123. Kiezspaziergang am 10.3.2012

Vom UCW zum Bundesplatz

Link zu: Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, 10.3.2012, Foto: KHMM
Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Treffpunkt: Vor dem UCW, Sigmaringer Str.1 Ecke Gasteiner Straße und Brandenburgische Straße (U-Bhf Blissestraße)
ca. 2,0 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 123. Kiezspaziergang. Am 8. März war Weltfrauentag. Deshalb geht es heute wie immer bei uns im März vor allem um Frauen. Und deshalb haben wir uns hier getroffen, vor dem Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf, abgekürzt UCW.

Link zu: Kartenskizze
Kartenskizze Bild: Bezirksamt

Ich möchte Ihnen im Verlauf unseres Spaziergangs bis zum Bundesplatz eine Reihe von bedeutenden Frauen unseres Bezirks vorstellen. Am Bundesplatz wollen wir dann zum Abschluss das Kino Bundesplatz-Studio besuchen, wo uns ein kleiner Filmbeitrag zum Equal Pay Day und eine Überraschung der Fair Trade Inititative in der Fair Trade Town Charlottenburg-Wilmersdorf erwartet.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie immer findet er am zweiten Samstag des Monats statt, also am 14. April ab 14.00 Uhr. Ich werde an diesem Tag nicht in Berlin sein. Deshalb wird mein Kollege, der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten, Marc Schulte, die Leitung übernehmen. Er will mit Ihnen vom Schloss Charlottenburg über die Charlottenburger Schleuse zur Siedlung Siemensstadt gehen, die 2008 von der UNESCO-Vollversammlung zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Treffpunkt wird am Samstag, dem 14. April um 14.00 Uhr vor dem Schloss Charlottenburg sein, direkt vor dem Haupteingang am Spandauer Damm gegenüber der Schloßstraße, erreichbar am besten mit der Buslinie M45.

Habermannplatz
Bevor nun unsere Gleichstellungsbeauftragte Christine Rabe und Unternehmerinnen aus dem UCW ihr Zentrum selbst vorstellen, möchte ich Ihnen kurz die Geschichte dieses Platzes und dieses Gebäudes erzählen. Wir befinden uns ja hier am Rande des früheren Dorfes Wilmersdorf. Das Zentrum des Ortes, die Dorfstraße, befand sich in der heutigen Wilhelmsaue. Die ersten Bauernhäuser wurden entlang der Wilhelmsaue gebaut. Als das Dorf sich dann im 18. und 19. Jahrhundert ausdehnte, entstand hier zwischen Berliner Straße und Gasteiner Straße eine zweite Reihe von Bauernhäusern.
Alte Wilmersdorfer nennen den Spielplatz hier an der Ecke Gasteiner Straße und Sigmaringer Straße “Knochenpark”. Die Gasteiner Straße hieß damals Kirchhofstraße, und hier befand sich der Friedhof des Dorfes. der heute Habermannplatz heißt,
1963 wurde der Platz benannt und eine Gedenktafel für Ernst Habermann enthüllt, auf der zu lesen ist:
“Ernst Habermann

  • 8.6.1866 + 6.6.1958
    Oberbürgermeister von Deutsch-Wilmersdorf
    von 1909 – 1920
    Gegenüber stand damals das Rathaus”

Habermann war seit 1897 Amts- und Gemeindevorsteher in Wilmersdorf und wurde nach der Verleihung der Stadtrechte am 1. Juli 1907 zum ersten Bürgermeister gewählt. Vom 5. Oktober 1909 bis zur Eingemeindung Wilmersdorfs nach Berlin 1920 war er erster und einziger Oberbürgermeister der Stadt Wilmersdorf. Der Titel war ihm von Kaiser Wilhelm II verliehen worden. Unter seiner Verantwortung entwickelte sich das Dorf zur Großstadt. Ein großer Teil der kommunalen Einrichtungen wurde damals geschaffen. Die meisten Wilmersdorfer Schulen beispielsweise stammen aus der Zeit zwischen 1895 und 1915.

Brandenburgische, Sigmaringer und Gasteiner Straße
Die Straßen hier erhielten ihre heutigen Namen 1888. Die Brandenburgische Straße hieß davor “Charlottenburger Weg”, denn dieser Weg führte von Wilmersdorf nach Charlottenburg.
Die Sigmaringer Straße hieß davor “Die kurze Trift”. Und die Gasteiner Straße hieß wie bereits erwähnt Kirchhofstraße, bevor sie nach dem österreichischen Kurort Bad Gastein benannt wurde.

