Kiezspaziergang am 8.7.2006

Vom Rathaus Wilmersdorf zum Bundesplatz

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen

Treffpunkt: U-Bhf Fehrbelliner Platz

Sehr geehrte Damen und Herren!

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Im Rathausrundhof, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Herzlich willkommen zu unserem Sommer-Kiezspaziergang im Juli. Wir wollen heute daran erinnern, dass Wilmersdorf vor 100 Jahren Stadtrechte erhalten hat. Das war genau am 20. August 1906. Diese Stadtrechte hat Wilmersdorf allerdings nur 14 Jahre behalten, denn 1920 wurde es als 9. Bezirk nach Groß-Berlin eingemeindet. Deshalb wollen wir das Ereignis in einem etwas kleineren Rahmen feiern, nämlich am Vorabend des Jahrestages, am Sonnabend, dem 19. August, um 20.00 Uhr mit einem Fest im Rundhof des Rathauses. Einlass ist bereits ab 19.00 Uhr. Die Karten kosten 29,00 Euro. Im Preis sind ein Begrüßungsgetränk, das Buffet und die musikalische Unterhaltung enthalten. Erhältlich sind die Karten in meinem Büro unter den Telefonnummern 9029-12572.
Heute also wollen wir vom Rathaus Wilmersdorf aus bis zum Bundesplatz einen interessanten Teil dieser früheren Stadt erkunden.
Zuvor aber wie gewohnt der Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Am Sonnabend, dem 12. August, bin ich nicht in Berlin, sondern in unserer Partnerstadt Minden. Deshalb wird mein Kollege Reinhard Naumann, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie, Schule und Sport, den Spaziergang übernehmen.
Treffpunkt wird um 14.00 Uhr sein, und zwar am U-Bahnhof Heidelberger Platz, und es wird unter anderem zum Mosse-Stift gehen, zum Cornelsen-Verlag, zur Gartenarbeitsschule und zur Grundschule am Rüdesheimer Platz, die gerade ihr 50jähriges Bestehen gefeiert hat. Ende wird am Weinbrunnen auf dem Rüdesheimer Platz sein, wo Sie sich mit einem Winzer aus unserem Partnerlandkreis Rheingau-Taunus über die Rheingauer Weine unterhalten und natürlich auch welche probieren können.
Eine weitere wichtige Information kann ich Ihnen heute vermitteln: Wie ich Ihnen bereits im Mai angekündigt habe, haben uns die drei Kaiserbäder auf Usedom zu einem ganz speziellen Kiezspaziergang eingeladen. Jetzt können wir Ihnen Flyer mit allen Informationen anbieten. Leider ist das Angebot etwas teurer geworden als zunächst kalkuliert. Aber ich glaube, es ist immer noch sehr attraktiv: Für 107.- EUR pro Person im Doppelzimmer können Sie am Sonnabend, dem 23. September per Bus nach Usedom reisen, dort in einem 3-Sterne-Hotel übernachten, den Wellnessbereich mit Schwimmbad und Sauna nutzen, ein Frühstücksbuffet genießen und bei einem Spaziergang mit der Leiterin unseres Heimatmuseums, Birgit Jochens, prominente Bankiers, Industrielle und Künstler kennen lernen, die in Charlottenburg-Wilmersdorf gelebt haben und zum Aufstieg der Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin beigetragen haben. Natürlich wird es auch um die Bäderarchitektur und die Geschichte Usedoms gehen, und natürlich ist in dem Preis auch die Rückreise am Folgetag, am 24. September enthalten.
Unser Heimatmuseum hat schon eine Reihe von Projekten mit den Usedomer Kaiserbädern veranstaltet und bereitet derzeit gerade eine Ausstellung vor, die vom 6. August bis zum 28. Oktober im Heimatmuseum an der Schloßstraße 69 gezeigt wird. Unter dem Titel “Die Kaiserbäder auf Usedom – ein Vorort Berlins” können Sie sich dort auf den Ausflug nach Usedom einstimmen.
Jetzt aber zurück nach Wilmersdorf:

