Veranstaltungsreihe 2016: Deutschland 2.0

Die DDR im vereinigten Deutschland

Kooperationsveranstaltungen des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, der Deutschen Gesellschaft e. V. und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsort:
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5, 10117 Berlin

Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Vergangenheit ist noch längst nicht Geschichte; sie ist sehr lebendig und wirkt bis in die Gegenwart. Mehr als 25 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Diktatur und der deutschen Einheit besteht die DDR oftmals noch im vereinigten Deutschland fort. Die Veranstaltungsreihe will danach fragen, wo die DDR heute noch zu finden ist und wie die historischen Erfahrungen aus den Zeiten der SED-Diktatur, der deutschen Teilung und dem Wiedervereinigungsprozess für die gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft genutzt werden können. In sechs Gesprächsrunden werden verschiedene Politik- und Gesellschaftsfelder in den Blick genommen, um bekannte, in Teilen eingefahrene Ost-West-Debatten sowie Wiedervereinigungsnarrative zu hinterfragen sowie neue politische und gesellschaftliche Perspektiven auf das heutige Deutschland zu eröffnen.

Bisherige Veranstaltung:

5. April 2016

Geschlossene Gesellschaft. Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR und in (Ost-)Deutschland

Ostdeutschland hat ein Problem mit dem Rechtsextremismus. Seit 1990 kommt es immer wieder zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Bis heute bleibt die Zahl rassistisch motivierter Gewalttaten im Osten des Landes überproportional hoch, rechte Parteien und Organisationen agieren erfolgreicher als im Westen. Diese Phänomene werden oft mit dem staatlich verordneten Antifaschismus in der DDR begründet. Seine Rituale waren zwar ein alltäglicher Bestandteil des öffentlichen Lebens. Gleichwohl wurden neonazistische Erscheinungen und offene Fremdenfeindlichkeit, die sich in den 1980er-Jahren vor allem unter Jugendlichen im Mauerstaat herausbildeten, lange geleugnet. Aber auch im Westen Deutschlands sorgen fremdenfeindliche Übergriffe immer wieder für Schlagzeilen.

Die erste Veranstaltung der Reihe “Deutschland 2.0” versucht zu ergründen, inwieweit die Wurzeln des heutigen Rechtsextremismus in Ostdeutschland in die Geschichte der DDR zurückreichen, welche Einflüsse aus dem Westen nach der Wiedervereinigung wirksam wurden und welche Rolle die unterschiedlichen Systemerfahrungen in beiden Landesteilen bei der Ausprägung und Verbreitung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit spielen.

Begrüßung:
Dr. Andreas H. Apelt (Bevollmächtigter des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft e. V.)

Kurzstatements:

  • Peggy Piesche
  • Prof. Dr. Werner J. Patzelt

Podium:

  • Heinz Eggert (ehem. Innenminister des Freistaats Sachsen, Theologe)
  • Prof. Dr. Werner J. Patzelt (Technische Universität Dresden)
  • Prof. Dr. Christian Pfeiffer (Minister a. D., Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e. V.)
  • Peggy Piesche (Bayreuth Academy of Advanced African Studies, ADEFRA e. V. – Schwarze Frauen in Deutschland)

Moderation:
Peter Lange (Chefredakteur beim Deutschlandradio Kultur)

3. Mai 2016

Ost-Berlin, West-Berlin, Ganz-Berlin. Von der geteilten zur vereinten Stadt

Ab dem 13. August 1961 bauten die SED-Machthaber die Berliner Mauer. Sie trennte die Millionenstadt in Ost und West. Die dramatischen Bilder der Grenzschließung gingen um die Welt. Am 9. November 1989 stand Berlin abermals im Mittelpunkt des globalen Interesses. Die Euphorie über den Fall der Mauer und das Ende der Teilung bewegte die Berliner, die Deutschen und die Menschen weltweit. Heute ist Berlin Bundeshauptstadt sowie politisches und kulturelles Zentrum Deutschlands. Gleichzeitig ist die Metropole Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt, die das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern.

Die zweite Veranstaltung der Reihe “Deutschland 2.0” nimmt die wechselvolle Geschichte Berlins in den Blick. Sie thematisiert die Rollen der Stadt während der Teilung Deutschlands und in der vereinigten Bundesrepublik und fragt zudem, wie vereint das Berlin des Jahres 2016 tatsächlich ist. Nicht zuletzt wagt sie den Ausblick: Wohin führt der Weg – und wie kann die Vergangenheit für die Zukunft nutzbar gemacht werden?

