Stolpersteine Sybelstraße 66

Link zu: Hauseingang Sybelstr. 66
Hauseingang Sybelstr. 66, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Die Stolpersteine für Eva und Kurt Rosenberg wurden im Namen der Familie auf Wunsch ihrer Nichte Ruth Friedmann (Kiryat Arie, Israel) am 17.04.2012 verlegt.
Die Stolpersteine zum Gedenken an Stefanie, Luisette Susanne und Fritz Fabian wurden ebenfalls am 17.04.2012 verlegt. Sie sind von Dr. Ilse Kreuter (Saarbrücken) gespendet worden.

Der Stolperstein für Hellmuth Stieff wurde am 9.8.2014 verlegt. Anwesend waren Pater Josef von der Gemeinde St. Ludwig (Berlin) und Prälat Karl Jüsten vom Kommissariat der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin sowie Bewohner/innen und Nachbarn.

Der Stolperstein zum Gedenken an Flora Türkel wurde von Florence Moehl (Berlin) gespendet und am 28.4.2015 verlegt.

Am 21.4.2016 wurden weitere Stolpersteine für Ernst Oppenheimer, Erich und Frieda Seidler verlegt.

Link zu: Stolperstein Eva Rosenberg, 26.04.2012
Stolperstein Eva Rosenberg, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
EVA ROSENBERG
GEB. HIRSCHFELD
JG. 1907
DEPORTIERT 9.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Eva Rosenberg war die Tochter von Lina und Richard Hirschfeld. Sie wurde am 30. Oktober 1897 in Wittenberg geboren und hatte einen Bruder Günther.

Eva wurde gutbürgerlich erzogen. Anfang der 1930er Jahre heiratete sie den Berliner Kurt Rosenberg. Er war am 3. Oktober 1900 geboren und hatte eine gute Stellung. Sie zogen zusammen in eine Wohnung in der Sybelstraße 66 im vornehmen Charlottenburg.

Sie war Angestellte der jüdischen Wohlfahrtstelle in Berlin und betreute eine jüdische Essensausgabe, die sogenannte Jacob-Teitel-Kantine. Diese befand sich in der Münchener Straße 37.

Jacob Teitel war der Vorsitzende des Verbandes russischer Juden. Ihm und Tausenden russischen Juden, die in Berlin lebten, gelang es, nach Frankreich und in die USA auszuwandern

Am 9. Dezember 1942 wurden beide Rosenbergs in einem Zug mit rund 1000 Menschen ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt. Eva wurde vermutlich noch am Tag ihrer Ankunft in die Gaskammer geschickt; ihr Mann überlebte sie nur um wenige Tage. Er wurde am 22. Dezember 1942 ums Leben gebracht.

Richard Hirschfeld heiratete später Hedwig Redelmeir und sie bekamen
Zwillinge Milly und Lilly. Evas Stiefschwester Lilly hat ihre Tochter Judith Eva genannt. Kurts Mutter hat nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schweiz überlebt.

Text: Ruth Friedmann (Tel Aviv, Israel)

Link zu: Stolperstein Kurt Rosenberg, 26.04.2012
Stolperstein Kurt Rosenberg, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
KURT ROSENBERG
JG. 1900
DEPORTIERT 9.12.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 22.12.1942

Link zu: Stolperstein Stefanie Fabian, 26.04.2012
Stolperstein Stefanie Fabian, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
STEFANIE FABIAN
GEB. BACHSTEZ
JG. 1892
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 4.5.1942
CHELMNO/KULMHOF

Link zu: Stolperstein Luisette Susanne Fabian
Stolperstein Luisette Susanne Fabian, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
LUISETTE SUSANNE
FABIAN
JG. 1924
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 4.5.1942
CHELMNO/KULMHOF

Link zu: Stolperstein Fritz Fabian, 26.04.2012
Stolperstein Fritz Fabian, 26.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
FRITZ FABIAN
JG. 1874
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 2.4.1942

Fritz Fabian wurde am 20. Dezember 1874 in Tuchel (Tuchola, Westpreußen) geboren. Als Witwer heiratete er nach einer ersten, kinderlosen Ehe Stefanie Bachstez, geboren am 3. August 1892 in Jassy (Iasi, Rumänien). Er verbot ihr, irgendetwas in der Wohnung zu verändern. Wie sein Sohn später berichtete, war er streng deutsch-national gesinnt und gehörte dem rechtskonservativen Verband nationaldeutscher Juden an, der – groteskerweise – „den undeutschen Geist bekämpfte“. Zu Hause trug er oft eine grüne Mütze seiner Studentenverbindung. Anders als ihr Mann war Stefanie vollkommen offen und international gesinnt. Sie war charmant, kultiviert, belesen, zeichnete und malte, sprach fließend Französisch, kochte ausgezeichnet und war perfekt in allem, was sie unternahm.

