Haus Cumberland

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Haus Cumberland, 13.8.2010, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Baudenkmal
Das Haus wurde 1911/12 von Robert Leibnitz, auch Architekt des alten Hotels Adlon, als “Boarding-Palast” erbaut. Der riesige Gebäudekomplex erstreckt sich auf 10.200 qm über eine Breite von 60 Metern und eine Tiefe von ca. 180 Metern vom Kurfürstendamm bis zur Lietzenburger Straße 18-20 mit fünf Innenhöfen, die mit Brunnen und Putten kunstvoll gestaltet sind.
Der Name Cumberland erinnert an den Herzog Ernst August von Braunschweig, dem das Gebäude gewidmet war. Der Herzog stammte aus der Familie der hannoverschen Cumberlands.
Das Konzept, mehrzimmerige Suiten mit eigenen Hausdienern den Gästen zur Verfügung zu stellen, ging nicht auf. 1913 musste das Unternehmen noch vor der Eröffnung des Hauses Konkurs anmelden. Das Mobiliar wurde versteigert. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Haus dann unter dem Namen “Cumberland” als Luxushotel mit 700 Betten, prächtigen Festsälen, Badeanstalt unter dem Dach und dem Café Kugler mit Kurfürstendamm-Terrasse betrieben. 1914 wurde es teilweise als ‘Kaiserliches Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt’ (Wumba) genutzt.

Link zu: Haus Cumberland, 1968, Foto: Landesarchiv Berlin
Haus Cumberland, 1968, Foto: Landesarchiv Berlin Bild: Landesarchiv Berlin

Nach dem Ersten Weltkrieg spielte das Kabarett “Palmenhaus” im Cumberland, in dem Direktor Nivelli 1924 das “Palmenhaus-Kino´” eröffnete, später “Fox im Palmenhaus”. Von 1930 bis 1935 spielte darin das Nelson Theater.
1936 wurde hier die Oberfinanzkasse des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg untergebracht, die an der Enteignung und Ausplünderung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger mitwirkte, die in die Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten wechselnde Ämter der Finanzverwaltung das Haus, zuletzt die Steuerabteilung der Oberfinanzdirektion. Außerdem gab es wechselnde gewerbliche Nutzung und seit 1951 das Kino “Filmtheater Berlin” mit mehr als 500 Plätzen.
Das edle Interieur mit reich verzierten Stuckdecken, Deckengemälden, Edelholzvertäflungen etc. ist teilweise erhalten, so in dem an der Lietzenburger Straße gelegenen Festsaal das neobarocke Deckengemälde, sowie die lindgrüne Wandbespannung aus den 1950ern, als dieser als Kino diente.
Erste Verkaufsabsichten 1988 scheiterten, weil für die Oberfinanzdirektion kein Ausweichquartier gefunden werden konnte. Die Immobilie, zur Hälfte im Besitz des Bundes und des Landes Berlin, wurde im Dezember 2000 von der Fundus Gruppe erworben, um es als künftiges ‘Adlon des Westens’ unter dem Namen ‘Cumberland Plaza’ wieder zum Luxushotel umzubauen; der vorgesehene Betreiber, der Kempinski- Hotel-Konzern, zog sich allerdings im April 2001 zurück; nach Annullierung des Kaufvertrages neue Ausschreibung Anfang 2002.
Die letzten Mitarbeiter der Oberfinanzdirektion zogen im September 2002 aus. Die Betriebskosten von ca. 500.000 EUR jährlich versucht die Oberfinanzdirektion durch Vermietung der Räume für Film- und Fernsehproduktionen zu mindern. Unter anderem wurde die ZDF-Vorabend-Serie “Fünf Sterne” hier gedreht.
Im Oktober 2003 erschienen Berichte über neue Kaufinteressenten, die Immobilienfonds GmbH H.F.S., die Betreiber der Gropius-Passagen. Aber Senat und Bezirk waren gegen ein Einkaufszentrum im Cumberland. Auch die Pläne der Düsseldorfer Firma BPM, 2004 das Haus Cumberland in ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel umzubauen, werden nicht realisiert. 2006 kaufte die Orco Property Group das Haus. Sie wollte 38 Millionen investieren und Mitte 2009 mit dem Umbau und der Sanierung des Gebäudes beginnen. Geplant waren 140 komfortable Zimmer, drei Restaurants, ein Casino, Wellnessbereiche und eine verglaste Einkaufspassage mit Nobelgeschäften. Die Eröffnung war für Ende 2012 geplant. Im September 2008 wurde berichtet, dass auf einer Nutzfläche von 28.000 Quadratmetern nun doch kein Hotel, sonder Büros entstehen sollten. Etwas 9.000 Quadratmeter waren für Geschäfte und Gastronomie vorgesehen.
Im Oktober 2009 dreht der Regisseur Lars Kraume in dem Gebäude den Film “Die kommenden Tage“mit Johanna Wokalek, Susanne Lothar, August Diehl, Daniel Brühl und Bernadette Heerwagen.
Im Juli 2010 wurde bekannt, dass Orco das Haus Cumberland an die Berliner Unternehmer Dirk Germandi (Profi-Partner AG), Detlef Maruhn und Thomas Bscher verkauft hat. Sie wollen nach der Grundsanierung und Restaurierung am Kurfürstendamm Einzelhandel und Büros und in den dahinter liegenden Gebäudeteilen bis zur Lietzenburger Straße Wohnungen unterbringen (vgl. www.cumberland-kurfuerstendamm.de ).
Am 13.5.2011 wurde im Zuge der Bauarbeiten der Dachstuhl am Kurfürstendamm in Brand gesetzt. 125 Feuerwehrleute löschten die Flammen und gingen dabei so vorsichtig vor, dass die Schäden sich in Grenzen hielten.
Am 6.12.2012 eröffnete Roland Mary im Erdgeschoss das Café und Restaurant Grosz mit eigener Patisserie. Die Inneneinrichtung mit aufwändigen Stuckverzierungen, Säulen, Spiegeln, Marmorfliesen, einem Brunnen, Stühlen aus Paris und Lampen aus Spanien erinnert an die 1920er Jahre.
Am 14.9.2013 wurde mit einem Übergabefest die Fertigstellung der neuen Wohnanalage mit 166 Eigentumswohnungen und 17 Penthäusern für rund 500 Bewohner gefeiert.