Stolpersteine Droysenstraße 8

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Hauseingang Droysenstr. 8, 20.4.13
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Diese Stolpersteine wurden am 20.10.2009 verlegt.

Link zu: Stolperstein für Julius Schlesinger
Stolperstein für Julius Schlesinger
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
JULIUS
SCHLESINGER
JG. 1867
VERHAFTET
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 10.6.1942

Link zu: Stolperstein für Paula Schlesinger
Stolperstein für Paula Schlesinger
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
PAULA
SCHLESINGER
GEB. ROTHSCHILD
JG. 1868
DEPORTIERT 24.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET

Paula Schlesinger wurde als Paula Rothschild am 15. Juni 1868 in Vöhl in Hessen-Nassau geboren. Sie wohnte seit 1911 mit ihrem Mann Julius, der am 14. Dezember 1867 in Berlin geboren wurde, in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung, die mit allem damals üblichen Komfort ausgestattet war. Das gesamte Viertel war erst wenige Jahre vorher aufgebaut worden und es wurde schnell zu einer der bevorzugten Wohngegenden am neu entstandenen westlichen Ende des Kurfürstendamms. Die Wohnung hatte WC (damals eine erwähnenswerte Einrichtung), Dampfheizung, Balkon, Fahrstuhl, Diele und Mädchenkammer.
Zum Zeitpunkt ihrer „Vermögenserklärung“ hatte Paula Schlesinger zwei Untermieterinnen: Elfriede Kwielecki und Julie Hammerschlag.

Während zum Schicksal von Elfriede Kwielecki nur bekannt ist, dass sie die Wohnung am 3. Oktober 1942 verlassen musste, hat die Hausbesitzerin Thea Thiele-Renner die andere Untermieterin, Julie Hammerschlag, Anfang Dezember 1942 mit einer Räumungsandrohung aus der Wohnung werfen lassen. Laut dem Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs ist eine 1906 geborene Frau gleichen Namens am 1. März 1943 im Rahmen der „Fabrik-Aktion“ nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.

Zum Schicksal von Julius Schlesinger, der im Konzentrationslager Sachsenhausen bis zu seiner Ermordung am 10. Juni 1942 inhaftiert war, sind weder im BLHA noch im Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen Einzelheiten zu erfahren.
Das Inventar der Wohnung wurde vom Obergerichtsvollzieher Bleich nach der Deportation am 24. September 1942 geschätzt. Der Verkaufserlös von 279,80 RM wurde von dem Erwerber, dem Einzelhändler Kuhlmann, an die „Vermögensverwertungsstelle der Oberfinanzdirektion Berlin“ überwiesen.

Paula Schlesinger wurde 74-jährig am 24. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. „Im Monat September 1942 wurden in 14 ‚kleinen‘ Transporten 1400 Juden und in einem ‚großen‘ Transport nochmals 1000 Juden nach Theresienstadt verschleppt.“ (Gottwald/Schulle, S. 333). Es ist nicht bekannt, an welchem Tag Paula Schlesinger ermordet wurde.

Text und Recherche: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Link zu: Stolperstein für Magdalene Sternfeld
Stolperstein für Magdalene Sternfeld
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MAGDALENE
STERNFELD
JG. 1872
DEPORTIERT 7.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 25.9.1942

Magdalene Sternfeld wurde am 16. März 1872 in Stettin geboren. Sie war ledig. Magdalenes Schwester Lili, die sich auch Lilly nannte, lebte ebenfalls in Berlin, ein par Häuser weiter. Über beider Leben ist nichts bekannt. Magdalene wurde am 2. September 1942 von ihrer Wohnung in der Droysenstraße 8 in die Schönhauser Allee 161a umquartiert. Insgesamt 100 Personen, unter anderen auch die ihr vermutlich bekannte Nachbarin Gertrud Mannheim aus der Gervinusstraße 12 wurden am 7. September in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier konnte sie ihre Schwester Lilly wiedersehen. Keine drei Wochen später, am 25. September 1942, ist Magdalene im Alter von 70 Jahren gestorben, die Ärzte bescheinigten „Darmkatarrh“ – eine Folge von Unterernährung, schlimmsten hygienischen Verhältnissen und mangelnder medizinischer Versorgung. Siehe auch

Lili (Lilly) Sternfeld wurde am 26. Mai 1873 in Stettin geboren. Sie war wie ihre ältere Schwester Magdalene ledig. Als Beruf gab sie an: „Korrespondentin“ und wohnte 1939 in der Droysenstraße 17 bei Hulda Rothholz geb. Samuel und Heinz Karl Rothholz. Später musste Lilly Sternfeld in der Pariser Straße 8 Unterschlupf suchen. Am 19. Juni 1942 wurde sie vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt bei Prag deportiert und kam dort am 5. Januar 1943 im Alter von 70 Jahren an einer Lungenentzündung ums Leben, was zweifellos eine Folge der Mangelernährung und der Kälte in den Unterkünften des Ghettos war. Siehe auch

Die Vermieterin Hulda Rothholz (geboren 1866) ist am 25. August 1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden und kam am 16. April 1943 ums Leben, auf ähnliche Weise ein weiterer Untermieter namens Arnold Hamburger (geboren 1869). Heinz Karl Rothholz, vielleicht ein Enkelsohn (geboren 1921) ist 1942 im Alter von 21 Jahren „wegen antinationalsozialistischer Tätigkeit“ verhaftet und am 4. März 1943 im Gefängnis Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet worden.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
Quellen: Bundesarchiv, Deportationslisten, Datenbank Theresienstadt, Liste der Hinrichtungen in Berlin-Plötzensee