120. Kiezspaziergang am 10.12.2011

Vom Sophie-Charlotte-Platz zum Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg

Start am Sophie-Charlotte-Platz, 10.12.2011, Foto: KHMM

Start am Sophie-Charlotte-Platz, 10.12.2011, Foto: KHMM

Bezirksstadtrat Klaus-Dieter Gröhler

Treffpunkt: Am U-Bahnausgang Sophie-Charlotte-Platz an der Schloßstraße Ecke Kaiserdamm
ca. 2,4 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 120. Kiezspaziergang beziehungsweise zu unserem zweiten Kiezspaziergang in der neuen Wahlperiode.
Bei unserem Kiezspaziergang im Dezember wollen wir natürlich etwas von der vorweihnachtlichen Atmosphäre in unserem Bezirk zeigen.

Kartenskizze

Kartenskizze

Deshalb haben wir uns heute als Ziel den Weihnachtsmarkt vor dem Schloss vorgenommen, wo uns der Veranstalter Tommy Erbe mit einer Überraschung erwartet.
Wir werden aber nicht den direkten Weg zum Schloss nehmen, sondern uns heute vor allem einmal die Gierkezeile anschauen mit dem früheren Charlottenburger Krankenhaus, der Alten Schule und der Luisenkirche auf dem Gierkeplatz. Dort erwartet uns gegen 15.30 Uhr Pfarrer Kunkel, der uns seine Kirche vorstellen wird. Wenn wir Glück haben, können wir dort sogar eine Probe für ein Weihnachtskonzert miterleben.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie immer findet er am zweiten Samstag des Monats statt, also am 14. Januar ab 14.00 Uhr. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann will dann mit Ihnen gemeinsam den Campus Daniel besuchen, ein Erziehungs- und Bildungszentrum, das rund um die Danielkirche entsteht. Start ist am Samstag, dem 14. Januar 2012, um 14.00 Uhr auf dem Fehrbelliner Platz vor dem Rathaus Wilmersdorf.
Wie immer ist die Teilnahme frei. Alle Informationen über die bisherigen Kiezspaziergänge finden Sie im Internet unter www.kiezspaziergaenge.de.

Sophie-Charlotte-Platz
Der Sophie-Charlotte-Platz wurde 1892 benannt nach der Namensgeberin von Charlottenburg, der preußischen Königin Sophie Charlotte, der Gemahlin von König Friedrich I. Die 1668 in unserer Partnerstadt Bad Iburg geborene Sophie Charlotte starb sehr früh im Jahr 1705. Und ihr zu Ehren wurden das damalige Schloss Liezenburg und die neu gegründete Stadt nach ihr benannt. Charlottenburg erhielt gleichzeitig, im Jahr 1705 Stadtrechte. Der Platz wurde 1910 mit Rasen, Rabatten, Hecken und Bäumen angelegt.

Kaiserdamm 1: Polizeipräsidium
Dieses Haus wurde 1906 bis 1910 von Oskar Launer und Kloeppel für das damalige Polizeipräsidium Charlottenburg gebaut. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Heute sind hier das Referat Umweltkriminalität des Landeskriminalamtes und der Polizei-Abschnitt 24 untergebracht.
Nach der Eingemeindung Charlottenburgs nach Berlin im Jahr 1920 wurde hier die Kriminalpolizei untergebracht, und in den 20er Jahren war dies der Sitz des von den Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft diffamierten Berliner Vizepolizeipräsidenten und Chefs der Kriminalpolizei Bernhard Weiß.
Am 11. Juli 2008 haben wir an dem Wohnhaus am Steinplatz 3, wo Bernhard Weiß bis zum März 1933 lebte, eine Gedenktafel enthüllt, die an ihn erinnert.

Vor einem Jahr, am 1. November 2010, haben Innensenator Körting und Polizeipräsident Gliedtsch auch hier am Haus des ehemaligen Polizeipräsidiums Charlottenburg eine Gedenktafel für Bernhard Weiß enthüllt, auf der sich auch ein Portrait des Geehrten befindet. Der Text lautet:
Bernhard Weiß
1880 Berlin – 1951 London
Polizeivizepräsident in Berlin
von 1927 bis 1932
Preußischer Jude – Kämpferischer Demokrat
In diesem Polizeigebäude wohnte
Dr. Bernhard Weiß während seiner Amtszeit.
Er gehörte zu den Wenigen, die sich dem
aufkommenden Nationalsozialismus
mit rückhaltlosem Einsatz entgegenstellten.