Rathaus Wilmersdorf
1906 erhielt Wilmersdorf Stadtrechte. Das frühere kleine Dörfchen hatte sich innerhalb von knapp 20 Jahren zur Großstadt mit mehr als 75.000 Einwohnern entwickelt. Deshalb war das kleine Rathaus an der Brandenburgischen Straße Ecke Gasteiner Straße, dort wo sich heute das UCW im früherem Gesundheitsamt befindet, längst zu klein geworden. Der Magistrat veranstaltete einen Architekturwettbewerb für einen riesengroßen Rathausbau.
Er sollte dort stehen, wo sich heute vor dem Preußenpark der Parkplatz mit dem Parkcafé befindet. Den Wettbewerb gewann ein Entwurf, dessen Turm die Rathäuser von Charlottenburg und Schöneberg überragt hätte. Aber der Erste Weltkrieg kam dazwischen und danach 1920 die Bildung Groß-Berlins. Wie alle anderen Großstädte rund um Berlin wurde auch Wilmersdorf ein Berliner Bezirk, und an ein eigenes, großes Rathaus war nicht mehr zu denken. Lange Zeit musste man sich mit Provisorien zufrieden geben. Ein großer Teil der Verwaltung zog ins Stadthaus, das ehemalige Joachimsthalsche Gymnasium an der Kaiserallee, der heutigen Bundesallee.
Dieses Haus am Fehrbelliner Platz Nr.4 wurde nicht als Rathaus gebaut. Das können Sie schon daran erkennen, dass es keinen Turm hat. Wilmersdorf war einer der wenigen Bezirke Berlins ohne Rathausturm.
Das Haus wurde 1940 als letztes großes Verwaltungsgebäude von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Auftrag gegeben und mitten im Zweiten Weltkrieg 1941-43 von A. Remmelmann gebaut. Es sollte die DAF-Zentrale nebenan am Hohenzollerndamm 177 ergänzen. Bei Fertigstellung zog aber nicht die DAF ein, sondern das Haus wurde als Dienstgebäude für das Oberkommando des Heeres requiriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus 1945 von den Briten beschlagnahmt und als Hauptquartier eingerichtet. Im Gegensatz zu den umliegenden Wohnhäusern war keines der Verwaltungsgebäude am Fehrbelliner Platz im Krieg schwer beschädigt worden. Angeblich haben die Alliierten diese Gebäude geschont, weil sie sie nach dem Krieg selbst benutzen wollten. 1954 zog hier das Rathaus Wilmersdorf ein, die Briten bezogen ihr neues Hauptquartier beim Olympiastadion.
Der kreisrunde Innenhof mit seinem umlaufenden Säulengang ist mit seinem Bezug auf antike Vorbilder einerseits typisch für nationalsozialistische Vorlieben in der Architektur, andererseits ist er sehr ähnlich dem Gebäude des Polizeipräsidiums in Kopenhagen, das in den 20er Jahren gebaut wurde.
1957 wurden 27 von Prof. Ludwig Peter Kowalski gestaltete Wappenmosaiken ehemals ostdeutscher Länder und Städte im Rundhof angebracht. Erläuterungstafeln neben der Eingangstür weisen darauf hin, dass mit diesen Wappen keine revanchistischen Ziele verfolgt werden.
1960 wurden zwei Gedenksteine errichtet: “Den Opfern nationalsozialistischer Willkür” und “Den Opfern der beiden Weltkriege”, 1981 kam ein dritter Gedenkstein hinzu: “Den Opfern kommunistischer Willkür”.
Der venezianische Brunnen wurde am 2.9.1988 aufgestellt. Er wurde dem Bezirk von der Berliner Bank gestiftet, die ihn aus dem Schloss Brüningslinden an der Sakrower Landstraße in Spandau übernommen hatte, bevor dieses 1972 abgerissen worden war. Kurz nach dem Brunnen wurde am 14.9.1988 der Bronze-Bär von Hildebert Kliem aufgestellt.
Im November 2004 wurde die Skulptur “Versöhnung” wieder hier aufgestellt. Der in Berlin geborene und nach Argentinien emigrierte deutsch-jüdische Bildhauer Pablo Hannemann hat sie 1978 der Stadt Berlin geschenkt. Sie wurde dem Bezirk Wilmersdorf übertragen und hier aufgestellt. Nach vier Jahren 1983 wurde sie an den Uferweg am Koenigssee zwischen Koenigsallee und Wissmannstraße versetzt. Nach einem Beschluss der BVV steht sie seit Ende 2004 wieder hier im Rundhof, wenn auch nicht mehr in der Mitte, sondern unter den Arkaden, aber immerhin.
Wie Sie sehen, gibt es auch zwei Buddy-Bären, die den Haupteingang bewachen.
Im rechteckigen Wirtschaftshof des Rathauses befindet sich der Eingang zum früheren Atomschutzbunker, der seit den 90er Jahren als EDV-Zentrale des Landesbetriebes für Informationstechnologie (LIT) genutzt wird.

Link zu: Auf dem Fehrbelliner Platz, Foto: KHMM
Auf dem Fehrbelliner Platz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Fehrbelliner Platz
Hier am Fehrbelliner Platz wurde 1913 der U-Bahnhof eröffnet, damals noch auf weitgehend unbebautem Gelände. Nur Laubenkolonien befanden sich hier, und an dieser Stelle, wo das heutige Rathaus Wilmersdorf steht, befand sich ein großer Sportplatz. 1920-25 wurde der Preußenpark angelegt, und die Randbebauung des Platzes begann.
1923 baute die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte das erste Verwaltungsgebäude an der Ruhrstr. 1-2, 1930 wurde es – ebenfalls für die RfA erweitert um den Bau an der Ruhrstr. 3. Alle anderen großen Verwaltungsgebäude am Platz wurden in den 30er Jahren gebaut. Vor allem der Fassadenschmuck zeigt teilweise noch die Vorlieben der nationalsozialistischen Bauherren.
Fehrbelliner Pl. Nr.1 wurde 1936 als Karstadt-Kontorhaus gebaut, 1963 zog hier das neu geschaffene Landesverwaltungsamt ein.
Nr.2 wurde 1939 von Otto Firle für die Nordstern-Versicherung gebaut, 1939-45 war hier außerdem die Reichsstelle für Milch- und Fettwirtschaft untergebracht, in der Nachkriegszeit die Senatsverwaltung für Inneres. Nach deren Umzug in die Klosterstraße in Mitte übernahm die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Gebäude. Die Skulpturen von Waldemar Raemisch zeigen allegorische Darstellungen der Menschenalter.
Nr.3 wurde 1938 von der Reichsbaudirektion als Reichsgetreidestelle errichtet, in der Nachkriegszeit wechselnde Bundesinstitutionen (z.B. Gesamtdeutsches Institut), heute ein Teil des Bundesarchivs (Filmarchiv) und Hauptzollamt für Prüfungen.
In der Nachkriegszeit vergrößerte sich die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte mit einer Reihe von Neubauten am Fehrbelliner Platz und in seiner Umgebung. Das Hauptgebäude am Fehrbelliner Platz 5 wurde 1970-73 von Jan und Rolf Rave gebaut. Seit einem Jahr trägt es nicht mehr das BfA-Logo, sondern das neue Logo der Deutschen Rentenversicherung Bund, so der neue Name der früheren Bundesanstalt für Angestellte.

Der U-Bahnhof wurde zum Kreuzungsbahnhof der U-Bahnlinien 1 und 7. 1967-72 baute Rainer Gerhard Rümmler den neuen Eingangspavillon, der sich mit einer knallroten Keramikfliesenverkleidung im bewussten Kontrast von der Bebauung aus der Nazizeit abhebt. Der gesamte Bahnhof wurde 1999 saniert. Vor allem die unterirdische Ebene wurde komplett umgebaut und mit einem Einkaufszentrum ausgestattet.
Die Sieben Schwaben von dem Bildhauer Hans-Georg Damm wurden 1978 auf dem Mittelstreifen des Hohenzollerndamms aufgestellt. Ich weiß nicht, ob es etwas zu bedeuten hat, dass sie mit ihrem Speer auf das Rathaus Wilmersdorf zeigen.
Vor dem Rathaus wurde am 5.3.1987 eine britische Telefonzelle in Betrieb genommen, neben dem Eingang ist ein britischer Briefkasten angebracht – beides Geschenke der ehemaligen britischen Schutzmacht.
Die Reliefstele im Durchgang unter dem Rathaus Wilmersdorf an der Barstraße wurde zum Europatag 1972 von Reinhold Hommes geschaffen. Sie soll die Verbundenheit Wilmersdorfs mit seinen Partnerstädten symbolisieren.