Link zu: Am UCW, 10.3.2012, Foto: KHMM
Am UCW, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

UCW
Wir stehen vor dem Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf, abgekürzt UCW. Ursprünglich stand an dieser Stelle das dörfliche Armenhaus, 1894 wurde hier das Rathaus Wilmersdorf gebaut, 15 Jahre später die Feuerwache nebenan in der Gasteiner Straße. Das Rathaus Wilmersdorf war nicht viel größer als das Rathaus Schmargendorf.
Es wurde bereits um 1900 für das schnell wachsende Wilmersdorf zu klein. Wilmersdorf bekam 1906 Stadtrechte und hatte damals bereits 75.000 Einwohner, vier Jahre später 1910 schon mehr als 100.000. Ein neues, großes Rathaus sollte am nördlichen Fehrbelliner Platz, südlich des Preußenparks gebaut werden, dort wo sich heute der Parkplatz, Taxihalteplatz, Park-Café und Biergarten befinden. Der Erste Weltkrieg machte aber den Plänen ein Ende, und das Wilmersdorfer Rathaus hier an der Sigmaringer Straße 1 behielt seine Funktion auch nach der Bildung Groß-Berlins 1920. Hier war der Sitz des Bürgermeisters. Aber das Haus war natürlich viel zu klein. Deshalb wurde das Joachimsthalsche Gymnasium in der Kaiserallee, der heutigen Bundesallee, als zusätzliches “Stadthaus” genutzt. Im Zweiten Weltkrieg, 1944 wurde das alte Rathaus fast vollständig zerstört. Die übrig gebliebenen Akten wurden in das benachbarte Goethe-Gymnasium geschafft, die Ruine später abgerissen.
1954 zog das Bezirksamt Wilmersdorf in das Verwaltungsgebäude am Fehrbelliner Platz 4, das damit zum Rathaus Wilmesdorf wurde. 1955 wurde hier schließlich ein Verwaltungsgebäude für das Gesundheitsamt Wilmersdorf und die Bibliothek gebaut. 1997 wurde die Bibliothek nach Dietrich Bonhoeffer benannt.
Nach der Bezirksfusion von Charlottenburg und Wilmersdorf 2001 wurden die beiden Gesundheitsämter zusammengelegt und schließlich im Verwaltungsgebäude am Hohenzollerndamm 177 neben dem Rathaus Wilmersdorf untergebracht, so dass dieses Haus frei wurde.
Und nun konnte die alte Idee verwirklicht werden, ein Unternehmerinnennetzwerk zu gründen, in dem die Mieterinnen Serviceangebote gemeinsam nutzen können, um Synergieeffekte zu erzielen, Aufträge firmenübergreifend anzunehmen, gemeinsam Marketingstrategien zu entwickeln und sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen.
Am 15. Juli 2005 übernahm die Gesellschaft für Stadtentwicklung GSE das Haus, und am 1. August 2005 wurde das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf UCW. eröffnet. Anfang 2006 wurde in der 4. und 5. Etage das Atelierhaus Sigmaringer 1 mit 23. Künstlerinnen und Künstlern eröffnet.

Link zu: Christine Rabe und Reinhard Naumann, 10.3.2012, Foto: KHMM
Christine Rabe und Reinhard Naumann, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Im Zusammenhang mit einer Reihe von äußerst schmerzhaften Einsparungsbeschlüssen wegen einer Deckungslücke von jeweils rund 16 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr hat das Bezirksamt unter anderem auch beschlossen, dieses Haus mit dem UCW und der Bibliothek zum Verkauf an den Liegenschaftsfonds Berlin abzugeben unter der Bedingung, dass die gegenwärtige Nutzung bis 2018 auch durch einen künftigen Eigentümer fortgesetzt wird.
Ich verstehe gut, dass dieser Beschluss wie alle anderen Beschlüsse bei den Betroffenen nicht auf Begeisterung stößt. Trotzdem freue ich mich, dass zum Frauentag heute so viele Frauen gekommen sind, darunter auch unsere Gleichstellungsbeauftragte Christine Rabe, die ich herzlich begrüße. Sie ist für das UCW zuständig und hat an seiner Konzeption entscheidend mitgewirkt. Sie wird es uns jetzt vorstellen und dabei sicher unterstützt von Frauen, die das UCW nutzen.

Blissestraße
Die Blissestraße wurde 1947 nach der Grundbesitzerfamilie Amalie und Christian Blisse benannt. Zuvor hieß sie Steglitzer Weg (1856-1880), Steglitzer Straße (1880-1888), Augustastraße (1880-1937) und Stenzelstraße (1937-1947). Christian Blisse wurde 1823 in Wilmersdorf geboren, Amalie Blisse 1845. Er starb 1905, sie 1907 ebenfalls in Wilmersdorf. Die beiden betrieben Landwirtschaft und wurden reich durch Grundstücksverkäufe im Zuge der explosionsartigen Entwicklung Wilmersdorfs zur Großstadt seit den 1880er Jahren. Aus ihrem Besitz spendeten sie 3 Millionen Mark für die Errichtung eines Waisenhauses. Nach dem Tod der Stifterin wurde 1908 der Grundstein gelegt. 1911 war das Gebäude an der Wilhelmsaue Ecke Uhlandstraße bezugsfertig.

