Stolperstein Uhlandstraße 184

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Hauseingang Uhlandstr. 184, 2014
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde von Marga Citron (Berlin) gespendet und am 1.4.2014 verlegt.

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Stolperstein Rosa Skutsch, 2014
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ROSA SKUTSCH
GEB. GLÜCKSMANN
JG. 1857
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
2.9.1942

Rosa Skutsch geb. Glücksmann ist am 24. April 1857 in Thorn (heute: Torun, damals in Westpreußen) geboren. In Berlin wohnte sie in der Uhlandstraße 184 im Haus neben der Familie Citron, mit der sie verwandt war. Es gibt eine Eintragung im Berliner Gedenkbuch der Freien Universität von 1995, wonach sie zuletzt in der Flensburger Straße 6 in Tiergarten gewohnt habe. Wahrscheinlich ist sie zwangsweise dorthin umquartiert worden und musste spätestens zu diesem Zeitpunkt wissen, dass auch sie deportiert werden sollte. Ein Deportationsbescheid lag ihr vor. Unter der Adresse Uhlandstraße 184 war sie im Jüdischen Adressbuch für Groß-Berlin, Ausgabe 1931, verzeichnet. Rosa (familienintern polnisch “Roza” gerufen) Skutsch war eine Cousine der Großmutter mütterlicherseits meines Mannes. Sie kannte aber auch die väterliche Familie. Citrons wohnten Anfang des 20. Jahrhunderts Uhlandstraße 183.

Familiengerüchte besagen, dass sie eine Rolle bei der späteren Heirat zwischen Charlotte, der Tochter ihrer Cousine, und Fritz Citron (dem Vater meines Mannes) spielte – umgangssprachlich: sie hat ein bisschen “gekuppelt”, nichts Ungewöhnliches bei Familien zu jener Zeit. Meine Schwiegereltern heirateten 1914, und “Tante Roza” wohnte weiterhin in der Uhlandstraße.

Meine Schwägerin beschreibt sie als eine “Dame”, mit Bubikopf, immer in Schwarz gekleidet, mit leichtem polnischen Akzent. Die Citron-Kinder waren gern bei ihr zu Besuch, es habe immer besondere Leckereien gegeben. Zu jener Zeit, also in den 1920er und 1930er Jahren, war sie bereits verwitwet (ihr Ehemann war gestorben), lebte aber in durchaus guten finanziellen Verhältnissen. So war sie in der Lage, einem ihr bekannten, nicht verwandten jungen Mann, einem Schlosserlehrling, eine Ausbildung zu finanzieren, wofür er ihr lebenslang dankbar war, am Ende aber auch nichts für sie tun konnte.

Meine Schwägerin ist 1938 vorsorglich in England bei Verwandten untergebracht worden. Erst durch die Verhaftung einer Schwester wurden die Nazis auf Rosa aufmerksam.
Nach dem Deportationsbescheid hat sie ihr noch immer vorhandenes Bargeld ihrer Nichte, meiner Schwiegermutter, gebracht, mit der Bitte, einen Teil davon einem anderen Neffen zu übergeben. Am 2. September 1942 nahm sich die 85-jährige alte Dame selbst das Leben. Sie vergiftete sich.

Text: Marga Citron, leicht ergänzt von Helmut Lölhöffel