Charlottenburg-Wilmersdorf: Grünanlagen - Park Ruhwald

Park Ruhwald

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Umgebungsplan Park Ruhwald
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So erreicht man den Park Ruhwald

U-Bahn U 2 Neu Westend

Bus 145 Meiningenallee

Fotodokumentation

Wissenswertes zum Gartendenkmal Park Ruhwald

1854 gründete ein gewisser Ludwig Schäfer (1819-1887), der kurz zuvor mit seiner Frau Margarethe geb. Voit nach Berlin gezogen war, eine Frauenzeitschrift namens “Der Bazar”. Die Zeitschrift hatte Erfolg, Schäfer erlangte unter dem Namen von Schaefer-Voit den Adelsstand, den Titel “Geheimer Kommerzienrat” und auch ein ansehnliches Vermögen. Auf dem Spandauer Berg erwarb er ein Anwesen von 5,8 ha, das bis zur Eisenbahn reichte und von ihm durch weitere Ankäufe südlich der Chaussee ergänzt wurde. Der damals bekannte Architekt Carl Schwatlo (1831-1884) errichtete ihm 1867/68 eine klassizistische Villa mit 30 Zimmern, das sogenannte Schloss Ruhwald, und mehrere Nebengebäude (Portal, Dampfmaschinenhaus, Stall- und Remisengebäude, Fasanenhaus, Teehaus, Treibhäuser, Gärtnerhaus und Pferdestall).
Der sonst kilometerweit vom Flussbett der Spree entfernte Steilhang der Teltowhochfläche tritt an dieser Stelle ungewöhnlich nah an den Fluss heran. So war es möglich, die Villa auf die Hangkante zu stellen, 30 m über dem Wasser und mit einer grandiosen Aussicht. Noch 1937 waren Durchblicke auf das Spree- und Haveltal bis zum Tegeler See möglich.

Der von Schaefers Obergärtner Duckstein angelegte, ummauerte Park war im landschaftlichen Stil gehalten. Südlich der Villa lag ein Parterre. Ein künstlicher Buchenwald erhielt Akzente durch nordamerikanische Nadelbäume. An der Westgrenze war aus Felsstücken ein “Gebirge” errichtet, bekrönt von einem Engel, in Erinnerung an einen an der Cholera verstorbenen Sohn Schaefers, den er hier beisetzen wollte.

Doch schon 1872 verkaufte Schaefer das Anwesen wieder. Sein Nachfolger, der Unternehmer Johann Hoff, errichtete 1873 durch den Baumeister Prater ein Restaurationsgebäude mit Arkaden, das spätere sogenannte Kavalierhaus. Ein gerade darauf zuführender Weg entstand.

Das westlich angrenzende Ackerstück kauften 1884 der fränkische Baumeister Conrad Bechmann und seine Söhne. Seit 1847 hatte Bechmann weiter westlich auf dem Spandauer Berg eine Bockbierbrauerei und Schankstätte (daher die Ortsbezeichnung “Spandauer Bock”). 1892/93 ließen die Bechmanns sich von dem Architekten Alfred Schrobsdorff hier eine Villa im Renaissancestil errichten, ebenfalls auf der Hangkante. Außerdem legten sie einen Park an, den man sich ähnlich wie den Park Schaefers vorstellen muss.

1924 erbaute Architekt Leberecht Schmidt für Ida Rheinberg eine weitere Villa im Bechmann-Park, die heutige Kindertagesstätte.

Der Besitz Ruhwald kam 1924 an die Stadt Berlin. 1936 wurde auch das angrenzende Bechmannsche Grundstück von der Stadt erworben. Daraufhin entwarf Hans Migge vom Stab des von den Nationalsozialisten berufenen Stadtgartendirektors Josef Pertl einen Volkspark auf dem jetzt 12 ha umfassenden Gelände der vereinigten Grundstücke, die mittlerweile ziemlich verwildert waren. Die alten Wege und die meisten Gebäude, darunter das Schloss Ruhwald und die Villa Bechmann, wurden abgerissen. Polnische und jüdische Zwangsarbeiter führten die Arbeiten 1936-42 aus. An der tiefsten Stelle wurde ein Teich angelegt. Der Name Ruhwald ging nun auf das zusammengelegte Grundstück über.

Nach Kriegsschäden wurde 1952 auch das verbliebene Kavalierhaus abgetragen. Erhalten blieben lediglich die Kolonnaden des Kavalierhauses mit den Marmorbüsten des Ehepaars Schaefer-Voit von Ludwig Cauer (1872, jetzt Abgüsse), der Stall und die Villa Rheinberg. Seit 1987 steht der Park unter Denkmalschutz. Seine hervorragende Lage ist nicht mehr erlebbar, weil alle Aussichten zugewachsen sind.

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