89. Kiezspaziergang am 9.5.2009

Vom Ernst-Reuter-Platz zum Breitscheidplatz

Link zu: Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz, 27.9.2005, Foto: KHMM
Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz, 27.9.2005, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler

Treffpunkt: U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz, Ausgang Straße des 17. Juni

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 89. Kiezspaziergang. Mein Name ist Klaus-Dieter Gröhler, ich bin Baustadtrat und Stellvertretender Bezirksbürgermeister, und ich vertrete heute Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, die unsere Partnerstadt Split in Kroatien besucht. Ich tue das sehr gern und möchte Ihnen heute zeigen, was sich in der City West Neues tut, und Sie werden feststellen: Es ist eine ganze Menge. Wir erleben derzeit mit einer Reihe von spektakulären Bauprojekten den Start in eine umfassende Modernisierung der westlichen City Berlins.
Wir werden von hier aus mitten durch das Gelände der Technischen Universität entlang der gerade erneuerten Straße des 17. Juni zunächst zum Charlottenburger Tor gehen, das frisch restauriert ist. Die dazugehörigen beiden Kandelaber sind noch im Bau. Über die Müller-Breslau-Straße und Fasanenstraße kommen wir vorbei an der Universität der Künste und der Volkswagen-Universitätsbibliothek zum Betriebsgelände der BVG an der Hertzallee, durch das die Bezirksgrenze zwischen Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf mitten hindurchführt. Unmittelbar dort entsteht in den nächsten Jahren das Aussichtsrad, das die City West neu prägen wird.
Auch der Hardenbergplatz wird sich verändern und soll unter anderem eine Tiefgarage erhalten. Zwischen Hardenbergstraße, Joachimstaler Straße und Kantstraße entsteht das Zoofenster-Hochhaus mit dem Waldorf-Astoria-Hotel. Ein Modell der City West ist im Amerikahaus an der Hardenbergstraße zu besichtigen. Am Joachimstaler Platz ist mit dem Neuen Kranzlereck, dem neuen Kudammeck und dem Hotel Concorde in den letzten Jahren bereits vieles realisiert worden, und am Breitscheidplatz wird der Zoobogen mit dem Zoopalast und dem Bikinihaus saniert und umgebaut.
Zuvor aber möchte ich Ihnen mitteilen, wo der Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang sein wird. Wie Sie wissen, immer am zweiten Samstag des Monats, also am 13. Juni, um 14.00 Uhr. Dann übernimmt wieder Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen die Führung, und sie wird durch das englische Viertel an der Heerstraße zum neu ausgebauten Teilstück des Havelhöhenwegs am Stößensee gehen. Treffpunkt ist am 13.6., um 14.00 Uhr am S-Bahnhof Olympiastadion.

Ernst-Reuter-Platz
Bevor wir aufbrechen möchte ich Ihnen einige Erläuterungen zum Ernst-Reuter-Platz geben. Dieser Platz ist historisch und modern zugleich. Wie Sie wissen, feiern wir in diesem Monat am 23. Mai den 60. Jahrestag unseres Grundgesetzes und damit das 60jährige Bestehen unserer Bundesrepublik Deutschland, eine beispiellose Erfolgsgeschichte: Freiheit, Frieden und Demokratie hat es in Deutschland niemals zuvor für einen so langen Zeitraum gegeben. Und wohl nirgends sonst in Berlin ist so sehr die Nachkriegszeit präsent wie hier. Schon der Name “Ernst-Reuter-Platz”, und natürlich auch die Straße des 17. Juni erinnern an die Nachkriegszeit und an die 50er Jahre.
Wie Sie wissen, hieß dieser Platz bis 1953 “Am Knie”. Schriftlich ist diese Bezeichnung erstmals auf einem Berliner Stadtplan von 1901 aufgetaucht, aber vermutlich nannte man diesen Platz schon lange vorher so, und zwar einfach weil die Hauptverbindung vom Berliner Stadtschloss zum Schloss Charlottenburg über die Charlottenburger Chaussee, heute Straße des 17. Juni, und die Berliner Straße, heute Otto-Suhr-Allee, hier einen Knick machte, also ein Knie bildete. Ein weiteres Knie kam dann durch den Straßenzug Hardenbergstraße – Bismarckstraße hinzu.
Umbenannt wurde der Platz am 1. Oktober 1953, zwei Tage nach dem Tod des ersten Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin. Dieser Platz hat sein Gesicht nach dem Zweiten Weltkrieg so radikal verändert wie kaum ein anderer. Nur sehr wenig erinnert noch an die Bebauung von vor dem Krieg.

