Veranstaltungen im Jahr 2010

Die Friedliche Revolution. Berlin 1990

Berliner Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Am 18. März 1990 findet die einzige freie Wahl zur Volkskammer in der Geschichte der DDR statt. Die Wahlbeteiligung liegt bei über 90 Prozent. Das Ergebnis ist eindeutig: Die SED wird abgewählt. Die große Mehrheit will das Modell Bundesrepublik. Die deutsche Einheit soll rasch vollzogen werden. Es entwickelt sich ein neues Lebensgefühl zwischen Hunger nach allem, Hoffnungen und Ängsten.
Durch die Demokratisierung ist vieles möglich. Politische und soziale Initiativen “von unten” entstehen. Sie engagieren sich für die Umwelt, den Erhalt der Städte und die Rechte der Arbeitnehmer. Viele machen sich selbstständig. Der gestern noch verbotene Westen wird erkundet. Rund eine viertel Million Menschen verlässt allein im ersten Halbjahr 1990 die DDR. Die wirtschaftliche Krise tritt immer deutlicher zutage. Die Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion gestaltet den Übergang in ein anderes System.
Politisch bleiben die Folgen der SED-Diktatur gegenwärtig: Die SED/PDS versucht, ihr Vermögen zu retten. Die Staatssicherheit wird abgewickelt; Hauptamtliche und Spitzel suchen neue Jobs. Der Umgang mit den Stasi-Akten ist umstritten. Forderungen nach einer Bestrafung der Verantwortlichen werden lauter.
Die außenpolitische Weichenstellung für die Herstellung der deutschen Einheit gelingt. Deutschland erhält seine Souveränität zurück. Berlin erfindet sich neu. Für die Stadtregierung aus Magistrat und Senat (MagiSenat) gibt es kein Beispiel. Berlin ist das Laboratorium der deutschen Einheit: Probleme und Chancen werden hier wie unter einem Brennglas sichtbar.

27. Januar 2010

Das Jahr der deutschen Einheit.
Fehldeutungen und Irrtümer

Die Herstellung der deutschen Einheit wird ganz unterschiedlich interpretiert: Für die einen ist sie das Abwürgen der Friedlichen Revolution in der DDR – für die anderen ist sie die logische Konsequenz der gesellschaftlichen Entwicklung. Manche meinen, alles sei vom Westen gesteuert worden – angefangen vom Wahlkampf 1990 über die Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion bis zum Einigungsvertrag. Welche erfolgreichen ostdeutschen Initiativen gab es? Wer bestimmte die Geschwindigkeit der Vereinigung? Und existierte dafür wirklich nur ein schmales Zeitfenster?

Vortrag:
Thomas Schmid (Chefredakteur der WELT-Gruppe)

Diskussion mit:

  • Markus Meckel (1990 Außenminister der DDR, SPD)
  • Prof. Dr. Andreas Rödder (Universität Mainz)
  • Prof. Dr. Michael Succow (Universität Greifswald)

Moderation:
Sven Felix Kellerhoff (DIE WELT / Berliner Morgenpost)

In Kooperation mit der WELT-Gruppe

24. Februar 2010

Die SED am Ende.
Die Wahlen vom 18. März 1990

An der ersten freien Wahl in der DDR beteiligen sich 93 Prozent der Stimmberechtigten. Nach vierzig Jahren an der Macht wird die SED-PDS mit 16,4 % der Stimmen abgewählt. Überraschungssieger ist die Allianz für Deutschland aus CDU, DSU und DA mit 48,0 % der Stimmen. Die SPD erzielt nur 21,9 %, das Bündnis 90 lediglich 2,9 % der Stimmen. Noch ein Jahr zuvor waren freie Wahlen in der DDR undenkbar – und selbst im November 1989 hätte niemand einen Sieg der CDU prophezeit. Wie kam es zu dem erstaunlichen Ergebnis? Und was folgte daraus für die weitere Entwicklung?

Vortrag:
Dr. Jens Schöne (Stellvertretender Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Diskussion mit:

  • Prof. Dr. Jürgen W. Falter (Wahlforscher, Universität Mainz)
  • Jens König (1990 Chefredakteur Junge Welt, jetzt Reporter beim Stern)
  • Bascha Mika (langjährige Chefredakteurin die tageszeitung )
  • Prof. Dr. Michael Stürmer (Chefkorrespondent der Zeitung DIE WELT )

Moderation:
Dr. Helge Heidemeyer (Abteilungsleiter Bildung und Forschung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)

Die Textfassung des Vortrages von Herrn Dr. Schöne finden Sie hier.

