Stolpersteine Dahlmannstraße 15

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Hausansicht Dahlmannstr. 15
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 27.11.2012 verlegt.

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Stolperstein Rosi Drucker
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
ROSI DRUCKER
GEB. LEVY
JG. 1908
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Rosi Drucker, geb. Levy wurde am 14. Januar 1908 in Berlin geboren. Über ihr Leben, ihre Familie und ihren Beruf ist nichts bekannt. Sie wohnte vermutlich vor und während des Zweiten Weltkriegs in der Dahlmannstraße 15. Sie lebte allein, jedenfalls nicht mit ihrem Ehemann, der dort 1939 nicht gemeldet war. Ihre letzte Wohnung, wohin sie zwangsumgesiedelt wurde, war die Prager Straße 24.
Am 1. März 1943 wurde Rosi Drucker zusammen 1736 Personen ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Quellen: Statistik des Holocaust / Bundesarchiv / Yad Vashem.
Zusammenstellung: Monika Herz

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Stolperstein Martin Borchardt
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
MARTIN BORCHARDT
JG.1884
DEPORTIERT 2.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Der Stolperstein für Martin Borchardt wurde von Ulrich Renz, Ehemann von Petra Düring-Renz, der Enkelin von Martin Borchardt, gestiftet.

Martin Borchardt wurde am 24. August 1884 in Rummelsburg in Pommern geboren, als Sohn des Mühlenbesitzers Moses Borchardt und seiner Frau Clara.

Nach der Schulzeit absolvierte Martin Borchardt eine kaufmännische Ausbildung in der Metall- und Hüttenbranche, die er aber nach Abschluss seiner Ausbildung verließ. Seine erste berufliche Anstellung erhielt er als Bildredakteur der Berliner Illustrations-Gesellschaft, die damals eine beherrschende Stellung als Bilderdienst einnahm. Nach dem Kriegsdienst trat er dann in die Filmindustrie ein, in der er als Filmkaufmann unter anderem bei der 20th Century Fox Corp. arbeitete.

1912 heiratete er, inzwischen 28 Jahre alt, Elsa Lendzian aus Thorn in Westpreußen. Aus dieser Ehe ging Sohn Helmut hervor. Die Familie Borchardt lebte in Charlottenburg in der Nähe des Lietzensees in der Neuen Kantstraße 4.
Im Ersten Weltkrieg wurde Martin Borchardt zur Infanterie eingezogen. Für seine Beteiligung an diesem Krieg wurde er noch 1934 „Im Namen des Führers und Reichskanzlers“ mit dem „Ehrenkreuz für Frontkämpfer“ ausgezeichnet.

In der Zeit der Weimarer Republik, unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, hatte die Filmindustrie einen Aufschwung genommen. Martin Borchardt, der seit 1919 im Filmverleih der Deulig (Deutsche Lichtbild Gesellschaft) tätig gewesen war, wechselte 1922 zur Defa (Deutsche Vereins Film, Deutsche Fox). Gemeinsam mit dem Generaldirektor Julius Außenberg, der für die Deutsche Fox 1923 die Defa übernommen hatte, führte er den Filmverleih.
In einer Würdigung seines 10-jährigen Jubiläums in der Filmbranche schrieb das Reichsfilmblatt am 2. März 1929: „Das Geheimnis seines unbestreitbaren großen Erfolges liegt darin, daß Martin Borchardt als einer der allerersten die richtige Bedeutung des Wortes „Dienst am Kunden“ nicht nur erfaßt, sondern auch in die Praxis umgesetzt hat. Er sucht nicht nur das Geschäft, er ist mit allen Mitteln bestrebt, seinen Kunden zu helfen, so daß auch ihr Geschäft blüht und gedeiht.“ In mehreren Artikeln zu Borchardts Jubiläum wurde hervorgehoben, dass er ein Mann des Ausgleichs sei, der sich den Respekt aller Beteiligten in der Filmindustrie erworben habe und trotzdem bescheiden geblieben sei.

Mit der Scheidung von seiner protestantischen Frau 1941 verlor Martin Borchardt seinen Status als „privilegierter“ Jude, wie es in der Amtssprache der Nazis hieß. In der Folgezeit wurde er zum Lokomotivbau zwangsverpflichtet, bevor er im Zuge der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 von der Gestapo aus der Fabrik in das Sammellager Levetzowstraße gebracht wurde. Martin Borchardt wurde über den Güterbahnhof Moabit nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

In der Vermögenserklärung, die vor seiner Deportation unter Zwang ausgefüllt und von ihm am 28. Februar 1943 unterschrieben wurde, war auf dem Schätzungsblatt gesondert vermerkt: „Borchardt ist geschieden seit 2 Jahren. Die Gegenstände sollen der Ehefrau, Frau Hanke, Dahlmannstraße 15, zugesprochen sein. Letztere ist arisch und wieder verheiratet.“
Martin Borchardt wurde am 2. März 1943 mit dem dritten Großtransport nach der „Fabrikaktion“ zusammen mit 1756 Männern, Frauen und Kindern nach Auschwitz transportiert. Von ihnen wurden 535 Männer und 45 Frauen als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Die übrigen Menschen wurden zu den Gaskammern gebracht.