Der Ernst-Reuter-Platz selbst wurde nach Planungen des Architekten Bernhard Hermkes Ende der 50er Jahre angelegt und ist ein typisches Beispiel für die städtebaulichen Vorstellungen von der autogerechten Stadt, wie sie von den 50er bis zu den 70er Jahren vorherrschte. Der Platz wurde 180 Metern Durchmesser zum größten Rundplatz Berlins. Zuletzt wurde 1960 die Mittelinsel mit Wasserspielen und Hauptfontäne durch Werner Düttmann gestaltet. Zur Mittelinsel führt ein Fußgängertunnel.
Um den Platz herum entstanden seit 1954 nach dem städtebaulichen Entwurf Bernhard Hermkes innerhalb von 20 Jahren Hochhäuser mit Verwaltungseinrichtungen von Telefunken, Osram, IBM und anderen Firmen und Hochschulgebäude der Technischen Universität, die später auch das Telefunken-Hochhaus bezogen hat.
Hier zwischen Hardenbergstraße und Straße des 17. Juni wurde das Hochhaus für Bergbau und Hüttenwesen der TU-Berlin 1954-59 von Willy Kreuer als 10-geschossiger Rasterbau mit blauer Glasfassade errichtet, mit niedrigen Anbauten daneben. Das Gebäude wurde zum Vorbild für spätere Institutsbauten in Deutschland. Obwohl es wie alle anderen am Ernst-Reuter-Platz unter Denkmalschutz steht, wurde lange über einen Abriss diskutiert – unter anderen weil es den Mittelweg des TU-Geländes hierher zum Ernst-Reuter-Platz abriegelt. Inzwischen wurde es allerdings umfassend und denkmalgerecht saniert.
Das IBM-Haus am Ernst-Reuter-Platz Nr.2 wurde 1960/61 von Rolf Gutbrod und Hermann Kiess erbaut. Das Betonrelief an der östlichen Schmalseite wurde aus dem Firmenlogo entwickelt.
Das 22stöckige, 80 Meter hohe Haus am Ernst-Reuter-Platz Nr.7 wurde 1958-60 von Paul Schwebes und Hans Schoszberger als erstes Berliner Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken gebaut. Bekannt wurde es als Telefunken-Hochhaus bzw. als “Haus der Elektrizität”. Später wurde das Haus von der Technischen Universität Berlin übernommen. Inzwischen betreibt sie hier gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine Forschungseinrichtung.
Das Osram-Haus am Ernst-Reuter-Platz Nr. 8 wurde 1956/57 von Bernhard Hermkes gebaut.
Das Büro- und Geschäftshaus der Firma Pepper am Ernst-Reuter-Platz 9-10 wurde 1960-62, 1963 von Sobotka & Müller gebaut. Darin ist seit 2002 die SRH Hochschule Berlin untergebracht. Das ist eine private, staatlich anerkannte Fachhochschule. Präsidentin ist Prof. Dr. Rita Süssmuth. Es werden staatlich anerkannte und akkreditierte Bachelor-Studiengänge der Fachrichtungen “Wirtschaft – Business Administration” und “Informations- und Kommunikationsmanagement” angeboten, die jeweils nach drei Jahren mit einem Bachelor of Arts (B.A.) abschließen. Der Wirtschaftsstudiengang kann sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache, der Masterstudiengang nur in englischer Sprache studiert werden.
Das Architekturgebäude der Technischen Universität wurde 1963-68 von Bernhard Hermkes gebaut, der dazugehörige Flachbau von Hans Scharoun. Davor wurde 1963 die Skulptur “Flamme” von Bernhard Heiliger aufgestellt. Sie ist dem Andenken Ernst Reuters gewidmet. Das Gebäude wurde von 1991-93 asbestsaniert, und die Fassade wurde vollständig erneuert.

Technische Universität Berlin
Der Blick auf die Technische Universität zeigt uns eine beeindruckende Mischung aus alt und neu. Der so genannte Erweiterungsbau gleich neben dem Hochhaus für Berg- und Hüttenwesen stammt ebenso aus dem 19. Jahrhundert wie die beiden erhalten gebliebenen Seitenflügel des Haupthauses. Die Technische Universität ist seit mehr als 120 Jahren ein besonders wichtiger Teil der Charlottenburger Geschichte. Gemeinsam mit der Universität der Künste hat sie Charlottenburg zur Universitätsstadt gemacht und den heutigen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zum bedeutenden Berliner Wissenschaftsstandort
Die TU ist aus verschiedenen Vorgängereinrichtungen hervorgegangen: 1770 gründete Friedrich II die Bergakademie, 1799 wurde die Bauakademie gegründet und 1821 die Gewerbeakademie.
1879 entstand schließlich durch die Verschmelzung von Bau- und Gewerbeakademie die Königlich Technische Hochschule. Sie wurde an die Peripherie der damals selbständigen Stadt Charlottenburg verlagert. 1916 wurde die Bergakademie eingegliedert. Am 2.2.1950 eröffnet die Technische Hochschule eine Humanistische Fakultät und wurde damit zur Technischen Universität. Heute ist sie die größte TU Deutschlands mit rund 30.000 Studentinnen und Studenten. Neben Ingenieur- und Naturwissenschaften Planungs-, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften beherbergt sie seit 1982 auch das Zentrum für Antisemitismusforschung
Seit 1878 wurde das Hochschulviertel zwischen der Hardenbergstraße und der heutigen Straße des 17. Juni (damals Berliner Straße) schrittweise aufgebaut und erweitert, seit 1958 auch nördlich der Straße des 17. Juni.
Zunächst bauten Richard Lucae, Friedrich Hitzig und Julius Raschdorff von 1878 bis 1884 das monumentale Hauptgebäude im Stil der italienischen Hochrenaissance um fünf Innenhöfe. Es wurde am 1.11.1884 in Anwesenheit des Kaisers feierlich eingeweiht. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Während der Seitenflügel und der rückwärtige Teil, sowie drei der Innenhöfe weitgehend rekonstruiert wurden, errichtete Kurt Dübbers 1965 die Hauptfront als aluminiumverkleideten zehngeschossigen Neubau mit einem vorgelagerten fensterlosen Auditorium Maximum.
Von den Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäuden ist vor allem das ehemalige Chemische Laboratorium und heutige Institut für Chemie im Stil Florentiner Palazzi bemerkenswert. Es steht kurz vor dem Charlottenburger Tor an der Straße des 17. Juni Ecke Fasanenstraße.

