Kiezspaziergang am 11.1.2003

auf den Spuren von Kästners Emil vom Bahnhof Zoo zum Prager Platz

mit Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen
Treffpunkt vor dem Bahnhof Zoo auf dem Hardenbergplatz an der Hardenbergstraße

Link zu: Auf dem Breitscheidplatz, 11.1.2003, Foto: KHMM
Auf dem Breitscheidplatz, 11.1.2003, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zu unserem heutigen Kiezspaziergang auf den Spuren von Erich Kästners Emil vom Bahnhof Zoo zum Prager Platz.

Wie immer zuerst der Hinweis auf den nächsten Termin: Im Februar wollen wir die Charlottenburger Altstadt besichtigen. Treffpunkt ist wie immer am zweiten Samstag im Monat, dann also am 8. Februar, um 14.00 Uhr, vor dem Rathaus Charlottenburg an der Otto-Suhr-Allee 100, U-Bhf. Richard-Wagner-Platz. Wir werden dem Charlottenburger Altstadtpfad folgen bis zum Schloss Charlottenburg.

Heute haben wir uns wieder ein Weg vorgenommen, der Charlottenburg und Wilmersdorf verbindet und deshalb besonders gut zu unserem neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf passt. Wir sind hier mitten in der City-West und doch ganz am östlichen Rand Charlottenburgs. Der Zoologische Garten gehört zum Bezirk Mitte (früher Tiergarten), aber die Randbebauung samt Hardenbergplatz und Bahnhof Zoo gehören zu Charlottenburg-Wilmersdorf.

Es hat sich ergeben, dass wir heute auf den Spuren von Kästners Emil spazieren gehen werden, und ich will Ihnen das kurz erläutern:

1927 kam Erich Kästner nach Berlin, und das war für ihn die Erfüllung seiner Träume. Der junge Autor hatte seit 1919 in Leipzig neben seinem Studium mit einer journalistischen Karriere angefangen. Nach einem Besuch in Berlin am Neujahrstag 1927 schrieb er seiner Mutter:

Es gruselte mich fast, wieder nach Leipzig zu müssen. Aber was will man machen ? – Nun, es wird schon mal klappen mit Berlin. Jedenfalls der einzige Boden in Deutschland, wo was los ist! Paar Tage da drüben machen einen herrlich mobil. Noch im gleichen Jahr gelang ihm der ersehnte Sprung nach Berlin. Er mietete ein Zimmer in der Prager Straße 17, am Prager Platz, wo er bis 1931 lebte.

1928 hatte er mit dem Kinderroman “Emil und die Detektive” seinen ersten großen Erfolg. In einem kleinen Vorwort schreibt er, dass er eigentlich einen Südseeroman schreiben wollte, aber der Oberkellner Nietenführ aus seinem Stammlokal habe ihm klar gemacht, dass man nur über Dinge schreiben kann, die man kennt, und deshalb habe er sich einfach in seiner Umgebung umgesehen.

Kästner stellte in seinem Emil als einer der ersten Kinderbuchautoren die Großstadt positiv dar. Er zeigt die Stadt der vielen Möglichkeiten, die Großstadtkinder mit ihrem Sprachwitz und schnellen Verstand, ihrer ruppigen Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Emil, der Junge vom Land, der seine Oma in Berlin besuchen will, wurde unterwegs im Zugabteil bestohlen. Er weiß, dass es nur der Herr mit dem steifen Hut gewesen sein kann, der in seinem Abteil war, während er schlief. Deshalb kann er nicht wie vorgesehen bis zum Bahnhof Friedrichstraße fahren, wo seine Oma am Blumenkiosk wartet, sondern er steigt am Bahnhof Zoo aus, um den Dieb zu verfolgen.

“Der Dieb ging langsam über die Straße, sah noch einmal rückwärts und spazierte ziemlich beruhigt weiter. Dann kam eine Straßenbahn, mit der Nummer 177, von links angefahren und hielt. Der Mann überlegte einen Augenblick, stieg auf den Vorderwagn und setzte sich an einen Fensterplatz.

Emil packte wieder seinen Koffer an, lief geduckt an der Tür vorbei, die Halle entlang, fand eine andere Tür, rannte auf die Straße und erreichte, von hinten her, den Anhängerwagen gerade, als die Bahn losfuhr. Er warf den Koffer hinauf, kletterte nach, schob ihn in eine Ecke, stellte sich davor und atmete auf. So, das war überstanden!”

Wir wollen Emil jetzt zunächst verlassen, denn er fährt mit der Straßenbahn direkt nach Süden durch die Joachimstaler Straße zur damaligen Kaiserallee, der heutigen Bundesallee, während wir einen kleinen Umweg über den Breitscheidplatz machen wollen. Zuvor noch ein paar Bemerkungen zum Bahnhof Zoo.

Bahnhof Zoologischer Garten

Der Bahnhof wurde 1878-82 von Ernst Dircksen gebaut und zunächst für den Stadtbahnverkehr, ab 1884 auch für den Fernverkehr geöffnet. Kurz danach wurde der Ausbau des Kurfürstendammes beendet, und schnell wurde der Bahnhof Zoo zu einer Art Hauptbahnhof für die neue City im Berliner Westen.

1934-41 wurde der Bahnhof durch Fritz Hane völlig neu gestaltet. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden 1954-57 die Fernbahnhalle und die niedrigere S-Bahn-Halle verglast und ein terrassenförmiger Restaurantvorbau errichtet. 1985-89 erfolgte eine aufwändige Restaurierung. Während der Teilung der Stadt war Bahnhof Zoo in der Zuständigkeit der Deutschen Reichsbahn lange Zeit der einzige Fernbahnhof und damit wiederum der eigentlich Hauptbahnhof West-Berlins.

Bahnhof Zoo wurde durch das Buch von Christiane F., das später verfilmt wurde, auch zum Synonym für die Schattenseiten der Großstadt, für die Drogen- und Obdachlosenszene, aber auch durch das Musical “Linie 1” des Grips-Theaters zum Symbol für die Sehnsüchte vieler Jugendlicher nach den Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten der Großstadt.

