Wiedereinweihung der Synagoge und Festivaleröffnung

Pressemitteilung vom 16.12.2014

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann nimmt am Freitag, dem 19.12.2014, um 14.00 Uhr, teil an der feierlichen Wiedereröffnung der Synagoge Pestalozzistraße 14, 10625 Berlin, mit anschließenden Schabbat-Gottesdiensten und der Eröffnung des Louis-Lewandowski-Festivals um 15.00 Uhr mit Kantor Isaac Sheffer und dem Synagogal Ensemble Berlin unter der Leitung von Regina Yantian.
Eintritt frei.

Die Synagoge wurde 1911-13 von Ernst Dorn mit Orgel für die liberale Gemeinde errichtet. Trotz Brandlegung wurde sie in der Pogromnacht 1938 nur wenig zerstört, da die Feuerwehr wegen der Gefahr des Übergreifens der Flammen auf die benachbarten Häuser das Feuer löschte. Der Gebäudekomplex wurde 1942 zwangsenteignet, nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch er an die Jüdische Gemeinde zurück gegeben. 1947 wurde die Synagoge nach der Renovierung und Modernisierung wieder eingeweiht. Von 1947 bis zu seinem Tod Anfang 2000 war Estrongo Nachama Oberkantor der Synagoge. Heute ist die Synagoge in der Pestalozzistraße weltweit die einzige Synagoge, die dem liberalen Ritus des deutschen Judentums folgt, wie er bis 1938 bestand. Hier erklingt eine Orgel und ein Chor begleitet den Ritus. Besonders wichtig ist dabei die Synagogalmusik, die durch Louis Lewandowski geprägt wurde.
Im April 2013 begann der Umbau des Gebäudes, der am 19. Dezember 2015 offiziell durch die Wiedereröffnung beendet wird und im Rahmen des diesjährigen Louis-Lewandowski-Festivals stattfindet.
Nach dem großen Erfolg der vergangenen drei Festivals, die Louis Lewandowski, dessen wichtigste Zeitgenossen sowie der nachfolgenden, nach Israel emigrierten Generation, gewidmet waren, beschäftigt sich das diesjährige Louis Lewandowski Festival mit den deutschen Komponisten, die in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind. Zur Aufführung gelangen Werke der Komponisten Hugo Chaim Adler (1894-1955), Samuel Adler (geboren 1928), Ludwig Altmann (1910-1990) und andere. Einige dieser Komponisten folgten dem Chormusikstil von Louis Lewandowski, andere passten ihre Kompositionen dem Geschmack des amerikanischen Publikums an. Bei diesem Festival werden beide Richtungen und Chöre aus aller Welt vertreten sein.
Louis Lewandowski (1821 – 1894) wurde als Sohn des Synagogendieners Louis (Lazarus) Lewandowski am 3. April 1821 in Wreschen, heute Polen, in ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Er verließ mit 12 Jahren seine Familie, ging nach Berlin und kam in der jüdischen Gemeinde unter. Kantor Ascher Lion erkannte schnell die Musikalität und den schönen Knabensopran und machte ihn zu seinem musikalischen Gehilfen im Gottesdienst. In der orthodoxen Ausprägung synagogaler Musik waren alle Musikinstrumente aus der Synagoge verbannt. Die Liturgie wurde von dem Vorbeter, zwei Helfern, einer Bass- und einer Knabensopranstimme durchgeführt. Als einer der Ersten verband Lewandowski mit seinen Kompositionen Synagogalgesang mit der modernen europäischen Musikentwicklung. 1840 wurde Louis Lewandowski Chordirigent der jüdischen Gemeinde und 1865 zum Königlichen Musikdirektor ernannt. 1890 ehrte die Königliche Akademie der Künste zu Berlin ihn als Professor der Musik.
Lewandowski starb am 3. Februar 1894. Sein Grab befindet sich in der Ehrenreihe auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.

Reinhard Naumann:

  • „Ich freue mich, dass den Gläubigen nach der erfolgreichen Sanierung ihr Synagoge für das Feiern ihres Gottesdienstes und das Miteinander in der Gemeinde wieder zur Verfügung steht.“

Im Auftrag

Gottschalk