Blissestr. 6: Stolperstein für Marta Reichmann
Der 1947 in Berlin geborene Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat 1996 in Köln die ersten Stolpersteine verlegt, die im Gehweg vor dem früheren Wohnort an Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnern. Es sind 10 × 10 cm große aus Beton gegossene Steine mit eingelassener Messingtafel, in die der Künstler mit Hammer und Schlagbuchstaben “Hier wohnte”, Namen, Jahrgang und Stichworte zum weiteren Schicksal eines einzelnen Menschen einstanzt. Inzwischen haben wir in Charlottenburg-Wilmersdorf 1.400 Stolpersteine verlegt. Ein Verzeichnis aller Stolpersteine in Charlottenburg-Wilmersdorf finden Sie im Internet unter www.stolpersteine.charlottenburg-wilmersdorf.de.

Der Stolperstein für Marta Reichmann wurde am 29.3.2008 verlegt. Die Inschrift lautet.
HIER WOHNTE
MARTA REICHMANN GEB. JACOBOWITZ
JG. 1878
DEPORTIERT 11.7.1942
AUSCHWITZ ERMORDET

Link zu: Vor Blisse 14, 10.3.2012, Foto: KHMM
Vor Blisse 14, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Blissestr. 14: Blisse 1 4
Blisse 14 wurde 1980 als Sozialtherapeutisches Zentrum und Café für Behinderte und Nichtbehinderte gegründet. Bis 2007 wurde es von der Fürst-Donnersmark-Stiftung betrieben. Im Mai 2009 eröffnete die KOOP Dienstleistungsgesellschaft mbH nach einer umfangreichen Modernisierung als neuer Träger die Einrichtung neu als Restaurant und Veranstaltungsort für jedermann. Träger ist die Fürst-Donnersmark-Stiftung. Es gibt regelmäßig ein ausführliches Veranstaltungsprogramm

Link zu: Eva-Lichtspiele, 10.3.2012, Foto: KHMM
Eva-Lichtspiele, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Blissestr. 18: Eva-Lichtspiele
Eva-Lichtspiele ist eines der ältesten Kinos Wilmersdorf, auf jeden Fall das älteste der noch bestehenden Kinos. Es wurde 1914 als Ladenkino in einem Wohnhaus, gebaut und lief bis 1921 unter dem Namen Roland Lichtspiele. Die kleinteilige farbige Verplättelung der Fassade mit dem schwungvollem Namenszug stammt aus den 50er Jahren.
Heute hat das Kino 250 Plätze. Es ist eines der wenigen selbständigen Kinos, das nicht zu einem großen Kinokonzern gehört. Im Dezember 2006 übernahm Karlheinz Opitz das Kino als neuer Geschäftsführer. Gemeinsam mit Peter Latta und Martin Erlenmaier betreibt er auch das Bundesplatz-Kino.

Ecke Mannheimer Straße: Findling der Partnerstadt Forchheim
Der Findling stammt aus dem Partnerlandkreis Forchheim. Er wurde 1991 hier aufgestellt, als die Partnerschaft offiziell mit einer Urkunde besiegelt wurde. Der Landkreis Forchheim hatte bereits 1974 eine Patenschaft für Wilmersdorf aufgenommen. Das war in der Zeit des Kalten Krieges eine Geste der Fürsorge: Den West-Berliner Bezirken sollte damit deutlich gemacht werden, dass sie nicht vergessen waren. Aus der Unterstützung entwickelte sich eine lebendige Partnerschaft, so dass der Begriff Patenschaft bald nicht mehr zutraf. Dieser Stein symbolisiert die Stärke der Partnerschaft, die wir auch heute als Fusionsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf weiter pflegen.

Link zu: Friedrich-Ebert-Gymnasium, 10.3.2012, Foto: KHMM
Friedrich-Ebert-Gymnasium, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Friedrich-Ebert-Gymnasium
Das Friedrich-Ebert-Gymnasium wurde 1906 als Hindenburgschule eröffnet. Später erhielt es den Namen Treitschke-Schule, dann Fichteschule. Heute ist es ein Gymnasium mit mehr als 800 Schülerinnen und Schülern. Informatik wird hier als Abiturprüfungsfach angeboten, Englisch und Französisch als 1. oder 2. Fremdsprache, Latein in Kooperation mit dem Marie-Curie-Gymnasium.

Peter-A.-Silbermann-Abendgymnasium
Ebenfalls in dem Gebäude untergebracht ist die Peter-A.-Silbermann-Schule. Das älteste Abendgymnasium Deutschlands wurde 1927 gegründet. Es bietet kostenlosen Abendunterricht für Erwachsene an und führt zur Abiturprüfung.

