Stolpersteine Sybelstr. 62

Foto folgt
Bild: BA

Diese Stolpersteine wurden von der Hausgemeinschaft gespendet und am 30.4.2013 verlegt.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Lucie Eisex, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
LUCIE EISEX
GEB. MARETZKI
JG. 1881
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
17.12.1942

Lucie Eisex , geb. Maretzki, wurde am 19. August 1881 in Berlin geboren. Sie wohnte seit 1921 in der Sybelstraße 62 und bezog eine Wohnung für 60 RM pro Monat als Hauptmieterin. Ihre Vermögenserklärung vom 8.7.1942 gibt detaillierte Auskünfte über ihren Besitz: Wertpapiere 12 682 RM, Guthaben auf dem Konto 1 204 RM, vier Handschuhe, drei Handtaschen, drei Paar Schuhe, und – auffällig – ca. 200 Bücher.
Der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war Lucie Eisex als Kommunistin bekannt. Im Dezember 1942 sollte sie deportiert werden. Diesem Schicksal entzog sie sich: Am 17. Dezember 1942 wurde sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden.
Testamentarisch hinterließ sie ihr Vermögen Franz Thiele (damals 72 Jahre alt, verheiratet mit Else Tucholsky). Mit der Begründung, das Testament sei verfasst worden, als Juden noch über ihr bewegliches Vermögen verfügen durften und somit rechtskräftig, versuchte Thiele mit Hilfe des Rechtsanwalts Georg Graul an die Erbschaft zu kommen. Dies wurde jedoch politisch, nicht juristisch, von hoher Stelle abgelehnt. In einem Brief mit dem Vermerk „vertraulich“ vom 21.6.1943 schrieb die NSDAP-Gauleitung Berlin: „Volksgenosse Thiele ist politisch nicht in Erscheinung getreten. Er steht im 73. Lebensjahr und lebt mit seiner jüdischen Ehefrau zusammen. Von der Auszahlung eines Härteausgleiches aus dem Vermögen der Jüdin Lucie Sara Eisex bitte ich abzusehen. Heil Hitler! gez. Hauptgemeinschaftsleiter.“

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Hildegard Blumenthal, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
HILDEGARD
BLUMENTHAL
GEB. BLOCK
JG 1897
DEPORTIERT 26.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hildegard Blumenthal , geb. Block, wurde am 23. Dezember 1897 in Berlin geboren. Sie war zum Zeitpunkt ihrer Deportation verwitwet.
Gemäß Verfügung vom 1.10.1942 (auf der Grundlage des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom 14.7.1933) wurde ihr ganzes Vermögen „zugunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. Sie wurde zuerst in das Polizeigefängnis in der Lehrter Straße gebracht und von dort in die Sammelstelle Große Hamburger Straße 26, ein ehemaliges jüdisches Altersheim, eingewiesen. Am 22. Dezember 1942, einen Tag vor ihrem 45. Geburtstag, musste sie eine „Erklärung über Eigentum“ (Vermögenserklärung) ausfüllen und unterschreiben. Die Bewertung ihrer Wohnung und des Inventars waren „erfolglos“, notierten die zuständigen Finanzbeamten.
Am 26. Februar 1943 wurde Hildegard Blumenthal in einem Zug zusammen mit 913 Menschen vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Frieda Bernhard, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
FRIEDA BERNHARD
JG 1885
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Frieda Bernhard wurde am 16. August 1885 in Thorn (Torun) geboren. Über ihr Leben ist nichts bekannt, außer dass sie in der Sybelstraße 62 gewohnt hat. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv ist keine Akte über sie vorhanden. Sie wurde am 17. November 1941 nach Kowno/Litauen deportiert. „Etwa zwei Tage vorher hatten sich die Aufgeforderten im Sammellager zu melden, das sich in der 1914 eingeweihten Synagoge Levetzowstraße 7-8 im Berliner Stadtbezirk Tiergarten befand. Nachdem die für den Transport vorgesehenen Personen nachts mitten durch das Zentrum des Berliner Westens zum Vorortbahnhof Berlin-Grunewald geführt worden waren, verließ der Sonderzug den Bahnhof …“ (Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005). 1006 Menschen, darunter 25 Kinder unter 10 Jahren, kamen nach vier Tagen und Nächten in Kowno an und wurden alle am 25. November 1941 im Fort IX erschossen.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Rosa Gross, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
ROSA GROSS
JG 1882
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Über Rosa Gross gibt es keine Archivakten mehr. Sie wurde am 20. Januar 1882 in Berlin geboren. Am Tag der Volkszählung am 17.5.1939 war sie jedenfalls in der Sybelstraße 62 gemeldet. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag, am 13. Januar 1942, ist sie nach Riga deportiert worden. Dieser Transport, in den sich 1034 Menschen einreihen mussten, ging vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald ab. Vorher hatten sie sich in der Synagoge Levetzowstraße in Tiergarten melden müssen, wo die Gestapo eine Sammelstelle eingerichtet hatte, und von dort wurden sie mehrere Kilometer durch die Stadt nach Grunewald getrieben, wo sie Personenwagen 3. Klasse besteigen mussten. Nur 15 von ihnen überlebten. (Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005).

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Hans Leonhard Israel, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
HANS LEONHARD
ISRAEL
JG 1881
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Dr. Hans Leonhard Israel wurde am 1. März 1881 in Berlin geboren. Er war Apotheker und wohnte zusammen mit seiner Ehefrau Bianca Israel , geb. Ullmann, in der Sybelstraße 62 im Vorderhaus, erste Etage rechts. Im Adressbuch von 1939 war Hans Israel als Pensionär eingetragen. Bianca Israel wurde am 6. Dezember 1889 in Saarbrücken geboren. Sie wurde am 3. März 1943 in einem mit 1 732 Menschen total überfüllten Zug nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Hans Israel wurde einen Tag später, am 4. März 1943, mit 1143 Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Bianca Israel, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
BIANCA ISRAEL
GEB. ULLMANN
JG. 1889
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Heinrich Levy, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
HEINRICH LEVY
JG. 1873
DEPORTIERT 6.11.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.1.1943

Heinrich Levy wurde am 29. September 1873 in Breslau geboren. Er wohnte zusammen mit seiner Ehefrau Hedwig Levy , geb. Weiss, in der Sybelstraße 62 im Vorderhaus in der vierten Etage. Hedwig Levy wurde am 11. September 1883 in der Halle a.S. geboren. Die Familie bezog die 5½-Zimmerwohnung für eine monatliche Miete von 150 Reichsmark. Heinrich Levy war im Adressbuch 1939 mit dem Zusatz „Mehl engr“ eingetragen, was bedeutet, dass er von hier aus einen Mehl-Großhandel betrieb, wie aus dem Branchenbuch zu entnehmen ist.
In der Wohnung waren nach 1930 mehrere Untermieter untergebracht:
Dr. Arnold Walfisch bezog 2 Zimmer für 44 RM monatlich, Familie Schweitzer (Mann und Frau) bezogen 1 Zimmer für 38 RM.
Am 26.2.1943 berichtete der Hausverwalters Felix Kellermann (Körtestraße 38) an die Vermögensverwertungsstelle beim Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg: „Betr. Sybelstr. 62 – Als Verwalter des obigen Grundstückes teile ich mit, dass in der Wohnung Heinrich Israel Levy der Untermieter Arnold Israel Walfisch seit dem 1.2.43 spurlos verschwunden ist. Der Untermieter Willi Israel Schweitzer ist am 20.2.43 nach Suarezstr. 15 verzogen. Der Hauptmieter ist Oktober 1943 evakuiert worden. Heil Hitler! gez. Kellermann“.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Hedwig Levy, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
HEDWIG LEVY
GEB. WEISS
JG. 1883
DEPORTIERT 6.11.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Die „Erklärung über Eigentum“ (Vermögenserklärung) wurde von Hedwig und Heinrich Levy am 5.11.1942, einen Tag vor der Deportation, unter Druck unterschrieben. Am 6.11.1943 wurde das Ehepaar Levy in einem Sonderzug mit 102 Menschen vom Bahnhof Grunewald nach Theresienstadt deportiert. Dort ist Heinrich Levy am 30. Januar 1943 angeblich an einem „Darmkatarrh“ gestorben, wie die Theresienstädter Ärzte bescheinigten http://109.123.214.108/cz/document/DOCUMENT.ITI.15345 . Das Todesdatum von Hedwig Levy ist nicht bekannt, jedenfalls lebte sie Ende Januar 1943 noch, wie aus dem Totenschein ihres Mannes hervorgeht.

Das am 3.2.1943 bewertete Inventar ergab einen Betrag von 1 563,00 RM. Die Wohnung wurde am 25.2.1943 geräumt.
Den zwei Töchtern, Ruth Bern, geb. Levy, und Irmgard Levy, später Irmgard Rubin, gelang die Flucht nach England. Eine Anfrage der Jüdischen Gemeinde im Auftrag von Irmgard Rubin zum Vermögen der Eltern vom 6.8.1947 blieb ergebnislos. Später versuchte sie zu erfahren, was mit ihren Eltern passiert ist. Sie hatte von einer Bekannten gehört, dass der Vater schon in Berlin gestorben sei und wollte die Wahrheit wissen (Brief von 2.6.1951). Irmgard Rubin starb 2009 in England.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Natalie Meyer, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
NATALIE MEYER
JG. 1869
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET APRIL 1943

Natalie Meyer wurde am 2. September 1869 in Hohensalza (Inowroclaw) geboren. Sie war ledig, zum Zeitpunkt ihrer Deportation als Rentnerin registriert und zahlte eine Miete von 61,25 RM. Gemäß Verfügung von 1.9.1942 (auf der Grundlage des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens von 14.7.1933) wurde ihr ganzes Vermögen „zugunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. Sie wurde am 8.9.1942 in der Sybelstraße 62 abgeholt und in die Sammelstelle Große Hamburger Straße 26, ein aufgelöstes Jüdisches Altersheim, eingewiesen. Dort unterschrieb sie am 3.9.1942 eine Vermögenserklärung.
Am 14. September 1942 wurde sie ebenso wie ihre Nachbarin Recha Philipp mit dem von den Nazi-Behörden so genannten „2. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Sie wurde dort im April 1943 ermordet.
Das Inventar ihrer Wohnung, berechnet am 12.11.1942, ergab einen Vermögensgesamtwert von 199,00 RM, den die Finanzverwaltung kassierte. Am 9.12.1942 wurde ihre Wohnung geräumt.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Recha Philipp, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
RECHA PHILIPP
GEB. LABISCH
JG. 1862
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 31.10.1942

Recha Philipp , geb. Labisch, wurde am 30. Juli 1862 in Samter (Szamotuly) geboren. Sie war zum Zeitpunkt Ihrer Deportation verwitwet und zahlte eine Miete von 39,20 RM.
Gemäß Verfügung von 1.9.1942 (auf der Grundlage des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens von 14.7.1933) wurde ihr ganzes Vermögen „zugunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. Anschließend erfolgte Anfang September 1942 die Evakuierung aus der Sybelstr. 62 und die Einweisung in das Jüdische Altersheim mit Krankenhaus an der Artilleriestraße 31, wo kurzfristig eine Sammelstelle eingerichtet worden war. Dort musste sie am 3.9.1942 eine Vermögenserklärung – ein Formular von 16 Seiten mit mehr als 80 Fragen – ausfüllen und unterschrieb mit zittriger Schrift.
Am 14. September 1942 erfolgte die von den Nazibehörden als „2. Alterstransport“ gekennzeichnete Deportation nach Theresienstadt, wo sie am 31.10.1942 ermordet wurde. In diesem Zug saß auch die Hausmitbewohnerin Natalie Meyer.
Das von Recha Philipp zurückgelassene Inventar hatte einen Gesamtwert von 446,00 Reichsmark, wie eine Berechnung vom 2.11.1942 ergab. Aus dem Brief des Oberfinanzpräsidenten an die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel vom 26.11.1942: „…. Ich bitte nunmehr die Wohnungsliste möglichst beschleunigt aufzustellen und mir sowie einer Händlerfirma je eine Abschrift davon zu übersenden. Die oben aufgeführten Gegenstände (15 und 17) bitte nicht in die Wohnungsliste mitaufzunehmen….“ Bei den erwähnen Positionen handelte es sich um Geschirr Wäsche und Betten. Am 23.3.1943 wurde ihre Wohnung geräumt. Möbel, Bilder, Hausrat und Kleidung wurden verkauft oder versteigert.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Amalie Flatow, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
AMALIE FLATOW
JG. 1861
DEPORTIERT 12.6.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 20.9.1942

Dr. Amalie Flatow wurde am 12. Februar 1861 als Tochter von Selig Flatow und Rebecca Flatow, geb. Fleischer, in Berent (Kościerzyna) in der Umgebung von Danzig geboren. Sie war Musiklehrerin. http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5628503&language=de
Als Untermieterin wohnte sie neben Martin Richter bei Natalie Meyer. Seit dem 1.11.1940 wohnte Amalie Flatow dann in der Rückertstraße 5 bei Vally Bacharach, geboren am 20.1.1876 in Berlin, die am 10.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 19. September 1942 in Treblinka umgebracht wurde.
Eine „Erklärung über Eigentum“ (Vermögenserklärung) musste Amalie Flatow am 2.6.1942 unterschreiben, am 10.6.1942 wurde sie in die Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 eingewiesen, die vorher ein Jüdisches Altersheim gewesen war. Von dort wurde sie am 12.6.1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier starb Amalie Flatow am 20. September 1942 an einem „akuten Darmkatarrh“, wie die Ärzte in der Todesfallanzeige http://www.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.5249 behaupteten. Sicher waren Nahrungsmangel und die entsetzlichen hygienischen Zustände im Ghetto die wahren Ursachen.
Das ärmliche Inventar, aufgelistet am 20.6.1942, ergab einen Vermögensgesamtwert von bescheidenen 15 Reichsmark. Die Wohnung in der Rückertstraße 5 wurde am 14.9.1942 geräumt.