1922 wurde Robert Philip („Bobby“) in Berlin geboren und am 8. Juli 1924 ebenfalls in Berlin Luisette Susanne. Die beiden Kinder, die sich sehr nahe standen, hatten ein Kindermädchen namens Selma Magen, die nach den Nazi-Gesetzen „Arierin“ war und die Familie Fabian besuchte so oft sie konnte, obwohl das für sie gefährlich war.

Fritz Fabian war nicht nur ein herzensguter Vater, sondern auch ein hervorragender Jurist und wirkte als Testamentvollstrecker. Während der Nazizeit sagte Stefanie häufig, sie wolle “lieber in Israel Toiletten putzen als noch eine Stunde länger in Deutschland zu bleiben”, weil sie das Schicksal ihrer Familie voraussah.
Ein Englischlehrer aus Roberts Schule bestand darauf, dass die Eltern beide Kinder nach England schicken sollten, um ihr Leben zu retten. Bobby wurde also 1936 im 14. Lebensjahr von seinen Eltern und seiner Schwester zum Bahnhof gebracht. Er erzählte später oft, wie er am Fenster des Zuges stand und winkte, als der Zug losfuhr – ohne jegliches Gefühl der Angst, der Trauer oder Zweifel seinen Eltern und seiner Schwester gegenüber zu empfinden. Er dachte damals nicht daran, dass er sie nie wiedersehen würde. Warum Luisette nicht gleichzeitig nach England geschickt wurde, ist nur damit zu erklären, dass die Eltern sich nicht von beiden Kindern zugleich trennen wollten.
Es wurde Fritz Fabian geraten, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Er weigerte sich aber mit seiner nationalen Gesinnung, die bedrohlichen antisemitischen Gesetze wahrzunehmen. Stefanie Fabian hatte trotz ihres Willens, aus Deutschland zu flüchten, nie die Möglichkeit dazu, weil ihr Mann es nicht zuließ und weil sie finanziell nicht dazu in der Lage gewesen wäre.

Stefanies Bruder Marcel Bachstez hatte schon seit drei Jahren eine neue Existenz in Mexico aufgebaut. Er bekam von Stefanie eine Postkarte aus der hervorging, dass sie bedroht waren. Daraufhin ging Marcels Tochter am selben Tag zur höchsten Behörde in Mexico, um sofort eine Einreiseerlaubnis für die ganze Familie zu erhalten. Diese wurde in 24 Stunden bewilligt, aber traf erst am 29. Oktober 1941 in Berlin ein, an dem Tag, an dem Fritz, Stefanie und Luisette Fabian von der SS abgeholt und nach Lodz deportiert wurden. Fritz Fabian hat die Strapazen der Deportation nicht überstanden und starb am 2. April 1942. Am 4. Mai 1942 sind Stefanie und Luisette Fabian aus dem Ghetto Lodz nach Chelmno weitertransportiert und dort ermordet worden. Luisette war noch nicht einmal 16 Jahre alt.
Robert Fabian, der diesem Schicksal entkommen war, blieb unverheiratet. Er ging von England in die USA, war ein begabter Künstler, der als Grafiker Erfolg hatte und lebte in New York. Dort arbeitete er eine Zeitlang mit Andy Warhol zusammen, dessen ihm ungenügend scheinende Entwürfe er wegwarf, ohne daran zu denken, dass diese Skizzen eines Tages viel wert seien könnten. Er lehrte später Graphic Art an der Universität Purchase.

Gabriella Mellen, geb. Bachstez, Tochter des Bruders von Stefanie Fabian, 93 Jahre alt, hat ihre Erinnerungen zur Familiengeschichte 2014 aufgeschrieben. Abschließend hat sie ihre Meinung über diese tragische Zeit in folgende Worte gefasst:

Ich denke, dass wie in den Märchen bei der Geburt eines Kindes zwei Feen an der Wiege standen, eine gute und eine böse Fee. Die Deutschen sind überall als ein fleißiges, pünktliches und tüchtiges Volk bekannt – diese hohen Qualitäten sind von der bösen Fee ausgenutzt worden. Sie hat es ermöglicht, dank des Fleißes, der Pünktlichkeit und der Tüchtigkeit eine Fabrik des Mordes wie eine Mercedes-Benz-Fabrik zu führen. Dieses tragische und beschämende Kapitel gehört leider für immer zur deutschen Geschichte.

