Kiezspaziergang am 10.3.2007

Vom UCW zum Nikolsburger Platz

Link zu: Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und die Frauenbeauftragte Christine Rabe (mit Mikrofon) mit Unternehmerinnen vor dem UCW, Foto: KHMM
Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und die Frauenbeauftragte Christine Rabe (mit Mikrofon) mit Unternehmerinnen vor dem UCW, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen

Treffpunkt vor dem UCW, U-Bhf Blissestraße

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlich willkommen zu unserem 63. Kiezspaziergang. Der März ist bei uns traditionell geprägt vom Internationalen Tag der Frau, der vorgestern am 8. März weltweit begangen wurde. Wir haben an diesem Tag im Rathaus Charlottenburg den Charlottenburg-Wilmersdorfer Frauenfrühling eröffnet und erstmals die Preise zum Wettbewerb “Frau in Verantwortung” verliehen. Die Preisträgerinnen sind die Bauhaus-Abteilungsleiterin Tülin Hüner und die Buchhändlerin und Vorsitzende der IG Reichsstraße, Ursula Kiesling. Im Anschluss an die Preisverleihung gab es eine Diskussionsveranstaltung über Migrantinnen und Führungspositionen und danach ein interkulturelles Fest.
Zu unserem bezirklichen Frauenfrühling gehört auch dieser Kiezspaziergang, den wir vor allem den Frauen widmen wollen. Vom Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf werden wir gleich nebenan das Goethe-Gymnasium besuchen, das als Victoria-Luise-Lyceum, also als Mädchengymnasium gegründet wurde und heute von einer Frau geleitet wird. Anschließend geht es zur Schwedischen Kirche der Victoria-Gemeinde, die von der schwedischen Königin gegründet wurde.
Zum Abschluss werden wir den Nikolsburger Platz mit der Cecilien-Grundschule erreichen, die nach der Kronprinzessin Cecilie benannt ist. Sie war von 1905 bis 1918 die letzte Kronprinzessin der Deutschen Kaiserreichs und lebte auf Schloss Cecilienhof in Potsdam. Da sie sich sehr für die Bildung der Frauen einsetzte, sind viele Schulen nach ihr benannt.

Wie gewohnt zu Beginn will ich Ihnen unseren nächsten Treffpunkt mitteilen. Am Sonnabend, dem 14. April, treffen wir uns um 14.00 Uhr am S-Bahnhof Grunewald. Von dort aus wollen wir die Siedlung Eichkamp und die gerade neu benannte Julius-Hirsch-Sportanlage Kühler Weg besichtigen.

Wie Sie wissen gibt es seit Januar dieses Jahres auch das Kiezmenü, und zwar immer am letzten Mittwoch eines Monats um 18.00 Uhr. Im Februar hat mich Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte im Restaurant Lavandevil vertreten, und wie ich gehört habe, waren auch diesmal wieder alle 30 Gäste begeistert. Die Bewertung des Restaurants durch die Teilnehmer können Sie auf unserer Website im Internet nachlesen. Der nächste Termin am 28. März in den Tiroler Bauernstuben ist leider schon ausgebucht, aber für das Kiezmenü am 25. April in Habels Guter Stube in der Ahrweiler Straße 29 am Rüdesheimer Platz können Sie sich ab Montag, dem 2. April in der Pressestelle anmelden, Telefon 9029-12514. Es gibt Spargelsalat mit Crevetten als Vorspeise, Spanferkelrücken mit Frühlingsgemüse und Schupfnudeln als Hauptgang und hausgemachtes Erdbeerparfait mit frischem Rhabarberkompott als Dessert, und das ganze für 12.- Euro.
Beim letzten Mal war die Liste am ersten Anmeldetag nach zwei Stunden voll, aber da zunächst immer diejenigen berücksichtigt werden, die bisher noch nicht an einem Kiezmenü teilgenommen haben, müssten im Laufe der Zeit alle eine Chance bekommen.

Bevor nun unsere Frauenbeauftragte Christine Rabe und Unternehmerinnen aus dem UCW ihr Zentrum selbst vorstellen, möchte ich Ihnen die Geschichte dieses Platzes und dieses Gebäudes erzählen. Wir befinden uns ja hier am Rande des früheren Dorfes Wilmersdorf. Das Zentrum des Ortes, die Dorfstraße, befand sich in der heutigen Wilhelmsaue. Die ersten Bauernhäuser wurden entlang der Wilhelmsaue gebaut. Als das Dorf sich dann im 18. und 19. Jahrhundert ausdehnte, entstand hier zwischen Berliner Straße und Gasteiner Straße eine zweite Reihe von Bauernhäusern.

Brandenburgische Straße
Die Brandenburgische Straße erhielt ihren Namen 1888. Davor hieß sie seit etwa 1850 “Charlottenburger Weg”. Der frühere Name war “Priesterweg”. Der Wilmersdorfer Pfarrer versorgte die Pfarrei des Dörfchens Lietzow, dort, wo sich heute das Rathaus Charlottenburg befindet, mit und benutzte als Verbindungsstrecke den “Priesterweg”.

Sigmaringer Straße
Die Sigmaringer Straße erhielt ihren Namen 1888. Davor hieß sie “Die kurze Trift”.

Gasteiner Straße
Die Gasteiner Straße hieß bis 1888 Kirchhofstraße, dann wurde sie nach dem österreichischen Kurort Bad Gastein benannt. Alte Wilmersdorfer nennen den Spielplatz, der heute Habermannplatz heißt, “Knochenpark”. Hier, an der damaligen Kirchhofstraße befand sich der Friedhof des Dorfes.

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Habermannplatz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Habermannplatz
Die Gedenktafel für Ernst Habermann wurde 1963 enthüllt, und der Platz entsprechend benannt. Leider wurde die Tafel wieder einmal verschmiert.

Gedenktafel
Ernst Habermann

  • 8.6.1866 6.6.1958
    Oberbürgermeister von Deutsch-Wilmersdorf
    von 1909 – 1920
    Gegenüber stand damals das Rathaus

Habermann war seit 1897 Amts- und Gemeindevorsteher in Wilmersdorf, wurde nach der Verleihung der Stadtrechte am 1.7.1907 zum ersten Bürgermeister gewählt. Vom 5.10. 1909 bis zur Eingemeindung Wilmersdorfs nach Berlin 1920 war er erster und einziger Oberbürgermeister der Stadt Wilmersdorf. Der Titel war ihm von Kaiser Wilhelm II verliehen worden.
Unter seiner Verantwortung entwickelte sich das Dorf zur Großstadt, wurde ein großer Teil der kommunalen Einrichtungen geschaffen. Die meisten Wilmersdorfer Schulen beispielsweise stammen aus der Zeit zwischen 1895 und 1915.

Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek

Die Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek ist die Wilmersdorfer Mittelpunktbibliothek der Stadtbibliothek Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Bibliothek wurde 1893 in der Mehlitzstr. 2 gegründet, dieses Gebäude stammt von 1955. 1961 wurde es für die Einrichtung der Jugendbibliothek aufgestockt. 1997 wurde die Bibliothek nach Dietrich Bonhoeffer benannt.

Link zu: Vor dem UCW, Foto: KHMM
Vor dem UCW, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

UCW
Wir stehen vor dem Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf, abgekürzt UCW. Ursprünglich stand an dieser Stelle das dörfliche Armenhaus, 1894 wurde hier das Rathaus Wilmersdorf gebaut; gleichzeitig mit dem Rathaus wurde auch eine Feuerwache an der Ecke gebaut, die dann 15 Jahre später durch die Feuerwache nebenan in der Gasteiner Straße ersetzt wurde.
Das alte Rathaus Wilmersdorf war nicht viel größer als das Rathaus Schmargendorf. Es wurde bereits um 1900 für das schnell wachsende Wilmersdorf zu klein. Wilmersdorf bekam 1906 Stadtrechte und hatte damals bereits 75.000 Einwohner, vier Jahre später 1910 schon mehr als 100.000.

Ein neues, großes Rathaus sollte am nördlichen Fehrbelliner Platz, südlich des Preußenparks gebaut werden, dort wo sich heute der Parkplatz, Taxihalteplatz, Park-Café und Biergarten befinden. Der Erste Weltkrieg machte aber den Plänen ein Ende, und das Wilmersdorfer Rathaus hier an der Sigmaringer Straße 1 behielt seine Funktion auch nach der Bildung Groß-Berlins 1920. Hier war der Sitz des Bürgermeisters. Aber das Haus war natürlich viel zu klein. Deshalb wurde das Joachimsthalsche Gymnasium in der Kaiserallee, der heutigen Bundesallee, als zusätzliches “Stadthaus” genutzt. Im Zweiten Weltkrieg, 1944 wurde das alte Rathaus fast vollständig zerstört. Die übrig gebliebenen Akten wurden in das benachbarte Goethe-Gymnasium geschafft, die Ruine später abgerissen.
Das Verwaltungsgebäude für das Gesundheitsamt wurde 1955 zusammen mit der Bibliothek gebaut. Nach der Bezirksfusion von Charlottenburg und Wilmersdorf 2001 wurden die beiden Gesundheitsämter zusammengelegt und schließlich im Verwaltungsgebäude am Hohenzollerndamm 177 neben dem Rathaus Wilmersdorf untergebracht, so dass dieses Haus frei wurde.
Und nun endlich konnten wir eine alte Idee verwirklichen, die Idee nämlich, ein Unternehmerinnennetzwerk zu gründen, in dem die Mieterinnen die Möglichkeit haben, durch gemeinsame Nutzung von Serviceangeboten Synergieeffekte zu erzielen, Aufträge firmenübergreifend anzunehmen, gemeinsam Marketingstrategien zu entwickeln und sich gegenseitig zu ergänzen. Am 15. Juli 2005 übernahm die Gesellschaft für Stadtentwicklung GSE das Haus , und am 1. August 2005 wurde das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf UCW. eröffnet. Das Gebäude besteht aus 5 Etagen mit hellen Räumen, Anschlussmöglichkeiten für EDV und ISDN und teilweise Wasseranschlüsse. Das Haus ist behindertengerecht eingerichtet und verfügt in einem ruhigen Innenhof über Pkw-Stellplätze. Die Startmiete beträgt 6 EUR/m² brutto warm.
Anfang 2006 wurde in der 4. und 5. Etage das Atelierhaus Sigmaringer 1 mit 23. Künstlerinnen und Künstlern eröffnet.
Und jetzt haben die Unternehmerinnen und Künstlerinnen das Wort.

Gasteiner Str. 19: Feuerwache
Diese Feuerwache wurde 1909 von Philipp Nitze gebaut. Bereits 1874 war in Wilmersdorf eine Pflichtfeuerwehr eingerichtet worden, 1890 umgewandelt in eine Freiwillige Feuerwehr. 1906 wurde dann eine Berufswehr geschaffen, die 1909 in dieses Gebäude einziehen konnte. In den 90er Jahren wurde ein Neubau in der Barstraße geplant aber nie realisiert, so dass dies nach wie vor die Hauptfeuerwache in Wilmersdorf ist.

