Stolpersteine Mommsenstraße 67

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Hauseingang Mommsenstr. 67, 20.4.13
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Der Stolperstein für Dr. Alfred Waller wurde am 24.9.2008 verlegt.

Die anderen Stolpersteine wurden am 21.4.2016 verlegt.

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Stolperstein für Dr. Alfred Waller
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
DR. ALFRED WALLER
JG. 1881
DEPORTIERT 22.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1944 IN
AUSCHWITZ

Alfred Waller wurde am 13. September 1881 in Köln geboren. Über Eltern und weitere Familienmitglieder sowie Details aus seiner Kindheit ist nichts bekannt. Im Kölner Gedenkbuch sind acht jüdische Opfer mit dem Nachnamen Waller verzeichnet, ein familiärer Zusammenhang konnte aber nicht hergestellt werden.

Alfred Waller studierte Jura und arbeitete in Berlin als Bankjurist, Rechtsanwalt und Notar. Nach dem ersten Weltkrieg war er auch einige Jahre Direktor einer Dresdner Bank Filiale in Danzig. Nachdem er diesen Posten aufgegeben hatte, bearbeitete er als Anwalt in erster Linie große Wirtschaftssachen, unter anderem war er Treuhänder der Firma Himmelsbach in Freiburg und der Frankfurter Versicherungsgesellschaft (Favag). In Berlin-Tiergarten hatte er in der Klopstockstraße 2 Wohnung und Kanzlei. Weitere Kanzleiadressen waren Linkstraße 15, Am Karlsbad 29 und Landgrafenstraße 12.

Ab 1938 bewohnte er in der Mommsenstraße 67 eine der großen Wohnungen. Er war Junggeselle geblieben und konnte sich auf Grund seines Einkommens in seinen vergangenen Stellungen einen aufwändigen Lebensstil leisten. Die Witwe seines Sozius Dr. Schade, deren Tochter, sowie seine Haushälterin Emma Putzing beschrieben seinen Haushalt als luxuriös und kostspielig eingerichtet. Sein Vermögen umfasste beträchtliche Bankguthaben, Wertpapiere, Gold, Silber, Schmuck und Münzen. Allein das Verzeichnis seiner Goldmünzen im Depot von Hardy & Co umfasste 21 hochwertige Stücke. Sein Vermögen wurde 1938 auf 100 000 RM geschätzt, dürfte aber nach Angaben seines Onkels Dr. Karl Jordan noch größer gewesen sein.

Alfred Waller hatte eine intensive Beziehung zu der geschiedenen Anna von Lepel, geb. Reimann, geb. am 17.Februar 1900. Sie lebte damals in Schöneberg in der Keithstr. 22. Er versprach im Dezember1935 der jungen Frau

schenkweise zu ihrer beruflichen Ausbildung und zum Zwecke des angemessenen Lebensunterhaltes ab 1. Januar 1936 fünf Jahre lang jährlich dreitausend Reichsmark und sodann während weiterer fünf Jahre jährlich zweitausend Reichsmark jeweils bis zum Jahresende zu zahlen.

Dieses Schenkungsversprechen wurde notariell beurkundet. Außerdem setzte er in seinem Testament Anna von Lepel, am 17. Februar 1900 geboren, als Alleinerbin ein, seine Verwandten schloss er von der Erbschaft ausdrücklich aus.

Anna von Lepel emigrierte im Sommer 1936 nach England und wurde dort nach Kriegsausbruch interniert. Sie erhielt später jedoch die britische Staatsbürgerschaft. Alfred Waller versuchte ihr 1939 nach England zu folgen. Eine Ausreise war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr möglich.

Anna von Lepel ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schweiz nieder, heiratete wieder und stellte von dort aus, vertreten durch Alfred Onkel Dr. Karl Jordan, Wiedergutmachungs- und Entschädigungsanträge. Anna Maria Stern reichte 1957 aus St. Gallen (Schweiz) einen Antrag auf Entschädigung für Bankguthaben, Wertpapiere, Gold, Silber, Schmuck und Wohnungseinrichtung ein.
Alfred Waller wurde 1937 Mitglied der Evangelischen Kirche, offenbar hoffte er dadurch den Repressalien der Nazis entkommen zu können. Er wurde in der Terminologie der Machthaber daher als Geltungsjude bezeichnet.

