Schautafel vor dem Schoeler-Schlösschen

Schautafel Schoeler-Schlösschen
Untertitel:
Das älteste erhaltene Haus im Ortsteil Wilmersdorf

Bildunterschriften:
Wilmersdorf, Karte von 1847
Lindenallee hinter dem Haus
Südfassade
Wohnzimmer der Familie Schoeler
Weißer Salon
Flur im Erdgeschoss
Das Wilmersdorfer Landhaus, um 1900
Heimatschau, 1936
Heimatschau mit bäuerlichem Arbeitsgerät
Park und Haus, 1913
Park und Bau nach Umbau, 1935

Text 1
Ein Zeugnis aus den Anfängen Wilmersdorfs
Mit dem sog. Schoeler-Schlösschen ist eines der heute seltenen Beispiele eines Landhauses erhalten, wie es sich das Berliner Großbürgertum im 18. Jahrhundert in der Umgebung der Stadt als Sommerwohnung errichten ließ.

Der Bau entstand 1765 am östlichen Ausgang der einstigen Dorfaue und ersetzte einen schlichten einstöckigen Fachwerkbau, den sich wenige Jahre zuvor der Wilmersdorfer Pfarrer Samuel Gottlieb Fuhrmann (1714-1769) hatte bauen lassen.

Damals war Wilmersdorf noch ein kleines Dorf, in dem außer dem Dorfschulzen, dem Prediger und Küster ein Windmüller, einige wenige Bauern und Kossäten (Bewohner von Kotten bzw. Katen) lebten.

Besitzer des Urbaus des heutigen Schoeler-Schlösschens war Cornelius Adrian Hesse (?- um 1781), mutmaßlich ein Tuch-, Seiden- und wohl auch Holzhändler aus Berlin. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ließ er ein etwas größeres, massives, zweigeschossige Haus erstellen, das überwiegend unterkellert und mit sparsamem barocken Dekor – wie Muschelornamenten an den Faschen der Fenster der Beletage und mit kleinen Doppelkonsolen unterhalb des ursprünglich direkt darüber befindlichen Traufgesimses – ausgestattet ist.

Text 2
Der Garten
Das Haus und der zugehörige Garten, der sich unter den letzten Besitzern bis zum später zugeschütteten Wilmersdorfer See (heute Volkspark-Gelände) erstreckte, wurden anfangs teilweise gewerblich, für den Anbau von Maulbeerbäumen und die Seidenraupenzucht, später großenteils für ein geselliges Leben in ländlicher Idylle genutzt.

Seine wohl schönste Gestalt erreichte der Garten zwischen 1829 und 1857 unter Bankier Friebe und seiner Gattin, die hier u.a. Baum- und Drachenlilien, Papyrus und Arvideen anpflanzten.

Von 1893 an befanden sich auf dem inzwischen auf 3,2 ha angewachsenen Grundstück, das damals dem Mediziner Schoeler gehörte, ein Pferde- und Hühnerstall, Gewächshäuser, eine Kegelbahn und ein Maschinenhaus.

Text 3
Bewohner – Nutzungen
Über 150 Jahre lang befand sich das Haus im Besitz von Angehörigen des Berliner Großbürgertums, von Fabrikanten, Bankiers oder Kaufleuten, darunter zuletzt Prof. Heinrich Schoeler (1844-1918), ein Spezialist auf dem Gebiet der Augenheilkunde. Er war der erste, der mit seiner Familie das Haus ganzjährig bewohnte.

1918 erlosch die private Nutzung von Haus und Garten. Jahrelang zum Spekulationsobjekt degradiert, gelangte das Gebäude 1929 in die Obhut des Bezirks Wilmersdorf.

Nach der Errichtung der umgebenden Mehrfamilienhäuser, die in der Geschosshöhe sorgfältig auf den Barockbau abgestimmt waren, ließ das Bezirksamt den Park für die Öffentlichkeit neu herrichten. Dabei wurde die alte Lindenallee bewahrt. Zugleich präsentierte der Bezirk von 1935 an die “Wilmersdorfer Heimatschau” im Schoeler-Schlösschen und richtete hier ein Heim der Hitler-Jugend ein.

Dafür wurde das Gebäude um ein weiteres Geschoss aufgestockt und mit einem neuen Dachstuhl versehen.

Text 4
Umbau und Restaurierung
Während des 2. Weltkriegs wurde ein Teil des zuvor neu errichteten Dachstuhls zerstört, nur der Westgiebel blieb rudimentär erhalten. Bereits 1946 bezog erneut eine bezirkliche Einrichtung, eine Kindertagesstätte, das mit einem Notdach ausgestattete Gebäude und nutzte es ohne wesentliche bauliche Veränderungen bis zum Frühjahr 2003.

Auch wenn man sich bei dem in den 1930er Jahren erfolgten Umbau bemüht hatte, das barocke Erscheinungsbild zu wahren, bewirkte die Hinzufügung eines zweiten Obergeschosses einen erheblichen Eingriff in die Proportionierung des 18. Jahrhunderts: Aus einem großbürgerlichen Landhaus wurde gewissermaßen ein städtisches Palais.

Die neue Nutzung hatte auch im Inneren gravierende bauliche Veränderungen erforderlich gemacht, u.a. den Einbau einer Nebentreppe, die in die Räume der HJ und in das Dachgeschoss führte.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin, seit 2006 mit der Restaurierung des Hauses betraut, wird sich bemühen, den barocken Kern wieder deutlich hervortreten zu lassen.

Zusammen mit dem im gleichen Jahr entstandenen Freundeskreis Schoeler-Schlösschen bereitet die Stiftung zusätzlich die künftige Nutzung als ein Kulturzentrum vor.

Vorgesehen sind ein Café, eine Dauerausstellung zum Schicksal der Berliner Jugend in den Jahren 1933 bis 1945 und Versammlungs-, studien- und Clubräume, die mit der Bibliothek des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau ausgestattet sind.