Projekt zur Erfassung und Förderung von Fledermaushabitaten im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Hinweis - Einheimische Fledermäuse und SARS-CoV-2

  1. Einheimische Fledermäuse sind nicht mit SARS-CoV2 infiziert.
  2. Das humane SARS-CoV 2 ist genetisch eng mit Viren von Wildtieren verwandt, der genaue Ursprung von SARS-CoV 2 oder dessen Vorläufer ist nach wie vor ungeklärt.
  3. Eine Übertragung von SARS-CoV-ähnlichen Viren aus Fledermäusen direkt auf Menschen ist sehr unwahrscheinlich.
  4. Ein Muster vergangener Zoonosen ist die Bedeutung von Massentierhaltungen (z.B. im Falle der Schweinegrippe) und Wildtiermärkten, auf denen Wildtiere lebend, frisch geschlachtet oder zubereitet zum Verkauf angeboten werden.
  5. Fledermäuse aufgrund einer vermeintlichen Gesundheitsgefahr zu
    bekämpfen, ist völlig unbegründet und strafbar.
  6. Das Naturschutz-Ehrenamt ist mit der universitären und außeruniversitären Forschung eng vernetzt und unterstützt die Wissenschaft.
  7. Es ist unwahrscheinlich, dass Coronaviren aus Fledermauskot eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen.
  8. Nach bisherigen Erkenntnissen sind bei SARS-ähnlichen Coronaviren immer Zwischenwirte im Rahmen mehrerer zoonotischer Übergänge notwendig, um einen humanpathogenen Erreger entstehen zu lassen.
  9. Fledermäuse sind weltweit wichtige und unverzichtbare Akteure in Ökosystemen.
  10. Die Wahrscheinlichkeit von zoonotischen Pandemien kann in Zukunft verringert werden, indem der Naturschutz und Tierschutz verbessert werden.

Dies ist ein Auszug aus dem gemeinsamen Papier Einheimische Fledermäuse und SARS-CoV 2 verschiedener Organisationen. Der Langtext kann zum Beispiel hier (Informationsblatt Einheimische Fledermäuse und SARS-CoV 2 ) heruntergeladen werden. Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:

Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e.V.: (Fledermaeuse und Coronaviren)

Leibniz-IZW Berlin:(Pressemitteilung des Leibniz-IZW-Berlin)

Warum führen wir dieses Projekt durch?

Bildvergrößerung: Fransenfledermaus
Fransenfledermaus
Bild: BAT e.V.

Fledermäuse gehören in Mitteleuropa zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten, deren Bestände sich in den letzten Jahren dramatisch vermindert haben. Alle einheimischen Fledermäuse gehören gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten. So gilt es bei Planungen sowie bei der Gestaltung und Pflege von Grünflächen ihre Lebensstätten und -räume zu berücksichtigen. Laut Roter Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) von Berlin mit dem Bearbeitungsstand Dezember 2003 wurden 16 verschiedene Arten nachgewiesen, wovon allerdings nur wenige den Winter in der Stadt verbringen.
Charlottenburg-Wilmersdorf mit seinem hohen Anteil an Grünanlagen und Altbauten bietet dabei vielen Arten Nahrungs- und Lebensraum im Sommer sowie diverse Winterquartiere. Das Umwelt- und Naturschutzamt will gemeinsam mit dem Grünflächenamt den Schutz und die Förderung von Fledermäusen intensivieren. Aufgrund fehlender aktueller Daten zu den Populationen sowie zur Nutzung und Funktionsfähigkeit bestehender Fledermauskästen sollen u.a. in öffentlichen Grünanlagen die vorhanden Habitate erfasst, auf den Erhaltungszustand überprüft und notwendige Reparaturen durchgeführt werden.

Zeitraum und Durchführung des Projektes

Eine erste Bestandsaufnahme der vorhanden Sommer- und Winterkästen auf Ihre Nutzung und Tauglichkeit wurde im Zeitraum Juli 2018 bis Juni 2019 durch den Berliner Artenschutz Team (BAT) e.V. durchgeführt. Hierbei wurden darüber hinaus in genutzten Quartieren Ausflugzählungen, Netzfänge, Sichtkontrollen und akustische Monitorings durchgeführt.
In der nächsten Phase zwischen Juli 2019 und Juni 2020 werden die Kontrollen anhand der ersten Bestandsaufnahme intensiviert.