Quellen: Dokumentation von Ulrich Lenz, Ein deutsches Leben, Tribüne – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Heft 150; Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam; Gottwaldt/Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945. Wiesbaden 2005

Recherche und Text: Frank Siebold

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Stolperstein Flora Levin
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
FLORA LEVIN
JG. 1888
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 14.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Flora Levin wurde am 5. August 1888 in Elbing (Westpreußen) geboren. Sie lebte in der Dahlmannstraße 15. Kurz vor ihrer Deportation musste sie aus ihrer Wohnung ausziehen, in die Karlsruher Straße 15, verhaftet wurde sie in der Dahlmannstraße 25.
Flora Levin war ledig, über ihr Leben ist nichts bekannt. Am 30. Oktober 1941 wurde sie in das Sammellager Levetzowstraße 7/8 gebracht und am 1. November 1941 nach Lodz, damals von den Nationalsozialisten in Litzmannstadt umbenannt, ins Ghetto deportiert. Ihre „Adresse“ dort war Steinmetzgasse, 21 Flat 8. Sie erlitt Hunger, Folter und Krankheiten.
Am 14. Mai 1942 wurde sie weiter nach Kulmhof (Chelmno) verschleppt und ist am selben Tag im Alter von 54 Jahren umgebracht worden.

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Stolperstein Johanna Irene Levy
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
JOHANNA IRENE LEVY
JG. 1921
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Johanna Irene Levy wurde am 18. August 1921 in Berlin geboren. Sie lebte in der Dahlmannstraße 15. Im tiefen Winter, am 12. Januar 1943, wurde sie zusammen mit der im selben Haus wohnenden Nanny Levy, die ihre Mutter war, und insgesamt 1190 Personen nach Auschwitz ins Vernichtungslager deportiert. Im selben Zug waren Frauen aus der Nachbarschaft: die drei Schwestern Cohn aus der Droysenstraße 18 und Käthe Pestachowski aus der Dahlmannstraße 4.
Das Todesdatum von Johanna Irene Levy ist nicht bekannt. Johanna war am Tag ihrer Deportation 21 Jahre alt.

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Stolperstein Nanny Levy
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
NANNY LEVY
GEB. KLOPSTOCK
JG. 1881
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Nanny Levy, geb. Klopstock wurde am 25. Oktober 1881 in Driesen bei Frankfurt an der Oder geboren. Über ihr Leben ist wenig überliefert. Sie lebte in der Dahlmannstraße 15 im selben Haus wie ihre Tochter Johanna Irene Levy. Über Nanny Levys Ehemann und möglicherweise Vater von Johanna ist nichts bekannt, im Adressbuch 1939 war sie mit Abkürzung „Ww.“ eingetragen, was bedeutet: Witwe.

Zuletzt wohnte Nanny Levy zusammen mit Johanna zur Untermiete bei Margot Rosenberg in der Dahlmannstraße 18 im 1. Stock. Frau Rosenberg verlangte beim Oberfinanzpräsidenten Mietausfall von 61 Reichsmark ab Februar 1943. In bitterster Kälte, am 12. Januar 1943, wurden Nanny Levy und Johanna Irene Levy zusammen mit 1190 Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

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Stolperstein Gotthelf Schutz
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
GOTTHELF SCHUTZ
JG. 1880
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
14.9.1942

Gotthelf Schutz wurde am 12. Januar 1880 in Breslau geboren. Er war beschäftigt bei der Norddeutschen Druckerei- und Verlagsanstalt AG. Es ist nicht bekannt, ob diese Beschäftigung seinem Beruf entsprach oder ob er dort zur Zwangsarbeit verpflichtet war. Schutz hatte von seiner nicht-jüdischen Frau scheiden lassen und lebte zur Untermiete in der Dahlmannstraße 15 bei Martin Borchardt.

Es gibt Notizen, dass Gotthelf Schutz von der Gestapo verhört worden ist. Er ertrug die Erniedrigung und Verfolgung nicht mehr und nahm sich am 14. September 1942 das Leben. Seine Tochter Ursula, geboren am 17. März 1922, lebte in Hannover. Sie war evangelisch und galt nicht als jüdisch. Sie war beschäftigt als Kontoristin und verdiente 100 Reichsmark monatlich. Ursula, später verheiratete Schutz-Maksic, verlangte in einem Schreiben vom 11.9.1975 an den Berliner Senat Auskunft über Hella Pauli, geb. Schutz, die am 29. Oktober 1887 wie ihr Vater in Breslau geboren war. Hella war vermutlich die Schwester von Gotthelf.

Hella Pauli wurde am 27. November 1941 nach Riga (Lettland) deportiert und dort ermordet. Das Todesdatum ist nicht bekannt. Der Vermieter von Gotthelf Schutz, Martin Borchardt, der ebenfalls von seiner nicht-jüdischen Ehefrau geschieden war, ist am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden.

Quellen: Bundesarchiv; Statistik des Holocaust; Yad Vashem Datenbank
Recherchen und Texte: Monika Herz