Charlottenburger Tor
Ursprünglich befand sich an dieser Stelle ein von August Stüler 1857 erbautes Steuereinnahmehäuschen. Es wurde 1907 abgerissen. Das Tor wurde 1908 von Bernhard Schaede an der damaligen Charlottenburger Chaussee als Stadteingang und Pendant zum Brandenburger Tor erbaut. Es ist eine kolonnadenartige Toranlage mit überlebensgroßen Bronzestandbildern des Stadtgründers Friedrich I. mit Szepter und Hermelin sowie Sophie Charlottes mit dem Modell des Charlottenburger Schlosses von Heinrich Baucke. 1937 wurde das Tor im Zuge des Ausbaus der Ost-West-Verbindung zur nationalsozialistischen Via Triumphalis von ursprünglich 20 Metern auf 34 Meter auseinandergerückt.
Von Ende 2004 bis zum Frühjahr 2007 wurde das Tor durch die Stiftung Denkmalschutz Berlin aufwändig saniert und restauriert, finanziert durch die Firma Samsung, die an der Rüstung mit Megapostern für sich warb. In der Brücke, die beide Torflügel verband, war die Baustelleneinrichtung untergebracht. Im Februar 2007 wurde die Sanierung abgeschlossen. Anfang 2007 übergab das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf das Charlottenburger Tor bis 2021 zur kostenlosen Nutzung an die Stiftung Denkmalschutz Berlin.
2005 gründete sich ein Freundeskreis für das Charlottenburger Tor, der 2007 im Keller des Tores ein Museum eröffnete, das auf Schautafeln über die Geschichte des Tores informiert. Auch der Aufstieg auf das mehr als 20 Meter hohe Plateau über 68 Stufen ist möglich. Das Museum ist samstags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Eintritt: 1,50 EUR, Kinder unter 12 Jahren frei. Informationen dazu gibt es beim Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, ehemals Heimatmuseum.
Derzeit werden ebenfalls von der Stiftung Denkmalschutz Berlin die beiden 20 Meter hohen Kandelaber auf der Charlottenburger Brücke gegenüber den Torflügeln mit den jeweils acht Bogenlampen wiederhergestellt und das steinerne Brückengeländer saniert. Die von Albert Speer entworfenen Leuchten wurden auf der Brücke entfernt. Damit wird dann die gesamte Charlottenburger Brücke weitgehend originalgetreu wiederhergestellt sein, wie man sie auf alten Postkarten bewundern kann.
Die Grenze zum Bezirk Mitte verläuft hier von der Fasanenstraße bis zur S-Bahn-Brücke südlich an der Straße des 17. Juni entlang. Der Tiergarten liegt also vollständig im Bezirk Mitte. Dazu gehört auch die Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffsbau, die 1975-76 von Ludwig Leo gebaut wurde. Die Bezirksgrenze bildet hier einen spitzen Winkel und verläuft weiter entlang der Müller-Breslau-Straße.

Müller-Breslau-Straße
Die Müller-Breslau-Straße wurde 1967 benannt nach dem Ingenieur Heinrich Müller-Breslau. Er wurde 1851 in Breslau geboren, kam 1888 als Professor an die Technische Hochschule in Charlottenburg und wurde später ihr Rektor. Er starb 1925 in Berlin.

Fasanenstraße
Die Fasanenstraße verläuft von der Müller-Breslau-Straße bis zum Hohenzollerndamm und erhielt ihren Namen bereits 1867. König Friedrich II ließ hier 1755 einen königlichen Fasanerie-Garten mit Gehege anlegen. Dieser musste 1841 dem Zoologischen Garten Platz machen und wurde nach Potsdam verlegt.
Wir gehen jetzt durch die Fasanenstraße bis zur Hertzallee.

