Stolpersteine Knobelsdorffstraße 33

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Hausansicht Knobelsdorffstr. 33
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Die Stolpersteine für Gertrud und Edith Rein wurden von Anwohnern gespendet und zusammnen mit den anderen Stolpersteinen am 4.10.2010 verlegt.

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Stolperstein für Joseph Berenblum
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
JOSEPH BERENBLUM
JG. 1896
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Link zu: Stolperstein für Cypra Berenblum
Stolperstein für Cypra Berenblum
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
CYPRA BERENBLUM
GEB. GELER
JG. 1897
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Link zu: Stolperstein für Klara Berenblum
Stolperstein für Klara Berenblum
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
KLARA BERENBLUM
JG. 1923
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Link zu: Stolperstein für Gertrud Rein
Stolperstein für Gertrud Rein
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
GERTRUD REIN
GEB. LANDAU
JG. 1879
DEPORTATION 21.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.2.1943

Gertrud Rein wurde am 25. Juli 1879 im niederschlesischen Schweidnitz (heute: Świdnica in Polen) geboren. Im März 1906 heiratete sie in Berlin Siegfried Rein. Am 15. Januar 1907 kam ihre erste Tochter Herta zur Welt; im Jahr darauf, am 6. Mai 1908, folgte das zweite Kind Edith.

Herta Rein, verheiratete Priester, überlebte den Holocaust. Über die Umstände ihrer Emigration aus Nazi-Deutschland ist nichts bekannt. In den 1950er Jahren wohnte sie in Johannesburg (Südafrika). Damals wandte sie sich an das Berliner Entschädigungsamt und fügte ihrem Antrag auch Lebensläufe ihrer Mutter und ihrer Schwester bei. Sie geben uns biographische Informationen.

Die Ehe zwischen Gertrud und Siegfried Rein wurde schon nach wenigen Jahren im Dezember 1914 geschieden. Gertrud Rein blieb unverheiratet. Kurz nach der Scheidung erwarb sie ein Seifen-Einzelhandelsgeschäft in der Knobelsdorffstraße 33. „Aus ihrem Einkommen aus diesem Geschäftsunternehmen bestritt sie den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder“, schrieb Herta Priester 1953. Doch die Zeiten wurden immer schwieriger, schon bald nach 1933 ging der Umsatz zurück. Im Anschluss an die November-Pogrome im November 1938 wurde Gertrud Rein von der Seifenhandelsfachgruppe zur Schließung ihres Geschäftes gezwungen.
Sie konnte jedoch in der Wohnung bleiben, die hinter den Geschäftsräumen lag; die Verbindung zwischen den beiden Bereichen wurde allerdings abgesperrt.

Im September 1943 wurde Gertrud Rein gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen; sie musste sich in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 begeben. Die Machthaber missbrauchten das ehemals jüdische Altersheim in Berlin-Mitte seit 1942 als Sammellager. Rund 55 000 Berliner Juden wurden von hier nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt.
Gertrud Rein taucht auf der Transportliste des von den Gestapo-Beamten so genannten 63. Alterstransportes auf, der Berlin am 21. September 1942 verließ. An diesem Tag wurden 100 Juden nach Theresienstadt deportiert. Die 63-jährige Gertrud Rein wurde in der Deportationsliste als „arbeitsfähig“ bezeichnet.

Auf einer „Todesfallanzeige“ des Ghettos Theresienstadt vom 3. Februar 1943 ist vermerkt, dass Gertrud Rein am Vortag um 13 Uhr starb. Als Todesursache wird eine Myodegeneratio cordis, „eine Herzmuskelentartung“, attestiert. Drei Unterschriften, die des Totenbeschauers, des Amtsarztes und des Chefarztes, erwecken den Eindruck einer seriösen medizinischen Bescheinigung. Nicht dokumentiert sind freilich die grauenvollen Lebensumstände im Ghetto.

