Stolpersteine Bleibtreustr. 50

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Hauseingang Bleibtreustr. 50, Foto:H.-J. Hupka, 2014
Bild: H.-J. Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 1.4.2014 in Anwesenheit von Hausbewohner/innen und Nachbarn verlegt. Spenderin war Aurora Minguez (Berlin/Madrid).

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Stolperstein Felicia Israel, Foto:H.-J. Hupka, 2014
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
FELICIA ISRAEL
JG. 1906
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Felicia Israel wurde am 6. Mai 1906 in Berlin geboren und wohnte „beim Vater“, wie sie schrieb. Er war der Schuhmacher Leo Israel, der 1939/40 seine Wohnung in der Bleibtreustraße 50 hatte. Über ihr Leben und über die Mutter ist nichts bekannt. Aus ihrer am 22.12.1942 im Sammellager an der Großen Hamburger Straße abgegebenen Vermögenserklärung geht hervor, dass sie kein eigene Einnahmequelle hatte, sondern wohl von der Rente des Vaters bei der Reichsversicherung für Angestellte – monatlich 48,90 Reichsmark – lebte. Alle anderen Rubriken über Vermögen, Mobiliar und Inventar strich sie durch. Völlig mittellos ist sie am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert worden.

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Stolperstein Leo Israel, Foto:H.-J. Hupka, 2014
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
LEO ISRAEL
JG. 1877
DEPORTIERT 29.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Leo Israel wurde am 15. April 1877 in Gromaden (Gromadno) in der Region Posen (Poznan) geboren. Er war von Beruf Schuhmacher, 1939 war er in der Bleibtreustraße 50 gemeldet, 1940 war er dort im Adressbuch eingetragen. Danach musste er mit seiner Familie in die Kantstraße 33 umziehen, wo sie für 68,60 Reichsmark Miete im Erdgeschoss des Gartenhauses 2 ½ Zimmer und Küche bewohnten.
In Leo Israels Haushalt lebten, wie er in seiner Vermögenserklärung am 12.1.1943 angab: seine Tochter Gerda mit ihrem Mann Rudolf Rosenbaum und ihrer Tochter Gittel. Ob die ältere Tochter Felicia Israel auch dort unterkam, ist nicht zweifelsfrei zu klären. Als Zwangsarbeiter bei den Lima Besohlwerkstätten verdiente Leo Israel zu dieser Zeit 20 Reichsmark in der Woche.
In der Vermögenserklärung, die allen zur Deportation bestimmten Juden damals abverlangt wurde und die er am 12.1.1943 ausfüllte, trug er weder Geld- noch Sachwerte ein. In einer „Inventarbewertung“ der Wohnung wurden neben einem Gartenstuhl und einem Tischchen ein „kleiner Posten Wäsche“ sowie Kinderkleider und eine Schaukelente (sicherlich seiner Enkeltochter zuzurechnen) aufgeführt, den Gesamtwert bezifferte der Obergerichtsvollzieher am 26.2.43 auf 63,50 RM, wovon er 7,50 RM behielt. In einer weiteren „Inventarbewertung“ vom 18.3.1943 tauchten Kleinigkeiten wie ein Spiegelspindchen, ein Hocker und eine Kinderbettstelle auf, was wohl der jungen Familie Rosenbaum gehörte und auf insgesamt 90 RM taxiert wurde, wofür der Obergerichtsvollzieher Gebühren und Auslagen von 10,10 RM berechnete. Am 15.5.1943 wurde die bescheidene Wohnung geräumt.

Leo Israel war am 29. Januar 1943 zusammen mit seinem Schwiegersohn Rudolf Rosenbaum (geboren am 12. Juli 1914 in Berlin), dessen Frau Gerda, geb. Israel (geboren am 10. Juni 1910 in Berlin) und der erst zwei Jahre alten Tochter Gittel (geboren am 31. März 1940 in Berlin) nach Auschwitz deportiert worden. Als Todesdatum Rudolf Rosenbaums wird der 12. Februar 1943 genannt. Gerda Rosenbaums Schwester Felicia Israel (geboren am 6. Mai 1906 in Berlin) war schon am 12. Januar 1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert worden.

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Stolperstein Erna Ruge, Foto:H.-J. Hupka, 2014
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ERNA RUGE
GEB DAVIDSOHN
JG. 1891
DEPORTIERT 19.4.1944
THERESIENSTADT
BEFREIT
TOT 31.5.1945

Erna Ruge geb. Davidsohn wurde am 7. Februar 1891 in Berlin geboren. Zur Zeit der Volkszählung 1939 war sie verwitwet, in die Vermögenserklärung trug sie am 20.3.1944 ein: „Konfession evangelisch“ und „Ehemann war Arier“. Als Beruf gab sie an „Hausgehilfin“, auf die Frage nach ihrer letzten Beschäftigung antwortete sie „ohne“. In der Deportationsliste stand in der Spalte „Beruf: Verkäuferin“. Sie bezog eine Rente von der Reichsversicherung von 42,80 monatlich. Bis zur Volkszählung am 17.5.1939 wohnte sie in der Bleibtreustraße 50, Ende Mai zog sie zu ihrer Tochter Liselotte Runge, die in der Schillerstraße 31 einen Laden mit einem Zimmer bewohnte. Doch kurz vor der Deportation wurde sie noch in die Ludwigstraße 17 zwangsumgesiedelt und musste sich dann im Sammellager Schulstraße 78 melden. Die Nachmieterin Edith Genzmer, der die Wohnung zugewiesen wurde, weil sie vermutlich ausgebombt war, zog am 1.7.1944 ein und kaufte für 25,50 Reichsmark etliche Möbel und Gegenstände (Küchenschrank, Küchentisch, Ruhebett, Lampen, Gardinen und Geschirr) auf.
Am 19. April 1944 war Erna Ruge in einem Waggon mit 50 Menschen vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert worden. Die Befreiung des Ghettos durch russische Soldaten erlebte sie am 8./9. Mai 1945 mit, aber von den grauenvollen Lebensumständen geschwächt und den Strapazen gekennzeichnet starb sie am 31. Mai 1945.
Erna Ruge hatte zwei Kinder: Günther, geboren am 29. Oktober 1912, und Liselotte, geboren am am 8. Mai 1919. Beide wurden von der Mutter als „Mischling“ gekennzeichnet und haben den Zweiten Weltkriegt überlebt. Ein Entschädigungsverfahren verlief ergebnislos.

In diesem Haus, das wechselnden Eigentümern gehörte, befand sich 1934/35 das Präsidium des Kartells der Jüdischen Verbindungen, 1935 das Büro der Jüdischen Jugendhilfe e.V.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam; Bundesarchiv; Entschädigungsakten; Berliner Adressbücher. Zusammenstellung: Helmut Lölhöffel