firma agens 27 Gesellschaft für Kunst, Medien und Kommunikation mbH, die im Juli 1998 gegründet wurde.

Arbeitsforum: Lobbyarbeit für Ehrenamtlichkeit

Frau Schaaf-Derichs war ursprünglich als Referentin für dieses Arbeitsforum eingeplant, musste jedoch leider absagen. Wir konnten kurzfristig keine/n ErsatzreferentIn organisieren und mussten deshalb dieses Forum ersatzlos ausfallen lassen. Frau Schaaf-Derichs hat uns freundlicherweise ihren Beitrag für den Abdruck in dieser Dokumentation zur Verfügung gestellt.

Script: Carola Schaaf-Derichs, Treffpunkt Hilfsbereitschaft Berlin

Der Erste Berliner Freiwilligentag (EBFT) – Sonntag, 16. September 2001 –
Gärtnern, vorlesen, singen, Denkmale pflegen, Straßen entmüllen, Aidsschleifen basteln, Geld sammeln, kochen und servieren, Wände streichen, Spielplatz und Garten verschönern, Fenster putzen, Haus dekorieren – was hätten Sie am liebsten gemacht? Freiwillig und als Geschenk für einen engagierten sozialen Verein oder für die Öffentlichkeit insgesamt?

Der Erste Berliner Freiwilligentag brachte all diese Aktionen in Gang – und noch viele mehr.

Nach einem längeren Vorlauf, vielerlei Werbungs- und Überzeugungsarbeit für diese neue Form einer sozialen Kampagne in der Stadt Berlin stand schließlich eine neue, eigene Logistik und Vorgehensweise fest.
Den Anstoß hatte ein Besuch von der New Yorker Kollegin Jennifer Schenkel im Mai 2000 in Berlin und beim Treffpunkt Hilfsbereitschaft gegeben. Jennifer hatte im Rahmen einer Tagung von ihrer Arbeit als Volunteerprogramme-Manager bei New York Cares berichtet und uns ermutigt, uns auch mit anderen Formen des kurzfristigen Engagements zu erproben. Schließlich nahm sie mir das Versprechen ab, so einen “Tag des Kümmerns” im Internationalen Jahr der Freiwilligen (IJF) für Berlin zu organisieren. Mit so einer “Ein-Tages-Mitmach-Initiative” hatten wir tatsächlich schon früher geliebäugelt, aber nun in Anbetracht einer so praxiserfahrenen und ermutigenden Kollegin konnte ich gar nicht anders als die Bedenken beiseite zu schieben und auf das Machbare zu schauen.
Zuerst aber galt es MitstreiterInnen zu gewinnen und die schöne Idee eines “day of caring” oder eines “Berlin Cares Day” auf hiesige Verhältnisse und Bedürfnisse zu übersetzen. Dazu nutzten wir das von uns bereits seit Sommer 2000 gegründete Forum des Koordinierungskreises für das IJF in Berlin.
Allein die noch unvollkommene Darstellung der Ausgangsidee zog Interesse nach sich, wir gründeten eine “AG Kampagne”. Die ersten Treffen zogen sich noch etwas zäh, da die Kernidee zwar spontan klar zu machen war – ein Tag des Mitmachens für alle Berliner als freiwilliges Engagement – aber die Umsetzung und die Berliner Mentalität aus Sicht der AG’ler Schwierigkeiten machte. “Wer sollte hierzulande schon einen Park aufräumen wollen, wo’s doch die BSR (Berliner Stadtreinigung) gibt?!!” Frage und Aussage zugleich. “Warum sollten sich die BerlinerInnen zu einem Ereignis auf den Weg machen, das sie nicht kennen, das mit Arbeit verbunden ist und wer dankt einem eigentlich dafür?” “Was ist unsere zentrale Botschaft mit so einer Aktion und wen wollen wir als Partner, wen als Zielgruppe erreichen?”

