Stolpersteine Hohenzollerndamm 35a

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Hausansicht Hohenzollerndamm 35a
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine sind auf Initiative von Thomas Gawron von ihm und einigen Hausbewohnern gespendet und am 6.10.2016 verlegt worden.

Die Häuser am Hohenzollerndamm 35 bis 36 waren in den 1930er Jahren als Eigentum des Architekten G. Jacobowitz eingetragen.

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Stolperstein Martin Gerson
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARTIN GERSON
JG. 1871
DEPORTIERT 25.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 4.4.1943

Martin Gerson wurde am 30. Januar 1871 in Frankfurt/Oder geboren. Bei de Volkszählung am 17.5.1939 war er am Hohenzollerndamm 35a in Wilmersdorf gemeldet. Im Adressbuch war er nicht eingetragen. Bis 1938 war allerdings ein Kaufmann namens Martin Gerson in Dahlem in der Straße im Dol 21 als Eigentümer registriert und als „Eigentümer“ benannt. Er war, wie sich aus Akten ergibt, der Ehemann von Rosa Gerson geb. Sternberg.

Mit 100 Menschen, von denen nur sieben überlebten, wurde Martin Gerson aus der Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 vom Anhalter Bahnhof ist Ghetto Theresienstadt gebracht. Dort ist er am 4. April 1943 im Alter von 72 Jahren ums Leben gebracht worden.

Die Ehefrau Rosa Gerson, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Anschrift Plan de Grasse, Alpes-Maritimes (Frankreich) angab, stellte 1950 Entschädigungsanträge für zehn Grundstücke in Halensee „nebst Nutzung“ in Friedenau und in Lichtenrade, für ein Bankkonto, Wertpapiere und ein Anderkonto beim Berliner Bankhaus Gebr. Berlinicke & Ehrenhaus, damals an der Linkstraße 11, sowie für Gold, Silber, Schmuck, Pelzwaren, ein Radiogerät und Hausrat.

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Stolperstein Charlotte Gundelfinger
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
CHARLOTTE
GUNDELFINGER
GEB. PINCUS
JG. 1888
SCHICKSAL UNBEKANNT

Charlotte Gundelfinger geb. Pincus wurde am 3. August 1888 in Berlin geboren. Sie war Bankprokuristin und die Frau des Rechtsanwalts Paul Gundelfinger, der am Landgericht I zugelassen war. Paul Gundelfinger ist 1917 gestorben. Ihre Schwester hieß Margarete, Kinder hatte sie anscheinend nicht.

Zunächst wohnten sie in der Meinekestraße 20, während er seine Kanzlei an der Potsdamer Straße 138 hatte. Nach dem Tod ihres Mannes zog Charlotte Gundelfinger in die Berliner Straße 61 und später an den Hohenzollerndamm 35a.

Wann und wo sie ums Leben gekommen ist, wurde nicht dokumentiert. Charlotte Gundelfinger ist für tot erklärt worden. Jedenfalls war sie ein Opfer der Judenverfolgung der Nationalsozialisten.

Ihre Schwester Margarete Bonwitt geb. Pincus hat 1951 und 1955 aus New York (USA) Entschädigungsanträge für beschlagnahmtes Bargeld und eingezogene Wertpapiere sowie für Gold, Silber, Schmuck gestellt. Außerdem beanspruchte sie Wiedergutmachung für das geraubte Mobiliar, Ölgemälde und andere Kunst- und Kulturgüter, zu denen sie keine näheren Angaben machte.

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Stolperstein Samuel Sund
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
SAMUEL SUND
JG. 1867
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
13.9.1942

Samuel Sund wurde am 4. Januar 1867 in Berlin geboren. Im Adressbuch 1939 stand er unter der Adresse Hohenzollerndamm 35a und ließ sich als „Rentier“ eintragen. Also lebte er von seinem Vermögen und war nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen. Als die meisten Juden aus der Umgebung verschleppt wurden oder ihnen die bevorstehende Deportation angekündigt wurde, so seinem Nachbarn Martin Gerson, entzog sich Samuel Sund diesem Schicksal und beging Selbstmord. Es geschah am 13. September 1942, Samuel Sund war 75 Jahre alt.

Text: Stolpersteine-Initiative Wilmersdorf-Charlottenburg. Quellen: Bundesarchiv, Adressbücher, Landeshauptarchiv Berlin-Brandenburg, Zentralarchiv Yad Vashem.