Bernhard Weiß wurde am 30. Juli 1880 in Berlin geboren. Sein Vater war Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in der Charlottenburger Fasanenstraße.
Nach dem Abitur im Jahr 1900 studierte Bernhard Weiß Rechtswissenschaften in Berlin, München, Freiburg und Würzburg, promovierte und absolvierte anschließend eine militärische Ausbildung zum Reserveoffizier.
Im Ersten Weltkrieg stieg er zum Rittmeister auf und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet. Im Sommer 1918 wurde er als Stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin in den Polizeidienst aufgenommen, 1925 wurde er Chef der Kriminalpolizei und 1927 Vizepolizeipräsident.
Weiß förderte gemeinsam mit seiner Frau Lotte auch die Kultur und war persönlich befreundet mit Künstlern wie Richard Tauber.
Als Mitglied der liberalen DDP engagierte er sich für die Demokratie der Weimarer Republik. Als Beamter der Republik griff er gegen Rechtsbrüche konsequent durch.
Nachdem Joseph Goebbels von Hitler Ende 1926 zum Berliner Gauleiter der NSDAP ernannt worden war, fand er in Bernhard Weiß seinen Hautgegner. Er veranstaltete unablässig Diffamierungskampagnen gegen ihn und nannte ihn wegen seiner jüdischen Herkunft immer nur “Isidor Weiß”. Besonders in der Hetzzeitung “Der Angriff” wurde Weiß ständig in Texten und antisemitischen Karikaturen diffamiert. Für Goebbel war Weiß ein ideales Opfer als Bürger jüdischer Herkunft und als Repräsentant der demokratischen Weimarer Republik, im Nazijargon “Vertreter des Systems”. Weiß wehrte sich und gewann gegen Goebbels mehr als 60 Prozesse. Goebbels war das egal. Er nutzte die Gerichtsverhandlungen als Bühne für seine Propaganda.
Als Vizepolizeipräsident machte Weiß keinen Unterschied zwischen rechts und links. Er bekämpfte die Pöbeltruppen der SA ebenso wie die Kampfformationen der Kommunisten, die der Weimarer Republik ebenfalls feindselig gegenüberstanden.
In der Berliner Bevölkerung und in der Polizei war Weiß sehr populär und geachtet. Liebevoll-despektierlich nannten sie ihn “Vipoprä”.
Nach dem “Preußenschlag” Papens 1932 verlor Weiß – wie die gesamte Regierung Preußens – sein Amt. Nach kurzer Haft wurde er freigelassen und lebte bis zum März 1933 in Berlin. Als die Nazis ein Kopfgeld auf ihn aussetzten, ermöglichten ihm Kollegen die Flucht. Weiß floh 1933 über Prag nach London, wo er 1951 kurz nach der Wiedererlangung seiner deutschen Staatsbürgerschaft im Alter von 70 Jahren starb.

Kaiserdamm und Bismarckstraße
Hier am Sophie-Charlotte-Platz wird die Bismarckstraße zum Kaiserdamm – oder umgekehrt. Der Kaiserdamm erhielt seinen Namen 1906 nach dem damaligen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Am 26 April 1967 wurde der Kaiserdamm in Adenauerdamm umbenannt. Aber nach vehementen Protesten der Bevölkerung erhielt er bereits am 15. Januar 1968 seinen alten Namen zurück. Ersatzweise wurde dann für Konrad Adenauer der Adenauerplatz am Kurfürstendamm gefunden.
Die Bismarckstraße erhielt bereits 1871 ihren Namen, im Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Heute wäre es wohl unvorstellbar, eine Straße nach einem Politiker zu benennen, der gerade Bundeskanzler geworden ist.
Die Bismarckstraße erhielt aber erst um 1900 ihre heutige Dimension.

Um die Jahrhundertwende entstand auf Initiative Berlins und des Militärs ein Verkehrsprojekt, das von Charlottenburg zunächst eher skeptisch betrachtet wurde: das “Heerstraßenprojekt”, eine geradlinige Prachtstraßenverbindung von Berlin durch den Tiergarten über Charlottenburg und das südliche Spandau bis zum Truppenübungsgelände bei Döberitz westlich von Spandau. Charlottenburg stimmte schließlich zu, nachdem es als Gegenleistung zu einem günstigen Preis Gelände südlich und südwestlich des Reichskanzlerplatzes (heute Theodor-Heuss-Platz) erwerben konnte, unter anderem das heutige Messegelände. 1902 wurden schließlich alle Häuser an der Südseite der Bismarckstraße abgerissen, um die Straße zu verbreitern und über den Kaiserdamm zur Heerstraße zu verlängern. Unter anderem entstand durch diesen Abriss auch der Bauplatz für das Schiller Theater.
Für die Nationalsozialisten wurde dieser Straßenzug zur Ost-West-Achse, die als riesige Paradestraße ausgebaut werden sollte und teilweise auch ausgebaut wurde. Beispielsweise wurden die beiden Flügel des Charlottenburger Tores an der heutigen Straße des 17 Juni (damals Charlottenburger Chaussee) auseinander gezogen, um Platz zu schaffen. Albert Speer selbst hat die Straßenlampen entworfen, die noch heute entlang des Straßenzuges stehen.

Kaiserdamm 118, 10.12.2011, Foto: KHMM

Kaiserdamm 118, 10.12.2011, Foto: KHMM

Kaiserdamm 118 (Ecke Kaiserdamm und Suarezstraße)
Das Wohnhaus wurde 1907/08 von Hermann Heider gebaut. Es steht unter Denkmalschutz und wurde 1990 restauriert. Es ist ein mehrgeschossiges Mietshaus im Stil der Neorenaissance mit einer kolossalen Giebelfront, einer mit Mosaiken verzierten Ladenzone, einem über dem Eingangsportal auf mächtigen figürlichen Konsolen ruhenden Erker, sowie weiteren, grau verputzten Erkern.
Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen Offiziere der Roten Armee in die bis zu 400 qm großen Wohnungen.