Im Winter 1941/42 musste Alfred Waller seine Wohnung in der Mommsenstraße 67 verlassen. Dem neuen Mieter, einem SS-Führer, musste er zwangsläufig eine Reihe wertvoller Einbauten wie Badeinrichtungen, Teppichböden usw. hinterlassen. Er zerbrach aber noch eigenhändig wertvolle Leuchter aus altem Familienbesitz, bevor sie den Nazis in die Hände fielen.
Seine letzte Bleibe in Berlin war ein Zimmer in der Bleibtreustraße 10 bei Goldmann. Die wenigen Dinge, die ihm nach Einziehung seines Vermögens zu diesem Zeitpunkt verblieben waren und die er dorthin mitnehmen durfte, wurden nach seiner Deportation auf 815 Reichsmark geschätzt.

Alfred Waller wurde am 22. Juli 1942 zusammen mit weiteren 109 jüdischen Menschen über das Sammellager Große Hamburger Straße 26 nach Theresienstadt verschleppt. In Theresienstadt bediente man sich seiner Bankkenntnisse und setzte ihn als Mitarbeiter der „Bank der Jüdischen Selbstverwaltung“ ein. Dokumente belegen die akribische Buchführung dieser sogenannten „Selbstverwaltung“. Aber auch diese zwei Jahre währende Tätigkeit bewahrte Alfred Waller nicht vor dem Todesurteil. Am 23.Oktober 1944 wurde er mit fünf weiteren „Mitarbeitern der Bank der Jüdischen Selbstverwaltung“ in einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Recherche und Text: Karin Sievert
Quellen: www.bundesarchiv.de/gedenkbuch, Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz, Brandenburgisches Landeshauptarchiv www.blha.de, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde, Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Bildvergrößerung: Stolperstein Henriette Auerbach
Stolperstein Henriette Auerbach
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HENRIETTE
AUERBACH
GEB. WULFF
JG: 1874
DEPORTIERT 23.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Henriette Auerbach, geb. Wulff, wurde am 24. November 1874 als jüngstes von drei Kindern des Ehepaares David und Sara Wulff geboren. Der älteste Bruder Wilhelm, geboren am 10. März 1868 und der zweite Bruder Julius, geboren am 7. Februar 1874, verbrachten wie Henriette auch ihr gesamtes Leben in Berlin, bis sie alle drei ihr Leben in der Shoah lassen mussten.

Henriette heiratete am 27. April 1897 den Arzt und Geburtshelfer Sanitätsrat Dr. Norbert Auerbach, geboren am 25. Februar 1866 in Straßburg. Am Tag der Hochzeit war Henriettes Vater David Wulff bereits gestorben. Am 30. Dezember 1899 wurde Henriettes und Norberts Sohn Erich in Berlin geboren. Die Familie wohnte in Mitte in der Alexanderstraße 14a. Dr. Norbert Auerbach betrieb unter derselben Adresse seine Arztpraxis.

Erich Auerbach trat in die Fußstapfen seines Vaters, er studierte Medizin in Freiburg und Berlin und bestand 1925 die ärztliche Prüfung mit „sehr gut“. 1926 wurde ihm die Approbation als Arzt erteilt.
Dr. Norbert Auerbach war bereits am 18. Mai 1923 gestorben. Er wurde am 23. Mai 1923 auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee (Feld S, Abt. IV, Reihe 18, Grab Nr. 64348) beigesetzt.

Nach seiner Zulassung als Arzt übernahm Erich Auerbach die Praxis seines Vaters und wohnte mit seiner Mutter Henriette weiterhin unter derselben Adresse. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begriff Erich Auerbach schnell, dass er in Deutschland keine Zukunft haben würde. Er verließ Berlin am 8. Mai 1933 mit der Bahn Richtung Paris. Seine Praxiseinrichtung hatte er zuvor in einem Speicher untergestellt. 2½ Jahre später entschloss er sich nach Palästina auszuwandern. Von Paris fuhr er in die Schweiz. Henriette Auerbach reiste dorthin, um sich von ihrem Sohn zu verabschieden. Anfang Oktober 1935 schiffte sich Erich Auerbach in Triest mit dem Dampfer „Galilea“ nach Palästina ein.

Mit dem Abschied von ihrem Sohn begann für Henriette die sorgenvollste Zeit. Die Wohnung und Praxisräume in der Alexanderstraße 14a waren 1933 aufgegeben worden. Zu diesem Zeitpunkt muss Henriette in die Mommsenstraße 67 eingezogen sein. Ob sie dort zur Untermiete wohnte, konnte nicht endgültig geklärt werden.

Henriette Auerbach war bis dahin finanziell gut abgesichert. Sie hatte unterschiedliche Anteile an den Häusern ihrer Brüder. Julius Wulff besaß das große Mietshaus in der Schöneberger Steinmetzstraße 50. Wilhelm Wulff war Eigentümer des Hauses Teplitzer Straße 36 am Roseneck. Weiter gehörte zum Wulff‘schen Erbe das Mietwohngrundstück Dennewitzstraße 31. Laut Testament der verstorbenen Mutter Sara Wulff erhielt Henriette zusätzlich 1500 RM Jahresrente. Sie besaß außerdem einige Wertpapiere und hatte kleine Barguthaben bei verschiedenen Banken.

Am 1. August 1941 musste Henriette Auerbach die Mommsenstr. 67 verlassen. Sie zog zu ihrem Bruder Julius in dessen Sechs-Zimmerwohnung in Schöneberg in der Steinmetzstraße 50. Das Mietshaus war laut Berliner Adressbuch von 1937 im Besitz der Wulff‘schen Erben. 1938 gehörte es bereits einem nichtjüdischen Besitzer, und in Julius Wulffs Wohnung wurden weitere jüdische Untermieter untergebracht. Es waren das Ehepaar Michaelis, Klara Asch und Rosa Rotholz. Den neuen Besitzern konnte es nicht schnell genug gehen, die jüdischen Bewohner aus dem Haus zu haben. Sie wollten die große Wohnung selbst nutzen und drängten auf Räumung: „…ist es…allein schon für die übrigen Mieter im Hause recht anstößig, weiterhin mit Juden und immer wieder mit neu dazukommenden in einem Hause zu wohnen.“

Henriette Auerbach und ihr Bruder Julius Wulff wurden zusammen am 23. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Zynischerweise war ihnen ihre Deportation durch eine Zustellungsurkunde im Auftrage der Gestapo im „Hause Große Hamburger Str. 26“ am 22. Juli angekündigt worden. Henriette und Julius hatten noch zwei Monate zu leben, bevor sie beide am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka transportiert wurden, wo sie sofort ermordet wurden.

Ihr gemeinsamer Bruder Wilhelm und seine Ehefrau Anna geb. Lachmann wurden am 25. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Wilhelm Wulff starb am 1. Januar 1943 an „Altersschwäche“ und „Herzmuskelentartung“, wie es in der Todesfallanzeige hieß. Anna Wulff lebte nur drei Wochen länger. Sie starb am 21. Januar 1943. Als Todesursache wurde Herzfehler angegeben. Die wahren Todesursachen in dem überfüllten Ghetto dürften Hunger, Entbehrungen und katastrophale hygienische Verhältnisse gewesen sein.

Henriettes Sohn Erich war in Jerusalem als Arzt tätig. Er hatte 1949 geheiratet und wanderte mit seiner Frau im Juli 1950 in die USA aus. Er lebte und arbeitete in New York.

Recherche und Text: Karin Sievert
Quellen: www.bundesarchiv.de/gedenkbuch, Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz, Brandenburgisches Landeshauptarchiv www.blha.de, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde, – Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Landesarchiv Berlin WGA www.landesarchiv-berlin.de

Bildvergrößerung: Stolperstein Salo Altmann
Stolperstein Salo Altmann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
SALO ALTMANN
JG. 1877
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 19.10.1944

Salo Altmann wurde am 22. April 1877 in Schildberg (Ostrzeszow, Posen) geboren. Seine Eltern waren Moritz und Bertha Altmann, geb. Gorski. Salo hatte zwei Schwestern, Paula geboren am 22. Januar 1874 und Dora, geboren am 23. April 1885. Vieles deutet darauf hin, dass der am 2. Januar 1881 in Schildberg geborene Bernhard Altmann ein weiterer Bruder war.

Salo Altmann lernte in Thorn Hulda Johanna Levin kennen und heiratete sie. Das Ehepaar Altmann bekam zwei Kinder. Über Geschlecht, Alter und Schicksal dieser beiden Kinder ist nichts bekannt. Die Existenz ergibt sich nur aus der Bemerkung Salo Altmanns in seiner vor der Deportation zwangsweise ausgefüllten Vermögenserklärung zu der Frage „Welche Familienangehörigen sind schon ausgewandert? Wohin?“ „2 Kinder abgewandert“. Johanna Altmann ergänzte diese Angabe: „1 Tochter Schönhauser Allee“.Weitere Angaben zu diesen Kindern lassen sich nicht finden.

Salo Altmann war Kaufmann, er lebte mit seiner Familie zunächst in der Wielandstraße 40 und zog später in die Mommsenstraße 67 in eine 3-Zimmerwohnung im Gartenhaus, 1. Treppe. Salo und Johanna Altmann wohnten bis zu ihrer Deportation in ihren eigenen Räumen, eine umfangreiche Inventarliste in der Vermögenserklärung zeugte von einem intakten Haushalt.

Salo Altmann muss seinen ursprünglichen Beruf als Kaufmann zwangsweise aufgegeben haben. Seine letzte Beschäftigung war Packer in der Kunstblumenhandlung Mäder& Co, Leipziger Straße 78.

Salo wurde gemeinsam mit seiner Frau Johanna Hulda am 17. März 1943 mit dem 4. und letzten sogenannten großen Alterstransport zusammen mit 1118 weiteren Berliner Juden in das Theresienstädter Ghetto deportiert. In der Deportationsliste ist sein Name mit dem Vermerk „Verw. Abz.“ (Verwundetenabzeichen) versehen. Salo Altmann hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft. Hatte er vielleicht gehofft, dass diese „Auszeichnung“ ihm das Leben retten könnte?

Salo lebte im Ghetto Theresienstadt unter elenden Umständen noch 19 Monate, bevor er am 19. Oktober 1944 ums Leben gebracht wurde.

Seine Schwestern Dora und Paula bewohnten in der Leibnizstraße 35 eine gemeinsame Wohnung. Im Berliner Adressbuch waren sie als „Privatiere“ eingetragen. Paula und Bernhard Altmann wurden am 28. März 1942 zusammen aus der Niebuhrstraße 77 abgeholt und in den Tod im Ghetto Piaski geschickt.
Dora Altmann hat die Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt, wohin sie am 23. April 1943 deportiert wurde, überlebt. Sie wanderte nach Schweden aus und lebte in Orebro. Nach ihrer Heirat hieß sie Dora Himmelstrand.

Recherche und Text: Karin Sievert

Quellen:
- www.bundesarchiv.de/gedenkbuch,
- Theresienstädter Gedenkbuch,
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv,
- Berliner Adressbücher, Zentral- und Landesbibliothek Berlin,
- Landesarchiv Berlin WGA,
- Deportationslisten

Bildvergrößerung: Stolperstein Johanna Hulda Altmann
Stolperstein Johanna Hulda Altmann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
JOHANNA HULDA
ALTMANN
GEB. LEVIN
JG. 1881
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Johanna Hulda Altmann, geb. Levin wurde am 26. September 1881 in Thorn (Torun) in Westpreußen geboren. Sie heiratete den Kaufmann Salo Altmann und lebte mit ihm und den beiden Kindern in der Wielandstraße 40. Über das Schicksal der Kinder ist nichts bekannt außer einer Eintragung in Salo Altmanns Vermögenserklärung: „2 Kinder abgewandert“ und Johannas Ergänzung: „1 Tochter Schönhauser Allee“.

In der Mommsenstraße 67 wohnten die Altmanns im Gartenhaus in einer 3-Zimmerwohnung im ersten Stock. Die Kinder lebten zu dieser Zeit wohl nicht mehr bei den Eltern. In der Vermögenserklärung, die Johanna Altmann vor ihrer Deportation abgeben musste, führte sie akribisch das Inventar für Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer auf. Ein Schlafzimmer für weitere Personen war nicht vorhanden.

Über eine Berufsausbildung von Johanna ist nichts bekannt.
Nachdem ihr Mann gezwungen war, als Packer einen geringen Lebensunterhalt zu verdienen, versuchte Johanna das monatliche Einkommen ein wenig zu verbessern. Für einen Hungerlohn von 17 Reichsmark arbeitete sie bei dem Altpapierhändler Hans Lemke in der Kaiserin-Augusta-Allee 8 in Charlottenburg.

Johanna Hulda Altmann und ihr Mann Salo wurden gemeinsam mit dem 4. und letzten sogenannten „Alterstransport“, wie ihn die NS- Behörden bezeichneten, am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert. Nachdem Salo am 19. Oktober 1943 im Ghetto umgekommen war, brachte man Johanna vier Tage danach, am 23. Oktober, nach Auschwitz-Birkenau, wo sie sofort ermordet wurde.

Recherche und Text: Karin Sievert.

Quellen:
- www.bundesarchiv.de/gedenkbuch,
- Theresienstädter Gedenkbuch,
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv,
- Berliner Adressbücher, Zentral- und Landesbibliothek Berlin,
- Deportationslisten

Bildvergrößerung: Stolperstein Margarete Ollendorff
Stolperstein Margarete Ollendorff
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARGARETE
OLLENDORFF
JG. 1897
DEPORTIERT 3.2.1943
ERMORDET IN
IN AUSCHWITZ

Margarete Ollendorff wurde am 26. Februar 1879 in Kattowitz (Katowice) geboren. Se arbeitete in Berlin als Sprechstundenhilfe.

