Stolpersteine Dahlmannstraße 11

Bildvergrößerung: Hauseingang Dahlmannstr. 11
Hauseingang Dahlmannstr. 11
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold, Dez. 2012

Die Stolpersteine zum Gedenken an das Ehepaar Ledermann sind von dem 84-jährigen, in Wales lebenden Sohn Gerd gespendet worden, der sich noch an das Haus erinnern kann. Sie wurden am 21.11.2012 verlegt.

Bildvergrößerung: Stolperstein Georg Ledermann
Stolperstein Georg Ledermann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold, Dez. 2012

HIER WOHNTE
GEORG LEDERMANN
JG. 1888
DEPORTIERT 3.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Bildvergrößerung: Stolperstein Lea Ledermann
Stolperstein Lea Ledermann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold, Dez. 2012

HIER WOHNTE
LEA LEDERMANN
GEB. MANNHEIM
JG. 1902
DEPORTIERT 3.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Die Familie Ledermann stammte aus Bad Salzbrunn in Oberschlesien. Georg Ledermann wurde am 25. Juni 1888 in Glogau geboren. Im Ersten Weltkrieg war er fünf Jahre Soldat, wurde mit Orden ausgezeichnet und verwundet. Bis 1935 lebte er in Schlesien, wo er als Studienrat und Sprachenlehrer tätig war.

1926 heiratete er Lea, geb. Mannheim, die am 9. Oktober 1902 in Obornik in der Provinz Posen geboren und dort aufgewachsen ist. Am 1. Mai 1928 kam ihr Sohn Gerd in Liegnitz zur Welt.

1935 wurde Georg Ledermann vom Gymnasium in Waldenburg (Schlesien) entlassen, weil die Nazis keine Juden als Lehrer duldeten. Die Familie zog nach Berlin, wo er noch drei Jahre an der Jüdischen Privatschule Dr. Leonore Goldschmidt am Hohenzollerndamm 110 a am Roseneck Sprachen lehrte. Sohn Gerd war hier Schüler. Doch 1939 wurde die 1935 gegründete und seitdem mehrmals erweiterte Goldschmidt-Schule aber geschlossen. Daraufhin sahen seine Eltern keine Bildungschancen mehr für den elfjährigen Gerd und schickten ihn mit einem rettenden Kindertransport nach Schottland, wo er den Zweiten Weltkrieg überlebte. Leonore Goldschmidt emigrierte nach England und führte dort ihre Schule bis 1940 weiter. Bis 1968 arbeitete sie als Lehrerin an privaten und öffentlichen Schulen in England, ging mit 71 Jahren in Ruhestand und starb 1983 im Alter von 86 Jahren in London.

Die Familie Ledermann wohnte in der Dahlmannstraße 11 in der 2. Etage links des Hinterhauses. Wie sich Gerd Ledermann erinnert, „mussten wir einige Male untertauchen, kehrten aber immer wieder in unsere Wohnung zurück“. Nach dem Berufsverbot und dem Verlust ihres Sohnes lebten Georg und Lea Ledermann zurückgezogen und bescheiden in ihrer kleinen Wohnung. Am 3. Februar 1943 wurden sie, nachdem sie sich im Sammellager Große Hamburger Straße 26, dem für diesen Zweck missbrauchten ehemaligen Jüdischen Altersheim, registrieren lassen mussten, vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in einem Zug mit 952 Menschen nach Auschwitz deportiert. Sie wurden Opfer der Shoah wie viele andere Familienmitglieder.

Gerd Ledermann verbrachte später sechs Jahre in Israel, einige Zeit in Kanada und Australien und dann 20 Jahre in Nepal. 1994 besuchte er auf Einladung des Senats Berlin und sah die gut erhaltene Vorderfront des Hauses, in dem er als Kind vier Jahre lang gelebt und wo er sich von seinen Eltern verabschiedet hatte, die er nie wieder sah. Das Hinterhaus, wo sie wohnten, war allerdings 1945 bombardiert und später abgerissen worden.

2004 kehrte der Weltreisende nach Großbritannien zurück. Mit seiner Frau Kamala zog er an die Küste von Wales. Von dort aus nahm der mittlerweile 84jährige Kontakt zur Stolpersteine-Initiative auf, um die Namen seiner Eltern für die Nachwelt zu erhalten. In Wort und Bild ließ er sich über die Verlegung informieren und schrieb aus Harlech in Wales nach Berlin:
„Für mich war es eine Freude, mit Ihnen dieses traurige, doch wohltuende Ereignis zu teilen.“
Zwei Tage danach, am 29.11.2012, war in der Wochenzeitung DIE ZEIT eine Reportage zu lesen, die mit den Worten begann: „Die beiden Steine, die Gunter Demnig in der Dahlmannstraße in Berlin verlegt, sind Georg und Lea Ledermann gewidmet. Das Ehepaar wurde 1943 nach Auschwitz deportiert. Demnig, mit beitkrempigem Hut, kniet auf dem Gehweg und setzt die kleinen Messingblöcke in den Boden.“ Darüber hat sich Gerd Ledermann gefreut.

Zeitzeuge: Gerd Ledermann (Harlech/GB), Recherche und Text: Helmut Lölhöffel.