Stolperstein Pfalzburger Straße 59

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Hausansicht Pfalzburger Str. 59
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde am 8.6.2013 verlegt. Gespendet wurde er von Steven Dorner (London), dem Enkelsohn von Otto Simon, der mit Sohn und Enkelsohn bei der Verlegung anwesend war.

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Stolperstein Otto Zina Simon, Juni 2013
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
OTTO ZINA SIMON
JG. 1874
VERHAFTET
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 23.10.1942

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Otto Simon und seine Töchter Lotte und Käte
Bild: Privatarchiv

Otto Simon, der den zweiten Vornamen Zina hatte, ist am 16. April 1873 in Grabow (Mecklenburg) geboren. Er war der jüngste von drei Brüdern, eine Schwester starb als Kind.

Wo und was er studierte, ist den Nachkommen nicht bekannt. Er wurde wohl Ingenieur und ging als junger Mann nach Bremen. Dort hatte er eine Stelle bei einer der großen Schifffahrtsgesellschaften, bei der er Karriere machte und einer der Miteigner wurde. Im Ersten Weltkrieg war er kein Soldat, sondern arbeitete beim Roten Kreuz.

Otto Simon heiratete die aus Bielefeld stammende Else Wertheimer. Sie zogen – wann genau, ist nicht bekannt, jedenfalls vor 1908 – nach Berlin und bekamen drei Kinder, die zwischen 1937 und 1939 nach England oder in die USA flüchteten. Eine der Töchter war Lotte Simon, geboren am 27. Januar 1906 in Bremen. Die Zeichenlehrerin heiratete 1937 in Berlin den kaufmännischen Geschäftsführer Heinrich Dörner, geboren am 22. August 1902 in Trestená (Tschechoslowakei). Sie hatten einen Sohn und eine Tochter. Auch Else Simon war 1937 die Flucht aus Deutschland nach England gelungen, das Ehepaar hatte sich getrennt. Sie lebte in Sheffield und starb im Alter von 92 Jahren.

Als einziger aus der Familie blieb Otto Simon nach Beginn des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Wie manche andere dachte er, ihm könne in seiner Position und mit seinen guten Beziehungen „nichts passieren“, weiß sein in England lebender Enkelsohn Steven Dorner, „aber seine Lebensumstände wurden immer mehr eingeschränkt und als er begriff, was tatsächlich geschah, war es zu spät“. Wie alle Deutschen jüdischer Herkunft wurde Otto Simon verfolgt und bedrängt, verlor seinen Beruf, wurde – nach Angaben seines Enkels wahrscheinlich 1939 oder 1940 – verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.

Bei der Volkszählung am 17.5.1939 hatte er jedenfalls seine letzte frei gewählte Wohnung in der Pfalzburger Straße 59 in Wilmersdorf aufgegeben, und er musste unter Druck und Zwang noch zweimal umziehen: in die Kantstraße 118, wo er als Untermieter bei Regina Lotze, geb. Heynemann, gemeldet war. Sie wurde am 20. September 1882 geboren und am 14. November 1941 nach Minsk deportiert. Kurze Zeit wohnte Otto Simon noch in der Prinzregentenstraße 6 bei einer Familie Kaufmann, bevor er in Sachsenhausen eingesperrt wurde. Dort ist er am 23. Oktober 1942 ermordet worden.

Quelle: Steven Dorner (London), Text: Helmut Lölhöffel