161. Kiezspaziergang

Vom Hardenbergplatz zur Bahnbrücke Bleibtreustraße

Stellvertretende Bezirksverordnetenvorsteherin Frau Hansen

Bildvergrößerung: Kartenskizze 161. Kiezspaziergang
Kartenskizze 161. Kiezspaziergang Bild: BA Charlottenburg-Wilmersdorf, ML

Treffpunkt: Hardenbergplatz 8 (Verwaltungsgebäude des Zoologischen Gartens) am U-Bahnhof Zoologischer Garten, Länge: 1,9 km

Bildvergrößerung: Verwaltungsgebäude des Zoologischen Garten
Verwaltungsgebäude des Zoologischen Garten Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Herzlich willkommen zu unserem 161. Kiezspaziergang!
Da Bezirksbürgermeister Naumann heute nicht in Berlin ist, werde ich ihn heute vertreten. Heute ist der bundesweite Tag der Städtebauförderung, und ich freue mich sehr, mit Ihnen zusammen die Planungen zur Aufwertung der City West zu erkunden. Mein Name ist Annegret Hansen und ich bin die Stellvertretende Bezirksverordnetenvorsteherin der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf.
Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Aufwertung der City West ist sicher die Umgestaltung des Hardenbergplatzes. Wir haben heute Herrn Dexler vom Landschaftsarchitekturbüro Topotek 1 hier, der an dem Konzept mitgearbeitet hat und es uns gleich vorstellen wird. Herzlich willkommen Herr Dexler in unserer Runde. Desgleichen begrüße ich Herrn Richter vom Regionalmanagement City West, der für die Koordination der Maßnahmen nim Städtebauförderprogramm Aktive Zentren (kurz: AZ) verantwortlich ist und uns heute mit seinen Beiträgen auf dem ganzen Spaziergang begleiten wird. Auch Ihnen ein freundliches Hallo. Nach dem Bericht von Herrn Richter zur neuen Lichtinstallation unter der Hardenbergbrücke spazieren wir über die Hardenbergstraße zum Steinplatz. Auch die Hardenbergstraße wird im Zuge der Bauarbeiten zahlreiche Verbesserungen erfahren. Herr Richter wird uns die Planungen dazu erläutern. Vom Steinplatz aus passieren wir die Uhlandstraße und machen einen Halt am Stilwerk. In diesem Jahr wird die Designmeile zum fünften Mal durchgeführt. Herr Richter stellt uns das Konzept vor. Weiter geht es zum Savignyplatz und in die Knesebeckstraße. Dort soll der Kinderspielplatz barrierefrei neu gestaltet werden. Auch hier wird uns Herr Richter die Planungen vorstellen. Nächste Station sind die drei Pausenhöfe der Joan-Miró-Grundschule. Diese sollen nach ihrer Sanierung in der unterrichtsfreien Zeit für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Herr Richter wird uns eine Einführung zu den Planungen geben. Der heutige Kiezspaziergang endet unter der Bahnbrücke in der Bleibtreustraße, wo uns Herr Richter das Lichtkonzept erläutern wird.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für unseren 162. Kiezspaziergang mitteilen. Es ist wie immer der zweite Samstag des Monats, also der 13. Juni, um 14.00 Uhr. Auf diesem Kiezspaziergang begleitet Sie Bezirksbürgermeister Naumann. Die Freie Volksbühne Berlin begeht am 13. Juni ihren 125. Geburtstag. Dort sind wir herzlich eingeladen mitzufeiern. Unser Kiezspaziergang wird deshalb dort zu Ende gehen. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, die Theater- und Literatenwelt etwas näher zu beleuchten. Wir starten am Lehniner Platz, gehen in die Roscherstraße 16, wo Erich Kästner eine Zeit lang wohnte, dann über die Droysenstraße zur Schaubühne, wo uns Herrr Barner begrüßen wird. Anschließend gehen wir über die Cicerostraße, die Westfälische Straße, Bielefelder Straße in die Ruhrstraße 6, wo die Freie Volksbühne ihr Domizil hat und extra die Straße gesperrt wurde, damit richtig gefeiert werden kann. Unterwegs werden wir wieder viele Dinge entdecken können.
Nun noch zwei Hinweise in eigener Sache: Seit gestern ist der Weinbrunnen am Rüdesheimer Platz wieder in Betrieb. Die offizielle Eröffnung findet morgen um 15:30 Uhr durch den Stellvertretenden Bezirksbürgermeister Engelmann statt.
Und: Vom 29.5. bis 31.5. findet das Fest der Nationen auf dem Prager Platz statt, dieses Jahr mit dem Partnerland Israel. Veranstalter ist das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Wir würden uns alle sehr, sehr freuen, wenn Sie an dem Wochenende nach Pfingsten mit uns am Prager Platz feiern würden. Eröffnet wird um 16 Uhr am Freitag, den 29.5.

Station 1: Hardenbergplatz

Bildvergrößerung: Entwurf Hardenbergplatz
Entwurf Hardenbergplatz Bild: TOPOTEK 1 / IVAS

Wir stehen hier auf dem Hardenbergplatz. Zum Namensgeber des Platzes und der Straße werde ich Ihnen am Steinplatz Näheres erzählen. Jetzt wenden wir uns der Zukunft zu, denn die Umgestaltung des Hardenbergplatzes ist seit längerem in der Diskussion und in Arbeit. In einem umfassenden Beteiligungsverfahren wurden Möglichkeiten und Grenzen einer Umgestaltung herausgearbeitet. Dies war Grundlage für einen gutachterlichen Wettbewerb, in dem drei Teams Vorschläge für ein Gesamtkonzept erarbeiteten.
Nach dem ausgewählten Entwurf „City meets Park“ der Landschaftsarchitekten des Büros Topotek 1 und des Ingenieurbüros Ivas soll hier, wo wir im Moment stehen, eine Promenade angelegt werden, die Raum zum Verweilen und Flanieren schafft. Aber zu dem Entwurf gehört natürlich viel mehr, und deshalb wird Herr Dexler uns nun die Details vorstellen.
Ich übergebe das Wort an Herrn Dexler.