Gedenktafel für Mildred Harnack-Fish
Die Edelstahltafel wurde am 6.7.2009 enthüllt. Sie wurde von Bernd Karl Vogel, Absolvent des Jahrgans 1963 der Peter-A.-Silbermann-Schule angeregt. Der Text lautet:
“Am ersten Abendgymnasium für Berufstätige in Deutschland,
der heutigen Peter-A.-Silbermann-Schule, war
Dr. Mildred Harnack-Fish
(16.9.1902 in Milwaukee, Wisconsin – 16.2.1943 Berlin)
von 1932 bis 1936 als Englischlehrerin tätig.
Mit ihren Schülern Karl Behrens, Bodo Schlösinger
und Wilhelm Utech
gehörte sie zum Widerstandskreis
um ihren Mann Arvid Harnack.
Im Herbst 1942 wurden
das Ehepaar Harnack und Karl Behrens verhaftet,
zum Tode verurteilt und später in Plötzensee ermordet.”
Wenn wir uns mit Menschen beschäftigen, die als jüdische Deutsche oder als Widerstandskämpfer verfolgt wurden, dann ist es oft geradezu erschütternd, zu sehen, wie sehr gerade sie Deutschland geliebt haben. Viele von ihnen haben es in ihren Werken dokumentiert, oder sie haben es privat und öffentlich formuliert: Deutschland war ihre Heimat, aus der sie nun verstoßen wurden. Das gilt auch für die in Milwaukee geborene Mildred Harnack-Fish. Sie lernte 1926 als Dozentin für deutsche Literatur in den USA den deutschen Juristen Arvid Harnack kennen und zog mit ihm 1929 nach Berlin.
Hier arbeitete sie als Übersetzerin, Universitätsdozentin und Lehrerin. Sie liebte nicht nur ihren Mann, sondern auch sein Land, und so war es für sie selbstverständlich, dass sie sich am Widerstand gegen das barbarische Nazi-Regime beteiligte, das im Begriff war, Deutschland zu zerstören. Bevor sie am 16. Februar 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde, waren ihre letzten Worte: “Und ich habe Deutschland so geliebt.”
Fennsee
Der 650 Meter lange Fennsee ist Teil der Eiszeitrinne, die sich durch die Grunewaldseen über den Fennsee und den Volkspark Wilmersdorf bis zum Rathaus Schöneberg zieht. In seiner jetzigen Form wurde er im Jahr 1903 als langgestrecktes, naturnahes Regenrückhaltebecken künstlich angelegt Seit 2006 wurde der Fennsee im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms umfassend saniert und mit einer modernen Filteranlage versehen, so dass die üblen Gerüche inzwischen der Vergangenheit angehören.
Das Taubenhaus wurde um 1990 aufgestellt.

Link zu: Birger-Forell-Platz, 10.3.2012, Foto: KHMM
Birger-Forell-Platz, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Birger-Forell-Platz
Der Platz wurde 1981 nach dem schwedischen Pfarrer und Widerstandskämpfer Birger Forell benannt. An der schwedischen Kirche in der Landhausstraße erinnert eine Gedenktafel an ihn. Ihr Text lautet:
BIRGER FORELL
1929-42 Schwedischer Pfarrer in Berlin. Schützer und Retter vieler Verfolgter 1933-45
Helfer und Freund der deutschen Kriegsgefangenen in England
Er schuf die Deutsch-Schwedische Flüchtlingshilfe, um vertriebenen Bauern neue Heimat zu geben
Seiner Entschlossenheit ist die Gründung der Flüchtlingsstadt Espelkamp zu verdanken.”

Birger Forell wurde 1893 in Söderhamn geboren. Er starb 1958 in Boras.
1929 bis 1942 war er schwedischer Gesandtschaftsprediger der 1903 gegründeten Viktoria-Gemeinde in Berlin, die ihre Kirche 1920-22 von Alfred Grenander an der Landhausstraße 26 hatte bauen lassen. Seit 1933 half er Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, besonders jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Er verhalf ihnen zur Ausreise, und manchmal versteckte er besonders gefährdete in der Kirche, bis die Ausreise möglich wurde. Außerdem organisierte er in Wilmersdorf Treffen zwischen Repräsentanten der Bekennenden Kirche und dem schwedischen und norwegischen Bischof. Im April 1942 wurde der Druck der Gestapo so stark, dass Birger Forell Berlin verlassen musste. Der Weltkirchenrat bestimmte ihn zum Seelsorger für deutsche Kriegsgefangene. Der begründete 1945 die Flüchtlingshilfe im Kreis Minden-Lübbeke in Nordrhein-Westfalen, die ab 1949 eine Siedlung bei Espelkamp errichtete. Birger Forell leitete sie von 1951 bis zu seinem Tod 1958.
Die Grundschule gleich um die Ecke an der Koblenzer Straße wurde 1963 nach Birger Forell benannt.

Hildegardstraße
Die Hildegardstraße wurde 1895 benannt. Für die Namensgebung gibt es zwei Erklärungen: Hildegard Schramm war die Tochter des Grundbesitzers Otto Schramm, über dessen Gelände die Straße führte. Die Theologin, Schriftstellerin und Komponistin Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 und war Äbtissin des von ihr gegründeten Benediktinerinnen-Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen. Von katholischen Gläubigen wird Hildegard von Bingen als Heilige verehrt. Deshalb ist es durchaus möglich, dass Hildegard Schramm ihren Vornamen Hildegard von Bingen zu verdanken hat. Dann stimmen beide Erklärungen.
Bis 1895 hieß diese Straße Seestraße, nach dem Wilmersdorfer See, an dem sie lag.
Der See verlandete um 1920. Heute befindet sich an seiner Stelle im Zuge des Volksparks Wilmersdorf ein Sportplatz. Er war damals ein beliebtes Ausflugsziel. Der Wilmersdorfer Bauer und Grundstücksbesitzer Otto Schramm eröffnete um 1880 an seinem Ufer das Seebad Wilmersdorf. Einige Jahre danach siedelten sich rund um den See eine Reihe von großen Vergnügungslokalen mit großen Gärten an, darunter Schramms Biergarten und der Victoriagarten.
Otto Schramm lebte bis zu seinem Tod 1902 im Haus Hildegardstraße 12.
1980 wurde in der Hildegardstraße die Verkehrsberuhigung eingeführt. Es war die erste verkehrsberuhigte Straße in Berlin und eine der ersten in Deutschland.

