81. Kiezspaziergang am 13.9.2008

Vom Bahnhof Zoo zur Wilmersdorfer Straße

Link zu: Am Bahnhof Zoo, 20.8.2008, Foto: KHMM
Am Bahnhof Zoo, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen

Treffpunkt: Bahnhof Zoo unter der großen Uhr an der Ecke Hardenbergstraße

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 81. Kiezspaziergang.
In der Wilmersdorfer Straße wird heute von 12.00 bis 19.00 Uhr zum zweiten Mal ein Bankett für Millionen veranstaltet. An einer riesigen Tafel in der Fußgängerzone im Freien gibt es Suppe, und der Erlös kommt Straßenkindern in Lateinamerika zu Gute. Da ich dafür die Schirmherrschaft übernommen habe und gegen 17.00 Uhr ein Grußwort sprechen soll, möchte ich Sie gerne dorthin führen, und wer Lust und Zeit hat, der kann sich dann dort am Bankett für Millionen beteiligen. Jetzt aber möchte ich mit Ihnen unter anderem die S-Bahn-Bögen erkunden und schauen, was es neues gibt in der City West zwischen Kantstraße und Kurfürstendamm.

Zuvor will ich Ihnen aber wie gewohnt mitteilen, wo der nächste Treffpunkt ist. In diesem Jahr feiert das Corbusierhaus an der Flatowallee beim Olympiastadion sein 50jähriges Bestehen. Die Wohnungseigentümergemeinschaft und der Förderverein Corbusierhaus Berlin e.V. haben ein umfangreiches Jubiläumsprogramm zusammengestellt, das gestern begonnen hat und einen Monat dauert. Es gibt dort Ausstellungen, Führungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen und ein Fest mit Live-Musik heute Abend von 19.00 bis 22.00 Uhr.
Auch unser Oktoberspaziergang wird sich mit dem Corbusierhaus beschäftigen. Wir wurden von der Eigentümergemeinschaft eingeladen, ihr Haus zu besuchen. Da ich am 11. Oktober zu einer Partnerschaftskonferenz in Odessa sein werde, wird mein Stellvertreter, Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler diesen Kiezspaziergang übernehmen. Treffpunkt wird am Sonnabend, dem 11. Oktober, um 14.00 Uhr am U-Bahnhof Ruhleben sein, und Herr Gröhler wird mit Ihnen über das Olympiagelände zum Corbusierhaus gehen. Ich bin sicher, dass es wieder ein besonders interessanter Kiezspaziergang werden wird.

Bahnhof Zoo
Der Bahnhof Zoo ist ein wichtiges Aushängeschild für Berlin. Viele Menschen gewinnen hier den ersten Eindruck von Berlin und insbesondere von der City-West. Leider ist dieser Eindruck seit vielen Jahren nicht der beste. Aber in diesem Jahr stehen alle Zeichen auf Zukunft. Es tut sich etwas, und in den nächsten Jahren wird sich noch mehr tun.
Der Bahnhof selbst wurde 1878-82 von Ernst Dircksen gebaut und zunächst für den Stadtbahnverkehr, aber bereits nach zwei Jahren 1884 auch für den Fernverkehr geöffnet. Kurz danach wurde der Ausbau des Kurfürstendammes beendet, und schnell wurde der Bahnhof Zoo zu einer Art Hauptbahnhof für die neue City im Berliner Westen. Wenn wir also heute dafür eintreten, dass am Bahnhof Zoo wieder Fernzüge halten, dann hat das nichts mit West-Berlin-Nostalgie zu tun, sondern wir beziehen uns auf eine 122jährige Tradition des Fernbahnhofs Zoo.
Ich bin sicher, dass die Schließung des Fernbahnhofs seit dem 28. Mai 2006 nur eine Episode in dieser langen Geschichte des Bahnhofs bleiben wird.
Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden 1954-57 die Fernbahnhalle und die niedrigere S-Bahn-Halle verglast und ein terrassenförmiger Restaurantvorbau errichtet. 1985-89 erfolgte eine aufwändige Restaurierung. Während der Teilung der Stadt war die Deutsche Reichsbahn zuständig für den Bahnhof Zoo, und er war lange Zeit der einzige Fernbahnhof und damit wiederum der eigentliche Hauptbahnhof West-Berlins.
Der Bahnhof Zoo wurde durch das Buch von Christiane F., das später verfilmt wurde, auch zum Synonym für die Schattenseiten der Großstadt, für die Drogen- und Obdachlosenszene, aber auch durch das Musical “Linie 1” des Grips-Theaters zum Symbol für die Sehnsüchte vieler Jugendlicher nach den Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten der Großstadt.
1994 fusionierten die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG, die 1995 den Servicebetrieb neu ordnete und damit auch den Bahnhof Zoo im Inneren völlig umgestaltete. Gegen den Widerstand von Künstlern und Intellektuellen aus dem Ost- und Westteil der Stadt wurde dabei auch die legendäre Heinrich-Heine-Buchhandlung geschlossen.
Der Bahnhof Zoo ist der bedeutendste Bahnhof in der westlichen City und der größte Nahverkehrsknotenpunkt Berlins. Hier treffen Fern-, S- und U-Bahn und viele Buslinien zusammen. Es gibt durchschnittlich je 200 an- und abfahrende Regional-Züge, 600 Halte der S-Bahnen und mehr als 100.000 Reisende insgesamt. Dazu kamen bis zum 28. Mai 2006 rund 20.000 Fernreisende täglich.
Hardenbergplatz
Der Hardenbergplatz wurde 1887 benannt wie die Hardenbergstraße nach dem preußischen Staatskanzler Karl August, Freiherr, Graf, Fürst von Hardenberg (1750-1822).
Der Platz wurde zur 750-Jahr-Feier Berlins1987 umgestaltet und mit so genannten Torhäuschen bebaut, in denen ein BVG-Schalter und Verkaufsstellen untergebracht sind. Für eine damals geplante Tiefgarage hat sich kein Finanzier gefunden.

Zoofenster
Das so genannte Zoofenster gegenüber dem Bahnhof war 12 Jahre lang eine Baulücke und hat lange dafür gesorgt, dass Berlin-Besucher nicht gerade den besten Eindruck von der Stadt bekommen, wenn sie hier aussteigen.
In den letzten vier Jahren hatten wir durch eine Vereinbarung mit der Firma Megaposter immerhin eine ansprechende optische Verkleidung bekommen, die durch Werbung finanziert wurde. Vor mehr als zwölf Jahren wurde hier gegen die Auffassung des Bezirks ein Hochhausbau durch den Getränkekonzern Brau und Brunnen geplant, ursprünglich nach Plänen des britischen Architekten Richard Rogers, abgelöst von einem Entwurf des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler. 1995 wurden die alten Gebäude abgerissen, mit Ausnahme des damaligen Teppich-Kibek-Hauses, wegen dessen Beschädigung es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kam. Der erste Spatenstich folgte 1999, und dann passierte fast 10 Jahre lang nichts außer hin und wieder einem Eigentümerwechsel.
Immer wieder wurde der Bau eines Luxushotels angekündigt, aber viele Pläne zerschlugen sich wieder, weil vorgesehene Betreiber wie Hilton absprangen. Im November 2007 erwarb ein Investor aus Dubai das Grundstück, und Anfang Juli dieses Jahres war Baubeginn.

Schimmelpfeng-Haus
Das Schimmelpfeng-Haus hinter dem Zoofenster wurde 1957-60 von Gustav Sobotka und Franz Heinrich Müller gebaut. Es schließt die Kantstraße wie ein Riegel gegenüber der Gedächtniskirche ab. Das Geschäftshaus hat 9 Etagen. Gemäß den Planungen der Eigentümer, der Frankfurter Casia Immobilien-Management GmbH, wurde 2004 der Abriss zugunsten eines 120 Meter hohen Hochhausbaues mit 33 Geschossen unter dem Namen FOCUS beschlossen. Die bisherige Überbauung der Kantstraße soll aufgegeben und die Sichtachse zum Breitscheidplatz wieder freigelegt werden. Allerdings wurde die Hochhausplanung kritisiert, unter anderem wegen einer möglichen Verschattung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Inzwischen setzten sich Denkmalschützer für den Erhalt des Schimmelpfeng-Hauses ein. Der Bau sei von hoher Qualität und vereine wichtige Traditionen wie den Bauhaus-Stil und den Rationalismus.

Hutmacher Haus / DOB-Hochaus
Das Hochhaus gegenüber dem Bahnhofsgebäude auf der anderen Seite des Hardenbergplatzes entstand 1955-57 nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger mit Büro- und Ausstellungsflächen für die Damenoberbekleidungsindustrie (DOB). Das Haus ist Teil des so genannten Zentrums am Zoo oder Zoobogens, der den Zoologischen Garten als südliche Randbebauung abschließt. Dazu gehören der Zoo-Palast das Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche.

Aussichtsrad
Im August 2006 kaufte die Great Berlin Wheel GmbH für 13 Mio EUR das Wirtschaftshof-Gelände des Zoologischen Gartens, um darauf das größte Aussichtsrad der Welt zu errichten. Am 14.12.2006 wurde das bis dahin konkurrierende Riesenrad-Projekt der Anschutz Entertainment Group in Friedrichshain-Kreuzberg abgesagt. Das Aussichtsrad am Zoo soll mit 185 Metern doppelt so hoch wie das Europa-Center werden. Das Rad soll einen Durchmesser von 175 Metern haben und 36 Gondeln für je 40 Personen tragen. Eine 35-Minuten-Runde soll voraussichtlich 11.- EUR kosten. Zu dem Projekt gehört auch ein vierstöckiges Parkhaus. Insgesamt sind für den Bau 120 Mio EUR veranschlagt. Mit rund 2 Mio Besuchern jährlich wird gerechnet, das entspricht rund 20.000 täglich.
Das Aussichtsrad-Gelände liegt wie der Zoologische Garten auf einem Gebiet des Bezirks Mitte im Ortsteil Tiergarten, das unmittelbar an den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf angrenzt.
Deshalb wurde das Bebauungplanverfahren von beiden Bezirken gemeinsam betrieben. Im Juli 2007 billigte der Senat das Verkehrskonzept, wonach die Mehrzahl der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen soll. Am 22.10.2007 wurde vom Bezirksamt Mitte die Baugenehmigung erteilt. Am 3.12.2007 war der erste Spatenstich mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Zoodirektor Dr. Bernhard Blaszkiewitz und Great-Berlin-Wheel-GmbH-Geschäftsführer Michael Waiser. Die Eröffnung ist für den Herbst 2009 geplant. Von dem Touristenmagnet erwarten wir neue belebende Impulse für die City West – und vielleicht in der Folge auch wieder die Öffnung des Fernbahnhofs Zoo.

Link zu: Passage am Motel One, 20.8.2008, Foto: KHMM
Passage am Motel One, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Motel One und Parkhaus
Wir gehen jetzt über die Hardenbergstraße, unter der Eisenbahnbrücke hindurch vorbei an dem Ullrich-Markt und dann links direkt an den S-Bahn-Bögen entlang zur Kantstraße. Sie werden feststellen, dass die Passage zwischen Hardenbergstraße und Kantstraße noch im Entstehen begriffen ist. Das Parkhaus und Motel One mit den bunten Klinkern auf dem früheren Ullrich-Parkplatz wurde erst vor einigen Monaten fertiggestellt, und die Passage zwischen Parkhaus und S-Bahn ist noch leer. Die Läden sind noch zu vermieten.

Amerikahaus
Vor der Passage können Sie noch einen Blick auf das Amerikahaus werfen. Es wurde 1956/57 von Bruno Grimmek für das amerikanische Kultur- und Informationszentrum gebaut, das 1946, zunächst in der Einemstraße am Nollendorfplatz eröffnet worden war und 1957 hierher in die Hardenbergstraße zog. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre stand das Haus im Zentrum der Studentenproteste. Das Haus mit dem Sternenbanner wurde für viele Studenten zum Symbol der imperialistischen USA. Viele Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg fanden hier statt. Seit dem Umzug der amerikanischen Botschaft von Bonn nach Berlin war das Amerikahaus unmittelbarer Bestandteil der Botschaft und dem Außenministerium unterstellt. Das Haus wurde am 25.9.2006 geschlossen und an die Stadt Berlin zurückgegeben. Die BVV beschloss am 22.6.2006, dass hier ein West-Berlin-Museum gegründet werden soll. Neben diesem Vorschlag gibt es aber auch andere Vorstellungen. In diesem Jahr zeigte die Bundeszentrale für politische Bildung im Amerika-Haus die Ausstellung “68 – Brennpunkt Berlin” über die Studentenbewegung und die 68er Generation, und möglicherweise wird die Bundeszentrale für politische Bildung das Haus auch in Zukunft weiter nutzen.

Kantstraße
Die Kantstraße wurde 1887 nach dem Philosophen Immanuel Kant benannt.