Barstraße
Die Barstraße wurde bereits 1892 benannt, und sie erinnert wie der Fehrbelliner Platz und Hohenzollerndamm an die glorreiche Geschichte Preußens: Bei Bar-sur-Aube, einem Ort in Frankreich fand am 17. Februar 1814 während der Befreiungskriege eine Schlacht statt, in der Napoleon geschlagen wurde.

Wir gehen die Barstraße bis zur Berliner Straße und dort links bis zur Ecke Mannheimer Straße.
Berliner Straße
Diese Straße wurde 1888 benannt. Die damals selbständige Gemeinde Wilmersdorf benannte die Hauptausfallstraße Richtung Berlin nach der neuen Reichshauptstadt. Viele Orte im Berliner Umland machten es damals ebenso. Deshalb gibt es heute in Berlin so viele Berliner Straßen, was auf Auswärtige manchmal etwas merkwürdig wirken mag.

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ITDZ, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Berliner Straße 112-115 (Ecke Mannheimer Straße)
IT-Dienstleistungszentrum Berlin
Das ITDZ Berlin ist die Zentrale der Berliner Verwaltung für Informationstechnologie und Telekommunikation. IT steht also für Informationstechnologie und DZ für Dienstleistungszentrum. Alles was in der Berliner Verwaltung mit Computer, Internet und Telefon zu tun hat, wird von hier aus gesteuert. Ohne diesen Betrieb wäre die Verwaltung heutzutage praktisch lahm gelegt. Leider passiert das hin und wieder in bestimmten Bereichen, wenn wieder einmal ein Server ausfällt und zentrale elektronische Verfahren nicht funktionieren. 1969 wurde es als Landesamt für Elektronische Datenverarbeitung LED gegründet. 1991 fusionierte es mit dem Ost-Berliner Rechenzentrum und wurde umbenannt zum Landesamt für Informationstechnik LIT. 1994 erarbeitete das Landesamt das Telekommunikationskonzept zur ISDN-Vernetzung aller öffentlichen Einrichtungen des Landes Berlin. 1995 nahm das Landesamt das Hochsicherheitsrechenzentrum im ehemaligen Atombunker unter dem Rathaus Wilmersdorf in Betrieb.
Die Rechenzentren der Berliner Verwaltung wurden dort zentralisiert. Außerdem wurde das neue Berliner Landesnetz mit Glasfasertechnik eingerichtet.
1998 wurde das Landesamt in einen Landesbetrieb für Informationstechnik umgewandelt.
Seit dem 1. Januar 2005 ist der ehemalige Landesbetrieb für Informationstechnik eine Anstalt öffentlichen Rechts mit dem Namen IT-Dienstleistungszentrum Berlin. Heute ist das ITDZ Berlin ein Komplett-Anbieter für Dienstleistungen mit Hochgeschwindigkeitsnetz mit einem leistungsstarken Rechenzentrum und modernster Sicherheitstechnik.

Mannheimer Straße
1890 wurde die Straße nach der badischen Stadt benannt.
Seit dem 28.05.1962 ist Mannheim übrigens eine Partnerstadt vom Alt-Bezirk Charlottenburg.

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Beim Gedenkstein für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Bild: Bezirksamt

Mannheimer Str. 27
Gedenkstein für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Weil die Hausbesitzer sich weigerten, an ihrem Haus eine Gedenktafel für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anbringen zu lassen, hat das Bezirksamt am 15. Januar 1990 hier einen Granitstein verlegt mit der Aufschrift:

Letzter Zufluchtsort der
deutschen Revolutionäre
Rosa Luxemburg
Karl Liebknecht
vor ihrer Ermordung durch marodierende
Reichswehrtruppen am 15.1.1919