1994 fusionierten die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG, die 1995 den Servicebetriebs neu ordnete und damit auch den Bahnhof Zoo im Inneren völlig umgestaltete. Gegen den Widerstand von Künstlern und Intellektuellen aus dem Ost- und Westteil der Stadt wurde dabei auch die legendäre Heinrich-Heine-Buchhandlung geschlossen.

Nach wie vor ist dies der bedeutendste Bahnhof in der westlichen City; hier treffen Fern-, S- und U-Bahn zusammen. Hier verkehren täglich durchschnittlich je 400 an- und abfahrende Züge, 600 S-Bahnen und 120.000 Reisende, in Spitzenzeiten 180.000. Allerdings wird die Bedeutung dieses Bahnhofs wohl geringer werden, wenn der neue Hauptbahnhof Lehrter Bahnhof im Jahr 2006 seinen Betrieb in vollem Umfang aufnehmen wird. Deshalb ist ungewiss, ob die großen Umbaupläne der Bahn realisiert werden.

Hardenbergplatz

1887 Benannt wie die Hardenbergstraße nach dem preußischen Staatskanzler Karl August, Freiherr, Graf, Fürst von Hardenberg (1750-1822)

Der Platz wurde zur 750-Jahr-Feier Berlins1987 umgestaltet und mit sogenannten Torhäuschen bebaut, in denen ein BVG-Schalter und Verkaufsstellen untergebracht sind. Für eine geplante Tiefgarage hat sich kein Finanzier gefunden, die vom Senat 1999 im Planwerk Innenstadt vorgesehene Neugestaltung mit pavillonartigen Baukörpern ist noch nicht in eine konkrete Planungsphase getreten.

Zoofenster

Das sogenannte Zoofenster gegenüber dem Bahnhof ist seit 7 Jahren eine Baulücke und sorgt dafür, dass Berlin-Besucher nicht gerade den besten Eindruck von der Stadt bekommen, wenn sie hier aussteigen. Vor mehr als zehn Jahren wurde hier gegen die Auffassung des Bezirks ein Hochhausbau durch den Getränkekonzern Brau und Brunnen geplant, ursprünglich nach Plänen des britischen Architekten Richard Rogers, abgelöst von einem Entwurf des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler. 1995 wurden die alten Gebäude abgerissen, mit Ausnahme des damaligen Teppich-Kibek-Hauses, wegen dessen Beschädigung es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kam. Der erste Spatenstich folgte 1999, im Sommer 2001 Verkauf an die Kölner Unternehmensgruppe Dr. Ebertz & Partner; vorgesehen war die Nutzung als Luxus-Hotel durch den Hilton-Konzern, im Juli 2002 sprang die Hilton-Gruppe als Betreiber ab, und die Suche nach einem neuem Betreiber begann. Wie Sie sehen, sehen Sie nach wie vor nichts. Der Bezirk ist für die Probleme nicht verantwortlich, denn das Projekt wurde ihm entzogen.

City Light House

Ganz anders dahinter, an der Ecke Kantstraße und Joachimstaler Straße. Dort entsteht in gemeinsamer Planung mit dem Bezirksamt das City Light House, ein Büro- und Geschäftshaus von Oliver Collignon und Florian Fischötter mit verglaster Fassade. Der Gründerzeit-Altbau mit dem legendären Sportgeschäft “Ski-Hütte” wurde ab Januar 2002 abgerissen, Ende letzten Jahres war Grundsteinlegung, Ende dieses Jahres soll das Haus fertiggestellt sein.

Hutmacher Haus / DOB-Hochaus

Das Hochhaus gegenüber dem Bahnhofsgebäude auf der anderen Seite des Hardenbergplatzes entstand 1955-57 nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger mit Büro- und Ausstellungsflächen für die Damenoberbekleidungsindustrie (DOB). Das Haus ist Teil des sogenannten Zentrums am Zoo oder Zoobogens, der den Zoologischen Garten als südliche Randbebauung abschließt. Dazu gehören der Zoo-Palast das Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche und ein Parkhaus mit der “Blauen Kugel”, in der die Talkshow von Sabine Christiansen stattfindet.

Hardenbergstraße

Nr. 29a Zoo-Palast

In den 20er Jahren befand sich hier der Ufa-Palast-am Zoo, untergebracht in einem großen Gebäudekomplex, der im Anschluss an die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ebenfalls im romanischen Stil gebaut worden war. In dem großen Komplex befanden sich Ausstellungshallen, Geschäfte, Tanzlokale und vieles mehr. Er wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.

Anstelle des früheren Ufa-Palastes wurde 1956-57 der Zoo-Palast als Teil des Zentrums am Zoo durch die Architekten Paul Schwebes, Hans Schoszberger und Gerhard Fritzsche als Uraufführungskino mit über 1200 Plätzen für die Berliner Filmfestspiele erbaut. In dem kubischen Bau über einem trapezförmigen Grundriss mit lichtgelber Keramikplattenverkleidung befinden sich zwei versetzt übereinander angeordnete Kinosäle. Das kleine Kino “Atelier am Zoo” hat 550 Plätze. 1994 wurde das Kino durch die amerikanische Betreiberfirma UCI Kinowelt übernommen, renoviert und umgestaltet. Das 50er-Jahre-Flair ging damit verloren, es wurden neun Kinosäle geschaffen, im größten Saal gibt es vor der Vorstellung eine musikalisch untermalte Lasershow. Nach dem Bau großer Multiplexe am Potsdamer Platz und in allen Bezirken wurden einige Kinos in der City-West geschlossen, Marmorhaus, Gloria-Palast, Filmbühne-Wien, Astor, und auch der Zoo-Palast hat viel von seiner Attraktivität eingebüßt, seit die Filmfestspiele an den Potsdamer Platz verlegt wurden.

Budapester Straße

Die Budapester Straße war bis 1925 Teil des Kurfürstendammes. Deshalb fehlen heute die Hausnummern Kurfürstendamm 1 bis 10. 1925 wurde nach dem Tod des Reichspräsidenten Friedrich Ebert die damalige Budapester Straße südlich des Brandenburger Tores in Ebertstraße umbenannt. Um die Ungarn nicht zu verstimmen, wurde ein in etwa gleichwertiger Ersatz gesucht und der Teil des Kurfürstendammes zwischen Corneliusbrücke und dem heutigen Breitscheidplatz in Budapester Straße umbenannt.

