Stolpersteine Grolmanstraße 53

Bildvergrößerung: Hauseingang Grolmanstr. 53/54
Hauseingang Grolmanstr. 53/54
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

Dieser Stolperstein wurde am 17.03.2011 verlegt und von Doris Bahn-Petersen und Dr. Sönke Petersen, Berlin, gespendet.

Bildvergrößerung: Stolperstein Sarah Mannheim
Stolperstein Sarah Mannheim
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

HIER WOHNTE
SARAH MANNHEIM
JG. 1870
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.9.1942

Sarah Mannheim wurde am 22. Dezember 1870 in London geboren. In Berlin wohnte sie in der Grolmannstraße 53, von wo sie am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort ist sie nach 40 Tagen am 26. September 1942 ums Leben gebracht worden.
In dem Totenschein, der an ihrem Sterbetag von drei Ghetto-Ärzten sowie einem „Totenbeschauer“ ausgefertigt wurde, waren als Todesursachen „Darmkatarrh“ und “Herzschwäche“ angegeben. Dies waren die damals üblichen Umschreibungen für den Tod als Folge der unbeschreiblichen medizinischen und hygienischen Zustände in dem Lager, in dem nach der Statistik der jüdischen Selbstverwaltung 33 430 Menschen ums Leben gekommen sind.
In dieser „Todesfallanzeige“, in der übrigens als Vorname „Clara“ angegeben ist, war auch verzeichnet, wo sie untergebracht war: im Gebäude B IV auf dem Dachboden in einem Verschlag mit der Nummer 27 – unter unmenschlichen Bedingungen in qualvoller Enge bei unzureichender Lebensmittelzuteilung.

Bei der Verlegung des Stolpersteins zum Gedenken an Sarah Mannheim sagte Sönke Petersen:

Wir haben uns hier versammelt, um an Sarah Mannheim zu erinnern, sie gegen das Vergessen zu schützen und ihr jene Individualität, Achtung und Würde zurückzugeben, die ihr von den Nazis und ihren allzu vielen Helfern genommen wurden.

Wir wissen wenig von Sarah Mannheim. Wir wissen nur, dass sie am 22. Dezember 1870 in London geboren wurde, verheiratet, später verwitwet war und zwei Kinder hatte. Wo genau sie in unserem Haus in der Grolmanstrasse 53 gewohnt hat, konnten wir nicht ermitteln.

Immerhin wissen wir, dass Sarah Mannheim hier in einer Wohngemeinschaft mit ihrem Sohn wohnte, der in einer „privilegierten Mischehe“ mit seiner arischen Frau und zwei Kindern lebte. Für diese Familie, die ihr etwas Schutz bieten sollte gegen nationalsozialistische Willkür, führte sie den Haushalt. Ihre Tochter Charlotte hatte rechtzeitig nach Palästina auswandern können.

Am 15. August 1942 wurde Sarah Mannheim aus diesem Haus, in dem wir uns heute so wohlfühlen, zur Deportation abgeholt und in das jüdische Sammellager Große Hamburger Straße gebracht. Am 17. August musste sie zum Güterbahnhof Moabit marschieren. Dort verfrachtete man sie zusammen mit weiteren 996 Schicksalsgenossen in den von den Nazis als 1. Großen Alterstransport bezeichneten Zug mit der Nummer „Da 502“ nach Theresienstadt. Das war kein Kurort, sondern die Vorstufe zur Hölle. Von den fast 1000 mit ihr Deportierten sind nur 16 Überlebende bekannt. Sarah Mannheims Todesdatum war der 26. September 1942.

Drei Monate nach ihrem Tod erstellte ein Gerichtsvollzieher im Auftrag der Nazi-Behörden eine Kostenrechnung in der „Schätzungssache Sarah Mannheim“. Unter dem Aktenzeichen XXVI 13526 notierte er kühl: „Kein Nachlass vorhanden. Der Schätzwert deshalb (?).“ Für seine eigenen Unkosten berechnete er 2 Reichsmark: „1 RM Gebühr, 1 RM für Fahrtkosten“.

Recherche und Text: Dr. Sönke Petersen