Dieser unscheinbare Ort war ein Wendepunkt der deutschen Geschichte. Möglicherweise wäre diese Geschichte ganz anders verlaufen, wenn Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hier nicht verhaftet worden wären.
Im November 1918 wurde Berlin zum Zentrum der deutschen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg. Wilmersdorf lag dabei eher am Rande der Ereignisse. Die bürgerliche und kleinbürgerliche Bevölkerungsmehrheit in dieser Wohnstadt für gehobene Bedürfnisse im Neuen Westen war mehr für Ruhe und Ordnung.
Auf die beiden Symbolfiguren der Revolution, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, richtete sich der ganze Hass der Kontras.
Seit Dezember 1918 hängen in der ganzen Stadt Plakate mit der Aufforderung an Arbeiter und Bürger: “Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben!”, unterzeichnet mit “Die Frontsoldaten”.
Am 15. Januar 1919 fanden die beiden – seit Wochen auf der Flucht – ihren letzten Unterschlupf hier in einer Wilmersdorfer Wohnung bei Frau Marcussohn, damals Mannheimer Straße 43, heute ist es die Nummer 27.
Alfred Döblin, der große Berlin-Autor, hat im vierten Band seines Romans über die deutsche Revolution das Schicksal der beiden unter dem Titel “Karl und Rosa” literarisch gestaltet. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg lassen sich hier von dem etwas dubiosen Kurier Werner dazu überreden, ihr Versteck in Neukölln zu verlassen und in Wilmersdorf unterzutauchen.
“In Neukölln erklärte am Montagmorgen Karl mutig, er plane falls sich im Laufe des Tages sonst nichts ereignete, am Nachmittag auf die Straße zu gehen. Warum auch nicht. Neukölln wäre die sicherste Gegend der Welt.
Alarm. Es wäre nichts mit dem schönen Spaziergang. Der neue Unterschlupf von Karl und Rosa sei entdeckt worden. So behauptet wenigstens Werner, der junge Kurier Karls, ein Soldat, dem er unbedingt vertraute… Rosa zweifelte: Wie solle das durchgesickert sein, sie hätten sich nicht aus der Wohnung gerührt, und keiner hätte sie heraufgehen sehen. Werner zuckte die Achseln und warnte bloß. Wenn sie es darauf ankommen lassen wollten – von ihm aus. Er hätte jedenfalls gewarnt.
“Lass gut sein, Rosa”, mischte sich Karl ein, “überlegen wir lieber, wohin die Reise gehen soll.”
Da stellte sich heraus, dass diesmal die Sekretärin den rettenden Engel spielen konnte. Sie trug in ihrer Tasche den Wohnungsschlüssel der R.s in Wilmersdorf bei sich, wo sie selber vorübergehend logiert hatte. Den Wohnungsschlüssel, sagte sie, hätte sie als Reserve bei sich behalten, für den Notfall. Die R.s wären zuverlässige USPD-Genossen.
Als Werner, der Kurier, das Wort Wilmersdorf hörte, stimmte er gleich zu. Wilmersdorf wäre sicher. Rosa war nicht der Meinung. Wilmersdorf wäre schlecht, Neukölln wäre viel besser, viel sicherer. Neukölln wäre viel zuverlässiger als alle USPD-Wohnungen in anderen Stadtvierteln.
Karl lachte bei diesem Streit: “Rosa ist eine zähe Kämpferin und eine konservative Natur.” Rosa wurde überstimmt und musste sich fügen.
Darauf wurde der Transport geregelt, in zwei Schüben, erst Karl mit der Sekretärin, die die Wohnung aufschloss, dann Rosa mit diesem Kurier, dem sie nur widerwillig folgte…
Rosa erklärte unterwegs dem Kurier offen, sie mache das nur Karls wegen mit, um mit Karl zusammenzubleiben. Ihr leuchte das Ganze nicht ein, und das bürgerliche Wilmersdorf behage ihr überhaupt nicht.
In der Wilmersdorfer Wohnung zeigte sich der Kurier Werner am Nachmittag noch einmal. Er hatte nichts zu berichten, aber er war gut gelaunt und versicherte Karl immer wieder, dass man es mit diesem Versteck wirklich gut getroffen hätte. Hier vermute sie niemand. Man suche sie überall.
Werner verlässt die Wohnung dann wieder.
Da klingelte es, gegen zehn. Man erwartete niemanden. Vielleicht Werner, der Kurier?
Es klingelte abermals und nochmal. Jetzt schlug man gegen die Wohnungstür: “Aufmachen, Polizei!”
Die Treppe des Hauses war ein kleiner Soldatentrupp heraufgestiegen, unter Führung des Leutnants L. und des Gastwirtes M. Der Wilmersdorfer Bürgerrat hatte sie geschickt.
Pieck, ein stämmiger, unerschrockener Mann, öffnete. Er wurde sofort beiseite gestoßen, und der Soldatentrupp drängte herein. Man nahm zuerst Pieck vor und fragte ihn wie er hieße. Er nannte seinen Namen.
Im Wohnzimmer saßen friedlich Karl und Rosa auf dem Sofa beieinander hinter dem Tisch. Alle Papiere waren rechtzeitig beiseite geschafft, die Rollen verteilt. Wer sie wären, wollte der Führer der Horde wissen. Karl zeigte sich erstaunt und stand auf. Was ihnen einfiele, hier einzudringen. Wer sie wären. Dies wäre seine Wohnung. Sie möchten sich legitimieren.
Sie antworteten, sie seinen vom Wilmersdorfer Bürgerrat geschickt und suchten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.
“Das ist meine Wohnung”, sagte Karl entschieden, “ich heiße R. Sie können die Wohnung durchsuchen. Hier ist niemand sonst. Außerdem hat der Wilmersdorfer Bürgerrat kein Recht, Leute in irgendeine Wohnung zu schicken. Ich werde die Polizei benachrichtigen.”

Aber die Soldaten ließen sich durch seinen Protest und seine Sicherheit nicht abhalten, seine Taschen zu durchsuchen. Und darauf hatte er sich in der Eile nicht vorbereitet. Sie fanden ein Taschentuch, gezeichnet mit seinen Initialen, und in der Brusttasche Briefe, gerichtet an Dr. Karl Liebknecht. Er ließ sich nicht beirren, er blieb dabei, der Wohnungsinhaber R. zu sein, den man hier unerhörterweise unterzöge. Es wäre Hausfriedensbruch.
Rosa wurde danach durchsucht. Es ging rasch mit ihr. Sie gab alles zu.
Man transportierte sie erst in einen Bierkeller, wo dieser “Bürgerrat” sein Hauptquartier hatte. Auf die telephonische Meldung des Leutnants befahl die Gardekavallerieschützendivision, die beiden ihrem Stab im Edenhotel vorzuführen.

Der Rest ist bekannt. Im Eden-Hotel an der Nürnberger Ecke Budapester Straße wurden die beiden schwer misshandelt, dem Hauptmann Pabst vorgeführt und dann im Tiergarten ermordet. Rosa Luxemburgs Leiche wurde erst Monate später im Landwehrkanal angeschwemmt.
Döblin hat die Vorgänge, soweit sie bekannt sind, ziemlich genau rekonstruiert. Ob die Wilmersdorfer Wohnung eine Falle war, wie es Döblins Darstellung nahelegt, oder ob die beiden von Wilmersdorfer Nachbarn denunziert wurden, das ist bis heute ungeklärt. Ebenfalls ungeklärt bleibt die Rolle von Wilhelm Pieck, der ebenfalls in der Wohnung war und verhaftet wurde, aber aus dem Eden-Hotel fliehen konnte. Fest steht, dass die Wilmersdorfer Bürgerwehr aktiv wurde und die beiden verhaftete.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren radikale Kommunisten, die eine Abspaltung der USPD von der SPD durchgesetzt hatten, aber im Gegensatz zu den späteren Führern der KPD Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck waren sie nicht bereit, sich den sowjetischen Vorstellungen von Kommunismus bedingungslos zu unterwerfen. Rosa Luxemburg kämpfte nicht nur für ihre kommunistischen Ideale, sondern auch für die Gleichberechtigung der Frau und für bürgerliche Ideale. Ihr berühmter Satz “Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.” wurde zum Leitsatz der Oppositionsbewegung in der DDR.

Link zu: Finkenkrug-Sonderschule, Foto: KHMM
Finkenkrug-Sonderschule, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Mannheimer Str. 21-22
Finkenkrug-Sonderschule für Geistigbehinderte
Die Finkenkrug- Schule ist eine Ganztagsschule für Schüler mit geistiger Behinderung im Alter von 6 bis 18 Jahren. 110 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt “Geistige Entwicklung” werden von 60 besonders qualifizierten Personen beschult, therapiert, erzogen und betreut. Viele Schüler haben zusätzliche Behinderungen, zum Beispiel in Form von Sprach-, Sinnes- und Körperbehinderungen, sozial- emotionale Störungen, Autismus, ADS usw..
Der Unterricht findet in Klassen mit 6 bis 8 Schülern statt. Diese Klassen sind eingeteilt in Schulstufen wie Eingangs-, Mittel-, Ober- und Abschlussstufe. In jeder Klasse arbeitet ein Team von einem Sonderschullehrer, einer Pädagogischen Unterrichtshilfe, einem Betreuer und einem Zivildienstleistenden. Zusätzliche Förderung erfahren die Schüler in Einzelstunden mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten. Logopäden und Sprachheillehrern.
Durch eine stark individuelle Förderung und den leistungsdifferenzierten Unterricht lernen die Schüler größtmögliche Selbstständigkeit. Ziel ist eine weitgehend selbstständige Lebensbewältigung und Integration in die Gesellschaft.
Darüber hinaus bietet die Finkenkrug- Schule ein Kurssystem, das den einzelnen Schüler unter Berücksichtigung einer individuellen Lernvoraussetzungen, seiner Begabungen und Vorlieben fördert.
Es gibt klassenübergreifende Lese-/ Schreibkurse, Computerkurse, die zum Beispiel zum Internetführerschein führen, nonverbale Kommunikation mit Sprachcomputern, eine Zeitungs-AG, die eine Schülerzeitung produziert, Fußball- und Schwimmtraining, einen Chor, Film-, Video- und CD- Projekte, Tanz- Ags, eine Theater- AG und vieles mehr.
Die Finkenkrug- Schule legt Wert auf eine Atmosphäre, in der Schüler ihre Leistungsfähigkeit in allen Bereichen unter Beweis stellen können. Die Schule bietet Lernen und Leben in zugewandter, fröhlicher Umgebung mit Pädagogen und Therapeuten, die aufgrund ihrer hohen Qualifikation und Erfahrung auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Schüler und Schülerinnen eingehen können.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welcher Freude hier gelernt und gearbeitet wird. Viele Projekte führen zu erstaunlichen Ergebnissen. Wir haben schon faszinierende Ausstellungen und Filme gesehen, die hier produziert wurden.

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Fennsee, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Fennsee
Der 650 Meter lange Fennsee ist Teil der Eiszeitrinne, die sich durch die Grunewaldseen, den Fennsee bis zum Volkspark Wilmersdorf zieht. Er dient als sogenannte Vorflut für die Straßenentwässerung. Jeden Sommer steht er wegen Sauerstoffmangel vor dem Kollaps und kann durch Sauerstoffmangel, Schwefelwasserstoffbildung und Fischsterben zur Naherholung nur noch eingeschränkt genutzt werden. Nicht zuletzt die starke Verschattung und die gewaltigen Laubmassen, die jeden Herbst in den See gelangen, tragen mit zu der schlechten Wasserqualität des Sees bei. Zur Verbesserung der Wasserqualität des Fennsees wird seit einem Jahr mit Geldern aus dem europäischen Umweltförderprogramm jetzt eine Teilentschlammung des Fennsees durchgeführt. Der vorhandene Grobfilter an der Wallenbergstraße wird zur effektiven Reinigung der eingeleiteten Straßenabwässer umgebaut. Dafür werden in die vorhandene bauliche Hülle des Grobfilters hochwirksame Lamellenfilter eingebaut. Damit wird erstmals ein Lamellenfilter für die Klärung von Straßenabwasser eingesetzt. Am Ufer wird Röhricht angepflanzt. Das Ergebnis dieses Umwelt-Pilotprojektes könnte auch auf andere innerstädtische Gewässer übertragen werden.

Barbrücke
Die Barbrücke über den Fennsee wurde bereits 1911-12 als Stahlbetonbrücke gebaut. 1934 erfolgte ein Neubau. Die Brücke ist 41 m lang und 22 m breit. In das steinerne 1,30 m hohe Brückengeländer auf beiden Seiten sind als Schmuckelemente kleine schwarze Vierecke gemeißelt. Benannt wurde die Brücke 1935 nach der Barstraße.
Wallenbergstraße
Die Wallenbergstraße wurde 1967 nach dem schwedischen Bankier und Diplomaten Raoul Wallenberg benannt. Er wurde 1912 in Stockholm geboren und starb vermutlich1947 in Moskau. Seit dem 9.7.1944 vertrat er Schweden als Diplomat in der Botschaft in Budapest und arbeitete gleichzeitig für den Kriegsflüchtlingsausschuss, der sich in den USA gebildet hatte. In dieser Funktion rettete er 1944 und 1945 mehr als 120.000 ungarischen Juden das Leben, indem er ihnen schwedische Schutzpässe ausstellte und sie vor der Deportation nach Auschwitz bewahrte. Er selbst überlebte zwei Mordanschläge durch ungarische Rechtsradikale. Als die sowjetischen Truppen am 17.1.1945 in Budapest eintrafen, wurde Wallenberg vom sowjetischen Geheimdienst wegen angeblicher Spionage verhaftet und nach Moskau gebracht. Seitdem ist er verschollen. In der KGB-Zentrale in Moskau existiert eine Todesurkunde von ihm, die auf den 17.7.1947 datiert ist und als Todesursache Herzversagen anführt. An der Echtheit dieses Dokuments gibt es Zweifel. Der US-Kongress ernannte Wallenberg 1981 zum Ehrenbürger der USA. Er war der zweite Nichtamerikaner nach Churchill, der diese Ehrenbürgerschaft erhielt.