Welche Grünanlagen wurden untersucht?

  • Brixplatz
  • Reichsstraße
  • Ruhwaldpark
  • Messelpark
  • Georg-Kolbe-Hain
  • Heilsberger Dreieck
  • Jungfernheidepark

Ergebnisse der ersten Bestandsaufnahme

Quartierskontrollen

In einer ersten Kontrolle wurden 233 Objekte, Fledermaus- und Vogelkästen sowie Höhlungen in Bäumen, erfasst. 186 davon wurden als potentielle Sommerquartiere und 21 als potentielle Winterquartiere eingestuft.

Während der Sommerkontrollen konnten im Jungfernheidepark und Georg-Kolbe-Hain Große Abendsegler (Nyctalus noctula) nachgewiesen werden. Zwei Kästen konnten als Paarungsquartier identifiziert werden, in denen jeweils 1 balzendes Männchen des Großen Abendseglers gefunden wurde. Beide wiesen bereits eine starke Paarungskondition auf.
In weiteren Kästen konnten durch teils bis zu 5 cm hohe Koteinlagerungen Nutzungen als Wochenstubenquartier abgeleitet werden. In zwei Kästen befanden sich mumifizierte bzw. skelettierte Große Abendsegler.
In einer Naturhöhle konnte frischer Fledermauskot, in einer weiteren Soziallaute nachgewiesen werden.

Bildvergrößerung: Großgruppe des großen Abendseglers in Sommerkasten
Großgruppe des großen Abendseglers in Sommerkasten
Bild: BAT e.V.

Bei den Winterkontrollen waren ein Vogelkasten, zwei Fledermaussommerkästen und vier Fledermauswinterkästen mit Großen Abendseglern besetzt.
Drei starke Winterschlafgruppen konnten im Georg-Kolbe-Hain nachgewiesen werden, zwei starke Gruppen im Jungfernheidepark. Weiterhin konnten im Jungfernheidepark zwei Kleingruppen (4 bzw. 6 Individuen) gefunden werden.
Die starken Winterschlafgruppen umfassten viermal ca. 100 bzw. mehr als 100 Individuen und einmal ca. 40 Individuen.

Nutzung der Parks als Jagdhabitate

Während nur im Georg-Kolbe-Hain und Volkspark Jungfernheide eine Nutzung von Fledermauskästen belegt werden konnte, wurde durch Detektorarbeit, Batlogger und Netzfang in allen Parks Fledermausaktivität nachgewiesen.

Es konnten insgesamt folgende 10 Fledermausarten dokumentiert werden:
  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
  • Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
  • Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
  • Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri)
  • Braunes Langohr (Plecotus auritus)
  • Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
  • Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Erfassung in den einzelnen Parkanlagen

Bildvergrößerung: Netzfang einer Fledermaus im Ruhwaldpark
Netzfang einer Fledermaus im Ruhwaldpark
Bild: BAT e.V.

Folgende Arten konnten durch Netzfänge und Detektoren nachgewiesen werden:

Georg-Kolbe-Hain:

  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
  • Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)

Jungfernheidepark:

  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Messelpark:

  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
  • Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Ruhwaldpark:

  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
  • Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri)

Besonderheiten

Im Zuge der Netzfänge konnten mehrere männliche Vertreter des großen Abendseglers, der Zwerg- und Breitflügelfledermäuse in deutlicher Paarungsbereitschaft nachgewiesen werden.

Zusätzlich wurde ein laktierendes, also milchgebendes Kleinabendseglerweibchen im Ruhwaldpark identifiziert. Dies ist ein deutliches Zeichen für das Vorhandensein einer Wochenstube in der Umgebung.

Ein weiterer herausragender Fund während der Winterkontolle war ein Großer Abendsegler, welcher im Juli 2018 im nördlichen Brandenburg an seinem Geburtsort beringt worden war. Somit konnte die Wanderung zwischen dem Wochenstubenquartier in das ca. 87 Kilometer entfernte Winterquartier in Charlottenburg nachgewiesen werden.

Aufgrund der Barrierefreiheit im Internet wurden die wissenschaftlichen Namen nicht kursiv geschrieben.