Stolpersteine Sybelstr. 44

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Hauseingang Sybelstr. 44, Foto: Bukschat&Flegel, 20.4.13
Bild: Initiative Stolpersteine Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Dier hier abgebildeteten Stolpersteine wurden am 8.6.2009 verlegt.

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Stolperstein für Heimann Czollek
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
HEIMANN CZOLLEK
JG. 1881
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Hermann Biberfeld
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
HERMANN BIBERFELD
JG. 1878
DEPORTIERT 13.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

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Stolperstein für Fanny Biberfeld
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
FANNY BIBERFELD
GEB. MÜLLER
JG. 1883
DEPORTIERT 13.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

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Stolperstein für Sally Müller
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
SALLY MÜLLER
JG. 1885
DEPORTIERT 3.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Josef Arndt
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
JOSEF ARNDT
JG. 1897
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET 5.1.1945 IN
DACHAU

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Stolperstein für Fajga Neuding
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
FAJGA NEUDING
GEB. FLOCKSTRUMPF
JG. 1878
DEPORTIERT 18.1.1942
ERMORDET IN
RIGA

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Stolperstein für Käthe Rosenthal
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
KÄTHE ROSENTHAL
JG. 1895
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Gustav Posner
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
GUSTAV POSNER
JG. 1885
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
28.8.1942

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Stolperstein für Elsa Posner
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELSA POSNER
JG. 1883
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
30.8.1942

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Stolperstein für Margarete Posner
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MARGARETE POSNER
JG. 1890
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
31.8.1942

Einige Jahre hat Sally Müller recht bescheiden in der Sybelstraße 44 gewohnt. Zunächst lebten er und seine Frau, deren Vornamen wir nicht kennen, in einer Wohnung mit seiner Schwester Fanny und seinem Schwager Hermann Biberfeld zusammen. Nach deren Deportation und seiner Scheidung – vielleicht um seine nicht-jüdische Frau zu schützen, die in die Werningeroder Straße 21 umzog – nahm ihn der verwitwete Josef Arndt auf. Die letzten sieben Monate seines Lebens verbrachte er im Erdgeschoss des Vorderhauses in einem möblierten Zimmer. Am 7.4.1943, acht Wochen nachdem er deportiert worden war, wollten die Finanzbehörden den Wert seiner Hinterlassenschaft taxieren, notierten aber enttäuscht: „Keine Sachen vorgefunden. Schätzung erfolglos, Miete zahlt Hauptmieter.“
Der am 7. November 1885 in Schönlanke bei Schneidemühl (Pommern) geborene Sally Müller war, wie der im Nachbarhaus 45 wohnende Hauswart Klemke auf Befragen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wörtlich zu Protokoll gab, „ohne Möbeln eingezogen. Die Möbel im Zimmer des Juden Müller gehören der vor einem Jahr verstorbenen Hauptmieterin, Jüdin Arndt.“ Ein Gerichtsvollzieher namens Noack, Richardplatz 21, notierte: „Eine Schätzung ist bis heute nicht erfolgt“ und kassierte für die vergebliche Suche nach verwertbaren Gegenständen 2,50 Reichsmark Unkosten.
In seiner „Vermögenserklärung“, die er am 1.2.1943 mit schwungvoller Unterschrift ausfüllte, gab Sally Müller keinerlei Geldwerte und kein Eigentum an. Er schrieb lediglich auf, dass er Arbeiter bei der Firma Theodor Körner sei. Dort gab es noch einen Restlohn für Müller von 25,68 RM in der Kasse, den der Finanzbeamte Loth „als dem Reich verfallen verbucht“ registrierte. In der Liste aller Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten, ist ein Betrieb Mit dem Namen Körner nicht verzeichnet.
Die letzten Spuren von Sally Müller führen in das Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26, wo er am 2.2.1943 für die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz bestimmt wurde. Am nächsten Tag wurde er auf dem Bahnhof Grunewald mit 952 Menschen in den Zug gepfercht und nach allem, was wir wissen. bald nach seiner Ankunft vergast.
Sally Müllers Schwester Fanny, geboren am 17. Januar 1983 ebenfalls in Schönlanke, war mit Hermann Biberfeld, geboren am 13. Oktober 1878 in Wreschen östlich von Posen, verheiratet. Beide sind am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert worden. Zu Biberfelds sind keine Hinweise in den vorhandenen Akten mehr zu finden. Josef Arndt, der Sally Müller ein Zimmer zur Verfügung stellte, wurde bald danach ebenso wie seine Nachbarn deportiert und umgebracht.

