Stolperstein Rüsternallee 37

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Bild: BA

Dieser Stolperstein wurde von den heutigen Hausbewohnern Angela und Tassilo Kaiser gespendet und am 5.3.2013 verlegt.

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Stolperstein Martha Ollendorff, Foto: F. Siebold, März 2013
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HIER WOHNTE
MARTHA
OLLENDORFF
GEB. WOHLAUER
JG. 1867
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 9.12.1942

Martha Ollendorff ist unter dem Mädchennamen Wohlauer am 14. August 1867 in Prausnitz (Schlesien) geboren. Von Beruf war sie Lehrerin. Ihr Mann, Nathan Ollendorff, der Spirituosengroβhändler war, war schon 1916 an Zungenkrebs gestorben. Sie hatten drei Söhne und eine Tochter: Konrad, der Hautarzt wurde und später in die USA flüchten konnte; Richard, der schon im Ersten Weltkrieg bei einem Türkei-Einsatz ums Leben kam; Franz, der nach Israel auswanderte und dort ein hervorragender Professor an der Universität Technion wurde; und Charlotte, die verheiratet war mit dem Chirurgen Dr. Erwin Batzdorff. Diese Familie wohnte in Breslau und konnte über England in die Vereinigten Staaten auswandern. Martha Ollendorffs Geschwister waren Paula Cohn geb. Wohlauer, geboren am 16. Dezember 1860 in Prausnitz, die in Breslau lebte, und Viktor Wohlauer, geboren am 11. Januar 1864 in Prausnitz, der in Berlin wohnte. Eine weitere Schwester war Anna Bermann geb. Wohlauer, die mit ihrem unverheirateten Sohn Viktor in Thüringen lebte und in den 1930er Jahren nach Berlin umzog.

Wie der Enkelsohn Alfred Batzdorff, geboren 1922, berichtete, war Martha Ollendorff eine liebenswerte Großmutter. Sie war nach seiner Erinnerung höchst aktiv und topfit und nahm ihn bei ihren Berlin-Besuchen in alle bedeutenden Museen mit. Mit Hilfe ihrer Verbindungen zum Jüdischen Frauenbund gelang es ihr, den Enkel am 1. Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England zu bringen, von wo er 1940 in die USA ging.

Damals wohnte sie in der Schlüterstraße, nachdem sie ihr geräumiges Haus an der Rüsternallee 37, das sie in den späten 1920er Jahren erworben hatte, verkaufen musste. In der Rüsternallee lebte sie in der 1. Etage. Im 2. Stock hatte Sohn Konrad mit seiner Familie seine Wohnung. Er war verheiratet mit Elfriede geb. Schaumlöffel und hatte eine Tochter Ursula Margarete. Diese Familie ist ebenfalls in die USA ausgewandert.

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Martha Ollendorff, Bild: Familienarchiv Batzdorff
Bild: Familienarchiv Batzdorff

Am 17. August 1942 wurde Martha Ollendorff in einem Zug mit 1003 Menschen vom Bahnhof Grunewald nach Theresienstadt deportiert, wo sie bald nach ihrem 75. Geburtstag am 9. Dezember 1942 ums Leben gekommen ist. Im Totenschein
www2.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.11461
ist als Todesursache „Altersschwäche“ angegeben, eine Umschreibung für die unerträglichen Zustände im Ghetto, deren Opfer sie wurde.

Gleichzeitig befanden sich in Theresienstadt ihre Schwester Paula Cohn geb. Wohlauer, die dort am 16. September 1942 umgebracht wurde, und ihr Bruder Viktor, der am 21. September 1942 in Treblinka ermordet worden ist.

Vor 20 Jahren hat Alfred Batzdorff mit seiner Frau, einer Nichte der von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Schwester Edith Stein (1891-1942), und seinem Sohn das Haus besucht, vor dem der Stolperstein zum Gedenken an Martha Ollendorff verlegt wurde. Er lebt wie sein jüngerer 1928 geborener Bruder Ulrich in den USA.

Text: Helmut Lölhöffel unter Verwendung von Informationen von Alfred Batzdorff (Santa Rosa, Kalifornien)
Weitere Quellen: Bundesarchiv; Berliner Adressbücher; Opferdatei Theresienstadt