Link zu: Goethe-Gymnasium, Foto: KHMM
Goethe-Gymnasium, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Goethe-Gymnasium
Das Goethe-Gymnasium wurde 1903/04 von Otto Herrnring als Mädchengymnasium erbaut. Es erhielt den Namen Viktoria-Luise-Lyzeum. Viktoria Luise wurde am13. September 1892 als einzige Tochter Kaiser Wilhelms II und Kaiserin Auguste Viktorias in Potsdam geboren. Den Namen Viktoria erhielt sie nach ihrer Großmutter, der Kaiserin Victoria. Diese schrieb sich übrigens mit c, im Gegensatz zu Viktoria Luise, deren Namen man allerdings auch häufig fälschlicherweise mit c geschrieben findet. Den Namen Luise erhielt sie nach der preußischen Königin Luise.
Bereits im Jahr ihrer Einschulung, 1899 wurde übrigens in Schöneberg der Viktoria-Luise-Platz nach ihr benannt. Wenig später 1904 also dann das Viktoria-Luise-Lyceum.
Sie heiratete 1913 den Herzog Ernst August von Braunschweig und starb 1980 in Hannover. Ihre Tochter Friederike wurde Königin von Griechenland.
Das Viktoria-Luise-Lyzeum wurde reich geschmückt. An der Fassade herrscht romanischer und orientalischer Zierrat vor. An der städtebaulich besonders auffälligen Ecke zur Uhlandstraße schließt sich ein niedrigeres ehemaliges Lehrerinnenseminar an. Die ursprüngliche Ausschmückung des Inneren ist weitgehend erhalten.
In dem Verwaltungsbericht der Großstadt Wilmersdorf von 1913 heißt es über den kommunalpolitischen Schwerpunkt Bildung:
“Für die ebenso rasche wie günstige Entwicklung Wilmersdorfs war nicht zuletzt die seit Mitte der 90er Jahre von ihm verfolgte Schulpolitik von erheblicher Bedeutung. Hierbei aber ging die Gemeindeverwaltung von der durch die Tatsachen später als richtig erwiesenen Ansicht aus, daß nach dem an sich keineswegs begüterten Wilmersdorf steuerkräftige Elemente nur dann in größerer Zahl zuziehen würden, wenn in ihm auch den Bedürfnissen eines solchen Zuzugs nach möglichst günstiger Gelegenheit zu Erziehung und Unterricht der Jugend gebührend Rechnung getragen sei.”
Um die steuerkräftigen Elemente also ging es, und um diese anzulocken, wurde vor allem in Bildungseinrichtungen investiert.
Viele unserer heutigen Schulgebäude stammen aus der Zeit um 1900, und dieses Gymnasium ist eines der besonders aufwändig gebauten.
Vom 13. April 1917 bis Ostern 1918 besuchte Marlene Dietrich die Schule. Mit 16 verließ sie die Schule ohne Abitur und begann in Weimar eine Ausbildung zur Konzertgeigerin.

Link zu: Im Schulhof, Foto: KHMM
Im Schulhof, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Ich freue mich sehr, dass die Schulleiterin, Frau Rupprecht, uns ihre Schule selbst vorstellt, und nach Viktoria Luise und Marlene Dietrich ist sie für uns nun die dritte Frau, die diese Schule repräsentiert. Wie kommt es, dass sie den männlichen Namen Goethe erhalten hat, und was ist das Besondere am Goethe-Gymnasium?

Am 10. Mai 1954 wurde das Goethe-Gymnasium als ein grundständig-altsprachliches Gymnasium gegründet, das heißt es beginnt mit der Klasse 5 und bietet ab Klasse 5 Latein als erste Fremdsprache an. Als zweite Fremdsprache wird Englisch angeboten, Griechisch ab der 8. Klasse als dritte Fremdsprache. Die Schülerinnen und Schüler können hier das Latinum und das Graecum erwerben. Die Kurse der Oberstufe unternehmen Studienfahrten ins klassische Griechenland oder nach Rom. Das Goethe-Gymnasium setzt damit an diesem Ort nicht die Tradition des Viktoria-Luise-Lyceums fort, sondern ganz bewusst die Tradition des Wilmersdorfer Bismarckgymnasiums, das von 1898 bis 1945 in der Pfalzburger Straße 30 residierte. Dort hat übrigens Richard von Weizsäcker Abitur gemacht, auf den das Goethe-Gymnasium sich auch stolz beruft.

Gasteiner Str. 9-10
Das Mietshaus an der Gasteiner Straße 9-10 Ecke Fechnerstraße 11 wurde 1903-04 von Wilhelm Bielicke gebaut. Es steht unter Denkmalschutz.

Uhlandstraße
Die Uhlandstraße verläuft über fast 3 Kilometer vom Steinplatz bis zur Mecklenburgischen Straße. Sie wurde 1893 benannt nach dem Dichter Ludwig Uhland. Sie ist als Einkaufsstraße eines der Wilmersdorfer Zentren. In ganz Wilmersdorf gibt es kein einziges Kaufhaus mehr, dafür aber eine Reihe kleinerer Einkaufszentren und Einkaufsstraßen wie die Uhlandstraße. In den 20er und 30er Jahren war die Uhlandstraße die Wilmersdorfer Amüsiermeile mit vielen Kinos, Restaurants und Cafés. In den letzten Jahren war sie einer der Tiefbau-Schwerpunkte unseres Bezirkes. Zwischen Hohenzollerndamm und Berliner Straße wurde sie komplett erneuert und in Abstimmung mit den Geschäftsleuten und Anwohnern umgebaut. Der frühere Mittelstreifen wurde entfernt, Parkplätze senkrecht zur Fahrbahn angelegt und Fahrradstreifen auf beiden Seiten eingerichtet.