Josef Arndt , geboren am 15. März 1897 in Schneidemühl/Piła (Pommern), ist zwei Tage nach seinem 46. Geburtstag ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Er bewohnte seit dem 1. April 1938 eine Zweizimmerwohnung mit Küche, Diele und Bad im Erdgeschoss des Hauses Sybelstraße 44. Die Miete betrug 90,45 RM, die er stets pünktlich an den Hausbesitzer Willi Schaffelhauer in die Augsburger Straße 18 überwies. Schaffelhauer erhielt von der Oberfinanzbehörde ein Jahr nach der Deportation Arndts mit einem Postbarscheck noch vier Monatsmieten nachträglich erstattet.
In seiner Vermögenserklärung, ausgefüllt am 1. Februar 1943, gab Arndt als Beruf „Arbeiter“ an, womit er vermutlich seine letzte Tätigkeit als Zwangsarbeiter meinte, ohne nähere Angaben zu machen. Er muss früher wohl einmal gut verdient oder etwas geerbt haben, denn in seinem Depot bei der Dresdner Bank hatte er drei Anleihen im Gesamtwert von 13 400 Reichsmark. Sein Barguthaben bezifferte er auf 100 RM. In der Inventarliste waren außerordentlich viele Möbel, Hausratsgegenstände und Kleidungsstücke aufgeführt, außerdem als „Wertgegenstände“ zwei Ölgemälde und eine Pastellzeichnung. Unter „Sonstiges“ trug Josef Arndt ein: „25 kg Kartoffeln“. Alles in allem wurde ein Verkaufswert von 990 RM errechnet.
Im Jahr 1942 war seine Frau gestorben. Daraufhin nahm er den kurz zuvor geschiedenen Hausmitbewohner Sally Müller auf, der die Wohnung seines Schwagers nach dessen Deportation verlassen musste.
Beim Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam ist in der Akte zu Josef eine Rechnung abgeheftet, in der sein Gesamtvermögen wurde auf 13 510 RM beziffert ist. Davon wurden 200 RM „Pflegegeld“ abgezogen und mit einem Betrag für „Heimeinkauf“ von 13 310 RM verrechnet. Unter dem Strich stand somit eine 0. Nach Darstellung der Jüdischen Gemeinde (Notiz vom 13.8.1951) hatte Josef Arndts Mutter Rosa bis zu ihrem Tod zeitweise in seiner Wohnung gelebt. Über ihr Schicksal sind keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden.
Arndt wurde am 17. März 1943 auf dem Bahnhof Grunewald zusammen mit 1164 Menschen in einen Zug gesteckt, der ihn zunächst ins Ghetto Theresienstadt nördlich von Prag brachte. Von dort kam er Ende September 1944 nach Auschwitz und dann in das Konzentrationslager Dachau bei München, wo er am 5. Februar 1945 erschossen worden ist.