Hertzallee
Die Hertzallee erhielt ihren Namen erst 1950. Davor hieß sie seit 1898 Kurfürstenallee. Benannt wurde sie 1950 nach dem Physiker Heinrich Rudolf Hertz, der 1857 in Hamburg geboren wurde und bereits im Alter von 36 Jahren in Bonn starb. Ihm gelang die Erzeugung und der Nachweis elektromagnetischer Wellen und damit wurde er trotz seines frühen Todes zum Begründer der weltumspannenden Radio- und Nachrichtentechnik damit zu einem der bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts. Sein Name wurde zur Maßeinheit für die Anzahl der Schwingungen, die ein elektromagnetisches Feld pro Sekunde ausführt.
Der Bushof der BVG gehört überwiegend zum Bezirk Mitte. Die Bezirksgrenze verläuft hier entlang der Hertzallee und geht im spitzen Winkel durch das BVG-Gelände und mitten durch das BVG-Gebäude in Richtung Müller-Breslau-Straße. Im Zusammenhang mit den Planungen für das große Aussichtsrad haben wir dem Bezirk Mitte einen Gebietstausch angeboten, um die Grenze hier zu begradigen und die komplette Zuständigkeit für das Aussichtsrad zu erhalten.
Aber der Bezirk Mitte ist darauf nicht eingegangen, so dass jetzt das Aussichtsrad selbst auf dem Gebiet von Mitte gebaut wird, alles, was darum herum an Einrichtungen nötig ist, in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Fasanenstr. 1b: Musikhochschule
Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wurde 1898-1902 von Kayser & Großheim gebaut. Die Flügelbauten wurden im Krieg zerstört. Heute ist die Hochschule Teil der Universität der Künste.
Fasanenstr. 88: Volkswagen-Universitätsbibliothek
Die gemeinsame Bibliothek von TU und UDK, wurde nach 18 Jahren Planung und 2 Jahren Bauzeit 2004 eröffnet. Architekten waren Lothar Jeromin und Walter A. Noebel. Auf 5 Etagen mit etwa 30.000 qm können 3 Millionen Medien untergebracht werden. Bund und TU bezahlten jeweils 25 Mio EUR, VW 5 Mio EUR.
Die Tradition der Bibliothek der Universität der Künste reicht bis zur Gründung der Akademie der Künste 1696 zurück, und die Bibliothek der Technischen Universität wurde zusammen mit der Technischen Hochschule 1884 ins Leben gerufen. Das neue gemeinsame Bibliotheksgebäude ist eine der modernsten Einrichtungen in Deutschland.
Zum Angebot gehören rund 2,7 Mio Bücher und Zeitschriften, multimediale und digitale Medien sowie der umfangreichste und historisch bedeutsamste Bestand an Notendrucken unter den deutschen Musikhochschulbibliotheken. In den Lesesälen stehen 650 Plätze mit besten Voraussetzungen für die elektronische Recherche zur Verfügung.

Jebensstraße
Die Jebensstraße wurde 1912 benannt nach Albrecht Wilhelm Jebens. Der 1830 in Danzig geborene Jurist und Kommunalpolitiker war Senatspräsident am preußischen Oberverwaltungsgericht und am Ausbau des preußischen Verwaltungsrechts beteiligt, vor allem an der Städteordnung. Er war Stadtverordneter und Stadtrat in Charlottenburg und gehörte von 1900 bis 1907 der Charlottenburger Deputation für Kanalisations-, Straßenreinigungs- und Feuerlöschwesen an. Er starb am 13.11.1907 in Charlottenburg. Am anderen Ende der Jebensstraße Ecke Hardenbergstraße befindet sich das 1907 eröffnete Oberverwaltungsgericht.

Aussichtsrad
Im August 2006 kaufte die Great Berlin Wheel GmbH für 13 Mio EUR das Wirtschaftshof-Gelände des Zoologischen Gartens, um darauf das größte Aussichtsrad Europas zu errichten. Am 14.12.2006 wurde das bis dahin konkurrierende Riesenrad-Projekt der Anschutz Entertainment Group in Friedrichshain abgesagt. Damit stiegen die Realisierungschancen für das Projekt hier am Zoo zwischen Bahntrasse und BVG-Busbahnhof. Das Aussichtsrad soll mit 175 Metern doppelt so hoch wie das Europa-Center werden. Das Rad soll 28 Gondeln für je 40 Personen tragen. Eine 35-Minuten-Runde soll voraussichtlich 11.- EUR kosten. Insgesamt sind für das Projekt 120 Mio EUR veranschlagt. Mit rund 2 Mio Besuchern jährlich wird gerechnet, das entspricht rund 20.000 täglich.
Das Aussichtsrad-Gelände liegt auf einem Gebiet des Bezirks Mitte im Ortsteil Tiergarten, das unmittelbar an den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf angrenzt. Deshalb wurde das Bebauungsplanverfahren von beiden Bezirken gemeinsam betrieben. Am 10.7.2007 billigte der Senat das Verkehrskonzept, wonach die Mehrzahl der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen soll. Am 18.10.2007 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Mitte das vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren, am 22.10.2007 wurde die Baugenehmigung erteilt. Am 3.12.2007 war der erste Spatenstich. Vor einigen Tagen wurde mit dem Abriss des alten Zoo-Wirtschaftshofes begonnen. Die Eröffnung ist für 2011 geplant.
Von dem Touristenmagnet erwarten wir neue belebende Impulse für die City West.

Hardenbergplatz
Der Hardenbergplatz wurde 1958 nach dem preußischen Staatsmann und Reformpolitiker Karl August Fürst von Hardenberg benannt. Hinter dem von der BVG genutzten Eingangsgebäude erinnert eine Büste an ihn. Der Hardenbergplatz wird im Zusammenhang mit dem Bau des Aussichtsrades grundlegend umgestaltet werden. Voraussichtlich Ende des Jahres wird feststehen, welches Unternehmen unter dem Platz privat finanziert eine Tiefgarage errichten soll.

