Stolperstein Pfalzburger Straße 64

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Hausansicht Pfalzburger Str. 64
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein ist am 19.5.2015 auf Anregung von Heidemarie Sow mit Schülerinnen und Schülern des Hannah-Arendt-Gymnasiums gespendet und verlegt worden.

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Stolperstein Eli Knoller
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ELI KNOLLER
JG. 1887
DEPORTIERT 14.4.1942
GHETTO WARSCHAU
ERMORDET

Eli Knoller kam aus einer großen Familie. Er wurde am 5. September 1887 in Krefeld geboren. Eli hatte drei Brüder und zwei Schwestern, zudem viele Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Von Beruf war er Kaufmann. Es liegen viele Informationen vor, weil Eli unter den Nationalsozialisten inhaftiert war und aus seiner Akte zwei handschriftliche Lebensläufe zur Verfügung stehen.

Im Jahr 1893, also mit fünf Jahren, siedelte Eli mit seinen Eltern von Krefeld nach Berlin über. Er besuchte die Realschule bis zur Tertia und machte dann im väterlichen Exportgeschäft eine kaufmännische Lehre. Von 1910 bis 1912 studierte er in Nordamerika die dortigen Geschäftsmethoden und die englische Sprache. 1913 und 1914 arbeitete er im Zweiggeschäft des Vaters in Wien. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kam er nach Berlin zurück und wurde im Frühjahr 1915 zum Militär eingezogen. Im Herbst 1915 kam er als Feldartillerist an die Front. Während des Krieges hat er an den Schlachten in Verdun, an der Somme und bei Aisne-Champagne mitgemacht. In dieser Zeit, 1916, starb Elis Vater. 1917 wurde er an die Dolmetscherschule nach Berlin versetzt. Nach dem Krieg arbeitete er erneut in der väterlichen Firma, die jedoch 1932 aufgelöst wurde. Danach hat er verschiedene Vertretungen anderer Firmen in Berlin übernommen.

Eli Knoller war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde es für ihn schwierig, seiner bisherigen Tätigkeit weiter zu folgen, da es Juden schon bald verboten war, ihren Beruf auszuüben. So warfen ihm die Nationalsozialisten schon bald Konkursvergehen und Hehlerei in Tateinheit mit Verbrechen gegen die Kriegswirtschaftsverordnung vor. Er wurde zweimal verurteilt. Bei einer Befragung 1941, warum er die Tat begangen habe, antwortete er: Aus Unkenntnis. Mit sechs weitere Geschäftspartnern wurde Eli Knoller am 15. Juli 1941 wegen Hehlerei zu einem Jahr Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Geschäftsleute, Postboten, Chauffeure und Fahrer hatten Lebensmittel für jüdische Mitbürger besorgt und damit gehandelt, was ihnen jedoch verboten war. Die Strafe musste Eli Knoller in einem Zuchthaus und einer Sicherungsanstalt in Brandenburg absitzen. Bei seiner Inhaftierung sowie bei der Entlassung wurde notiert, er sei zornig gewesen, habe sich massiv über die Behandlung der jüdischen Mitbürger aufgeregt und dies auch gezeigt.

Nur drei Wochen nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus, am 14. April 1942, wurde Eli Knoller deportiert. Seine Spur verliert sich im Zwangsarbeitslager Trawniki in Lublin im östlichen Polen, das dem Konzentrationslager Majdanek angegliedert war. Wenn er sich auch dort offen über die Behandlung beschwert hat und die schwierigen Bedingungen in nationalsozialistischen Arbeitslagern geäußert hat, wurde er sehr wahrscheinlich vor Ort erschossen oder aber in Majdanek vergast.

Elis Mutter, Klara Knoller, floh nach Amsterdam, wurde aber im Internierungslager Westerbork inhaftiert, wo sie 1943 im Alter von 88 Jahren starb. Elis Schwester Lea wurde mit ihrem Mann von Leipzig aus deportiert und in Auschwitz ermordet. Sein Bruder Simon flüchtete mit Frau und Sohn ebenfalls nach Holland, alle wurden von dort nach Bergen-Belsen deportiert, wo sie wegen der schlechten Lebensbedingungen im Lager umgekommen sind. Die Schwester Zippora wurde mit ihrem Mann nach Theresienstadt deportiert, beide konnten dort den Krieg überleben und engagierten sich in München sowohl in der Jüdischen Gemeinde als auch im Bayerischen Landtag. Zudem gründeten sie in München ein Kinderkrankenhaus.
Zwei Brüder von Eli, Aribert und Gabriel, wanderten nach Israel aus, wo sie heirateten, Kinder bekamen und Enkelkinder geboren wurden. Nur die Tochter von Aribert, Karla Knoller, schaffte es nicht von Kopenhagen und später aus Holland zu entkommen. Sie wurde schon 1942 in Auschwitz ermordet.

Text: Heidemarie Sow

Auszug Gefangenenbuch

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