In den 20er Jahren war hier zwischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Zoologischem Garten als moderne Bebauung ein Geschäftshaus von Hans Poelzig mit dem Kino Capitol im Zentrum. Der gesamte Komplex wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. An seiner Stelle entstand in den 50er Jahren das Zentrum am Zoo mit dem Bikini-Haus entlang der Budapester Straße.

Nr. 46 Gedenktafel

ZENTRUM AM ZOO
1956 – 1957
MIT GEGENWERTSMITTELN DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
FÜR DIE
BERLINER BEKLEIDUNGSINDUSTRIE
ERRICHTET

Breitscheidplatz

Benannt 1947 nach dem Reichstagsabgeordneten der SPD und Gegner des Nationalsozialismus, Rudolf Breitscheid, 1892-1947 Auguste-Viktoria-Platz nach der Frau von Kaiser Wilhelm II, der letzten deutschen Kaiserin und Königin von Preußen.

Bronzetafel an der Brüstung des Platzes zur Budapester Straße, enthüllt 1984, zunächst im Pflasterbereich, später an die Brüstung versetzt.

RUDOLF BREITSCHEID
*1874 IN KÖLN 1944 IM KZ BUCHENWALD
1920 – 1933
SOZIALDEMOKRATISCHER REICHSTAGSABGEORDNETER
DIE GESCHICHTE WIRD EINMAL
EIN VERNICHTENDES URTEIL
NICHT NUR ÜBER DIEJENIGEN
FÄLLEN, DIE UNRECHT GETAN
HABEN, SONDERN AUCH ÜBER
DIE, DIE DEM UNRECHT STILL-
SCHWEIGEND ZUSAHEN.”

Der Platz wurde 1889 angelegt und 1895 nach der Errichtung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche umgebaut. Bei einem neuen Umbau nach dem Krieg 1956-60 wurde der Kreisverkehrs aufgegeben, 1977/78 entstand schließlich durch die Aufhebung der Straßenverbindung zwischen Kurfürstendamm und Budapester Straße, der sogenannten “Schnalle”, ein weitläufiger, zusammenhängender Fußgängerbereich. 1982-84 wurde der Platze wiederum völlig umgestaltet durch Ivan Krusnik und Oskar Reith und mit dem Weltkugelbrunnen aus rotem Granit mit Bronzefiguren von Joachim Schmettau geschmückt, dem sogenannten “Wasserklops”. Eine abermalige Umgestaltung des Platzes ist geplant. Der Autotunnel soll geschlossen und zugeschüttet werden, um eine einheitliche Fläche schaffen zu können. Die Hochbeete sollen entfernt werden, in den Boden soll eine Bänderbeleuchtung eingebaut werden. Auch der Eigentümer des Bikini-Hauses, die Bayerische Immobilien AG, will sich an der Umgestaltung finanziell beteiligen und die Ladenzeile für Fußgänger besser erreichbar machen. Im Sommer soll ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude vorgestellt werden.

Link zu: Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 11.1.2003, Foto: KHMM
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 11.1.2003, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

In der Platzmitte befindet sich die als Mahnmal gegen den Krieg gesicherte Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, daneben die Neubauten Egon Eiermanns von 1959 bis 63.

Ursprünglich war die Kirche für den Wittenbergplatz geplant. Sie wurde 1891-95 auf dem damaligen Auguste-Viktoria-Platz zu Ehren Kaiser Wilhelms I. als spätromanische Zentralanlage in Form eines lateinischen Kreuzes von dem Architekten Franz Schwechten erbaut. Kaiser Wilhelm II nahm persönlich großen Einfluss auf den Bau und gestaltete die Einweihung am Sedanstag, dem 1. September 1895 als bombastischer militärisches Zeremoniell. Der Kirchenbau erinnerte an eine Kaiserpfalz und diente weniger einem religiösen Bedürfnis als kaiserlich-staatlicher Repräsentation. Von den Berlinern wurde sie bald nach dem Bau des Kaufhauses des Westens 1907 respektlos als “Taufhaus des Westens” tituliert.

Die Kirche wurd im Krieg schwer beschädigt. Zunächst war der Abriss geplant, aber gegen den vehementen Protest der Berlinerinnen und Berliner wurde die Ruine nach einem Teilabriss gesichert und als Mahnmal erhalten. 1959-63 Neubauten von Egon Eiermann: Sechseckiger Turm mit Trauungs- und Taufkapelle, der Hauptbau in Form eines Oktogons, in dem sich eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus befindet. Die Außenhaut besteht aus wabenförmigen Betonplatten und blauen Glasflächen, die von Gabriel Loire aus Chartres gestaltet wurden.

Seit 1987 dient die Eingangshalle der alten Kirche mit Resten der reichen Mosaikarbeiten als Gedenkhalle; hier wurden das Nagelkreuz der Kathedrale von Coventry, ein Ikonenkreuz der Russisch-Orthodoxen Kirche und die beschädigte Christusfigur vom Altar der alten Kirche aufgestellt. An der östlichen Außenwand des alten Turmes seit 1988 vier Sandsteinskulpturen von Stefan Kaehne.

Die Kirche war ursprünglich Teil eines romanischen Forums, das heißt rings um den Platz durfte nach kaiserlicher Anordnung nur im romanischen Stil gebaut werden. So entstanden zwei Romanische Häuser: Westlich der Kirche das erste Romanische Haus, in dem 1926 der Gloria-Palast eröffnet wurde, und östlich der Kirche am Tauentzien das Zweite Romanische Haus, in dem nach dem Ersten Weltkrieg das Romanische Café zum legendären Treffpunkt der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher wurde. Das einzig übrig gebliebene Haus aus dieser romanischen Bebauung ist das “Kaisereck” südlich der Kirche am Kurfürstendamm 237, Ecke Rankestraße. Es wurde 1913-15 von Emil Schaudt gebaut, inzwischen nicht mehr ganz so mittelalterlich wie die anderen Bauten, die allesamt dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen.

