118. Kiezspaziergang am 8.10.2011

Vom Bahnhof Tiergarten zur Schlossbrücke

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Bezirksstadträtin Martina Schmiedhofer, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksstadträtin Martina Schmiedhofer

Treffpunkt: Vor dem Hotel Novotel Berlin an der Straße des 17. Juni Ecke Bachstraße
Länge: ca. 3,8 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 118. Kiezspaziergang. Es ist mein letzter, und ich möchte mich heute von Ihnen verabschieden. Die Spaziergänge, bei denen ich Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen vertreten durfte, haben mir sehr viel Freude gemacht. Ich konnte dabei nicht nur Ihnen Kieze unseres Bezirks vorstellen, sondern ich habe auch selbst dabei viele Entdeckungen gemacht und neue Wege in Charlottenburg-Wilmersdorf kennen gelernt. Auch heute vertrete ich Frau Thiemen, die in Urlaub ist. Wie Sie wissen, hat Berlin am 18. September sowohl das Abgeordnetenhaus als auch die Bezirksverordnetenversammlungen neu gewählt. Am 27. Oktober sind die konstituierenden Sitzungen des Berliner Landesparlaments und unserer Bezirksverordnetenversammlungen.
Möglicherweise wird bereits in dieser Sitzung das neue Bezirksamt gewählt, vielleicht aber auch erst einige Tage später. Beide Kandidaten für das Amt des Bezirksbürgermeisters, Klaus-Dieter Gröhler, CDU, und Reinhard Naumann, SPD, haben erklärt, dass sie die Tradition der Kiezspaziergänge weiterführen wollen, so dass Sie davon ausgehen können, dass dieses schöne Angebot in Charlottenburg-Wilmersdorf bestehen bleibt.

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Kartenskizze Bild: Bezirksamt

Unser Ziel ist heute die Schlossbrücke. Wir werden zunächst hier, um die Ecke über den Herbert-Lewin-Platz am Sitz der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und an der KPM vorbei durch die Wegelystraße und Englische Straße zur Spree gehen. Leider gibt es von hier aus noch keinen durchgehenden Uferwanderweg entlang der Spree. Deshalb werden das neue Gewerbegebiet im Spreebogen durchqueren und dabei einige neue Straßen kennen lernen. Schließlich werden wir von der Gotzkowskybrücke aus auf dem Uferwanderweg an der Spree entlang den nördlichen Teil des Spreebogens mit dem Produktionstechnischen Zentrum des Fraunhofer-Instituts und einer Reihe weiteren wissenschaftlichen und technischen Einrichtungen und Unternehmen erkunden.
Am Wasserkreuz an der Dovebrücke fließen Spree, Landwehrkanal und Charlottenburger Verbindungskanal zusammen und bilden eine besonders reizvolle Stadtlandschaft. Von hier aus werden wir der Spree weiter folgen und schließlich bis zur Schlossbrücke am Schloss Charlottenburg gelangen. Wie oft im Leben gilt auch hier: Die Touristen kennen den Weg viel besser als manch eingesessene Berliner. Hier sollen öfters diverse Wandervereine aus dem Bundesgebiet unterwegs sein, mit Flyer in der hand oder dem Ausdruck der Internetbeschreibung.
Für diesen Teil des Weges nach dem Wasserkreuz gibt es Planungen zur Einrichtung einer neuen, verbesserten Radverbindung entlang der Spree. Diese ist Bestandteil der überregionalen Route entlang der Spree von der Lausitz bis nach Spandau. Auf der Basis einer Vorplanung durch das Büro AGU hat das Büro Bernard&Sattler eine Ausführungsplanung erstellt. Auf dem zweiten Teil-Abschnitt werden wir entlang der auszubauenden Verbindung gehen. Die Radroute führt von der Spree aus an der Englischen Straße Richtung Süden, über den 17. Juni zum Landwehrkanal, führt diesen entlang und schwenkt dann erst wieder am Zusammenfluss mit der Spree auf diese ein.
Wir gehen aber fast die ganze Zeit an der Spree entlang. Die Ertüchtigung des Spreeuferweges wird auch für Fußgänger Verbesserungen mit sich bringen. Wir haben den Planer, Herrn Sattler eingeladen am Spaziergang teilzunehmen.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen, den mein Kollege, Jugendstadtrat Reinhard Naumann übernehmen wird. Möglicherweise kann er sich Ihnen dann als neuer Bezirksbürgermeister vorstellen. Im November geht es bei uns immer um die Erinnerung an den 9. November 1938, also um die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Charlottenburg und Wilmersdorf. Deshalb ist der Treffpunkt am Samstag, dem 12. November, um 14.00 Uhr am Bahnhof Grunewald, wo vor 70 Jahren, am 18. Oktober 1941 der erste Deportationszug aus Berlin abfuhr. Von dort wird es durch die neue Grunewald-Siedlung und den nördlichen Teil der Villenkolonie in Richtung Henriettenplatz gehen.
Wie immer ist die Teilnahme frei. Alle Informationen über die bisherigen Kiezspaziergänge sind im Internet zu finden unter www.kiezspaziergaenge.de.

Spreestadt
Wenn wir gleich zur Spree gehen, die hier in einem großen Bogen zum Landwehrkanal und zum Charlottenburger Verbindungskanal fließt, dann durchqueren wir die neue Spreestadt mit dem KPM-Quartier zwischen Spree und Landwehrkanal. An diesem traditionsreichen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort wurde in den letzten 15 Jahren viel investiert. Er hat ein völlig neues Gesicht erhalten. Mit 250.000 qm ist das Gelände dreimal so groß wie die Potsdamer-Platz-Bebauung.
Seit dem 19. Jahrhundert befanden sich hier der Salzhafen und die Königliche Porzellan-Manufaktur KPM, im 20. Jahrhundert kamen Siemens und Daimler Benz dazu. Zur Neu-Erschließung wurde die Wegelystraße umgelegt und bis zur Gutenbergstraße verlängert. Drei neue Straßen wurden angelegt: Hannah-Karminski-, Otto-Dibelius- und Margarete-Kühn-Straße.
Pilotfunktion bei der Neudefinition dieses Gebietes hatte im Jahr 2000 die Eröffnung der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin am Salzufer. Sie wurde 2004 durch den Neubau für das Smart-Center ergänzt. Im Juni 2004 haben die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV und die Deutsche Krankenhausgesellschaft ihren neuen Sitz in diesem Viertel bezogen.

