Stolpersteine Offenbacher Straße 7

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Hauseingang Offenbacher Str. 7
Bild: H.-J. Hupka

Der Stolperstein für Ernst Krämer wurde von Dieter Schmidt (Maikammer) gespendet und am 20.5.2014 verlegt.
Die Stolpersteine zum Gedenken an Kurt und Ilse Kaminsky wurden am 22.10.2015 verlegt. Sie sind von Paul E. Spencer, Philip Spencer und John M. Spencer (Homlfirth/West Yorkshire, Großbritannien) gespendet worden.

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Stolperstein Ernst Krämer
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ERNST KRÄMER
JG.1879
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
17.7.1942

Ernst Krämer wurde am 8. Mai 1879 in Berlin geboren. Im Berliner Adressbuch war er seit 1938 unter der Anschrift Offenbacher Straße 7, wo er mit seiner Frau im 3. Stock wohnte, als „Baumeister“, also Architekt, eingetragen.

Dieter Schmidt, der als achtjähriger Junge aus dem Nachbarhaus in die Offenbacher Straße 7 umgezogen war, erinnert sich:
„In dem Haus, in dem unsere neue Wohnung lag, wohnte ein Ehepaar, bei dem der Mann Jude war. Im Ersten Weltkrieg war er Rittmeister gewesen. Ihre Wohnung war im 3. Stock, direkt über dem Hauseingang. Es waren feine, gut situierte Menschen, die einen besonders schönen Hund, einen Pekinesen, hatten. Ich kannte und bewunderte dieses Tier von klein auf. Eines Tages im Sommer 1942 war im Haus große Aufregung. Herr Krämer hatte sich, während seine Frau einkaufen war, erhängt. Er war gezwungen worden, den kostbaren Hund töten zu lassen, denn Juden durften keine Haustiere halten, und der Mann ahnte wohl, dass er deportiert werden sollte.

Ich weiß, dass man im Haus allgemein entsetzt war, aber sich öffentlich zu äußern traute sich niemand. Das wäre im Hinblick auf die terroristischen Maßnahmen der NS-Regierung auch möglicherweise selbstmörderisch gewesen. Auf jeden Fall war der deutschen Bevölkerung damals bekannt, wie schändlich ihre jüdischen Mitbürger behandelt wurden. Die Massenmorde in den Konzentrationslagern waren dagegen sicher nur einem kleinen Kreis bekannt. Weit bekannt waren aber die Einsatzgruppen in Russland. Mein Vater wäre ja beinah hineingezogen worden, und Soldaten, die auf Urlaub aus Russland nach Hause kamen, wussten entsetzliche Dinge zu berichten – allerdings nicht vor uns Kindern und nur im engsten Familienkreis.“

Der Tag des Freitodes von Ernst Krämer war der 17. Juli 1942. Seine Frau wohnte bis zu ihrem Tod in den 1960er Jahren in dem Haus.
In der Offenbacher Straße 7 lebten, jedenfalls nach dem Einwohnerregister von 1939, noch der Kaufmann Kurt Kaminsky und seine Frau Ilse, geb. Trendelius, sowie Helene Falkson, geb. Lieberg, die 1941 und 1942 deportiert wurden.

Text: Helmut Lölhöffel aufgrund der Erinnerungen von Dieter Schmidt

Bildvergrößerung: Stolperstein Kurt Kaminsky
Stolperstein Kurt Kaminsky
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
KURT KAMINSKY
JG.1883
DEPORTIERT 6.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.10.1944

Kurt Kaminsky wurde am 4. November 1883 in Rastenburg (Ostpreußen) geboren, seine Eltern waren Aron (1843-1912) und Emma geb. Levy (1847-1920). Er hatte eine Schwester Fanny. Verheiratet war Kurt Kaminsky mit Ilse Kaminsky geb. Trendelius, deren Eltern Moritz und Johanna geb. Lebbin hießen und die am 25. Mai 1890 in Woldenberg (Pommern) geboren ist. Sie heirateten am 9.11.1911. Beide hatten einen Sohn Fritz Werner, der 1920 in Berlin geboren wurde.

Sie führten einen Laden für Damenkleider in der Kronenstraße 32. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938, als Kaminskys Laden von der SA zerschmettert wurde, ist Kurt Kaminsky verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht worden, wo er bis 2. Dezember bleiben musste.

Sohn Fritz wollte in die USA flüchten, musste aber auf dem Weg dorthin in England bleiben, als Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Dort war seine Tante Fanny bei Freunden untergekommen. Fritz Werner Kaminsky heiratete während des Zweiten Weltkriegs und nahm danach den Namen der Familie seiner Frau – Spencer – an, seinen Vornamen änderte er in Vernon. Er starb 2001.

Vernon Spencers Sohn John weiß über seine Großeltern nicht viel – außer, dass sie in Berlin ein Modegeschäft hatten. Auf einer Website sind die Daten der Familie zu finden.

Kurz vor ihrer Deportation mussten Kaminskys ihre Wohnung räumen und zwangsweise in die Grolmannstraße 28 einziehen. Dort wurden sie abgeholt und in das Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26 gebracht. Am 6. August 1942 wurden sie mit 98 Menschen vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert, von denen nur zwei überlebten. Ilse Kaminsky wurde am 20. April 1944 umgebracht, Kurt Kaminskys Todestag war der 3. Oktober 1944.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf aufgrund des Bundesarchivs und Informationen von John M. Spencer (Großbritannien)

Bildvergrößerung: Stolperstein Ilse Kaminsky
Stolperstein Ilse Kaminsky
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ILSE KAMINSKY
GEB. TRENDELIUS
JG.1890
DEPORTIERT 6.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 20.4.1944