94. Kiezspaziergang am 10.10.2009

Vom U-Bahnhof Olympiastadion zum Parkplatz an der Waldbühne

Link zu: Olympiastadion
Olympiastadion Bild: Bezirksamt

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler

Treffpunkt: U-Bahnhof Olympiastadion

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 94. Kiezspaziergang. Ich möchte mit Ihnen heute unter anderem den Friedhof Heerstraße erkunden, den Coubertin-Saal und die Kapelle im Olympiastadion besichtigen und zum Schluss auf dem Parkplatz an der Waldbühne unsere Pläne für ein neues Eisstadion vorstellen.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen mitteilen, wo der Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang sein wird. Wie Sie wissen findet unser Kiezspaziergang immer am zweiten Sonnabend des Monats statt, also das nächste Mal am 14. November, und Start ist wie immer um 14.00 Uhr. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen wird auch an diesem Novemberwochenende nicht in Berlin sein. Sie wird dann von Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer vertreten. Frau Schmiedhofer lädt Sie ein zu einem besonderen historischen Spaziergang vom Sophie-Charlotte-Platz zum Theodor-Heuss-Platz. Es wird dabei vor allem um die Erinnerung an zwei historische Ereignisse gehen, die sich mit dem 9. November verbinden: die Pogromnacht am 9. November 1938 und den Fall der Mauer vor 20 Jahren am 9. November 1989. Charlottenburg war zwar kein Mauerbezirk, aber es gab in Charlottenburg eine Reihe von Einrichtungen, die mit der Teilung Berlins zu tun hatten, darunter zum Beispiel in der Kuno-Fischer-Straße die Notaufnahmestelle für Flüchtlinge aus der DDR und das Haus des Rundfunks an der Masurenallee, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von russischen Soldaten Radio für die sowjetisch besetzte Zone gemacht wurde. In diesen Tagen ist ein neuer Krimi von Irene Fritsch erschienen unter dem Titel “Kalter Krieg am Lietzensee”. Er handelt von diesen und anderen Orten in den 1950er Jahren in Charlottenburg und zu den entsprechenden Schauplätzen führt der nächste Kiezspaziergang. Treffpunkt ist also am 14. November, um 14.00 Uhr auf dem Sophie-Charlotte-Platz am U-Bahn-Ausgang Kaiserdamm Ecke Schlossstrasse.

U-Bahnhof Olympiastadion
Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude an der ehemaligen so genannten Stammbahn wurde von Sepp Kaiser entworfen und am 8.7.1913 eröffnet. Mit Blick auf die Olympischen Spiele von 1936 errichtete Alfred Grenander 1929 einen völlig neuen Bahnhof mit zwei Bahnsteigen und drei Gleisen, dessen einziger Ausgang Richtung Olympiastadion und Waldbühne auf den Rossitter Platz mündet. Im Juni 1935 wurde er umbenannt in “Reichssportfeld”, am 26.6.1950 “Olympia-Stadion”.
Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 hat die BVG den U-Bahnhof für knapp 4,5 Mio EUR erneuert und unter anderem zwei neue Aufzüge eingebaut. Außerdem wurde die gesamte Anlage denkmalgerecht saniert. Wiedereröffnung war am 31.5.2006.
In dem zweigeschossigen verklinkerten Empfangsgebäude mit einem gerundetem Eingangsbereich ist auch das U-Bahn-Museum untergebracht. Im oberen Teil befand sich ursprünglich die Signal- und Stellwerkanlage für die gesamte Strecke.
In dem Museum ist das historische, voll funktionsfähige und vorführbare Hebelstellwerk zu besichtigen. Es war zur Zeit seiner Erbauung das größte Europas. Das Museum ist an jedem zweiten Samstag im Monat geöffnet.

Rossitter Platz und Rossitter Weg
Der Rossitter Platz und der Rossitter Weg wurden am 23. April 1936 nach der Stadt Rossitten auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen bei Königsberg benannt. Heute heißt die Stadt Rybatschi, und sie liegt im Gebiet Kaliningrad in Russland.

