166. Kiezspaziergang

Vom Grunewaldturm zum Grunewaldturm - ein Rundgang

Bezirksbürgermeister Naumann

Treffpunkt: Parkplatz am Grunewaldturm, Bushaltestelle Grunewaldturm (Bus 218 vom S-Bahnhof Wannsee oder vom U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz im Stundentakt)

Länge :2 km

Wegbeschaffenheit:
Die gesamte Länge der Strecke wird auf Waldwegen zurückgelegt. Manchmal geht es auch mitten durch den Wald. Es sind mindestens 60 Höhenmeter bergauf und bergab zu überwinden.

Herzlich willkommen zu unserem 166. Kiezspaziergang im Grunewald. Wir stehen hier auf dem Karlsberg am Grunewaldturm 78,5 m über dem Meer und werden heute tatsächlich auf dem Waldklimapfad 66 Höhenmeter bergauf und bergab überwinden, sehr ungewöhnlich für Berlin. Wir gehen durch das Kirschental zur alten Försterei an der Saubucht und wieder zurück zum Grunewaldturm. Der geplante Waldklimapfad führt teilweise mitten durch den Wald und soll 2017 zur Internationalen Gartenschau in Berlin eröffnet werden. Damit wir uns dabei nicht verlaufen, führt uns heute Elmar Kilz, Leiter des Forstamts Grunewald, mit einem seiner Mitarbeiter. Beide möchte ich nun ganz herzlich in unserer Runde begrüßen. Desgleichen begrüße ich ganz herzlich die Mitspaziergänger und –gängerinnen, die sich über das Ökowerk zu dieser Wanderung angemeldet haben. Statt der erwarteten 30 sind wir vereint nun etwas mehr geworden.

Aber bevor wir starten, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang bekanntgeben. Er findet wie immer am zweiten Samstag im Monat um 14 Uhr statt, das ist im November, der 14.11.2015. Wie jedes Jahr gedenken wir im November unseren jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen, deren Geschäfte und Einrichtungen am 9.11.1938 in der Reichspogromnacht zerstört wurden. Wir treffen uns am Ludwigkirchplatz vor Sankt Ludwig und gehen durch die Ludwigkirchstraße zur Gerhart-Hauptmann-Anlage, dann in die Meierottostraße, wo Walter Benjamin eine Zeit lang gewohnt hat. Am buddhistischen Shaolin-Tempel und der Universität der Künste vorbei gehen wir zum deutsch-jüdischen Theater Größenwahn. Unser Spaziergang endet in der Gedenkhalle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, wo uns Pfarrer Germer empfangen wird.
Bevor ich aber nun das Wort Herrn Kilz übergebe, möchte ich noch Einiges zum Grunewald und zum Grunewaldturm sagen.

Der Grunewaldturm ist 55 m hoch und wurde 1897 nach einem Entwurf von Franz Schwechten durch den Landkreis Teltow, zu dem der Grunewald seinerzeit gehörte, gebaut. Bis 1948 hieß er Kaiser-Wilhelm-Turm, da er zum Gedenken an den 100. Geburtstag von König Wilhelm I. errichtet worden war. Der Enkel (Wilhelm II.) sprach aber schon im Einweihungs-telegramm vom Kaiser-Wilhelm-Turm. Ausgeführt ist er in der typischen roten Backsteingotik im Klosterstil. Der Sockel und die Plattform sind aus Rochlitzer Sandstein. Nach unserem Spaziergang können Sie die 202 Stufen erklimmen und die Aussicht über die Havellandschaft und die Stadt genießen.
Im Südwesten sieht man bis nach Potsdam, im Westen weit über Gatow und Kladow bis nach Spandau. Das Märkische Viertel, Schloss und Rathaus Charlottenburg, der Funkturm, Fernsehturm am Alex und die Gropiusstadt sind nur einige markante Punkte die unschwer zu erkennen sind.