Bismarckstr. 69: Gedenktafel für Aleksandr Dovzenko
An dem Haus Bismarckstraße 69 erinnert eine Gedenktafel in den Sprachen Deutsch und Ukrainisch mit einem Portrait des Künstlers an den ukrainischen Filmregisseur Aleksandr Dovzenko. Er lebte von 1894 bis 1956 und wurde mit Filmen wir “Arsenal” (1929), “Erde” (1930) und “Iwan” (1932) bekannt.
Der Tafeltext lautet:
In diesem Hause
wohnte 1922-1923
der berühmte
ukrainische
Filmregisseur und
Schriftsteller
Aleksandr Dovzenko

Bosch-Haus, 10.12.2011, Foto: KHMM

Bosch-Haus, 10.12.2011, Foto: KHMM

Bismarckstr. 71: Bosch-Haus
In diesem Jahr feiert die Firma Bosch den 125-jährigen Gründungstag des Unternehmens und den 150. Geburtstag des Unternehmensgründers Robert Bosch. Er wurde am 23. September 1861 in Albeck bei Ulm geboren und starb am 12. März 1942 in Stuttgart. Am 15. November 1886 eröffnete er in Stuttgart mit einem Gesellen und einem Lehrling eine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“, die heutige Robert Bosch GmbH. Vor allem mit dem Magnetzünder für Benzinmotoren hatte er großen Erfolg und konnte 1910 die erste Fabrik in den USA eröffnen.
Sein sozialpolitisches Engagement brachte ihm den Beinamen “Der rote Bosch” ein.
Er führte bereits 1906 als einer der ersten in Deutschland den Achtstundentag ein und kümmerte sich intensiv um die gerechte Bezahlung, Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter.
Im Ersten Weltkrieg verdiente Bosch viel Geld mit dem Verkauf seiner Produkte. Unter anderem gründete er damit soziale und bildungspolitische Stiftungen
Robert Bosch ließ dieses Gebäude während des Ersten Weltkriegs 1916/17 von Richard Bielenberg und Josef Moser bauen und richtete sich eine kleine Wohnung ein. Heute ist es die Berliner Repräsentanz der Robert Bosch GmbH mit einem Büro der Robert Bosch Stiftung.
Der fünfgeschossige Mauerwerksbau wurde mit Muschelkalkplatten verblendet. Unter dem mächtigen Walmdach befindet sich zur Bismarckstraße ein Dreiecksgiebel. Die Fensterreihen sind bandartig zusammengefasst und vertikal durch Pfeilervorlagen geteilt. Historisierender Figurenschmuck betont den repräsentativen Charakter des Hauses.
Am Schnittpunkt der beiden straßenseitigen Fassaden ist die Ecke eingezogen. Davor befindet sich ein niedrigerer konvexer Vorbau. 1950 wurden die Schaufenster umgebaut. Von 2000 bis 2002 wurde das Haus zur Repräsentanz des Unternehmens Bosch in der deutschen Hauptstadt ausgebaut und umfangreich modernisiert – natürlich unter strenger Mitwirkung des Denkmalschutzes. Vor allem bei Dunkelheit erstrahlt das Haus und stellt einen auffälligen Blickfang dar.
Leider können wir das Haus nicht besichtigen. Es ist heute geschlossen, und es erschien der Geschäftsführung und dem Betriebsrat zu aufwändig, extra für uns einen Mitarbeiter anreisen zulassen, der uns das Haus geöffnet hätte. Ich kann Ihnen nur raten, es einmal zu besuchen. Es ist auch im Inneren sehenswert, und hier gibt es immer wieder interessante kulturelle Veranstaltungen der Bosch-Stiftung.
In einer Broschüre, die zur Renovierung des Hauses herausgegeben wurde, heißt es:
“Mit neuem Nutzungskonzept präsentiert sich das ehemalige Bosch-Verkaufshaus nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten in neuem Glanz. Als Repräsentanz Berlin bietet das historische Gebäude Büroflächen für rund 180 Mitarbeiter des Unternehmens sowie attraktive Veranstaltungsräume mit besonderer Atmosphäre. Sie ist geprägt durch die Verbindung “traditionell Neu”.
Kein anderes Gebäude in einem unserer rund 250 Fertigungsstandorte weltweit vereinigt in dieser Weise nebeneinander Tradition und Neues, spiegelt in dieser Weise Zukunftsorientierung und Tradition und birgt traditionelle Neuerungen, die bis auf den Firmengründer zurückgehen.
Deswegen haben wir das Motto “traditionell Neu” über die Renovierung der Bosch Repräsentanz in Berlin gestellt.”

Kaiser-Friedrich-Straße
Die Kaiser-Friedrich-Straße wurde 1892 benannt nach Friedrich III, dem Sohn Kaiser Wilhelms I. Er war 1888 für 100 Tage Deutscher Kaiser. Sein Nachfolger im gleichen Jahr, dem sogenannten Dreikaiserjahr, war Wilhelm II.
Die Kaiser-Friedrich-Straße verläuft teilweise entlang dem früheren berüchtigten “Schwarzen Graben”, und sogar in den 1980er Jahren gab es bei einigen Häusern noch Probleme wegen dem morastigen Untergrund.

Denkmal für Kinder im Straßenverkehr, 2.12.2011, Foto: KHMM

Denkmal für Kinder im Straßenverkehr, 2.12.2011, Foto: KHMM

Denkmal für im Verkehr verunglückte Kinder
Hier starb am 23. März 2004 der neunjährige Dersu Scheffler durch einen rechts abbiegenden Lastkraftwagen, der den radfahrenden Jungen trotz grüner Fußgänger- und Fahrradampel übersehen hatte.

Die Bildhauerin Rachel Kohn hat eine etwa drei Meter hohe Stele angefertigt, und der Keramik-Künstler Michael Stürenburg hat eine Platte mit einem von Dersu Scheffler gemalten Bild erstellt. Beides bildet ein künstlerisches Ensemble, das die Erinnerung an die viele unschuldige Opfer wach halten soll. Es ist das bundesweit erste Denkmal für Kinder im Straßenverkehr.
Verantwortlich für die Realisierung des Denk- und Mahnmals für verletzte Kinder im Straßenverkehr war eine Initiative von Künstlerinnen, Künstlern und Aktiven des “Kiezbündnisses Klausenerplatz”. Finanziert wurde das Denkmal durch Spenden von Einzelpersonen, Gewerbetreibenden und Unternehmen. Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützten die Initiative bei der Errichtung des Denkmals.

Dersu Scheffler war laut Statistischem Bundesamt eines von 37285 Kindern unter 15 Jahren in Deutschland, das 2004 bei Straßenverkehrsunfällen verunglückte. 153 Kinder wurden wie er tödlich verletzt, 6577 Kinder wurden schwer und 30555 leicht verletzt. Presse und Politik nahmen den Tod Dersu Schefflers zum Anlass, bessere und EU-weite Sicherheitsstandards einzufordern.

Finanzamt Charlottenburg, 7.12.2011, Foto: KHMM

Finanzamt Charlottenburg, 7.12.2011, Foto: KHMM

Bismarckstr. 48: Finanzamt Charlottenburg
Das Gebäude für das Finanzamt Charlottenburg steht unter Denkmalschutz. Es wurde in der Zeit des Nationalsozialismus 1936-39 von den Architekten Brucker und Keppler errichtet. Damals war es das größte Finanzamt Berlins. Es besteht aus einem repräsentativen Haupttrakt in der Bismarckstraße, einem Mittelflügel und einem rückwärtigen Gebäudeflügel an der Spielhagenstraße. Ein monumentaler Akzent wurde mit der über drei Geschosse reichenden Portalnische am Haupteingang gesetzt. Vier kantige Muschelkalkpfeiler markieren diesen Bereich.

Reichsadler über der Eingangstür zum Finanzamt Charlottenburg, 7.12.2011, Foto: KHMM

Reichsadler über der Eingangstür zum Finanzamt Charlottenburg, 7.12.2011, Foto: KHMM

Auf Facebook existiert eine Seite, in der gefordert wird, den Reichsadler über der Eingangstür als nationalsozialistisches Zeichen zu entfernen. Das frühere Hakenkreuz werde nur mühsam durch die Hausnummer verdeckt. Die Aufforderung hat in Facebook bisher 30 Anhänger gefunden.
Auf einer anderen Seite im Internet heißt es dazu:
“Das wäre der falsche Weg. Natürlich haben damals die Befreier alle Symbole des widerlichen Naziregimes im Boden zerstampfen mögen. Heute kann man solche Relikte nutzen, um Auseinandersetzungen mit Kontinuitäten und Erinnerungen an authentischen Orten zu provozieren. Also weg mit der verdeckenden Leuchte, das Hakenkreuz gezeigt und die Behörde in die Pflicht genommen, wie sie nicht nur ihre Naziarchitektur erklärt, sondern auch drüber informiert, welche Rolle die Finanzämter bei der bürokratisch organisierten Beschlagnahme jüdischen Eigentums gespielt haben.”

Wilmersdorfer Str. 141 Ehem. Neuapostolische Kirche
Die 1830 in Schottland gegründete Neuapostolische Kirche gründete 1899 eine Gemeinde in Charlottenburg und baute 1909 hier auf einem großen Hofgelände an der Wilmersdorfer Straße ihre eigene Kirche. Ein roter Klinkerbau mit hohen Giebelfronten nach Norden und Westen wurde mit einem nach Süden gerichteten Anbau versehen. An der westlichen Giebelfront befindet sich ein sandsteinernes Hauptportal in neoromanischem Stil Die Neuapostolische Gemeinde musste diese Kirche im Juli 2007 verkaufen.
Jetzt existieren in unserem Bezirk noch drei Gemeinden der Neuapostolischen Kirche: Charlottenburg in der Wernigeroder Straße 10, Schmargendorf in der Warnemünder Straße 3 und Wilmersdorf in der Ravensberger Straße 15.

Rogacki, 10.12.2011, Foto: KHMM

Rogacki, 10.12.2011, Foto: KHMM

Wilmersdorfer Str. 145/146: Rogacki
Die 1928 im Wedding gegründete Räucherwarenhandlung zog 1932 als erste Charlottenburger Aal- und Fischräucherei in die Wilmersdorfer Straße. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft wieder aufgebaut, Das Sortiment wurde mit Wild, Geflügel, Fleisch- und Wurstwaren erweitert. Später kamen eine Käseabteilung, eine eigene Bäckerei und Gourmetstände hinzu. Rogacki wird als Familienbetrieb in der dritten Generation geführt. Nach wie vor ist die Herstellung von geräuchertem Fisch die Spezialität des Unternehmens. Die Fischabteilung bietet täglich frisch ca. 70 Sorten frischen sowie lebende Fische an. Rogacki ist längst eine Berliner Institution und ein Begriff für Feinschmecker.

Spielhagenstraße
Die Spielhagenstraße wurde 1902 nach dem Schriftsteller Friedrich Spielhagen benannt. Er wurde 1829 in Magedeburg geboren, verlebte seine Kindheit in Stralsund und arbeitete bis 1860 in Leipzig als Gymnasiallehrer. Dann schrieb er für die populäre Zeitschrift “Gartenlaube”, kam nach Berlin und wurde hier als freier Schriftsteller zu einem der führenden Vertreter des literarischen Berlins und zu einem der erfolgreichsten Romanciers der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Zu seinen erfolgreichsten Romanen gehören “Hammer und Amboß” 1869 und “Sturmflut” 1877. Zuletzt lebte er unweit von hier in Charlottenburg in der Kantstraße 165. Dort wurde 1988 eine Gedenktafel für ihn enthüllt mit dem Text:
In dem hier vormals stehenden Hause
wohnte und arbeitete
in seinen letzten Lebensjahren
FRIEDRICH SPIELHAGEN
24.2.1829-25.2.1911
Schriftsteller, Verfasser sozialkritischer Romane

Gierkezeile
Diese Straße ist eine der ältesten Straßen Charlottenburgs. Sie hieß bis 1824 “Brettergasse”, danach bis 1950 “Kirchstraße”. Dann wurde sie benannt nach Anna von Gierke. Sie lebte von 1874 bis 1943. Sie war die Tochter des Juristen Otto von Gierke.
Sie wurde von den Nationalsozialisten als “Halbjüdin” definiert, hatte als Leiterin eines Jugendheimes enge Kontakte zur Bekennenden Kirche. Bei einem Verhör durch die Gestapo im November 1942 musste sie sich verpflichten, keine literarischen Abende mehr durchzuführen.