Link zu: Theater des Westens, 20.8.2008, Foto: KHMM
Theater des Westens, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Theater des Westens
Der Architekt Bernhard Sehring errichtete das Theater des Westens 1895-97 in einer bunten Stilmischung mit Jugendstilelementen, “altdeutschem” Fachwerk und Backstein. Sehring lebte damals gegenüber in dem ebenfalls von ihm gebauten Künstlerhaus St. Lukas in der Fasanenstraße 13. Er hatte den ehemaligen Kohlenplatz der Meierei Bolle für den Bau des Theaters selbst erworben und blieb bis zu seinem Tod 1949 unter großen finanziellen Schwierigkeiten und mit verschiedenen Partnern und Betreibern Eigentümer des auf Gesellschafterbasis gegründeten privaten Theaters. Seine Geschichte ist ebenso bunt wie sein Äußeres: Es firmierte unter anderem unter den Namen “Goethe-Theater” und “Große Volksoper”.
Am 1.10.1896 wurde es eröffnet mit dem Märchenspiel “1001 Nacht” von Holger Drachmann. Seit 1898 nutzte der Intendant Max Hofpauer das Haus für Opernaufführungen. Am 5.10.1904 gastierte Enrico Caruso mit “La Traviata”, sagte aber wegen der negativen Kritiken alle weiteren Vorstellungen ab. Seit 1909 spielte Direktor Max Monti vor allem Operetten. Am 25.8.1912 wurde das Haus durch eine Brandkatastophe weitgehend zerstört, bald danach aber wieder aufgebaut. 1922 wurde das Theater von der gemeinnützigen Aktiengesellschaft “Große Volksoper” übernommen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann am 15.6.1945 die “Städtische Oper im Theater des Westens”, die heutige Deutsche Oper Berlin mit “Fidelio”, zunächst bis 1947 unter dem Intendanten Michael Bohnen, dann bis 1960 unter Heinz Tietjen und Carl Ebert.
Nachdem 1961 die Deutsche Oper in ihr neues Haus an der Bismarckstraße gezogen war, eröffnete am 1.10.1961 Intendant Hans Wolffer das Theater des Westens als Musical- und Operettentheater mit der deutschsprachigen Erstaufführung von “My Fair Lady”. Das Erfolgsstück wurde zwei Jahr en suite gespielt und machte die Gattung Musical in Deutschland populär. In der Folge gastierten Johannes Heesters in der “Lustigen Witwe”, Zahrah Leander und Marika Rökk im “Land des Lächelns”, Freddy Quinn in “Heimweh nach St. Pauli” und Vico Torriani im “Weißen Rössl”. Am 30.12.1978 wurde das Haus nach einem Konkurs unter der Intendanz von Karl Vibach mit dem Musical “Cabaret” wiedereröffnet. Im Herbst 1980 fand hier die deutsche Erstaufführung des Musicals “A Chorus Line” statt. Von 1984 bis 1999 leitete der Tänzer, Sänger, Regisseur und Choreograph Helmut Baumann das Haus zunächst als künstlerischer Direktor unter dem Intendanten Götz Friedrich, seit 1993 als Intendant. Nach einer kompletten Renovierung wurde am 14.12.1984 mit dem Musical “Guys and Dolls” wiedereröffnet. Helmut Baumann gab seinen Einstand als Regisseur und Hauptdarsteller am 23.10.1985 mit “Ein Käfig voller Narren”. Es wurde ein triumphaler Erfolg: Zehn Jahre lang wurde das Stück immer wieder in den Spielplan aufgenommen. 1988 inszenierte Götz Friedrich die Gershwin-Oper “Porgy and Bess”. Im November 1998 wurde Elmar Ottenthal neuer Intendant.
2002 verkaufte der Senat das Theater an den privaten Musical-Konzern Stage Holding; die Immobilie blieb allerdings im Landesbesitz. Nach Umbauten war am 26.9.2003 die Premiere des Musicals “Les Misérables”, am 6.4.2005 “3 Musketiere”, am 5.8.2006 “Aida – Das Musical”, am 10.12.2006 “Tanz der Vampire” von Roman Polanski, am 20.4.2008 “Elisabeth”.

Delphi-Kino
Das Delphi-Kino wurde 1927/28 ebenfalls von Bernhard Sehring als Tanzlokal Delphi-Palais errichtet. Nach starker Kriegszerstörung 1948/49 gestaltete Walter Jonigkeit den Palast um zum Kino mit rund1200 Plätzen; 1981 wurde er umgebaut und auf 725 Plätze reduziert. Das Filmkunstkino ist eines der wenigen Berliner Kinos, in dem klassische 70mm-Filme gezeigt werden können. Am 24.4.2007 feierte Walter Jonigkeit seinen 100. Geburtstag als nach wie vor aktiver Geschäftsführer des Kinos, der täglich in sein Büro über dem Kinosaal kommt. Er leitet bis heute als 101jähriger das Kino gemeinsam mit seinen Partnern Georg Kloster und Claus Boje.
Unterhalb des Delphi befindet sich der Jazzkeller Quasimodo, im Erdgeschoss zur Kantstraße hin das gleichnamige Café.

Vaganten-Bühne
Die Vaganten-Bühne wurde 1949 als Wanderschauspielgruppe mit christlich orientiertem Repertoire gegründet. Sie etablierte sich 1956 als Kellertheater in den ehemaligen Kühlräumen des Delphi-Palastes. Im Spielplan sind überwiegend zeitgenössische Stücke und Klassische Moderne.
Kaphag-Hochhaus mit Segel
Das Kapghag-Hochhaus wurde 1992-95 von Josef Paul Kleihues auf dem sogenannten Kant-Dreieck gebaut. Es ist ein elfgeschossiges 54 Meter hohes Bürohochhaus mit einem charakteristischen drehbaren Segel auf dem Dach. Es war einer der ersten Büroneubauten der 90er Jahre in der City West. Ursprünglich war das Haus um ein Drittel höher geplant, was aber am Einspruch des damaligen Bezirksamtes Charlottenburg scheiterte. Demnächst soll es nun doch um sechs Etagen aufgestockt werden und dann die ursprünglich geplante Höhe von 72 Metern erreichen. Das Dachsegel soll dabei erhalten bleiben. Das Haus wurde 1994 mit dem Preis des Bundes Deutscher Architekten ausgezeichnet. In dem Gebäude ist die Firmenzentrale der KapHag Immobilien GmbH untergebracht. Die Firma entwickelt und verwaltet Büro- und Geschäftshäuser und Gewerbezentren.
Vor dem Hochhaus liegt die Skuptur “Der gestürzte Krieger” von Markus Lüpertz.

