Stolpersteine Giesebrechtstraße 10

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Hausansicht Giesebrechtstr. 10
Bild: BA CW, B.Plewa

Die Stolpersteine wurden am 08.05.2011 verlegt.

Die Stolpersteine für Margarete Trapowski und Margarete Knopf wurden von Dr. Dr. Helwig Hassenpflug gespendet.
Die Stolpersteine für Margarete Friedländer, Sophie Margarte Kutner, Margarete Nesselroth, Martha Rötttgen, Jenny-Auguste Flörsheim, und Margarete Trapowski wurden von Ulrich Gronert gespendet.
Der Stolperstein für Hans-Jacob Sachs wurde von Dr. Karsten Stein gespendet.

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Stolperstein Margarete Friedländer
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
MARGARETE
FRIEDLÄNDER
GEB. GUTMANN
JG. 1867
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET DEZEMBER 1941

Margarete Friedländer, geb. Gutmann, wurde am 27. Dezember 1867 in Berlin geboren. Sie war Witwe und lebte seit mindestens 1935 in der Giesebrechtstraße 10. Über ihre Familie und ihr Leben ist nichts bekannt. Margarete wurde am 18. Oktober 1941 mit dem ersten Transport verhafteter Juden nach Lodz deportiert. Sie war eine von 1091 Personen, die in einen Zug gepfercht wurden. Im selben Transport wie Sophie Kutner und Max Hirschfeldt, Max und Gertrud Zuttermann aus dem Nachbarhaus sowie Jenny Finkel aus der Giesebrechtstraße 5. Margarete Friedländers Name ist unter Nr. 277 aufgeführt und trägt den Vermerk „verstorben 2.12.41, Totenschein Nr. 14“ (3)

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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Stolperstein Sophie Margarete Kutner
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
SOPHIE MARGARETE
KUTNER
GEB. SCHWABE
JG. 1881
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 9.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Sophie Margarete Kutner, geb. Schwabe, wurde am 29. Juni 1881 in Berlin geboren. Sophie war in erster Ehe mit Karl Kuhn, einem Regierungsbaumeister, verheiratet. Er starb am 6. Januar 1912. Sie war römisch-katholisch getauft. Wann sie wieder geheiratet hat, ist nicht bekannt. Nach eigener Aussage war sie gelernte Malerin, hatte Frisierkunst und Schönheitspflege gelernt und nannte sich Sofia. Ihren Geburtstag gab sie als 28. Juni 1880 an.

Sophie war nicht unvermögend. Sie besaß elegante Garderobe und hatte ihren Hausrat mit 4000 Mark versichert. Bei der Commerzbank verfügte sie über ein Guthaben von 3655 Mark, bei der Deutschen Bank hatte sie ein Depot mit Aschinger Obligationen für 6200 Mark sowie ein Los über 500 Mark bei der Reichsschuldenverwaltung. Als ihr Onkel Emil Schwabe starb, war sie Erbin zusammen mit ihrer Cousine Ida Schwabe und den Vettern Oskar Schwabe und Alfred Schiftau, der in New York lebte. Oskars Haus in Horneburg bei Hamburg wurde am 21. September 1940 verkauft. Sophie schuldete ihren Miterben noch Geld.

Seit dem 16. Juli 1941 wohnte Sophie zur Untermiete in einem Zimmer bei den Nachbarn Max und Gertrud Zuttermann in der 4. Etage der Giesebrechtstraße 11. Außer den gerade nötigen Möbeln hatte sie drei Porträts von sich, ihrer Mutter und ihrer Tante. In einem Nachbarkeller hatte sie noch „Gegenstände von früher“ gelagert. Sophies Vermögen nutzte ihr nichts. Sie hatte eine Freigrenze von 170 RM im Monat, die sie für Miete, Essen, Apotheke, Steuer- und Sterbekasse ausgeben durfte.

Das Vermögen wurde eingezogen. Sophie wurde verhaftet und ins Sammellager Levetzowstraße gebracht. Am 18. Oktober 1941 wurde sie mit dem allerersten Transport aus Berlin nach Lodz zusammen mit insgesamt 1091 Menschen deportiert. Im selben Zug wie Max und Gertrud Zuttermann und deren Untermieter Fritz Hirschfeldt sowie ihre Nachbarin Margarete Friedländer aus der Giesebrechtstraße 10. Damit war das Leiden noch nicht zu Ende. Am 9. Mai 1942 wurde Sophie Kutner nach Chelmno gebracht und ermordet.

An ihrem „kommunistischen und staatsfeindlichen“ Vermögen bereicherte sich der NS-Staat. Die Ablösungsschuld der Anleihe betrug im Juli 1945 fast das Zehnfache.

Recherche und Text: Monika Herz. Quellen: Bundesarchiv; Yad Vashem; Deportationsliste S. 22, Nr. 555; Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 36A 20845, Vermögenserklärung vom 9. Oktober 1941; Adressbücher

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Stolperstein Paul Knopf
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
PAUL KNOPF
JG. 1875
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Paul Knopf wurde am 17. August 1875 in Treuenbrietzen geboren. Er war verheiratet mit Margarete Löwenberg, die am 24. Oktober 1884 in Berlin geboren wurde. Paul Knopf war Kaufmann. Die Knopfs hatten zwei Söhne, Hans und Peter. Sie bewohnten seit mindestens 1930 eine 5-Zimmer-Wohnung mit Zentralheizung und Bad in der Giesebrechtstraße 10. Womit Paul genau sein Geld verdiente, ist nicht bekannt, aber er muss recht wohlhabend gewesen sein. Die Höhe seines Gesamtvermögens betrug 75 000,00 Reichsmark. Zusätzlich war er Nacherbe je eines Grundstücks in Buchholz, Wittenau und Karlshorst.