Spielplatz “Villa Kunterbunt”

Ehem. Krankenhaus Charlottenburg, 10.12.2011, Foto: KHMM

Ehem. Krankenhaus Charlottenburg, 10.12.2011, Foto: KHMM

Gierkezeile 5-11: Ehemaliges Städtisches Krankenhaus
Das zurückgesetzte Hauptgebäude aus gelben Ziegeln baute Gustav Knoblauch 1865-1867 als Städtisches Krankenhaus Charlottenburg reich verziert mit Türmchen und Erkern. Paul Bratring fügte 1890-1892 ein Verwaltungsgebäude und eine Leichenhalle hinzu. Der eingeschossige fast quadratische Ziegelsteinbau mit Giebeln und kleinen Türmchen an der Gierkezeile 9 wurde als OP-Trakt genutzt.
Von 1991 bis März 2008 war hier das Haus des Säuglings untergebracht, eine bezirkliche Einrichtung zur Betreuung von Mutter und Kind rund um die Geburt.

Das alte Krankenhaus ist Bestandteil des Altstadtpfades Charlottenburg. Die Tafel 4 informiert über den Gebäudekomplex.
Heute ist in dem Haus eine Filiale des Instituts für angewandte Gerontologie untergebracht, eine Ausbildungseinrichtung für Alten-Pflegerinnen und –Pfleger, anders gesagt eine Berufsfachschule für Altenpflege. Das Haupthaus befindet sich unweit von hier in der Haubachstraße 8.

Gierkezeile 13: Landeskirchliche Gemeinschaft e.V.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in Deutschland zahlreiche Landeskirchliche Gemeinschaften innerhalb der evangelischen Kirche.
Laien und evangelische Pfarrer wollten die Kirche erneuern und schlossen sich zu Landeskirchlichen Gemeinschaften zusammen. Aktuell zählt die Gemeinschaftsbewegung in Deutschland etwa 300.000 Mitglieder. Die Gemeinschaftsbewegung versteht sich als eine geistliche Bewegung innerhalb der evangelischen Landeskirchen und ging aus dem innerkirchlichen Pietismus hervor. Sie ist keine eigenständige Kirche und vertritt auch keine Sonderlehren. Oft arbeiten die Mitarbeiter der Gemeinschaften neben ihrer Gemeinschaft auch in ihrer Kirchengemeinde mit.

Thrasoltstraße

Wilmersdorfer Straße
Schon 1794 ist der Name “Wilmerdorfer Weg” nachgewiesen, seit 1824 “Wilmersdorfer Straße”, benannt nach der Richtung: Die Straße führt von Charlottenburg nach Wilmersdorf. Über diesen Weg ging schon im Mittelalter der Wilmerdorfer Pfarrer, der bis 1708 die Pfarrei Lietzow mitversorgen musste. Das Dörfchen Lietzow befand sich dort wo heute hinter dem Rathaus Charlottenburg die Straße Alt-Lietzow noch daran erinnert. Es wurde 1720 in die Stadt Charlottenburg eingemeindet.
Die Wilmersdorfer Straße hat drei sehr unterschiedliche Abschnitte: Südlich zwischen Kurfürstendamm und Krumme Straße ein Teil der Kudamm-City, dann in der Mitte bis zur Schillerstraße die Einkaufs-Fußgängerzone mit Kaufhäusern und Läden, und hier im nördlichen Bereich bis zur Otto-Suhr-Allee eine Einkaufsstraße im Kiez mit vielen traditionellen Geschäften.

Wilmersdorfer Ecke Haubachstraße, 10.12.2011, Foto: KHMM

Wilmersdorfer Ecke Haubachstraße, 10.12.2011, Foto: KHMM

Haubachstraße
Die Kreuzung Wilmersdorfer Straße und Haubachstraße ist wohl eine der stadthistorisch interessantesten Straßenkreuzungen in Berlin überhaupt. Diese Ecke ist ein erstaunliches Zeugnis der Entwicklungsgeschichte der Altstadt Charlottenburg. Hier sind Gebäude aus den verschiedensten bauhistorischen Epochen auf engstem Raum versammelt. In den vier Eckhäusern spiegeln sich die unterschiedlichen Bauformen wider, und es ist als außerordentlicher Glücksfall zu bezeichnen, dass die Gebäude im Rahmen der Erneuerung in oft mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt werden konnten.
Das älteste Gebäude ist das einstöckige Eckhaus Haubachstr. 13 / Wilmersdorfer Str. 18. Es ist vor 1823 zu datieren und entspricht der ursprünglichen Bebauung um 1705, für die Eosander von Göthe ein barockes Modellhaus entworfen hat. Es ist damit ein Beispiel für die frühen, eingeschossigen Ackerbürgerhäuser.
Bedingt durch die gewerbliche Nutzung gab es diverse Ladenumbauten und Fassadeneingriffe. Das Haus ist in Privatbesitz und wird leider derzeit nicht genutzt.
Direkt im Anschluss befinden sich nach beiden Seiten zweistöckige Häuser aus der Zeit unmittelbar vor dem Bauboom um 1890, in dem die fünfstöckigen Mietskasernen entstanden. Die Wilmersdorfer Straße 18 wurde 1865, die Haubachstraße 15 1880 erbaut. Bei diesen zweigeschossigen Putzbauten mit Dachgeschoss ist der Fassadenstuck fast vollständig erhalten geblieben und im Rahmen der Erneuerung restauriert worden.