Amalie Flatow war die Schwester von Felix Flatow (geboren am 7. Januar 1875 in Berent (Kościerzyna/Westpreußen) und von Dr. Berthold Flatow, geboren am 09. August 1873. Felix Flatow war Olympiasieger bei den Sommerspielen 1896 in Athen. Er wurde am 29. Januar 1945 in Theresienstadt ermordet. Stolpersteine zum Gedenken an ihn und seine Familie liegen Stolpersteine an der Schlüterstraße 49 . Nach ihm ist die Flatowallee am Berliner Olympiastadion benannt.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Gerhard Bloch, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
GERHARD BLOCH
JG. 1911
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Gerhard Bloch wurde am 19. Juli 1911 in Berlin geboren. Er wohnte zusammen mit seiner Ehefrau Ilse Bloch , geb. Jauch, in einem Zimmer bei der Familie Israel in der 1. Etage des Vorderhauses. Ilse Bloch wurde am 26. September 1915 in Saarbrücken geboren. Sie war bis zu ihrer Deportation bei der Siemens AG als Zwangsarbeiterin für 20 RM pro Monat tätig. Gerhard Bloch war vor seiner Deportation als Zwangsarbeiter bei der Reichsbahn tätig, für 100 RM pro Monat.
Gemäß Verfügung vom 1.2.1943 (auf der Grundlage des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom 14.07.1933) wurde das ganze Vermögen der jungen Familie „zugunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. In der allen Juden abverlangten Vermögenserklärung vom 1.3.1943 trugen Gerhard und Ilse Bloch ihre Ersparnisse von 2 500 RM bei der Deutschen Bank ein. Die Bewertung der Einrichtung und der Gegenstände im Zimmer der Blochs waren „erfolglos“, wie die amtlichen Schätzer notierten.
Sie wurden am 4. März 1943 in einem Transport mit 1 143 Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. In diesem Zug saß auch der Vermieter Hans Israel.
Im Volkszählungsregister vom 17.5.1939 war Gerhard Bloch unter der Adresse Sybelstraße 68 als Untermieter von Erich und Käthe Mendelssohn eingetragen, Ilse Bloch aber unter der Adresse Sybelstraße 62, ebenfalls „bei Mendelssohn“, was beides nicht stimmen kann. Um an die Eheleute gemeinsam zu erinnern, wurden beide Stolpersteine in der Sybelstraße 62 verlegt.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Ilse Bloch, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
ILSE BLOCH
GEB. JAUCH
JG. 1915
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Arthur Benjamin, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
ARTHUR BENJAMIN
JG. 1881
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Arthur Benjamin wurde am 11. Juni 1881 in Berlin geboren. Zuletzt war er bei einer Aktiengesellschaft tätig und wohnte in einem Zimmer bei der Familie Israel im Vorderhaus in der 1. Etage. In seiner Vermögenserklärung vom 9.1.1942 trug er u. a. zwei Versicherungen, zwei Straßenanzüge und zwei 2 Oberhemden ein. Arthur Benjamin wurde am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort wie die meisten der 579 Zuginsassen gleich nach der Ankunft erschossen.

Link zu: weitere Informationen
Stolperstein Martin Richter, Foto: F. Siebold, April 2013
Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

HIER WOHNTE
MARTIN RICHTER
JG. 1869
DEPORTIERT 21.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 6.9.1942

Martin Richter wurde am 17. September 1869 in Beuthen/Oberschlesien geboren. Er war von Beruf Holzfachmann und ledig. In der Sybelstraße 62 war er Untermieter von Natalie Meyer wie auch Amalie Flatow. Seit dem 2.11.1940 wohnte er in der Eisenzahnstraße 64 bei Lina Licht. Am 21. August 1942 wurde er in einem Zug mit 100 Menschen nach Theresienstadt deportiert. Dort starb er im Ghetto am 6. September 1942, kurz vor seinem 73. Geburtstag. Als Todesursache notierten die Ärzte „Marasmus“, was „Austrocknung“ bedeutet, eine Folge chronischer Mangelernährung http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.3483 .
In der Kostenrechnung XXV 11/14421 für die Sichtung des in Berlin zurückgelassenen Eigentums von Martin Richter stellte der Obergerichtsvollzieher u. a. 3,50 RM „Fahrkosten“ in Rechnung.

Ebenfalls im Ghetto Theresienstadt waren Martin Richters Schwester Hedwig Taterka, geb. Richter, geboren am 14. März 1867 in Beuthen, und deren Mann Louis Taterka, geboren am 9. Juli 1872 in Beuthen – beide am 27. Juli 1942 aus Breslau deportiert. Er kam am 26. November 1942 ums Leben, sie am 9. September 1944.

Das Schicksal des Hausbewohners Dr. Ernst Steiner (Vorderhaus, 3. Etage links) ist unklar. Laut damaligem Hausverwalter (Felix Kellermann) wurde er Anfang Oktober 1942 „evakuiert“, womit er vermutlich die Deportation umschrieb. Aber Steiner ist weder in der Datenbank der Yad Vashem noch in anderen Listen und Dateien zu finden.

Recherchen und Texte: Simona Curelea
Quellen: Bundesarchiv Berlin, Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Berliner Adressbücher, Datenbank Yad Vashem, Opferdatenbank Theresienstadt; Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005

Unknown

Dokumente Sybelstr. 62

PDF-Dokument (3.4 MB)