Link zu: Lotte-Lenya-Bogen, 20.8.2008, Foto: KHMM
Lotte-Lenya-Bogen, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Lotte-Lenya-Bogen
Der Lotte-Lenya-Bogen ist die erste von drei “S-Bahn-Bogen-Passagen”, die wir uns heute anschauen wollen. Diese wurde 1999 nach der österreichischen Sängerin und Schauspielerin benannt. Sie wurde 1898 in Wien geboren und starb 1981 in New York. Sie kam Anfang der 1920er Jahre nach Berlin und lernte hier Kurt Weill kennen, den sie 1925 heiratete. 1928 spielte und sang sie in der Uraufführung der von ihm komponierten und von Bert Brecht geschriebenen Dreigroschenoper die Seeräuber-Jenny, die über Jahrzehnte ihre Paraderolle blieb. 1964 hatte sie eine Rolle in dem James-Bond-Film “Liebesgrüße aus Moskau”.
Der Lotte-Lenya-Bogen ist gut genutzt durch Geschäfte und Gastronomie. Ein Durchgang führt zum Neuen Kranzlereck und zum Kurfürstendamm

Link zu: Künstlerhaus St. Lukas, 20.8.2008, Foto: KHMM
Künstlerhaus St. Lukas, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Fasanenstr. 13 Künstlerhaus St. Lukas
Ich freue mich sehr, dass die Bewohnerin und Verwalterin des Künstlerhauses St. Lukas, Frau Jänisch, sich die Zeit nimmt, uns ihr Haus vorzustellen, obwohl sie heute, am Tag des offenen Denkmals noch mehrere Führungen durch das Haus vor sich hat – diese allerdings sind leider nur mit kleinen Gruppen möglich. Wer also an einer ausführlichen Führung interessiert ist, der muss sich direkt an Frau Jänisch wenden.
Das Haus wurde 1889/90 wie bereits erwähnt von Bernhard Sehring als Wohn- und Atelierhaus unter dem Einfluss der englischen “Studio Houses” erbaut. Die Innenräume wurden mit Gemälden und kunstgewerblichen Gegenständen aus Italien ausgeschmückt. Das Haus ist ein herausragendes Beispiel für den Historismus der Jahrhundertwende. In dem romantischen Backsteinbau sollten Künstler zusammen leben und arbeiten.
Sehring schmückte das Haus mit Türmchen und Erkern, mit Skulpturen und Reliefs, richtete im Erdgeschoss Bildhauerateliers und unter dem Dach Malerwerkstätten ein. Auf einem Wandrelief im malerischen Brunnenhof sieht man ihn in Ritterrüstung mit dem Modell des Künstlerhauses in der Hand. Neben dem Eingangstor ist der greise Maler Tizian zu sehen. Namensgeber ist der Heilige Lukas, Schutzpatron der Maler und Ärzte. Zu den Künstlern, die seinerzeit hier einzogen, gehörte Sehring selbst. Hier lebten der Bildhauer Max Kruse und seine Frau Käthe Kruse, die als Puppenmacherin berühmt wurde, der Bildhauer Ludwig Manzel, der von 1912 bis 1918 Präsident der Kundakademie war, Ernst Barlach, Milly Steger und viele andere Künstlerinnen und Künstler.
Das Haus wurde 1987 restauriert und mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille für vorbildliche denkmalgerechte Instandsetzung ausgezeichnet.

Fasanenstr. 14 , auf der anderen Seite der S-Bahn-Bögen
Hier befindet sich in vier S-Bahn-Bögen der Trödelmarkt Zille-Hof von Erna Happel. Von Dosenöffnern und Zitronenpressen bis zu Koffern und Möbeln gibt es hier fast alles zu kaufen. Der 75jährigen Betreiberin wurde von der Deutschen Bahn zum 31. Juli gekündigt, weil die S-Bahn-Bögen modernisiert werden sollen. Erna Happel hat zwar ersatzweise sechs S-Bahn-Bögen an der Flensburger Straße am S-Bahnhof Bellevue in Tiergarten angemietet. Dort aber sind die Bedingungen ungleich schwieriger als hier. Die Lage ist nicht so citynah, und das Mauerwerk ist feucht. Die Deutsche Bahn will hier in der City Gastronomie und Einzelhandel unterbringen und will den Gerichtsvollzieher schicken.

Fasanenstr. 79/80 Jüdisches Gemeindehaus
1910-1912 baute Ehrenfried Hessel hier die große Synagoge der Jüdischen Gemeinde Charlottenburg als dreischiffigen Monumentalbau mit drei Kuppeln und Tonnengewölbe. Stilistisch orientiert sich das Haus an frühchristlich-byzantinischen Kirchenbauten. Die Synagoge bot 2.000 Menschen Platz. Sie wurde am 26.8.1912 eingeweiht. Es war die erste große Synagoge außerhalb des alten Berlins. Sie kündete vom Selbstbewusstsein des liberalen jüdischen Bürgertums: Nicht mehr versteckt im Hinterhof wie noch die wenige Jahre zuvor geweihte Synagoge in der Rykestraße, sondern als sichtbares Zeichen im Stadtbild. Von 1912 bis 1938 war Julius Galliner (1872-1949) Gemeinderabbiner.
In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge angezündet und brannte aus. Weitere Zerstörungen folgten im Krieg. 1957/58 wurde die Ruine abgerissen. An ihrer Stelle bauten Dieter Knoblauch und Hans Heise 1958-60 das Jüdische Gemeindehaus.
Es ist eine kreuzförmige Anlage mit einem Saalbau und einem langgestrecktem Verwaltungstrakt. Der Saalbau erinnert mit drei Oberlichtkuppeln an die zerstörte Synagoge. Das Portal vor der fensterlosen Saalwand enthält Reste der alten Portalbekrönung der Synagoge. Im Vorhof wurde 1987 ein Mahnmal von Richard Hess in Form einer stilisierten Torarolle aufgestellt. Im Foyer gibt es neben mehreren Gedenktafeln eine Büste von Moses Mendelssohn. Im Innenhof trägt eine Gedenkwand die Namen von 22 Ghettos, Internierungs-, Konzentrations- und Vernichtungslagern, davor brennt eine Ewige Flamme.
Hier werden Gedenkveranstaltungen abgehalten und das Kaddisch, das jüdische Trauergebet, gesprochen. Im Juli 2006 verlegte die Jüdische Gemeinde ihren Sitz vollständig in das Centrum Judaicum an der Oranienburger Straße im Bezirk Mitte. Hier im Gemeindehaus in der Fasanenstraße bleiben der Seniorentreff, die Gemeindebibliothek, die Jüdische Volkshochschule und das koschere Restaurant Arche Noah.