Link zu: Vor dem Hotel Novotel, 8.10.2011, Foto: KHMM
Vor dem Hotel Novotel, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Im Mai 2005 hat die Accor-Gruppe hier ihr erstes Berliner Luxushotel der Marke Novotel mit 280 Zimmern eröffnet. Es ist ein “Vier-Sterne-Business- und Tagungshotel”. Das Hotel belegt die ersten 7 Etagen des 60 Meter hohen Gebäudes. Darüber gibt es Büroräume. Das Gebäude mit einer Fassade aus Muschelkalk und Naturstein fungiert als Tor zum neu entstandenen KPM-Quartier in der Spreestadt.
Wir befinden uns hier unmittelbar an der Grenze zum Bezirk Mitte, zu dem ja auch der Tiergarten gehört. Die Bezirksgrenze verläuft hier entlang der S-Bahn-Brücke, und weiter an der südlichen Seite der Straße des 17. Juni, so dass die gegenüber liegende Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffsbau ebenfalls zum Tiergarten und damit zum Bezirk Mitte gehört. Es handelt sich dabei um ein Baudenkmal, 1975-76 von Ludwig Leo gebaut.
Charlottenburger Tor
Das Charlottenburger Tor steht nicht auf der Bezirksgrenze. Lediglich im Süden verläuft die Grenze vom Tor entlang der Müller-Breslau-Straße am Landwehrkanal, während der Bereich nördlich der Straße des 17. Juni bereits ab der S-Bahn-Brücke zu Charlottenburg-Wilmersdorf gehört. Von Ende 2004 bis zum Frühjahr 2007 wurde das Tor durch die Stiftung Denkmalschutz Berlin aufwändig saniert und restauriert, finanziert durch die Firma Samsung, die an der Rüstung mit Megapostern für sich warb. In der Brücke, die beide Torflügel verband, war die Baustelleneinrichtung untergebracht. Danach wurden die beiden 20 Meter hohen Kandelaber auf der anderen Seite der Charlottenburger Brücke mit den jeweils acht Bogenlampen wiederhergestellt und im Juni 2010 feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Auch dieser Bau wurde durch Werbung mit Megapostern an der Kandelaberbaustelle finanziert.

Ernst-Reuter-Haus
Auch das Ernst-Reuter-Haus direkt neben dem Hotel steht auf Charlottenburg-Wilmersdorfer Boden: Es wurde 1938-39 von Walter Schlempp als Verwaltungsgebäude für den Deutschen Gemeindetag gebaut. Heute ist es ein Baudenkmal. Die mehrgliedrige schlossähnliche Anlage wurde im Krieg teilweise zerstört, bis 1952 wiederhergestellt und umgebaut und 1956 nach dem ersten Berliner Regierenden Bürgermeister benannt.
Bis 2009 befand sich das 1973 hier gegründete Deutsche Institut für Urbanistik im Ernst-Reuter-Haus, außerdem die Senatsbibliothek, die Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Städtetags und die Geschäftsstelle des Deutschen Bibliotheksverbands. Diese Einrichtungen befinden sich jetzt im Bezirk Mitte in der Zimmerstraße. In den letzten beiden Jahren wurde das Ernst-Reuter-Haus für den jetzigen Hauptnutzer, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, umgebaut.

Straße des 17. Juni
Die Straße des 17. Juni ist Teil der großen Ost-West-Verbindung vom Schloßplatz in Mitte bis zum Scholzplatz an der Heerstraße, angelegt im 17. Jahrhundert von Friedrich I. als Verbindung zwischen Stadtschloss und Schloss Charlottenburg. Ursprünglich hieß der östliche, Berliner Teil der Straße Charlottenburger Chaussee, und der westliche Charlottenburger Teil hieß Berliner Straße, jeweils benannt nach dem Ziel, zu dem die Straße führte. Am 22.6.1953 beschloss der Senat den neuen Namen zum Gedenken an die Opfer des Arbeiteraufstandes in Ost-Berlin und der DDR am 17. Juni 1953.
An den Wochenenden findet entlang der Straße des 17. Juni auf dieser Seite vor dem Ernst-Reuter Haus und hinter der Charlottenburger Brücke vor den TU-Gebäuden ein großer Trödel- und Kunstmarkt statt.
Wir gehen jetzt zwischen dem Hotel und dem Ernst-Reuter-Haus durch zum Herbert-Lewin-Platz.

Link zu: Auf dem Herbert-Lewin-Platz, 8.10.2011, Foto: KHMM
Auf dem Herbert-Lewin-Platz, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Herbert-Lewin-Platz
Der Platz im Zuge der Wegelystraße im Rahmen des Ausbaus der Spreestadt mit einem knapp 12 Meter langen Brunnen aus Messing angelegt. Der Brunnen hebt sich nur leicht aus der Platzfläche heraus. Der dünne Wasserfilm auf der Messingoberfläche erzeugt Spiegelungen der umliegenden Fassaden und lädt zur Berührung ein.
Am 4. Oktober 2004 wurde der Platz nach dem deutsch-jüdischen Mediziner Herbert Lewin benannt, der 1899 in Schwarzenau geboren wurde und 1982 in Wiesbaden starb. Nach Medizinstudium und Promotion 1924 wurde Lewin Volontärarzt in Berlin. 1928-1931 absolvierte er an verschiedenen Berliner Krankenhäusern eine Ausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Ab 1931 arbeitete er auf diesem Gebiet als niedergelassener Arzt, setzte aber auch seine wissenschaftliche Arbeit fort. Die Annnahme seiner Habilitationsschrift wurde 1933 ihm jedoch aus rassischen Gründen verweigert. Lewin war 1922 der SPD beigetreten und galt deshalb für die Nationalsozialisten als “jüdisch-bolschewistisch”.
1935 wurde er Chefarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, 1937 Chefarzt der gleichen Abteilung des Israelitischen Krankenhauses in Köln-Ehrenfeld. Am 22.10.1941 wurden seine Frau und er mit weiteren 2 014 Kölner Juden ins Ghetto Lodz deportiert. Er war bis 1945 im Ghetto Lodz und in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Oranienburg und Schwarzheide Häftlingsarzt.
Seine Frau starb im KZ, er überlebte und kehrte 1945 nach Köln zurück, wo er 1946 zum ersten Vorsitzenden der wiedererstandenen Synagogengemeinde gewählt wurde. 1948 habilitierte er sich an der Universität zu Köln, 1950 wurde er Chefarzt an der Städtischen Frauenklinik in Offenbach.
1965 wurde Lewin bei gleichzeitiger Emeritierung zum ordentlichen Professor ernannt. 1963-1969 war Herbert Lewin Vorsitzender des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er wurde unter anderem mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille und dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet.

