Stolpersteine Goethepark 13 / Kaiser-Friedrich-Straße 67

Hauseingang Goethepark 13 / Kaiser-Friedrich-Str. 67

Hauseingang Goethepark 13 / Kaiser-Friedrich-Str. 67

Diese Stolpersteine wurden am 11.12.2006 verlegt.

Stolperstein Isidor Goldstein

Stolperstein Isidor Goldstein

HIER WOHNTE
ISIDOR GOLDSTEIN
JG. 1887
DEPORTIERT 1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 27.4.1943

Stolperstein Alice Goldstein

Stolperstein Alice Goldstein

HIER WOHNTE
ALICE GOLDSTEIN
GEB. LEHMANN
JG. 1890
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Isidor Goldstein wurde am 3. Februar 1887 in Zittau, Sachsen, geboren. Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg, kam er vielleicht erst nach Kriegsende nach Berlin. Hier heiratete er 1920 Alice Paula Lehmann, am 21. August 1900 in Berlin geboren. Das junge Paar bezog eine Wohnung im Goethepark Nr. 14. Am 7. Juni 1921 bekamen sie einen Sohn, Hans Alfred. Isidor Goldstein hatte eine kaufmännische Ausbildung. In Berlin wurde er ab 1921 als Mitinhaber der Trikotagen-Handlung von Harry Goldstein angegeben, vielleicht ein Bruder oder Cousin. Gleichzeitig war er zunächst Vertreter der Wäschefabrik Julius Wiener in der Klosterstrasse 16, später Geschäftsführer des Kinos Luisentheater, das seinem Schwager Georg Galewsky gehörte. Schließlich wurde er Geschäftsführer des jüdischen Brüdervereinshauses in der Kurfürstenstraße 115/116.

Der “Brüderverein zur gegenseitigen Unterstützung”, 1815 zum Zweck solidarischer Hilfe gegründet, entwickelte sich zum zentralen gesellschaftlichen Verein der Berliner Juden, der 1912 ca. 1500 Mitglieder hatte. 1908-10 wurde das eigene Brüdervereinshaus in der Kurfürstenstrasse errichtet, das ein Zentrum kultureller und geselliger Tätigkeit wurde. 1938 wurde der Verein verboten und sein Vermögen beschlagnahmt, mit ihm auch das Vereinshaus. Die Gestapo richtete dort eine “Auswanderungsstelle” ein, 1939 wurde das Haus ausgerechnet Sitz von Adolf Eichmanns “Judenreferat” IVD4, das für den – natürlich inzwischen entlassenen Geschäftsführer – von tödlicher Bedeutung sein sollte, wurden doch von dort ab 1941 (nun Referat IVB4) die “Deportationstransporte” der Juden zentral organisiert.

Etwa 1932 waren Goldsteins von der Wohnung Goethepark 14 in die Nr. 13 umgezogen. Ab 20. Juli 1942 sahen sie sich dann gezwungen, in die Kantstrasse 89 zu ziehen, in eine zwar große Wohnung – 5 1/2 Zimmer -, die sie aber mit drei weiteren Untermietern teilen mussten. Isidor Goldstein, 1939 zunächst arbeitslos, musste zwangsweise als Bauarbeiter bei den Berliner Baustein-Werken, Stralauer Strasse 3-6, für einen Stundenlohn von 0,91 RM arbeiten. Sehr wahrscheinlich war auch Alice Goldstein zwangsverpflichtet, wo ist nicht dokumentiert. Sohn Hans Alfred war im Mai 1939, kurz vor seinem 18. Geburtstag, nach London emigriert, ein gutes Jahr später ging er nach Australien.

Bereits am 15. November 1942 füllten Isidor und Alice Goldstein die von ihnen verlangte “Vermögenserklärung” aus. Ein kleines Sparguthaben (181.50 RM) nannten sie ihr eigen und spärliche Einrichtungsgegenstände. Ein Notenständer und ein Klavierhocker – aber kein Klavier – lassen auf frühere musische Betätigung schließen, “Schuhmacherwerkzeug” darauf, dass Isidor Goldstein vielleicht versuchte, ein bisschen dazuzuverdienen.

Dreieinhalb Monate später, während der sogenannte “Fabrikaktion” Ende Februar 1943 oder kurz danach, wurden Alice und Isidor Goldstein festgenommen, in das zur Sammelstelle umfunktionierte jüdische Altenheim in der Großen Hamburger Strasse 26 gebracht und am 6. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Isidor überlebte den Transport nur kurz, er kam am 27. April 1943 zu Tode, Alices Todesdatum ist nicht bekannt.

In seiner Vermögenserklärung hatte Isidor Golstein noch verzeichnet, seine Untermieter, das Ehepaar Ralf und Barbara Schmolensky sowie Barbaras Schwester Margot Schwarzbach, “wandern nicht mit aus”. Anfang November 1943 war die Wohnung jedoch, laut Verwalter, versiegelt, am 15. Dezember wurde sie geräumt, die Einrichtung zu Gunsten des Deutschen Reiches versteigert. Der Erlös betrug 567 RM. Das weitere Schicksal des Ehepaars Schmolensky und der Schwägerin bleibt ungeklärt.

Quellen:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Berliner Adressbücher