Wilmersdorfer Ecke Haubachstraße, 10.12.2011, Foto: KHMM

Wilmersdorfer Ecke Haubachstraße, 10.12.2011, Foto: KHMM

Das Gebäude an der gegenüberliegenden Ecke Haubachstraße 14 / Wilmersdorfer Straße 17 datiert in seiner ersten Fassung um etwa 1730. Der ursprüngliche Bau war ein traditionelles Ackerbürgerhaus. 1880 wurde es aufgestockt und ist 1988 detailgetreu in dieser Fassung rekonstruiert worden.
Als Vertreter der Endphasen der baulichen Entwicklung sind die beiden anderen Eckgebäude Wilmersdorfer Straße 156 Ecke Haubachstraße 11 von 1877 sowie Wilmersdorfer Straße 157 Ecke Haubachstraße 12 von 1902 zu sehen. Das erste von 1877 ist ein viergeschossiger Putzbau. Er gehört zur sogenannten “Vorgründerphase” mit ihrem ersten, intensiven Bebauungsschub. Die ursprüngliche Stuckgestaltung der Fassade war hier nur noch an der Seite zur Haubachstraße erhalten, während die Fassade an der Wilmersdorfer Straße abgeschlagen und mit Kratzputz versehen worden war. 1985 konnte schließlich die gesamte Fassade renoviert und der Bereich an der Wilmersdorfer Straße inklusive des Eckrisalits wieder aufgestuckt werden.
Das Gebäude Wilmersdorfer Straße 157 Ecke Haubachstraße 12, ist ein fünfgeschossiges Eckhaus. Es zeigt den historischen Endpunkt der bautypologischen Entwicklung.
Seine reiche plastische wie ornamentale Gestaltung durch Erker und Jugendstilelemente konnte ebenfalls 1985 wiederhergestellt werden. Im Zuge der Erneuerung wurde hier das Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausgebaut.
Das Bemühen, zu einer möglichst umfassenden Wiederherstellung des historischen Zustandes zu gelangen, blieb aber nicht nur auf die Fassaden beschränkt. Auch Treppenhäuser und Innenhöfe wurden rekonstruiert.
Die Tafel 5 des Altstadtpfads informiert über diese baugeschichtlich bemerkenswerte Ecke.

Gierkezeile 32: Mietwohnhaus
Das Mietwohnhaus von 1885 mit historisierender Fassade und dem Giebelfries im zweiten Obergeschoss wurde nach dem Abbruch eines alten Bürgerhauses errichtet. Der Seitenflügel und die Quergebäude stammen von 1860-70.
1913 wurde im Seitenflügel ein Pferdestall, eine Waschküche und eine Kleinwäscherei eingerichtet.

Gierkezeile 34: Mietwohnhaus
Auf dem Grundstück Gierkezeile Nr. 34 stand vormals ein 1geschossiges Bürgerhaus. Das Miethaus wurde 1884 im spätklassizistischen Stil erstellt. Später folgte im Hof ein Stallgebäude für ein Fuhrunternehmen. 1899 wurde für wenige Jahre eine Selterwasserfabrik in einem Teil dieses Stalles und in einem Neubau eingerichtet. 1904 entstand dort ein Hinterhaus. Ein neuer Stall und eine Remise wurden an das hinterste Grundstücksende verlegt.
Die Gebäude Glerkezeile 32 und 34 wurden 1986/87 instandgesetzt, modernisiert und restauriert.

Gierkezeile 36: Miethaus
Das Miethaus Gierkezeile Nr. 36 wurde mit Seitenflügel und Hinterhaus 1899 mit einer aufwendig dekorierten, historischen Fassade erbaut.

Behaimstr. 22: Café Theater Schalotte
Am 3.6.1980 hat Karin Köthe in einem ehemaligen Kino das Café Theater Schalotte als Jugendprojekt des evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg gegründet. Seit 1988 ist der Journalist Christian Retzlaff ehrenamtlich dabei. Die professionelle Bühne der Off-Theater-Szene bietet 300 Plätze. 25 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Programmgestaltung, Bühnentechnik, PR, Tresendienst usw. verantwortlich. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind immer willkommen. Es gibt Musik-Programme unterschiedlicher Couleur, Kleinkunst und Verwandtes. 2003 erhielten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Café Theaters Schalotte den Ehrenamtspreis des Bezirks.

Gierkezeile 39: Altes Schulhaus
Das älteste Schulhaus Charlottenburgs wurde 1785/86 von dem Maurermeister Schulze im Zopfstil in der Übergangsphase vom Barock zum Klassizismus erbaut und 1798 um drei Achsen erweitert. Hier unterrichtete Johann Gottfried Dressel. In dem mehrfach umgebauten Haus wurde bis 1931 unterrichtet.
1979 zog die Landesstelle Berlin gegen die Suchtgefahren ein. Der heutige Zustand entspricht demjenigen von 1798. Heute beherbergt es die Landesstelle Berlin gegen die Suchtgefahren e.V. und den Verein Die Gierkezeile – Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Alkohol- und Medikamentenabhängige.
Über das Alte Schulhaus informiert die Tafel 7 des Charlottenburger Altstadtpfades.

Gierkepl. 1-3: OSZ Kraftfahrzeugtechnik
In dem Neubau am Gierkeplatz ist das Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik untergebracht.

Gierkeplatz 4: Gemeindehaus, Gedenktafel Dressel, Puppentheater
Am Gemeindehaus der Luisenkirche erinnert eine Gedenktafel mit folgendem Text an den früheren Pfarrer und Charlottenburger Chronisten Dressel:
In dem Vorgängerbau dieses Hauses lebte von 1778 bis 1824
der Charlottenburger Oberpfarrer
JOHANN CHRISTIAN GOTTFRIED DRESSEL
22.9.1751-16.10.1824
Der aufgeklärte Prediger führte die
Reformpädagogik Pestalozzis ein, ordnete
die Schulverhältnisse neu und richtete eine
städtische Armenpflege ein.
Fast alles, was wir über die Frühzeit Charlottenburgs wissen, wissen wir von Dressel, der uns zwei ausführliche Chroniken hinterlassen hat, geschrieben 1813 und 1816.
Im Gemeindehaus der Luisenkirche spielt seit September 2008 auch das Puppentheater Berlin. Es wurde 1984 von Ulrich Treu als privat geführtes Puppentheater gegründet. Ulrich Treu ist Absolvent der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst. Nachdem das Puppentheater sein früheres Domizil an der Haubachstraße verlassen musste, stellte der Bezirk vorübergehend das Kommandantenhaus am Spandauer Damm 17 zur Verfügung. Da dort eine Erweiterung des Museums Berggruen geplant ist, musste das Puppentheater wieder umziehen, diesmal hierher an den Gierkeplatz.

Luisenkirche, 10.12.2011, Foto: KHMM

Luisenkirche, 10.12.2011, Foto: KHMM

Gierkeplatz: Luisenkirche
Ich freue mich sehr, dass Pfarrer Kunkel uns eingeladen hat, seine Kirche zu besuchen und dass er sie uns persönlich vorstellen wird. Herzlichen Dank dafür!

“Neue Kirche auf’m Berg” nannte Eosander in seinem Plan von 1705 den Standort der Kirche auf dem früheren Kirchplatz, heute Gierkeplatz. Friedrich l. hatte sie als gemeinsame Kirche für die Reformierten und Lutheraner bestimmt.
Die barocke “Parochial-Kirche” mit ihrem kreuzförmigen Grundriss wurde nach den Plänen von Baumeister Gerlach unter der Leitung von Baumeister Böhme 1712-18 erbaut.
1826 baute Schinkel im Biedermeierstil den quadratischen, dreigeschossigen, mit breit verzierten Gurtgesimsen voneinander abgesetzten Turm an. Nach dem Umbau erhielt die Kirche den Namen der verstorbenen Königin Luise. Die Kirche erlitt 1943 schwerste Kriegsschäden.
Von 1950 bis 1953 wurde das historische Erscheinungsbild des Baudenkmals von der Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt nach den Plänen von Gerlach restauriert. Die Fassadeninstandsetzung von 1976/77 knüpft an die üblichen warmgelben Farbtöne der barocken Erbauungszeit an.
Vor der Luisenkirche informiert die Tafel 8 der Altstadttour.

Schustehrusstraße
Die Straße wurde 1950 nach dem ersten Oberbürgermeister Charlottenburgs, Kurt Schustehrus benannt. Er wurde 1856 in Ostpreußen geboren. 1899 trat er sein Amt als Erster Bürgermeister in Charlottenburg an, 1900 wurde ihm der Titel Oberbürgermeister verliehen, was er bis zum seinem Tod 1913 blieb.
Die Straße hieß bis 1824 “Deichstraße”, danach bis 1950 “Scharrenstraße”.

Schustehrusstraße Ecke Nithackstraße: Baller-Wohnhaus
Das moderne Wohnhaus mit den charakteristischen lindgrünen, verspielten Geländern baute der bekannte Architekt Hinrich Baller. Er hat hier in der Umgebung noch weitere architektonische Glanzlichter gesetzt: an der Stallstraße Ecke Nithackstraße, an der Schloßstraße 45-47 und vor allem die spektakuläre Sporthalle an der Schloßstraße 56.

Schule am Schloss, 10.12.2011, Foto: KHMM

Schule am Schloss, 10.12.2011, Foto: KHMM

Schustehrusstr. 43: Schule am Schloss, Villa Oppenheim, Schustehruspark
Die frühere Schlesien-Oberschule wurde 2004 umbenannt in Oppenheim-Oberschule. Im letzten Schuljahr erhielt sie im Zusammenhang mit der Umwandlung in eine Integrierte Sekundarschule den Namen “Schule am Schloss”. Das Schulhaus wurde 1919-1922 von Hans Winterstein als Sophie-Charlotte-Schule erbaut.
Dabei wurde die Villa Oppenheim in den Schulbau einbezogen. Denn auf dem Grundstück befand sich von 1882 bis 1910 der Sommersitz von Margarethe und Otto Georg Oppenheim.