Brabanter Platz
Der Brabanter Platz und die Brabanter Straße wurden 1911 nach der belgischen Provinz um die Hauptstadt Brüssel benannt.

Paretzer Straße
Die Paretzer Straße wurde 1888 benannt. Das Dorf Paretz ist heute Teil von Ketzin im brandenburgischen Landkreis Havelland.

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Im Sankt Gertrauden-Krankenhaus-Park, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Paretzer Str.12
Sankt Gertrauden Krankenhaus
1929 kam der Orden der Katharinenschwestern nach Wilmersdorf und weihte nach nur 15monatiger Bauzeit am 4.11.1930 mitten im Bezirk an der Nahtstelle zwischen dem alten Dorfkern und der neu entstandenen Rheingau-Siedlung ein Krankenhaus mit mehr als 580 Betten ein. Die Zeitungen beschrieben “ein wunderbares Werk helfender Nächstenliebe” und lobten die hochmoderne Architektur und Ausstattung, sowie die insgesamt sehr großzügige Anlage mit einem 25.000 Quadratmeter großen Park. Mit derzeit 410 Betten ist das Sankt Gertrauden Unfallkrankenhaus und Krankenhaus der Schwerpunktversorgung.
Ich freue mich, dass der Ärztliche Direktor, Prof. Günter Scholtes persönlich uns sein Haus vorstellt. (evtl. gemeinsam mit dem Verwaltungsdirektor Konrad Schülke)

Birger-Forell-Platz
Der Platz wurde 1981 nach dem schwedischen Pfarrer und Widerstandskämpfer Birger Forell benannt. An der schwedischen Kirche in der Landhausstraße erinnert eine Gedenktafel an ihn. Ihr Text lautet:

BIRGER FORELL
1929-42 Schwedischer Pfarrer in Berlin. Schützer und Retter vieler Verfolgter 1933-45
Helfer und Freund der deutschen Kriegsgefangenen in England
Er schuf die Deutsch-Schwedische Flüchtlingshilfe, um vertriebenen Bauern neue Heimat zu geben
Seiner Entschlossenheit ist die Gründung der Flüchtlingsstadt Espelkamp zu verdanken.

Birger Forell wurde 1893 in Söderhamn geboren. Er starb 1958 in Boras. 1929 bis 1942 war er schwedischer Gesandtschaftsprediger der 1903 gegründeten Viktoria-Gemeinde in Berlin, die ihre Kirche 1920-22 von Alfred Grenander an der Landhausstraße 26 hatte bauen lassen. Seit 1933 half er Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, besonders jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Er verhalf ihnen zur Ausreise, und manchmal versteckte er besonders gefährdete in der Kirche, bis die Ausreise möglich wurde. Außerdem organisierte er in Wilmersdorf Treffen zwischen Repräsentanten der Bekennenden Kirche und dem schwedischen und norwegischen Bischof. Im April 1942 wurde der Druck der Gestapo so stark, dass Birger Forell Berlin verlassen musste. Der Weltkirchenrat bestimmte ihn zum Seelsorger für deutsche Kriegsgefangene. Der begründete 1945 die Flüchtlingshilfe im Kreis Minden-Lübbeke in Nordrhein-Westfalen, die ab 1949 eine Siedlung bei Espelkamp errichtete. Birger Forell leitete sie von 1951 bis zu seinem Tod 1958.
Die Grundschule gleich um die Ecke an der Koblenzer Straße wurde 1963 nach Birger Forell benannt.

Hildegardstraße
Die Hildegardstraße wurde 1895 benannt. Für die Namensgebung gibt es zwei Erklärungen: Hildegard Schramm war die Tochter des Grundbesitzers Otto Schramm, über dessen Gelände die Straße führte. Die Theologin, Schriftstellerin und Komponistin Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 und war Äbtissin des von ihr gegründeten Benediktinerinnen-Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen. Von katholischen Gläubigen wird Hildegard von Bingen als Heilige verehrt. Deshalb ist es durchaus möglich, dass Hildegard Schramm ihren Vornamen Hildegard von Bingen zu verdanken hat. Dann stimmen beide Erklärungen.
Bis 1895 hieß diese Straße Seestraße, nach dem Wilmersdorfer See, an dem sie lag. Der See verlandete um 1920. Heute befindet sich an seiner Stelle im Zuge des Volksparks Wilmersdorf ein Sportplatz. Er war damals ein beliebtes Ausflugsziel. Der Wilmersdorfer Bauer und Grundstücksbesitzer Otto Schramm eröffnete um 1880 an seinem Ufer das Seebad Wilmersdorf. Einige Jahre danach siedelten sich rund um den See eine Reihe von großen Vergnügungslokalen mit großen Gärten an, darunter Schramms Biergarten und der Victoriagarten.
Otto Schramm lebte bis zu seinem Tod 1902 im Haus Hildegardstraße 12.
1980 wurde in der Hildegardstraße die Verkehrsberuhigung eingeführt. Es war die erste verkehrsberuhigte Straße in Berlin und eine der ersten in Deutschland.

Hildegardstr. 8-13b / Am Volkspark 53-73
1925-30 baute Jürgen Bachmann die Häuser des so genannten Schrammblocks. Es war der erste Wohnkomplex in Berlin mit Tiefgarage. Die Häuser haben Vorgärten und eine Hoffläche mit Terrasse. Man wohnt hier gewissermaßen im Grünen, denn alle Wohnungen haben Blick und Zugang zum Volkspark.