Bahnhof Zoologischer Garten
Der Bahnhof Zoo wurde 1878-82 von Ernst Dircksen errichtet und 1882 zunächst für den Stadtbahnverkehr, bereits zwei Jahre später,1884, auch für den Fernverkehr geöffnet. Am 5.5.1886 fuhr von hier aus die erste Dampfstraßenbahn über den Kurfürstendamm. Bereits 1902 wurde der von Alfred Grenander gebaute U-Bahnhof eröffnet. 1934-41 wurde der Bahnhof durch Fritz Hane neu gestaltet.
Der Fernbahnteil erhielt eine große Halle und vier Gleise. 1954-57 wurden die heute 16 Meter hohe Fernbahn- und der niedrigere, 169 Meter lange S-Bahn-Halle verglast und der terrassenförmige Restaurantvorbau errichtet, in dem 1957 die “Bahnhofs-Terrassen” eröffnet wurden. 1959 baute Bruno Grimmek unter der U2 den querenden Bahnsteig für die neue Linie U9, der am 28.8.1961 eröffnet wurde. Am 2.10.1967 fuhr die letzte Straßenbahn der Linie 55 vom Bahnhof Zoo nach Spandau. Sie wurde von einem großen Fahrzeugkorso begleitet. An diesem Tag endete der Straßenbahnverkehr am Bahnhof Zoo.
1976 erschien unter dem Titel “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” ein aufwühlender Bericht von Christiane F. über das Drogenmilieu, das sich am Bahnhof Zoo konzentrierte.
1985-89 wurde der Bahnhof restauriert und ausgebaut. Die Bahnsteige wurden speziell für ICEs verlängert. Während der Teilung der Stadt war der Bahnhof Zoo – in der Zuständigkeit der Deutschen Reichsbahn – über lange Zeit der einzige Fernbahnhof West-Berlins. Er ist bis heute der bedeutendste Bahnhof in der westlichen City und der größte Nahverkehrsknotenpunkt Berlins. Hier treffen Fern-, S- und U-Bahn und viele Buslinien zusammen. Im Nah- und Fernverkehr täglich durchschnittlich je 400 an- und abfahrende Züge, 600 Halte der S-Bahnen und 120.000 Reisende insgesamt.
Der Beschluss der Deutschen Bahn AG unter Bahnchef Hartmut Mehdorn, mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs am 28.5.2006 den Fernbahnhof Zoologischer Garten zu schließen, löste heftige Proteste bei Geschäftsleuten, Bewohnern und beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aus.
Eine von Pfarrerin Dr. Helga Frisch angeführte Bürgerinitiative sammelt bis Oktober 2006 140.000 Unterschriften für den Erhalt bzw. die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs Zoo. Es gab eine Reihe von Protestaktionen und Protestdemonstrationen. Bahnexperten erstellten Gutachten, in den nachgewiesen wurde, dass die Nachteile der Schließung des Fernbahnhofs bei weitem überwiegen. Bahnchef Mehdorn ließ sich von alledem nicht beeindrucken. Wir hoffen jetzt auf die Einsicht seines Nachfolgers Rüdiger Grube.

Zoofenster
Bereits 1991 entwarf der britische Architekt Richard Rogers auf dem 2400 qm großen Grundstück diagonal gegenüber dem Bahnhof Zoo einen Hochhausbau für den Getränkekonzern Brau und Brunnen; der Plan wurde abgelöst von einem Entwurf des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler für ein 118 Meter hohes Haus mit 37 Stockwerken. 1995 erfolgte der Abriss der alten Gebäude mit Ausnahme des damaligen Teppich-Kibek-Hauses; der erste Spatenstich folgte im Oktober 1999. 14 Monate später hoben Bagger eine Baugrube aus und beseitigten die letzten Reste des Teppich-Kibek-Hauses, aber danach tat sich nichts mehr. Im Sommer 2001 wurde das Grundstück an die Kölner Unternehmensgruppe Dr. Ebertz & Partner verkauft, die ein Luxus-Hotel für den Hilton-Konzern bauen wollte. Aber aus dem geplanten Baubeginn Anfang 2002 wurde nichts, im Juli 2002 sprang die Hilton-Gruppe ab, und neuer Betreiber wurde gesucht. Ende 2004 ließ das Bezirksamt die Baulücke durch Riesenposter mit Bezirksmotiven und Werbung verhüllen.
Im Mai 2007 melden die Zeitungen, dass Ebertz & Partner das Grundstück an drei spanische Investorengruppen in Malaga verkaufen, die eine Mischnutzung aus Hotel, Geschäften und Büros anstreben. Aber auch diese Pläne zerschlugen sich. Im November 2007 erwarb ein Investor aus Dubai das Grundstück. Anfang Juli 2008 war Baubeginn, am 27.3.2009 Grundsteinlegung Kernstück des 32stöckigen Hochhauses soll jetzt das Hotel Waldorf Astoria der Hilton Gruppe sein.

