145. Kiezspaziergang am 11.1.2014

Vom Bahnhof Heerstraße zum Georg Kolbe Museum

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Reinhard Naumann, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Treffpunkt: S-Bahnhof Heerstraße, Ausgang Boyenallee
ca. 2,6 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 145. Kiezspaziergang. Auch 2014, im dreizehnten Jahr unserer Kiezspaziergänge, heißt es wie gewohnt am zweiten Samstag des Monats, um 14 Uhr: Treffpunkt Kiezspaziergang!

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Kartenskizze Bild: Bezirksamt

Heute gehen wir zunächst durch die Siedlung Heerstraße zum Bonhoeffer-Haus, dann am Grunewald entlang zur Friedenskirche und zur neuen Rumänisch-Orthodoxen Kirche. Sascha Goretzko wird uns die Kirche zeigen, obwohl sie noch nicht fertig ist. Danach gehen wir durch den Georg-Kolbe-Hain zum Georg-Kolbe-Museum, wo uns die neue Direktorin, Julia Wallner, empfangen wird.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den nächsten Treffpunkt mitteilen, wie immer am zweiten Samstag, des Monats, also am 8. Februar, um 14.00 Uhr, dann wieder mit Jugendstadträtin Elfi Jantzen. Sie will mit Ihnen unter anderem durch die Goethestraße in Charlottenburg spazieren und dort unter anderem zwei Schulen besichtigen, die Eichendorff-Grundschule und die Friedensburg-Oberschule. Falls es im Februar kalt werden sollte, wird es also Gelegenheit zum Aufwärmen geben. Außerdem geht es zu der wenig bekannten Kirche der katholischen französischsprachigen Gemeinde in Berlin, St. Thomas von Aquin, in der Schillerstraße 101 und zu dem vor kurzem neu eröffneten Fünfsternehotel am Steinplatz. Der Treffpunkt ist am Samstag, dem 8. Februar, um 14.00 Uhr auf dem Shakespeareplatz gegenüber der Deutschen Oper Berlin am U-Bahnhof Deutsche Oper.

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Bahnhof Heerstraße, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

S-Bahnhof Heerstraße
Der Bahnhof Heerstraße gehört zur ehemaligen Vorortbahn nach Spandau. Diese gesamte Bahn steht einschließlich Brücken und Bahnhöfen unter Denkmalschutz. Von 1980 bis 1998 war der S-Bahn-Verkehr auf dieser Strecke eingestellt. Das Empfangsgebäude wurde von Ernst Schwartz entworfen. Es führt auf die Heerstraßenbrücke und hierher auf die Boyenallee und damit direkt in die Siedlung Heerstraße.
Eröffnet wurde der Bahnhof am 1. November 1909 zunächst für den dampfbetriebenen Vorortverkehr. Im August 1928 wurde er an das elektrisch betriebene S-Bahn-Netz angeschlossen. Das Bahnhofsgebäude und die Gleisanlagen wurden in den 1990er Jahren saniert. Im Januar 1998 konnte der Bahnhof wieder eröffnet werden.

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Boyenallee, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Boyenallee
Die Boyenallee wurde 1925 nach dem General und Politiker Leopold Hermann Gottlieb Ludwig von Boyen benannt. Er lebte von 1771 bis 1848 und war preußischer Kriegsminister. Im Sinne der Steinschen Reformen stellte er in Preußen die Weichen für eine Demokratisierung des Heeres.
Die ältesten Häuser in der heutigen Siedlung Heerstraße baute die “Königliche Preußische Eisenbahnverwaltung” schon 1909 in der Boyenallee 1a bis 4.

Siedlung Heerstraße
1914 wurde der Gutsbezirk Heerstraße aus einem Teil des Gutsbezirkes Grunewald-Forst gebildet. Er kam 1920 zu Groß-Berlin. Mit Beteiligung Charlottenburgs wurde die “Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Heerstraße” gegründet, um Wohnraum für städtische Beamte und Lehrer zu schaffen.
Ein neuer Bebauungsplan mit etwa 200 Siedlungshäusern vom Architekten Bruno Möhring wurde noch im gleichen Jahr 1920 vom Charlottenburger Tiefbauamt umgesetzt – mit Billigung durch den Wohnungsverband Berlin und den Preußischen Landwirtschaftsminister. Im Herbst desselben Jahres begann der Straßenbau, und bis 1926 wurden 252 Häuser, meist Doppelhaushälften errichtet.
Wie die Siedlungen Eichkamp und Ruhleben wurde auch die Siedlung Heerstraße mit ein- und zweigeschossigen Häusern nach Plänen von Max Taut und Frank Hoffmann bebaut. Die Gartenstadtsiedlung zwischen Heerstraße und Waldschulallee Alleen wird ihrer Straßennamen wegen auch “Ostpreußenviertel” genannt.
Auffällig sind die meist bunten Fensterrahmen und die Fensterläden an vielen Häusern. Die Siedlung erhält ihren Reiz durch ihren kleinstädtischen Charakter, der in auffälligem Kontrast zur Umgebung steht.
1921 wurde der “Siedlerverein Heerstraße” gegründet. Seit 1962 nennt er sich “Interessengemeinschaft Siedlung Berlin-Heerstraße e.V.”. Er ist einer der ältesten Siedlungsvereine Deutschlands. Seit 1995 steht die Siedlung als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.
Wir gehen jetzt durch die Boyenallee, Kurländer Allee, Soldauer Allee und Marienburger Allee zum Bonhoeffer-Haus am Willenberger Pfad mit der Adresse Marienburger Allee 43.
Die Straßen wurden 1925 benannt nach der lettischen Landschaft Kurland, nach der ostpreußischen Stadt Soldau, heute polnisch Dzialdowo und nach Marienburg, einst Sitz des Deutschen Ritterordens, heute polnisch Malbork. Der Willenberger Pfad wurde erst 1935 benannt nach dem ostpreußischen Willenberg, heute polnisch Wielbark.

Kurländer Allee
Soldauer Allee
Marienburger Allee

Link zu: Bonhoeffer-Haus, 11.1.2014, Foto: KHMM
Bonhoeffer-Haus, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Marienburger Allee 43: Bonhoeffer-Haus
Das Bonhoeffer-Haus ist seit 1987 eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte, die ehrenamtlich geleitet wird. Der Geschäftsführer, Pfarrer Burckhard Scheffler, ist heute als Gefängnisseelsorger gefragt. Deshalb kann er nicht hier sein. Aber sein Mitarbeiter im Haus, Knut Hämmerling, ist da. Und er wird uns gleich etwas über das Haus und die Aktivitäten der Erinnerungs- und Begegnungsstätte erzählen. Vielen Dank dafür.
Um das Haus zu besichtigen, sind wir leider zu viele, aber bei Interesse lassen sie sicherlich jederzeit Besuchstermine verabreden.
Das Haus steht nach telefonischer Rücksprache für Besuche und Klausurtagungen offen und bietet eine ständige Ausstellung über Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers, eine Präsenzbibliothek und eine Videothek an.
1988 wurde hier die Berliner Gedenktafel für die Brüder Klaus und Dietrich Bonhoeffer enthüllt. Der Text lautet:
BONHOEFFERHAUS
Elternhaus der Brüder Klaus und
Dietrich Bonhoeffer.
Mit ihnen starben im Widerstand gegen
den Nationalsozialismus
die Männer ihrer Schwestern
Rüdiger Schleicher und Hans von Dohnanyi
im April 1945”
In unserem Bezirk gibt es weitere Gedenktafeln, die an Dietrich Bonhoeffer und seine Familie erinnern. In der Kolonie Grunewald an dem Haus Wangenheimstraße 14, wo die Familie Bonhoeffer von 1916 bis 1935 lebte und am Walther-Rathenau-Gymnasium, dem ehemaligen Grunewaldgymnasium an der Herbertstraße 2-6, wo Dietrich Bonhoeffer die Schule besucht und sein Abitur gemacht hat.
Dieses Haus wurde 1935 von Jörg Schleicher für die Eltern Dietrich und Klaus Bonhoeffers als Alterssitz erbaut. Hier fanden konspirative Gespräche des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten unter maßgeblicher Beteiligung von Familienmitgliedern statt.

Link zu: Knut Hämmerling und Reinhard Naumann, 11.1.2014, Foto: KHMM
Knut Hämmerling und Reinhard Naumann, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 als Sohn des berühmten Psychologen und Nervenarztes Karl Bonhoeffer geboren. Er wurde ein bedeutender evangelischer Theologe und Leiter des Predigerseminars der Bekennenden Kirche.
Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus war er aktiv im Widerstand tätig. 1943 wurde er aus diesem Haus heraus von der Gestapo verhaftet und am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg erhängt.
Dichtrich Bonhoeffers älterer Bruder Klaus wurde am 5.1.1901 geboren. Als Jurist wurde er Syndikus der Lufthansa und war ebenfalls als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus aktiv.
Er war in die Attentatspläne der Verschwörer um General Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler eingeweiht. Im Oktober 1944 wurde er verhaftet und in der Nacht vom 23. zum 24.April 1945 auf einem Ruinengelände vor dem Gestapo-Gefängnis in Berlin-Tiergarten erschossen.
Wir gehen jetzt über den Willenberger Pfad zu einem zentralen Platz der Siedlung, der keinen Namen hat, von dort nach rechts wieder in die KurländerAllee und dann links in den Frauenburger Pfad. Er wurde erst 1970 benannt, und zwar nach der ehemals preußischen Stadt Frauenburg, heute polnisch Frombork. Wir überqueren die Löetzener Allee und gehen durch ein kleines Waldstück zur Teufelsseestraße, über die wir dann die Friedenskirche erreichen.

Willenberger Pfad
Kurländer Allee
Frauenburger Pfad
Waldweg
Teufelsseestraße

Link zu: Friedenskirche, 11.1.2014, Foto: KHMM
Friedenskirche, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Friedenskirche (Tannenbergallee 6)
In gewisser Weise führt uns die Friedenskirche bereits zum Georg-Kolbe-Museum, denn 1916 baute Georg Schmidt hier ein Bildhaueratelier, das seit 1926 von der evangelischen Gemeinde Heerstraße als Notkirche genutzt wurde. Die Gemeinde ließ das Gebäude dann in den Jahren 1928 bis 1932 von Emil Fangmeyer erweitern und umbauen, so dass eine kleine Kirche entstand, die an ein Landhaus erinnert und zur Siedlungsumgebung passt. Entstanden ist ein kleiner kreuzförmiger Kirchenraum mit Nebenräumen unter einem hohem Satteldach. Ein einfacher Turm trägt die Glocken. 2004 wurde durch die Architekten Lehrecke und Lehrecke ein Erweiterungsbau angefügt.
Ich freue mich, dass die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Frau Pumpe, extra gekommen ist, um uns die Kirche zu öffnen und Ihre Fragen zu beantworten.

Tannenbergallee
Die Straße wurde 1915 nach der ostpreußischen Stadt Tannenberg benannt, heute polnisch Stebarg.
Im August 1914 schlug die deutsche Armee unter Hindenburg und Ludendorff in der Schlacht bei Tannenberg die russische Armee. Sie wurde absichtlich “Schlacht bei Tannenberg” genannt, denn 1410 war hier das Heer des Deutschen Ritterordens durch eine Übermacht von Polen, Litauern und Tataren vernichtend geschlagen worden. Der Mythos Hindenburgs beruhte nicht zuletzt auf dieser Schlacht, mit der die Geschichte korrigiert werden sollte.