Rominter Allee
Die Rominter Allee wurde bereits 1925 benannt, und zwar ebenfalls nach einer Stadt im damaligen Ostpreußen, nach Rominten in der Rominter Heide, heute Krasnolesje, ebenfalls im Gebiet Kaliningrad in Russland.

Trakehner Allee
Die Trakehner Allee wurde 1923 nach dem Ort Trakehnen in Ostpreußen benannt, heute Jasnaja Poljana , ebenfalls im Gebiet Kaliningrad in Russland.

Trakehner Allee 1: Friedhof Heerstraße
Der Friedhof Heerstraße wurde 1921-24 von Erwin Barth rund um die Senke des Sausuhlensees mit terrassenförmig gruppierten Grabreihen angelegt und 1924 zum interkonfessionellen Friedhof von Groß-Berlin erweitert.
Es gibt zahlreiche Grabstätten berühmter Künstler und Kunstfreunde, darunter Leo Blech, Ferdinand Bruckner, der am 3.3.2003 verstorbene Schauspieler Horst Buchholz, die Familie Cassirer und Tilla Durieux, Theodor Däubler, Curt Goetz, George Grosz, Wolfgang Gruner, Käte Haack, Maximilian Harden, Felix Holländer, Arno Holz, Willi Kollo, Viktor de Kowa, Eduard und Evelyn Künneke, die Vorkämpferin der Frauenbewegung Helene Lange, Klaus-Günther Neumann, der Autor eines Titanic-Romans Josef Pelz von Felinau, Joachim Ringelnatz, Willi Rose, Willy Schaeffers, Hannelore Schroth, die Familie Ullstein, Paul Wegener und Grete Weiser.
Die Grabstätte von Benjamine und Georg Kolbe ist mit Stelen geschmückt, die nach Entwürfen von Georg Kolbe geschaffen wurden. Bemerkenswert ist auch das Familienbegräbnis Seidler mit einer der seltenen modernen Plastiken auf Berliner Friedhöfen, einer abstrakten Skulptur von Volkmar Haase.
Die Kapelle, die übrigen Bauten und die Einfriedung wurden 1921-23 von Erich Blunck geschaffen. 1935 wurden auf Geheiß der Nationalsozialisten im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die olympischen Spiele zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Unter anderem wurde das hohe Bogenbohlendach der Kapelle abgeflacht, weil es vom Olympiastadion aus gesehen werden konnte. Angeblich sollte die Sichtachse zum Olympiastadion nicht gestört werden. Die Nationalsozialisten nahmen aber vor allem Anstoß an den zahlreichen jüdischen Begräbnisstätten auf dem interkonfessionellen Friedhof.
Im Innenraum wurde eine neue Unterdecke an die vorhandene, trapezförmige Kassettendecke angehängt, wahrscheinlich um der neuen Sachlichkeit außen auch im Innenraum nachzukommen. In der Apsis wurde u. a. die Originalkartusche mit Schriftzug mit einem Kreuz übermalt. Nach Kriegsschäden wurde die Kapelle 1948 wieder aufgebaut und dabei durch gotisierende Elemente verändert.
Nach einem knappen Jahr denkmalgerechter Sanierung der “Apsis” erstrahlt die Friedhofskapelle jetzt wieder in altem Glanz. 360 Kugeln mit vier verschiedenen Motiven und Sternen aus blattgoldähnlichem Material wurden in einem dunklem Farbhintergrund aufgetragen und werden durch eine dezente Anstrahlung wirkungsvoll in Szene gesetzt.
Der Steinfußboden wurde in einem Nassverfahren geschliffen, sodass das wertvolle Schachbrettmuster wieder sehr schön zur Geltung kommt. Die Sitzbänke wurden nach intensiver denkmalpflegerischer Recherche malermäßig instand gesetzt und im historischen Farbton lackiert.
Seit Ende Juni 2009 wird die Rekonstruktion im Kapellenraum weitergeführt. Hierbei steht die Rekonstruktion der Originalunterdecke im Vordergrund der Gesamtmaßnahme. Die Bauzeit schätzen wir auf ca. ein Jahr. Weitere Rekonstruktionen werden schrittweise je nach Finanzlage und baulicher Notwendigkeit folgen.