Gabriella Bachstez Mellen (Gencay, Frankreich)

Link zu: Stolperstein Hellmuth Stieff
Stolperstein Hellmuth Stieff
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HELLMUTH STIEFF
JG. 1901
IM WIDERSTAND
BETEILIGT AM
ATTENTAT AUF HITLER
VERHAFTET 20.7.1944
TODESURTEIL 8.8.1944
HINGERICHTET 8.8.1944
BERLIN-PLÖTZENSEE

Hellmuth Stieff wurde am 6. Juni 1901 in Deutsch-Eylau (Ostpreußen, Iława) geboren. Er war Generalmajor und Widerstandskämpfer. Er wohnte früher in der Tile-Wardenberg-Straße 26a, ab 1939 in der Sybelstraße 66. Auszug aus dem Adressbuch 1942: Stieff, H., Major T.

Link zu: Hellmuth Stieff
Hellmuth Stieff
Bild: Bildnachweis: Archiv

Im Ersten Weltkrieg war Stieff Offizier geworden. 1938 kam er in den Generalstab der deutschen Wehrmacht, zunächst in die Operationsabteilung unter Adolf Heusinger, dem späteren Generalinspekteur der Bundeswehr. Ab 1942 wurde Stieff Chef der Organisationsabteilung im Generalstab des Heeres, 1944 wurde er zum Generalmajor befördert.

Während des Polenfeldzugs wurde Stieff zum Gegner des Nationalsozialismus. Henning von Tresckow (1901-1944) war es, der sein Interesse für die aktive Teilnahme am Widerstand weckte. Stieff verwahrte den Sprengstoff, mit dem Axel von dem Bussche (1919-1993) im November 1943 im Führerhauptquartier Wolfsschanze ein Attentat auf Reichskanzler Adolf Hitler verüben wollte. Es wurde aber nicht ausgeführt. Claus Schenk Graf Stauffenberg (1907-1944) entschloss sich, das auf Hitler geplante Attentat selbst zu verüben. Am 20. Juli 1944 flog Stauffenberg mit Stieff zum Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreußen. Das Attentat auf Hitler misslang.

Stieff wurde in der Nacht auf den 21. Juli 1944 verhaftet und misshandelt. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) versuchte trotz Folterungen erfolglos Namen von Mitverschwörern aus ihm herauszupressen. Am 8. August 1944 stand Stieff in einem Schauprozess vor dem NS-Volksgerichtshof. Als dessen Präsident Roland Freisler ihn fragte, warum er an der Vorbereitung mitgewirkt habe, antwortete Stieff: „Für Deutschland.“ Er wurde er zum Tod verurteilt und am selben Tag in Berlin-Plötzensee erhängt.

Über sein Denken gibt ein Brief Auskunft, den Hellmuth Stieff am 21. November 1939 aus Warschau an seine Frau Ili Cäcile Stieff schrieb:
„Es ist eine Stadt und eine Bevölkerung, die dem Untergang geweiht ist. Es ist so grausam, dass man keinen Augenblick seines Lebens froh ist, wenn man in dieser Stadt weilt. […] Die blühendste Phantasie einer Greuelpropaganda ist arm gegen die Dinge, die eine organisierte Mörder-, Räuber- und Plündererbande unter angeblich höchster Duldung dort verbricht … Diese Ausrottung ganzer Geschlechter mit Frauen und Kindern ist nur von einem Untermenschentum möglich, das den Namen Deutsch nicht mehr verdient. Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein.“

Im Abschiedsbrief aus dem Gefängnis an seine Frau stand:
„Ich gehe ruhig und gefasst in den Tod. Ich hoffe auf die Gnade Gottes, dass er uns einst in seiner Herrlichkeit wieder zusammenführen wird. Ich werde in Deinem Glauben sterben und mir als Beistand den Geistlichen Deiner Kirche geben lassen. Geht dies nicht, so gilt dies als mein letzter Wille, zur katholischen Kirche überzutreten und ich werde in die Ewigkeit so eingehen, wie wir vor bald 15 Jahren in Ludwigsdorf vor den Altar traten. Der Tod ist kein Ende, nur eine Wandlung.“

Jürgen Meyer-Wilmes sagte zur Verlegung des Stolpersteins zum Gedenken an Hellmuth Stieff:

Wie Gefängnispfarrer Peter Buchholz bezeugte, ist Stieff, der evangelisch war, noch vor seiner Hinrichtung in die katholische Kirche aufgenommen worden. So bildete er vielleicht eine Brücke zwischen den christlichen Kirchen. Mut im Leben und Vertrauen in seinen Glauben bleiben immer Vorbild für uns heute Lebende.

Text: Dr. Jürgen Meyer-Wilmes und Helmut Lölhöffel

Zum Andenken an Hellmuth Stieff ist in Berlin-Plötzensee der Stieffring benannt.

Literatur: Wolfgang Knauft: Christen im Widerstand. Der 20. Juli im Bistum Berlin, Berlin 1994, S. 54-57; Horst Mühleisen: Hellmuth Stieff und der deutsche Widerstand. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 39. Jg. Nr. 3, 1991, S. 339–377 (online als pdf-Datei ); Ausgewählte Briefe von Generalmajor Hellmuth Stieff in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 2. Jg. Nr. 3, 1954, S. 291–305 (online als pdf-Datei ).

Bildvergrößerung: Stolperstein Flora Türkel
Stolperstein Flora Türkel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
FLORA TÜRKEL
GEB. DEUTSCH
JG. 1885
DEPORTIERT 2.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

Flora Türkel geb. Deutsch wurde am 31. Dezember 1885 in Pozsony (Pressburg), damals Österreich-Ungarn, heute Bratislava/Slowakei geboren. Sie war das sechste Kind von Dr. Ignatz Deutsch und seiner Frau Therese, geb. Pollak. Ignatz Deutsch war Rechtsanwalt, Schriftsteller und Journalist in Pressburg, später in Wien.

Mit 19 Jahren heiratete Flora 1905 den Wiener Arzt Dr. Rudolf Türkel, der schon 1912 starb. Sie heiratete nicht wieder, sondern führte das Leben einer selbständigen Frau.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte sie ihrem Bruder, dem Kunsthistoriker Prof. Max Deri (ihre Brüder hatten inzwischen den Namen Deri angenommen) und seiner Frau, der Psychoanalytikerin Francis Deri-Hertz, nach Berlin. Dort ließ Flora sich als Schriftstellerin nieder und verkehrte in den Künstler- und Intellektuellenkreisen Berlins der 1920er Jahre. In der Sybelstraße 66 wohnte sie im 3. Stock.

Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde die Familie auseinandergerissen:

  • Ihr Bruder Max und Schwägerin Francis flohen über Prag nach Kalifornien.
  • Der älteste Bruder, der Bankier Hermann Deri, seine Frau, die Sopranisten Bella Alten, und der Bruder Dr. Friedrich Deri, Rechtsanwalt, emigrierten nach der Besetzung Österreichs 1938 nach England.
  • Floras Schwester Marianne, verwitwete Klemperer, die in Wien geblieben war, nahm sich 1942 vor der Deportation das Leben.
  • Deren Tochter Dr. Edith Klemperer, in Wien eine anerkannte medizinische Wissenschaftlerin, konnte nach New York fliehen und wurde dort eine einflussreiche Psychiaterin.
  • Ein weiterer Bruder, Emil Deri, Versicherungsangestellter, wurde am 17. August 1942 von Wien mit 1002 österreichischen Juden zur Tötungsstelle Maly Trostinec bei Minsk/Weißrussland deportiert und dort am 21. August 1942 ermordet.

Trotz der Bemühungen ihrer nach England und in die USA geflohenen Verwandten gelang es Flora Türkel nicht mehr, aus Deutschland herauszukommen. Sie wurde am 2. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort ermordet.

Text: Florence Moehl
Quellen: Familienarchiv Springer-Hertz, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Wien; Database YadVashem; Entschädigungsamt Berlin; Landeshauptarchiv Potsdam

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Stolperstein Ernst Oppenheimer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ERNST
OPPENHEIMER
JG.1869
DEPORTIERT 29.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.11.1942

Ernst Oppenheimer wurde am 8. März 1869 in Uedem bei Kleve am Niederrhein geboren. Seit dem 17.4.1920 wohnte er in Charlottenburg in der Sybelstraße 66 – einem Haus, das der Rheinisch-Westfälischen Grubenholz-Einkaufsgesellschaft gehörte. Er war kaufmännischer Angestellter – im Adressbuch ließ er sich als „Kaufmann“ eintragen – und ledig.

Ernst Oppenheimers Wohnung wurde 1936 renoviert und komfortabel gestaltet. Es
gab Warmwasserheizung, Badezimmer und Fahrstuhl. Die Miete betrug monatlich 110 RM. Ausgestattet war die Wohnung mit teuren Möbeln, teilweise mit Gobelins und einem Mahagoni-Schlafzimmer. Die Einrichtung hatte einen geschätzten Wert von 2 500 Mark. Darüberhinaus verfügte er über Wertpapiere, Rheinische Braunkohleobligationen in Höhe von 500 Mark, Obligationen der IG Farben in Höhe von 3 000 Mark, der Harpener Bergbau in Höhe von 300 Mark und Deutsche Reichsschatzanweisungen in Höhe von 2 200 Mark. Oppenheimer besaß zudem 820 Mark auf einem Konto.

Deportiert wurde er am 29. Juli 1942 zusammen mit seiner Schwester Emilie und deren Mann John Löwenthal in einem verplombten Personenwagen, der an den normalen Zug von Berlin nach Prag angehängt war, vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt. Im Alter von 73 Jahren ist er ins Ghetto verschleppt worden. Sein Todesdatum war der 22. November 1942. Auf dem Totenschein war die verlogene Diagnose „Darmkatarrh“ als Todesursache angegeben, was eine Umschreibung für die Folgen der unglaublichen hygienischen Zustände in dem Ghetto war.

Im gleichen Gebäude in Theresienstadt war seine Schwester Emilie, geboren am 25. Oktober 1873, untergebracht, die bereits seit dem 7.8.1900 in Berlin wohnte, mit ihrem Mann John Löwenthal, geboren am 22. Juli 1860. Zu ihrem Gedenken liegen Stolpersteine an der Bliebtreustraße 34/35. Das Ehepaar hatte in den 1940er Jahren zum Bruder und Schwager Ernst Oppenheimer ziehen müssen, weil sie ihre Wohnung nicht mehr halten konnten.

Text nach Erinnerungen und Aufzeichnungen von Leonie Warschauer Feigl (Palm City, Florida, USA)

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Stolperstein Erich Seidler
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ERICH SEIDLER
JG. 1887
DEPORTIERT 4.3.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Erich Seidler wurde am 15. Juni 1887 in Königshütte (Chorzow) in Schlesien geboren. Er war promovierter Jurist, bis 1937 stand er im Adressbuch von Beuthen in Oberschlesien. Zuletzt, bis zu seiner erzwungenen Suspendierung, war er Amtsgerichtsrat in Berlin. Mit seiner Ehefrau Frieda Seidler, geboren am 13. März 1902, wohnte Dr. Erich Seidler in der Sybelstraße 66 in der 4. Etage.

Am 4. März 1943 wurde er vom Güterbahnhof Moabit zusammen mit seiner Frau Frieda nach Auschwitz deportiert.

Im Haus des Deutschen Richterbundes in Berlin ist eine Gedenktafel angebracht, auf der auch Erich Seidlers Name steht.

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Stolperstein Frieda Seidler
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
FRIEDA SEIDLER
GEB. KÖNIGER
JG. 1902
DEPORTIERT 4.3.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Frieda Seidler geb. Königer ist am 13. März 1902 in Zuckmantel (Zlaté Hory) in einem Teil Schlesiens, der damals tschechisch war, wo Goldbergbau betrieben wurde, geboren. Die Eltern hieße Oskar und Hedwig Königer. Mit ihrem Mann Erich Seidler, geboren am 15. Juni 1887, der Amtsgerichtrat war, lebte sie in der Sybelstraße 66. Sie wurde vom Güterbahnhof Moabit am 4. März 1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert.

Ihre Schwester Irma Brasch geb. Königer aus Tel Aviv hat 1965 bei der Holocaust-Gedenstätte Yad Vashem in Jerusalem ein Gedenkblatt geschrieben.

Untermieterin bei Seidlers war Käthe Groth, geboren am 20. August 1897 in Berlin, die kurz vor ihnen, am 19. Februar 1943, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden ist.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Siehe auch Hans Bergemann, Simone Ladwig-Winters: Richter und Staatsanwälte jüdischer Herkunft in Preußen im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Köln 2004, sowie zu beiden noch digitale Gedenkblätter auf der Internetseite des Yad Vashem).