Mit immer konkreteren Fragen robbten wir uns an die sinnvolle Feinstruktur dieser Mitmach-Aktion heran. Schließlich ergab sich nach einigen weniger gelungenen Entwürfen folgende Kampagnen-Architektur:

Beiträge aus dem Diskussionsforum im Internet

Als wir begannen, die Gesundheitskonferenz vorzubereiten, hatten wir die Idee ein Diskussionsforum im Internet einzurichten. Wir wollten Menschen die Möglichkeit geben, sich an der Diskussion zum Thema Ehrenamt, Freiwilligen-Engagement, Volunteering schon im Vorfeld zu beteiligen.
Die Beiträge, die uns erreichten, sind nachfolgend abgedruckt.

Marcel Assmann schrieb uns am 29.05.2001
In unserer Gesellschaft werden viele Leistungen ehrenamtlich erbracht. Im Bruttosozialprodukt tauchen diese Leistungen zwar nicht auf, sie sind aber dennoch von großer Bedeutung für das Zusammenleben in unserem Land. Auch die beste staatliche Sozialordnung kann auf Zuwendung von Mensch zu Mensch, auf praktizierte Nächstenliebe nicht verzichten. Deshalb ist es wichtig, dass wir eine neue Kultur des Helfens fördern. Die Bereitschaft zu Selbsthilfe und Ehrenamt kann der Staat zwar nicht “verordnen”. Allerdings kann und muss der Staat die Bereitschaft zu Selbsthilfe und Ehrenamt wecken und unterstützen. Zur Unterstützung des Ehrenamtes sind alle politischen Ebenen aufgefordert.

Margit Riemschneider schrieb uns am 30.05.2001
anders als in den USA, wo ein Ehrenamt selbstverständlich ist, und das kaum vorhandene Sozialsystem ohne dieses zusammenbrechen würde, hat bei uns ein Ehrenamt immer noch kein besonders gutes Image. Es scheint wirklich auch ein gesellschaftliches Problem zu sein. Das Sozialsystem hier ist sehr breit gefächert und deckt viele Bereiche ab. In den USA würde allerdings kaum ein Krankenhaus, auch keine Schule ohne die Volunteers bestehen. Solch ein Engagement setzt natürlich bestimmte gesetzliche Regelungen voraus. Allerdings hat dort das Ehrenamt schon eine lange Tradition. Ich will das amerikanische System nun nicht als bestes Vorbild darstellen, denn ich hatte drüben oft den Eindruck, dass der Staat sich durch die Volunteers aus der Verantwortung stiehlt. Mein Fazit ist, mehr öffentliches Ansehen durch Politik und Presse, bessere gesetzliche Voraussetzungen, würden bei uns sicher mehr Bereitschaft zu freiwilligen Ämtern bewirken.

Arnold Behr schrieb uns am 06.07.2001
Als langjähriger Vorsitzender des AlpinClub Berlin, einer Sektion des Deutschen Alpenvereins, derzeit 1.200 Mitglieder, Tendenz steigend, erlaube ich mir, einige kritische Anmerkungen zum Thema Ehrenamt zu machen. Unser Verein, mit einem sehr großen Ausbildungs- und Freizeitangebot, sowohl für Jugendliche, wie auch für Senioren, wird nach wie vor ausschließlich ehrenamtlich geführt, wobei mit steigender Mitgliederzahl die Belastung der Ehrenamtlichen logischerweise stark zunimmt, wogegen die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, abnimmt (Kritik, Ärger, Risiko etc.). Dagegen steigt die Erwartung vieler Mitglieder, den Verein zunehmend als Dienstleister zu sehen. Eine meiner vornehmlichsten Aufgaben als Vorsitztender ist zunehmend die “Pflege” der verbleibenden Ehrenamtlichen (Motivation, Lob, Koordination). Vergünstigungen, wie bspw. Trainerhonorare etc. sind beim DAV (noch) nicht üblich, allenfalls geringere Aufwandsentschädigungen. Auch steuerliche Vergünstigungen für Ehrenamtliche sind mir nicht bekannt. Selbst die “Ehre”, die einem Ehrenamtlichen in Ballungsräumen wie Berlin zuteil wird, hält sich sehr in Grenzen. Möglicherweise sollte man als engagierter Mitbürger besser Vorsitzender eines (freien) Trägervereins in punkto Jugendarbeit werden, da gibt es m. W. Honorare und öffentl. Zuschüsse. Aktuell las ich, dass die Innenverwaltung Ehrenamtliche als Wahlhelfer für die bevorstehenden Wahlen sucht. Auch dieses Ehrenamt wird belohnt mit “Erfrischungsgeld” und Freizeitausgleich. Das Ehrenamt ist wichtiger und aus meiner Sicht auch tragender Bestandteil unseres sozialen Gefüges, allerdings ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man diese Tätigkeit, etwa durch (steuerliche) Vergünstigung o. ä. auch finanziell entlasten und somit attraktiver gestalten kann.