Ihre Adressen in Berlin waren Badensche Straße 19; ab 31. August 1938 Pariser Straße 38; ab 2. Januar 1939 Mommsenstraße 67. Da ihr Name in den Berliner Adressbüchern unter keiner dieser Anschriften auftaucht, ist anzunehmen, dass Margarete Ollendorff alleinstehend war und zur Untermiete lebte.

Margarete Ollendorff wurde am 3. Februar 1943 aus der Wohnung Münchener Straße 37, vorn 3. Stock, abgeholt und nach Auschwitz deportiert. Das Haus gehörte 1943 der Jüdischen Gemeinde. Viele Juden wurden vor ihrer Deportation in den Häusern der Jüdischen Gemeinde zusammengepfercht, nachdem man sie ihrer frei gewählten Wohnungen beraubt hatte.

Gemeinsam mit Margarete Ollendorff wurden weitere 951 jüdische Menschen mit dem sogenannten „28.Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz verbracht, wo sie sofort ermordet wurden.

Auf dem Stolperstein zu Margarete Ollendorffs Gedenken wurde ihr Name versehentlich falsch graviert.

Recherche und Text: Karin Sievert

Quellen:
- www.bundesarchiv.de/gedenkbuch,
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv,
- Deportationslisten

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Stolperstein Paul Pinkus
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
PAUL PINKUS
JG. 1890
VERHAFTET 14.7.1939
DACHAU
1939 BUCHENWALD
ERMORDET 27.1.1940

Paul Pinkus wurde am 2. Dezember 1890 als Sohn des Kaufmanns Max (Maximilian) Pinkus und seiner Ehefrau Rosa, geb. Süskind in Mrotschen, (Mrocza) in der Region Posen (Poznan) geboren.

Im Reichsadressbuch der deutschen Industrie von 1902/1903 war Max Pinkus als Kolonialwarenhändler eingetragen. Die Berufsbezeichnung seines Sohnes Paul wurde in späteren Dokumenten mit „Kaufmann“ angegeben. Im Berliner Gedenkbuch wie auch im Berliner Adressbuch finden sich mehrere Personen namens Pinkus, die in Mrotschen geboren wurden, später in Berlin lebten und in der Shoa ums Leben kamen. Eine familiäre Beziehung zwischen diesen Personen und Paul Pinkus kann aber letztlich nicht nachgewiesen werden.

Paul Pinkus war nicht verheiratet, von seinem privaten Leben ist nichts Näheres bekannt.
Am 12. Juli 1939 wurde Paul Pinkus in das Landgerichtsgefängnis Hof eingeliefert, dort einen Tag später zum Abtransport nach Dachau entlassen und am 14. Juli in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Er wurde dort 2 ½ Monate gefangen gehalten und am 26. September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. In den Unterlagen ist vermerkt: „Schutzhaft angeordnet am 28. Juli 1939 durch die Gestapo Kaltenkirchen“. Grund für die Inhaftierung war „illegaler Grenzübertritt“. Da er in Schleswig- Holstein in die Hände der Gestapo geriet, darf vermutet werden, dass er versucht hatte, über die dänische Grenze zu fliehen.
Er war im KZ Buchenwald unter der NS Haftkategorie: „Schutzhaft, Politisch, Jude“ in Block 22 interniert.

Schutzhaft wurde von den Nationalsozialisten 1933 als Willkürinstrument eingeführt, um Juden, Kommunisten und Führer der Arbeiterbewegung ohne gerichtlichen Schutz internieren zu können. Die Vollstreckung der Schutzhaft fand nur in Konzentrationslagern statt. Zuerst wurden die Gefangenen in einem Gefängnis untergebracht, man hielt sie dort für wenige Stunden oder mehrere Tage fest, und von dort wurden sie in unterschiedliche Konzentrationslager wie Dachau, Buchenwald und Ravensbrück deportiert.

Paul Pinkus lebte im KZ Buchenwald nur vier Monate. Er wurde am 27. Januar 1940 ums Leben gebracht. Als Todesursache wurde „akute Herzschwäche“ angegeben.

Recherche und Text: Karin Sievert

Quellen:
- www.bundesarchiv.de/gedenkbuch,
- Berliner Adressbücher, Zentral- und Landesbibliothek Berlin,
- www.its-arolsen,
- KZ-Gedenkstätte Dachau Archiv,
- KZ-Gedenkstätte Buchenwald Archiv,
- Reichsadressbuch der deutschen Industrie 1902/1903,
- Staatsarchiv von Bromberg, E-Mail: dz.info@archiwum.bydgoszcz.pl