Hildegardstr. 16: Mägdefrauentheater
Von hier aus organisiert Maria Mägdefrau seit 1992 ihr Puppentheater. Mit ihren Stücken wie “Der kleine Prinz”, “Däumelinchen”, “Die Schöne und das Borstenkind” oder “Das tapfere Lenchen” tritt sie unter anderem im Theater Coupé, in der Schwartzschen Villa in Steglitz und in der Brotfabrik in Prenzlauer Berg auf.

Hildegardstr. 8-13b / Am Volkspark 53-73: Schrammbloc k
1925-30 baute Jürgen Bachmann die Häuser des so genannten Schrammblocks. Es war der erste Wohnkomplex in Berlin mit Tiefgarage. Die Häuser haben Vorgärten und eine Hoffläche mit Terrasse. Man wohnt hier gewissermaßen im Grünen, denn alle Wohnungen haben Blick und Zugang zum Volkspark.

Link zu: Beamtensiedlung, 10.3.2012, Foto: KHMM
Beamtensiedlung, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hildegardstr. 19-22: Beamtensiedlung
Erich Köhn baute 1902-1903 die Wohnanlage Wilmersdorf des Beamten-Wohnungsvereins. Sie steht als Gesamtensemble unter Denkmalschutz. Der Beamten-Wohnungsverein zu Berlin war kurz zuvor im Jahr 1900 gegründet worden. Nach einer ersten kleinen Anlage in Steglitz war dies das zweite Bauprojekt des Vereins. Hier entstanden auf mehr als 14.000 Quadratmetern Fläche insgesamt 253 Wohnungen und Gewerberäume. Von der Hildegardstraße führt ein Privatweg ins Innere der Anlage, dessen gärtnerisch gestaltete Höfe damals nach ihrer Bepflanzung benannt wurden. 1980 wurden die Dächer grundlegend erneuert und die Fassaden instand gesetzt. Zum 100jährigen Jubiläum ihrer Siedlung im Jahr 2003 hat die Hausgruppe Wilmersdorf des Beamten-Wohnungs-Vereins eine schöne Festschrift herausgebracht.

Weimarische Straße
Die Straße wurde 1897 als “Weimarsche Straße” benannt. 1908 wurde dann das “i” eingefügt zu “Weimarische Straße”. Sie hat ihren Namen wohl nicht der Stadt Goethes und Schillers zu verdanken, sondern der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., die aus dem Fürstenhause Sachsen-Weimar stammte.

Link zu: An der Gedenktafel für Victor Klemperer, 10.3.2012, Foto: KHMM
An der Gedenktafel für Victor Klemperer, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Weimarische Str. 6a: Gedenktafel für Victor Klemperer
Die Bronzetafel wurde von der Berliner Geschichts Werkstatt e.V. gestiftet und am 11.2.2003 enthüllt.
““ICH WILL ZEUGNIS ABLEGEN BIS ZUM LETZTEN
In diesem Hause lebte und arbeitete von 1906 bis 1909
der Romanist, Literaturhistoriker und Publizist
VICTOR KLEMPERER
9. Oktober 1881 – 11. Februar 1960 Mit seinen Tagebüchern aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur hinterließ er ein einmaliges Zeugnis über den Alltag der Judenverfolgung in einer deutschen Großstadt.”

Am 16. Mai 1906 heiratete Victor Klemperer die Konzertpianistin und Malerin Eva Schlemmer.
In seinen Erinnerungen „Curriculum Vitae“ schrieb er:
„Ende Juni begaben wir uns auf die Suche und fanden bald in Wilmersdorf, dicht am Kaiserplatz, in der Weimarischen Straße drei Zimmer, die uns sehr zusagten und im Vergleich zu unserer Berliner Behausung höchst komfortabel wirkten. Auch war die Straße erst einseitig bebaut, und der Blick ging ins Freie. Unter den vielen Neubauten der Gegend war das Haus Nr. 6a fast schon alt zu nennen; es war in allen Stockwerken vermietet und seit mindestens einem Jahr trocken gewohnt…. Also unterzeichnete ich noch am gleichen Tage den Wilmersdorfer Mietvertrag. … Drei Jahre haben wir in der Weimarischen Straße gewohnt. Die ganze Zeit über blieb uns die Freiheit des Blicks über Laubengelände und Felder unverbaut.“
Soweit Klemperers Notizen über diese Wohnung.
Nach 1933 brachte seine Frau die Tagebuchnotizen, die er als Loseblattsammlung führte, in regelmäßigen Abständen ihrer Freundin, Dr. Annemarie Köhler in Pirna, die sie versteckte. Eine Entdeckung durch die Gestapo bei den permanent drohenden Haussuchungen hätte fatale Folgen gehabt.
Nach dem Tod von Eva Klemperer am 8. Juli 1951 heiratete Klemperer 1952 die 45 Jahre jüngere Germanistin Hadwig Kirchner. Nach seinem Tod veranlasste sie die Herausgabe seiner Tagebücher.
Die Tagebücher von Victor Klemperer erzielten vor einigen Jahren in Deutschland Bestsellerauflagen, und Victor Klemperer wurde zu einem der bekanntesten Zeitzeugen zum Alltag im Nationalsozialismus. Zu seiner Popularität hat viel beigetragen, dass sich bei ihm das oft ungläubige Staunen über die Brutalität der nationalsozialistischen Diktatur verbindet mit einer großen Liebe zu seiner deutschen Heimat. Auch dort, wo er persönlich betroffen war, suchte er noch wie ein nüchtern forschender Wissenschaftler nach Erklärungen.

Weimarische Str. 21: Marie-Curie-Gymnasium
Das Schulgebäude wurde 1913 bis 1916 von Otto Herrnring für das Vierte Städtische Lyzeum Wilmersdorf errichtet. Das Lyzeum war damals eine Oberschule für Mädchen. Es ist eine zweiflügelige 4geschossige Anlage mit Aula und Turnhalle im Ostflügel und Klassenräumen im Nordflügel.
Als 1926 ein Lehrkindergarten und eine Frauenschule als Zweig des Oberlyzeums eingerichtet wurden, gab es einige Umbauten. 1937 wurde die Schule nach Bettina von Arnim benannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule durch Brandbomben stark zerstört. Sie wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1946 nach der Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie benannt. 1957 erhielt sie den Status eines Gymnasiums. 1977/78 wurde auf dem Ruinengrundstück an der Mainzer Straße 20 ein Anbau errichtet. Dort wurden der Fachbereich Kunst und die Gymnastikhalle untergebracht. Sechs Jahre dauerte die Instandsetzung von 1985 bis1990.

Link zu: An der Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan, 10.3.2012, Foto: KHMM
An der Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Weimarische Straße Ecke Detmolder Straße: Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan
Die Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan wurde am 12. November 1999, zwei Jahre nach ihrem Tod, enthüllt.
Da die Hauseigentümer mit einer Anbringung am Haus nicht einverstanden waren, wurde die Edelstahltafel in Form eines Pults auf dem Gehweg neben dem Haus aufgestellt:
“Hier lebte von 1938 bis 1945
die Tierärztin
MARIA GRÄFIN VON MALTZAN
25.3.1909 – 12.11.1997
Sie versteckte in ihrer Wohnung zwischen 1942 und1945
verfolgte Jüdinnen und Juden und ermöglichte ihnen
in Zusammenarbeit mit der schwedischen Kirche
und Widerstandsgruppen die Flucht aus Deutschland.”

Auf dem Umschlag ihres Erinnerungsbuches ist sie abgebildet mit Zigarillo, den Blick voll gespannter Aufmerksamkeit nach vorn, in die Zukunft gerichtet. Über dem Foto der Buchtitel: “Schlage die Trommel und fürchte dich nicht!” Dieser Buchumschlag vermittelt uns den Eindruck einer starken Frau, die weiß, was sie will, unbeugsam, rebellisch, eine Widerspenstige, die sich nicht zähmen lässt.
Noch im hohen Alter von 80 Jahren betrieb sie eine Tierarztpraxis in Kreuzberg und fühlte sich wohl in der dortigen Punk-Szene. Sie war impulsiv, geradeheraus. Diplomatie und Benimmregeln lagen ihr nicht. In der Nachkriegszeit reiste sie als Tierärztin mit Zirkusunternehmen durch die Lande. Sie war immer unangepasst und unbequem. Sie hielt das, was sie getan hat, wofür sie 1989 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet wurde für selbstverständlich.
Sie hat ihren jüdischen Freund Hans Hirschel in ihrer kleinen Ladenwohnung hier in dem damaligen Haus Detmolder Straße 11 versteckt, und sie verhalf vielen anderen untergetauchten Juden zur Flucht. Sie hat dabei nicht nur einmal ihr Leben riskiert. Sie hat eng mit der schwedischen Victoriagemeinde in der Landhausstraße in Wilmersdorf zusammengearbeitet. Der dortige Pastor Perwe, Nachfolger von Birger Forell in dieser Funktion, hat sie tatkräftig unterstützt. Die damalige deutsch-schwedische Zusammenarbeit, die von der Gräfin Maltzan organisiert wurde, erstreckte sich übrigens sogar auf staatliche Institutionen. Jedenfalls wusste der damalige schwedische Botschafter Arvid Richert Bescheid, und die deutschen Polizeiwachtmeister vom Revier Landhausstraße schauten weg und gingen sogar vereinzelt soweit, die Kirche zu warnen, wenn Gefahr drohte. So konnten eine Reihe von Untergetauchten, sie wurden damals “U-Boote” genannt, in den Kriegsjahren 1942 bis 1945 außer Landes gebracht und gerettet werden.
Meist waren es übrigens Möbeltransporte, in denen die Flüchtlinge versteckt wurden.
Ähnlich wie Oskar Schindler musste die im gräflichen Schloss Militsch in Schlesien geborene Tierärztin Maltzan sich im Nachkriegsdeutschland mühsam durchschlagen. Erst Ende der 80er Jahre erhielt sie die verdiente Anerkennung, nachdem ihr Buch veröffentlicht worden war.
Nach Kriegsende heiratete sie ihren Freund Hans Hirschel. Die Ehe zerbrach bald, aber die beiden heirateten 1972 zum zweiten Mal und lebten bis zum Tod des Freundes und Ehemannes im September 1975 zusammen.
Der letzte Satz ihres Erinnerungsbuches lautet: “In meiner schlesischen Heimat gibt es das schöne Wort ‘Besser kurz gelebt und gut’. Dem habe ich nicht entsprochen, aber eins kann ich sagen: Ich habe mich keine Minute gelangweilt”.