Entgegen der ursprünglichen Anordnung des Kaisers Wilhelm II gibt es nun doch seit Jahrzehnten einen gastronomischen Betrieb im Turm, in dem man die Wanderung ausklingen lassen kann.
Der Grunewald ist insgesamt 3200 ha groß, zum Bezirk gehören 1622 ha. Damit ist der Wald die größte Nutzungsart, noch vor dem Wohnen in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Der Grunewald in seiner Topographie geht auf die eiszeitlichen Prozesse der Weichselzeit (ca. 18.000 v.C.) zurück. Erste menschliche Spuren nomadischer Jäger finden sich um 10.000 vor Christus. Dank der nährstoffarmen und grundwasserfernen Böden blieb der Grunewald von siedlungsbedingten Rodungen im Mittelalter verschont und diente hauptsächlich als Jagdrevier der jeweiligen Landesherren, die ab 1849 sogar einen Zaun darum errichten ließen.

Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts gingen durch die städtebauliche Erweiterung von Wilmersdorf und Charlottenburg große Waldgebiete verloren, zu nennen sind zum Beispiel der Bau der Villenkolonie Grunewald oder der AVUS. 1904 gab es eine der ersten Umweltbewegungen in Deutschland: 30.000 Unterschriften wurden gegen eine weitere Bebauung des Grunewalds gesammelt. 1906 wurde ein Waldschutzverein gegründet und 1909 ein Waldschutztag ins Leben gerufen, gegen, ich zitiere, „rücksichtslose Spekulation und Waldvernichtung.“ 1915 war es so weit: der Dauerwaldvertrag zwischen dem preußischen Königshaus und dem Zweckverband Groß-Berlin konnte unterzeichnet werden. Der Dauerwaldvertrag jährt sich dieses Jahr zum hundertsten Mal. Der Kauf des Waldes kostete den Zweckverband 50 Millionen Goldmark. Zudem verpflichtete sich Berlin den Wald weder zu verkaufen noch zu bebauen. Das bewahrte den Wald nicht ganz vor Verlusten, aber schränkte sie doch ein.

Zum Beispiel wurde in der Zeit des Nationalsozialismus das Messegelände stark ausgebaut und die wehrtechnische Fakultät auf dem Teufelsberg errichtet. Seit dem Jahr 2007 gibt es im Bereich Ruhleben leichte Rückgewinne durch Flächen, die vorher von der Polizei oder militärisch genutzt worden waren. Die Renaturierung des ehemaligen Munitionsdepots und der Hinrichtungsstätte für Deserteure wurde 2014 fertiggestellt.
2015 wurde der Grunewald vom Bund deutscher Forstleute zum Waldgebiet des Jahres gewählt. Es wurde in der Begründung hervorgehoben, dass es trotz der jährlich 100 Millionen Waldbesucher dem Forstamt gelungen sei, Naturschutz und forstwirtschaftliche Nutzung in Übereinstimmung zu bringen. Neben der Erholung der Stadtbewohner und –bewohnerinnen hat der Grunewald auch eine wichtige Funktion für das Stadtklima und die Trinkwassergewinnung. Seit 1963 ist der Grunewald Landschaftsschutzgebiet. Der Wald wird in den nächsten Jahrzehnten zu einem Mischwald umgebaut.
Die vorherrschende Kiefer soll durch Eichen, Linden, Ulmen, Birken und Buchen ersetzt werden, denn Kiefern halten Feuer, Schädlingen und Stürmen nicht so gut stand. Auch vor tausend Jahren soll es hier Mischwald gegeben haben, was durch alte Pollenfunden herausgefunden wurde.
Dazu wird uns aber gleich Herr Kilz mehr erzählen, dem ich nun das Mikrofon übergebe.

Vielen Dank, Herr Kilz, für diese spannende Führung. Wir wissen nun alle etwas mehr über unseren Wald und die Zusammenhänge von Klima, Natur und Stadt. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Nachmittag und erholsamen Sonntag und freue mich auf unser nächstes Treffen am 14. November am U-Bahnhof Spichernstraße.