Hardenbergstr. 22-24: Amerika Haus
Das Haus wurde 1956/57 von Bruno Grimmek für das Kultur- und Informationszentrum des United States Information Service (USIS) gebaut. Bei seiner Gründung 1946 stand im Vordergrund der kulturpolitischen Aufgaben der Versuch, das nach NS-Zeit und Teilung Deutschlands entstandene Informationsdefizit der Berliner durch Veranstaltungen, Lehrerfortbildungen und Ähnliches auszugleichen.
Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre stand das Haus im Zentrum der Studentenproteste. Das Haus mit dem Sternenbanner wurde für viele Studenten zum Symbol der aus ihrer Sicht imperialistischen USA. Hier fanden viele Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg statt. 1995 wurde das ‘Information Resource Center Headquarters Berlin’ mit völlig neuem technischen Equipment eröffnet. Seit dem Umzug der amerikanischen Botschaft von Bonn nach Berlin war das Amerikahaus unmittelbarer Bestandteil der Botschaft und dem Außenministerium unterstellt.
Es stand unter strengem Polizeischutz. Das Haus wurde am 25.9.2006 geschlossen und an die Stadt Berlin zurückgegeben.
Die BVV beschloss 2006, dass am Standort Amerika Haus ein West-Berlin-Museum gegründet werden soll. Neben diesem Vorschlag gibt es auch andere Vorstellungen. Aber über die Zukunft des Hauses ist noch nicht endgültig entschieden.
Seit Ende 2008 wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Ausstellung “City West – Positionen, Potenziale, Perspektiven” gezeigt. Darin ist unter anderem auch ein Stadtmodell der City-West im Maßstab 1:500 zu sehen. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
Der Senat will das Amerika Haus verkaufen, aber für drei Jahre soll es vorüergehend als Veranstaltungsort und Forum City West gemeinsam mit dem Bezirksamt und der AG City genutzt werden.

Schimmelpfenghaus
Das neungeschossige Geschäftshaus mit einem Querriegel über der Kantstraße an der Westkante des Breitscheidplatzes wurde 1957-60 von Gustav Sobotka und Franz Heinrich Müller gebaut. Die Rasterfassade ist mit Muschelkalkplatten verblendet. Benannt wurde der Gebäudekomplex nach einem Inkasso-Unternehmen, das 1872 in Frankfurt/M. gegründet wurde, bald nach Berlin umzog und schließlich am Breitscheidplatz residierte. Der Brückenbau ist ein Beispiel für das Bauen nach dem Leitbild der autogerechten Stadt.
2004 wurde der Abriss beschlossen und die Errichtung eines 120 Meter hohen dreiteiligen Gebäudekomplexes mit acht, neun und 33 Geschossen unter dem Namen FOCUS von Architekt Christoph Langhof vorgesehen.
Die Überbauung der Kantstraße soll aufgegeben und die Sichtachse zum Breitscheidplatz wieder freigelegt werden. Allerdings wurde die Hochhausplanung kritisiert, unter anderem wegen einer möglichen Verschattung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Vor wenigen Tagen am 5. Mai begann der Abriss des Gebäudes.

Neues Kranzler-Ec k
Der Baukomplex wurde 1998-2000 von dem amerikanischen Stararchitekten Helmut Jahn aus Chicago auf dem 20.000 qm großen sogenannten Victoria-Areal errichtet. Zu dem Komplex gehört das Café Kranzler, der Altbau der Viktoria-Versicherung, die zweigeschossige Ladenzeile an der Joachimstaler Straße und das ehemalige Bilka-Kaufhaus (heute Karstadt-Sport). Der Neubau ist ein 16-geschossiger, 60 m hoher verglaster Baukörper mit durchgehender Passage von der Kantstraße zum Kurfürstendamm. Einen markanten Blickfang bildet die spitz zulaufende, weit in den Straßenraum des Kurfürstendamms ragende 54 m hohe Kante mit der Lichtinstallation “Lichtburg” von Yann Kersalé. Im Zentrum des Quartiers befinden sich zwei 22 m hohe kegelförmige Volieren mit mehr als 100 Sittichen, Fasanen und Enten. Im letzten Jahr ist die BZ in den Neubau eingezogen.

Joachimstaler Platz
Der Platz wurde 1936 nach dem in der Nähe liegenden ehemaligen Joachimsthalschen Gymnasium benannt, allerdings nur mit einfachem “t” geschrieben, während die 1887 benannte Joachimsthaler Straße erst seit den 1950er Jahren “Joachimstaler Straße” geschrieben wird.
Der Platz wurde gleichzeitig mit dem Bau des Allianz-Verwaltungsgebäudes 1953-55 von Werner Klenke, Werner Düttmann und Bruno Grimmek mit Verkehrskanzel, Telefonzellen, Kiosk und U-Bahn-Zugang gestaltet. Er ist ein gutes Beispiel für die städtebaulichen Modernitätsvorstellungen der 50er Jahre. Die Verkehrskanzel sollte an die berühmte Ampel am Potsdamer Platz von 1925 erinnern. Sie wurde aber nur von 1955 bis 1959 genutzt: Jeden Morgen stieg ein Verkehrspolizist in die Kanzel und bediente die Ampeln der Kreuzung. Wegen der starken Verkehrszunahme war die Verkehrsregelung nach 1959 von Hand nicht mehr möglich.
2002 wurde der Platz nach den Plänen des Zürcher Landschaftsarchitekten Guido Hager umgestaltet. Dabei fiel der frühere Parkplatz weg, stattdessen wurde eine Freifläche mit Bodenplatten und einem Raster aus farbigen Kunststoffstreifen geschaffen.
Am 19.12.2003 haben wir die 27m hohe Skulptur “Pendelobelisk” von Karl Schlamminger eingeweiht, ein Geschenk des Bauunternehmers Thomas Grothe.