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In der Gasteiner Straße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Fechnerstraße
Diese Straße war ursprünglich ein Weg mit der Bezeichnung “An der Trift”. 1890 wurde sie dann die Lauenburger Straße, 1937 die Walter-Fischer-Straße, und 1947 wurde sie benannt nach dem Maler und Schriftsteller Hanns Fechner, der von 1860 bis 1931 lebte, und zwar die meiste Zeit in Wilmersdorf. Er hat das Dorf am Ende des 19. Jahrhunderts sehr lebendig beschrieben:
“Wilmersdorf hatte es meinen Eltern vor allem angetan, und hier siedelten sie sich kurz entschlossen an, um während der Sommermonate das einfache und gemütliche Leben im Freien auf eigener Scholle führen zu können. Wir waren also jetzt glückliche Landbesitzer. Unser zukünftiges Königreich lag an der Grunewaldseite der wundervollen, mit mächtigen, hohen alten Pappeln bestandenen Landstraße, die die Verbindung zwischen Wilmersdorf und Charlottenburg herstellte und heute Brandenburgische Straße heißt. Das große Stück märkischen Sandbodens war mit einer hübschen Anzahl von Sauerkirschenbäumen bestanden, die im ersten Jahre unseres Besitzes einen ganz riesigen Ertrag dieser vorzüglichen Einmachfrüchte lieferten. Körbeweise wurden die dankbaren Früchte in die Stadt geschleppt (mit der “Stadt” ist hier natürlich Berlin gemeint!), welche Arbeit uns allerdings nicht immer besonders beglückte, da die Entfernung bis zur nächsten gangbaren städtischen Straße etwa dreiviertel Stunden betrug und man meist bis dahin durch knöcheltiefen Sand waten oder über Feld- und Wiesenwege wandern musste.”
Soweit Hanns Fechner, und soweit die Beschreibung dieser Gegend um 1870. Das Gebiet ist auf den Karten aus dieser Zeit als “Hopfenbruch” eingetragen. Es war eine Mischung aus Feld- und Weideland. Bis nach Berlin bekannt war damals die Wilmersdorfer Schafsmilch, die man hier bekommen konnte.

Gasteiner Straße

Nassauische Straße
Die Nassauische Straße wurde 1886 nach dem ehemaligen Herzogtum Nassau im heutigen Bundesland Hessen benannt. Davor hieß sie Wilmersdorfer Straße und bis 1870 Buschweg.

Nassausische Straße 37: Ehemaliges Flöz
Da wo sich jetzt der Stage-Club Berlin befindet, gab es von 1976 bis 2004 das Flöz. Es war Jazzkeller, Kneipe und Programmlokal in einem, gegründet von dem 1950 in Bottrop geborenen Musiker Franz de Byl. Aus seiner Heimat war ihm der Begriff Flöz aus dem Bergbau vertraut, und wer sich hier ein Jazzkonzert anhören wollte, der musste über eine enge Treppe in den Keller hinunter steigen. Man fühlte sich dann schon ein wenig wie im Bergwerksstollen.
Franz de Byl musste vor zwei Jahren Konkurs anmelden. Er hat jetzt eine private kleine Musikschule in der Goethestraße 16a in Charlottenburg gegründet.

Berliner Straße
Die Berliner Straße wurde 1888 benannt, und zwar, weil sie aus Wilmersdorf nach Berlin führte. Weil in Berlin und Umgebung die Straßen oft nach der Richtung benannt wurden, gibt es so viele Berliner Straßen in Berlin. Denn sie führten von den ehemals selbständigen Gemeinden nach Berlin. Auch die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg erhielt ihren Namen, weil sie nach Wilmersdorf führte.

Hier befand sich in der dörflichen Zeit das Wilmersdorfer “Scheunenviertel”. Die Bauern hatten ihre Scheunen hinter ihren Bauernhäusern gebaut, die entlang der heutigen Wilhelmsaue standen.
1987 baute die Berliner Sparkasse und Landesbausparkasse hier zwischen Berliner Straße und Badenscher Straße ihr Technisches Zentrum.

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Kopfspaziergang, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Im Durchgang zur Badenschen Straße befindet sich die Skulptur “Kopfspaziergang”. Das aus sechs ausgeschnittenen Steinscheiben gebildete Werk wurde von Volker Dierkes geschaffen und 1989 vor der Landesbausparkasse neben ihrem Verwaltungsgebäude aufgestellt. Die senkrecht aufgebauten Scheiben zeigen Umrisse verschieden großer und unterschiedlich geformter Gesichter.

Landhausstraße
Bis 1890 hieß diese Straße Hopfenbruchstraße, danach Hessische Straße und 1901 wurde sie nach einem Landhaus mit Restaurant hier an der Ecke Berliner Straße in Landhausstraße umbenannt.

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Schwedische Kirche, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Landhausstraße 26: Schwedische Kirche der Victoriagemeinde
Ich freue mich sehr, dass die Gemeindesekretärin Kersti Mellberg uns ihre Kirche vorstellen wird. Der Pfarrer hat ihr die Aufgabe übertragen, weil sie besser Deutsch kann. Vielen Dank Frau Mellberg, dass Sie uns auf ihr Grundstück gelassen haben und uns etwas über Ihre Kirche und über die heutige Victoriagemeinde erzählen werden.