Link zu: Wohnanlage des Beamten-Wohnungsvereins, Foto: KHMM
Wohnanlage des Beamten-Wohnungsvereins, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hildegardstr. 19-22
Erich Köhn baute 1902-1903 die Wohnanlage Wilmersdorf des Beamten-Wohnungsvereins. Sie steht als Gesamtensemble unter Denkmalschutz. Der Beamten-Wohnungsverein zu Berlin war kurz zuvor im Jahr 1900 gegründet worden. Nach einer ersten kleinen Anlage in Steglitz war dies das zweite Bauprojekt des Vereins. Hier entstanden auf mehr als 14.000 Quadratmetern Fläche insgesamt 253 Wohnungen und Gewerberäume. Von der Hildegardstraße führt ein Privatweg ins Innere der Anlage, dessen gärtnerisch gestaltete Höfe damals nach ihrer Bepflanzung benannt wurden. 1980 wurden die Dächer grundlegend erneuert und die Fassaden instand gesetzt. Zum 100jährigen Jubiläum ihrer Siedlung im Jahr 2003 hat die Hausgruppe Wilmersdorf des Beamten-Wohnungs-Vereins eine schöne Festschrift herausgebracht.

Weimarische Straße
Die Straße wurde 1897 als “Weimarsche Straße” benannt. 1908 wurde dann das “i” eingefügt zu “Weimarische Straße”. Sie hat ihren Namen wohl nicht der Stadt Goethes und Schillers zu verdanken, sondern der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., die aus dem Fürstenhause Sachsen-Weimar stammte.

Link zu: Gedenktafel für Victor Klemperer, Foto: KHMM
Gedenktafel für Victor Klemperer, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Weimarische Str. 6a
Gedenktafel für Victor Klemperer
Die von dem Künstler Manfred Butzmann gestaltete Bronzetafel am Haus Weimarische Str. 6a, wurde von der Berliner Geschichts Werkstatt e.V. gestiftet und am 11.2.2003 enthüllt.

ICH WILL ZEUGNIS ABLEGEN BIS ZUM LETZTEN
In diesem Hause lebte und arbeitete von 1906 bis 1909
der Romanist, Literaturhistoriker und Publizist
VICTOR KLEMPERER
9. Oktober 1881 – 11. Februar 1960
Mit seinen Tagebüchern aus der Zeit
der nationalsozialistischen Diktatur
hinterließ er ein einmaliges Zeugnis über den Alltag
der Judenverfolgung in einer deutschen Großstadt.

Die Tagebücher von Victor Klemperer erzielten vor einigen Jahren in Deutschland Bestsellerauflagen, Victor Klemperer wurde zu einem der bekanntesten Zeitzeugen zum Alltag im Nationalsozialismus. Zu seiner Popularität hat viel beigetragen, dass sich bei ihm das oft ungläubige Staunen über die Brutalität der nationalsozialistischen Diktatur verbindet mit einer großen Liebe zu seiner deutschen Heimat. Auch dort, wo er persönlich betroffen war, suchte er noch wie ein nüchtern forschender Wissenschaftler nach Erklärungen.

Weimarische Str. 21
Marie-Curie-Gymnasium
Das Schulgebäude wurde 1913 bis 1916 von Otto Herrnring für das Vierte Städtische Lyzeum Wilmersdorf errichtet. Das Lyzeum war damals eine Oberschule für Mädchen. Es ist eine zweiflügelige 4geschossige Anlage mit Aula und Turnhalle im Ostflügel und Klassenräumen im Nordflügel. Als 1926 ein Lehrkindergarten und eine Frauenschule als Zweig des Oberlyzeums eingerichtet wurden, gab es einige Umbauten. 1937 wurde die Schule nach Bettina von Arnim benannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule durch Brandbomben stark zerstört. Sie wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1946 nach der Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie benannt. 1957 erhielt sie den Status eines Gymnasiums. 1977/78 wurde auf dem Ruinengrundstück an der Mainzer Straße 20 ein Anbau errichtet. Dort wurden der Fachbereich Kunst und die Gymnastikhalle untergebracht. Sechs Jahre dauerte die Instandsetzung von 1985 bis1990.
Weimarische Straße Ecke Detmolder Straße
Die Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan wurde am 12. November 1999, zwei Jahre nach ihrem Tod, enthüllt.
Da die Hauseigentümer mit einer Anbringung am Haus nicht einverstanden waren, wurde die Edelstahltafel in Form eines Pults auf dem Gehweg neben dem Haus aufgestellt

Hier lebte von 1938 bis 1945
die Tierärztin
MARIA GRÄFIN VON MALTZAN
25.3.1909 – 12.11.1997
Sie versteckte in ihrer Wohnung zwischen 1942 und1945
verfolgte Jüdinnen und Juden und ermöglichte ihnen
in Zusammenarbeit mit der schwedischen Kirche
und Widerstandsgruppen die Flucht aus Deutschland.