Erika Funk schrieb uns am 02.08.2001
Es gibt, gerade auch in unserem Bezirk, sehr viele alte Menschen, die einsam sind. Viele Beschwerden ließen sich mildern, wenn diese Senioren einen Ansprechpartner hätten, mit dem sie Sorgen und Probleme besprechen könnten, der sich Zeit für sie nimmt. Ich denke, so viele Ehrenamtliche, wie hierzu nötig wären, gibt es nicht. Dennoch kennt jeder in seiner Umgebung ältere Menschen, die allein sind. Aus meiner Erfahrung ist nur der erste Zugang zu ihnen schwierig, wenn man sich erst einmal kennt, sind viele für Kontakte dankbar. Ich möchte daher den Vorschlag zur Diskussion stellen. Der Staat (das Bezirksamt) zahlt jedem, der sich verpflichtet, einen alleinstehenden Mitbürger mindestens einmal in der Woche zu besuchen, etwa 30 Euro monatlich, und zwar nicht direkt, sondern als Beitrag für die Rentenversicherung. Für diejenigen, die bereits Rente beziehen, könnte eine direkte Auszahlung erwogen werden. Beim Bezirksamt müsste eine Stelle eingerichtet werden, die diese freiwillige Verpflichtung möglichst unbürokratisch überwacht. Ich denke, der Missbrauch, d.h. die nur vorgetäuschte Betreuung, hielte sich in Grenzen. Die Ausarbeitung der Bedingungen um die “Werbung” für eine solche Tätigkeit (die weder ehrenamtlich, noch bezahlt ist, sondern eine Mischform), könnte eine lohnende Aufgabe für einen jungen Soziologen/Volkswirtschaftler sein.
Dadurch bekämen Alte, Kranke, Vereinsamte eine bessere Lebensperspektive; bestenfalls wären sie weniger krank und könnten länger ohne Krankenhaus/Pflegeheim auskommen.
Vor allem weibliche Arbeitslose fortgeschrittenen Alters könnten wieder ein Gefühl des Gebraucht-werdens bekommen und ihre Rentenansprüche aufbessern.
Die Rentenkassen würden aufgefüllt. Die Besuchten hätten nicht das Gefühl, eine Wohltat zu empfangen, sondern sie könnten dazu beitragen, dass die Besucher ihre Rente steigern.
M.E. könnte sich das auch für den Staat rechnen, wenn er weniger Pflegekosten aufbringen muss und mehr in die Rentenkasse eingezahlt wird. Jeder, der mitmacht, könnte selbst bestimmen, wieviel Zeit er aufwenden (und wieviele Rentenbeiträge er bekommen) will. Einmal jährlich müsste eine eidesstattliche Erklärung abgegeben werden, welche Mitbürger besucht werden, danach wäre jeder verpflichtet, Änderungen dem Amt zu melden. Natürlich ist das nur eine Idee, die ausgearbeitet werden müsste, aber vielleicht kann es ein Denkanstoss sein .

Die Berliner Aids-Hilfe schrieb uns am 22.10.2001
Die Ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Berliner Aids-Hilfe e.V. nahmen das “Internationale Jahr der Freiwilligen 2001” zum Anlass, ihre Forderungen an die Politik zu erarbeiten und zu formulieren. In Abstimmungen mit den einzelnen Teams verabschiedeten die TeamsprecherInnen und Mitglieder der AG “Politische Forderungen” nachfolgende Forderungen an die Politik.
(Es ist in der Planung, diese Forderungen an den DPW und an die Enquete-Kommission des Bundestages zu übergeben.)
Ehrenamt in die Öffentlichkeit
Ehrenamt ist das Geben von etwas, was einer hat und eine andere braucht.
Ehrenamt ist keine Erwerbsarbeit.
Ehrenamt ist freiwillig.
Ehrenamt ist oft leise und unsichtbar, aber stark in der Wirkung.
Ehrenamt ist kostbar und viel wert, aber weil es keinen Geldwert schafft, ist es auf Unterstützung durch Öffentlichkeit angewiesen.
Ehrenamt möchte anerkannt und glaubwürdig dargestellt werden. Dazu ist eine umfassende Berichterstattung in Fernsehen, Kino, Hörfunk und Printmedien über die unterschiedlichen Gebiete des Ehrenamtes nötig.
Ehrenamtliche Arbeit ist notwendig in dem Sinne, Not abzumildern oder zu verhindern. Ohne das Engagement Freiwilliger ginge es vielen Menschen schlechter und stünden viele soziale oder kulturell arbeitende Institutionen weniger erfolgreich da.
Ehrenamtliche Arbeit wird getragen von starker Motivation derjenigen, die sie leisten. Ehrenamtliche sind aktiv, weil sie gesellschaftliche Missstände erkennen und für eine Verbesserung persönliche Verantwortung übernehmen. Sie bekommen dafür Anerkennung, Achtung, Bestätigung, Wissens- und Kompetenzerweiterung – manches, was die Erwerbsarbeit nicht einbringt. Das Erleben der Wirksamkeit des Tuns schafft Erfüllung und Befriedigung. Ehrenamtliche Arbeit ermöglicht neue Begegnungen und stärkt das soziale Netz.

Allgemeine Forderungen Selbstverständliche, permanente Berichterstattung über das Ehrenamt als Teil öffentlich relevanter Nachrichten. Information, Berichterstattung, Ausleuchten von Hintergründen über viele – nicht nur prominente – Gesichter ehrenamtlicher Arbeit in den Bereichen Umwelt-Naturschutz, Soziales, Gesundheit, Krankheit, Jugend, MigrantInnen, Sport, Kirche etc. Gesponserte Herstellung und Veröffentlichung eingängiger Werbespots über ehrenamtliche Arbeit in Kino, Radio, Fernsehen und Internet sowie Anzeigen in Zeitungen, Zeitschriften und auf Plakatwänden. Wir fordern eine gleiche Bewertung, eine Gleichbehandlung und eine Gleichstellung aller ehrenamtlichen Arbeiten und Ämter hinsichtlich sozialer Anerkennung und sozialem Prestige; z.B. sollte ein ehrenamtlicher Krankenhausbesuchsdienst im Status und Prestigewert genau soviel gelten wie ein Vorstandsvorsitz.