Die Victoriagemeinde wurde 1903 in Berlin gegründet und nach der schwedischen Königin Victoria benannt, die 1911 in Stockholm ein Hauptkomitee für den Bau einer schwedischen Kirche in Berlin bildete. 1920 konnte dieses Grundstück zwischen Landhausstraße und Kaiserallee, der heutigen Bundesallee gekauft werden, und bis 1922 baute der schwedische Architekt Alfred Grenander die Kirche, die am 18.6.1922 eingeweiht wurde.
Dazu gehörten eine Schule, ein Schwesternheim, eine Pfarrwohnung und ein Glockenturm. Vom ursprünglichen Bau ist allerdings nur noch der Turm erhalten. Hier predigte von 1929 bis 1942 Birger Forell. Am Eingang der Kirche erinnert eine Gedenktafel an ihn:

Birger Forell
1929-42 Schwedischer Pfarrer in Berlin.
Schützer und Retter vieler Verfolgter 1933-45
Helfer und Freund der deutschen Kriegsgefangenen in England
Er schuf die Deutsch-Schwedische Flüchtlingshilfe,
um vertriebenen Bauern neue Heimat zu geben
Seiner Entschlossenheit ist die Gründung
der Flüchtlingsstadt Espelkamp zu verdanken.

Am 22. November 1943 wurde die Kirche durch Bomben schwer beschädigt. Bei den Kämpfen um Berlin am 1. Mai 1945 brannte sie völlig aus.
Der Neubau wurde 1952-55 von Peter Celsing erstellt und am 25. September 1955 eingeweiht. Am 13.12.1998 wurde ein neues Gemeindehaus mit Schule und Kindergarten, Küche, Café, Sauna, Gästezimmer und großem Gemeindesaal eingeweiht.
2003 enthüllte die Gemeinde eine Gedenktafel zu Ehren der Polizisten Mattick und Hoffmann, die während der NS-Zeit Wachtmeister auf dem nahe gelegenen Polizeirevier 155 waren und der Victoriagemeinde halfen, einige Hundert Menschen vor der Deportation zu retten.
Auch die bekannte Tierärztin Maria Gräfin von Maltzan versteckte in ihrer Wohnung zwischen 1942 und1945 verfolgte Jüdinnen und Juden und ermöglichte ihnen in Zusammenarbeit mit der schwedischen Kirche und Widerstandsgruppen die Flucht aus Deutschland.
Neben der schwedischen Königin soll auch Zarah Leander hier schon zu Besuch gewesen sein.

Landhausstraße
In der Landhausstraße wurden sehr viele Häuser im Zweiten Weltkrieg zerstört und wenige Bauten aus der Zeit vor 1945 sind hier stehen geblieben.

Landhausstr. 13
Unter Denkmalschutz steht das Mietshaus an der Landhausstraße 13, das 1910-11 von Felix Bergmann gebaut wurde. Es wurde gerade eingerüstet.

Landhausstr.10: Hotel Kaiserswerther Verband
Hier hat 1975 der Kaiserswerther Verband, eine Organisation der Diakonie, für den Verein Deutsche Diakonissen-Mutterhäuser e.V. ein Haus gebaut. Es bietet Einzimmerwohnungen für Diakonieschwestern im Ruhestand und ein Hotel. Vor einigen Jahren wurde das Haus um eine Etage aufgestockt. Heute werden die Einzimmerwohnungen frei vermietet, und das Dreisternehotel ist für alle offen.

Landhausstr. 33-35: Neubau eines psychiatrischen Krankenhauses
Direkt gegenüber dem Hotel entsteht der Neubau einer modernen Krankenhauseinrichtung mit 100 Betten und 20 Tagesklinikplätzen für psychisch Kranke. Das Haus wird Teil der stationären Pflichtversorgung psychisch kranker Menschen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Wir sind froh, dass das Prinzip der regionalen Versorgung dieser Personen trotz der Schließung der Einrichtung Eibenhof in Grunewald aufrechterhalten werden kann. Am 21. September 2006 wurde Richtfest gefeiert. Noch in diesem Monat soll der Krankenhausneubau an den Betreiber Gemeindepsychiatrischer Verbund und Altenhilfe gGmbH übergeben werden.

Güntzelstraße
Die Güntzelstraße wurde 1893 nach dem Wilmersdorfer Kommunalpolitiker Bernhard Güntzel benannt. Er lebte von 1833 bis 1892 und war von 1887 bis zu seinem Tod 1892 Wilmersdorfer Amts- und Gemeindevorsteher.
Hier in der Güntzelstraße ändert sich das Bild gegenüber der Landhausstraße. Hier ist es noch von der ursprüngliche Bebauung aus der Zeit um 1900 geprägt. Eine Ausnahme bildet das kurze Stück bis zur Bundesallee.

Güntzelstr. 14: ADAC
Das siebenstöckige Haus für den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club-Berlin e.V. und für das Queens Hotel wurde 1960/61 von Willy Kreuer gebaut. Es steht unter Denkmalschutz und ist der zentrale Sitz des Berliner ADAC.

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Stolpersteine, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Güntzelstraße 49: 8 Stolpersteine

Für acht der über 7.000 aus Wilmersdorf deportierten und ermordeten Juden wurden hier am 26.9.2006 Stolpersteine verlegt. Mit den Stolpersteinen werden ihre Namen dem Vergessen entrissen, mit den Daten auf den Steinen wird ihr Schicksal den heute Lebenden verdeutlicht. Unausgesprochen steht für jeden Stolperstein das „Nie wieder!“.
Der 1947 in Berlin geborene Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat 1996 in Köln die ersten Stolpersteine verlegt, 10 × 10 cm große aus Beton gegossene Steine mit eingelassener Messingtafel, in die der Künstler mit Hammer und Schlagbuchstaben “Hier wohnte”, Namen, Jahrgang und Stichworte zum weiteren Schicksal eines einzelnen Menschen einstanzt.
Die im Gehweg vor dem früheren Wohnort eingelassenen Stolpersteine sollen an die Opfer von Holocaust und Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Entscheidend ist dabei die persönliche Erinnerung an die Namen der Opfer.

Als erste wurde Gertrud Kalischer geb. Schacker,geboren am 05.07.1870 in Breslau, am 25. Januar 1942 vom Bahnhof Berlin-Grunewald mit dem 10. Osttransport, der aus 1.044 Personen bestand, in gedeckten Güterwagen, die keinen Schutz gegen die damals herrschende Kältewelle boten, nach Riga deportiert. Bei der Ankunft des Zuges in Riga waren bereits viele erfroren, andere durch die Kälte verwirrt – sie wurden beim Ausladen sofort erschossen. Im Transport waren 103 Menschen zwischen 71 und 80 Jahren, zu ihnen gehörte Gertrud Kalischer. Nur 13 Menschen aus diesem Transport überlebten – Gertrud Kalischer war nicht darunter.
Am 28. März 1942, ihrem 53. Geburtstag, gehörte die Lehrerin Hildegard Blum mit ihrer Schwester Erika Blum, geboren am 13.12.1891, die mit ihrer Mutter im III. Stock des rechten Seitenflügels wohnten, sowie der am 13.6.1880 geborene Emil Efim Siedner, Untermieter von Louis Casper, zu den 985 Menschen, die mit dem 11. Osttransport in das Ghetto von Piaski, einem kleinen Ort in der Nähe von Lublin, deportiert wurden. Piaski war ein Transit-Ghetto auf dem Weg in die Vernichtungslager von Belzec und Sobibor. Wo und wann die Schwestern Blum und Emil Siedner ermordet wurden, ist nicht bekannt, dass sie ermordet wurden, ist sicher.

Am 9. September 1942 wurde Louis Casper, geboren am 12.11.1867, der seit 1913 im Haus gewohnt hatte, aus dem Sammellager Große Hamburger Str. 26 mit 99 anderen Menschen nach Theresienstadt deportiert. Als Beruf hatte Louis Casper in der für die Finanzbehörden bestimmten Vermögenserklärung früherer Drogeriebesitzer und als letzte Beschäftigung Kleinrentner angegeben. Am 25. September 1942 ist Louis Casper, 74-jährig, in Theresienstadt umgekommen. Seine 2-Zimmer-Wohnung in der I. Etage des linken Seitenflügels wurde am 14.12.1942 geräumt, das Mobiliar war für 319,20 Mark an einen Händler in Oranienburg verkauft worden, als neuer Mieter zog der Oberfeldwebel Bruno Machowiak ein.
Am 14. September 1942, also 6 Monate nach ihren Töchtern, wurde die Witwe Betty Blum geb. Sandmann, geb. am 16.12.1863, aus dem Sammellager Große Hamburger Str. 26 vom Güterbahnhof Moabit mit einem Transport, der 1000 Personen umfasste, nach Theresienstadt deportiert, dort ist sie am 14. November 1942, knapp 79-jährig, umgekommen. Ihre 2-Zimmerwohnung, die sie seit 1933 bewohnt hatte, wurde durch den Generalbauinspektor der Reichshauptstadt , das war eine Behörde von Albert Speer, an den EK I-Träger, Feldwebel Theo Ballmann und Frau Elisabeth vermittelt. Die Eheleute Ballmann übernahmen auch die komplette Einrichtung für 753,— RM.
Am 26.Oktober 1942 sollten Siegfried Zehden, geb. 29.9.1883 und Lucie Zehden geb. Sarner, geb. 22.6.1889, die erst nach 1939 geheiratet hatten, zusammen „evakuiert“ werden – aber nur Lucie Zehden, die als Sekretärin bei der Jüdischen Gemeinde in der Oranienburger Straße tätig war, wurde an diesem Tag mit über 200 anderen Angestellten der Jüdischen Gemeinde nach Riga deportiert.
Alle 788 Personen des Transports, darunter 55 Kinder, wurden sofort nach ihrer Ankunft in den Wäldern bei Riga ermordet. Auf der Vermögenserklärung von Lucie findet sich eine Bleistiftnotiz: Ehemann ist wegen Arbeitseinsatz hier geblieben.
Siegfried Zehden war Zwangsarbeiter bei der Firma Warnecke & Böhm AG, Fabriken von Lacken und Farben, Abteilung Greifswalder Straße. Die Firma gibt es noch heute, sie hat jetzt ihren Sitz in Schliersee in Bayern und liefert unter anderem an die Firma Krauss-Maffay, die Panzer produziert.
Siegfried Zehden musste nach der Deportation seiner Frau die gemeinsame Wohnung in der Güntzelstr. 49 räumen. Lucie hatte hier seit April 1935 gewohnt. Er zog als Untermieter zu Hans und Doris Breslauer in die Wohnung der im Juni 1942 deportierten Frau Erna Hirsch in der Güntzelstr. 53. Ende Februar 1943 lief die sogenannte Fabrikaktion an, in der die bis dahin in kriegswichtigen Betrieben beschäftigten Juden nun auch zur Deportation bestimmt waren. Siegfried Zehden wurde am 2. März 1943 vom Sammellager Levetzowstr. 8 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Hans Breslauer und seine Frau sind am 4. März 1943 nach Auschwitz gebracht worden.
Alle diese Informationen hat Wolfgang Knoll recherchiert, der in unserem Bezirk das Projekt Stolpersteine betreut. Derzeit arbeitet er an einem Charlottenburger Gedenkbuch und an einer Aktualisierung des Wilmersdorfer Gedenkbuchs. Bei den Recherchen ist er auf weitere 12 Namen von jüdischen Menschen gestoßen, die 1939 hier im Haus Nr. 49 gewohnt haben.
Zwei haben kurz vor der Deportation nach Riga den Freitod gewählt, 10 haben ihre Wohnungen verlassen müssen und sind aus anderen Häusern deportiert worden. Auch für sie sollen hier in der Güntzelstraße 49 Stolpersteine gelegt werden. Sie werden finanziert aus einem Fond, der anlässlich des Todes von Frau Dr. Ulrike Bussemer-Stöppler begründet wurde. Frau Dr. Bussemer-Stöppler hat in der Evangelischen Auen-Kirchengemeinde das Stolpersteinprojekt begründet, vorangetrieben und die Biographien der 36 Menschen erarbeitet, für die in der Wilhelmsaue nun Stolpersteine liegen.