Unmittelbar am Herbert-Lewin-Platz haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV ihren Sitz, wenige Meter entfernt die Deutsche Krankenhausgesellschaft in der Wegelystraße 3 und gegenüber an der Wegelystraße 8 der Gemeinsame Bundesausschuss, das ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Daneben, an der Wegelystraße 7, wird gerade ein weiterer Neubau für die KBV fertig. Das heißt, hier sind auf engstem Raum eindrucksvoll die wichtigsten Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens versammelt. Sie sind von der Bundesregierung und vom Bundestag nur durch den Tiergarten getrennt und tragen mit ihrer Lobbyarbeit dazu bei, dass Gesundheitspolitik eine der schwierigsten Aufgaben in der Politik ist.

Vor dem Haus des Gemeinsamen Bundesausschusses wurde am 18. Januar 2010 die Skulptur “Woge mit gegenläufigen Flügeln” von Volkmar Haase enthüllt.

Wegelystraße
Die Wegelystraße wurde 1883 benannt nach dem Gründer der ersten Berliner Porzellanmanufaktur, Wilhelm Caspar Wegely, der 1714 in Berlin geboren wurde und 1764 ebenfalls in Berlin starb.

KPM
1751 gründete Caspar Wilhelm Wegely seine Porzellanmanufaktur, die bald danach von Johann Ernst Gotzkowsky übernommen wurde und 1763 als königliches Konkurrenzunternehmen zur 1710 gegründeten Meißener Porzellanmanufaktur von Friedrich II. erworben und damit Königlich wurde.
Bis 1871 lag die Produktionsstätte an der Leipziger Straße in Mitte. Aus Platz- und Transportgründen wurde sie dann schrittweise hierher nach Charlottenburg an die Spree verlegt. Gustav Möller errichtete von 1868 bis 1872 die erforderlichen Gebäude. Von 1913 bis 1916 wurde der Porzellan-Brennofen mit 22 Brennkammern errichtet. Er war bis 1960 in Betrieb. Bruno Grimmek errichtete 1955-62 Erweiterungsbauten. 1998-2004 wurden die historischen Manufakturgebäude saniert.
Die Produktionsstätten wurden durch das Architekturbüro Gerkan, Marg & Partner umgebaut und erweitert. Ein Teil davon wurde von der Gewerbesiedlungsgesellschaft GSG übernommen und als Büro- und Gewerbeflächen vermietet. Die restaurierte Ofenhalle wird ebenfalls von der GSG für besondere Veranstaltungen vermietet.
Ende 2004 verkaufte die Investitionsbank Berlin IBB im Auftrag des Berliner Senats die KPM an Franz Wilhelm Prinz von Preußen, den Urenkel Kaiser Wilhelms II. Leider konnte er das traditionsreiche Unternehmen nicht auf eine solide Grundlage stellen. Nachdem ein Konkurs durch einen Kredit der IBB noch einmal abgewendet werden konnte, wurde die KPM am 2005 an eine Holding des Unternehmers und Gesellschafters der Allgemeinen Beamtenkasse, Jörg Woltmann, verkauft.
Seit die Porzellanmanufaktur “Königlich” genannt wurde, führt sie das königsblaue Szepter als Markenzeichen. Die KPM ist eine der letzten Manufakturen weltweit: Bis heute wird jedes Stück von Hand hergestellt.

Englische Straße
Die Englische Straße wurde 1847 nach den damals in dieser Straße im englischen neugotischen Stil errichteten Villen benannt. Die Neugotik war in der Viktorianischen Epoche von 1837 bis 1901 die verbindliche architektonische Richtung in England. Die Villen hier wurden um die Jahrhundertwende zugunsten von Industriebauten wieder abgerissen.

Englische Str. 20: TU-Institut für Keramik
Das auffällig orange geflieste Gebäude wurde in den 70er Jahren errichtet. Darin befindet sich das Institut der TU für nichtmetallische Werkstoffe, auch als Institut für Werkstoffwissenschaften und –technologien bezeichnet. Hier beschäftigt man sich vor allem mit Keramik, Glas und Kunststoffen. Das Grundstück wurde mittlerweile an einen Privateigentümer verkauft, der hier an dieser schönen Stelle Wohnbauten errichten will.
Die Spree bildet hier die Bezirksgrenze zwischen den Bezirken Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf.
Beach at the box ist eine der beliebten Strandbars, die an der Spree zu finden und im Sommer sehr belebt sind. Die Sommersaison ist hier zu Ende. Am 1. Mai 2012 soll wieder geöffnet werden, das ist jedenfalls der Wunsch der Betreiber. Es gibt jedoch massive Beschwerden aus der Nachbarschaft, vor allem aus dem Nachbarbezirk hier gegenüber auf der anderen Spreeseite. Mehrere Ämter sind mit der Thematik befasst. Über das weitere Vorgehen ist noch nicht endgültig entschieden. Der Grundstückseigentümer plant einen Neubau, der nach dem letzten Stand der Dinge auch das vorhandene Gebäude einbeziehen soll; auch eine Marina, also eine Art Hafen, ist angedacht. Darüber ist jedoch ebenfalls noch nicht entschieden.

Gutenbergstraße
Die Straße wurde 1897 nach Johannes Gutenberg benannt. Der Erfinder des Buchdrucks wurde 1400 in Mainz geboren, wo er 1468 auch starb.