Der Platz des Ersten Romanischen Hauses blieb unbebaut, an der Stelle des zweiten entstand das

Europa-Center

Es wurde 1963-65 von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg unter künstlerischer und städtebaulicher Beratung von Werner Düttmann und Egon Eiermann als erstes wirkliches Hochhaus der Stadt erbaut, ein 22geschossiges Hauptgebäude mit vorgelagertem drei- bis fünfgeschossigem Sockelbau. 1974 wurde die integrierte Eisbahn entfernt und die ursprünglich offenen Innenhöfe überdacht. Hier befindet sich heute ein terrassenförmig über einem Wasserspiel angelegtes Café. 1982 erneuter Umbau und Installation der Wasser-“Uhr der fließenden Zeit” des Pariser Physikers Bernard Gitton. Im Haus Geschäfte, Restaurants, die Kinos des Royal-Palastes, im Keller befindet sich das Kabarett “Die Stachelschweine”, auf dem Dach ein 14m hoher drehbarer Mercedesstern, an der Außenseite seit 1987 eine Licht-Stele von Heinz Mack.

Rankestr.35:

Gedenktafel Hermine Heusler-Edenhuizen, enthüllt am 30.11.2002

In diesem Hause lebte und praktizierte von 1911 bis 1937
Hermine Heusler-Edenhuizen
16.3.1872 – 26.11.1955
Erste niedergelassene Fachärztin in Deutschland
für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe
Gründungsvorsitzende des “Bundes deutscher Ärztinnen”
Mitunterzeichnerin der Reichstagseingabe gegen den Paragraphen 218
Ihr mutiges und soziales Engagement prägte maßgeblich das Berufsbild der Ärztin

Über ihre Anfänge als selbständige Ärztin in diesem Haus hat sie geschrieben:

“Eine der ersten Privatpatientinnen in Berlin war eine etwa vierzigjährige Frau, die sich zehn Jahre lang mit einem quälenden Leiden herumgeschleppt hatte, weil sie sich genierte, zu einem männlichen Arzt zu gehen. Sie kam auf mein erstes Zeitungsinserat hin zu mir und konnte in kurzen drei Wochen geheilt werden. Dieser Fall beglückte mich als Beweis für die Notwendigkeit von Fachärztinnen.”

Kurfürstendamm

Nr. 14/15 Gedenktafel Joseph Roth / Mampes Gute Stube

Hier befand sich von 1917 bis 1986
MAMPES GUTE STUBE
Lieblingslokal des Schriftstellers
JOSEPH ROTH
2.9.1894-27.5.1939
der hier im Jahre 1932 seinen Roman
Radetzkymarsch schrieb

Nr. 236 Ehemaliges Kino Marmorhaus

1912-13 unter der künstlerischen Bauleitung von Hugó Pál erbaut; Fassade mit weißem schlesischem Marmor verkleidet, hohes Walmdach. Stilistisch der beginnenden Moderne zuzuordnen, im Inneren Anklänge an den Expressionismus. Das Marmorhaus war neben der Filmbühne Wien eines der ältesten Kinos Berlins. Den Zweiten Weltkrieg hat das Gebäude weitgehend unbeschadet überstanden. Noch am 22. Januar 1945 fand hier eine Premiere statt: “Solistin Anna”. 1974 wurden Schachtelkinos eingerichtet, die bei einer aufwendigen Sanierung 1997 wieder entfernt wurden. 2001 wurde das zur UFA gehörende Traditionskino überraschend geschlossen.

Nr.230-233 Kaufhaus Wertheim

Die berühmten Bauten des Kaufhauses Wertheim in der Oranienburger und der Leipziger Straße, Ende des 19. Jahrhunderts von Alfred Messel erbaut, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Neubauten entstanden an der Steglitzer Schloßstraße und hier am Kurfürstendamm an Stelle der im Krieg beschädigten ursprünglichen Häuser, die in den 60er Jahren abgerissen wurden. Werner Düttmann und Hans Soll bauten 1971 in starkem Kontrast zur bestehenden Bebauung diesen großen Komplex, der eigentlich nicht zur Kurfürsendammarchitektur passte. 1983 wurde die Fassade mit vorgesetztem, fünfteiligem Bogenfenster modernisiert.

Joachimstaler Platz

Hier treffen wir wieder auf die Strecke, die Emil mit der Straßenbahn Linie 177 gefahren ist. Er verfolgt den Herrn mit dem steifen Hut, der sein Geld gestohlen hat, aber er hat auch ein Auge für die faszinierende Atmosphäre der Stadt:

“Diese Autos! Sie drängten sich hastig an der Straßenbahn vorbei; hupten, quiekten, streckten rote Zeiger links und rechts heraus, bogen um die Ecke; andere Autos schoben sich nach. So ein Krach! Und die vielen Menschen auf den Fußsteigen! Und von allen Seiten Straßenbahnen, Fuhrwerke, zweistöckige Autobusse! Zeitungsverkäufer an allen Ecken. Wunderbare Schaufenster mit Blumen, Früchten, Büchern, goldenen Uhren, Kleidern und seidener Wäsche. Und hohe, hohe Häuser.
Das war also Berlin.”

Der Joachimstaler Platz erhielt 1936 seinen Namen, die Joachimstaler Straße bereits 1887. Beide sind benannt nach dem Joachimsthalschen Gymnasium, das wir gleich erreichen werden. Wann und weshalb hier das h aus dem Namen Joachimsthal verschwunden ist, wissen wir nicht.

Der Platz in seiner jetzigen Form mit Verkehrskanzel, Telefonzellen, Kiosk und U-Bahn-Zugang geht auf die Anlage aus den Jahren 1953-55 von Werner Klenke, Werner Düttmann, Bruno Grimmek zurück. Die Verkehrskanzel sollte an die berühmte Ampel am Potsdamer Platz von 1925 erinnern, sie verlor wegen der starken Verkehrszunahme bereits in den 60er Jahren ihre Funktion. Im letzten Jahr wurde der Platz nach einem Wettbewerb nach den Plänen des Zürcher Landschaftsarchitekten Guido Hager neugestaltet. Dabei wurde ein Parkplatz entfernt, der sich an der Joachimstaler Straße befand. Der Platz wurde am 04.12.02 der Öffentlichkeit übergeben.