Nassauische Str. 17-19: Kirche zum Heiligen Kreuz
Die evangelisch-lutherische Kirche zum Heiligen Kreuz wurde 1907-08 von Heinrich Straumer gebaut. Es ist eine symmetrische Vierflügelanlage in geschlossener Bebauung mit einschiffiger Langhauskirche und querrechteckigem Turmaufbau mit ursprünglich zwei Spitzhelmen. Sie wurde am 11.10.1908 eingeweiht. Nach starken Kriegsschäden wurde sie vereinfacht wiederaufgebaut. Die evangelisch-lutherischen Gemeinden werden auch “Alt-Lutheraner” genannt.

Link zu: Trautenaustraße, Foto: KHMM
Trautenaustraße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Trautenaustraße
Die Trautenaustraße wurde 1908 benannt nach der ostböhmischen Stadt im heutigen Tschechien. Heute heißt sie Trutnov.

Trautenaustr. 12: Gedenktafel für George Grosz
Am 1.7.1988 wurde hier eine Gedenktafel für George Grosz enthüllt. Für die umfangreiche Restaurierung des Hauses musste sie vor einigen Jahren abgenommen werden, wurde aber trotz Beschädigungen wieder angebracht:

Hier lebte von 1928 bis 1933
GEORGE GROSZ
26.7.1893 – 6.7.1959
Maler und Graphiker. Bedeutender Satiriker, kämpfte gegen
Militarismus, Obrigkeitsstaat und Untertanenmentalität. Seine
Bilder wurden von den Nationalsozialisten als “entartete Kunst” verboten.
Emigration 1933, seit 1938 amerikanischer Staatsbürger.

Trautenaustr. 9: Marina Zwetajewa
Hier wurde auf Initiative der Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses am 6.11.1996 eine einfache Messingtafel angebracht zur Erinnerung an die russische Dichterin Marina Zwetajewa, die hier 1922 zweieinhalb Monate lang in einer Pension lebte. Nach einer Renovierung der Fassade im letzten Jahr ist die Tafel zunächst nicht wieder angebracht worden. Derzeit wird eine dauerhafte Gedenktafel für Marina Zwetajewa vorbereitet.
Die 1892 in Moskau geborene Schriftstellerin ist eine der bedeutendsten Lyrikerinnen Russlands im 20. Jahrhundert.
Sie war befreundet mit Rainer Maria Rilke und Boris Pasternak. Sie emigrierte 1922 aus Russland und zog am 15. Mai zunächst nach Berlin, hierher in die Trautenaustraße. Hier veröffentlichte sie die Gedichtsammlungen Trennung, Gedichte an Blok und Das Mädchen des Zaren.
Am 31. Juli 1922 zog sie weiter nach Prag, 1925 dann nach Paris, wo sie bis 1939 lebte, bevor sie nach Moskau zurückkehrte. Als sich die deutschen Truppen Moskau näherten, wurde ihr Mann Efron wegen angeblicher Spionage in einem Moskauer Gefängnis liquidiert. Ihre Tochter Ariadna wurde verhaftet. Sie selbst wurde evakuiert und wählte am 31.8.1941 in Jelabuga in der Tatarischen Autonomen Republik den Freitod.

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Gänselieselbrunnen, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Nikolsburger Platz
Der Platz wurde 1888 nach der mährischen Stadt Nikolsburg benannt, heute Mikulov in Tschechien. Das gesamte Straßennetz wurde 1870 von Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde geplant. Der Nikolsburger Platz war einer von vier Plätzen, die mit der damaligen Kaiserallee als Spiegelachse eine regelmäßige städtebauliche Figur bilden, die Carstenn-Figur. Spiegelbildlich zum Nikolsburger Platz liegt auf der anderen Seite der Bundesallee der Prager Platz. Entsprechend verhält es sich im Norden mit Fasanenplatz und Nürnberger Platz.
In den 60er Jahren war der Nikolsburger Platz nach dem damaligen Zeitgeschmack mit Hochbeeten gestaltet worden, die seine ursprünglich romantisch-märchenhafte Erscheinung verdrängten.
1988 wurde der im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Gänselieselbrunnen von 1910 von Harald Haacke nachgestaltet und dem Bezirk von einer Bank geschenkt. 2001 wurden dann die Hochbeete beseitigt und der Platz wieder entsprechend dem historischen Vorbild angelegt.

Nikolsburger Pl.6: NEUhland
Der freie Träger “Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche e.V.” betreibt seit 1984 in Wilmersdorf eine Beratungsstelle für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche mit einer angeschlossenen Krisenunterkunft. Der Name NEUhland leitet sich von der früheren Adresse in der Uhlandstraße her.

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Cecilien-Grundschule, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Cecilien-Grundschule
An der westlichen Platzseite befindet sich der dominierende Neorenaissancebau der Cecilien-Grundschule. Sie wurde 1909/10 von Otto Herrnring im Stil der beginnenden Moderne mit Elementen der deutschen Renaissance gebaut. Ein verputzter Mauerwerkbau wird aufgelockert durch gliedernde und schmückende Teile in rotem Sandstein. Die Fassade ist nahezu symmetrisch. An der nördlichen Außenwand befindet sich der Fischotterbrunnen von Albert Wille um 1910. Die Schule wurde 2003 mit der Hanns-Fechner-Grundschule zu einer Ganztagsschule zusammengelegt. Seit der Zusammenlegung beschäftigte sich die Schule mit ihrem Namen, und am Ende des letzten Jahres hat sie sich nun umbenannt von Cäcilienschule in Cecilienschule, also aus dem ä ein e gemacht, und diese Umbenennung war genau genommen eine Rückbenennung.
Ursprünglich hatte die Kronprinzessin Cecilie die Schule eingeweiht, die auch nach ihr benannt worden war. Später wurde die Schule dann umbenannt nach der katholischen Schutzheiligen der mittelalterlichen Kirchenmusik, Cäcilie. Grund war damals die besondere Anbindung an die Kirche, die damit verbundene Pflege der kirchlichen Chormusik und die Anschaffung einer großen Orgel in der Aula. All dies existiert nicht mehr, und deshalb lag es nahe, sich wieder auf die ursprüngliche Namensgeberin zu besinnen.
Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg-Schwerin wurde am 20. September 1886 im Schweriner Schloss geboren. Sie war die Tochter von Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin und von Großfürstin Anastasia Michailowna aus Russland. Am 6. Juni 1905 wurde sie mit dem deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst von Preußen in Berlin verheiratet und wurde damit bis 1918 die letzte Kronprinzessin des deutschen Kaiserreichs. Gemeinsam bewohnten sie das Kronprinzenpalais Unter den Linden.
In zeitgenössischen Quellen betonte man vor allem ihre natürliche Schönheit und ihr modisches, elegantes Auftreten. Tatsächlich war sie sehr modebewusst, hatte eine Schwäche für Hüte und wurde schon sehr bald zum Vorbild für tausende Frauen und Mädchen in Deutschland. Die intelligente Thronfolgerin beschränkte ihre Machtstellung jedoch nicht auf gutes Aussehen, sondern war auch sozial sehr engagiert und setzte sich besonders für die Frauenbildung ein, weshalb sehr viele Schulen und Straßen nach ihr benannt sind.
Das Schloss Cecilienhof in Potsdam, wo sie zeitweise lebte, ist nach ihr benannt. Sie starb am 6. Mai 1954 in Bad Kissingen.
Die Schulkonferenz hat sich ausführlich mit der Geschichte der Schule und der Person der Kronprinzessin Cecilie auseinandergesetzt und schließlich im Mai 2005 beschlossen, dass die Schule wieder nach ihr benannt werden sollte.

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Volkshochschule, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Trautenaustr. 5 Paul-Löbe-Haus der Volkshochschule
Dieses Haus wurde 1998 von der Volkshochschule Wilmersdorf übernommen. Zuvor hatte hier das Jugendhilfswerk Ausbildungsstätten für behinderte Kinder und Jugendliche betrieben. Auch die Volkshochschule City West des fusionierten Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf hat dieses Haus als zweiten Stützpunkt neben dem Charlottenburger Haus in der Pestlozzistraße 40 behalten. Hier gibt es viele Werkstätten: Holz Keramik, ein Fotolabor, Schneideraum, Lehrküche, mehrere Ateliers und vieles mehr. Jetzt am Wochenende finden hier Fotokurse, ein Mal- und Zeichenworkshop und viele Sprachkurse statt, unter anderem arabisch, japanisch und persisch. Wer also etwas lernen will, ist hier auf jeden Fall richtig.

Ecke Bundesallee Jean-Monnet-Haus
Das Haus wurde 1988 nach dem großen Förderer der Europäischen Einigung benannt und als Seminar- und Tagungszentrum eingerichtet, getragen von der Deutschen Gesellschaft, ein Verein zur Förderung politischer, sozialer und kultureller Beziehungen in Europa.
Ziel ist die Förderung der persönlichen Begegnung und des Kennenlernens der Menschen in Deutschland und Europa, Förderung des Verständnisses regionaler, nationaler und internationaler Probleme, Abbau von Vorurteilen.
Hierzu dienen Foren, Gesprächskreise, Seminare, Studienreisen. Durchführung von ca. 200 Veranstaltungen jährlich.

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Gedenktafel für James Simon, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bundesallee 23: Gedenktafel für James Simon
Am 22. Mai 2006 wurde hier die Berliner Gedenktafel für James Simon enthüllt. Sie wurde gestiftet vom Verband der Berliner Stadtführer. Derzeit wird gerade ein Bürgerbegehren gegen das James-Simon-Haus initiiert, das als Neubau auf der Museumsinsel entstehen und an den größten Berliner Mäzen erinnern soll. Der Text auf der Tafel lautet:

Hier lebte von 1927 bis 1932
der Berliner Kaufmann
Mäzen und Förderer sozialer Einrichtungen
James Simon
17.9.1851 – 23.5.1932
Er schenkte den Berliner Museen
seine Kunstsammlungen
darunter die aus einem Grabungsfund in Ägypten
stammende Büste der “Nofretete”

Und mit Nofretete sind wir nun am Ende unseres diesjährigen Frauen-Kiezspazierganges angekommen.