Stolpersteine Pariser Straße 18

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Hauseingang Pariser Str. 18
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Timper

Die Stolpersteine für Ernsetine und Hanna Plaut wurden am 15.05.2006 verlegt.

Der Stolperstein zum Gedenken an Hildegard Böhme wurde am 14.5.2013 verlegt und gespendet von ihren Großnichten Shlomit Craig (Kiryat-Tivon/Israel) und Michal Raz (Nes Ziona/Israel).

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Stolperstein Ernestine Plaut
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Timper

HIER WOHNTE
ERNESTINE PLAUT
GEB. LÖWENTHAL
JG. 1864
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 9.7.1942

Ernestine Plaut geb. Löwenthal, wurde geboren am 3. Februar 1864 in Oderberg (Brandenburg). Ihr Vater war Samuel Löwenthal, ihre Mutter hieß Dosa geb. Wilde. Verheiratet war sie mit Hermann Plaut, der Sprachlehrer war und 1910 gestorben ist. Zunächst wohnte sie weiter in der Augsburger Straße 23 im Gartenhaus, Erdgeschoss und ließ ich mit dem Zusatz „Witwe Dozent“ oder „Lehrerwitwe“ ins Adressbuch eintragen.

Später wohnte Ernestine Plaut mit ihrer Tochter Hanna, geboren am 23. April 1896 in Berlin, in der Pariser Straße 18. Zumindest 1939 war hier auch Ellen Cahen geb. Plaut, geboren am 27. Mai 1886 in Berlin, unter ihrem Mädchennamen gemeldet. Sie wohnte allerdings in der Xantener Straße 20, wo ein Stolperstein zu ihrem Gedenken liegt

Acht Monate bevor Ellen Cahen nach Auschwitz gebracht wurde, waren Ernestine und Hanna Plaut am 18. Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Vorher hatten sie sich in der Sammelstelle an der Großen Hamburger Straße, einem früheren jüdischen Altersheim, registrieren lassen und Vermögenserklärungen abgeben müssen.

Ernestine, die im Zimmer 11 der besonders berüchtigten Kavalierkaserne, einem verkommenen und schauerlichen Gebäude, untergebracht war, wurde mit 78 Jahren am 9. Juli 1942 ermordet. Im Totenschein wurden Marasmus (chronische Mangelernährung) und Pneumonia (Lungenentzündung) als Todesursachen angegeben.

Ihre Tochter Hanna wurde am 18. Mai 1944 nach Auschwitz weiterdeportiert und dort ermordet. In Berlin wurde unterdessen die Wohnung an der Pariser Straße ausgeraubt, die Bankguthaben wurden geplündert.

Gedenkblätter an Ernestine Plaut, geschrieben von der Schwiegertochter Thekla Delphine Plaut geb. Kneip (London, 1997) und von Rebecca Allen geb. Plaut (Cambridge/Großbritannien, 2002) sind in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem aufbewahrt.

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Stolperstein Hanna Plaut
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Timper

HIER WOHNTE
HANNA PLAUT
JG. 1896
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
IN AUSCHWITZ
ERMORDET 1944

Hanna Plaut, geboren am 23. April 1896 in Berlin, war bei ihrer Mutter Ernestine Plaut – der Vater Hermann Plaut, von Beruf Sprachlehrer, war 1910 gestorben – in der Pariser Straße 18 gemeldet. Sie war ledig und als Haushaltshilfe tätig. Wie ihre Mutter wurde sie am 18. Juni 1942 in einem Wagen 3. Klasse mit 50 Menschen vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt in Böhmen deportiert.

Ihre Mutter Ernestine Plaut hat die grauenvollen Zustände in diesem Ghetto nicht überlebt und ist am 9. Juli 1942 im Alter von 78 Jahren ums Leben gebracht worden. Hanna Plaut ist am 18. Mai 1944 von Theresienstadt in einem Zug mit 2497 Menschen, von denen nur 309 überlebten, ins Vernichtungslager Auschwitz weiterdeportiert worden.

In der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat eine Verwandte, Rebecca Allen geb. Plaut aus Cambridge (Großbritannien), 2002 ein Gedenkblatt angelegt.

Recherche und Text: Helmut Lölhöffel. Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch, Deportationsliste, Opferdatei und Archiv Theresienstadt, Archiv der Gedenkstätte Yad Vashem.