Kantstraße

Link zu: Stolpersteine für die Familie Behar, 20.8.2008, Foto: KHMM
Stolpersteine für die Familie Behar, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. 154a 4 Stolpersteine Behar
Der 1947 in Berlin geborene Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat 1996 in Köln die ersten Stolpersteine verlegt, 10 × 10 cm große aus Beton gegossene Steine mit eingelassener Messingtafel, in die der Künstler mit Hammer und Schlagbuchstaben “Hier wohnte”, Namen, Jahrgang und Stichworte zum weiteren Schicksal eines einzelnen Menschen einstanzt. Die im Gehweg vor dem früheren Wohnort eingelassenen Stolpersteine sollen an die Opfer von Holocaust und Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Entscheidend ist dabei die persönliche Erinnerung an die Namen der Opfer.

Hier liegen vier Stolpersteine für die Familie Behar:

HIER WOHNTE
NISSIM BEHAR
JG. 1886
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN RIGA

HIER WOHNTE
LEA BEHAR
JG. 1890
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN RIGA

HIER WOHNTE
ALEGRINA BEHAR
JG. 1916
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN RIGA

HIER WOHNTE
JEANNE BEHAR
JG. 1920
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN RIGA

Isaac Behar, der Sohn von Nissim und Lea Behar, konnte aus einem Deportationszug fliehen und hat die Verfolgungen im Nationalsozialismus überlebt. Er ist seit Jahren aktiv als Zeitzeuge in unseren Schulen, bei der Bundeswehr und in der Landespolizeischule, wo er vom Schicksal seiner Familie berichtet. Vor wenigen Tagen hat er seinen 85. Geburtstag gefeiert.

Kantstr. 153 Gedenktafel Rudolf Diesel
Die Gedenktafel für Rudolf Diesel wurde 1988 angebracht.

In diesem Hause wohnte und arbeitete
von 1893 bis 1894
RUDOLF DIESEL
18.3.1858-29.9.1913
Ingenieur und Erfinder des
Diesel-Motors

Kantstr. 152 Bronzetafel für Carl von Ossietzky

IN.DIESEM HAUS WIRKTE
NOBELPEISTRAEGER
CARL.VON.OSSIETZKY
VON.1927.BIS.1933
ALS HERAUSGEBER
DERWELTBÜHNE
FUER.RECHT.FREIHEIT
FRIEDEN.UND
VOELKERVERSTAENDIGUNG

Am 1. April 1927 zog hier die Redaktion der Weltbühne ein. 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden einige Mitarbeiter verhaftet, andere emigrierten. Das 1891 erbaute Vorderhaus wurde in den letzten Kriegsjahren fast völlig zerstört. In den 50er Jahren wurde die Ruine abgerissen und ein Neubau errichtet.
Die Weltbühne hatte schon eine lange Geschichte hinter sich, als sie hier einzog. Sie war 1905 zunächst als Theaterzeitschrift unter dem Titel “Schaubühne” von dem Theaterkritiker Siegfried Jacobsohn gegründet worden. Von 1906 an befand sich die Redaktion in der Lietzenburger Straße 60. Zunehmend erschienen auch politische Aufsätze in den kleinen roten Hefte, und im Verlauf des Ersten Weltkrieges nahm der Anteil politischer Artikel so sehr zu, dass Jacobsohn schließlich 1918 den Namen änderte. Von da an gab es die “Weltbühne”, in der Autoren wie Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Martin Buber, Ernst Toller und Walter Mehring sich kritisch mit dem Militarismus und Rechtsextremismus in der Weimarer Republik auseinandersetzten. Nach dem Tod von Siegfried Jacobsohn 1926 übernahm Carl von Ossietzky die Redaktion. Ende 1931 wurde er zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt wegen Artikeln, die sich kritisch mit der Reichswehr auseinandergesetzt hatten.
Nach seiner Entlassung am 22. Dezember 1932 nahm Ossietzky seine Redaktionsgeschäfte hier in der Kantstraße wieder auf. Auch nach Hitlers Machtübernahme lehnte er eine Emigration ab. Nach dem Reichstagsbrand wurde er am 28. Februar 1933 verhaftet und am 6. April in das KZ Sonnenburg bei Küstrin gebracht.
Viele Emigranten, darunter Willy Brandt in Skandinavien, setzten sich dafür ein, Carl von Ossietzky den Friedensnobelpreis zu verleihen, was vor allem Göring mit allen Mitteln verhindern wollte.
Schließlich erhielt Ossietzky am 23. November 1936 den Preis für 1935 zugesprochen. Göring erlaubte seine Ausreise zur feierlichen Verleihung nicht. Am 4. Mai 1938 starb Ossietzky in der Privatklinik Nordend an den Folgen schwerer Misshandlungen während seiner Haft.

Paris Bar
Die Paris Bar ist französisches Bistro und “Wohnzimmer” zahlreicher prominenter Schauspieler und Künstler. Sie wurde von einem ehemaligen französischen Besatzungssoldaten in den frühen 50ern gegründet, seit 1979 betrieben von zwei Österreichern. Vor allem zur Berlinale und beim Theatertreffen ist die Paris Bar “zentraler” Künstlertreffpunkt. An den Wänden gibt es eine dicht gehängte Sammlung von Fotografien, Zeichnungen und Gemälden. Der Schauspieler Otto Sander besitzt hier an der Bar einen Stammplatz auf Lebenszeit. 2001 haben die beiden Wirte direkt daneben die Dependance Le Bar du Paris Bar aufgemacht.

Link zu: Stilwerk, 20.8.2008, Foto: KHMM
Stilwerk, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. 17-20 (Ecke Uhlandstraße): Stilwerk
Das Stilwerk wurde 1998/99 von den Architekten Novotny und Mähner aus Mailand gebaut. Das Geschäftshaus enthält auf 20.000 Quadratmetern 58 verschiedene Einrichtungs- und Designergeschäfte von gehobenem Standard, außerdem ein Restaurant, eine Espresso-Bar und den Jazzclub “Soultrane. Der Neubau wurde an Stelle des ehemals hier befindlichen Hauptverwaltungsgebäudes der Dresdner Bank errichtet. Die Tresoranlagen der Bank im Untergeschoss mussten erhalten bleiben, weil die Laufzeit der Schließfächer noch nicht abgelaufen war. Aus statischen Gründen musste darüber das gläserne, abgerundete Eingangsfoyer an einer Brückenkonstruktion auf zwei seitwärts gebauten Säulen aufgehängt werden.