Ich beginne mit einem kurzen Blick zurück in die Geschichte des Platzes. Historisch gesehen hat der Platz bis heute zwei wesentliche Funktionen: Er stellt erstens die Verbindung des Tiergartens und des Zoologischen Gartens mit der westlichen Innenstadt her. Anderseits ist er seit Eröffnung der Berliner Stadtbahn im Jahr 1882 eine Mobilitätsdrehscheibe und damit das „Tor in die Berliner Innenstadt“ bzw. das „Tor in die City West“. Diese Kennzeichen sind bei einer zukünftigen Umgestaltung des Platzes von großer Bedeutung, auch wenn bedauernswerterweise heute keine ICE-Züge mehr am Bahnhof Zoologischer Garten halten.
Heute stößt der Hardenbergplatz in funktionaler und gestalterischer Hinsicht deutlich an seine Grenzen. Wie Sie gerade gut sehen können, herrscht viel Verkehr, zum Teil Unübersichtlichkeit und kaum Aufenthaltsqualität. Das hier auf diesem Plan skizzierte Neugestaltungsskonzept unseres Teams ist nun Grundlage für die weiteren Planungen, mit denen wir noch ganz am Anfang stehen.
Die Grundzüge möchte ich Ihnen kurz darstellen: Im Wesentlichen werden die bisherigen und allesamt wichtigen Funktionen des Platzes auch zukünftig erhalten bleiben. Es soll jedoch eine leichte Reduzierung und bessere Ordnung der Verkehre zugunsten einer verbesserten Aufenthaltsqualität sowie höherer Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer geben. Das soll durch eine Trennung des Platzes in einen schlanken westlichen „Verkehrsplatz“ vor dem Bahnhof Zoo und einen als „grüne Promenade“ konzipierten Bereich auf der Seite des Zoologischen Gartens und des Hutmacher Hauses erreicht werden. Für den Verkehrsplatz ist eine bessere Führung der Busspuren unter Beibehaltung kurzer Umsteigewege vorgesehen. Dafür werden die BVG-Bushaltestellen entlang des Bahnhofsgebäudes etwas kompakter angeordnet. Ganz wichtig sind bessere und mehr Querungsmöglichkeiten des Platzes für Fußgängerinnen und Fußgänger. Die Taxi-Einstiegsplätze vor dem Bahnhofsausgang werden dafür leicht reduziert. Der Taxi-Ausstieg soll in die Jebensstraße verlagert werden. Insbesondere muss hier vermieden werden, dass die Jebensstraße als Bahnhofsrückseite zum “Hinterhof” des Platzes wird.
Auf dem Hardenbergplatz selbst können bzw. müssen die Pkw-Stellplätze zugunsten erhöhter Aufenthaltsqualität zum jetzigen Bestand knapp halbiert werden, zumal es direkt am Bahnhof noch ein großes und bislang wenig genutztes Parkhaus gibt. Auch in der Jebensstraße gibt es noch Stellplätze. Für Reisebusse muss es ebenfalls weiterhin Ausstiegs- und Stellplätze geben. Auch eine so genannte Kiss + Ride-Spur für mobilitätseingeschränkte Zoo-Besucher soll eingerichtet werden.
Auf der östlichen Platzseite entsteht eine von Bäumen gesäumte „grüne Promenade“ mit einigen Sitzgelegenheiten, die zudem eine attraktivere Verbindung zum Löwentor des Zoologischen Gartens und zum bisher vernachlässigten Tiergarten-Zugang schafft. Die Details, wie z.B. die Frage nach vernünftigen Fahrradabstellanlagen, werden im Zuge der weiteren Planungen präzisiert. Für die Finanzierung der Umsetzung der Ideen sehen der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Senatsverwaltungen aktuell gute Chancen.

Vielen Dank Herr Dexler.

Wir überqueren nun den Platz und treffen uns an der Hardenbergstraße / Ecke Jebensstraße wieder.

Station 2: Lichtinstallation Bahnbrücke an der Hardenbergstraße

Bildvergrößerung: Lichtinstallation Bahnbrücke Hardenbergstraße, Entwurf: Anne Boissel
Lichtinstallation Bahnbrücke Hardenbergstraße, Entwurf: Anne Boissel Bild: Elektro Bergemann GmbH

Neben der Aufwertung des Hardenbergplatzes wurde auch die etwas schmuddelig wirkende Bahnbrücke ins Visier genommen. Im Juni 2014 begannen die Baumaßnahmen der Deutschen Bahn an der Brücke, an die sich die Montagearbeiten für die künstlerische Lichtinstallation anschlossen. Am 2. Februar 2015 wurde die Lichtinstallation der Lichtarchitektin Anne Boissel eingeweiht.
Ich übergebe nun das Wort an Herrn Richter, der uns etwas zur Konzeption und Ausführung sagen wird.

Die Brücke gehört zum Viadukt der Berliner Stadtbahn, die seit 1882 befahren wird. Einerseits dienen die Brücken als Wegpunkte, die das Unterqueren der Stadtbahn ermöglichen, und meist an S- und/oder U-Bahnhöfen, belebten Straßen oder Sehenswürdigkeiten liegen und somit von Passanten viel frequentiert werden. Andererseits sind sie meist Problemorte, die gerade zu den Abend- und Nachtstunden nicht unbedingt zum Verweilen einladen.
Im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms Aktive Zentren wurde deshalb das Projekt „Perlen aus Licht“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt zielt darauf ab, bislang dunkle, und wenig ansprechende Brückenräume gestalterisch aufzuwerten – mittels Licht zu inszenieren. Grundlage der umgesetzten Konzepte an den Bahnbrücken Hardenberg-, Kant- und Bleibtreustraße war ein bereits im Jahr 2011 durchgeführter lichtplanerischer Wettbewerb. Es folgte ein sehr langwieriger und komplexer Abstimmungs- und Planungsprozess, denn die Idee Bahnbrücken zu beleuchten mag gut und schön sein – einfach ist es jedenfalls nicht! Es bedarf der Einbeziehung und Beteiligung vieler Akteure und Ansprechpartner bei den unterschiedlichsten Institutionen und selbst technische Lösungen für das Bauen an bahntechnischen Anlagen mitsamt den notwendigen Sonderzulassungen waren nicht immer leicht zu finden. Die Bahn musste die Brücken im Vorfeld der Installationsarbeiten im wahrsten Sinne des Wortes putzen. Dabei sind hier an der Hardenbergstraße nach Entfernung der Werbetafeln mit deutlich sichtbaren Einschusslöchern an den Stahlträgern auch stumme Zeugen des Zweiten Weltkrieges zu Tage getreten.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mittlerweile sind alle drei Lichtperlen realisiert. Seit September 2013 gibt die Lichtinstallation an der Bleibtreustraße in der Nähe vom Savignyplatz, dort wo unser heutiger Spaziergang endet, der Umgebung eine ganz neue Atmosphäre. Die fußläufig von hier, an der Brücke über die Kantstraße befindliche Installation, muss noch nachgebessert werden, bevor sie dauerhaft in Betrieb geht.
Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass dieses Projekt ein gemeinschaftlich getragenes ist. So beteiligten sich neben dem Förderprogramm auch private Unternehmen, die Stiftung Lebendige Stadt und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf an der Finanzierung und Umsetzung. Die Folgekosten für Betrieb und Wartung der nächsten 10 Jahre werden durch das finanzielle Engagement von Anrainern und privaten Unternehmen übernommen.
Die hier an der Hardenbergstraße realisierte und Anfang des Jahres in Betrieb genommene Lichtinstallation unter der Brücke und an den beiden Stirnseiten stammt von der Lichtarchitektin Anne Boissel. Es ist uns gelungen, die Beleuchtung extra für diesen Kiezspaziergang anzuschalten, obwohl es mitten am Tage ist. Derzeit nimmt die Installationsfirma Elektro Bergemann GmbH noch letzte Modifizierungsarbeiten vor. Auf dem großformatigen Foto ist die Situation bei Nacht gut zu erkennen. An diesem zentralen, lauten und quirligen Ort wurde eine bewusst dezente Gestaltung gewählt. Das Konzept stellt einen Bezug zum Bahnhof und seiner Dynamik her. So spielt die Installation mit der Lichtdecke des Bahnhofs, die sich in Wirklichkeit eine Etage darüber befindet. Auf den Putzfeldern an der Brückenunterseite werden dazu verzogene Rechtecke als Illusion der Fenster abgebildet. Die Grundbeleuchtung des Brückenraums übernehmen vier sogenannte Lichtpunktlinien. Diese nehmen einerseits die Bewegung der Züge oberhalb der Brücke auf und dienen andererseits der perspektivischen Verstärkung der Brückenkonstruktion. An den Stirnseiten streift Licht von LED-Lichtleisten den Hauptträger. Der Verlauf der Helligkeit erinnert auch hier an fahrende Züge – jedoch in der Bewegung erstarrt.

Bildvergrößerung: Lichtinstallation Bahnbrücke Kantstraße, Entwurf: Hans Peter Kuhn, Arup GmbH Deutschland
Lichtinstallation Bahnbrücke Kantstraße, Entwurf: Hans Peter Kuhn, Arup GmbH Deutschland Bild: Hans Peter Kuhn, Arup GmbH Deutschland

Vielen Dank Herr Richter.

Wir überqueren jetzt die Hardenbergstraße an der neuen Lichtsignalanlage.

Station 3: Hardenbergstr. 22-24: C/O Galerie

Bildvergrößerung: C/O Galerie
C/O Galerie Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Wir stehen hier nun vor der im Oktober wieder eröffneten C/O Galerie, eine neues Highlight in der City West.
Das Haus wurde 1956/57 von Bruno Grimmek für das Kultur- und Informationszentrum des United States Information Service (USIS) gebaut. Bei seiner Gründung 1946 ging es darum, den Berlinerinnen und Berlinern nach der NS-Zeit Veranstaltungen zur westlichen Demokratie anzubieten. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre stand das Haus im Zentrum der Studentenproteste. Hier fanden viele Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg statt. Mit dem Umzug der amerikanischen Botschaft von Bonn nach Berlin wurde das Amerikahaus unmittelbarer Bestandteil der Botschaft und dem Außenministerium unterstellt. Es stand unter strengem Polizeischutz. Am 25.9.2006 wurde es geschlossen und an die Stadt Berlin zurückgegeben. Die BVV beschloss noch im gleichen Jahr, dass am Standort Amerika Haus ein West-Berlin-Museum gegründet werden soll. Dazu sollte es aber nicht kommen. Denn nach Jahren diverser Zwischennutzungen konnte 2014 die Fotogalerie C/O Berlin in das Amerika-Haus einziehen, worüber wir sehr froh sind. Leider sind die beiden Geschäftsführer heute verhindert. Sie hätten uns aber gerne hier begrüßt.
Unser Blick wendet sich jetzt auf die andere Straßenseite.

Station 4: Hardenbergstr 31: Oberverwaltungsgericht

Das Gebäude gegenüber dem Amerika Haus an der Ecke Jebensstraße wurde 1905-07 von Paul Kieschke und Eduard Fürstenau als Königlich-Preußisches Oberverwaltungsgericht errichtet. Es ist ein neobarocker Baukomplex um mehrere Innenhöfe. Die Fassade wurde vor allem neben dem Balkon über dem Hauptportal mit Figurenschmuck versehen. Die Sitzungssäle wurden teilweise prunkvoll ausgestattet. Davon ist nur noch ein Teil erhalten. Nach 1950 wurden viele Räume neu eingerichtet.
1953 zog das Bundesverwaltungsgericht als oberster Gerichtshof des Bundes für das Gebiet der allgemeinen Verwaltungsgerichtsbarkeit in das Gebäude. Die Wahl des Standortes Berlin wurde als demonstratives Zeichen der Bundespräsenz in Berlin verstanden. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten zog das Bundesverwaltungsgericht im August 2002 nach Leipzig um.
2003 übertrug der Bund das Gebäude dem Land Berlin, das hier am 1.10.2004 das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin ansiedelte. Seit dem 1.7.2005 ist das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg das gemeinsame Oberverwaltungsgericht der Länder Berlin und Brandenburg.

Station 5: Hardenbergstraße 20: Denkmal für Cemal Altun

Bildvergrößerung: Denkmal für Cemal Altun
Denkmal für Cemal Altun Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Cemal Kemal Altun wurde 1960 in Samsun in der Türkei geboren. Er hatte in der Bundesrepublik Deutschland Asyl beantragt. Als sich während des Asylverfahrens herausstellte, dass er an die türkische Militärdiktatur ausgeliefert werden sollte, sprang er aus dem Fenster des Verwaltungsgerichts.
Dieser tödliche Sprung des 23-Jährigen aus dem sechsten Stock erregte bundesweit Aufsehen. Altun war der erste in einer Reihe politischer Flüchtlinge aus der Türkei, die seit dem Sommer 1982 von der Abschiebung bedroht waren und sich deshalb das Leben nahmen. Seit der Grundgesetzänderung 1993, mit der das Asylrecht stark eingeschränkt wurde, haben sich fast zweihundert Menschen angesichts ihrer drohenden Abschiebung das Leben genommen.
Die etwa vier Meter hohe, zwei Meter lange und einen Meter breite Steinskulptur des Künstlers Akbar Behkalam ist von oben her mittig aufgebrochen und lässt zwei Hände erkennen. Auf beiden Seiten des Mals ist zu lesen – einmal in deutscher, einmal in türkischer Sprache:
„Cemal Kemal Altun stürzte sich am 30. August 1983 als politischer Flüchtling hier aus dem Fenster des Verwaltungsgerichts aus Angst vor Auslieferung in den Tod. Politisch Verfolgte müssen Asyl erhalten.“
Das Denkmal wurde 1996 von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Berlin-Charlottenburgs, Monika Wissel, enthüllt.
Wir gehen nun weiter bis zu der Ecke Fasanenstraße.

Station 6: Aufwertung der Hardenbergstraße im Abschnitt zwischen Steinplatz und Bahnhof Zoologischer Garten

Wir stehen hier mitten auf der Baustelle der Hardenbergstraße. Herr Richter erläutert uns nun, was hier genau passieren soll.

Wie Sie unschwer erkennen, ist die Hardenbergstraße momentan eine einzige Baustelle. Grund sind Arbeiten der BVG, die derzeit mit der dringend notwendigen Sanierung des unter der Straße verlaufenden U-Bahntunnels der Linie U2 beschäftigt ist. Diese Arbeiten werden in „offener Bauweise“ ausgeführt. Es müssen also die Straße aufgebrochen und die Tunnelanlagen von oben frei gelegt werden. Diesen Umstand nutzt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und beantragte Fördermittel für eine Qualifizierung der Hardenbergstraße, die an diese BVG-Maßnahmen anschließt. Es soll nicht der bisherige Zustand wieder hergestellt werden, sondern ein verbesserter.
Grundlage ist ein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt beauftragtes Gutachten zur Gestaltung des öffentlichen Raumes für diesen Bereich. Darin werden unter anderem Maßnahmen für eine verbesserte Verkehrsführung, Verkehrssicherheit und Gestaltung der Hardenbergstraße vorgeschlagen. Im Zuge dessen hat die Senatsverwaltung zum Beispiel die neue, noch provisorische Fußgängerampel zwischen Jebensstraße und c/o Galerie aufgestellt, die nach Abschluss der Arbeiten dauerhaft installiert wird. Die aus Städtebaufördermitteln finanzierten Verbesserungen beinhalten im Wesentlichen Folgendes: Die Fahrbahnstreifen sollen von drei auf zwei reduziert werden. Dies ermöglicht im Gegenzug, endlich einen weiteren breiten Kombi-Fahrstreifen für Busse und Fahrradfahrer reservieren zu können, ebenso die Einrichtung eines Dauerparkstreifens im Abschnitt zwischen Fasanenstraße und Jebensstraße. Gerade für die vielen Studierenden und Campus-Angehörigen, die mit dem Fahrrad kommen, stellt dies eine erhebliche Verbesserung dar. Im Kreuzungsbereich Fasanenstraße soll der Mittelstreifen verschmälert werden, um Platz für Linksabbiegerspuren zu bieten, was ebenfalls für einen flüssigeren Ablauf des Verkehrs sorgt. Außerdem wird hier eine zusätzliche Fußgängerquerung mit Erweiterung der Lichtsignalanlage eingerichtet. Im Bereich des Steinplatzes wird der ansonsten auch zukünftig begrünte Mittelstreifen gepflastert, da hier ohnehin häufig der Schatten der Ampeln für eine Überquerung der Hardenbergstraße genutzt wird. Auf den Fußwegen werden die Baumscheiben erneuert und etwas vergrößert. In Höhe des Amerika Hauses sollen neue Stellflächen für Fahrräder entstehen.
Diese Qualifizierung der Hardenbergstraße hätte ohne die Arbeiten der BVG nicht stattfinden können, da sie allein nicht finanzierbar gewesen wäre. Nun ist die BVG verpflichtet, den ursprünglichen Zustand der Straße nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder herzustellen. Mit einem verhältnismäßig geringen Einsatz von Fördermitteln besteht nun die Möglichkeit, dass die BVG in Abstimmung mit dem Bezirk einen besseren Zustand hinterlässt als vor der Tunnelsanierung. Dadurch, dass die zusätzlichen Arbeiten schließlich von der BVG mit übernommen werden, wird außerdem die Einrichtung weiterer Baustellen vermieden. Hiermit haben wir hier ein gutes Beispiel dafür, wie rechtzeitige Abstimmung zu einer guten Lösung und sparsamen Verwendung öffentlicher Gelder führen kann, auch wenn das Zeitfenster hier sehr eng war.

Vielen Dank, Herr Richter!

Station 7: Hardenbergstraße 16: Stolperstein Otto Reinhold Siegel

Der von Dirk Leicher, Berlin, gespendete Stolperstein wurde am 27.11.2012 in Anwesenheit zahlreicher Zeugen Jehovas verlegt. Darauf steht:

HIER WOHNTE
OTTO REINHOLD
SIEGEL
ZEUGE JEHOVAS
JG. 1922
1943 MILITÄRGERICHT
ALLENSTEIN
ERMORDET 5.6.1944
KÖNIGSBERG

Otto Reinhold Siegel wurde am 25. November 1922 als Sohn von Rudolf Siegel, der Kraftwagenführer war, und Gertrud Siegel, geb. Zimmermann, in Groß-Schönau bei Zittau (Sachsen) geboren. Er war Landarbeiter und unverheiratet, als er im Alter von 19 Jahren 1941 nach Berlin zog, wo er in der Hardenbergstraße 16 in Charlottenburg unterkam.
Ursprünglich war er evangelisch, hat sich dann aber anscheinend der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen angenähert, die unter der nationalsozialistischen Diktatur gezwungen war, ihren früheren Namen Bibelforscher zu führen. Obwohl unpolitisch, wurden die Zeugen Jehovas von den Nationalsozialisten als Staatsfeinde angesehen, weil sie den Eid auf Adolf Hitler als Oberbefehlshaber der Wehrmacht ablehnten und aus religiösen Gründen konsequent den Kriegsdienst verweigerten. Viele mussten in Konzentrationslager und wurden hingerichtet. Sie bildeten die größte geschlossene Gruppe religiöser Kriegsdienstverweigerer, die von der Wehrmachtsjustiz hart bestraft oder ums Leben gebracht wurden.

Station 8: Hardenbergstraße / Ecke Fasanenstraße

Bildvergrößerung: Hardenbergstraße / Ecke Fasanenstraße
Hardenbergstraße / Ecke Fasanenstraße Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Hier wurde am 15. März 1921 Mehmed Talat von Soromon Tehlirian, einem armenischen Studierenden, erschossen. Mehmed Talat war bis 1917 Innenminister und Großwesir des Osmanischen Reiches und Hauptverantwortlicher für den Völkermord an den Armeniern 1915. Nach Kriegsende flüchtete er nach Berlin und wohnte in der Hardenbergstraße. Tehlirian wurde vom Gericht freigesprochen.

Station 9: Hardenbergstraße 16-18 / Ecke Fasanenstraße: IHK Altbau

Der Sitz der Industrie- und Handelskammer Berlin und der damaligen Berliner Börse wurde 1953/54 von Franz Heinrich Sobotka & Gustav Müller gebaut. Es war ursprünglich ein dreiteiliges Ensemble mit dem Hauptgebäude, einem kleinen Seitenflügel und einem im Hof gelegenen sechseckigen Börsensaal, der für den Bau des Ludwig-Erhard-Hauses abgerissen wurde. Vor dem Haus wurde nach dem Bau des Ludwig-Erhard-Hauses um die Ecke 1997 die stählerne Richtkrone dieses spektakulären Neubaus aufgestellt.

Station 10: Fasanenstr. 83/84: Ludwig-Erhard-Haus

Bildvergrößerung: Ludwig-Erhard-Haus
Ludwig-Erhard-Haus Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Das Ludwig-Erhard-Haus ist der Sitz der Industrie- und Handelskammer Berlin. Es wurde 1994-98 von Nicholas Grimshaw & Partners direkt neben dem Altbau der IHK errichtet. Die Tragekonstruktion aus fünfzehn mächtigen Stahl-Bögen ergibt einen gerippten Baukörper. Deshalb hat sich inzwischen der Spitzname “Gürteltier” eingebürgert. Auf ausdrücklichen Wunsch Berlins wurde eine gerade Außenwand zur Fasanenstraße angegliedert. Die einzelnen Büroetagen wurden mit Stahlseilen von den Bögen abgehängt. Eine Passage erschließt die beiden Innenhöfe. Der High-Tech-Bau kostete rund 325 Mio DM. Das waren 70 Mio mehr als die zunächst veranschlagten 255 Mio.
Neben der IHK Berlin residiert hier auch die Börse Berlin, die Berlin Partner GmbH, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller und eine Reihe weiterer Unternehmen. Die Skulptur “Option” von Volker Bartsch wurde im Jahr 2000 im Souterrain zwischen Altbau und Neubau aufgestellt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehen wir:

Station 11: Hardenbergstr. 32: Berliner Bank

Die Berliner Bank wurde 1950 auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter gegründet. Vorrangige Aufgabe war es, den Wiederaufbau der Wirtschaft zu fördern. Als Hauptsitz baute Gerhard Siegmann von 1951 bis 1954 hier an der Hardenbergstraße 32 ein achtgeschossiges, streng gerasterters Bürohochhaus, das von einem eingeschossigen Vorbau umgeben ist. Im Erdgeschoss befindet sich eine Kassenhalle. 1975-77 wurde das Haus durch Jan und Rolf Rave umgebaut. Die Fassade wurde mit Aluminiumelementen verändert. 1994 wurde die Berliner Bank in die Bankgesellschaft Berlin integriert. 1999 wurde das Haus an der Hardenbergstraße erneut umgestaltet. Im Juni 2006 erwarb die Deutsche Bank die Berliner Bank.

Daneben auf der anderen Seite der Fasanenstraße sehen wir den Konzertsaal der Universität der Künste.

Station 12: Hardenbergstraße 33: Konzertsaal der Universität der Künste

Der Konzertsaal wurde 1949-54 von Paul Baumgarten an Stelle des südlichen Flügels der ehemaligen Hochschule für Musik (heute Teil der Universität der Künste ) errichtet. Hier spielten die Philharmoniker unter Karajan bis zur Fertigstellung der Philharmonie 1963. 1971-75 wurde in der Fasanenstraße eine Studiobühne angebaut.
Auf dem Vorplatz wurde 1983 die Schwarze PVC-Skulptur von Hans Nagel aufgestellt.

Wir gehen nun weiter bis zum Steinplatz.
Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir:

Station 13: Hardenbergstraße 33: Hauptgebäude der Universität der Künste

Das Gebäude wurde 1898-1902 von Kayser & Großheim als neobarocker palaisartiger Bau um ursprünglich vier Innenhöfe errichtet. Die rückwärtigen Ateliers lagen um einen großen Garten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vereinfacht wieder aufgebaut.
Die UdK ist die größte Kunsthochschule Europas. Sie hat folgende Fakultäten: Bildende Kunst, Gestaltung, Musik und Darstellende Kunst.
Eine ihrer Vorgängereinrichtungen war die 1696 gegründete Preußische Akademie der Künste. Deshalb ist sie auch eine der ältesten Kunsthochschulen der Welt. Sie ist aber auch die kleinste der vier staatlichen Universitäten in Berlin.

Station 14: Steinplatz

Wir befinden uns hier auf dem Steinplatz.
Der Steinplatz hat fünf Straßeneinmündungen. 1950 wurde der Platz durch Joachim Kaiser neu gestaltet.
Auf dem Steinplatz befinden sich zwei Gedenksteine:

Station 15: Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus

Der Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1953 an der nordöstlichen Platzecke an der Hardenbergstraße in symmetrischer Anordnung zu dem Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus errichtet. Man benutzte dazu Steine aus Muschelkalk der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße. Die Inschrift lautet:
“1933-1945 / Den Opfern des Nationalsozialismus”;
Darüber befindet sich ein dem Dreieckszeichen der KZ-Häftlinge nachgebildetes Emblem mit den stilisierten, wie Flammen wirkenden Buchstaben “KZ”. Der Stein ist das früheste West-Berliner Denkmal für NS-Opfer.
Nun gehen wir geradeaus weiter bis zum

Station 16: Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus

Der Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus wurde 1951 an der nordwestlichen Platzecke an der Hardenbergstraße errichtet. Die Inschrift lautet schlicht:
„Den Opfern des Stalinismus“

Vor uns sehen wir:

Station 17: Hoechst Geschäftshaus

Bildvergrößerung: Hoechst Geschäftshaus
Hoechst Geschäftshaus Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Das Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst wurde von den Architekten Hans Geber und Otto Risse entworfen und im Mai 1955 fertig gestellt. Der Bau aus Stahlbeton mit tragenden Mauerwerkpfeilern ist im Erdgeschoss mit Muschelkalk, in den Obergeschossen mit Trosselfels verkleidet: Das 6. Obergeschoss ist zurückgesetzt. Das Firmenzeichen an der Fassade ist weithin sichtbar.
Das Haus steht im scharfen Kontrast zum wilhelminischen Hauptgebäude der Universität der Künste. Das sich in die Höhe schraubende Haupttreppenhaus gilt als Meisterwerk der 50er-Jahre-

Nun gehen wir in die Grünanlage hinein zur Büste …

Station 18: Büste des Freiherrn vom und zum Stein

Freiherr vom und zum Stein, 29.5.2007, Foto: KHMM
Freiherr vom und zum Stein, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Der Steinplatz wurde 1885 nach Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein benannt, der von 1757 bis 1831 lebte. Er trat für die Dezentralisierung des Staates und die kommunale Selbstverwaltung ein. Stein trug wesentlich zur Bauernbefreiung und zur Gleichberechtigung der Juden bei.
Zusammen mit Karl August von Hardenberg, dem Namensgeber für den Hardenbergplatz und die Hardenbergstraße, der von 1750 bis 1824 lebte, leitete er die Preußischen Staats- und Verwaltungsreformen ein, die zu ersten Liberalisierungen und Demokratisierungen des preußischen Staatswesens führten. Hardenberg war von 1804 bis 1806 preußischer Außenminister und von 1810 bis 1822 Staatskanzler. Vom und zum Stein war seit 1804 Wirtschafts- und Finanzminister. Grundlagen für die Reformen waren Steins Nassauische Denkschrift und Hardenbergs Rigaer Denkschrift, beide aus dem Jahr 1807.
Die Büste des Freiherrn vom und zum Stein wurde 1987 als Geschenk des Deutschen Städtetags zur 750-Jahr-Feier Berlins aufgestellt. Ost-Berlin erhielt das gleiche Geschenk. Deshalb befindet sich die Kopie der Büste jetzt im Berliner Rathaus.

Station 19: Steinplatz 3 / Gedenktafel für Bernhard Weiß

Die Berliner Gedenktafel (Porzellantafel der KPM) für Bernhard Weiß am Haus Steinplatz 3 wurde am 11.7.2008 enthüllt.
BERLINER GEDENKTAFEL

In diesem Haus lebte bis zum März 1933
BERNHARD WEISS
30.7.1880 – 29.7.1951
Jurist, Polizeivizepräsident in Berlin von 1927 bis 1932
Als Jude und Demokrat vom NS-Regime verfolgt
mußte er nach der Erstürmung seiner Wohnung durch die SA
über Prag ins Londoner Exil fliehen
Kurz vor Wiedererlangung der ihm von den Nationalsozialisten
aberkannten deutschen Staatsbürgerschaft
starb Bernhard Weiß in London

Bevor wir in die Uhlandstraße einbiegen, möchte ich Ihnen noch etwas zum Hotel am Steinplatz sagen.

Station 20: Steinplatz 4 - Hotel am Steinplatz

Das Jugendstilgebäude wurde 1906-1908 von August Endell, dem Architekten der Hackeschen Höfe, als hochherrschaftliches Wohnhaus mit je zwei luxuriösen Zehnzimmerwohnungen pro Etage gebaut. 1913 eröffnete Max Zellermayer in dem Haus das “Hotel am Steinplatz”. Es war ähnlich luxuriös wie das größere Adlon. Zu den Stammgästen zählten in den 1920er Jahren vor allem russische Adelige, die wegen der Oktoberrevolution aus ihrer Heimat geflohen waren, und nach dem Zweiten Weltkrieg Prominente wie Yehudi Menuhin, Romy Schneider, Heinrich Böll und Günter Grass. In den 1970er Jahren wurde das Haus zum Seniorenheim, später stand es zehn Jahre lang leer und verfiel.
Der Eigentümer, ein Geschäftsmann aus Eberswalde, ließ es seit 2010 von der Architektin Claudia Dressler restaurieren und modernisieren. Am 16.12.2013 wurde es als Fünf-Sterne-Hotel mit 85 Zimmern eröffnet, mit Spa im Dachgeschoss, einem Wintergarten im Innenhof und gehobener Gastronomie im Erdgeschoss. Am 24.1.2014 wurde das “Grand Opening” gefeiert.

Station 21: Uhlandstraße

Die Uhlandstraße wurde am 25. April 1885 in Charlottenburg nach dem Dichter Ludwig Uhland benannt.
Wir gehen nun durch die Uhlandstraße zur Kantstraße. Der nächste Halt ist das Stilwerk.

Station 22: Kantstraße

Bildvergrößerung: Kantstraße
Kantstraße Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Die Kantstraße ist eine zwischen dem Breitscheidplatz und der Suarezstraße verlaufende rund 2,3 Kilometer lange Hauptverkehrsstraße. Sie wurde nach dem Philosophen Immanuel Kant benannt und trägt ihren Namen seit dem 23. Februar 1887.
Zwischen Uhlandstraße und Savignyplatz befinden sich zahlreiche Wohn-Designer mit dem Stilwerk als Flagschiff, rund um den Savignyplatz zahlreiche Restaurants, Boutiquen, die Fachbuchhandlung für Architektur und Kunst Bücherbogen und das alteingesessene Eisenwaren-, Bühnenbedarfs- und Haushaltswarengeschäft C. Adolph mit seiner tröstlich-alten Einrichtung von 1898, aus deren Schubkästen wirklich noch Schrauben stückweise verkauft werden.

Station 23: Kantstraße 17-20: Stilwerk und Designmeile

Bildvergrößerung: Stilwerk und Designmeile
Stilwerk und Designmeile Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Das Gebäude wurde 1998/99 von Novotny, Mähner & Assoziierte, Offenbach/Berlin und Studio + Partners, Mailand als Neubau an Stelle des ehemals hier befindlichen Hauptverwaltungsgebäudes der Dresdner Bank errichtet. Entstanden ist ein Geschäftshaus mit 58 verschiedenen Einrichtungs- und Designerläden des gehobenen Segments, Restaurant und Espresso-Bar auf 20.000 qm.
Die Tresoranlagen der Bank im Untergeschoss mussten erhalten bleiben, weil die Laufzeit der Schließfächer noch nicht abgelaufen war.

Dieses Jahr veranstaltet das Stilwerk mit anderen Anrainern in der Kantstraße die fünfte Designmeile. Herr Richter wird uns nun Näheres dazu sagen:

Hier an der Kantstraße und in der näheren Umgebung gibt es seit mehreren Jahren eine große Vielfalt an Einrichtungsläden, Galerien, Hotels und weiteren Einrichtungen, deren gemeinsames Interesse darin besteht, DESIGN als Produkt zu verkaufen. Parallel dazu gibt es im Umfeld auch zunehmend Ateliers, in denen Kunsthandwerk betrieben wird. Eines von den ganz großen Unternehmen, ist das Ihnen wahrscheinlich bekannte Stilwerk. Im Jahr 2011 haben sich das Regionalmanagement City West und drei Unternehmen, u. a. das Stilwerk, zusammengeschlossen, um auf die Kantstraße, ihre Potenziale und Produkte aufmerksam zu machen und die Gewerbetreibenden untereinander zu vernetzen. Jährlicher Höhepunkt ist seitdem das Event „Designmeile“, die sich aufgrund der positiven Resonanz und Strahlkraft von der ursprünglichen „Designmeile Kantstraße“ zur „Designmeile Berlin“ weiterentwickelt hat. Dabei können Besucher an einem Wochenende im Herbst nicht nur die am Event teilnehmenden Geschäfte besuchen. Sie können auch beispielsweise die von der Firma „minimum einrichten“ jährlich organisierte Ausstellung im Stilwerk, Stadtführungen, Hotelbesichtigungen, Dinners oder einen von den so genannten „Erzählsalons“ besuchen. Die Themen hier drehen sich ebenfalls jeweils um Design, Architektur, Kunst und Kultur. Die im vergangenen Oktober veranstaltete Designmeile konnte sich über eine Förderung durch den Aktionsfonds City West freuen, der zur Unterstützung privaten Engagements im Fördergebiet Aktives Zentrum City West eingerichtet wurde. Dabei wurde mit einer Werbekampagne auf das geplante Aktionswochenende aufmerksam gemacht und während des Events Velo-Taxis für die Besucher der Designmeile bereitgestellt.
Mittlerweile hat sich das Umfeld der Kantstraße mehr und mehr zu einem überregional bekannten „Design-Viertel“ entwickelt, dessen Herz hier im Stilwerk Berlin schlägt. Die Designmeile ist ein gutes Beispiel, wie mit öffentlichen Mitteln privates Engagement befördert wird. Die Hoffnung besteht darin, dass dieses Format, das nunmehr im 5. Jahr ein kleines Jubiläum feiern darf, in die Verstetigung gebracht werden kann. Schließlich haben Private und deren zufriedene Kunden hier in der City West, wie auch die öffentliche Hand gleichermaßen einen Vorteil davon, wenn die Umsätze hier und nicht in anderen für ihr Designangebot bekannten Metropolen gemacht werden.

Vielen Dank, Herr Richter!

Nun überqueren wir die Kantstraße, bei der Hausnummer 149 ist der nächste Halt. Von hier aus hat man auch einen schönen Blick auf das Gebäude des Stilwerks.

Station 24: Kantstraße 149 / 148

Bildvergrößerung: Stolpersteine
Stolpersteine Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Hier vor dem Eingang der Kantstraße 149 sind fünf Stolpersteine verlegt.
Diese Stolpersteine wurden am 27.3.2015 verlegt.

HIER WOHNTE
ERNST
WRZESZINSKI
JG. 1880
„SCHUTZHAFT“ 1938
SACHSENHAUSEN
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 CHELMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

HIER WOHNTE
KÄTHE
WRZESZINSKI
GEB. LEWY
JG. 1894
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 CHELMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

HIER WOHNTE
ANNA MISCH
JG. 1878
DEPORTIERT 26.9.1942
ERMORDET IN
RAASIKU

HIER WOHNTE
FRANZISKA RITTER
GEB. BLANKENSTEIN
JG. 1864
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.12.1942

HIER WOHNTE
CHARLOTTE RITTER
JG. 1904
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
14.12.1942

HIER WOHNTE
MARGARETE
ROTHENBERG
GEB. EICHENBERG
JG. 1898
DEPORTIERT 29.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

HIER WOHNTE
RICHARD ERNST
ROTHENBERG
JG. 1891
„SCHUTZHAFT“ 1938
BUCHENWALD
DEPORTIERT 29.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Und ein Stück weiter vor dem Schwarzen Café befindet sich ein Stolperstein für Bertha Fiedler. Darauf steht:

HIER WOHNTE
BERTHA FIEDLER
GEB. BERNFELD
JG. 1867
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 17.8.1942

Der Stolperstein wurde am 3.4.2009 verlegt.
Bertha Fiedler wurde als Bertha Bernfeld am 23. Juni 1867 in Pressburg (Bratislava) geboren. Sie wohnte als Witwe mindestens seit 1922 in der Kantstraße 148 im Seitenflügel im 4. Stock. Ihr gestorbener Ehemann war möglicherweise Postangestellter, vielleicht hat sie auch selbst bei der Post gearbeitet. Jedenfalls bekam sie von der Reichsversicherung für Angestellte der Post monatlich 49,50 Reichsmark. Damit konnte sie gerade die Miete von 48 Mark bestreiten, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie Untermieter hatte. In der Vermögenserklärung waren keine angegeben, auch keine Vermögens- oder Sachwerte. Dennoch gab es eine Inventarschätzung, in der unter anderem zwei Betten und zwei Schränke aufgeführt sind: auch das spricht für Untervermietung. Bertha Fiedlers Habe wurde auf 175,00 Mark geschätzt und für 122,50 RM vom Einzelhändler Wilhelm Hahn aufgekauft. Die Vermögenserklärung unterschrieb Frau Fiedler am 22. Juli 1942, die Verfügung der Geheimen Staatspolizei über den „Einzug“ ihres Besitzes wurde ihr am 29. Juli im Sammellager Große Hamburger Straße 26 (ehemaliges Jüdisches Altersheim) zugestellt. Tags darauf, am 30. Juli 1942, wurde sie vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald zusammen mit 100 Schicksalsgefährten ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort ist sie wenige Tage später, am 17. August 1942, im Alter von 75 Jahren ermordet worden.

Nächster Halt ist der Savignyplatz, in der Grünanlage.

Station 25: Savignyplatz

Bildvergrößerung: Savignyplatz
Savignyplatz Bild: BA-CW, Beck und Köhler

Der Savignyplatz entstand nach dem Plan von James Hobrecht aus dem Jahr 1861 für die Stadterweiterung von Berlin. Im Jahr 1887 wurde er nach dem Juristen Friedrich Carl von Savigny benannt. Der S-Bahnhof Savignyplatz wurde 1896 eröffnet.
Erst im Jahr 1892 erhielt der Savignyplatz Grünanlagen nach Entwürfen des städtischen Garteninspektors Ludwig Neßler. Er ist ein Blockplatz mit sieben Straßeneinmündungen. Die Straßen durchkreuzen den Platz, wobei die Kantstraße als größte Straße zur Auflockerung den Platz teilt. Die weiteren über den Platz verlaufenden Straßen sind von Nordwest nach Nordost: Grolmanstraße, Knesebeckstraße und die Carmerstraße, die auf der Nordhälfte des Platzes bis zum Steinplatz verläuft.
In den Jahren 1926/1927 wurde der Savignyplatz durch den städtischen Gartenbaudirektor Erwin Barth und seinen Nachfolger mit Sitzlauben und Staudenrabatten umgestaltet. Nach vielen folgenden Veränderungen erhielt er anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums seine ursprüngliche Gestalt zurück, allerdings ohne den früheren Spielplatz. Seitdem ist er ein Gartendenkmal.
Auf der Nordhälfte wurden 1931 zwei gleiche Bronzeskulpturen Knabe mit Ziege von August Kraus (1928) aufgestellt. Als sie 1955 wieder aufgestellt wurden, war nur eine der beiden erhalten – die zweite ist ein Nachguss.
Auf der Südhälfte des Platzes befindet sich ein 1987 rekonstruierter Kiosk aus dem Jahr 1905 von Alfred Grenander. Er steht heute ebenfalls unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2007 wurde das Stromhäuschen durch den Berliner Architekten Christian Koch rekonstruiert. Der früher offene Durchgang des 1926 entworfenen Häuschens wurde mit einer zeitgenössischen Kunstinstallation aus hinterleuchtetem Glas versehen.

Wir gehen nun unter der Bahnbrücke hindurch in die Knesebeckstraße hinein auf den Spielplatz auf der linken Seite.

Station 26: Knesebeckstraße 78/79 / Spielplatz

Bildvergrößerung: Spielplatz Sherwood Forest, Ritterburg
Spielplatz Sherwood Forest, Ritterburg Bild: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Wir befinden uns nun auf dem Spielplatz in der Knesebeckstraße mit der großen Kletterburg „Robin Hood“. Dieser Spielplatz soll erneuert und barrierefrei ausgebaut werden. Das Vorhaben stellt uns Herr Richter vor.

Wir befinden uns hier in einem Teil von Charlottenburg, der sich durch einen erheblichen Mangel an Spiel- und Sportflächen auszeichnet. Für den vor uns liegenden Spielplatz bedeutet das, dass überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche aus der angrenzenden Nachbarschaft, aber auch von der angrenzenden Grundschule diesen Spielplatz nutzen. Gleichzeitig ist er auch einer der wenigen Anlauforte für die Tagesmütter der Umgebung. Der jetzt gerade noch ausreichende Zustand der Spielgeräte ist aufgrund der hohen Frequentierung schon in Kürze erneuerungsbedürftig. Barrierefreiheit ist nicht gegeben. Es ist aber Ziel des Bezirkes, öffentliche Spielflächen auch für seh- und gehbehinderte Kinder und Jugendliche nutzbar zu gestalten.
Im Zusammenhang mit der ebenfalls defizitären Situation der Pausenhöfe der gegenüberliegenden Joan-Miró-Grundschule, den wir gleich besuchen werden, ist deshalb das Erfordernis einer Neugestaltung entstanden. Deshalb haben sich der Baustadtrat und die Jugendstadträtin mit dem Schulleiter, Vertreterinnen des Kinder- und Jugendparlaments und dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen vor Ort getroffen und gemeinsam Eckpunkte für ein umfassendes Beteiligungsverfahren skizziert. In diesem Sinne befinden wir uns hier noch vor einem ergebnisoffenen Prozess, indem zwar klare Handlungserfordernisse sichtbar sind, aber die genaue Ausgestaltung über die zukünftige Realisierung noch offen ist. Eine vom Bezirksamt für diese Maßnahmen vorgegebene Bedingung ist, den Anforderungen in den Bereichen Barrierefreiheit und Gendergerechtigkeit zu genügen. Damit soll sichergestellt werden, den Bedürfnissen und Wünschen der Jungen und Mädchen unterschiedlicher Altersstufen, der Kinder- und Jugendlichen aus der Nachbarschaft und der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Geplant ist das Verfahren zwischen den Sommer- und Herbstferien, also dann wenn zu erwarten ist, dass Eltern, Schüler und Lehrer vor Ort sind und ihre Anliegen einbringen können.

Vielen Dank, Herr Richter!

Wir folgen nun Herrn Richter und begeben uns in die Pausenhöfe der Joan-Miró-Grundschule, wo wir etwas über die Umgestaltung der Schulhöfe erfahren werden.

Station 27: Joan-Miró-Grundschule

Namensgeber der Schule ist Joan Miró (1893-1983), ein bekannter katalanischer Maler und Bildhauer. Anfangs waren in dem Gebäudekomplex die 19. und die 20. Gemeindeschule beheimatet. Danach beherbergten die einzelnen Gebäude verschiedene Institutionen: z.B. ein Gymnasium mit Realschule (1903), im Ersten Weltkrieg ein Lazarett, die Schlüter-Oberschule für Jungen (1938), ein Krankenhaus für Kinderlähmungskranke (1939) sowie bis 1969 die Ostpreußen-Hauptschule genutzt.
Der Gebäudekomplex wurde ab 1888 von dem Architekten und Magistratsmitglied Paul Bratring (1840-1913) errichtet. Er wurde in den Formen des so genannten akademischen Historismus erbaut. Von der Knesebeckstraße kann man das viergeschossige Schulgebäude hinter einer versetzt vorgelagerten zweigeschossigen Turnhalle erkennen. Die Mauerwerksbauten wurden mit roten Ziegeln verblendet, die gliedernden Gebäudeteile heben sich mit schwarzen Glasurziegeln ab. In den Jahren 1964 bis 1968 wurden in Verbindung mit einer Modernisierung kleine Umbauarbeiten vorgenommen. Heute ist das Schulgebäude denkmalgeschützt.
Nun übergebe ich das Wort an Herrn Richter.