Mainzer Str. 16a: Stolpersteine
Die Stolpersteine für Siegfried und Natalie Lichtenstaedt und für Pera Sandberger wurden am 22.10.2009 verlegt.
Siegfried Lichtenstaedt, geboren am 27. Januar 1883 in Bromberg, und Natalie Lichtenstaedt geb. Sandberger, am 2. August 1889 in Czempin, wurden am 14. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet.
Pera Sandberger, geboren am 19. November 1885 in Czempin, wurde am 15. August 1942 nach Riga deportiert und dort nach Ankunft am 18. August 1942 ermordet.

Mainzer Str. 16: Stolpersteine
Die Stolpersteine für Antonie Folkmar, Klara Jonas, Hulda und Helene Sachs wurden am 29. September 2010 verlegt.
Antonie Folkmar geb. Levy am 05. Februar 1881 in Stargard, wurde am 14. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet.
Klara Jonas wurde am 11. November 1877 in Stargard geboren, sie wurde am 20. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 14. Oktober 1942 ermordet.
Hulde Sachs geborene Peiser am 04. August 1867 in Posen, wurde am 28. Mai 1943 nach Theresienstadt deportiert und wurde dort am 24. April 1944 ermordet.
Helene Sachs wurde am 5. Oktober 1894 in Pollnow geboren, sie wurde am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Bundesplatz: Winzerin
Die Winzerin ist ein Geschenk der Familie des Bildhauers Friedrich Drake an die damalige Stadt Wilmersdorf. Die marmorne Skulptur ist die Vergrößerung einer 1854 geschaffenen Kleinplastik. Sie wurde 1910 hier in der Grünanlage am Bundesplatz aufgestellt. 1968 wurde sie an ihren heutigen Standort versetzt. 1982 wurde sie durch eine Steinreplik ersetzt, das Original wurde im Lapidarium aufbewahrt, seit Mai 2009 in der Zitadelle Spandau, wo die Originalskulpturen restauriert werden, um sie danach wieder öffentlich zugänglich zu machen.

Link zu: Vor dem Haus Bundesplatz 2, 10.3.2012, Foto: KHMM
Vor dem Haus Bundesplatz 2, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bundesplatz 2: Stolpersteine
Die Stolpersteine für Jenny Süssmann, Margarete Wurmann, Martha Engel, Edith und Fritz Blumenfeld, Frieda Elisabeth Pinthus, Hedwig und Minni Rosenberg, Hedwig und Jacob Selig wurden am 7. Juni 2011 verlegt.
Jenny Süssmann, Margarete Wurmann, Martha Engel, Frieda Elisabeth Pinthus, Hedwig und Jacob Selig wurden am 18. Oktober 1941 mit dem ersten Deportationszug vom Bahnhof Grunewald nach Lodz (deutsch: Litzmannstadt) deportiert und am 8. Mai 1942 in Chelmno (deutsch: Kulmhof) ermordet.
Edith und Fritz Blumenfeld flohen 1936 nach Frankreich. Sie wurden dort verhaftet, am 4.11.1942 deportiert und in Auschwitz ermordet.
Hedwig Rosenberg wurde am 14.9.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 13.1.1943 ermordet. Ihre Tochter Minni Rosenberg wurde am 19.1.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Bundesplatz
Der Bundesplatz erhielt seinen Namen am 18.7.1950. Zuvor hieß er Kaiserplatz, so wie die Bundesallee früher Kaiserallee hieß.
1909 wurde der Kaiserplatz als Schmuckplatz angelegt. Er erhielt ein Mittelrondell mit Springbrunnen, drei Mittelflächen mit Zierbeeten und eine Randbepflanzung mit Laub- und Nadelgehölzen.
Der Schriftsteller Georg Hermann hat in seinem 1908 erschienen Roman “Kubinke” lebendig beschrieben wie dieser Platz und diese Straße damals aussah: “Die Häuser ringsum waren alle vornehm und hochherrschaftlich. Da war keins, das nicht einen Giebel gehabt hätte, keins ohne Erker und ohne spitzige Türmchen und Dachreiter.
Etwelche waren ganz aus roten Ziegelsteinen ausgeführt, wie nordische Kirchen; und andere daneben schienen wieder nur aus Orgelpfeifen zusammengebunden zu sein.
Und die Eckhäuser bekrönten stolze, hohe, vielseitig gerundete Kuppeln, Riesentintenfässer mit reichlichem Gold. Oder riesige Fußbälle lagen da plötzlich auf dem Dach. So vornehm und hochherrschaftlich war die Straße.
Und sie hatte etwa keine Gasbeleuchtung mehr, sondern hoch oben, an scharfgespannten Drähten, schwebten die riesigen Calvillen der Bogenlampen, mitten über dem Damm, hoch über dem niederen Netzwerk der Straßenbahnleitungen, ja fast über den vier Reihen von Ulmen und Linden, die, immer, immer kleiner werdend, rechts und links, soweit man nur sehen konnte, sich die Straße hinabzogen.
Wer sollte zweifeln, dass es eine hochherrschaftliche Straße war”
So weit Georg Hermann in seinem Roman “Kubinke” über die damalige Kaiserallee. Heute könnten uns schon Zweifel ankommen, ob es sich bei der Bundesallee um eine hochherrschaftliche Straße handelt.
Sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in der Nachkriegszeit nach dem Leitbild der autogerechten Stadt neu aufgebaut. Sie wirkt wie eine Autobahn, und das Wohnviertel, durch das sie führt, wird von ihr in zwei Teile getrennt.

Link zu: Skulptur Phoenix auf dem Bundesplatz, 10.3.2012, Foto: KHMM
Skulptur Phoenix auf dem Bundesplatz, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Der Bundesplatz wurde durch die Untertunnelung 1967/68 ebenfalls zweigeteilt. Karl Schmid gestaltete den restlichen Platz neu. Die Gartenflächen wurden längs geteilt und an der Südspitze zusammengeführt, wo die Skulptur “Phoenix” von Bernd W. Blank aufgestellt wurde. Auf den Gartenflächen entstanden Spielplätze und ein Rosengarten.
Im letzten Jahr entwickelte die Initiative Bundesplatz gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar unter Federführung des Stadtplaners und Architekten Prof. Wolfgang Christ und Prof. Harald Bodenschatz von der Technischen Universität Berlin Vorschläge zur Neugestaltung des Platzes, die auch eine Schließung des Tunnels vorsehen. Die Entwürfe wurden im Amerika-Haus ausgestellt.

Link zu: Bundesplatz-Studio, 10.3.2012, Foto: KHMM
Bundesplatz-Studio, 10.3.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bundesplatz 14: Kino Bundesplatz Studio
Das Kino wurde 1913 mit 230 Plätzen als Ladenkino in einem Wohnhaus erbaut. Es eröffnete unter dem Namen Lichtspiele Kaiserplatz. Später wurde es in Bundesplatz-Lichtspiele umbenannt. Nach geringen Kriegsschäden wurde das Kino bereits im Mai 1945 wieder eröffnet.
Nach dreimonatiger Generalüberholung eröffneten Karlheinz Opitz, Peter Latta und Martin Erlenmaier das Kino mit 90 Plätzen, Dolby Surround Technik und einem Café im Vorraum am 23.10.2011 neu. Die Kinomacher haben uns heute eingeladen und wollen uns auch etwas zeigen. Herzlichen Dank dafür.
Der Kino-Spot zum Equal Pay Day 2012 wird hier zum ersten Mal gezeigt. Es geht dabei um Lohngerechtigkeit für Frauen, die für gleiche Arbeit immer noch schlechter bezahlt werden als Männer.
Am 23. März 2012 ist der Tag, bis zu dem die Frauen in Deutschland über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer zu kommen Deswegen haben wir Unternehmen, Geschäfte, Restaurants und Cafés in Charlottenburg-Wilmersdorf dazu aufgerufen, Frauen an diesem Tag einen Rabatt von 23 Prozent einzuräumen. Die Liste der teilnehmenden Firmen finden Sie im Internet unter www.charlottenburg-wilmersdorf.de.

Am 9. Juni 2011 wurde unserem Bezirk der Titel “Fairtrade Town” verliehen. Die Initiative dafür hatte Judith Siller vom Weltladen A Janela in der Emser Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf. Ich danke ihr dafür und freue mich, dass sie heute nicht nur hierher gekommen ist, um uns ihr Projekt vorzustellen, sondern sie hat 200 rote Rosen mitgebracht und wird uns gleich selbst erzählen, woher diese Rosen kommen und was sie bedeuten.