Link zu: Wandgemälde, 20.8.2008, Foto: KHMM
Wandgemälde, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Uhlandstraße
Uhlandstr 185/186 Vega Apart-Hotel, Fassadenmalerei an der Shell-Tankstelle
Das Fassadengemälde zeigt im Zentrum ein Abrisshaus, auf das als Graffiti das Wort “Ghettostars” gesprüht ist und aus dem Flugblätter geworfen werden, unter anderem mit der Aufschrift “Agenda 2010”. Links oben thronen auf einer Wolke Karl Marx und Friedrich Engels. Im Vordergrund sind jugendliche Punks zu sehen.

Jeanne-Mammen-Bogen
Die Passage wurde 1999 nach der Malerin Jeanne Mammen benannt. Sie wurde 1890 in Berlin geboren und starb 1976 ebenfalls in Berlin. Seit 1919 hatte sie ihr Atelier und ihre Wohnung am Kurfürstendamm 29. Dort erinnert eine Gedenktafel an sie, und das Atelier ist nach Anmeldung zu besichtigen.
Diese Passage von der Uhlandstraße zur Grolmanstraße funktioniert offensichtlich nicht so gut wie der Lotte-Lenya-Bogen. Eine Reihe von Bögen sind zu vermieten. Andere machen nicht den besten Eindruck, teilweise sind Scheiben kaputt.

Grolmanstraße
Diese Straße wurde 1874 nach dem preußischen General Georg Grolman benannt. Er wurde 1777 in Berlin geboren und starb 1843 in Posen.

Link zu: Diener im Tattersall des Westens, 20.8.2008, Foto: KHMM
Diener im Tattersall des Westens, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Tattersall, Diener
Der Tattersall des Westens wurde 1900 von A. Ziechmann und Heinrich Mittag gebaut. In dem Backsteinbau befanden sich Reit- und Pferdeschulen; die Stallungen an der Uhlandstraße wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Am heutigen Wohnhaus sind noch die Schriftzüge “Tattersall des Westens” und “Reithalle” erkennbar. Das Lokal Diener des Schwergewichtboxers Franz Diener im damaligen Tattersall des Westens war seit den 20er Jahren ein Künstlertreffpunkt, vor allem von Schauspielern und Schriftstellern. Seit 1969, nach dem Tod Dieners, wird es von Rolf Honold und Lilo Wirthwein betrieben. Die Einrichtung blieb weitgehend unverändert, an den Wänden hängen Künstlerportraitfotos, und bis heute besuchen auch Prominente gerne das historische Lokal.

Savignyplatz
Der Savignyplatz wurde 1887 nach dem Juristen Friedrich Karl von Savigny benannt. Er wurde 1779 in Frankfurt am Main geboren und starb 1861 in Berlin, wo er seit 1810 an der neuen Universität lehrte. Von 1842 bis 1848 war er preußischer Minister für Gesetzgebung.
Der Platz wurde 1894/95 im Rahmen der Bebauung auf beiden Seiten der Kantstraße angelegt als typischer Schmuckplatz zur Durchlüftung und Auflockerung des neuen Wohnviertels. 1926/27 gestaltete der Städtische Gartenbaudirektor Erwin Barth den Platz neu mit Sitzlauben und Staudenrabatten. In dieser Form wurde er nach zahlreichen zwischenzeitlichen Veränderungen, für das Stadtjubiläum Berlins 1987 wiederhergestellt.
Der Savignyplatz ist ein bevorzugter Treffpunkt von Touristen, Künstlern und Intellektuellen in den umliegenden Restaurants, Cafés, Buchhandlungen und Galerien.
Am 22.6.2007 wurde der Neubau des historischen Eingangshäuschens am Südrand des Savignyplatzes vorgestellt. Es wurde im Auftrag der GASAG von dem Architekten Christian Koch in Anlehnung an die historischen Pläne von 1927 mit neuer Funktion als Gasdruckregelanlage wieder aufgebaut. In Verbindung damit wurde ein Wettbewerb “Kunst am Bau” veranstaltet, den die Berliner Künstlerin Ute Lindner mit ihrem Entwurf “Through the Looking Glass” gewonnen hat.
An der Stelle des Durchgangs in den Park wurde ihre als Hinterglasmalerei aufgebrachte Personengruppe installiert, die ihren Blick in einen imaginären Raum in Richtung Park richtet. Bei Nacht verwandeln sich die Figuren durch die Beleuchtung zu dunklen Silhouetten vor einem leuchtend blauen Grund.
Der von dem Architekten Alfred Grenander entworfene und von der Tempelhofer Firma Ed.Puls gebaute Kiosk an der Ecke Kantstraße steht seit dem 26.5.1908 am Savignyplatz und war 1943 stark beschädigt worden. Er wurde 1987 instand gesetzt und am 13.9.2006 als Currywurst-Imbiss eröffnet. Grenander wurde vor allem bekannt als Architekt vieler Berliner U-Bahnhöfe.
Die Lyrikerin Mascha Kaléko, die vor ihrer Emigration 1938 in der Bleibtreustraße 10/11 wohnte, hat den Savignyplatz in einem Gedicht verewigt, das sie in der von deutschen Emigranten in Amerika gegründeten Zeitschrift “Aufbau” veröffentlichte:
“Ich bin, vor jenen ‘tausend Jahren’
Viel in der Welt herumgefahren.
Schön war die Fremde, doch Ersatz.
Mein Heimweh hieß Savignyplatz.”

Link zu: Else-Ury-Bogen, 20.8.2008, Foto: KHMM
Else-Ury-Bogen, 20.8.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Else-Ury-Bogen
Der Else-Ury-Bogen wurde 1999 nach der Schriftstellerin Else Ury benannt. Sie wurde 1877 in Berlin geboren und 1943 in Auschwitz ermordet. Bekannt wurde sie mit ihren Kinderbüchern, vor allem mit der Nesthäkchen-Serie, die von 1918 bis 1932 in zehn Bänden erschien. Von 1905 bis 1933 lebte sie an der Kantstraße 30, wo eine Gedenktafel an sie erinnert.
Diese Passage zwischen Savignyplatz und Bleibtreustraße ist die älteste in der City-West, und sie ist zugleich die erfolgreichste. Nicht zuletzt wegen dem S-Bahn-Ausgang ist hier immer viel geboten.