Im vierten Stock des Vorderhauses der Sybelstraße 44 drängten sich in einer 3-Zimmer-Wohnung mit WC und „Mädchenkammer“ zeitweise sechs Menschen: Heimann Czollek und seine Frau Martha, geb. Słotowski , Czolleks Schwester Martha Tintner, außerdem Arthur Goerke und seine Frau (Vorname nicht bekannt) sowie Nelly Laske . Sie waren aus Not gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben – in ständiger Angst, abgeholt zu werden wie so viele Menschen, die in ihrer Nachbarschaft lebten.
Der Hausbesitzer Willi Schaffelhauer bekam eine Monatsmiete von 125 Reichsmark überwiesen, die Untermieter Goerke zahlten an Czollek 45 RM und Nelly Laske 35 RM. So hatten sie selbst für ein Zimmer 45 RM zu bezahlen.
Heimann Czollek, geboren am 1. Dezember 1881 in Pakosch bei Posen, war zuletzt Zwangsarbeiter in der Waffen- und Munitionsfabrik Gustav Genschow AG in der Bouchéstraße in Treptow. Er lebte vorher in bescheidenen Verhältnissen. Barvermögen hatte er nicht, nur zwei Schatzanweisungen im Wert von 1 000 Reichsmark, die er für seinen Lebensabend zurückgelegt hatte, bei der Commerzbank. Die nach der Deportation aus der Wohnung abtransportierten Möbel und der Hausrat, darunter immerhin ein Kronleuchter, erbrachten 921 RM, die der Hitler-Staat von den Händlern kassierte.
Marta Czollek, geb. Słotowski, wurde am 10. November 1891 in Lyck (Ostpreußen) geboren. Zusamen mit ihrem Mann Heimann wurde sie am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Martha Tintner, geb. Czollek, wurde am 12. Dezember 1875 in Pakosch (Posen) geboren. Sie ist schon am 17.7.42 nach Theresienstadt und von dort nach Minsk deportiert worden. Von den drei anderen Untermietern ist nur dokumentiert, dass Arthur Goerke, geboren am 18. März 1885 in Kattowitz, am 8. Mai 1943 Selbstmord beging. Von seiner Frau wissen wir nichts.
In den Deportationslisten finden sich weitere Mitglieder der Familien Czollek und Słotowski, die in Berlin lebten. Beide Familien sind von den nationalsozialistischen Massenmördern fast vollkommen ausgelöscht wurden. Kurt Słotowski, geboren am 30. Oktober 1897 in Lyck, der wahrscheinlich Marta Czolleks Bruder war, und dessen Frau Ida, geboren am 23. Dezember 1986 in Neu-Jucha (Ostpreußen), hatten in der Dahlmannstraße 13 gewohnt hatten, bevor sie beide am 14.12.1942 nach Riga deportiert wurden. Außerdem sind Paul Słotowski, geboren am 8. März 1879 in Jucha (Ostpreußen), und Gertrud Słotowski, geb. Frei, geboren am 30. Oktober 1986 in Neustadt (Schlesien), aus der Lietzenburger Straße 41/42 am 24.10.1942 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein Nachkomme namens Kurt Słotowski Akteneinsicht beantragt, aber seine Spur verliert sich im Gewirr von unleserlichen Karteikarten und widersprüchlichen Aktennotizen.
Amalie Czollek, geboren am 6. April 1892 in Pakosch, die in der Spichernstr. 11-12 wohnte, wurde am 19.2.1943 nach Auschwitz deportiert. Julian Czollek, geboren am 14. November 1888 in Pakosch, wohnte in der Wallnertheaterstr. 14 im Bezirk Mitte, er wurde am 3.3.43 nach Auschwitz deportiert, wo er am 28. März 1943 getötet wurde. Seine bei ihm wohnende Schwiegertochter Edith, geb. Silberstein, geboren am 27. Mai 1902 in Berlin, war am Tag zuvor mit dem Zug vom Bahnhof Grunewald ins Vernichtungslager Auschwitz gefahren worden. Ein weiterer Czollek-Bruder, Isidor, geboren am 27.November 1889 in Pakosch, wohnte in der Prinzregentenstraße 95. Er ist am 4.11.1942 nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert worden.

Käthe Rosenthal , die am 30. Juni 1895 in Köslin geboren wurde, wohnte zumindest bis 1939 in der Sybelstraße 44. Weil sie aber nach einem Berufsverbot völlig verarmt war und sich die Miete nicht mehr leisten konnte, musste sie in die Dahlmannstraße 5 umziehen, wo sie als Untermieterin von Sally Landsberg im 1. Stock des rechten Seitenflügels nach eigenen Angaben „1/2 möbl. Zimmer“ bewohnte.
Dieses Zimmer sei am 9.7.1943 „erfolglos geräumt“ worden, wie der Obergerichtsvollzieher Becker, Kantstraße 31, notierte. „Rosenthal hat möbliert gewohnt und eigene Sachen nicht besessen“, heißt es zur Begründung. Das hinderte aber den Herrn Obergerichtsvollzieher nicht, eine Kostenrechnung einzureichen für „Gebühr, Fahrtkosten, Schreibgebühren“ in Höhe von 2,50 Reichsmark (RM). Außerdem ließ sich die Berlin-Brandenburger Oberfinanzbehörde nicht entgehen, am 11.6.1943 eine „Vermögensbeschlagnahmesache“ einzuleiten, bei der 53,61 RM kassiert wurden. Dies war der restliche Arbeitslohn, der an die mittlerweile deportierte Käthe Rosenthal nicht mehr ausbezahlt wurde.
Offenbar hatte Käthe Rosenthal einen Doktortitel, in den wenigen noch erhaltenen Aktenblättern steht einmal „Dr.“. Welchen Beruf sie früher ausübte, ist nicht herauszufinden. Sie durfte ihn jedenfalls nicht mehr ausüben und war ab 1939 Zwangsarbeiterin im Glimmerwarenwerk Scherb&Schwer KG in der Wiener Straße 43 in Kreuzberg, wo sie einen Wochenlohn von 18 Reichsmark bekam. Scherb&Schwer produzierte auch am Kottbuser Ufer 8 (heute Paul-Lincke-Ufer) und in der Lehderstraße 35/35 in Weißensee. In allen drei Betriebsteilen dieses „Glimmerwarenwerks“ waren jüdische Zwangsarbeiterinnen beschäftigt. Welche elektrotechnischen Produkte dort hergestellt wurden und inwiefern sie für die Rüstung von Belang waren, ist unbekannt.
Käthe Rosenthal hatte einen namentlich nicht bekannten Bruder, der in die USA flüchten konnte. Sie wurde am 17. Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