Kudamm Eck

An dieser Stelle befand sich in den 20er Jahren das berühmte Wäschehaus Grünfeld, eine moderne Filiale des Stammhauses in der Leipziger Straße. Die jüdischen Eigentümer mussten ihr Haus im Zuge der sogenannten Arisierung 1938 einem nichtjüdischen Deutschen verkaufen: Max Kühl führte das Haus weiter. Es wurde im Krieg stark zerstört, die Ruine in den 60er Jahren abgerissen. Der 1969-72 von Senatsbaudirektor Werner Düttmann bereits unter der Bezeichnung Kudamm-Eck errichteten Komplex wurde 1998 abgerissen und durch den neuen Bau von Gerkan, Mark und Partner (gmp), Hamburg, ersetzt. Entstanden ist ein 10-geschossiges, 45m hohes Geschäftshaus mit runden Baukörper, einer 70 qm großen elektronischen Werbewand an der Fassade zur Joachimstaler Straße und dem Skulpturenensemble “Das Urteil des Paris” von Markus Lüpertz . – Eingezogen sind als Mieter C&A und ein Hotel.

Neues Kranzler Eck

1932 wurde das Café Kranzler als Filiale des berühmten Café Kranzler Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße eröffnet. An der gleichen Stelle befand sich übrigens vor dem Ersten Weltkrieg das ebenfalls berühmte und legendäre Café des Westens, das von seinen Feinden und Freunden liebevoll “Café Größenwahn” genannt wurde. Das Café Kranzler wurde im Krieg stark zerstört. Der Neubau von Hanns Dustmann 1957/58 prägte die Ecke als markanter flacher Bau mit Rotunde und rot-weiß gestreifter Markise. Nach der Wiedereröffnung 1958 wurde die Kranzlerecke zum Wahrzeichen der City West und West-Berlins insgesamt.

Nach dem Neubau wurde das Café Kranzler am 27.12.2000 wieder eröffnet, allerdings ausschließlich im Bereich der Rotunde tagsüber als Café, abends als Bar.

Das Quartier Neues Kranzler-Eck wurde 1998-2000 von Helmut Jahn, dem berühmten Architekten aus Chicago, auf dem 20.000 qm großen sogenannten Victoria-Areal gebaut. Dazu gehört nicht nur das neue 16geschossige, 60 m hohe verglaste Hochhaus, sondern auch Café Kranzler, der Altbaus der Viktoria-Versicherung, die zweigeschossigen Ladenzeile an der Joachimstaler Straße und das ehemalige “bilka”-Kaufhaus, in dem heute Karstadt-Sport residiert, außerdem die Passage von der Kantstraße zum Kurfürstendamm. Im Zentrum des Quartiers sind zwei 22 m hohe kegelförmige Volieren mit mehr als 100 Sittichen, Fasanen, Enten. Blickfang ist die spitz zulaufende, weit in den Straßenraum des Kurfürstendamms ragende 54 m hohe Kante mit der Lichtinstallation “Lichtburg” von Yann Kersalé.

Joachimstaler Straße

Nr. 33-34 Ehem. C&A

1967 war an der Ecke Joachimstaler Straße und Augsburger Straße C&A eröffnet worden. Die Polizei musste damals die Massen abhalten, die das neue Bekleidungskaufhaus stürmen wollten. Jetzt ist C&A aus der zweiten Reihe nach vorne an den Kurfürstendamm gerückt. Hier soll für 75 Millionen ein Hotel- und Geschäftshaus von Jan Kleihues entstehen. Auch das Berliner Panoptikum soll hier einziehen.

Nr.10-12

Allianz-Hochhaus

1955 gebaut

Gedenktafel Tschechische Zwangsarbeiter

ACHTZEHN TSCHECHISCHE JUGENDLICHE
STARBEN HIER
AM 23. NOVEMBER 1943 BEI EINEM LUFTANGRIFF.
ALS ZWANGSARBEITER WAREN SIE BEI DER TECHNISCHEN NOTHILFE IN BERLIN EINGESETZT, UM BOMBENSCHÄDEN ZU BESEITIGEN.

Die Gedenktafel wurde initiiert von der Berliner Geschichtswerkstatt. Insgesamt waren bei der Technischen Nothilfe etwa 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern eingesetzt.

Nr. 13

Synagoge, Jüdische Gemeinde, Buchhandlung

Dieses Haus wurde 1902 für eine Loge erbaut. Hier gründete 1935 der Bildungsverein der Jüdischen Reformgemeinde in einem Quergebäude die Joseph-Lehmann-Schule, um jüdischen Kindern Schulunterricht geben zu können, die aus den allgemeinen Schulen in Deutschland ausgeschlossen worden waren. In der Turnhalle befindet sich heute die unter Denkmalschutz stehende orthodoxe Synagoge der Jüdischen Gemeinde für 300 Personen.

Nr. 20

ÖTV-Haus, Gedenktafel Friedrich Ebert

IN DIESEM HAUSE STARB AM
28. FEBRUAR 1925
FRIEDRICH EBERT
DER ERSTE REICHSPRÄSIDENT
DER DEUTSCHN REPUBLIK

Das Haus steht leer. Die ÖTV ist vor 10 Jahren an den Engeldamm in Mitte umgezogen, das Haus hat sie verkauft. Jetziger Eigentümer ist eine Immobilien Service GmbH aus Hamburg, die neue Interessenten sucht.

Bundesallee

Die Bundesallee erhielt ihren Namen mit der Eröffnung des Bundeshauses am 18. Juli 1950. Emil hatte sie noch als Kaiserallee kennen gelernt. Er saß immer noch in der Straßenbahnlinie 177

“Und die Straßenbahn fuhr. Und sie hielt. Und sie fuhr weiter. Emil las den Namen der schönen breiten Straße. Kaiserallee hieß sie. Erfuhr und wußte nicht, wohin. Im anderen Wagen saß ein Dieb. Und vielleicht saßen und standen noch andere Diebe in der Bahn. Niemand kümmerte sich um ihn. Ein fremder Herr hatte ihm zwar einen Fahrschein geschenkt. Doch nun las er schon wieder Zeitung.