Bleibtreustraße

Bleibtreustr. 10/11 Gedenktafel für Mascha Kaléko
Die Gedenktafel für Mascha Kaléko wurde am 21.1.1990 enthüllt:
Hier lebte von 1936-1938
die Dichterin
MASCHA KALÉKO
7.06.1907-21.01.1975
Das Deutschland von damals
trieb sie ins Exil und verbot ihre Bücher.
Sie emigrierte 1938 nach New York,
lebte seit 1966 in Jerusalem.

Bleibtreustr. 12 Filmkunst 66
Das Kino wurde 1951 als eingeschossiger Flachbau auf einem ehemaligen Trümmergrundstück errichtet; bis 1956 wurde hier das Kino BeLi Bleibtreulichtspiele betrieben, danach bis 1966 das Capri. Kurzzeitig wurde es ein Porno-Kino. 1971 übernahm Franz Stadler das Kino und entwickelte es zum Programmkino mit Filmfestivals, Programmreihen und vielem mehr. 1993 wurde das Haus abgerissen. In den Neubau eines Geschäftshauses wurde wieder ein Kino mit zwei Sälen eingebaut. 1995 war die Wiedereröffnung. Im Herbst 2000 wurde das Kino verkauft; 2001 von dem Ehepaar Franz und Rosemarie Stadler zurück gekauft. Im Juni 2003 erhielt es vom Filmboard Berlin-Brandenburg und vom Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. den Kinoprogrammpreis für das hervorragende Jahresprogramm 2002.

Bleibtreustr. 15 Gedenktafeln für Tilla Durieux und Alfred Flechtheim
Die Gedenktafel für Tilla Durieux wurde am 30.10.1987 enthüllt:
Hier lebte von 1966 bis 1971
TILLA DURIEUX
18.8.1880-21.2.1971
Große deutsche Schauspielerin.
Ab 1903 an den Reinhardt-Bühnen in Berlin.
Emigration 1933, Rückkehr nach
Berlin 1952

Die Gedenktafel für Alfred Flechtheim wurde am 16.11.2003 enthüllt:
In diesem Hause lebte von 1923 bis 1933
Alfred Flechtheim
1.4.1878 – 9.3.1937
Kunsthändler, Verleger
und Förderer der modernen Kunst
Gründer und Herausgeber der Zeitschrift
“Der Querschnitt”
1933 mußte Alfred Flechtheim emigrieren
Er starb im Londoner Exil

Bleibtreustr. 38/39 Gedenktafel für Nathan Zuntz
Die Gedenktafel für Nathan Zuntz wurde am 27.6.1987 enthüllt:
In diesem Hause lebte
von 1914 bis 1919
NATHAN ZUNTZ
6.10.1847 – 22.3.1920
Begründer der Luftfahrtmedizin
Professor für Tierphysiologie

Kurfürstendamm

Skulptur “Pyramide”
Die Skulptur “Pyramide” von Josef Erben wurde 1987 im Rahmen des Kunstprojekts Skulpturenboulevard zunächst vorübergehend hier aufgestellt, anschließend vom Berliner Senat angekauft. Die transparente Pyramide wird von einem leicht gekrümmten Stahlblatt und einem Stahlseil gebildet, das mit seinen beiden Enden im Kurfürstendamm verankert ist.

Haus Cumberland
1911/12 hat Robert Leibniz, der Architekt des alten Hotels Adlon, dieses Haus als ‘Boarding-Palast’ erbaut: Es wurde ein riesiger Gebäudekomplex vom Kurfürstendamm bis zur Lietzenburger Straße. Das Konzept, mehrzimmerige Suiten mit eigenen Hausdienern den Gästen zur Verfügung zu stellen, ging nicht auf; 1913 musste noch vor Eröffnung Konkurs angemeldet und das Mobiliar versteigert werden. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges wurde das Haus als Luxushotel unter dem Namen ‘Cumberland’ betrieben mit 700 Betten, prächtigen Festsälen, einer Badeanstalt unter dem Dach und dem Café Kugler mit Kurfürstendamm-Terrasse. 1914 wurde hier das ‘Kaiserliche Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt’ (Wumba) untergebracht, seit 1936 wechselnde Ämter der Finanzverwaltung, zuletzt die Steuerabteilung der Oberfinanzdirektion. Die Immobilie war zur Hälfte im Besitz des Bundes und des Landes Berlin. Sie wurde im Dezember 2000 von der Fundus Gruppe erworben, um es als künftiges ‘Adlon des Westens’ unter dem Namen ‘Cumberland Plaza’ wieder zum Luxushotel umzubauen. Der vorgesehene Betreiber, der Kempinski- Hotel-Konzern, zog sich allerdings im April 2001 zurück. Nach der Annullierung des Kaufvertrages gab es eine neue Ausschreibung Anfang 2002. Mehrere Interessenten meldeten sich, unter anderem die Betreiber der Gropiuspassagen in Neukölln. Sie wollten hier altersgerechtes Wohnen anbieten, verbunden mit Einkaufsmöglichkeiten. Eine gewöhnliche Einkaufspassage sollte aber hier nicht einziehen – aus Gründen des Denkmalschutzes, aber auch wegen des geschäftlichen Umfeldes.
Das edle Interieur mit reichverzierten Stuckdecken, Deckengemälden, Edelholzvertäflungen etc. ist teilweise erhalten, so in dem an der Lietzenburger Straße gelegenen Festsaal das neobarocke Deckengemälde, sowie die lindgrüne Wandbespannung aus den 1950ern, als dieser als Kino diente.
Seit die Oberfinanzdirektion ausgezogen ist, wurde das Gebäude häufig für Filmaufnahmen vermietet, nicht zuletzt um die Betriebskosten in Höhe von 500.000 EUR pro Jahr wieder einzuspielen. Auch das alteingesessene Modegeschäft “Slabo” ist inzwischen ausgezogen.
Der Investor Orco will jetzt im Haus Cumberland an die Tradition anknüpfen und ein neues Luxushotel errichten. 140 komfortable Zimmer, drei Restaurants, ein Casino, Wellnessbereiche und eine verglaste Einkaufspassage mit Nobelgeschäften. Ein Kino oder ein Theater ist bisher leider nicht vorgesehen. Baubeginn soll Mitte 2009 sein. 38 Millionen werden investiert, und die Eröffnung ist für Ende 2012 geplant.