Link zu: Grünanlage, 11.1.2014, Foto: KHMM
Grünanlage, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Grünanlage
Diese langgestreckte Grünverbindung zwischen den Bahnanlagen im Norden und dem Grunewaldforst im Süden wurde 1915/16 bei der Bebauung ausgespart.
1921 wurde das Gelände erstmals von Richard Köhler als öffentliche Anlage gestaltet, 1929 durch Gartendirektor Felix Buch zum Heidepark umgestaltet. Die Grünfläche trug die nicht amtliche Bezeichnung Ortelsburgpark. Seit 1957 entstand in dem Teil nördlich der Heerstraße der Georg-Kolbe-Hain mit Plastiken von Georg Kolbe.

Link zu: Rumänisch-Orthodoxe Kirche, 11.1.2014, Foto: KHMM
Rumänisch-Orthodoxe Kirche, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Heerstr. 63: Rumänisch-Orthodoxe Kirche
Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde “Die Heiligen Erzengel Mihail und Gavriil Berlin e.V.” erwarb das Grundstück an der Heerstraße 63 Ecke Ortelsburger Allee 1 im Januar 2006. Der Grundstein für den Kirchenbau wurde am 13.5.2006 gelegt. Teile des alten Hauses werden dafür abgerissen. Der Kirchenneubau des rumänischen Architekten Gheorghe Bratiloveanu orientiert sich an der mittelalterlichen Kirchenarchitektur Moldawiens. Das Kirchenschiff mit einer Länge von 23 m und einer Breite von 15 m bietet 200 Personen Platz. Der Kirchturm ist 27 m hoch.
Während des Zweiten Weltkrieges hatte die rumänisch-orthodoxe Kirche in Berlin-Mitte die Jerusalemkirche an der Jerusalemer Straße Ecke Lindenstraße erworben. Diese wurde durch einen Bombentreffer im Februar 1945 stark zerstört und 1961 abgerissen.
Danach hatte die Gemeinde als Untermieterin der griechisch-orthodoxen Gemeinde eine Kapelle in Kreuzberg genutzt.
Bei einem Dacheinsturz am 4.8.2009 wurden der 49jährige Pfarrer Constantin Mihoc und ein 36jähriger Mann aus Rumänien unter den Trümmern begraben.
Ich freue mich sehr, dass Sascha Goretzko von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde uns die Kirche geöffnet hat, obwohl sie noch im Bau ist, und dass er uns einiges zum Gotteshaus und zur Gemeinde erzählen kann.
Der Priester, Vater Clement Lodroman, hat in der Kapelle neben eine Taufe und kann uns deshalb leider nicht begrüßen.

Link zu: Georg-Kolbe-Hain, 11.1.2014, Foto: KHMM
Georg-Kolbe-Hain, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Georg-Kolbe-Hain
Wir befinden uns jetzt in dem bereits erwähnten Georg-Kolbe-Hain. Er wurde 1957 unter diesem Namen angelegt und ist ein Gartendenkmal. Zwischen 1959 und 1964 wurden hier fünf überlebensgroße Bronzeskulpturen von Georg Kolbe aufgestellt, dessen Atelier und Wohnhaus sich in der Sensburger Allee 25 befand, wo heute das Georg-Kolbe-Museum untergebracht ist: Hier stehen wir vor der Skulptur “Großer Stürzender” von 1939/43.
Die nächsten Skulpturen, denen wir begegnen werden, heißen “Mars und Venus” von 1940, “Ruhende” von 1939/41, “Dionysos” von 1932 und “Große Kniende” von 1942/43.