Link zu: Gutenbergstraße, 8.10.2011, Foto: KHMM
Gutenbergstraße, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Mercedes-Welt und Smart-Center am Salzufer
Bereits 1848 entstand hier am Landwehrkanal ein Salzmagazin, in dem das Salz gelagert wurde, das auf Kähnen aus Magdeburg, Halle und Staßfurt nach Charlottenburg transportiert wurde. Nach diesem Magazin erhielt die Straße am Landwehrkanal den Namen “Salzufer”. Im 19. Jahrhundert haben sich hier große Unternehmen wie Siemens und Daimler-Benz niedergelassen.
Die Firma Siemens & Co erwarb schon im Jahr 1862 ein Grundstück am Salzufer 2, wo sie von 1872 bis 1907 Alkoholmesser herstellte, seit 1883 auch Edisonlampen und von 1895 bis 1901 Schleifkontakte. Außerdem betrieb die Firma Siemens & Halske hier eine Eisengießerei. Der Hauptstandort von Siemens befand sich allerdings weiter westlich am Salzufer 11-14, an der Ecke Franklinstraße. 1915 verkaufte Siemens das Gelände Salzufer 2-3 an die Firma Benz & Co. Diese fusionierte 1926 mit der Daimler-Motoren-AG zur Daimler-Benz AG.
1927 wurde der Verkaufs- und Servicestützpunkt am Salzufer offiziell die Hauptniederlassung der Daimler-Benz AG Berlin. 1936 erwarb die Firma auch das Grundstück Salzufer 4-5 und vergrößerte sich entsprechend. 1943 wurde der Betrieb durch Bombenangriffe zerstört. Er wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. In den 80er und 90er Jahren entstanden Erweiterungsbauten am Salzufer und an der Gutenbergstraße. 1998 wurde der Grundstein gelegt für das neue Dienstleistungs- und Verkaufscenter. Es wurde im Jahr 2000 als Mercedes-Welt am Salzufer eröffnet. Das Gebäude wurde als 22m hohe, sechsgeschossige Stahlkonstruktion mit Glasfassade nach den Entwürfen der Stuttgarter Architekten Lamm, Weber, Donath und Partner gebaut. Der Baukörper folgt dem Ufergeländes des Landwehrkanals und erinnert mit dem schwungvoll hochgezogenen Dach an einen Schiffsbug.
Die Mercedes-Welt war im Jahr 2000 der erste Neubau der Spreestadt und hatte Pilotfunktion für die Neuerschließung dieses historischen Charlottenburger Industriegebietes.
2004 wurde das neue Smart-Center direkt neben der Mercedes-Welt eröffnet. Der Entwurf für das Hochhaus stammt von dem Berliner Architekturbüro Hemprich & Tophof.
Darin ist die größte Verkaufsstelle für den Kleinwagen Smart in Deutschland untergebracht. Der Showroom für den Smart befindet sich dabei in den ersten beiden Geschossen des 46 Meter hohen Gebäudes. Für das 13 Stockwerke zählende Hochhaus mit rund 12.000 Quadratmetern Bürofläche für 450 Mitarbeiter wurden etwa 12 Millionen Euro investiert.
Neben der Mercedes-Welt befinden sich am Salzufer weitere Auto- und Motorradvertretungen der eher luxuriösen Klassen: zunächst das große Harley-Davidson-Haus mit eigenem Bistro, daneben das “Autohaus am Salzufer” mit Vertretungen von Lamborghini, Bentley und anderen Luxusmarken. Ein Auto für 250.000 Euro ist hier schon ein Schnäppchen.

Link zu: Hannah-Karminski-Straße, 8.10.2011, Foto: KHMM
Hannah-Karminski-Straße, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hannah-Karminski-Straße
Die Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf hatte beschlossen, zwei von drei neuen Straßen hier in der Spreestadt nach Frauen zu benennen: Hannah Karminski war die erste. Die Straße wurde am 1.10.2002 benannt: Hannah Karminski wurde 1897 in Berlin als Tochter eines deutsch-jüdischen Bankiers geboren. Im Pestalozzi-Fröbel-Haus absolvierte sie eine Ausbildung als Kindergärtnerin. Anschließend studierte sie in Hamburg am sozialpädagogischen Institut bei Gertrud Bäumer, damals eine führende Vertreterin der Frauenbewegung. Mitte der 20er Jahre zog Hannah Karminski nach Frankfurt am Main, wo sie Mitglied im Jüdischen Frauenbund wurde, der in den 20er Jahren 50.000 Mitglieder hatte. Hannah Karminski übernahm schnell führende Funktionen und kümmerte sich um Beratungsstellen für Frauen, Kindererholungsheime, Bildungsarbeit, Mutter- und Kinderschutz, die jüdische Bahnhofshilfe und vieles mehr. Damals kamen viele ostjüdische Frauen auf der Suche nach einem besseren Leben in die Großstädte. Oft war ihr aufenthaltsrechtlicher Status ungeklärt, und sie waren der Gefährdung durch Frauenhandel und Prostitution ausgeliefert.
Hannah Karminski kümmerte sich um alle diese sozialen Fragen. Ein besonders wichtiges Anliegen war ihr die Berufstätigkeit der Frauen und die Gleichberechtigung jüdischer Mädchen und Frauen in der Gemeinde.
1933 änderte sich die Situation schnell und dramatisch: Die jüdische Bahnhofshilfe wurde schon im ersten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft geschlossen. Mit der zunehmenden Entrechtung und Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Gesellschaft wurde die Vorbereitung auf die Emigration immer wichtiger. 1938 wurde auch der Jüdische Frauenbund aufgelöst. Hannah Karminski arbeitete jetzt in der Reichsvertretung der Deutschen Juden in der Kantstraße in Charlottenburg. Ihr Arbeitsschwerpunkt war hier die Leitung der Abteilung “Fürsorge und Auswandererberatung”.
Sie selbst verzichtete auf eine Auswanderung, weil sie sah, dass sie in Berlin gebraucht wurde. Zuletzt wohnte sie in einem sogenannten “Judenhaus”. Im November 1942 wurde sie verhaftet, deportiert und ermordet. Ihr Todesdatum und ihr Todesort sind nicht bekannt.

Link zu: Uferweg, 8.10.2011, Foto: KHMM
Uferweg, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Uferweg, Blick zum Heinrich-Hertz-Institut
In dem weißen Hochhaus mit der charakteristischen Kugel auf dem Dach befindet sich das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik. Es ist 1975 hervorgegangen aus dem Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung e.V. und betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Informationstechnik, speziell der Breitbandkommunikation. Dabei arbeitet es eng mit der Technischen Universität Berlin zusammen.