Das Schulgebäude der Joan- Miró-Grundschule beherbergt gleich zwei Schulen: Eine Halbtagsgrundschule mit offenem Ganztagsbetrieb und eine staatliche Europaschule. Insgesamt lernen hier knapp 800 Schüler, Tendenz steigend. Sie sehen hier einen dreigeteilten Schulhof, der prinzipiell schöne und interessant gestaltet ist, wie z.B. die schönen alten Bäume und die Kletterinstallation im mittleren Pausenhof. Diese ist übrigens auch unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern geplant und umgesetzt worden. Die Substanz der Pausenhöfe hat in den letzten Jahren jedoch stark gelitten. Den vielen hundert Schülerinnen und Schülern stehen im Moment nur sehr eingeschränkt Spiel- und Sportgeräte zur Verfügung. Mehrere Geräte mussten bereits abgebaut werden. Für Menschen mit Behinderung gibt es keine angemessenen Betätigungsmöglichkeiten, auch sind die Wege insbesondere des Abenteuerbereiches hin zur Knesebeckstraße für sie nicht nutzbar. Deshalb besteht auch hier Handlungsbedarf. In einigen Bereichen ist sicherlich schon mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine Verbesserung zu erzielen, in anderen Bereichen muss umfassender neugestaltet werden.
Aufgrund des bereits erwähnten Mangels an Spielflächen hier in der Umgebung hat sich die Schulleitung auch bereit erklärt, weitergehenderSchulhofbereiche für die Öffentlichkeit in der schulfreien und in der Ferienzeit zu öffnen. Erfahrungen hat die Schule bereits mit der Öffnung der Bolzplätze gemacht. Deshalb wird es auch eine Aufgabe während des Beteiligungsprozesses sein, die Übergänge zwischen den Pausenhöfen und dem Spielplatz zu untersuchen, mit Blick auf sichere Querungsmöglichkeiten nicht nur für Kinder, sondern insbesondere auch für Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung. Dies auch deshalb, da die Joan-Miró-Grundschule in den vergangenen Schuljahren einen Anstieg an Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarfen zu verzeichnen hat.
Eine weitere Besonderheit des Schulgeländes stellt die Nähe zur umgebenden Bebauung dar. Wie Sie sehen, grenzen die Balkons eines angrenzender Wohngebäude unmittelbar an den Schulhof. Wir freuen uns jedoch bereits heute auf ein sicherlich lehrreiches und spannendes Beteiligungs- und Planungsverfahren im Herbst. Die Neugestaltung selbst ist dann für die Jahre 2016 und 2017 angesetzt.

Vielen Dank, Herr Richter!

Nun folgen wir wieder Herrn Richter bis zur Bahnbrücke in der Bleibtreustraße.

Station 28: Lichtinstallation unter der Bahnbrücke Bleibtreustraße

Bildvergrößerung: Lichtinstallation Bahnbrücke Bleibtreustraße, Entwurf: Aletja GbR / Lumix building solutions GmbH
Lichtinstallation Bahnbrücke Bleibtreustraße, Entwurf: Aletja GbR / Lumix building solutions GmbH Bild: Thomas Krahl, Koordination Aktives Zentrum City West

Wir stehen nun an der Bahnbrücke in der Bleibtreustraße, die seit dem 27. September 2013 ebenfalls eine Lichtinstallation erhalten hat. Herr Richter berichtet uns nun:

Nun sind wir an der letzten Station, einer weiteren „Perle aus Licht“ angekommen. Diese Lichtinstallation ist die erste der bereits erwähnten geförderten Illuminationen an Bahnbrücken in der City West. Sie wurde 2013 in Betrieb genommen. So drückte beispielsweise der damalige Stadtentwicklungssenator und heutige Berliner Bürgermeister Michael Müller den Schalter zur Inbetriebnahme. Die Lichtkunst leuchtet heute Nachmittag leider nicht, weil sie sich bereits im Regelbetrieb befindet und sich erst zusammen mit der Straßenbeleuchtung automatisch anschaltet. Dafür haben wir ein großes Foto einer Nachtsituation mitgebracht, auf dem der Lichteffekt bei Dunkelheit gut zu erkennen ist.
Das Konzept für die Illumination stammt von den Unternehmen aletja plus GmbH und LumiX building solutions GmbH. Beim Deutschen Lichtdesign-Preis 2014 gewann die Lichtinstallation für die Bahnbrücke Bleibtreustraße in der Kategorie „Lichtkunst“. Zudem erfreut sich die Illumination weiterer Berühmtheit: Sie ist Szenerie in dem Musikvideo zum Lied „Wahre Liebe“ von Marius Müller Westernhagen. Wie die anderen beiden Brücken auch, wird das Projekt in Kooperation mit privaten Unternehmen und Anrainern finanziert.
Ich freue mich, dass sich Herr Schroeder, der zu diesem Team gehörte, spontan bereit erklärt hat, zu uns zu stoßen und uns nun berichten wird, was sich die Künstler dabei gedacht haben.

Wie Sie wohl bereits zu Beginn des Rundgangs erfahren haben, haben wir mit unserem Beleuchtungskonzept für die Bahnbrücke Bleibtreustraße einen Ideen- und Realisierungswettbewerb im Jahr 2011 gewonnen.
Brückenräume gelten normalerweise als unattraktiv, sind häufig bemalt und beklebt, jedenfalls meistens kein Ort, an dem man sich im Dunkeln gerne und lange aufhalten möchte. Die von uns konzipierte Beleuchtung in Kreisform schmiegt sich in die Brückenkonstruktion ein und wertet den Raum unter der Brücke optisch deutlich auf. Nun ist der vormals dunkle und schlecht einsehbare Angstraum besser einsehbar und ausgeleuchtet. Das besondere Merkmal dieser Lichtanlage ist aber die Interaktivität. Die Installation reagiert nämlich über Bewegungsmelder auf Bewegungen von Passanten und des Straßenverkehrs. Die Beleuchtung selbst besteht aus einem grünen und einem magentafarbenen (eine Art helles Purpur) pulsierenden Farbring, die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Wenn Sie die Illumination einmal beobachten, werden sie feststellen, dass Farbe und Intensität der Beleuchtung auf die vorbeifahrenden Autos und vorbeigehenden Passanten reagieren. Die Verkehre schieben gewissermaßen die beiden Farbringe an und bestimmen zusätzlich die Intensität der Helligkeit. So entsteht eine fast spielerische Interaktivität zwischen den Nutzern der Brücke und der Beleuchtung, die durch Farb- und Rhythmusänderung in beiden Richtungen erlebbar wird.
Wir sind sehr froh, dass die anspruchsvolle Anlage realisiert werden konnte und dass sie heute auch so funktioniert, wie wir sie ursprünglich entworfen haben. Das Wichtigste: Sicherheit und Attraktivität konnten deutlich verbessert werden. Schön ist in diesem Zusammenhang, dass bislang kein Vandalismus zu erkennen ist.

Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei Herrn Schroeder für diese interessanten Ausführungen. Das Musikvideo sollten wir uns in der Tat einmal ansehen. Herrn Richter danke ich ebenfalls ganz, ganz herzlich für seine zahlreichen Beiträge zu diesem Kiezspaziergang am Tag der Städtebauförderung und möchte mich nun von Ihnen allen verabschieden. Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht und wünsche Ihnen noch einen schönen Samstagnachmittag.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cemal_Kemal_Altun

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_August_von_Hardenberg

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Friedrich_Karl_vom_und_zum_Stein

http://de.wikipedia.org/wiki/Preußische_Reformen#Die_politischen_Konzepte_von_Stein_und_Hardenberg

http://de.wikipedia.org/wiki/Savignyplatz