Die Stadt war so groß. Und Emil war so klein. Und kein Mensch wollte wissen, warum er kein Geld hatte, und warum er nicht wußte, wo er aussteigen sollte. Vier Millionen Menschen lebten in Berlin, und keiner interessierte sich für Emil Tischbein. Niemand will von den Sorgen des andern etwas wissen. Jeder hat mit seinen eigenen Sorgen und Freuden genug zu tun. Und wenn man sagt: Das tut mir aber wirklich leid, so meint man meistens gar nichts weiter als: Mensch laß mich bloß in Ruhe!”

Nr. 1-12 Ehem. Joachimsthalsches Gymnasium

Das klassizistische Gebäude im Stil der italienischen Hochrenaissance wurde 1875-80 von Ludwig Giersberg und Heinrich Strack für das bereits 1607 in Joachimsthal gegründete Gymnasium gebaut. Es war bald nach Berlin gezogen und zu einer der berühmtesten Elite-Schulen in Deutschland geworden. Das Haus gilt als spätes Beispiel der Schinkel-Schule. Am Mittelrisalit stehen in zwei Nischen die Statuen von Plato und Aristoteles des Grunewalder Bildhauers Max Klein. Im Vestibül ein Flötenspieler aus Bronze von Constantin Starck. Das Joachimsthalsche Gymnasium war eine bedeutende Internatsschule. Sie belegte das gesamte Gelände hinter dem Hauptgebäude bis zum Fasanenplatz mit Häusern für die Schüler und Lehrer, Sportplätzen, Turn- und Schwimmhallen usw..

Das Joachimsthalsche Gymnasium zog schon 1912 wieder aus, bis 1919 befand sich hier das Joachim-Friedrich-Gymnasium. Das Gebäude wurde seit 1920 vom Bezirksamt Wilmersdorf als “Stadthaus” genutzt. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, 1955 wiederhergestellt, diente es in der Folge unterschiedlichen Zwecken, darunter als Stern’sches Konservatorium und Musikinstrumentenmuseum, heute befinden sich hier Bereiche der Universität der Künste und die Musik- und Stadtteil-Bibliothek Bundesallee.

1995 wurde die Aula zum Konzertsaal für den Fachbereich Musik der Universität der Künste umgebaut.

Eine Gedenktafel erinnert an Ehemalige Schüler

Wir gedenken unserer Kommilitonen
am Königlichen Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin
Generalleutnant Paul von Hase
Regierungspräsident a.D. Ernst von Harnack
Staatssekretär a.D. Erwin Planck
die in christlicher Verantwortung und humanistischer Tradition
Recht und Menschenwürde gegen die Tyrannei des NS-Staates verteidigten
und ihren Widerstand gegen Unrecht und Barbarei
vor fünfzig Jahren mit dem Leben bezahlten.
Ihr Opfer öffnete Deutschland den Weg in eine bessere Zukunft
und ist uns bleibende Verpflichtung.
Im April 1995 – Die Vereinigung Alter Joachimsthaler e.V.

Nr. 216-218 Bundeshaus

Das Haus wurde 1893-95 als Verwaltungsgebäude für die Königlich Preußische Artillerie-Prüfungs-Kommission an der früheren Kaiserallee errichtet von Bernhardt & Wieczorek. 1950-90 fungierte es unter der Bezeichnung Bundeshaus als Sitz des Bevollmächtigten der Bundesregierung in Berlin; bis zum Umzug des Ministerium des Inneren von Bonn nach Berlin befand sich hier außerdem eine Abteilung der Berliner Außenstelle des Ministeriums. Die Immobilie gehört zum Ressortvermögen des Innenministeriums und wird von diversen Bundeseinrichtungen genutzt, u.a. dem Bundesverwaltungsamt.

Gedenktafel Hoepner/Tresckow

In diesem Gebäude,
1895 für die ehemalige Königlich-Preußische Artillerie- Prüfungskommission erbaut,
arbeiteten während des 2.Weltkrieges die Offiziere des Widerstandes:
Generaloberst ERICH HOEPNER
14.9.1886 – 8.8.1944
Generalmajor HENNING VON TRESCKOW
10.1.1901 – 21.7.1944

Gerhart-Hauptmann-Anlage

Kleine Parkanlage auf dem ehemaligen weitläufigen Gelände des Joachimthalschen Gymnasiums. 1966 wurde das Gerhart-Hauptmann-Denkmal enthüllt, eine Granitstele mit einer Bronzebüste Hauptmanns von Fritz Klimsch.

Gedenktafel Meierotto

Johann H.L. Meierotto
Erster Direktor
des Joachimsthalschen Gymnasiums
*1742 1800

Gefallenendenkmal

Das stelenartige, 4m hohe Denkmal für die Gefallenen des XXII. Reservekorps im I.Weltkrieg wurde 1924 von Eberhard Encke aus Muschelkalk geschaffen. Die abschließende Kugel trug ursprünglich eine Schwurhand.

Schaperstraße

1888 benannt nach dem Pädagogen Karl Schaper, 1872-1886 Direktor des Joachimsthalschen Gymnasiums

Nr.24 Haus der Berliner Festspiele (ehem. Freie Volksbühne)

1960-63 von Fritz Bornemann auf dem Gelände des früheren Joachimsthalschen Gymnasiums errichtet. Ungewöhnlich für einen Theaterbau ist der Standort inmitten eines parkähnlichen Geländes, dem sich das Haus mit großen Glasflächen öffnet. Das Theater wurde am 1. Mai 1963 mit Romain Rollands “Robespierre” in der Regie von Erwin Piscator eröffnet. Piscator war Intendant bis 1966. Seine Nachfolger waren Kurt Hübner und Hans Neuenfels. 1992 wurde das Theater geschlossen, 1993-1997 bespielt als Musical Theater Berlin. Im Dezember 2000 zog die Berliner Festspiele GmbH ein. Das Haus ist Hauptspielstätte für das Theatertreffen Berlin.