Kudamm-Eck
Das neue Kudamm-Eck wurde 1998-2001 durch von Gerkan, Mark und Partner gebaut. Seit 1928 befand sich hier das Wäschehaus Grünfeld, das im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und schließlich in den 1960er Jahren abgerissen wurde. 1969-72 baute dann Senatsbaudirektor Werner Düttmann das erste Kudamm-Eck, das 1998 abgerissen und durch das neue, 10geschossige, 45m hohe Geschäftshaus ersetzt wurde. An der Fassade zur Joachimstaler Straße wurde eine 70 qm große elektronische Werbewand angebracht, oben das Skulpturenensemble “Das Urteil des Paris” von Markus Lüpertz. In dem Gebäude sind das Bekleidungskaufhaus C&A und das Hotel Swissôtel untergebracht.

Hotel Concorde
An der Stelle des früheren C&A-Kaufhauses wurde im Januar 2006 das Hotel Concorde eröffnet. Der Architekt war Jan Kleihues, Sohn von Josef Paul Kleihues. Während die 18stöckige abgerundete Spitze mit ihren Vorsprüngen an die Hochhäuser der amerikanischen 20er-Jahre-Moderne erinnert, schließen die abgestaffelten Flanken am Ende fast nahtlos an die traditionelle Berliner Blockrandbebauung an.

Kurfürstendamm 230-233: Karstadt, ehem. Kaufhaus Wertheim
Die berühmten Bauten des Kaufhauses Wertheim in der Oranienburger und der Leipziger Straße, die Alfred Messel am Ende des 19. Jahrhunderts baute, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Neubauten entstanden an der Steglitzer Schloßstraße und hier am Kurfürstendamm an Stelle der im Krieg beschädigten ursprünglichen Wohnhäuser, die in den 1960er Jahren abgerissen wurden. Werner Düttmann und Hans Soll bauten 1971 in starkem Kontrast zur bestehenden Bebauung diesen großen Komplex. 1983 wurde die Fassade mit einem vorgesetzten, fünfteiligen Bogenfenster modernisiert. Im Oktober 2008 wurde aus Wertheim Karstadt.

Kurfürstendamm 236: Ehemaliges Kino Marmorhaus
1912-13 wurde das Kino Marmorhaus unter der künstlerischen Bauleitung von Hugó Pál erbaut; die Fassade mit weißem schlesischem Marmor verkleidet. Stilistisch gehört der Bau zur beginnenden Moderne, im Inneren gibt es Anklänge an den Expressionismus. Das Marmorhaus war neben der Filmbühne Wien eines der ältesten Kinos Berlins. Den Zweiten Weltkrieg hat das Gebäude weitgehend unbeschadet überstanden. Noch am 22. Januar 1945 fand hier eine Premiere statt. 1974 wurden Schachtelkinos eingerichtet, die bei einer aufwendigen Sanierung 1997 wieder entfernt wurden. 2001 wurde das zur UFA gehörende Traditionskino überraschend geschlossen.

Breitscheidplatz
Der Platz wurde 1947 benannt nach dem Reichstagsabgeordneten der SPD und Gegner des Nationalsozialismus, Rudolf Breitscheid, 1892-1947 Auguste-Viktoria-Platz nach der Frau von Kaiser Wilhelm II, der letzten deutschen Kaiserin und Königin von Preußen.
Eine Bronzetafel am Eingang zur City-Toilette erinnert an Rudolf Breitscheid. Sie wurde 1984, zunächst im Pflasterbereich, enthüllt.
RUDOLF BREITSCHEID
*1874 IN KÖLN +1944 IM KZ BUCHENWALD
1920 – 1933
SOZIALDEMOKRATISCHER REICHSTAGSABGEORDNETER
DIE GESCHICHTE WIRD EINMAL
EIN VERNICHTENDES URTEIL
NICHT NUR ÜBER DIEJENIGEN
FÄLLEN, DIE UNRECHT GETAN
HABEN, SONDERN AUCH ÜBER
DIE, DIE DEM UNRECHT STILL-
SCHWEIGEND ZUSAHEN.”