Otto-Dibelius-Straße
Am 2. Mai 2005 wurde diese Straße nach dem evangelischen Theologen Otto Dibelius benannt. Er wurde 1880 in Berlin geboren, wo er auch 1967 starb. Er studierte von 1899 bis 1904 in Berlin Theologie und promovierte 1902. Nach der Ordination 1906 in der Nikolaikirche zu Berlin erhielt er verschiedene Pfarrstellen und wurde 1925 Generalsuperintendent der Kurmark. Aus christlicher Überzeugung setzte er sich gegen jede Verherrlichung des Krieges ein. Im Juni 1933 wurde er als Mitglied der Bekennenden Kirche seines Amtes enthoben.
1937 wurde er nach einer Kontroverse mit Reichskirchenminister Kerrl verhaftet. Ein gerichtlicher Freispruch bewahrte ihn vor KZ-Haft, er erhielt jedoch Auftrittsverbot. 1938 wurde er in das Leitungsgremium der Bekennenden Kirche Preußens berufen.
Dibelius hatte nach dem Krieg in der Zeit der Spaltung die Aufgabe, die evangelischen Christen in Ost und West gemeinsam zu vertreten. Er war von 1945 bis 1966 Bischof von Berlin-Brandenburg und von 1949 bis 1961 Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Margarete-Kühn-Straße
Diese Straße wurde am 28. Februar 2005 nach Margarete Kühn benannt. Die Kunsthistorikerin lebte von 1902 bis 1995. Sie war die erste Direktorin der Berliner Schlösserverwaltung nach 1945 und hat durchgesetzt, dass die Ruine des schwer zerstörten Schlosses Charlottenburg nicht abgerissen wurde wie das Berliner Stadtschloss im Osten. Sie hat den Wiederaufbau organisiert und ist deshalb zu Recht bekannt geworden als die Retterin des Schlosses Charlottenburg.

Franklinstraße
Die Franklinstraße wurde bereits 1892 nach dem US-amerikanischen Schriftsteller, Politiker und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin benannt. Er lebte von 1706 bis 1790 in den Vereinigten Staaten.

Franklinstr. 5/6: Weller-Group, Volkswagen
(Zugang von der Margarete-Kühn-Straße aus)
Die Weller-Gruppe ist einer der größten Autohändler Europas. Er vertreibt die Marken Toyota, Lexus, BMW, Mini, VW, Audi und Skoda. 2009 hat Weller seine Berliner Filialen geschlossen, auch das große Autohaus hier an der Franklinstraße 6. Nach wie vor aber residiert hier die Geschäftsleitung der Weller Group.
Die Skulptur vor dem Haus ist ein Wahrzeichen der Firma Weller. Sie symbolisiert das Streben nach Höherem und wird als kleine Figur auch als Preis im Zusammenhang mit dem Straßenkinder-Projekt der vergeben. Damit sollen arbeitslose Jugendliche von der Straße geholt werden und in der Firma Weller eine Ausbildung erhalten.

Link zu: Volkswagen Autohaus, 8.10.2011, Foto: KHMM
Volkswagen Autohaus, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

An der Stelle des früheren Weller-Autohauses hat VW-Winter hier im September 2009 sein großes Volkswagen-Autohaus-Berlin eröffnet. Das Gelände am Kurfürstendamm in Halensee wurde zu klein und die Miete dort zu teuer.

Franklinstr.5: Dekra
Praktischerweise gibt es hier auch eine Kfz-Prüfstelle der Dekra. Hier gibt es die TÜV- und ASU-Plakette, aber auch Gutachten für Autos. Die Dekra wurde 1925 in Berlin als Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein gegründet. Mit rund 25.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro ist Dekra in Deutschland die größte und weltweit die drittgrößte Prüfgesellschaft. Der Konzern befasst sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Kraftfahrzeugen und technischen Anlagen. Seinen Sitz hat Dekra seit 1952 in Stuttgart.

Franklinstr. 26a: Chrysler/Jeep
Zum Autoangebot in der Franklinstraße gehören auch die Niederlassungen von Chrysler und Jeep, Audi und Porsche.

Franklinstr. 24: Audi-Zentrum
2004 eröffnete Audi seine Berliner Repräsentanz nach 13 Monaten Bauzeit an der Stelle, wo von den 1950er Jahren bis 1993 Coca-Cola eine große Abfüllanlage betrieben hat. Es ist die größte Audi-Niederlassung weltweit. Das Empfangsgebäude gleicht einem Flughafen-Hangar, die Fassade ist teils aus Glas, teils aus gewelltem Metall mit vielen Elementen in silbrigen Farbtönen. Auf drei Etagen mit 25.000 qm Fläche ist Platz für 250 Neu- und Gebrauchtwagen.

Franklinstr. 23: Porsche-Zentrum
Das Porsche-Zentrum wurde im April 2002 eröffnet.

Gebauer-Höfe
Die Gebauer Höfe sind ein Ensemble von Hallen und Gebäuden einer ehemaligen Textil- und Maschinenfabrik des Industriellen Friedrich Gebauer direkt an der Spree in der typischen Gewerbearchitektur des 19. Jahrhunderts in Ziegelsteinbauweise. Das älteste Bauwerk des Areals ist ein 1865 erbautes viergeschossiges Gebäude, das von Ludwig Mertens konzipiert wurde.
Auf Grund des wirtschaftlichen Erfolges der Firma Gebauer wurde die Anlage in den Folgejahren erweitert. Bis 1897 erbaute der Architekt Ernst Gerhardt weitere Fabrikgebäude auf dem Gelände in der typischen Backsteinbauweise. Nach Auflösung der Textilmaschinenfabrik wurden die Gebäudeteile unterschiedlich genutzt. Ab dem Jahr 1990 begann eine umfassende Sanierung des Werkkomplexes, der durch zwei achtgeschossige Bürogebäude entlang der Franklinstraße ergänzt wurde. Die verwinkelten Innenhöfe sind durch zwei Toreinfahrten von der Franklinstraße erreichbar. Inzwischen sind hier Möbelgeschäfte und andere Handels- und Dienstleistungsbetriebe untergebracht.
Da die Häuser bis direkt an die Spree heran gebaut wurden, hat der Uferweg hier leider eine größere Unterbrechung. Es gab Überlegungen, den Uferwanderweg an der Stelle durch eine Art Stegkonstruktion im Wasser fortzuführen; dies hätte im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Kompensationsregelung (also als Ersatz für andernorts stattfindende Eingriffe in Natur und Landschaft) verankert werden können. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat diese Idee sehr gewissenhaft geprüft, aber festgestellt, dass diese Lösung wegen der Auswirkungen auf den Schiffsverkehr leider ausscheidet.

Helmholtzstraße
Die Helmholtzstraße wurde 1892 nach dem Mediziner und Physiker Hermann Helmholtz benannt. Er wurde 1821 in Potsdam geboren und starb 1894 in Charlottenburg. 1850 erfand er den Augenspiegel und brachte damit die Diagnostik der Augenheilkunde voran.

Gotzkowskybrücke
Die Gotzkowskybrücke gehört bereits zu Tiergarten/Moabit im Bezirk Mitte. Johann Ernst Gotzkowsky war 1751 gemeinsam mit Wilhelm Caspar Wegely Gründer der KPM.

Link zu: Uferweg, 8.10.2011, Foto: KHMM
Uferweg, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Uferwanderweg
Leider ist hier noch einmal ein kleiner Engpass für den Uferwanderweg zu verzeichnen. Das Gelände der Firma Scheidt versperrt den Zugang zum Wasser. Über Jahrzehnte wurde verhandelt, um die Abtretung des Uferstreifens zu ermöglichen, es gab Überlegungen bis hin zur Enteignung. Nunmehr ist zwischen dem Bezirksamt und der Firma eine Vereinbarung getroffen worden, die die Wegeführung am Ufer entlang ermöglicht.
Grünflächen- und Umweltamt suchen nach einer Lösung, um den erforderlichen Wegebau finanzieren zu können. Der Uferwanderweg führt weiter im großen Bogen bis zum Wasserkreuz an der Dovebrücke an der Spree entlang. Das diesseitige Spreeufer ist die Bezirksgrenze. Die Spree selbst und das gegenüberliegende Ufer gehören mit dem Ortsteil Moabit zum Bezirk Mitte.

Link zu: PTZ, 8.10.2011, Foto: KHMM
PTZ, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Pascalstr. 8: Produktionstechnisches Zentrum (PTZ)
Das Produktionstechnische Zentrum, kurz PTZ, wurde 1982-86 von Gerd Fesel, Peter Bayerer, Hans Dieter Hekker und Roland Ostertag für die Fraunhofer-Gesellschaft gebaut. Im Mittelpunkt steht die 3.200 Quadratmeter große verglaste, stützenfreie, kreisrunde Versuchshalle. Die ist halbkreisförmig mit einem gestaffelten Gebäudegürtel für Arbeitsräume, Werkstätten und Laboratorien umgeben. Außerdem sind zwei Hörsäle mit 260, bzw. 110 Plätzen untergebracht. Das Gebäude demonstriert faszinierende, wegweisende Industriearchitektur am Ufer der Spree für das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandeten Forschung e.V.
Dazu gehört auch das Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der Technischen Universität Berlin. Die seit 1979 durch Kooperationsvertrag verbundenen Institute widmen sich Fragen der Erforschung und Optimierung von industriellen Produktionsprozessen. Hier wurde beispielsweise ein Gerät entwickelt, das eine Waschmaschine in Sekundenschnelle in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, um diese dann getrennt den optimalen Recycling-Prozessen zuzuführen.

Kastanienbäume
Leider erstrahlen die Kastanienbäume entlang dem Uferweg nicht so herbstlich bunt, wie es zu erwarten wäre. Das liegt an der Miniermotte, die leider immer noch ihr Unwesen treibt und die Blätter der weißblühenden Kastanie vorzeitig sterben lässt. Seit 2003 veranstalten wir regelmäßig im Herbst Laubsammelaktionen zur Bekämpfung der Miniermotte, aber bisher hat sie darunter leider nicht sehr gelitten.

Carnotstr. 4-7: Zwillingsbauten
Die Zwillingsbauten von Jürgen Sawade sind von der Carnotstraße 4-7 erreichbar. Diese beiden Bürogebäude wurden 1996 nach den Entwürfen des Architekten Jürgen Sawade gebaut. Er hat in Berlin viel gebaut, zum Beispiel auch den “Sozialpalast” in der Schöneberger Pallasstraße, der nicht gerade als architektonisches Glanzstück gilt, aber auch das Hotel Esplanade am Landwehrkanal. Sawade hat sich selbst einmal als “Berliner und Großstädter” bezeichnet und folgendermaßen charakterisiert: “Ich bin auch Preuße und als solcher in meiner ästhetischen Gesinnung ein Purist, ein Rationalist und zunehmend auch ein Minimalist.”
Das sieht man auch an diesen Zwillingsbauten, die einige als übergroße Schuhkartons bezeichnen, andere jedoch unter anderem wegen der ausgezeichneten Lichtverhältnisse in den Büros sehr schätzen. Seinen Kritikern hat Sawade ein Zitat des Architekten Heinrich Tessenow entgegengehalten: “Das Einfachste ist nicht immer das Beste, aber das Beste ist immer einfach.” Dazu passt der schöne Satz von Albert Einstein: “Immer so einfach wie möglich – aber nicht einfacher”.

Ehemalige Müllverladestation
Die ehemalige Müllverladestation, die 1936/37 von Paul Baumgarten gebaut wurde, ist heute ein Baudenkmal. Seinerzeit galt die Anlage als vorbildlich, da die Müllfahrzeuge in ununterbrochener Reihenfolge in die Halle hineinfahren konnten, ihre Ladung durch Schütttrichter in einen darunter liegenden 600-Tonnen-Kahn entleerten, wenden und das Gelände ohne Gegenverkehr verlassen konnten. Das Bauwerk ist ein Beispiel für das Fortleben des Neuen Bauens in den 1930er Jahren, das der herrschenden Bau-Ideologie der NS-Zeit widersprach. Es erinnert an ein Frachtschiff. Als Müllverladestation wurde das Gebäude 1954 stillgelegt und zunächst als Depot für Straßenreinigung genutzt. Heute dient das Gebäude als Architekturbüro der Firma Kleihues + Kleihues des 2004 verstorbenen prominenten Berliner Architekten Joseph P. Kleihues. Es wird von seinem Sohn Jan Kleihues und Norbert Hensel weiter geführt.