Link zu: Vor der Bar jeder Vernunft, 11.1.2003, Foto: KHMM
Vor der Bar jeder Vernunft, 11.1.2003, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bar jeder Vernunft

Eine der prominentesten und erfolgreichsten Kleinkunstbühnen Berlins: Varieté, Kabarett, Chansons und Ähnliches. Sie spielt seit 1992 im Spiegelzelt auf dem Parkdeck. Im letzten Jahr haben die künstlerischen Leiter Holger Klotzbach und Lutz Deisinger für größere Ereignisse am ehemaligen Standort des Tempodrom eine zweite Spielstätte, das Tipi eröffnet. Für 2003 ist eine Umsetzung des Spiegelzeltes vom Parkdeck hinunter näher zur Schaperstraße hin geplant.

Das Original-Jugendstil-Spiegelzelt, von dem weltweit nur noch acht Stück existieren, wurde 1912 als sogenannter “Danse Paleis” von einer holländischen Firma erbaut. Ursprünglich diente es als saisonales Ball- und Tanzzelt in den mondänen Seebädern Flanderns und der Niederlande. 1920 konnte man es sogar auf der Weltausstellung in Antwerpen bewundern. Durch Zufall entdeckte es der Schweizer Produzent Ueli Hirzl Anfang der 80er Jahre in Holland bei einem Pommes Frites-Fabrikanten, der es als Lagerraum für Kartoffeln nutzte. Ueli Hirzl erwarb es für seine Eigenproduktionen, um es dann 1992 an seinen langjährigen Freund und Bar-jeder-Vernunft-Begründer Holger Klotzbach zuerst zu verpachten, dann zu verkaufen.

Fasanenplatz

1870 von Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde als nordwestlicher Eckpunkt einer regelmäßigen städtebaulichen Figur, der nach ihm benannten Carstenn-Figur, geplant. Durch verkehrsberuhigende Maßnahmen in den 80er Jahren erhielt der Fasanenplatz einen intimen Charakter mit hohem Aufenthaltswert. Es gibt keinen durchgängigen Kreisverkehr mehr.

Die Wasserstele von Rolf Lieberknecht wurde 1989 aufgestellt.

Bei dem heute als Kita genutzten Klinkerhaus handelt es sich um ein ehemaliges Lehrerhaus des Joachimsthalschen Gymnasiums

Fasanenstraße

Nr.61

Gedenktafel Heinrich Mann

Hier lebte von 1932 bis 1933
HEINRICH MANN
27.3.1871 – 12.3.1950
Schriftsteller und Essayist, kämpfte gegen Nationalsozialismus,
Militarismus und Obrigkeitsdenken (“Der Untertan”).
1931 bis 1933 Präsident der Sektion Dichtkunst
der Preußischen Akademie der Künste.

Nr.58

Gedenktafel Rudolf Breitscheid

Hier lebte von 1904 bis 1932
RUDOLF BREITSCHEID
2.11.1874 – 24.8.1944
SPD-Politiker, Reichstagsabgeordneter
und preußischer Innenminister
Er wurde 1940 von der Vichy-Regierung in Frankreich
an die Gestapo ausgeliefert
und kam bei einem Luftangriff
im KZ Buchenwald um

Hohenzollernplatz

Der Hohenzollernplatz wurde 1910 als angerähnlicher Platz mit sieben Straßeneinmündungen angelegt, mit Springbrunnen im Mittelfeld, Pyramideneichen an der Ostseite. Nach Kriegsschäden wurde der Platz 1950 wieder hergestellt, 1968 nach einer Änderung der Verkehrsführung mit einem begrünten Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen des Hohenzollerndammes und einem abgetrennten Parkteil grundlegend gärtnerisch neu gestaltet durch Karl Schmid. Der Delphinbrunnen von Hans Bautz wurde 1968 aufgestellt.

Die U-Bahnstation von 1912 ist ein Baudenkmal.

Mittwochs und samstags Wochenmarkt.

Kirche am Hohenzollernplatz

Die Kirche am Hohenzollernplatz Baudenkmal ist eine der prachtvollsten Kirchen des norddeutschen Backsteinexpressionismus. Sie wurde 1930-33 von Fritz Höger, dem Architekten des Chilehauses in Hamburg, als dreischiffige Langhausbasilika erbaut. Entstanden ist ein roter Klinkerbau mit grünem Kupferdach. Umgangssprachlich wird das selbst heute noch futuristisch anmutende Gebäude auch als “Kraftwerk Gottes” bezeichnet. Nach Kriegsschäden gab es einen vereinfachten Wiederaufbau, 1990/91 einen Umbau durch Gerhard Schlotter mit neuen Seitenfenstern von Achim Freyer.

Nikolsburger Straße

Benannt 1892 nach der tschechischen Stadt Nikolsburg.

Nikolsburger Platz

Der Platz wurde 1870 von Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde geplant. Es war einer von vier Plätzen, die mit der damaligen Kaiserallee als Spiegelachse eine regelmäßige städtebauliche Figur bilden, die Carstenn-Figur. Spiegelbildlich zum Nikolsburger Platz liegt auf der anderen Seite der Bundesallee der Prager Platz. Entsprechend verhält es sich im Norden mit Fasanenplatz und Nürnberger Platz.

Vor zwei Jahren wurden die Hochbeete aus den 60er Jahren beseitigt und der Platz wieder entsprechend dem historischen Vorbild angelegt.

Bereits 1988 wurde der im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Gänselieselbrunnen von 1910 von Harald Haacke nachgestaltet und dem Bezirk von einer Bank geschenkt.

An der westlichen Platzseite der dominierende Neorenaissancebau der CäcilienGrundschule. Sie wurde 1909/10 von Otto Herrnring im Stil der geginnenden Moderne mit Elementen der deutschen Renaissance gebaut. Ein verputzter Mauerwerkbau wird aufgelockert durch gliedernde und schmückende Teile in rotem Sandstein. Die Fassade ist nahezu symmetrisch. An der nördlichen Außenwand befindet sich der Fischotterbrunnen von Albert Wille um 1910. Die Schule wird in diesem Sommer mit der Hanns-Fechner-Grundschule zu einer Ganztagsschule zusammengelegt.

