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Toni-Lessler-Straße

Die Toni-Lessler-Straße im Ortsteil Grunewald führt von der Hubertusbader Straße zur Wernerstraße.
Die Straße hieß von 1898 bis 1936 Dunckerstraße. Sie war nach dem Buchhändler und Politiker Franz Günter Duncker benannt worden. Er war seit 1867 Reichstagsabgeordneter der Fortschrittspartei und gründete 1869 gemeinsam mit Max Hirsch die “Hirsch-Dunckerschen Deutschen Gewerkvereine” als liberale Gegenbewegung gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften. Die Nationalsozialisten wollten den vermutlich jüdischen Namen aus dem Straßenbild auslöschen benannten die Straße 1936 um in Seebergsteig nach dem Theologen Reinhold Seeberg, der als Experte auf dem Gebiet der Dogmengeschichte galt. Er hat in einigen Schriften den Krieg verherrlicht, sich antisemitisch geäußert und kurz vor seinem Tod 1935 die Machübernahme der Nationalsozialisten begrüßt.
Bereits 1982 beantragte die Fraktion der FDP in der Wilmersdorfer BVV, eine Liste der Straßen vorzulegen, die in der Nazizeit umbenannt wurden, und diese Umbenennungen möglichst rückgängig zu machen. Seither wurde jahrelang auch über eine Umbenennung des Seebergsteigs diskutiert. Schließlich konnte das Bezirksamt am 1. September 2003 den früheren Seebergsteig in Toni-Lessler-Straße umbenennen – trotz starker Proteste von Anwohnern.
Toni Lessler wurde 1874 in Bückeburg geboren. Sie studierte und arbeitete in Breslau, Lausanne, Genf, Glasgow, London und Kassel, bevor sie 1902 nach Berlin kam. Hier richtete sie 1912 in der Uhlandstr.161 Schulzirkel für schwächliche Kinder ein. Diese Schulzirkel baute sie zu einer Familienschule aus. 1930 gründete sie dann in der Brahmsstr. 17-19 die “Private Waldschule Grunewald” mit einem angegliederten Tagesheim. 1932 vergrößerte sie die Schule und zog um in eine große Villa Hagenstr. 56. Sie hieß jetzt auch “Schule am Roseneck”. 1934 mussten die sogenannten “arischen” Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer diese Schule verlassen. 1936 wurde sie erweitert in das Gebäude Kronberger Str. 18. Nach der Schließung der Schule 1939 emigrierte Toni Lessler mit ihrer Schweter Clara Heine in die USA. Sie starb am 5.5.1952 in New York.