Begrüßung:
Martin Gutzeit (Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Kurzstatements:

  • Prof. Dr. Ulrich Eckhardt
  • Katja Lange-Müller

Podium:

  • Prof. Dr. Ulrich Eckhardt (ehem. Intendant der Berliner Festspiele)
  • Felix Görmann alias “Flix” (Comiczeichner)
  • Katja Lange-Müller (Schriftstellerin)
  • Dr. h. c. Wolfgang Thierse (Präsident des Deutschen Bundestages a. D.)

Moderation:
Ulrike Timm (Deutschlandradio Kultur)

7. Juni 2016

Die Suche nach dem Osten.
Die DDR in den Medien

Wie war die DDR wirklich? Immer weniger Menschen können diese Frage aus ihrem eigenen Erleben beantworten. Die Nachgeborenen, aber auch viele Bundesbürger, die im Westen aufgewachsen sind, gewinnen ihr Wissen über den untergegangenen SED-Staat hauptsächlich aus den Medien. Unzählige Filme, Fernseh- und Radiosendungen, Bücher und Zeitungsartikel haben in den vergangenen Jahrzehnten ein höchst widersprüchliches Erinnerungsbild geschaffen: Hier ein von Mauer und Staatssicherheit gekennzeichneter Unrechtsstaat, dort ein ostalgisch verklärtes Land, in dem “nicht alles schlecht” war. Diese unterschiedlichen Darstellungen werden bis heute von aufgeregten Debatten in der Öffentlichkeit begleitet.

Die dritte Veranstaltung der Reihe “Deutschland 2.0” versucht zu ergründen, welche verschiedenen Bilder der DDR in den Medien seit 1989/90 Konjunktur haben, wodurch sie entstanden sind und von welchen gesellschaftlichen Entwicklungen und Diskussionen sie begleitet wurden. Zudem wird gefragt, wie die Medien durch ihre Berichterstattung unsere Wahrnehmung von der Vergangenheit und Gegenwart Ostdeutschlands prägen.

Begrüßung:
Dr. Robert Grünbaum (Stv. Geschäftsführer der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Kurzstatements:

  • Jakob Augstein
  • Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer

Podium:

  • Jakob Augstein (Chefredakteur “der Freitag”)
  • Anne Hähnig (Redakteurin “DIE ZEIT im Osten”)
  • Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer (1991-2003 Intendant des ORB, Vorsitzender des Medienrates der Medienanstalt Berlin-Brandenburg)
  • Jochen Wolff (langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der “SUPERillu”)

Moderation:
Britta Hilpert (Leiterin des ZDF-Landesstudios Brandenburg)

6. September 2016

Stasi reloaded – Leben wir in einem neuen Überwachungsstaat?

Die digitale Revolution verändert unsere Gesellschaft grundlegend. Die allgemeine Computerisierung, das Internet und grenzenlose Kommunikation sind heute ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens. Neben den damit einhergehenden positiven Entwicklungen hat die massenhafte Sammlung, Speicherung und Übertragung digitaler Daten aber auch bisher unbekannte Möglichkeiten zur Überwachung geschaffen. Abhöraktivitäten der Geheimdienste NSA und BND oder der unkontrollierte Zugriff von Unternehmen wie Google, Facebook, Twitter und Co auf persönliche, hochsensible Nutzerdaten führen immer wieder zu Vergleichen mit dem Staatssicherheitsdienst der DDR.

Die vierte Veranstaltung der Reihe “Deutschland 2.0” möchte die aktuelle Debatte in einen geschichtlichen Kontext setzen und danach fragen, wo die Unterschiede liegen zwischen der “Stasi” in der DDR und der aktuellen Arbeit von Geheimdiensten oder der massiven Datennutzung von gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen. Sind wir angesichts neuer technischer Möglichkeiten auf dem Weg in einen Überwachungsstaat? Haben uns die historischen Erfahrungen besonders sensibel für aktuelle (Fehl-)Entwicklungen gemacht?

Begrüßung:
Dr. Andreas H. Apelt (Bevollmächtigter des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft e. V.)