Trautenaustraße
1908 benannt nach der tschechischen Stadt Trautenau

Nr. 5 Paul-Löbe-Haus der Volkshochschule

Ecke Bundesallee Jean-Monnet-Haus

Das Haus wurde 1988 nach dem großen Förderer der Europäischen Einigung benannt und als Seminar- und Tagunszentrum eingerichtet, getragen von der Deutschen Gesellschaft, ein Verein zur Förderung politischer, sozialer und kultureller Beziehungen in Europa.

Ziel ist die Förderung der persönlichen Begegnung und des Kennenlernens der Menschen in Deutschland und Europa, Förderung des Verständnisses regionaler, nationaler und internationaler Probleme, Abbau von Vorurteilen. Hierzu dienen Foren, Gesprächskreise, Seminare, Studienreisen. Durchführung von ca. 200 Veranstaltungen jährlich.

Hier begegnen wir Emil wieder, der endlich die Straßenbahn verlässt:

“In der Trautenaustraße, Ecke Kaiserallee, verließ der Mann im steifen Hut die Straßenbahn. Emil sah’s, nahm Koffer und Blumenstrauß… und kletterte vom Wagen.

Der Dieb ging am Vorderwagen vorbei, überquerte die Gleise und steuerte nach der anderen Seite der Straße. Dann fuhr die Bahn weiter, gab den Blick frei, und Emil bemerkte, daß der Mann zunächst unschlüssig stehenblieb und dann die Stufen zu einer Cafe-Terrasse hinaufschritt.

Jetzt hieß es wieder einmal vorsichtig sein. Wie ein Detektiv, der Flöhe fängt. Emil orientierte sich flink, entdeckte an der Ecke einen Zeitungskiosk und lief, so rasch er konnte, dahinter. Das Versteck war ausgezeichnet. Es lag zwischen Kiosk und einer Litfaßsäule. Der Junge stellte sein Gepäck hin, nahm die Mütze ab und witterte.

Der Mann hatte sich auf die Terrasse gesetzt, dicht ans Geländer, rauchte eine Zigarette und schien seelenvergnügt. Emil fand es abscheulich, daß ein Dieb überhaupt vergnügt sein kann und daß der Gestohlene betrübt sein muß, und wußte sich keinen Rat.

Was hatte es denn im Grunde für einen Sinn, daß er sich hinter einem Zeitungskiosk verbarg, als wäre er selber der Dieb und nicht der andere? Was hatte es für einen Zweck, daß er wußte, der Mann säße im Cafe Josty an der Kaiserallee, tränke helles Bier und rauchte Zigaretten? Wenn der Kerl jetzt aufstand, konnte die Rennerei weitergehen. Blieb er aber, dann konnte Emil hinter dem Kiosk stehen, bis er einen langen grauen Bart kriegte. Es fehlte wirklich nur noch, daß ein Schupomann angerückt kam und sagte: Mein Sohn, du machst dich verdächtig. Los, folge mir mal unauffällig. Sonst muß ich dir leider Handschellen anlegen.

Plötzlich hupte es dicht hinter Emil! Er sprang erschrocken zu Seite, fuhr herum und sah einen Jungen stehen, der ihn auslachte.

“Na Mensch, fall nur nicht gleich vom Stühlchen”, sagte der Junge.

“ Wer hat denn eben hinter mir gehupt? “fragte Emil. “Na Mensch, ich natürlich. Du bist wohl nicht aus Wilmersdorf, wie? Sonst wüßtest du längst, daß ich ‘ne Hupe in der Hosentasche habe. Ich bin hier nämlich bekannt wie ‘ne Mißgeburt.”

Klar, dass die beiden sich anfreunden, eine Menge Wilmersdorfer Kinder zur Verstärkung holen, am Nikolsburger Platz erst mal einen Schlachtplan entwerfen, den Dieb dann über den Prager Platz und die Motzstraße bis zu seinem Hotel am Nollendorfplatz verfolgen, dort die Nacht über bewachen und schließlich anderntags auf dem Weg zur Bank stellen.

Prager Platz

1888 benannt, zuvor Halberstädter Platz.

1986 wurde der Platz in dieser Form entsprechend seiner historischen Struktur neu gestaltet. Die ursprüngliche Bebauung rund um den Platz wurde nach schweren Kriegsschäden bis auf ein Haus (Prager Pl. 6) abgerissen. 1987 begannen mit der Internationalen Bauausstellung die Pläne zur Neubebauung.

Im Juni 2002 wurde die “Prager Passage” mit siebzehn Gewerbeeinheiten und einem Fitnessclub durch die Firma Trigon fertig gestellt. Damit ist die letzte Lücke am Platz geschlossen.

Die neuen Gebäude am Prager Platz zeigen das traditionelle architektonische Stilmittel der Eckbekrönung zur Betonung der Kopfbauten an den Straßeneinmündungen.

Der Prager Platz war in den 20er Jahren ein kulturelles Zentrum im Berliner Westen; gelegen in dem zu Wilmersdorf und Schöneberg gehörenden Bayerischem Viertel – einem Viertel mit hoher Lebensqualität, der sogenannten “Jüdischen Schweiz” -, lebten hier viele jüdische Bürger, Künstler und Intellektuelle.

Der Bezirk veranstaltet hier alljährlich das traditionelle “Fest der Nationen”, in diesem Jahr an dem Wochenende vom 9. bis zum 11. Mai.

Prager Str. 10

Heute eine Kita in einem Neubau, Gedenktafel für Erich Kästner

In dem Haus, das früher hier stand,
lebte von 1927 bis 1931
Erich Kästner
23.2.1899 – 29.7.1974
Journalist und Schriftsteller, Kinderbuchautor.
Beschreibt in “Emil und die Detektive” (1928)
seine Wohngegend am Prager Platz. 1933 wurden seine
Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt.