Stolpersteine Mommsenstr. 23

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Hauseingang Mommsenstr. 23, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 06.04.2012
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Diese Stolpersteine wurden am 13.3.2012 verlegt. Der Spender war Ronny-Meir Dotan (Tel Aviv).

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Stolperstein Lina Friedländer, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 06.04.2012
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HIER WOHNTE
LINA FRIEDLÄNDER
JG. 1890
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

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Stolperstein Erna Friedländer, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 06.04.2012
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HIER WOHNTE
ERNA FRIEDLÄNDER
JG. 1899
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Lina Friedländer und Erna Friedländer waren zwei der drei Töchter von Ferdinand und Bertha Friedländer, geb. Samson. Erna wurde am 24. April 1894 geboren, Lina am 15. Dezember 1890. Dazwischen kam Julia, geboren 1892, zur Welt.

Ferdinand Friedländer war Kalksteinhändler, die Familie lebte zunächst in Kalkberge (heute Rüdersdorf) bei Berlin, wo die Mädchen geboren sind. 1909 zog die Familie nach Berlin in die Joachimsthaler Str. 19. Bald danach starb die Mutter Bertha, der Vater Ferdinand starb 1926. Beide sind auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigt.

Lina besuchte von 1897 bis 1900 die Höhere Privatschule von Kalkberge und nach dem Umzug das Dorotheen-Lyzeum an der Wilhelmshavener Straße 2 in Berlin. Sie studierte Musik und bekam eine Ausbildung als Klavierspielerin.

Ab Ende der 1920er Jahre führte sie ihrer Schwester Dr. Erna Friedländer den Haushalt. Erna besuchte ebenfalls das Dorotheen-Lyzeum, anschließend das Auguste-Viktoria-Realgymnasium in Charlottenburg, wo sie 1913 das Abitur machte. Danach studierte sie zunächst an der Universität in Freiburg und ab Oktober 1913 in Berlin an der Friedrich-Wilhelm-Universität Chemie und setzte 1917 das Studium bis zur Promotion fort. Sie legte eine Dissertation mit dem Titel “Über Heteropolymolybdänate vierwertiger Elemente” vor, am 4.2.1918 erlangte sie den Dr. phil. Sie arbeitete als Chemikerin in der Firma Auer in Berlin und später in Hamburg im Laboratorium von Dr. Heymann. Ende der 1920er Jahre kehrte sie nach Berlin zurück und war von diesem Zeitpunkt an in der Jüdischen Gemeinde tätig.

Ab 1930 bewohnten die Schwestern zusammen in der Augustastraße 63 eine Drei-Zimmer-Wohnung. Diese Wohnung wurde ihnen Ende der 1930er Jahre entzogen. Danach mussten sie mehrmals umziehen, bei der Volkszählung am 17.5.1939 war Lina Friedländer in der Mommsenstraße 23 in Charlottenburg gemeldet, wo sie bei der Familie Zwergel als Untermieterin wohnte. Auch Erna kam dort unter. Im Berliner Adressbuch von 1939 war der Handelsvertreter Stanislaus Zwergel eingetragen. Er war durch seine Ehe vor Deportationen geschützt und erlebte den Zusammenbruch des Nazi-Reichs 1945 in Berlin.

Am 27. November 1941 wurde Lina Friedländer nach Riga (Lettland) deportiert, am 30. November 1941 kam der mit 1053 Menschen überfüllte Zug dort an. Alle Insassen wurden nach der Ankunft zu den Erschießungsstellen in den Wäldern bei Riga getrieben und umgebracht.
Erna Friedländer musste eine ihr abgeforderte Vermögenserklärung am 21.10.1942 unterschreiben. Am 26. Oktober 1942 wurde sie mit 793 Berliner Juden nach Riga deportiert, wo der Zug am 29. Oktober 1942 eintraf. Alle Insassen wurden nach der Ankunft erschossen.

Auf Wunsch von Familienangehörigen wurden die beiden Stolpersteine an der Mommsenstraße 23 verlegt, weil Lina und Erna Friedländer dort ihre letzte gemeinsame Adresse hatten.

Text: Tatjana Ruge