Das Grundstück der Schule und der angrenzende Schustehruspark gehörten früher zur “Villa Oppenheim”. Die Stadt Charlottenburg erwarb 1911 das Gelände, um einen öffentlichen Park zu schaffen.
Der Bankier Alexander Mendelssohn kaufte 1845 das riesige Anwesen, auf dem heute der Schustehruspark, die Oppenheim-Schule und die Villa Oppenheim untergebracht sind. Mendelssohn bebaute es mit der ‘Villa Sorgenfrei’ und einigen Nebengebäuden. Er war Besitzer des renommierten Berliner Privatbankhauses Mendelssohn Et Co. und gleichzeitig Ehrenbürger der Stadt Charlottenburg.
1888 übernahm sein Schwiegersohn Otto Georg Oppenheim das gesamte Anwesen, ließ die ‘Villa Sorgenfrei’ abreißen und baute an ihrer Stelle ein zweigeschossiges Haus, die heutige Villa Oppenheim. Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück entstanden außerdem eine Kegelbahn, ein Tennisplatz, Gartensaal und Treibhäuser.
Nach dem Tod Otto Georg Oppenheims wurde 1910 dessen Sohn Hugo Oppenheim Besitzer des Anwesens. Der Multimillionär Hugo Oppenheim war Teilhaber des Berliner Privatbankhauses Robert Warschauer & Co. Er verkaufte den gesamten Grundstückskomplex 1911 für 1,5 Millionen Mark an die Stadt Charlottenburg. Denn die Villa Oppenheim war inzwischen durch die umliegende Mietshausbebauung ein Anachronismus geworden.
Das Grundstück war zwar riesig, aber es war umstellt von hohen Mietshäusern, aus deren oberen Stockwerken man auf die Gartenanlage herab sehen konnte. Damit war die Intimität des großbürgerlichen Wohnens verloren gegangen.

Die Einrichtung des öffentlichen Parks lag in der Verantwortung des Charlottenburger Stadtgartendirektors Erwin Barth, der zahlreiche Stadtplätze und Parks in Charlottenburg gestaltet hat. Er legte hier 1914 die geometrische Parkanlage an. Er sah die Gartenkunst als eine soziale Aufgabe an. Hier sollten Ruheplätze, Gärten und Spielplätze für diejenigen entstehen, die nicht über eigenen Grund und Boden verfügten.

Villa Oppenheim
Die kriegsbeschädigte und zunächst nur notdürftig wiederhergestellte ‘Villa Oppenheim’ wurde 1986 restauriert. Seither wurde sie für Ausstellungen genutzt und ist in der Berliner Kultur eine bekannte Adresse. Nach einem Umbau und dem Umzug des Bezirksmuseums wird die Villa in einigen Wochen wieder eröffnet werden, dann auch als Sitz des Kulturamtes Charlottenburg-Wilmersdorf.
Das 1987 als Heimatmuseum Charlottenburg gegründete Museum des Bezirks hat sich längst zu einer festen “Größe” in der Charlottenburg-Wilmersdorfer Kulturlandschaft entwickelt. Dazu haben wesentlich seine vielen Sonderaustellungen beigetragen; mehr als 100 hat das Haus mittlerweile präsentiert. Die Ausstellungen sind vor allem Themen aus der Regionalgeschichte gewidmet, beschäftigen sich aber auch mit der Berliner Kulturgeschichte allgemein. Seit November 2007 trägt das frühere Heimatmuseum den Namen Museum Charlottenburg-Wilmersdorf.
Die jährlichen Oster- und Weihnachtsausstellungen werden stets von Tausenden von Berlinerinnen und Berlinern aus dem ganzen Stadtgebiet besucht. Ebenso gefragt ist aber auch die Sammlung des Hauses mit mittlerweile rund 20 000 historischen Fotos und Postkarten sowie zahlreichen Gegenständen aus dem Alltagsleben.
Der am 29.11.2006 gegründete Freundeskreis Schoeler-Schlösschen und Veranstaltungen im Schoeler-Schlösschen werden vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf betreut, und seit dem 9.9.2007 betreibt der vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf betreute Freundeskreis für das Charlottenburger Tor im Charlottenburger Tor ein Tor-Museum.

Nithackstr. 8-12: Eosander-Schinkel-Grundschule
Kurz nach seiner Fertigstellung 1914 wurde das Schulgebäude als Lazarett und dann bis Anfang der 1920er Jahre als Freikorpskaserne genutzt, danach wieder als Schule. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zog die Infektionsabteilung des städtischen Krankenhauses Westend ein. Im Jahre 1950 wurden die Kriegsschäden am Gebäude beseitigt. Danach nahm es die Herder-, die Eosander- und die Schinkel-Grundschule auf. Nachdem die Herder-Oberschule in die Westendallee umgezogen war, schlossen sich die Eosander- und die Schinkel-Grundschule im Jahr 1997 zusammen. Die Eosander-Schinkel-Grundschule ist nach den beiden Baumeistern Eosander von Göthe (1669-1728) und Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) benannt. Sie steht unter Denkmalschutz.
Das Schulgebäude wurde 1913-14 von Paul Weingärtner und Heinrich Seeling als fünfgeschossige Flügelanlage errichtet. Der Reliefschmuck stammt von Ludwig Isenbeck. Das Bauwerk ist elfenbeinfarben verputzt und verfügt über einen Granitsockel. Die Fassade wird durch roten Sandstein und bräunlichen Keramikplatten gegliedert. Die äußere Gestaltung des Gebäudes ist ein gutes Beispiel für die beginnende Moderne. Die Schmuckelemente erinnern an expressionistische Formen. Besonders auffällig sind die schwarzen keramischen Platten in den Eingangsbereichen sowie die Pergola mit ihren 17 Säulen.

Weihnachtsmarkt am Schloss, 10.12.2011, Foto: KHMM

Weihnachtsmarkt am Schloss, 10.12.2011, Foto: KHMM

Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg