Ev. Luisenfriedhof I (Luisenkirchhof)

Gesamtanlage unter Denkmalschutz

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die bisher übliche Nutzung der Kirchhöfe als innerörtliche Begräbnisstätten aus hygienischen Gründen aufgegeben. Dies führte zur Schließung der beiden innerstädtischen Friedhöfe in Charlottenburg und ab 1815 zur Anlage des Luisenfriedhofes östlich von Lützow nach den Plänen des Kgl. Hofgärtners George Steiner, der landschaftliche und geometrische Formen miteinander verband. Spätere Erweiterungen und gravierende Veränderungen der ursprünglichen Anlage nahmen dem Friedhof den intendierten melancholisch-moralischen Charakter. 1884 Schließung des Friedhofes, Wiedereröffnung im Mai 1945. Schwere Kriegsschäden, große Flächenabtretungen und in den 1960er Jahren Zerstörung oder Umwidmung von Erbbegräbnissen.

Der älteste der drei Luisenkirchhöfe ist 1815 außerhalb der Stadtgrenzen Charlottenburgs angelegt worden. Er ersetzte frühere Begräbnisstätten, die sich auf dem Hof der Kirche von Lützow und im Bereich der heutigen Warburgzeile und Loschmidtstraße befanden. Auf Betreiben des Charlottenburger Bürgermeisters Otto Ferdinand Sydow (1754-1818) wurde der am Schloss Charlottenburg tätige Königliche Hofgärtner George Steiner (1774-1834) mit der Gestaltung der Kirchhofsanlage betraut. Am 16.07.1815 wurde der Friedhof eingeweiht.

Von Steiners ursprünglicher Anlage sind kaum noch Spuren erhalten geblieben, weil sie durch Geländeabtretungen an das Kaiserin-Augusta-Gymnasium (heute Ludwig-Cauer-Grundschule) und die Evangelische Schule Charlottenburg sowie durch Schäden im Zweiten Weltkrieg, teilweise Zerstörungen in den 1960er Jahren und Umwidmung von Erbbegräbnissen große Veränderungen erfuhr. Mit einer Fläche von 16.381 m² wird der Friedhof heute von den Häusern der Cauerstraße sowie den oben genannten Schulen eingegrenzt.

An seine Geschichte erinnern heute vor allem folgende Grabdenkmäler:

  • die Grabwand des Tonwarenfabrikanten und Charlottenburger Stadtverordneten Ernst March und seiner Familie mit werkstatteigenem Terrakottenschmuck,
  • die Grabstätte des englischen Kaufmanns John Horsfall (1818-1869) und seiner Ehefrau Beate geb. Mendelssohn (1833-1900),
  • die Grabmauer für die Familie des Textilfabrikanten François Collignon (1810-1879),
  • die 1887 von Baumeister Römer geschaffene Grabkapelle für die Familie des Barons, Offiziers, Gutsbesitzers und Ingenieurs George Kill Mar (1801-1887),
  • die 1899 vom königlichen Hofbaurat Ernst von Ihne entworfene Marmorgrabmauer mit den Grabstätten des Bankiers Robert Warschauer (1860-1915) und seiner Ehefrau Adéle, geb. Thévoz (1877-1941),
  • die um 1900 nach Plänen des königlichen Baurats Paul Wittig (1853 (?)-1943) aus schwedischem Granit mit Goldmosaikkuppel errichtete Grabkapelle für die Stiftsdame Ida von Blücher († 1900),
  • die Grabstätte des Predigers an der Luisenkirche Wilhelm Stier (1868-1912).
    Die letzte Ruhestätte des Pfarrers Johann Christian Gottfried Dressel ist nicht mehr erhalten. Auf dem Luisenfriedhof I sind zahlreiche alteingesessene Charlottenburger Familien bestattet. Die Grabstätten einiger von ihnen wie die der Familie Werner von Siemens sind nach Stahnsdorf verlegt worden. Eine unerwartete Berühmtheit hat der Kirchhof 1930 erlangt, als die „Meisterdiebe von Berlin“, die Gebrüder Franz und Erich Sass, hier den Millionenraub aus der Disconto-Gesellschaft in der Kleiststraße zu verstecken suchten.

Quelle: Berliner Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf

Ehrengrab:

  • Sydow, Otto Ferdinand (Kommunalpolitiker, Bürgermeister von Charlottenburg, gest. 1818), Grablage: I C 139 A

Luisenfriedhof II und Luisenfriedhof III