Der Platz wurde 1889 angelegt und 1895 nach der Errichtung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche umgebaut. Bei einem neuen Umbau nach dem Krieg 1956-60 wurde der Kreisverkehrs aufgegeben, 1977/78 entstand schließlich durch die Aufhebung der Straßenverbindung zwischen Kurfürstendamm und Budapester Straße, der sogenannten “Schnalle”, ein weitläufiger, zusammenhängender Fußgängerbereich. 1982-84 wurde der Platze wiederum völlig umgestaltet durch Ivan Krusnik und Oskar Reith und mit dem Weltkugelbrunnen aus rotem Granit mit Bronzefiguren von Joachim Schmettau geschmückt, dem so genannten “Wasserklops”. In den letzten Jahren wurde der Autotunnel im Verlauf der Budapester Straße geschlossen und zugeschüttet, um eine einheitliche Fläche zu schaffen und den Platz optisch zu vergrößern. Die ehemaligen Hochbeete wurden entfernt. Der Eigentümer des Bikini-Hauses, die Bayerische Immobilien AG, hat sich an der Umgestaltung finanziell beteiligt und will den gesamten Baukomplex zwischen Breitscheidplatz und Zoologischem Garten grundlegend sanieren und modernisieren. Dazu gehören das Bikini-Haus und das Zentrum am Zoo mit dem Zoo-Palast und dem Bayer-Hochhaus. Auch die Ladenzeile an der Budapester Straße, die jetzt besser erreichbar ist, soll dann attraktiver werden.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
In der Platzmitte befindet sich die als Mahnmal gegen den Krieg gesicherte Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, daneben die Neubauten Egon Eiermanns, für die vor 50 Jahren, am 9. Mai 1959 der Grundstein gelegt wurde.
Ursprünglich war die Kirche für den Wittenbergplatz geplant. Sie wurde 1891-95 auf dem damaligen Auguste-Viktoria-Platz zu Ehren Kaiser Wilhelms I. als spätromanische Zentralanlage in Form eines lateinischen Kreuzes von dem Architekten Franz Schwechten erbaut. Kaiser Wilhelm II nahm persönlich großen Einfluss auf den Bau und gestaltete die Einweihung am Sedanstag, dem 1. September 1895 als bombastischer militärisches Zeremoniell. Der Kirchenbau erinnerte an eine Kaiserpfalz und diente weniger einem religiösen Bedürfnis als kaiserlich-staatlicher Repräsentation. Von den Berlinern wurde sie bald nach dem Bau des Kaufhauses des Westens 1907 respektlos als “Taufhaus des Westens” tituliert.
Die Kirche wurde im Krieg schwer beschädigt. Zunächst war der Abriss geplant, aber gegen den vehementen Protest der Berlinerinnen und Berliner wurde die Ruine nach einem Teilabriss gesichert und als Mahnmal erhalten. 1959-63 entstanden die Neubauten von Egon Eiermann: ein sechseckiger Turm mit Trauungs- und Taufkapelle, der Hauptbau in Form eines Oktogons, in dem sich eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus befindet. Die Außenhaut besteht aus wabenförmigen Betonplatten und blauen Glasflächen, die von Gabriel Loire aus Chartres gestaltet wurden. Bekannt wurde der Komplex als “Lippenstift und Puderdose”.

Seit 1987 dient die Eingangshalle der alten Kirche mit Resten der reichen Mosaikarbeiten als Gedenkhalle; hier wurden das Nagelkreuz der Kathedrale von Coventry, ein Ikonenkreuz der Russisch-Orthodoxen Kirche und die beschädigte Christusfigur vom Altar der alten Kirche aufgestellt. An der östlichen Außenwand des alten Turmes seit 1988 vier Sandsteinskulpturen von Stefan Kaehne. Ab Sommer 2009 wird die alte Kirche für Sanierungsarbeiten eingerüstet.

Romanisches Forum
Die Kirche war ursprünglich Teil eines romanischen Forums, das heißt rings um den Platz durfte nach kaiserlicher Anordnung nur im romanischen Stil gebaut werden. So entstanden zwei Romanische Häuser: Westlich der Kirche das erste Romanische Haus, in dem 1926 der Gloria-Palast eröffnet wurde, und östlich der Kirche am Tauentzien das Zweite Romanische Haus, in dem nach dem Ersten Weltkrieg das Romanische Café zum legendären Treffpunkt der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher wurde. Das einzig übrig gebliebene Haus aus dieser romanischen Bebauung ist das “Kaisereck” südlich der Kirche am Kurfürstendamm 237, Ecke Rankestraße. Es wurde 1913-15 von Emil Schaudt gebaut, inzwischen nicht mehr ganz so mittelalterlich wie die anderen Bauten, die allesamt dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen.

Europa-Center
Der Platz des Ersten Romanischen Hauses blieb nach dem Zweiten Weltkrieg unbebaut, an der Stelle des zweiten entstand das Europa-Center. Es wurde 1963-65 von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg unter künstlerischer und städtebaulicher Beratung von Werner Düttmann und Egon Eiermann erbaut, ein 22geschossiges Hauptgebäude mit vorgelagertem drei- bis fünfgeschossigem Sockelbau.
Im Haus befinden sich Geschäfte und Restaurants, im Keller das Kabarett “Die Stachelschweine”, auf dem Dach ein 14m hoher drehbarer Mercedesstern, an der Außenseite seit 1987 eine Licht-Stele von Heinz Mack.
2006 wurde das UFA-Royal Palast-Kinocenter abgerissen. An seiner Stelle baute der Architekt Sergei Tchoban das Gebäude für einen Saturn-Markt um, der im Herbst 2007 als “Flagship-Store” eröffnet wurde.

Tauentzienstraße
Auch die Tauentzienstraße soll demnächst modernisiert werden. Zuvor muss jedoch die Straße weitgehend aufgerissen werden, weil die BVG ihren Tunnel sanieren muss. Anschließend kommt es zur Neugestaltung, für die die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg im Spätsommer einen Vorschlag zur Diskussion stellen werden.
Die Skulptur “Berlin” wurde 1987 von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff als Beitrag zum Skulpturenboulevard geschaffen und zunächst nur vorübergehend aufgestellt, später vom Senat gekauft. Die monumentale, torartige Skulptur aus Chromnickelstahl-Röhren symbolisierte mit ihren ineinander verschlungenen, aber getrennt aufgestellten beiden Teilen die Situation des geteilten Berlin. Das von der Skulptur gebildete Tor ist in Ost-West-Richtung zu durchschreiten. Mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Hintergrund wurde “Berlin” schnell zu einem der beliebtesten Fotomotive Berlins.