George Grosz-Platz

Wielandstraße

Walter-Benjamin-Platz
Der Walter-Benjamin-Platz wurde 1999 nach dem Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin benannt, der unter anderem die “Berliner Kindheit um 1900” schrieb. Eine Gedenktafel für ihn befindet sich an dem Haus Prinzregentenstr. 66, wo er von 1930 bis 1933 lebte.
1998-2000 bauten Hans Kollhoff und Helga Timmermann die Leibniz-Kolonnaden, Wohn- und Geschäftshäuser auf einem ehemaligen Parkplatz, einem seit der Jahrhundertwende brach liegendem Gelände. Der preußisch strenge Entwurf gewann in einem Wettbewerb unter anderem gegen Hinrich Baller. Er löste eine heftige Diskussion aus, die den Baubeginn um mehr als zehn Jahre verzögerte. Zwei Achtgeschosser mit strengen Steinfassaden in grau-grünem Granit und Säulengängen mit Art-Deco-Lampen rahmen den 32 mal 108 Meter großen öffentlichen gepflasterten Stadtplatz an den Längsseiten ein. Auf dem Platz gibt es eine computergesteuerte Wasserfontäne und einen einzelnen Kastanienbaum, der durch eine Tiefgarage hindurch im Erdreich verwurzelt werden musste.

Sybelstraße
Die Sybelstraße wurde 1904 nach dem Historiker Heinrich Karl Ludolf von Sybel benannt. Er wurde 1817 in Düsseldorf geboren und starb 1895 in Marburg. 1874 bis 1880 saß er für die Nationalliberalen im Preußischen Abgeordnetenhaus.

Sophie-Charlotte-Gymnasium
Das Schulgebäude wurde 1913 bis 1918 nach Plänen von Walther Spickendorff für das damalige Fürstin-Bismarck-Lyzeum, also für ein Mädchengymnasium errichtet.

Hubert-von-Meyerinck-Platz
Der Platz wurde 1994 nach dem Filmschauspieler Hubert von Meyerinck benannt. Er lebte von 1896 bis 1971, wurde seit 1920 durch Stummfilmrollen und seit 1930 auch in unzähligen Tonfilmen bekannt. Er spielte stets Männer mit Allüren, die sich nur allzu oft als Hochstapler oder Schurken erwiesen. In späteren Jahren wurde er in Filmkomödien zur Idealbesetzung skurriler Amtspersonen, Adeliger und Generäle. Mit 250 Filmrollen gehört er zu den meistbeschäftigten deutschen Filmschauspielern. Am Ende seines Lebens outete er sich als homosexuell.

Giesebrechtstraße
Die Straße wurde 1904 benannt nach dem Historiker Wilhelm von Giesebrecht. Er lebte von 1814 bis 1889 und war ein Schüler von Leopold von Ranke. Sein Hauptwerk war die “Geschichte der deutschen Kaiserzeit” in 15 Bänden. Er war Professor am Joachimsthalschen Gymnasium, das seit 1880 in Wilmersdorf an der Kaiserallee, der heutigen Bundesallee residierte.

Giesebrechtstr. 4 Kino “Kurbel”
Das Kino wurde 1934 in das Mietshaus eingebaut. Der Kinosaal fasst 600 Zuschauer. 1945 nahm die Kurbel als eines der ersten Berliner Kinos seinen Betrieb nach dem Krieg wieder auf; in den 70ern wurde es für kurze Zeit als Sex-Kino, seit 1974 ist es ein Programmkino mit einem gehobenen Filmangebot. 2003 wurde es für kurze Zeit geschlossen.
Dann versuchte ein Betreiber mit einem neuen Konzept und besonders günstigen Eintrittspreisen neue Zuschauer zu gewinnen. Seit Juni 2005 ist es wieder ein Premierenkino mit drei Sälen.

Giesebrechtstr. 17 Gedenktafel: Paul von Hase
Die Gedenktafel für Paul von Hase wurde 1991 enthüllt:
“Hier wohnte Generalleutnant
Paul von Hase
24.7.1885-8.8.1944
Stadtkommandant von Berlin 1940-44
Am Umsturzversuch vom 20. Juli
führend beteiligt, dafür am 8. August 1944
in Berlin-Plötzensee hingerichtet.”
Paul von Hause lebte in diesem Haus während seiner Zeit als Stadtkommandant von Berlin von 1940 bis zu seiner Hinrichtung1944. Seit 1938 war Generalmajor von Hase in die Verschwörungspläne des Offizierskorps eingeweiht. Am 20. Juli 1944 ließ von Hase das Regierungsviertel in Berlin abriegeln. Nach dem misslungenen Attentat und Umsturzversuch wurde er noch am Abend des 20. Juli verhaftet. In einem Prozess gegen einen Teil der Verschwörer wurde er am 8. August 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee noch am selben Tage durch Erhängen hingerichtet.
Die Hinrichtungsstätte im nationalsozialistischen Zuchthaus Plötzensee befand sich ebenfalls in Charlottenburg-Wilmersdorf. 1952 wurde dort eine Gedenkstätte eingerichtet.
Sie erinnert an die etwa 2.500 dort durch Fallbeil oder Strick hingerichteten Männer, Frauen und Jugendlichen, darunter zahlreiche Widerstandskämpfer – unter anderem die am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 Beteiligten

Giesebrechtstr. 19: Stolperstein
Der Stolperstein für Elisabeth Levysohn wurde am 11. Dezember 2006 verlegt. Er trägt den Text:
HIER WOHNTE
Elisabeth Levysohn
JG. 1879
DEPORTIERT 14.09.1942
Theresienstadt
ERMORDET 17.05.1943”

Giesebrechtstr. 20
Lateinische Inschrift: “Hic habitat felicitas nihil mali intret” (Hier wohnt das Glück, das Unglück möge niemals eintreten)

Giesebrechtstr. 22 Café Richter
Das Café Richter ist eines der traditionsreichsten Cafés des Bezirks und nach wie vor sehr beliebt.

Hindemithplatz
Der Platz wurde 1995 nach dem deutschen Komponisten Paul Hindemith benannt. Es ist ein kleiner gepflasterter, von Bäumen umstandener Stadtplatz. Im Zentrum steht der St.-Georg-Brunnen, der 1904 von dem Architekten Wilhelm Walther für das ehemalige Hotel Bayernhof in der Potsdamer Straße geschaffen wurde. 1980 wurde er restauriert und auf dem Hindemithplatz aufgestellt.

Wilmersdorfer Straße