Stolpersteine Marburger Str. 5

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Bild: BA

Diese Stolpersteine sind von Brigitte und Viola Kretschmer (Frankfurt a.M.) gespendet worden und wurden am 12.11.2013 verlegt.

Eigentümerin des Hauses an der Marburger Straße 5 war in den 1930er Jahren die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die ihren Sitz in der Oranienburger Straße hatte. Wie viele jüdische Menschen hier wohnten, ist nicht genau zu ermitteln. Jedenfalls waren darunter 46, die nicht ins sichere Ausland flüchten oder in Verstecken überleben konnten, sondern deportiert und ermordet wurden, und zwei, die diesem Schicksal zu entkommen suchten, indem sie Selbstmord begingen. Drei von ihnen waren die Familie Noack.

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Stolperstein Arnold Noack, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ARNOLD NOACK
JG 1885
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein Rike Noack, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
RIKE NOACK
GEB. SCHMUL
JG. 1901
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein Eva Noack, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
EVA NOACK
JG. 1926
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Arnold Noack ist am 9. Juni 1885 in Stettin geboren. Er war Arzt und hatte vorher eine Praxis an der Kantstraße. Wie allen jüdischen Medizinern entzogen ihm die Nazis die Arbeitserlaubnis, sodass er nur Juden als Patienten haben durfte und sich entwürdigend „Krankenbehandler“ nennen musste. Im Berliner Adressbuch von 1940 war Arnold Noack mit der Anschrift Marburger Straße 5 eingetragen und dem Zusatz „jüd. Behandler“.

Seine Frau Rike Noack , geb. Schmul, wurde geboren am 11. August 1901 in Lautenburg (Westpreußen). Ihre Tochter hieß Eva Noack , sie ist am 8. April 1926 in Berlin geboren.

Alle drei und drei weitere Bewohner des Hauses wurden eines Tages abgeholt und mit armseligem kleinem Gepäck in die Große Hamburger Straße gefahren. Dort, in einem ehemaligen jüdischen Altersheim, mussten sich tausende zur Deportation vorgesehen Jüdinnen und Juden melden und registrieren lassen, bevor sie auf die Transportzüge in die osteuropäischen Ghettos und Lager verteilt wurden. Die Familie Noack wurde in einen Zug getrieben, der am 14. Dezember 1942 vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald startete und verriegelt und verplombt mit 811 Menschen nach Auschwitz fuhr. Dort sind die meisten von ihnen gleich nach der Ankunft vergast wurden – ob der Arzt Arnold Noack noch im Arbeitslager zu medizinischem Dienst für die Häftlinge gezwungen und ob die 41jährige Rike Noack und die 16jährige Eva Noack noch als „arbeitsfähig“ eingestuft wurden, bevor sie getötet wurden, ist nicht bekannt.

Auch über die Lebensläufe ist nichts weiter bekannt, da der Kontakt zu den Geschwistern Kretschmer vor der Verlegung abgerissen ist.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf