Stolpersteine Markgraf-Albrecht-Straße 6

Link zu: Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 6, 22.07.2012
Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 6, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Die Stolpersteine wurden am 08.05.2012 verlegt.

Link zu: Stolperstein Erich Wilk, 22.07.2012
Stolperstein Erich Wilk, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
ERICH WILK
JG. 1885
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 8.5.1942
CHELMNO/KULMHOF

Link zu: Stolperstein Leo Braunspan, 22.07.2012
Stolperstein Leo Braunspan, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
LEO BRAUNSPAN
JG. 1883
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 23.1.1943
AUSCHWITZ

Leo Braunspan, seine Frau Regina Braunspan und seine Schwiegermutter Anna Lewy waren am 1. Oktober 1933 in die Markgraf-Albrecht-Straße 6 eingezogen. Sie hatten die Wohnung im 1. Stock des Gartenhauses rechts gemietet. An den Hauseigentümer, den Malermeister Friedrich Rückert, der in Berlin-Grunewald seine Firma hatte und im Vorderhaus im 1. Stock wohnte, zahlten sie, wie dem Mietvertrag zu entnehmen ist, für zwei Wohnzimmer, Küche mit Speisekammer, Bad und WC, Korridor, Balkon, Mädchenkammer, Keller und Boden 65 RM Miete. Rückert war, wie den erhaltenen Akten zu entnehmen ist, „Arier“. Die Ausstattung der Wohnung war eher bescheiden. Aus den Vermögenserklärungen, die von allen Juden verlangt wurde, ist abzulesen, dass das gesamte Inventar auf 1135,85 RM geschätzt wurde.

Leo Braunspan ist am 16. Januar 1883 in Deutsch-Krone/Pommern (heute: Wałcz/Polen) geboren. Bis 1930 arbeitete er als Abteilungsvorsteher bei der Firma Gebrüder Simon, Klosterstraße 80/85, und bezog ein Monatsgehalt von 450 RM, seitdem war er Pensionär. Seine Frau Regina Braunspan, geb. Lewy, wurde am 16. August 1890 in Berlin geboren. Ihre Mutter Anna Lewy, geb. Fränkel, war ebenfalls Berlinerin, ihr Geburtstag ist der 22. April 1864.

Wie einer der beiden Söhne von Anna Lewy wusste, war einer ihrer Vorfahren “einer von drei so genannten Schutzjuden zur Zeit des Alten Fritz” (König Friedrich II., 1712-1786). Sie hatte eine zweite, jüngere Tochter, Margarete Lewy, geboren am 26. November 1892 in Berlin, die früher in der Cuxhavener Straße 5 und zu dieser Zeit in der Sybelstraße 56 bei Zlotnickis wohnte und ihrerseits zwei Söhne hatte, die aber schon vor 1939 „ausgewandert“ waren, wie es in der Sprache der Nazis für „vor der Verfolgung geflüchtet“ hieß. Margarete Lewy wurde am 18. Mai 1943 nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Jakob Zlotnicki, geboren am 28. Mai 1881, und Johanna Zlotnicki, geb. Meyersohn, geboren am 26. Dezember 1881, sind am 14. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort umgebracht worden.

Ihre Vermögenserklärungen mussten Leo und Regina Braunspan sowie Anna Lewy am 29. Juni 1942 im Sammellager Gerlachstraße 18-21, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, ausfüllen lassen und haben sie eigenhändig mit Bleistift unterschrieben, wobei Regina auch das Formular für ihre Mutter mit dem Zusatz „als Tochter“ unterzeichnete. Am 3. Oktober 1942 wurden sie zu dritt in einen Zug getrieben, der sie ins Ghetto Theresienstadt brachte. Dort ist Anna Lewy am 16. Oktober 78-jährig ums Leben gekommen, während Tochter und Schwiegersohn am 23. Januar 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz weitertransportiert wurden, wo sie ermordet worden sind.

Am 6. Mai 1943 wollte das Finanzamt Wilmersdorf-Nord dennoch Steuerschulden von Leo Braunspan in Höhe von 135,60 RM eintreiben. Der Hausbesitzer Rückert verlangte vom Oberfinanzpräsidium eine Nachzahlung der ihm entgangenen Miete. Am 28. Juni 1944 schrieb er im damals üblichen menschenverachtenden Wortschatz: „Nachdem der Mieter Leo Braunspan im Monat September 1942 aus seiner Wohnung in meinem Hause entfernt wurde“, habe er Anspruch auf 947,70 RM Miete – ein weit überhöhter Betrag. Unterdessen war die Familie von Walter Kretzschmer mit Frau und drei Kindern eingezogen.

Jüngster Sohn von Anna Lewy, verheiratet mit Moritz Lewy, war Hermann „Menne“ Lewy, geboren am 1. März 1906 in Berlin, der den gleichen Vornamen wie sein Vater hatte. “… und dennoch: Es hat gesiegt, das klitzekleine Lewy-Engelchen“: Mit dieser stets aufs Neue beschworenen Formel machte er sein Schicksal als einziger Überlebender der gesamten Familie erträglich. Nach überstürzter Flucht aus Berlin nach Antwerpen (1939), Verschleppung ins Internierungslager im französischen Saint-Cyprien und schließlich gelungener, abenteuerlicher Flucht nach Portugal kehrte der gelernte Antiquar und Journalist 1945 nach Deutschland zurück.

Schon im Oktober 1944 hatte er in seinem für die in London erscheinende „Tribüne“ seinen Artikel „Gibt es ein Zurück für Juden aus Deutschland“ mit einem überzeugten „Ja“ beantwortet. So fasste er 1946 beruflich in Ostberlin erst im Dietz-Verlag und später als Verlagsleiter von Rütten&Loening Fuß.
1958 floh er mit seiner Tochter Anna (geboren 1949), nach eigenen Angaben „wegen zunehmender, antisemitischer Tendenzen und Drangsalierung durch die Partei“, nach Westberlin. Schließlich folgte Lewy mit seiner Frau Gerda und Kind kurz darauf dem Ruf der Herausgeber der „Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung“ (damals „Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland“), Karl und Lilly Marx, nach Düsseldorf. Dort arbeitete er ab 1959 Jahrzehnte lang als Chefredakteur. Bis zu seinem Tod 1992 fühlte er sich – vor allem in seiner journalistischen Arbeit – seiner Maxime verpflichtet, „jegliches Aufkeimen extremistischer und anti-jüdischer Gesinnung in Wort und Tat zu bekämpfen.“

Hermann „Menne“ Lewy hatte noch einen älteren Bruder namens Max, der seinen Erzählungen zufolge Mitbegründer der Jugendorganisation der liberalen, aber teilweise antisemitischen “Deutschnationalen Volkspartei” und Chefredakteur einer Berliner Zeitung gewesen sein und dort 1933 entlassen worden sein soll. Über ihn ist nur noch bekannt, dass er nach Mauthausen deportiert wurde. Dort soll er auch umgebracht worden sein. Ein Nachweis dafür findet sich in den zugänglichen Unterlagen aber nicht. Max war wohl der ältere Sohn von Hermann und Anna Lewy. Wo er in Berlin gewohnt hat, ist nicht bekannt.

Text: Helmut Lölhöffel (Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf) mit Ergänzungen zu Hermann „Menne“ und Max Lewy von Anna Lewy (Berlin), Tochter von Hermann Lewy und Enkelin von Anna Lewy. Quellen: Bundesarchiv; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Familienerinnerungen.

Link zu: Stolperstein Regina Braunspan, 22.07.2012
Stolperstein Regina Braunspan, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
REGINA BRAUNSPAN
GEB. LEWY
JG 1890
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 23.1.1943
AUSCHWITZ

Link zu: Stolperstein Anna Lewy, 22.07.2012
Stolperstein Anna Lewy, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
ANNA LEWY
GEB. FRAENKEL
JG. 1864
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.10.1942

Link zu: Stolperstein Lina Banner, 22.07.2012
Stolperstein Lina Banner, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
LINA BANNER
JG. 1885
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 10.3.1942

Link zu: Stolperstein Alfred Banner, 22.07.2012
Stolperstein Alfred Banner, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
ALFRED BANNER
JG.1883
DEPORTIERT 1.11.1941
ERMORDET IN
LODZ/LITZMANNSTADT

Link zu: Stolperstein Hermann Banner, 22.07.2012
Stolperstein Hermann Banner, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
HERMANN BANNER
JG. 1881
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 28.1.1942

Link zu: Stolperstein Golda Leibenhaut, 22.07.2012
Stolperstein Golda Leibenhaut, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
GOLDA LEIBENHAUT
JG. 1905
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 4.5.1942
CHELMNO/KULMHOF

Link zu: Stolperstein Recha Levy, 22.07.2012
Stolperstein Recha Levy, 22.07.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
RECHA LEVY
JG. 1880
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 8.5.1942
CHELMNO/KULMHOF