Pillkaller Allee 1 Malteser Krankenhaus
Das Malteser Krankenhaus liegt an der Pillkaller Allee 1. Die Pillkaller Allee wurde 1925 nach der ostpreußischen Stadt Pillkallen benannt, heute russisch Dobrowolsk im Gebiet Kaliningrad.
1966 wurde das Malteser-Krankhaus als geriatrisches Fachkrankenhaus für chronisch und langfristig Kranke eingeweiht. Es wurde für den Caritasverband und den Verein Schlesischer Malteserritter nach den Plänen von Hans Bertram Lewicki in Stahlbetonskelettbauweise mit einem 5geschossigen Bettenhaus gebaut, das von 2geschossigen Vorbauten für Wirtschafts- und Verwaltungsräume umgeben wird. Zur 40-Jahr-Feier 2006 wurde auch die Fertigstellung des dem Krankenhaus angeschlossenen neuen Seniorenheims Malta gefeiert. Gemeinsamer Träger von Krankenhaus und Seniorenheim ist das Malteser-Werk Berlin e.V., eine Einrichtung des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V..
Der Gründungsgedanke war, ältere Patienten zu versorgen, deren spezielle Alterserkrankungen die Zusammenarbeit vieler Berufsgruppen und langwierige Behandlungsverfahren erfordern.
Das Malteser-Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus. Mit Unterstützung des Pflegepersonals sollen die Bewohnerinnen und Bewohner am sozialen Leben teilnehmen und damit ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen. Zu diesen Aktivitäten gehören zum Beispiel Ausflüge, Spaziergänge und Marktbummel, jahreszeitliche und religiöse Feiern, Konzerte und Singkreis, Theater und Kabarett sowie Kinovorführungen.
Wir gehen jetzt weiter durch den Georg-Kolbe-Hain, vorbei an den Skulpturen “Mars und Venus” von 1940, “Ruhende” von 1939/41, “Dionysos” von 1932 und “Große Kniende” von 1942/43 und dann durch die Sensburger Allee zum Georg-Kolbe-Museum.

Sensburger Allee
Die Sensburger Allee wurde 1925 nach der ostpreußischen Stadt Sensburg in den Masuren benannt, heute Mragowo in Polen.

Link zu: Georg-Kolbe-Museum, 11.1.2014, Foto: KHMM
Georg-Kolbe-Museum, 11.1.2014, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Sensburger Allee 25 Georg-Kolbe-Museum
Ich freue mich, dass die neue Direktorin des Georg-Kolbe-Museums, Frau Julia Wallner, uns ihr Museum und die derzeitige Ausstellung über die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis persönlich vorstellt.
Es handelt sich um das ehemalige Atelier und Wohnhaus des Bildhauers Georg Kolbe, der 1877 in Waldheim in Sachsen geboren wurde und 1947 in Berlin starb. Das Haus wurde 1928/29 von Ernst Rentsch inmitten eines alten Kiefernbestandes als strenger kubischer Backsteinbau errichtet. 1932 wurde es durch Paul Lindner um ein Glas- und Tonatelier sowie einen ummauerten Skulpturenhof erweitert.
Das Ateliergebäude ist seit 1950 ein Museum in der Trägerschaft der “Georg-Kolbe-Stiftung”. Ursprünglich war es auf den Nachlass Kolbes und Werke einiger befreundeter Künstler beschränkt – neben Skulpturen, Zeichnungen und Graphiken auch Arbeitswerkzeuge, Möbel und weitere persönliche Gegenstände. Seit 1970 wurde es erweitert um weitere Beispiele für die figürliche Bildhauerei des 20. Jahrhunderts.
1998 wurde das von Kolbes Tochter genutzte Wohnhaus samt Maleratelier in den ursprünglichen Zustand versetzt und für das Publikum geöffnet. Im ehemaligen Maleratelier befindet sich heute das Café. In dem mit Skulpturen Kolbes geschmückten Garten ist seit 1979 der Tänzerinnenbrunnen aufgestellt, der sich ursprünglich im Garten des Bankiers Heinrich Stahl in Dahlem befand.

Renée Sintenis war eine der bedeutendsten Bildhauerinnnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre bekannteste Skulptur ist der Berlinale Bär, der alljährlich auf den Internationalen Filmfestspielen verliehen wird. Anlässlich ihres 125. Geburtstages widmet das Georg Kolbe Museum der Berliner Künstlerin eine umfassende Retrospektive mit mehr als 100 Plastiken, darunter in Bronze und Silber gegossene Tierfiguren, eindrucksvolle Darstellungen von Sportlern und expressive Portraits. Eine Vielzahl von historischen Fotos vermittelt ein lebendiges Bild der emanzipierten Protagonistin der Berliner Kunstszene der Vorkriegszeit.