Stolpersteine Düsseldorfer Straße 47

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Hauseingang Düsseldorfer 47
Bild: BA CW

Die Stolpersteine für Ilse und Margarete Sachs wurden am 21.08.2006 verlegt.

Die Stolpersteine für Gertrud und Helmut B. Teppich wurden am 24.09.2010 verlegt.

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Stolperstein für Ilse Sachs
Bild: BA CW

HIER WOHNTE
ILSE SACHS
JG.26.1.1923
DEPORTIERT 24.8.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Margarete Sachs
Bild: BA CW

HIER WOHNTE
MARGARETE SACHS
JG. 26.1.1923
DEPORTIERT 24.8.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ilse Sachs und Margarete Sachs waren Zwillingsschwestern. Sie sind
am 26. Januar 1923 in Berlin geboren. Der Vater hieß Max Sachs und stand bis 1939 unter der Anschrift Düsseldorfer Straße 47 und mit dem Zusatz Kaufmann im Adressbuch, der Vorname ihrer Mutter ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde die Familie nicht zusammen deportiert. Die beiden Zwillingsschwestern waren bei der Volkszählung am 17.5.1939 ohne ihre Eltern gemeldet und galten als „Volljüdinnen“ im Sinne der nationalsozialistischen Rassegesetzgebung (alle vier Großeltern waren jüdisch) sowie als „ledig“ registriert.

Bevor sie deportiert wurden, bekamen Ilse und Margarete Sachs ein Zimmer in der Alexanderstraße 51 zugewiesen, vermutlich weil die geräumige Wohnung in der Düsseldorfer Straße von einer NSDAP-treuen Familie besetzt wurde, und mussten sich im Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, registrieren lassen.
Am 24. August 1943 wurden die beiden 20jährigen nach Auschwitz deportiert. Sie kamen in einen einzelnen Waggon mit 50 Menschen, von denen 21, also fast die Hälfte, unter 30 Jahre alt waren. Neun Männer und 18 Frauen wurden bei der Ankunft an der berüchtigten Rampe aussortiert, die anderen 23 wurden sofort in der Gaskammer ermordet.

Auf der Deportationsliste war eingetragen, Margarete sei „ohne“ Beruf, Ilse als „Modezeichnerin“. Im Konzentrationslager Auschwitz sind sie wahrscheinlich wie alle Zwillingspaare den grausamen medizinischen Versuchen des KZ-Arztes Josef Mengele ausgeliefert gewesen. Über die Umstände ihres Todes und über ihren Todestag ist nichts überliefert.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quelle: Bundesarchiv.

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Stolperstein für Gertrud Teppich
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
GERTRUD TEPPICH
GEB. ITZIG
JG. 1885
FLUCHT 1.10.1938
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 23.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 26.2.1943

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Stolperstein für Helmut B. Teppich
Bild: wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
HELMUT B.TEPPICH
JG. 1923
FLUCHT 1.10.1938
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 25.2.1944
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Bildvergrößerung: Gertrud Teppich
Gertrud Teppich
Bild: Yad Vashem

Gertrud Teppich wurde als Gertrud Itzig am 18. Juli 1885 in Berlin geboren. Ihr Vater Isaac Itzig war Direktor der Getreide-Makler-Bank, wenige Jahre nach Gertruds Geburt führte ihn das Adressbuch als Inhaber eines Spiritus-Kommissionsgeschäftes. Er starb Mitte der 1890er Jahre, ab 1895 war Gertruds Mutter Johanna, geb. Neustadt, im Adressbuch als Witwe eingetragen.

Um 1908 heiratete Gertrud den 1863 in Gleiwitz geborenen Arzt Dr. Sigismund Rahmer, im Januar 1909 kam ihr Sohn Bernd-Anselm zur Welt. Sie hatten auch zwei Töchter, Melanie und Gerda. Sigismund Rahmer hatte sich Anfang der 1890er Jahre, nachdem er in Berlin und Greifswald studiert hatte, in Berlin als praktischer Arzt und Armenarzt niedergelassen. Neben der Medizin pflegte er auch kulturelle Interessen, veröffentlichte biographische Studien über verschiedene Schriftsteller und Künstler und gilt noch heute als bedeutender Kleist-Forscher.

1912 starb Sigismund Rahmer und ließ Gertrud als 27-jährige Witwe mit drei Kindern zurück. Sie wohnte mit ihnen in der Konstanzer Straße 11. Fünf Jahre später heiratete sie den Kaufmann Richard Teppich, Mitinhaber der Leinenweberei Casparius & Umlauf in Herzogswalde (Schlesien). Mit ihm hatte sie weitere Kinder: bald nach der Heirat, im Juli 1917, wurde Hans geboren, am 26. November 1918 Fritz und am 12. März 1923 Helmut Bernhard. Die wohlhabende, liberal und antizionistisch gesinnte Familie – wie Fritz später berichtete – zog in eine Villa im Westend, Rüsternallee 38.

Helmut B. Teppich
Helmut B. Teppich
Bild: Yad Vashem

Gertrud verwitwete ein zweites Mal, vermutlich Mitte der 1930er Jahre. In der Düsseldorfer Straße 47 war sie erst 1938 im Adressbuch angegeben. Schon 1933 sei sie – laut Fritz – so vorausschauend gewesen, ihre jüngeren Söhne ins Ausland zu schicken, nach Paris. Hans studierte Kunst, arbeitete später in England und Belgien, Fritz machte zunächst eine Kochlehre und fand dann auch Arbeit in Belgien. Der erst zehn Jahre alte Helmut blieb bei der Mutter, die Kinder aus erster Ehe waren wohl schon außer Haus. Bernd-Anselm emigrierte nach England, Melanie (Mela) heiratete Gerhard Kempinski, Erbe der Kempinski-Restaurationskette. 1936 flohen auch sie nach London, wo 1938 ihr Sohn Tom geboren wurde. Gerhard Kempinski wurde dort zum bekannten Filmschauspieler. Gertrud Teppich sollte ihnen folgen. Am 1. Oktober 1938 flüchtete sie mit Helmut in die Niederlande, zunächst nach Den Haag. Warum es ihr nicht gelang, weiter nach London zu reisen, bleibt offen.

Gertrud und Helmut zogen nach kurzer Zeit nach Groningen, wohnten dort aber anscheinend nicht zusammen: Gertruds Adresse lautete Parkweg 136, Helmuts J.C. Kapteynlaan 50a. Er hatte eine Arbeit als Hotelangestellter gefunden. Offenbar wurden auch beide zu verschiedenen Zeitpunkten von der Gestapo aufgegriffen und im KZ Westerbork interniert. Von Westerbork wurde Gertrud am 23. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 26. Februar ermordet.

Genau ein Jahr später, am 26. Februar 1944, wurde Helmut Bernhard von Westerbork nach Theresienstadt verschleppt, dort aber am 16. Mai weiter nach Auschwitz deportiert, in einem Massentransport von 2500 Menschen. Den Nazis ging es in Anbetracht eines bevorstehenden Rotkreuz-Besuches darum, eine große Menge Menschen, über 7500, innerhalb von vier Tagen zu „verlegen“, um Theresienstadt „wohnlicher“ erscheinen zu lassen. 4000-4500 wurden kurze Zeit später Auschwitz ermordet, die übrigen als Zwangsarbeiter auf andere Lager verteilt. Zu letzteren gehörte Helmut: laut den Ermittlungen seines Bruders Hans wurde er Ende Juni 1944 nach Sachsenhausen weitergeschickt. Von dort musste er am 10. April den sogenannten Todesmarsch antreten und soll um den 25. April in der Nähe von Neuruppin von der SS erschossen worden sein.

Gertrud Teppichs weitere Kinder überlebten, lediglich von Gerda Rahmer ist das Schicksal unbekannt. Bernd-Anselm und Melanie blieben in England, Hans – John – lebte zuletzt als ein bekannter Graphiker in New York. Fritz kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg, kehrte 1939 nach Belgien zurück, von wo er weiterfliehen musste nach Frankreich und schließlich nach Portugal. 1946 kam er nach Berlin zurück, wo er 2012 starb. Er verstand sich zeit seines Lebens als Antifaschist und – undogmatischer – Kommunist. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens kämpfte er im Namen von Melas Sohn Tom, sein Neffe und Gertruds Enkel, um Anerkennung und Restitution des 1937 „arisierten“ Besitzes an den Kempinski-Hotels.

Recherchen und Text: Dr. Micaela Haas. Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Adressbücher Berlin; Interview mit Fritz Teppich in RotFuchs, September 2011); www.joodsmonument.nl/; Yad Vashem Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, 2005