Dr. Gustav Posner , seine Frau Margarete und seine Schwester Elsa wohnten seit 1934 in der Sybelstraße 44, wo sie in der 2. Etage des Vorderhauses eine geräumige Wohnung gemietet hatten.
Alle drei entzogen sich der Deportation durch Selbstmord, nachdem drei Mitbewohner des Hauses und andere Nachbarn schon abgeholt und sie selbst darauf vorbereitet worden waren. Als Elsa Posner am 25. August 1942 das Formular der allen Juden abverlangten „Vermögenserklärung“ vorgelegt wurde, wusste sie, was ihr bevorstand. Auf die Frage „Welche Familienangehörigen wandern mit aus?“ trug sie in feiner Schrift mit Füllfederhalter ein: „Alle drei.“ Sie muss es gewusst haben: Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder setzte seinem Leben drei Tage danach ein Ende, sie selbst im Alter von 58 Jahren zwei Tage später und ihre sieben Jahre jüngere Schwägerin folgte noch einen Tag darauf.
Am 5. September 1942 verfügte die geheime Staatspolizei (Gestapo), das Vermögen der Posners einzuziehen. Der bearbeitende Beamte Dr. Venter vermerkte: „Die Schlüssel befinden sich auf dem 128. Polizeirevier.“ Erst am 9. März 1943 wurde die Wohnung ausgeräumt. In den vorliegenden Schriftstücken werden die Selbstmorde nicht erwähnt. In einem Fall formulierte die Dresdener Bank, wo Alfred Posner sein Konto und seine Wertpapiere hatte: „Posner ist angeblich am 28. August 1942 verstorben.“
Der Hausbesitzer Willi Schaffelhauer, der sein Büro für Grundstücke, Hypotheken und Hausverwaltungen in der Augsburger Straße 18 hatte, bemühte sich eifrig um Mietnachzahlungen, die er nach den Deportationen aus seinem Haus beanspruchte. Nach seiner Rechnung standen ihm 697,30 RM zu, die er nun vom Staat einzutreiben versuchte. „Ich bitte höflich um baldgefällige Ueberweisung des Betrages. Heil Hitler. gez. Unterschrift“, schrieb Schaffelhauer unterwürfig an die Oberfinanzbehörde. Später, am 22. Februar 1944, als er sein Geld immer noch nicht hatte, klagte er: „Durch Feindeinwirkung ist mein Büro total zerstört. Ich besitze keinerlei Unterlagen mehr.“
Tatsächlich gab es von den Posners allerlei zu holen. Offenbar waren sie recht begütert, wie sich den von ihnen selbst angefertigten Vermögensaufstellungen entnehmen lässt. Auf einen gewissen Wohlstand weisen auch das Mobiliar und Gegenstände hin, die in den Inventarlisten seitenlang aufgeführt sind. Gustav Posner besaß demnach unter anderem „1 Ruhebett, 9 Stühle, 2 Brücken, 13 Kissen“, bei Elsa Posner wurden „ein Ankleideschrank aus Nussbaum mit Außenspiegel, eine Waschtoilette mit Marmorplatte“ registriert sowie „ca. 150 Bücher ohne Bedeutung“. Für die gesamte Einrichtung wurde ein Wert von 1370 RM ermittelt. Ein angehefteter Zettel enthält die „Gebührenberechnung für die Schätzung der Judenhabe“ in Höhe von 30,65 RM. Am 3. März 1943 wurde die Wohnung von der Möbelfirma Haberer, Alexanderstraße 19, leergeräumt.
Aus Dokumenten der Dresdner Bank geht hervor, dass Gustav Posner zwei Anleihen der Wladikawkas Eisenbahn im Wert von 3500 RM und eine Anleihe der Eisenbahn Moskau-Kiew-Woronesh über 2000 RM im Depot hatte. Seine Schwester Elsa, die ledig war und als Beruf „Haushaltshilfe bei Jenny Gerson-Gidsun, Kulmbacher Straße 5“ angab, hatte bei der Deutschen Bank Wertpapiere über 2400 Reichsmark, 10 000 ungarische Forint und 100 britische Pfund verwahrt. Diese als Altersvorsorge gedachten Geldmittel wurden, wie die NS-Finanzbehörden damals formulierten, „zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen“, also geraubt. Eine Familie namens Gerson-Gidsun ist weder unter dieser Adresse noch in den Registern der Volkszählung von 1939 in Berlin zu finden.
Ein Zimmer war an Martin Rosenbaum teilmöbliert für 70 RM im Monat untervermietet. In den Unterlagen, die beim Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam einzusehen sind, findet sich ein Brief Rosenbaums an den Oberfinanzpräsidenten vom 7. Dezember 1942. Nach den Selbstmorden seiner Vermieter wollte er „folgende Gegenstände erwerben: 1 Teppich, 1 Tisch, 2 Stühle, 2 Sessel“ sowie aus der Küche „1 Tisch und 2 weiße Stühle“. Höflich bat Rosenbaum, ihm den Preis mitzuteilen. Als Antwort erhielt er die kühle Verfügung: „Der Verkauf von Mobiliar von Nichtariern an einen Nichtarier ist unzulässig. Ich kann Ihrem Antrag daher nicht entsprechen.“
Über Martin Rosenbaum gibt es einen Vermerk der Gestapo vom 3.2.1943, er sei „inzwischen ebenfalls ausgebürgert“. Dieses Datum legt nahe, dass es sich um Martin Rosenbaum, geboren am 14. Oktober 1882 in Schönlanke (Kuznica Czarnikowska), handelt, der nach einer Haft in Sachsenhausen am 29. Januar 1942 nach Auschwitz deportiert wurde.

Recherche und Text: Helmut Lölhöffel