Stolpersteine Knesebeckstraße 32

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Hausansicht Knesebeckstr. 32
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Die Stolpersteine für Irma Abarbanell und ihre Kinder Hans, Ruth und Peter Klaus wurden vom Künstler Gunter Demnig am 22.2.2019 verlegt. Sie wurden von Olga Fraticelli-Thoumas (erste Frau von Peter Klaus Abarbanell), Evelyne Abarbanell-Stransky (Tochter von Peter Klaus Abarbanell), Sue Arns (Enkelin von Margarete Aronhold) und Eckart Aaron Arns gespendet, die an der Verlegung teilnahmen.

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Stolperstein Irma Josefa Abarbanell
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
IRMA JOSEFA
ABARBANELL
GEB. STRANSKY
JG. 1882
DEPORTIERT 14.11.1941
MINSK
ERMORDET

Irma Abarbanell wurde als jüngstes von vier Geschwistern (Oskar, Melanie, Klementine und Irma) des Ehepaars Salomon Stransky und seiner ersten Frau Pauline Harpner am 7.2.1882 in Prag geboren. Drei Jahre später verstarb ihre Mutter und Salomon heiratete im folgenden Jahr erneut: Charlotte „Lotti“ Klineberger wurde seine zweite Frau. Mit ihr hatte er zwei Töchter: Margarete und Elsa Stransky.

Irma Stransky erlernte den Beruf der Hutmacherin und heiratete im September 1909 in Fulham, GB, den vier Jahre jüngeren Leopold Albert Abarbanell. Sie lebten in Stettin, dort wurden ihre drei Kinder Hans, Ruth und Peter Klaus Abarbanell geboren. In späteren Jahren zogen sie nach Berlin, wo sie in der Kaiserallee (heute Bundesallee) wohnten. Irma und Leopold zerstritten sich und ließen sich scheiden.

Irma zog mit ihren Kindern in die Knesebeckstrasse 32. Im Nebenhaus, Knesebeckstrasse 31, wohnte zur gleichen Zeit ihre Halbschwester Margarete Aronhold mit ihrem Mann Richard und der Tochter Doris Ingeborg. Für sie wurden dort Stolpersteine verlegt. https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/artikel.179372.php

Irma Abarbanell wurde 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet. Ihren Kindern gelang die Flucht. Alle drei überlebten, auch Ruth, die in Amsterdam doch noch von den Nazis aufgegriffen und nach Theresienstadt deportiert wurde. Leopold starb in Berlin bei einem Bombenangriff.

Recherche und Text: Eckart Aaron Arns
http://www.berlin-minsk.de/#!/gb/10

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Stolperstein Hans Abarbanell
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HANS
ABARBANELL
JG. 1909
FLUCHT 1939
ENGLAND
VERHAFTET 1940
INTERNIERT
NEW SOUTH WALES
AUSTRALIEN

Hans Abarbanell wurde am 1.12.1909 als erstes Kind von Irma und Leopold Albert Abarbanell in Stettin geboren. Seine Eltern zogen nach Berlin, trennten sich und ließen sich scheiden. Mit seiner Mutter Irma, der Schwester Ruth und dem Bruder Peter Klaus zog er aus der Wohnung in der Kaiserallee in die Knesebeckstraße 32.

1939 gelang ihm die Flucht nach London, wo er seine spätere Frau Edith Karczinski kennenlernte. Hans war Bildhauer und Galerist. Als „feindlicher Ausländer“ wurde er 1940 verhaftet und mit rund 2000 jüdischen Flüchtlingen und über 400 Kriegsgefangenen – darunter auch 200 Nationalsozialisten – auf der HMT Dunera nach Australien deportiert. Dort wurde er in einem Gefangenenlager in Hay, New South Wales interniert.

Nach dem Krieg konnte er wieder in London Fuß fassen. Er starb 1997 bei einem Brand seiner Wohnung.
Recherche und Text: Eckart Arns
http://www.berlin-minsk.de/#!/gb/10

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Stolperstein Ruth Abarbanell
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
RUTH
ABARBANELL
JG. 1911
FLUCHT HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
BEFREIT

Ruth Abarbanell wurde als zweites Kind von Irma Abarbanell und Leopold Abarbanell in Stettin am 5.6.1911 geboren. Sie zog mit ihren Eltern nach Berlin in die Kaiserallee (heute Bundesallee). Nachdem ihre Eltern sich trennten, zog ihre Mutter mit den Kindern in die Knesebeckstrasse 32.

Ruth floh in der Nazizeit nach Amsterdam, von wo aus sie über das Lager Westerbork nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie überlebte traumatisiert.

Ruth Abarbanell ging wieder nach Holland zurück, wo sie später die niederländische Staatsangehörigkeit erlangte. Über ihr weiteres Schicksal ist bislang nichts bekannt.

Recherche und Text: Eckart Arns
Quellen:
http://www.berlin-minsk.de/#!/gb/10
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=5631958

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Stolperstein Peter Klaus Abarbanell
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
PETER KLAUS
ABARBANELL
JG. 1916
FLUCHT 1935 SPANIEN
INT. BRIGADEN
1939 FRANKREICH
ZWANGSARBEIT
BEFREIT

Peter Abarbanell wurde als drittes Kind von Irma Abarbanell und Leopold Abarbanell in Stettin am 30.4.1916 geboren. Seine Eltern zogen später nach Berlin in die Kaiserallee.
Nachdem die Eltern sich scheiden ließen, zog Irma Abarbanell mit den Kindern in die Knesebeckstraße 32.

Peter Abarbanell ging während des Spanischen Bürgerkriegs nach Barcelona, wo er als Fotograf neben Ernest Hemingway an den Geschehnissen teilnahm. Nach der Niederlage gegen die Faschisten floh er nach Frankreich und wurde dort interniert. Da er sich als Spanier mit Deutschkenntnissen ausgab und somit sein Jüdischsein verbarg, überlebte er als Dolmetscher. In Frankreich lernte er seine erste Frau Olga Thoumas kennen. 1949 wurde die gemeinsame Tochter Evelyne geboren.

Später trennte er sich von Olga, ging in die Schweiz und arbeitete dort für die Jüdische Organisation „Joint“ (JDC). Volle Bezeichnung: American Jewish Joint Distribution Com-mittee, eine seit 1914 vor allem in Europa tätige Hilfsorganisation US-amerikanischer Juden für jüdische Glaubensgenossen mit Sitz in New York.
Hier lernte er seine zweite Frau Francine Jeanneret kennen. Er starb hier 1989.
Recherche und Text: Eckart Arns
http://www.berlin-minsk.de/#!/gb/10