Infotafel
Die Infotafel stammt noch aus der Zeit vor der Bezirksfusion vom damaligen Naturschutz- und Grünflächenamt des Bezirksamtes Charlottenburg. Leider fehlen inzwischen die Abbildungen, und die Tafel ist in keinem guten Zusand.
In dem Text heißt es unter anderem:
“Eine Promenade mit Staudenrabatten und Rankgerüsten führt seit 1992 von hier zu einem idyllischen Plätzchen an der Spree. …
Landschaftsplaner sehen die Spree als einen die Stadt durchquerenden Grünraum, der die Erholungsgebiete Müggelsee, Treptower Park, Tiergarten, Charlottenburger Schloßgarten und die Spandauer Uferanalagen verbindet. Ansätze zu diesem Gedanken finden sich schon bei Lenné um 1840.
Die vielfach durch hohe Ufermauern, Ladestraßen und Bebauung eingepferchte Spree wurde seit 1952 an vielen Stellen begrünt – zunächst im Notstandsprogramm. In Charlottenburg legte damals das Gartenbauamt unter Joachim Kaiser flache Uferböschungen und Fußwege an der Spree an.
Vor allem das Südufer war wegen des vormaligen Treidelweges hierzu geeignet. … Wenn zwei Fußgängerbrücken gebaut würden und die letzten zur Zeit noch unzugänglichen Uferstreifen geöffnet sind, kann man vom Reichstag bis Ruhleben die Spree entlanglaufen.”

Dovestraße
Die Dovestraße erhielt 1892 ihren Namen nach dem Physiker und Meteorologen Heinrich Wilhelm Dove. Er wurde 1803 in Liegnitz geboren und starb 1879 in Berlin. Er gilt als der Begründer der modernen Meteorologie und damit der Wettervorhersage.

Uferpromenade am Wasserkreuz
Im April 2004 konnte ich mit dieser Uferpromenade den letzten Bauabschnitt des Grünzuges an der Dovebrücke eröffnen, der von Thomas Cordes geplant wurde. Mit dieser Baumaßnahme wurde der Grünzug am Spreebogen von der Gotzkowskybrücke bis zur Dovebrücke durchgängig für Spaziergänger erschlossen.

Wasserkreuz
Hier fließen Spree, Landwehrkanal und Charlottenburger Verbindungskanal zusammen und bilden eine besonders reizvolle Stadtlandschaft.
Am gegenüberliegenden Ufer hat 2004 eines der inzwischen in Berlin äußerst beliebten Strandcafés eröffnet, “Playa Paradiso”. Naturgemäß ist der Erfolg hier stark vom Wetter abhängig.
Jetzt kann Herr Sattler vielleicht etwas zur Idee und den gestalterischen Komponenten der Radwegeplanung berichten.

Link zu: Die Fahne von Bangladesh vor dem Spreetower, 8.10.2011, Foto: KHMM
Die Fahne von Bangladesh vor dem Spreetower, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Dovestr.1: Spreetower
Im Spree-Tower residiert unter anderem die Botschaft der Volksrepublik Bangladesh, deutlich an der Fahne vor dem Gebäude erkennbar.
Dovebrücke
Die Dovebrücke wurde 1911 wie die Marchbrücke von Heinrich Seeling gebaut. Sie ist heute ebenfalls ein Baudenkmal, benannt nach dem Physiker Heinrich Dove (1803-1879), der seit 1848 Direktor des Berliner Meteorologischen Instituts war. Sie dient gemeinsam mit der Marchbrücke als Verbindung zum Gewerbeviertel im Spreebogen.
16 Röntgenbrücke
Auch diese Brücke wurde nach einem Naturwissenschaftler benannt: Der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) entdeckte 1895 die nach ihm benannten elektromagnetischen Strahlen, die er – wie heute in den angelsächsischen Ländern üblich – X-Strahlen nannte.

Link zu: Auf dem Siemenssteg, 8.10.2011, Foto: KHMM
Auf dem Siemenssteg, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Siemenssteg
Der Siemenssteg wurde 1900 als Zugang für die Beschäftigten des Kraftwerks Charlottenburg gebaut und zeitgleich mit diesem in Betrieb genommen. Benannt wurde er nach Werner von Siemens (1816-92), dem Begründer der Berliner Elektrizitätsindustrie, dessen Wohnhaus ganz in der Nähe lag. Gebaut als Metallkonstruktion mit Sandsteinrahmungen wurde der Steg nach der Kriegzerstörung in den 60er Jahren erneuert und später unter Denkmalschutz gestellt.

Kraftwerk Charlottenburg
Das Kraftwerk Charlottenburg wurde 1899/1900 von Prof. Dr. Georg Klingenberg erbaut. Von der ursprünglichen Bebauung ist die Maschinenhalle, ein roter Ziegelbau mit weißen Putzfeldern und ehemals mit Kegeldächern versehenen Ecktürmen, erhalten. 1925 wurde das Schalthaus im Stil der neuen Sachlichkeit gebaut, 1953 erfolgte der Abriss des alten und Bau eines neuen Kesselhauses. 1989 entstanden die Rauchgasentschwefelungsanlagen, 1994 die Rauchgasentstickungsanlagen. Das Kraftwerk funktioniert als Kraft-Wärme-Kopplungsanlage.
Die Errichtung eines eigenen Kraftwerkes für die Stadt Charlottenburg erfolgte durch Magistratsbeschluss von 1898, die erste Heizwärme floss in das Rathaus. Die Generatoren wurden durch Kolbendampfmaschinen angetrieben, die dafür benötigte Kohle wurde über die Spree angeliefert. 1922 wurde das Kraftwerk in die “Berliner Städtischen Elektrizitätswerke” eingegliedert. 1925/26 wurde es zum ersten deutschen Hochdruck-Großkraftwerk mit Hochdruckturbinen umgebaut. In diesem Zusammenhang wurde das erste Fernheiznetz Berlins eingerichtet.
1954-66 kam zu dem mit Wasserdampf als Wärmeträger arbeitenden Heiznetz ein Heißwasser-Heiznetz hinzu. 1989 erhielt das Kraftwerk eine Rauchgasentschwefelungsanlage und 1994 eine Rauchgasentstickungsanlage in einem kubischen Neubau, der seither die Gesamtanlage dominiert. Im Jahr 2001 wurde der kohlebetriebene Kraftwerksteil stillgelegt. Im Jahr 2006 wurde die Kohlenentladungsanlage am Spreeufer abgeräumt und anschließend ein Uferwanderweg angelegt. Im September 2006 begann der Abriss des 125 m hohen Schornsteins, der bis dahin den Turm des Charlottenburger Rathauses deutlich überragt hatte.
Noch in Betrieb ist ein überwiegend erdgasbetriebener Kraftwerksteil mit drei Turbinen in einem auffälligen, orangefarbenen Gebäudeblock. Dieses Spitzenlast-Heizkraftwerk wird seit dem Verkauf der Bewag 2003 von Vattenfall Europe betrieben.
2007 wurde der von Vattenfall gestaltete neue Uferweg „Am Spreebord“ eröffnet.
Im Januar 2008 beschloss Vattenfall, die Energieproduktion an diesem Standort aufrechtzuerhalten. Pläne für ein Wellnesshotel und ein Thermalbad wurden damit hinfällig.