® Forderungen an die Politik Wir fordern, dass in jedem bezirklichen Bürgerbüro eine Ehrenamtsvertretung eingerichtet wird. Hier sollten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich über ehrenamtliche Tätigkeiten im Bezirk zu informieren und beraten zu lassen. Ehrenamtsbeauftragte sollten dort die Interessen Ehrenamtlicher vertreten. Wir setzten uns dafür ein, dass hauptamtliche Arbeit nicht durch ehrenamtliche ersetzt wird. Ehrenamtliche wollen nicht, dass durch ihren ehrenamtlichen Einsatz Hauptamtliche in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. Wir wollen nicht dazu instrumentalisiert werden, soziale Missstände, die z.B. durch Sozialabbau entstehen, durch unsere ehrenamtliche Arbeit zu kaschieren. Wir wollen, dass ehrenamtliche Arbeit gefördert wird; z.B. sollte jede/r ArbeitnehmerIn die Möglichkeit haben, ehrenamtlich zu arbeiten. Jede/r sollte sich dafür auf die Kulanz und Toleranz des Arbeitgebers verlassen können. Wir fordern, dass ehrenamtlich Tätige, die dies brauchen oder wünschen, eine Aufwandsentschädigung bekommen. Diese kann z.B. in Form einer kostenlosen Verkehrsnetzkarte erfolgen. Jede/r sollte sich ehrenamtliche Arbeit leisten können. Vereine, die mit Ehrenamtlichen arbeiten, sollten zur Zahlung dieser Aufwandsentschädigungen gesonderte Zuwendungen bekommen. Wir wollen, dass ehrenamtliche Arbeiten auf Rentenzeiten angerechnet werden (analog zu Kindererziehungszeiten). Wir fordern eine Gleichbehandlung aller Ehrenämter hinsichtlich Steuerfreibeträgen etc. Für erwerbslose Ehrenamtliche sollte es keine zeitliche Beschränkung der ehrenamtlichen Tätigkeit vom Gesetzgeber geben. Im Gegenteil sollten Erwerbslose zu ehrenamtlicher Arbeit ermutigt werden, da diese auf verschiedenen Gebieten weiterqualifiziert. Forderungen an die Bildungspolitik Wir fordern eine Berücksichtigung ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Berufsbewerbung, Studienplatzvergabe, Einberufung zum Wehr- bzw. Zivildienst etc. Wir wollen, dass alle Ehrenamtlichen ein Recht auf ein Zeugnis bzw. Zertifikat über ihre ehrenamtliche Arbeit bekommen. Dies sollte verbindlich für alle Vereine gelten und einheitlich gehandhabt werden. Wir wollen eine breitgefächerte Information für SchülerInnen aller Altersklassen und Schulformen über das Ehrenamt, über Projekte und Initiativen sowie verschiedener Tätigkeitsfelder ehrenamtlicher Arbeit. Dies bedeutet eine Aufnahme des Ehrenamts in den schulischen Rahmenplan (z.B. in Ethik, Religion, Sozialkunde). Wir befürworten die Entwicklung von Partnerschaften zwischen einzelnen Klassen oder Schulen und gemeinnützigen Projekten. SchülerInnen wird so eine Bandbreite an verschiedenen Lebensformen, sozialen Problematiken und Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit aufgezeigt. Wir fordern fundierte Ausbildungen zur Arbeit mit Ehrenamtlichen in Studium, Fort- und Weiterbildung. Dies kann die Qualität ehrenamtlicher Arbeit stärken.

Literatur, Internet-Hinweise, Anschriften zum Referat von Dr. Ansgar Klein

Beher, Karin / Liebig, Reinhard / Rauschenbach, Thomas 2000: Strukturwandel des Ehrenamts. Gemeinwohlorientierung im Modernisierungsprozess, Weinheim und München Boeßenecker, Karl-Heinz / Siedhoff, Christa 2000: Explorationsstudie “Bürgerschaftliches Engagement im Politikbereich Gesundheit”, Fachhochschule Düsseldorf, Forschungsschwerpunkt Wohlfahrtsverbände/ Sozialwirtschaft Borgetto, Bernhard 2001: Selbsthilfe und Wissenschaft – eine Bestandsaufnahme. In: Selbsthilfegruppen-Jahrbuch 2001, Gießen (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen), im Erscheinen Braun, Joachim u.a. 1997: Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement, 3 Bde., Stuttgart Deutscher Bundestag (Hg.): Stichwort Enquete-Kommissionen, Berlin (zu beziehen über das Referat Öffentlichkeitsarbeit) Deutscher Bundestag 2001: Gutachten 2000/2001 des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, Bd.1, Drucksache 14/5660 Deutscher Bundestag 2001: Handbuch der Enquete-Kommission “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements”, zu beziehen über das Sekretariat der Enquete-Kommission (siehe Anschriften) Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 2000: In Amt und Ehren? Zukunft bürgerschaftlichen Engagements, Heft 2, Stuttgart Francke, Robert / Hart, Dieter 2001: Bürgerbeteiligung im Gesundheitswesen, Baden-Baden Klein, Ansgar 2001: Der Diskurs der Zivilgesellschaft. Politische Hintergründe und demokratietheoretische Folgerungen, Opladen 2001 Lauth, Hans-Joachim / Merkel, Wolfgang 1997: Zivilgesellschaft und Transformation. Ein Diskussionsbeitrag in revisionistischer Absicht. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 10, Heft 1, 12-34 Matzat, Jürgen 2001: Bürgerschaftliches Engagement im Gesundheitswesen – unter besonderer Berücksichtigung der Patienten-Selbsthilfebewegung, Gutachten für die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages “Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements” Seidel, Petra 2001: Welche finanziellen Mittel wenden Ehrenamtliche in Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen für bürgerschaftliches Engagement auf? In: Selbsthilfegruppen-Jahrbuch 2001, Gießen (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen), im Erscheinen SPD-Bundestagsfraktion 2001: Unternehmen und bürgerschaftliches Engagement. Aufbruch zu neuer Verantwortung, Kongressdokumentation (zu beziehen beim Fraktionsservice) Trojan, Alf / Legewie, Heiner 2001: Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung. Leitbilder, Politik und Praxis der Gestaltung gesundheitsförderlicher Umwelt- und Lebensbedingungen, Frankfurt/M.

Internet-Hinweise

Anschriften

Literatur rund um die Themen Ehrenamt, freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit

Ausgewählt und zusammengestellt von Marion Hinze, Akademie für Ehrenamtlichkeit “Das Ehrenamt in empirischen Studien – ein sekundäranalytischer Vergleich”
BMFSFJ (Hg.), W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, 1999
Vorhandene empirische Studien zum Ehrenamt (ab 1980) werden zusammenfassend dargestellt, systematisch analysiert und ausgewertet sowie für die Öffentlichkeit erschlossen “Strukturwandel des Ehrenamts”
Beher, K., Liebig, R., Rauschenbach, T., Juventa Verlag, Weinheim und München, 2000
Vor dem Hintergrund – nicht die Ehrenamtlichen haben sich primär gewandelt, sondern die strukturellen Rahmenbedingungen, in denen gemeinwohlorientiertes Engagement heutzutage seinen Ausdruck findet – werden die Befunde empirischer Studien und theoretischer Erklärungsansätze über verschiedene Bereiche und Organisationstypen des freiwilligen Engagements und Ehrenamts miteinander verbunden “Arbeitshilfe zur Grundausbildung ehrenamtlicher MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit”, Landesjugendring Schleswig-Holstein e. V. (Hg.), Kiel, 1997
Inhalte und Methoden für die Ausbildung, ebenso Aufsätze und gesetzliche Grundlagen zu Fragen der Förderung von Jugendarbeit in Gemeinden, Kreisen, auf Landes- und Bundesebene sowie zur internationalen Jugendarbeit “Ehrenamt und Erwerbsarbeit – Zeitbalance oder Zeitkonkurrenz?”
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut in der Hans-Böckler Stiftung, Hg.: Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2001
Forschungsbericht und Ergebnisse zur Fragestellung, repräsentative Befragung mit Aussagen zur Nutzung flexibler Arbeitszeiten und Praktiken informeller Zeitflexibilität und Inanspruchnahme von Freistellungsrechten “Ein neues bürgerschaftliches Europa”
Gaskin, K., Smith, J. D., Paulwitz, I., u.a., Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1996
Die “Eurovol-Studie” – ein Vergleich der Freiwilligenarbeit (Volunteering) in Europa – u. a. ein Blick auf andere europäische Länder. Berichte, Ergebnisse auf der Basis von Länderreports “Ohne uns? Nix da!” – Ehrenamtliche in den Jugendverbänden
Landesjugendring Schleswig-Holstein e. V. (Hg.), Kiel, 1997
Dokumentation des Kongresses des LJR Schleswig-Holstein e. V. 1996 in Rendsburg “Jugendarbeit – ´raus aus dem Verborgenen; Ergebnisse der schriftlichen Befragung des Kreisjugendrings Pinneberg “Die neuen Freiwilligen” Das Ehrenamt – Eine Antwort auf die Krise?
Notz, G., AG-SPAK-Publikationen, Neu-Ulm, 1998
Das Buch beleuchtet alte und neue “freiwillige” Arbeit und fragt nach ihrem Beitrag zur Lösung der aktuellen und vorhersehbaren Probleme des Arbeitsmarktes, der sozialen und geschlechtsspezifischen Ungleich-heiten und der vergifteten Mit- und Umwelt “Zivilgesellschaft und soziales Handeln” – Bürgerschaftliches Engagement in eigenen und gemeinschaftlichen Belangen
Wendt, W. R., u.a., Lambertus- Verlag, Freiburg im Breisgau, 1996
Inhalt der Buchbeiträge sind die historischen Zusammenhänge der Debatte um Konzepte und Entwürfe einer Zivilgesellschaft, deren theoretischen Grundlagen, konkrete Erfahrungen aus einschlägigen Projekten sowie die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen und Konsequenzen für die soziale Arbeit und das soziale Leben. Die Absicht des Buches ist es herauszufinden, welche Bedeutung diese Konzepte für das soziale Leben haben und wie in Zukunft die für ein bürgerschaftliches Engagement förderlichen Voraussetzungen aussehen müssen “Rechtsfragen des freiwilligen sozialen Engagements”
BMFSFJ (Hg.), W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, 1996
Eine Rechtsexpertise – zusammengefasst als Überblick über eine Vielzahl von Rechtsbereichen , die das ehrenamtliche Engagement durch Regelungen prägen – zur Verbesserung des Informationshintergrundes für ehrenamtlich Tätige sowie für Organisationen, die ehrenamtliche MitarbeiterInnen einsetzen “Bürgerbeteiligung und Demokratie vor Ort”
Stiftung Mitarbeit (Hg.), Bonn, 1997
Vorparlamentarische und rechtlich verankerte Beteiligungsverfahren sowie frei vereinbarte, selbstorganisierte oder informelle Aktivierungs-, Kooperations- und Beteiligungsformen werden betrachtet. Es geht dabei um neue Verfahren der Ideenentwicklung, Konsensbildung oder Konfliktlösung ebenso wie um problem- bzw. handlungsfeldbezogene Partizipationsmodelle und um Interessenartikulation und Einflussnahme von im politischen Alltag “ohnmächtigen” Bevölkerungsgruppen, vor allem der Kinder und Jugendlichen “Das modernisierte Ehrenamt”
Funk, H., Winter, R., Georgs-Verlag, Neuss, 1993
Viele Jugendverbände klagen, dass sich kaum noch junge Erwachsene finden, die bereit sind, eine Leitungsfunktion zu übernehmen. Das hat dazu geführt, dass die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ein Forschungs- und Beratungsprojekt initiiert hat, das sich insbesondere mit der “inneren” Zugangsmotivation aktiver LeiterInnen zum “Ehrenamt” beschäftigt. Die Untersuchung war zwar auf Pfadfinderinnen und Pfadfinder bezogen, ihre Ergebnisse sind aber letzten Endes nicht “pfadfinderspezifisch”, so dass sie auch für Diskussionen innerhalb anderer Verbände gewinnbringend genutzt werden können “AWO-Praxishandbuch “Initiative Ehrenamt” Freiwillige … ansprechen. gewinnen. Beteiligen” Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. (Hg.), Bonn, 1998
Das Praxishandbuch hat 4 Teile: Grundlagen, Praktische Umsetzung, Praktische Ideen und Arbeitsmaterialien. Wichtige, aktuelle und informative Themen werden schrittweise und ausführlich behandelt “Das Ehrenamt” – Freiwilliges, unbezahltes Bürgerengagement in einer pluralistischen Gesellschaft
Roth, R., Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hg.), München, 1997
In der Publikation wird der Weg des Ehrenamtes aufgezeigt: von den ethischen wie kulturhistorischen Wurzeln des Ehrenamtes bis hin zu der gesellschaftspolitischen Lage des Ehrenamtes von heute “Ehrenamt und Wirtschaft”, Beiträge zum Ehrenamt 2
Heinz Bartjes, Heinz Janning, Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, 1999
Studie mit Internationalen Beispielen bürgerschaftlichen Engagements der Wirtschaft “Wenn alle gewinnen – Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen”
Dieter Schöffmann (Hg.), Edition Körber Stiftung, Hamburg 2001
Auch in Deutschland engagieren sich Unternehmen mitsamt ihren Beschäftigten für das Gemeinwohl. Ihre Zahl ist, verglichen mit den USA, noch begrenzt. Dort gehört corporate volunteering seit langem selbstverständlich zur Wirtschaftskultur. Warum das auch bei uns so sein könnte, was Unternehmen davon haben, das zeigt das Buch in vielen Beispielen “Qualifizierung von Ehrenamt und Freiwilligkeit” Beiträge zum Ehrenamt 3
Prof. Dr. Joachim Burmeister, Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, 1999
Die Entstehung bzw. Förderung der Selbsthilfe und das gewandelte Freiwilligenengagement haben auch das Thema der Aus- und Fortbildung für diejenigen neu aufgeworfen, die sich entweder ehrenamtlich – freiwillig engagieren oder als “Professionelle” mit prinzipiell unentgeltlich tätigen Menschen beruflich umgehen “Die neue Kultur des Helfens”
Fink, U., Piper, München, 1990
“Nicht Abbau, sondern Umbau des Sozialstaates” wird vom Autor gefordert: der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Sache. Soziales, Arbeit, Umwelt, Technik … sollten am Mensch als ihrem Maß ausgerichtet werden “Aktive Bürger fördern: Beispiele vor Ort”
Zukunftsforum Politik Heft Nr. 30, Konrad Adenauer Stiftung (Hg.), St. Augustin, 2001
Neben einer kurzen guten Einführung in das aktuelle Thema Bürgerschaftliches Engagement mit einem Überblick über Begriffsdefinitionen, Potentiale und Problemgruppen, Anerkennung und Förderung des Engagements werden neun erfolgreiche Beispiele der Engagementförderung vorgestellt Themenheft Bürgerschaftliches Engagement” von “Aus Politik und Zeitgeschehen”, Beilage zur Wochenzeitung “Das Parlament” B 25-26/2001 vom 15. Juni 2001, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Bonn, 2001
Das Heft enthält Essays und wissenschaftliche Berichte zu den Themen freiwilliges Engagement in den neuen und alten Bundesländern, bürgergesellschaftliches Engagement im politischen Diskurs, die sozialen Risiken neuer Ehrenamtlichkeit etc. “Gesellschaft und Gemeinsinn – Sozialkapital im internationalen Vergleich”
Robert D. Putnam (Hg.), Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2001
Das umfangreiche Buch bietet eine gute Einleitung in die vieldiskutierte Begriffswelt rund um das “Sozialkapital”. Es zeigt die Möglichkeiten und Grenzen von Sozialkapital im internationalen Vergleich auf, indem es das vorhandene Potential für bürgerschaftliches Engagement in acht Ländern ermittelt und zugleich Perspektiven für die Stärkung gesellschaftlicher Bindekräfte entwickelt. Interessantes Kapitel über Deutschland “Freiwillige fördern – Ansätze und Arbeitshilfen für einen neuen Umgang mit Freiwilligen in der Kinder- und Jugendarbeit”
Benedikt Sturzenhecker (Hg.), Juventa, Weinheim und München 1999
Dieses Buch vermittelt praktische Ansätze und Arbeitshilfen für den Aufbau einer guten Freiwilligenarbeit in Organisationen. Es ist für jeden Bereich des Ehrenamts nutzbar, die Beispiele aus der Jugendarbeit sind gut übertragbar. Das Buch ermutigt zu einem neuen Umgang mit den Freiwilligen Adopt an Idea! Gute Ideen aus den USA
Christine Brinck (Hg.), Edition Körber Stiftung, Hamburg 2001
Ein anregender Überblick über Ideen für bürgerschaftliches Engagement. Es sind alles Modelle für neue Initiativen im sozialen oder soziokulturellen Bereich, umsetzbar und beispielhaft. Unglaublich, was wir alles tun können “Die Stadt und ihre Bürger – Neue Wege in der kommunalen Sozialpolitik”
Warnfried Dettling, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2001
In diesem Buch wird kommunale Sozialpolitik als Ausdruck und Folge einer aktiven Bürgergesellschaft begriffen. Ein Plädoyer für eine Sozialpolitik, in deren Mittelpunkt nicht die Versorgung und Betreuung sozial schwacher Menschen steht, sondern die Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Stärken unter der Leitfrage: Wie müssen soziale Einrichtungen aussehen, damit die Freiheiten und Fähigkeiten der Menschen nicht lahm gelegt, sondern aktiviert werden? Mit vielen Praxisbeispielen aus Kommunen “Freiwilliges Engagement in Deutschland”
BMFSFJ (Hg.), W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, 2000
bürgerschaftlichen Engagement in drei Bänden: – Gesamtbericht
- Zugangswege
- Frauen und Männer, Jugend, Senioren, Sport

© Akademie für Ehrenamtlichkeit, fjs e.V., Berlin, erstellt von Marion Hinze, Dipl. Soz.päd. (FH), Oktober 2001

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