Veranstaltungsstrom aus Akkus statt Generatoren

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Mobiler Stromaggregat
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Zur Zeit wird ein Pilotprojekt vorbereitet: Die Durchführung der Berliner Kunstallee mit Strom aus Akkus.

Veranstaltende, die interessiert sind, Stromversorgung aus Akkus, Solaranlagen oder Ähnlichem auszuprobieren, können sich jederzeit an das Bezirksamt wenden und werden unterstützt.

Zahlen und Fakten

Karneval der Kulturen
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Jedes Jahr finden hunderte Veranstaltungen in Charlottenburg-Wilmersdorf statt, von denen viele eine Stromversorgung brauchen. Meistens kommt der Strom aus dem öffentlichen Stromnetz, manchmal ist das aber aus technischen oder organisatorischen Gründen nicht möglich. Als Alternative werden dann Generatoren eingesetzt.

Die größten Generatoren im Bereich mehrerer Megawatt Leistung werden bei Veranstaltungen im Olympiastadion eingesetzt, zu Konzerten oder Fußballspielen. Die kleinsten Veranstaltungen benötigen nur ein paar Hundert Watt Leistung für Beleuchtung und kleine Gastronomie.

Nützlichkeit

Familie als Scherenschnitt
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“Es gibt warmen Kaffee und Tee, ohne das ständige Geknatter des Stromaggregates im Gebüsch”

“Obwohl vor meinem Fenster das Filmdreh-Team steht, kann ich mich auf meine Arbeit konzentrieren, weil nicht mehr so viel Lärm gemacht wird.”

“Beim Lollapalooza wird die Umwelt weniger belastet, so dass ich mit besserem Gewissen feiern kann.”

Inhalt

Kraftwerk mit Energie und Windkraft, Solarstrom
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Das Bezirksamt versucht, Alternativen zum Einsatz von benzin-/dieselgetriebenen Generatoren zur Stromversorgung bei Veranstaltungen voranzubringen.

Problematik

Generatoren produzieren einfach und komfortabel Strom, ohne Anmeldefristen beim Stromversorger für regulären Veranstaltungsstrom oder an Orten, an denen kein oder kein ausreichend leistungsfähiger und zuverlässiger Zugang zum öffentlichen Stromnetz besteht.
Damit lösen Generatoren ein typisches Problem von Veranstaltern.

Die Nutzung führt aber zu neuen Problemen:
  • Lärm – Generatoren, insbesondere mit eher kleiner Leistung, werden als sehr störend empfunden. Entsprechende Lärmbeschwerden erreichen regelmäßig das Bezirksamt und waren Auslöser für unsere Aktivitäten.
  • Geruch – Das Abgas führt zu unangenehmen Gerüchen.
  • Grundwassergefährdung – dies stellt sich insbesondere bei größeren Anlagen, wie sie gern rund um das Olympiastadion verwendet werden. Wenn hier “mal etwas danebengeht” kann das Berliner Grundwasser und damit ihre Trinkwasserversorgung zu Hause gefährdet werden.
  • Treibhausgasemissionen – Der Strom wird – bei kleinen Generatoren mit schlechtem Wirkungsgrad – aus fossilen Brennstoffen erzeugt und führt damit zu Treibhausgasemissionen auf dem Niveau von Strom aus Kohlekraftwerken.

Lösungsansätze

Das Problem kann auf verschiedenen Wegen gelöst werden. Kernfrage ist hierbei, wie Veranstaltern Lösungen an die Hand gegeben werden können, die in bestehende Abläufe passen. Es gibt drei verschiedene Gründe für den Einsatz von Generatoren:
  1. Anschluss ans öffentliche Stromnetz nicht möglich oder schwierig zu organiseren – hier wird meist eine kleinere elektrische Leistung im Bereich mehrerer Kilowatt benötigt.
  2. Öffentliches Stromnetz erreicht gewünschte Zuverlässigkeit nicht – bei Live-Fernsehübertragungen aus dem Olympiastadion. Hier wird eine Leistung von 2 bis 4 Megawatt benötigt.
  3. Öffentliches Stromnetz zu schwach – bei Großveranstaltungen. Hier wird eine Leistung von mehreren MW benötigt.

1. Kleine Leistung

Alternativ zu Generatoren ist es möglich, geladene Akkus vor Ort aufzustellen, an die die Verbraucher angeschlossen werden können, und nach Ende der Veranstaltung leere Akkus wieder mitzunehmen. Zusätzlich können diese vor Ort mit Solaranlagen geladen werden. Dies löst die Lärm- (da lautlos), Geruchs- (da kein Abgas), Grundwasser- (da nicht zu betanken) und verbessert die Treibhausgasproblematik (wenn mit Ökostrom geladen).
Mehrere Unternehmen bieten diesen Service an. Es gibt in Berlin einige Automaten, an denen man schnell leere gegen geladene Akkus austauschen kann. Transportable geladene Akkus sind bis zu einer Kapazität von 600 kWh (entspricht einem Brennstoffverbrauch in Generatoren von etwa 120 bis 180 Litern) verfügbar.
Bei größerer benötigter Strommenge wären auch Brennstoffzellen statt Generatoren als Stromerzeuger denkbar.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin ist dazu eine wissenschaftliche Arbeit entstanden, die einige Alternativen vorstellt und vergleicht.

Interessierte Veranstaltende können sich an das Bezirksamt wenden, wenn sie eine solche Lösung unverbindlich ausprobieren wollen, und werden unterstützt.

2. Fehlende Zuverlässigkeit

Bei Live-Fernsehübertragungen kann schon ein Aussetzer von einer 50stel-Sekunde im öffentlichen Stromnetz die Übertragung stören. Um sich dagegen abzusichern, werden große Teile der Übertragunstechnik aus Generatoren versorgt. Die großen benötigten Strommengen lassen sich nicht sinnvoll aus geladenen Akkus bereitstellen. Alternativen könnten hier sein, die Übertragungstechnik aus dem öffentlichen Stromnetz zu versorgen und mit einer kleinen Batterieanlage und angeschlossenen Generatoren, die nur bei Stromausfall in Betrieb gehen, abzusichern. Das Bezirksamt steht zu diesem Thema in Kontakt mit der Beuth-Hochschule, Professur für Veranstaltungsmanagement.

3. Fehlende Leistung bei Großveranstaltungen

Bei sehr großen Veranstaltungen bietet das öffentliche Stromnetz vor Ort teils nicht genügend Leistung. Solche Veranstaltungen kommen nur selten vor, ein Ausbau des Stromnetzes für einmalige Veranstaltungen ist vergleichsweise teuer. Hier sind bezahlbare Alternativen zur Zeit nur schwer darstellbar.