Skulptur “Der Spreekieker”
Die Skulptur “Der Spreekieker” wurde 1982 von Gertrud Bergmann geschaffen und mit einer Gedenktafel für Alfred Braun hier aufgestellt. Der Text lautet:
Zur Erinnerung an
Alfred Braun 3.5.1888 – 31.1.1978
Den ersten deutschen Rundfunksprecher
1924 begann Brauns Tätigkeit beim Funk, zunächst als Sprecher, später auch als Regisseur. In die Rundfunkgeschichte eingegangen sind seine Live-Reportagen von der Trauerfeier für Reichsaußenminister Gustav Stresemann am 6. Oktober 1929 und der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Thomas Mann am 10. Dezember 1929. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten beendete 1933 vorläufig Brauns Karriere. Obwohl er zeitweilig inhaftiert und nach seiner Entlassung in die Schweiz übergesiedelt war, kehrte Alfred Braun 1941 nach Deutschland zurück. Nach Kriegsende hatte Alfred Braun Erfolg als Hörspiel- und Filmregisseur, unter anderem 1953 mit dem Zarah Leander-Film Ave Maria.

Kastanienwäldchen
Auch hier an diesem kleinen Kastanienwäldchen können Sie das unheilvolle Wirken der Miniermotte studieren.

Link zu: Am Spreebord, 8.10.2011, Foto: KHMM
Am Spreebord, 8.10.2011, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Rathaus Charlottenburg
Das Rathaus Charlottenburg wurde 1899-1905 von Heinrich Reinhardt & Georg Süßenguth als Rathaus für die Stadt Charlottenburg erbaut; 1911-16 folgte der Erweiterungsbau durch Heinrich Seeling mit einer Sparkassenhalle, in der sich heute die Stadtbibliothek befindet. Nach schweren Kriegsschäden wurde es 1947-52 wiederhergestellt.
Der 89m hohe Turm beherrscht das monumentale Gebäude und stellte seinerzeit als Symbol stolzen Bürgersinns für den Kaiser im Schloss Charlottenburg ein heftiges Ärgernis dar, überragt der Rathausturm die Schlosskuppel doch um einiges. Versuche des Kaisers, den Turmbau in dieser Form zu verhindern, scheiterten an der Rechtslage.

Wintersteinstr. 24: Russisch-Orthodoxe Kirche “Schutz der Gottesmutter”
Am 7.3.2008 war die feierliche Schlüsselübergabe für die neue Russische Orthodoxe Kirche. Erzbischof Mark von Berlin und Deutschland war extra gekommen, und Gemeindepriester André Sikojev nahm den Schlüssel in Empfang. Die älteste christliche orthodoxe Gemeinde Berlins “Schutz der Gottesmutter” (russ.: Pokrov Bogorodizy) nutzte zunächst nur das Erdgeschoss des Gebäudes, in dem früher eine Kita untergebracht war, während das obere Stockwerke und das Dach in den folgenden Monaten umgebaut wurden. 2009 wurden zwei vergoldete Zwiebelturmspitzen aufgesetzt.

Am Spreebord 9: Bildgießerei Noack
2009 wurde der Grundstein für das neue Skulpturenzentrum der Bildgießerei Noack am Spreebord gelegt. Die Bildgießerei Noack hat auf dem ehemaligen Kohlenlagerplatz des Kraftwerkes Charlottenburg ihre neue Gießerei gebaut. Das 1897 gegründete Familienunternehmen hat viele berühmte Skulpturen in Berlin hergestellt darunter die rekonstruierte Schadowsche Quadriga auf dem Brandenburger Tor, die Goldelse auf der Siegessäule, die Henry-Moore-Plastik für der Kongresshalle und in Charlottenburg-Wilmersdorf das Reiterstandbild des großen Kurfürsten vor dem Charlottenburger Schloss, die Adenauerplastik auf dem Adenauerplatz und die “Flamme” am Ernst-Reuter-Platz. Dies sind nur einige wenige Beispiele. Aber die Bedeutung der Gießerei Noack geht weit über Berlin hinaus, und es gibt kaum einen bedeutenden Bildhauer, der seine Skulpturen nicht bei Noack gießen lässt.
Die Firma Noack zog aus der Fehlerstraße in Friedenau hierher nach Charlottenburg, um sich zu vergrößern.

Caprivibrücke
Die Caprivibrücke wurde benannt nach Leo Graf von Caprivi (1831 Charlottenburg – 1899). Er war Nachfolger Bismarcks als Deutscher Reichskanzler (1890-1894) und (bis 1892) preußischer Ministerpräsident. Zwischen Caprivi- und Schloßbrücke befinden sich beidseits der Spree Anlegestellen der Ausflugsschiffe.
Vor der Schloßbrücke, auf der gegenüberliegenden Seite der Spree lag ehemals die Kaiserin-Augusta-Stiftung. 1872 wurde sie als Waisenhaus und Erziehungsanstalt für durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verwaiste Offizierstöchter von Kaiserin Augusta, der Gemahlin von Kaiser Wilhelm I, in dem “ehemaligen Kabinettshaus” auf einem Meiereigrundstück, etwa zwischen Bonhoefferufer und Mierendorffstraße, gegründet. Im Laufe der Jahre wandelte sich das zunächst für 50 Mädchen eingerichtete Waisenhaus in ein vornehmes Erziehungsinstitut und blieb bis zur Eröffnung eines Neubaues am Potsdamer Pfingstberg 1902 an diesem Ort.

Schlossbrücke
Die Schlossbrücke führt am Luisenplatz über die Spree. 1709 wurde an dieser Stelle eine einfache Holzbrücke über die Spree mit der Bezeichnung “Berlinische Brücke” gebaut. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie ersetzt durch eine stärkere Jochbrücke. Diese wurde am Ende des Jahrhunderts durch Ludwig Hoffmann verbreitert und mit einem eisernen Überbau, sowie Bildhauerarbeiten von Max Dennert versehen. Sie wurde 1901 eröffnet.
1926-27 wurde sie von dem Stahlbauunternehmen A. Druckenmüller durch eine massive Eisenkonstruktion ersetzt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde der in der Spree versunkene Eisenkörper geborgen und die Brücke 1946-49 wieder aufgebaut.