Kurzstatements:

  • Anke Domscheit-Berg
  • Dr. Jens Gieseke

Podium:

  • Anke Domscheit-Berg (Publizistin und Unternehmerin)
  • Dr. Jens Gieseke (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
  • Prof. em. Dr. Rupert Scholz (Rechtsanwalt, ehem. Berliner Senator für Justiz, Bundes- und Europaangelegenheiten und Bundesminister der Verteidigung)
  • Maja Smoltczyk (Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit)

Moderation:
Dr. Jacqueline Boysen (Journalistin)

4. Oktober 2016

“Blühende Landschaften” oder “Jammertal Ost”?
Der wirtschaftliche Transformationsprozess nach der Wiedervereinigung

Mit dem Ende des SED-Staates im Jahr 1990 musste die sozialistische Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft umgewandelt werden. Für einen solch dramatischen Veränderungsprozess gab es kein Vorbild. Trotzdem ist Deutschland heute die größte und leistungsstärkste Volkswirtschaft Europas. Ostdeutschland hat nach dem Staatsbankrott der DDR einen beispiellosen Aufschwung genommen. Doch die erforderliche Umstellung war auch mit großen Härten für die Bevölkerung verbunden. Die Folgen des DDR-Staatsbankrotts sind bis heute zu beobachten. Nach einem Vierteljahrhundert des “Aufbau Ost” verharren die neuen Bundesländer bei rund 70 Prozent der West-Wirtschaftskraft, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin deutlich höher.

Die fünfte Veranstaltung der Reihe “Deutschland 2.0” thematisiert den ökonomischen Transformationsprozess in Ostdeutschland von 1989/90 bis heute. Sie fragt, welche Herausforderungen bereits gemeistert wurden und welche Aufgaben in der Zukunft zu lösen sind. Darüber hinaus will sie ergründen, wie das Erbe der DDR die ostdeutsche Wirtschaft noch immer prägt.

Begrüßung:
Martin Gutzeit (Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Kurzstatements:

  • Iris Gleicke
  • Michael Jürgs

Podium:

  • Iris Gleicke (MdB, Parlamentarische Staatssekretärin und Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer)
  • Petra Hoyer (Gründerin und Geschäftsführerin der HOBA Baustoffhandel GmbH Berlin)
  • Prof. Dr. Beate Jochimsen (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin)
  • Michael Jürgs (Journalist)

Moderation:
Ulrike Herrmann (Wirtschaftsredakteurin “taz. die tageszeitung”)

1. November 2016

Der Osten im Westen. Vom Einfluss des Ostens auf das vereinigte Deutschland

Die DDR ist vor über 25 Jahren untergegangen, aber spurlos verschwunden ist sie nicht. Ampelmännchen und Grüner Pfeil, Sandmann und Polizeiruf 110 – manche Relikte des alten Ostens finden sich auch noch im vereinten Deutschland. Mit Blick auf die Politik können wir sogar feststellen: Zwei Ostdeutsche bilden das Doppelgesicht der Berliner Republik. Sowohl der Bundespräsident als auch die Bundeskanzlerin sind unter den Bedingungen der SED-Diktatur sozialisiert worden und haben nach dem Mauerfall die demokratische Entwicklung aktiv mitgestaltet. In diesem Sinne wirken heute zahlreiche ehemalige DDR-Bürgerinnen und -Bürger an wichtigen Orten der politischen Landschaft, aber auch auf vielfältige Art und Weise im gesellschaftlichen und kulturellen Leben des vereinten Deutschlands. Hat sich die Bundesrepublik dadurch verändert?

Die sechste Veranstaltung der Reihe »Deutschland 2.0« sucht den Osten im Westen. Sie fragt danach, inwieweit die Bundesrepublik durch den Beitritt der DDR seit 1990 »östlicher« geworden ist und versucht zu ergründen, auf welche Weise Menschen aus dem Osten mit ihren spezifischen Erfahrungen unser Land heute prägen.

Begrüßung:
Dr. Robert Grünbaum (Stv. Geschäftsführer der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Kurzstatements:

  • Bianca Ely
  • Lorenz Maroldt

Podium:

  • Bianca Ely (Sozialwissenschaftlerin, Mitherausgeberin des Buches »Wie war das für Euch? Die Dritte Generation Ost im Gespräch mit ihren Eltern«)
  • Lorenz Maroldt (Chefredakteur »Der Tagesspiegel«)
  • Jana Simon (Autorin und Journalistin)
  • Wolfgang Tiefensee (Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft)

Moderation:
Winfried Sträter (Deutschlandradio Kultur)