1942 hatten die Knopfs – vermutlich, um zu überleben – je ein Zimmer untervermietet an Elias Lehmann, Minna Hirschfeld und eine Ungarin namens Feintner. Selber blieben ihnen zwei Zimmer. Die beiden Söhne waren rechtzeitig nach New York ausgewandert. Paul musste eine Judenvermögensabgabe von 39 000 Mark leisten.

Margarete wählte die Flucht in den Tod. Sie nahm sich am 15. August 1942 das Leben. Am selben Tag wurde Paul von den Häschern der Gestapo verhaftet und zum Transport nach Riga gebracht. Er konnte seine Frau nicht einmal mehr beerdigen. Insgesamt 1004 Menschen wurden in den Zug gepfercht. Paul gab dort an, ledig zu sein. Drei Tage später, am 18. August 1942, kam der Zug in Riga an. Sofort nach Ankunft, am Tag nach seinem 67. Geburtstag, wurde Paul ermordet.

Recherche und Text: Monika Herz. Quellen: Bundesarchiv; Deportationsliste Nr. 555, Sybelstr. 42; Yad Vashem; Adressbücher: 1930, S 1229; 1933, S. 5056:106; 1935, S. 4935:4935; 1937, S. 5166:1035; BLHA Rep. 36A 19680

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Stolperstein Margarete Knopf
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARGARETE KNOPF
GEB. LÖWENBERG
JG. 1884
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
15.8.1942

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Stolperstein Margarete Nesselroth
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
MARGARETE
NESSELROTH
GEB. LANDAU
JG. 1873
DEPORTIERT 19.11.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.3.1943

Margarete Nesselroth, geb. Landau, wurde am 4. Mai 1873 in Breslau geboren. Sie war verwitwet und wohnte in der Giesebrechtstraße. Ihre Kinder, denen wohl die Flucht gelungen war, lebten im Ausland. Wo genau, gab sie nicht preis. Das einzige, was über Margarethe Nesselroth bekannt ist, lässt sich der Vermögenserklärung vom 12. November 1942 entnehmen, die sie kurz vor ihrer Deportation in der Sammelstelle an der Hamburger Straße 26 abliefern musste.

Seit Mai 1941 wohnte sie zur Untermiete bei Paula Warschauer in der Neue Roßstraße 2 und besaß gerade noch das Nötigste: Bett, Schrank, Tisch, zwei Stühle und einen Reisekorb. Alles zusammen hatte einen Wert von 38 Mark. Die Höhe der Miete betrug vierteljährlich 17 Mark, inklusive Wassergeld. Margaretes „Vermögen“ wurde aufgrund des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen, volks- und staatsfeindlichen Vermögens zugunsten des Deutschen Reichs eingezogen. Im November 1942 wurde Margarete von der Gestapo verhaftet und am 19. November nach Theresienstadt verschleppt. Von 100 Deportierten überlebten zehn. Am 28. März 1943, in ihrem 70. Lebensjahr, wurde Margarete ermordet.

Recherche und Text: Monika Herz. Quellen: Bundesarchiv; Deportationsliste; Opferliste Datenbank: 74. Alterstransport I/78 vom 19.11.42 Margarete Nesselroth Nr. 60; BLHA Rep. 36 A 28071, Vermögenserklärung vom 12. November 1942; Adressbücher 1935 und 1937; YadVashem

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Stolperstein Martha Röttgen
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
MARTHA RÖTTGEN
GEB. KAMM
JG. 1884
DEPORTIERT 29.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Martha Röttgen, geb. Kamm, wurde am 12. Mai 1884 in Beuthen, (Oberschlesien) geboren. Über ihr Leben, ihren Beruf und ihre Familie ist nichts bekannt. Den Einträgen in den Adressbüchern ist zu entnehmen, dass sie als Berufsbezeichnung Direktrice angab. Am 29. Januar 1943 wurde sie zusammen mit 1000 anderen Menschen bei bitterer Kälte in einen Zug gepfercht und nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Recherche und Text: Monika Herz. Quellen: Bundesarchiv; Deportationsliste; Yad Vashem; Adressbücher 1935 und 1937, 1939, 1941

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Stolperstein Jenny Auguste Flörsheim
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
JENNY AUGUSTE
FLÖRSHEIM
GEB. SALOMON
JG. 1860
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 18.8.1942

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Stolperstein Hans Jacob Sachs
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
HANS JACOB SACHS
JG. 1872
DEPORTIERT 11.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 29.9.1942
TREBLINKA

Link zu: Stolperstein Margarete Trapowski
Stolperstein Margarete Trapowski
Bild: BA CW, B.Plewa

HIER WOHNTE
MARGARETE
TRAPOWSKI
GEB. ISRAELIS
JG. 1863
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
22.6.1941