Olympischer Platz, Olympiastadion
Die wenigsten wissen, dass die Geschichte dieses Stadions genau genommen 1909 anfängt. Damals wurde hier eine Galopp- und Hindernisrennbahn eröffnet und gleichzeitig ein Sportstadion für die Olympischen Spiele im Jahr 1916 geplant.
Dieses wurde von Otto March erbaut und als “Deutsches Stadion” 1913 zum 25jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelms II eingeweiht.
Seiner Bestimmung konnte es allerdings nicht dienen, denn die Olympischen Spiele von 1916 wurden wegen des Ersten Weltkrieges abgesagt. Das Sportgelände lag damals außerhalb Charlottenburgs; erst bei der Eingemeindung der Stadt im Zuge der Bildung Groß-Berlins 1920 wurde es dem neuen Bezirk Charlottenburg zugeschlagen. Als Berlin 1931, also noch während der Zeit der Weimarer Republik, erneut den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele erhielt, diesmal für das Jahr 1936, wurde der Sohn von Otto March, Werner March beauftragt, das “Deutsche Stadion” zu überarbeiten. Er ließ es 1934 abreißen und baute bis 1936 zum Teil nach persönlichen Anweisungen von Hitler das neue Olympiastadion. Hitler sorgte zum Beispiel dafür, dass hinter dem Stadion das Maifeld für Massenaufmärsche angelegt wurde. Das Marathontor stellt die Verbindung her zwischen dem Maifeld und dem Olympiastadion. Abgeschlossen wurde das Maifeld von der Langemarckhalle, die dem militärischen Totenkult des NS-Regimes diente. Sie wurde als nationale Gedenkstätte für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges errichtet.
Heute ist das Olympiastadion ein Baudenkmal im High-Tech-Gewand. Vier Jahre hat der Umbau bei laufendem Spielbetrieb bis zu seiner Wiedereröffnung am 31. Juli 2004 gedauert, anderthalb Jahre länger als der Neubau in den 1930er Jahren.
Entstanden ist ein Hochbau über einem ovalem Grundriss von 300 mal 230 Metern. Die Kampfbahn und der untere Zuschauerring befinden sich 15 Meter (ursprünglich 12 Meter) unter Bodenniveau. Im Äußeren gibt es einen zweigeschossigen Pfeilerumgang, im Inneren zwei voneinander unabhängig erschlossene Zuschauerränge.
Der obere Ring öffnet sich an der Westseite mit dem Marathontor und einer monumentalen Freitreppe zum Maifeld. Auf dem Treppenpodest steht ein bronzener Dreifuß für das Olympische Feuer. Der Haupteingang mit dem Olympischen Tor befindet sich hier auf der östlichen Seite des Stadions. Zum Olympischen Tor gehören links der Bayern- und rechts der Preußenturm sowie Stelen mit Darstellungen der verschiedenen Sportarten und eingravierten Namen deutscher Olympiasieger.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Olympiagelände als Hauptquartier der britischen Militärverwaltung in Berlin. Bis zur deutschen Einheit 1990 erfolgten verschiedene Instandsetzungsarbeiten und Umbauten, so beispielsweise 1973 eine Teilüberdachung der Ränge.