Auf dem Umschlag ihres Erinnerungsbuches ist sie abgebildet mit Zigarillo, den Blick voll gespannter Aufmerksamkeit nach vorn, in die Zukunft gerichtet. Über dem Foto der Buchtitel: “Schlage die Trommel und fürchte dich nicht!” Dieser Buchumschlag vermittelt uns den Eindruck einer starken Frau, die weiß, was sie will, unbeugsam, rebellisch, eine Widerspenstige, die sich nicht zähmen lässt.
Noch im hohen Alter von 80 Jahren betrieb sie eine Tierarztpraxis in Kreuzberg und fühlte sich wohl in der dortigen Punk-Szene. Sie war impulsiv, geradeheraus.
Diplomatie und Benimmregeln lagen ihr nicht. In der Nachkriegszeit reiste sie als Tierärztin mit Zirkusunternehmen durch die Lande. Sie war immer unangepasst und unbequem. Sie hielt das, was sie getan hat, wofür sie 1989 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet wurde für selbstverständlich.
Die hat ihren jüdischen Freund Hans Hirschel in ihrer kleinen Ladenwohnung hier in dem damaligen Haus Detmolder Straße 11 versteckt, und sie verhalf vielen anderen untergetauchten Juden zur Flucht. Sie hat dabei nicht nur einmal ihr Leben riskiert. Sie hat eng mit der schwedischen Victoriagemeinde in der Landhausstraße in Wilmersdorf zusammengearbeitet. Der dortige Pastor Perwe, Nachfolger von Birger
Forell in dieser Funktion, hat sie tatkräftig unterstützt. Die damalige deutsch-schwedische Zusammenarbeit, die von der Gräfin Maltzan organisiert wurde, erstreckte sich übrigens sogar auf staatliche Institutionen. Jedenfalls wusste der damalige schwedische Botschafter Arvid Richert Bescheid, und die deutschen Polizeiwachtmeister vom Revier Landhausstraße schauten weg und gingen sogar vereinzelt soweit, die Kirche zu warnen, wenn Gefahr drohte. So konnten eine Reihe von Untergetauchten, sie wurden damals “U-Boote” genannt, in den Kriegsjahren 1942 bis 1945 außer Landes gebracht und gerettet werden. Meist waren es übrigens Möbeltransporte, in denen die Flüchtlinge versteckt wurden.
Ähnlich wie Oskar Schindler musste die im gräflichen Schloss Militsch in Schlesien geborene Tierärztin Maltzan sich im Nachkriegsdeutschland mühsam durchschlagen. Erst Ende der 80er Jahre erhielt sie die verdiente Anerkennung, nachdem ihr Buch veröffentlicht worden war.
Nach Kriegsende heiratete sie ihren Freund Hans Hirschel. Die Ehe zerbrach bald, aber die beiden heirateten 1972 zum zweiten Mal und lebten bis zum Tod des Freundes und Ehemannes im September 1975 zusammen.
Der letzte Satz ihres Erinnerungsbuches lautet:
“In meiner schlesischen Heimat gibt es das schöne Wort ‘Besser kurz gelebt und gut’. Dem habe ich nicht entsprochen, aber eins kann ich sagen: Ich habe mich keine Minute gelangweilt”.

Detmolder Straße
Die Straße wurde 1911 benannt nach der Kreisstadt des Landkreises Lippe in Nordrhein-Westfalen.

Bundesplatz
Der Bundesplatz erhielt seinen Namen am 18.7.1950. Zuvor hieß er Kaiserplatz, so wie die Bundesallee früher Kaiserallee hieß.
1909 wurde der Kaiserplatz als Schmuckplatz angelegt. Er erhielt ein Mittelrondell mit Springbrunnen, drei Mittelflächen mit Zierbeeten und eine Randbepflanzung mit Laub- und Nadelgehölzen.
Der Schriftsteller Georg Hermann hat in seinem 1908 erschienen Roman “Kubinke” lebendig beschrieben wie dieser Platz und diese Straße damals aussah:
“Die Häuser ringsum waren alle vornehm und hochherrschaftlich. Da war keins, das nicht einen Giebel gehabt hätte, keins ohne Erker und ohne spitzige Türmchen und Dachreiter.
Etwelche waren ganz aus roten Ziegelsteinen ausgeführt, wie nordische Kirchen; und andere daneben schienen wieder nur aus Orgelpfeifen zusammengebunden zu sein. Und die Eckhäuser bekrönten stolze, hohe, vielseitig gerundete Kuppeln, Riesentintenfässer mit reichlichem Gold. Oder riesige Fußbälle lagen da plötzlich auf dem Dach. So vornehm und hochherrschaftlich war die Straße.
Und sie hatte etwa keine Gasbeleuchtung mehr, sondern hoch oben, an scharfgespannten Drähten, schwebten die riesigen Calvillen der Bogenlampen, mitten über dem Damm, hoch über dem niederen Netzwerk der Straßenbahnleitungen, ja fast über den vier Reihen von Ulmen und Linden, die, immer, immer kleiner werdend, rechts und links, soweit man nur sehen konnte, sich die Straße hinabzogen.
Auf dem Bürgersteig aber zeichneten sich im Winter und im ersten Frühjahr ganz fein, scharf und genau, die Schatten aller Äste, Zweige und Zweiglein ab. Später, im Frühling, Sommer und Herbst aber, wenn das Laub an den Bäumen war, ging man hier des Abends in einem schönen, mattgrünen Halblicht dahin, das sich nach den Häusern und Torwegen, sobald die Läden geschlossen waren und ihr Licht eingestellt hatten, in ein für die dort plaudernden Paare höchst angenehmes und schützendes Dunkel verwandelte.
Wer sollte zweifeln, dass es eine hochherrschaftliche Straße war”

So weit Georg Hermann in seinem Roman “Kubinke” über die damalige Kaiserallee. Heute könnten uns schon Zweifel ankommen, ob es sich bei der Bundesallee um eine hochherrschaftliche Straße handelt. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in der Nachkriegszeit nach dem städteplanerischen Leitbild der autogerechten Stadt neu aufgebaut. Sie wirkt wie eine Autobahn, und das Wohnviertel, durch das sie führt, wird von ihr in zwei Teile getrennt. Aber wenn irgendwo noch etwas zu erahnen ist von der alten hochherrschaftlichen Atmosphäre der Bundesallee, dann noch am ehesten hier am Bundesplatz.
Nach der Untertunnelung des Platzes 1967/68 gestaltete Karl Schmid den Platz neu. Die Gartenflächen wurden längs geteilt und an der Südspitze zusammengeführt, wo die Skulptur “Phoenix” von Bernd W. Blank aufgestellt wurde. Auf den Gartenflächen entstanden Spielplätze und ein Rosengarten.

Link zu: Winzerin am Bundesplatz, Foto: KHMM
Winzerin am Bundesplatz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Die Winzerin am Bundesplatz ist ein Geschenk der Familie des Bildhauers Friedrich Drake an den Stadtteil Wilmersdorf. Die marmorne Skulptur ist die Vergrößerung einer 1854 geschaffenen Kleinplastik. Sie wurde 1910 hier in der Grünanlage am Bundesplatz aufgestellt. 1968 wurde sie an ihren heutigen Standort am Straßenrand versetzt. Seit 1982 ist sie durch eine Steinreplik ersetzt, das Original befindet sich im Lapidarium.

Der nächste Treffpunkt:
12. August, 14:00 Uhr, U-Bahnhof Heidelberger Platz