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Stolperstein Dr. Hildegard Böhme
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
DR. HILDEGARD
BÖHME
JG. 1884
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hildegard Zerline Böhme wurde als Tochter des Verbandsstofffabrikanten Moritz Böhme und dessen Frau Klara geb. Worms am 6. November 1884 An der Spandauer Brücke 8 geboren. Sie genoss eine reichhaltige Ausbildung als Lehrerin und Sozialarbeiterin. 1903 bzw. 1905 erhielt sie von der Königlichen Prüfungskommission in Berlin die „Qualifikation zur Erteilung des Unterrichts in der englischen (französischen) Sprache“. 1907/08 nahm sie an einem vom Berliner Verein für Volkserziehung veranstalteten Kursus für Hortleiterinnen teil, 1908/1909 besuchte sie die Soziale Frauenschule von Dr. Alice Salomon.
Hildegard Böhmes Zeugnis der Deutschen Akademie für Jungendfürsorge e.V., wo sie von 1909 bis 1918 wirkte, hebt ihre Tätigkeit als Referentin, vor allem als Leiterin der Auskunftsstelle, hervor und endet mit der Anerkennung ihrer besonderen „Fähigkeit, neue Probleme rasch in ihrer Wesenheit zu erkennen und zu meistern“.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bestand sie an der Hamburgischen Universität die Prüfung für Versicherungssachverständige und 1923 die staatswissenschaftliche Doktorprüfung. Ihr Dissertation über die Entwicklung des gewerblichen Lehrlingswesens in Preußen wurde so hoch bewertet, dass die Arbeit, was damals selten war, zum Druck empfohlen wurde.

Von 1923 bis 1934 stand Dr. Hildegard Böhme als Referentin für Wohlfahrtspflege und als Archivleiterin in Diensten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin. In dieser Zeit veröffentlichte sie „Organisatorische Grundlagen des DRK“ (1925), „Gegenwartsfragen der Gemeindeskrankenpfleger“ (193) und Aufsätze in den Zeitschriften des DRK. In ihrer Hand lag die Redaktion der „Umschau“ und der „Blätter des DRK“. Nebenher unterrichtete sie ehrenamtlich an der Haushaltungsschule des Pestalozzi-Fröbel-Hauses II, in der Werner-Schule des DRK für Schwestern und am Paul-Gerhard-Stift für Haushaltspflegerinnen.

1935 trat Hildegard Böhme in die Reichsvertretung der deutschen Juden ein. Sie arbeitete dort nicht nur in der Altenfürsorge, sondern auch bei der Ausbildung jüdischer Jugendlicher, die zur Auswanderung bereit waren. Eigene Fluchtpläne verschiebend arbeitete sie nach Beobachtungen von außen „pausenlos und verantwortungsbewusst“. Ihre engen Freundinnen waren Hannah Karminski und Cora Berliner. 1942 soll sie sich eingeschaltet haben, um bei den Nationalsozialisten die Freilassung Hannah Karminskis zu bewirken.

Am 17. Mai 1943 wurde sie über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, wo sie am 19. Mai ankam. Es ist anzunehmen, dass die damals 59jährige hochkompetente und tatkräftige Frau zu den systematisch Ermordeten gehörte.
Zum Gedenken an ihren Bruder Alfred Siegmund Böhme (geboren am 13. September 1886 in Berlin, deportiert am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt und am 9. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz) ist am 28.3.2013 an der Martin-Luther-Straße 29 in Schöneberg ein Stolperstein verlegt worden.

Die Erzieherin Hannah Karminski (geboren 1897) gilt als Seele des Jüdischen Frauenbundes, dessen Hauptgeschäftsführerin sie war. 1942 wurde sie deportiert und ermordet, Todesort und Todesdatum sind nicht bekannt. 2002 wurde eine Straße in Berlin-Charlottenburg nach ihr benannt. Am 13.12.2012 ist ein Stolperstein für sie vor dem Haus Oranienburger Straße 22 in Berlin-Mitte verlegt worden, www.stolpersteine-berlin.de/de/orte-biografien/suche/liste

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Cora Berliner (geboren 1890) war ebenfalls in der in der jüdischen Jugend- und Frauenbewegung aktiv und wurde Professorin am Berufspädagogischen Institut in Berlin. Am 24. Juni 1942 ist sie deportiert und in Minsk ermordet worden. Für sie wurde am 29.10.2013 ein Stolperstein an der Emser Straße 37 verlegt.

Dieser Text ist weitgehend einem Buch über jüdische Akademiker entnommen und von Helmut Lölhöffel bearbeitet.