Tribüne, ehem. Theater

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Tribüne im Ottilie-von-Hansemann-Haus, 14.7.2010 Bild: Bezirksamt, KHMM

Das Haus wurde 1914/15 von Emilie Winkelmann als Ottilie-von-Hansemann-Haus mit Wohnungen für Studentinnen errichtet. 1919 wurde darin die Tribüne von dem Regisseur Karl Heinz Martin, dem Schauspieler Fritz Kortner, dem Dramaturgen Rudolf Leonhard und dem Geldgeber Franz Wenzler als Experimentiertheater und erstes Berliner Privattheater eröffnet. Zur Premiere inszenierte Karl Heinz Martin “Die Wandlung” von Ernst Toller mit dem jungen Fritz Kortner in der Hauptrolle.
In der Gründungsphase war es die Avantgardebühne des szenischen Expressionismus, bald wurde es aber zum kommerziellen Unterhaltungstheater. In der NS-Zeit wurde das Theater zunächst geschlossen, dann als Kino genutzt und ab 1936 unter Rudolf Platte wieder regelmäßig bespielt. Am 1.6.1945 eröffnete Victor de Kowa das im Krieg kaum beschädigte Haus im Auftrag des sowjetischen Stadtkommandanten Nikolai Bersarin mit einem literarisch-musikalischen Unterhaltungsprogramm, das von Hildegard Knef moderiert wurde. Nachfolger von Victor de Kowa wurde 1950-1972 Frank Lothar. Der Spielplan bot gehobene Unterhaltung und politisch-literarische Programme.

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Eingang zur Tribüne, 14.7.2010 Bild: Bezirksamt, KHMM

1982 wurde das Haus modernisiert. 2005 übernahmen die Eheleute Corinna und Thomas Trempnau das Theater von den langjährigen Intendanten Ingrid Keller und Rainer Behrend. Am 13.12.2005 wurde im Theater eine von dem Essener Künstler Thorsten Stegmann geschaffene Büste von Hildegard Knef enthüllt. Zwei Tage später hatte die Knef-Hommage “Für mich soll’s rote Rosen regnen” Premiere.
In der Spielzeit 2006/2007 setzte der Helmut Palitsch als künstlerischer Leiter neue Akzente mit Gegenwartsdramatik. Anna Langhoff war im Januar 2008 nur für wenige Tage künstlerische Leiterin.
Weil der Berliner Senat der Empfehlung einer Experten-Jury folgte und ab 2009 die Fördermittel für die Tribüne strich, schloss das Theater nach der letzten Vorstellung mit dem Box-Musical “Der Kampf des Jahrhunderts” von Paul Graham Brown und James Edward Lyons am 31.12.2008.
Am 1.8.2009 übernahm der Hamburger Regisseur, Theaterleiter und Autor Gunnar Dreßler das Theater und begann am 20.9.2009 zum 90jährigen Jubiläum der Tribüne wieder mit dem Spielbetrieb, der allerdings im August 2011 wieder ausgesetzt wurde, weil der befristete Mietvertrag nicht verlängert wurde. Damit wurde das Theater endgültig geschlossen