1998 beschloss der Berliner Senat die Komplettsanierung, die den historischen Charakter bewahren sollte. Jetzt sind sämtliche 74.400 Zuschauerplätze überdacht und damit vor Regen und Sonne geschützt. Die neue 140 qm große Anzeigetafel ist die größte Europas. Zusätzlich gibt es eine kleinere Anzeigetafel auf der Nordtribüne. Der neue VIP-Bereich erhält 76 Logen und 5.000 Sitze. Im Bereich der Ehrentribüne wurden 18.000 Natursteinplatten entfernt und nach der Sanierung wieder eingesetzt.
Das Olympiastadion steht unter Denkmalschutz. Deshalb mussten in einem schwierigen Verfahren Kompromisse gefunden werden zwischen den Anforderungen sowohl der FIFA für die Ausrichtung internationaler Fußballspiele als auch des Internationalen Leichtathletikverbandes einerseits und den Auflagen des Denkmalschutzes, das Olympiastadion möglichst im Originalzustand zu erhalten, andererseits.
Diese Kompromisse hatten zur Folge, dass die Umbauten aufwändiger und teurer wurden als geplant; aber alle Beteiligten stimmen darin überein, dass es sich gelohnt hat. Das Olympiastadion beeindruckt jetzt vor allem durch eine gelungene Kombination von Alt und Neu.
Das neue Dach wurde von den Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner entworfen, und es gilt schon jetzt als ein Meisterwerk der Ingenieur- und Baukunst. Der Dachkranz durfte nicht geschlossen werden, damit die Sicht durch das Marathontor auf das Maifeld und den Turm mit der Olympiaglocke nicht versperrt wird. Die komplexe Technik wurde in das Dach integriert, so dass auf störende Flutlichtmasten oder Lautsprecheranlagen im herkömmlichen Sinne verzichtet werden konnte.
Ein wesentlicher Aspekt der Umbaumaßnahmen war die angestrebte Multifunktionalität der Arena. Das neue Olympiastadion sollte nicht allein eine Spielstätte für Fußball- und Sportveranstaltungen oder Konzerte und sonstige Großereignisse werden, sondern auch “hinter den Kulissen” Räumlichkeiten für die unterschiedlichsten Zwecke und Anlässe bieten. Das Stadion besitzt jetzt 76 edel ausgestattete VIP-Lounges einschließlich der Skyboxen sowie die umgebaute Ehrentribüne mit dem prächtigen “Coubertin-Saal” und der “Ehrenhalle” als Herzstück. Alle VIP-Logen und Säle können durch separate Vorfahrten zu den beiden Tiefgaragen erreicht werden.
Nicht verdrängt werden soll, wie die Nationalsozialisten die Olympischen Spiele 1936 für ihre Politik instrumentalisierten. Deshalb wurden im Stadion und dessen Umfeld Informationstafeln aufgestellt, die unterstreichen, dass die Zeit des “Dritten Reiches” nicht verdrängt wird. Kurze, lexikonartige Texte auf deutsch und englisch – von einer Historikerkommission erarbeitet – wurden durch Bilder und Lagepläne ergänzt. Umfassende Aufklärung gibt es am Ort der Information beim Haupteingang am Olympischen Platz und in dem “Dokumenationszentrum Geschichtsort Olympiagelände .1906 1936 2006” unter dem Glockenturm in der sogenannten Langemarckhalle.

Coubertinplatz
Der Coubertinplatz vor dem Südtor des Olympiastadions trägt den Namen von Pierre Baron de Coubertin (1863 – 1937), dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit. Er war IOC-Vorsitzender von 1894 bis 1925, danach Ehrenpräsident aller Olympischen Spiele. Aus Anlass der Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurde am 23.4.1936 der Platz nach ihm benannt.

Jesse-Owens-Allee
Die frühere Stadionallee wurde 1984 nach dem amerikanischen Sportler Jesse Owens benannt. Er wurde 1913 in Danville als James Cleveland geboren und starb 1980 in Tucson. 1935 stellte er innerhalb einer Stunde bei vier Starts vier Weltrekorde ein. Bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin gewann er 4 Goldmedaillen über 100 Meter, 200 Meter, Weitsprung und in der 4 mal 100 Meter Staffel. Seine 10,2 Sekunden im 100-Meter-Lauf blieben als Rekord 20 Jahre bestehen, seine 8,13 Meter im Weitsprung 25 Jahre.

Passenheimer Straße
Die Passenheimer Straße wurde 1937 nach der masurischen Stadt Passenheim benannt, heute polnisch Pasym.

Glockenturm und Dokumentationszentrum
Der Glockenturm wurde 1934-36 im Zuge des Neubaus des “Reichssportfeldes” mit dem Olympiastadion gebaut. Nach schweren Kriegsschäden sprengten britische Pioniere den Turm am 15.2.1947 und vergruben die Olympiaglocke auf dem Vorplatz. Die Glocke wurde am 16.12.1956 wieder ausgegraben und vor dem Stadion aufgestellt. Der Glockenturm wurde 1961-62 nach den Plänen des Architekten Werner March neu errichtet, am 23.12.1961 wurde die neue Glocke eingebaut.
Der 77,17 m hohe Turm bietet eine prächtige Sicht über das Olympiagelände, den Grunewald mit dem Teufelsberg, Charlottenburg und Spandau. Nach oben fährt ein Expressaufzug.
Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde der Turm einschließlich der Glocke für 7 Mio Euro saniert. Die Glocke darf allerdings nicht geläutet werden, da sie den Turm in so starke Schwingungen versetzt, dass diese den gläsernen Aufzug zur Aussichtsplattform gefährden könnten.
In der Halle unter dem Glockenturm wurde im Mai 2006 ein Dokumentationszentrum zum Geschichtsort Olympiagelände eröffnet. Es wurde vom Deutschen Historischen Museum gestaltet. Im Inneren wird auf großen Informationstafeln, in Videofilmen und Simultationen die Geschichte des Olympiageländes von der 1909 eröffneten Pferderennbahn bis zur Eröffnung des umgebauten Olympiastadions 2004 erklärt. Die im Obergeschoss befindliche “Langemarckhalle” wurde in das Dokumentatinszentrum einbezogen. Sie sollte an die Schlacht von Langemarck erinnern, bei der im Ersten Weltkrieg im November 1914 zehntausende junge Deutsche umgekommen waren. Die Nationalsozialisten verherrlichten dies als Heldentod. Ein Schwerpunkt der Ausstellung widment sich den Olympischen Spielen von 1936 und der entsprechenden Nazi-Propaganda.

Waldbühne
Auf dem Areal des ehemaligen Reichssportfeldes errichtete Werner March die Waldbühne im 1934-36 erbauten Olympiade-Komplex im Sinne nationalsozialistischer Konzeption als kultische und nationale “Weihestätte” im 30 m tiefen Kessel der Murellenschlucht im Stil eines griechischen Theaters für 20.000 Zuschauer.
Sie wurde am 2.8.1936 eröffnet als “Dietrich-Eckart-Bühne”, benannt nach einem überzeugt antisemitischen und nationalsozialistischen Schriftsteller, den Hitler als Gründungsmitglied der NSDAP “meinen väterlichen Freund” nannte.
1961 wurde der kriegsbeschädigte Bühnenbereich wiederhergestellt, 1982 die Zeltdachkonstruktion über der Bühne.
Nach dem Krieg wurde die Waldbühne zunächst vor allem für Boxveranstaltungen genutzt. Nach der Instandsetzung entwickelte sie sich zu einem kulturellen Veranstaltungsort. Legendär waren der Boxkampf von Max Schmeling 1948, die Trauerfeier für Kurt Schumacher 1952 und das Konzert der Rolling Stones 1965. In Folge der Tumulte bei diesem Konzert und wegen der unkalkulierbaren Witterungsverhältnisse gab es danach in den 60er und 70er Jahren nur noch vereinzelte Veranstaltungen. 1980 trat Bob Marley in einem sensationellen Konzert auf.
Seit 1981 gab es wieder regelmäßig Open-Air-Veranstaltungen: Rock-, Pop- und Klassikkonzerte, sowie Kinovorstellungen. Am 30.6.1984 traten erstmals die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne auf – unter der Leitung von Reinhard Peters. Das Experiment mit der Freiluft-Klassik wurde zum Publikumsrenner:
Das jährliche Konzert zum Abschluss der Saison der Berliner Philharmoniker in der ausverkauften Waldbühne ist inzwischen ein Highlight des Berliner Veranstaltungskalenders. Dirigiert haben bisher Daniel Barenboim, Erich Leinsdorf, Rafael Frühbeck de Burgos, Lorin Maazel, Sir Colin Davis, Claudio Abbado Sir Simon Rattle und Gustavo Dudamel.
Hauptveranstalter der Waldbühne war bis Ende 2008 Peter Schwenkows Deutsche Entertainment AG DEAG. Nach einer Ausschreibung des Berliner Senats für den neuen Pachtvertrag ab 2009 wurde der Zuschlag an den Veranstalter CTS Eventim gegeben.

Parkplatz an der Waldbühne: Denkzeichen
Der Weg vom Parkplatz an der Waldbühne durch die Murellenschlucht zum Murellenberg wurde im Jahr 2002 als Gedenkweg gestaltet. In Form von Verkehrsspiegeln sind hier Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg angebracht.
Am Murellenberg existierten militärische Anlagen mit Kasernen und Schießständen seit der Zeit um 1840, unter anderem nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten und heute von der Polizei genutzt. Unter den Nationalsozialisten wurde hier eine Wehrmachtshinrichtungsstätte errichtet: In der Murellenschlucht, am Hang des Murellenberges wurden zwischen dem 12. August 1944 und dem 14. April 1945 Deserteure, Wehrdienstverweigerer und Befehlsverweigerer unterschiedlicher Dienstgrade, meist nach Urteilen des Reichskriegsgerichtes, standrechtlich erschossen.
Die genaue Zahl ist nicht bekannt, ca. 230 sind bisher namentlich ermittelt; viele der Exekutierten wurden im Spandauer Fort Hahneberg beerdigt. Erst 1998 hob der Deutsche Bundestag per Gesetz die rechtsstaatswidrigen Entscheidungen der “NS-Terrorjustiz” auf und sprach den Opfern “Achtung und Mitgefühl” aus.
Eine Initiative der evangelischen Kreissynode und einzelner Bürger bemühte sich seit 1994, später unterstützt von der Bezirksverordnetenversammlung, um die Errichtung einer Erinnerungsstätte; im Herbst 2000 lobte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Wettbewerb für ein Mahnmal aus. Im März 2001 entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf der Berliner Künstlerin Patricia Pisani: Insgesamt 106 Verkehrsspiegel wurden entlang des Waldweges vom Parkplatz bis in die Nähe des Erschießungsortes hinter der Waldbühne aufgestellt; der authentische Ort ist nicht zugänglich, da er sich innerhalb eines polizeilichen Sperrgebietes befindet.
Auf 16 Spiegeln informieren eingravierte Texte über das Geschehen in der Murellenschlucht. Am ehemaligen Reichskriegsgericht am Witzlebenplatz weist ebenfalls ein beschrifteter Verkehrsspiegel auf diese Gedenkstätte hin. Die Künstlerin erklärt ihre geplante Installation folgendermaßen: “Wie Verkehrsspiegel auf Gefahrenstellen im Straßenverkehr hinweisen, sollen sie auch hier eine spezifische Situation vor Augen führen, die außerhalb des Gesichtsfeldes liegt und auf diese Weise virtuell auf die verdrängten Verbrechen der NS-Justiz verweisen.”

Parkplatz an der Waldbühne: Geplante Eissporthalle
Nach jahrelangen Diskussionen wurde die Eissporthalle an der Jafféstraße im April/Mai 2001 im Zuge der Südausbaus des Messegeländes abgerissen. Ersatzweise wurde die benachbarte Deutschlandhalle provisorisch für den Eissport umgebaut. Sie sollte den Vereinen bis zum Bau einer neuen Eissporthalle zur Verfügung stehen.
Im Mai 2008 beschloss der Berliner Senat, die Deutschlandhalle abzureißen, und leider wurde die Halle bereits geschlossen, bevor für Ersatz gesorgt ist, so dass die Eissportler große Schwierigkeiten haben, Ersatzflächen zu finden für den Zeitraum, bis die neue Eissporthalle fertig ist, die auf dem Parkplatz an der Glockenturmstraße neben der Waldbühne für 11 Mio Euro gebaut werden soll.