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Stolperstein für Edith Rein
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EDITH REIN
JG. 1908
DEPRTATION 6.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Edith Rein wurde am 6. Mai 1908 in Berlin-Charlottenburg geboren. Sie besuchte die Ottilie-Manteuffel-Mädchenschule in der Charlottenburger Goethestraße 43. Anschließend absolvierte sie einen sechsmonatigen Lehrgang der kaufmännischen Privatschule Paul Dieke in Charlottenburg. Hier wurde sie in Stenographie, Buchführung, Handelskorrespondenz und anderen einschlägigen Fächern unterrichtet. Sie fand anschließend, um 1924, eine Anstellung als Kontoristin und Verkäuferin bei der Firma Julius Eifermann in der Waldstraße 43 in Moabit. Ein Blick ins Adressbuch von 1930 zeigt, dass es eine Weingroßhandlung war, die auch Fruchtsäfte vertrieb und Liköre und Essenzen herstellte.

Dort war Edith Rein rund zwölf Jahre lang tätig. Der Inhaber Julius Eifermann war Jude. Sein Geschäft erlitt nach 1933 einen Rückgang, sodass er sich gezwungen sah, Edith Reins Gehalt herunterzusetzen. Um nicht stellungslos zu werden, erklärte sie sich damit einverstanden.
Der Verkauf seines Geschäftes ermöglichte Julius Eifermann die Auswanderung. Der neue Eigentümer („ein Arier“, so schrieb Hertha Priester) entließ die Jüdin Edith Rein.
„Da sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine ihrer Vorbildung und ihren kaufmännischen Kenntnissen entsprechende Anstellung finden konnte, musste sie sich mit einem gering bezahlten Posten in einem jüdischen Unternehmen zufrieden geben, den sie jedoch wegen Auflösung des Unternehmens wenige Monate später wieder verlor“, brachte Hertha Priester später zu Papier.

Edith Rein gelang es nicht mehr, eine Stellung als Büroangestellte zu erhalten. Sie war in der Folge als Lagerarbeiterin bei der Firma Bernhard, einer Weinhandlung in der Turmstraße in Berlin-Moabit, tätig. Etwa im Juli 1938 wurde der Betrieb des jüdischen Besitzers zwangsverkauft, Edith Rein verlor erneut ihre Stellung und war mehrere Monate erwerbslos. Schließlich arbeitete sie ab Oktober 1938 als Hausangestellte bei einer jüdischen Firma. Der Arbeitgeber sah sich nicht in der Lage, ihr mehr als 20 Mark im Monat für ihre Tätigkeit zu bezahlen.

Doch schon im Jahr darauf war Edith Rein erneut ohne Anstellung, als der Arbeitgeber Nazi-Deutschland verließ. Ab September 1940 wurde sie zur Zwangsarbeit bei den IG-Farben-Werken in Berlin-Rummelsburg verpflichtet. In dem Werk in der Hauptstraße 13 im Bezirk Lichtenberg wurde synthetische Seide produziert.

Seit April 1942 war den Juden in Deutschland die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel verboten. Das hatte direkte Auswirkungen auch auf Edith Rein: „Sie berichtete mir einmal, daß sie täglich einen je 2stündigen Weg von ihrer Wohnung in der Knobelsdorffstr. 33 bis zur ihrer Arbeitsstelle zu Fuß zurücklegen mußte“, erinnerte sich Herta Priester.

Die Transportlisten des von den Nazis so genannten 35. Osttransports haben sich erhalten. Ihnen ist zu entnehmen, dass Edith Rein am 6. März 1943 zusammen mit 657 Juden aus Berlin und fünf weiteren Personen aus Metz nach Auschwitz deportiert wurde. Dazu kamen noch 25 „Schutzhäftlinge“. In Auschwitz wurde Edith Rein zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Zuvor hatte man ihr Bankguthaben, rund 2100,- Mark, „zu Gunsten des deutschen Reiches“ eingezogen. Auch die Einrichtung ihrer Wohnung in der Knobelsdorffstraße 33 wurde beschlagnahmt und zu Geld gemacht.

Text: Harald Marpe, Kiezbündnis Klausenerplatz e.V.

Quellen:
Entschädigungsamt Berlin (Akten Gertrud Rein und Edith Rein)

Todesfallanzeigen des Ghettos Theresienstadt

Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Häftlingsliste des Lagers Theresienstadt, Terezínská pametní kniha / Theresienstädter Gedenkbuch, Institut Theresienstädter Initiative, Band I–II: Melantrich, Praha 1995; Band III: Academia, Praha 2000