31. März 2010

Vom Umgang mit den Akten.
Das Problem der Vernichtung von Unterlagen der Staatssicherheit

Schon Ende 1989 beginnt die Staatssicherheit mit der Vernichtung brisanter Akten. Das setzt sich trotz der Besetzung von Dienststellen Anfang Dezember 1989 vielerorts fort – auch in der Berliner Zentrale. Elektronische Datenträger und Unterlagen der “Hauptverwaltung Aufklärung” werden beseitigt. Daten und Dokumente tauchen bei westlichen Diensten und Journalisten auf. Vom Spätherbst 1989 bis zur Herstellung der deutschen Einheit 1990 wird über den Erhalt und die Nutzung der Akten öffentlich und hinter verschlossenen Türen kontrovers diskutiert.

Vortrag:
Dr. Klaus Bästlein (Referent beim Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)

Diskussion mit:

  • Michael Beleites (Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)
  • Martin Gutzeit (Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)
  • Reinhard Schult (Mitbesetzer der Berliner Stasi-Zentrale)
  • Eckart Werthebach (1991 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz)

Moderation:
Dieter Rulff (freier Journalist)

In Kooperation mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

28. April 2010

Zwischen Boulevard und Hofberichterstattung.
DDR-Medien im Wandel

Der Journalismus in der DDR veränderte sich 1990 radikal. An die Stelle der Hofberichterstattung für die SED trat beherzter freier Journalismus, der sich verkaufen musste. Investigative Nachforschungen standen bald neben seichtem Boulevard. Welchen Einfluss hatten Seilschaften, und welche Vorstellungen gab es von Presse- und Meinungsfreiheit? Wie positionierten sich Journalisten, Redaktionen und Verleger? Welche Chancen hatten die ostdeutschen Medien und nutzten sie diese?

Begrüßung:
Ulrich Deppendorf (Chefredakteur Fernsehen und Studioleiter im ARD-Hauptstadtstudio)

Diskussion mit:

  • Ines Krüger (Fernsehmoderatorin, 1990 beim Jugendmagazin Elf99)
  • Christoph Singelnstein (Hörfunkdirektor des rbb, 1990 Mitarbeit im DDR-Hörfunkrat)
  • Klaus Wolfram (BasisDruck Verlag, 1990 Herausgeber der Zeitung DIE ANDERE)
  • Uwe Spindeldreier (Bundespresseamt, 1991 Sachsen-Radio, 1992-1999 MDR)

Moderation:
Robin Lautenbach (Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio)

In Kooperation mit dem ARD-Hauptstadtstudio

26. Mai 2010

Planwirtschaft vor dem Kollaps.
Die Herstellung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion

Die DDR-Wirtschaft stand 1989/90 ökonomisch vor dem Zusammenbruch. Die rasche Herstellung der Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion war die Antwort. Durch Einführung der D-Mark sollte der Kollaps vermieden werden. Ein enormer Transfer von West nach Ost setzte ein. Die alte Planwirtschaft musste quasi über Nacht der Marktwirtschaft weichen. War die Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion dabei das richtige Instrument? Welche Verwerfungen rief sie hervor? Gab es überhaupt Handlungsalternativen? Wie sieht die Bilanz zwanzig Jahre danach aus?

Vortrag:
Prof. Dr. Werner Abelshauser (Wirtschaftshistoriker)

Diskussion mit:

  • Prof. Dr. Werner Plumpe (Wirtschaftshistoriker)
  • Dr. Thilo Sarrazin (Bundesbank-Vorstand)
  • Prof. Dr. Richard Schröder (Theologe)
  • Prof. Dr. André Steiner (Wirtschaftshistoriker)

Moderation:
Dr. Jens Schöne (LStU Berlin)

In Kooperation mit den Berliner Wirtschaftsgesprächen und der DKB

30. Juni 2010

Der Einigungsvertrag.
Juristische Folgen der SED-Diktatur

Mit dem Einigungsvertrag wurde die DDR juristisch abgewickelt. Das SED-Unrecht sollte strafrechtlich verfolgt werden. Die Opfer des Systems hatten Anspruch auf Rehabilitierung und Ausgleich für Verfolgungsmaßnahmen. Rückgabe sollte vor Entschädigung gehen. 20 Jahre danach ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen: Wurden die Ziel-Vorgaben des Einigungsvertrages eingelöst? Wie leben Täter und Opfer heute?

Vortrag:
Wolfgang Wieland (MdB, Justizsenator a.D.)

Diskussion u.a. mit:

  • Uwe Müller (Journalist und Autor, Berlin)
  • Wolfgang Luokidis (Rechtsanwalt, Schwerin)
  • Ulrich Schellenberg (Vorsitzender Berliner Anwaltsverein)

Moderation:
Dr. Falco Werkentin (Berlin)

In Kooperation mit dem Berliner Anwaltsverein e.V.

22. September 2010

“Meine Akte gehört mir!” –
Der Kampf um die Öffnung der Stasi-Unterlagen

Der Umgang mit den Stasi-Akten war bis zum Ende der DDR sehr umstritten. Einflussreiche westdeutsche Politiker wollten alles unter Verschluss halten. Die DDR-Opposition und die Volkskammer waren mehrheitlich für eine Öffnung. Nach heftigen Auseinandersetzungen wurde eine Sonderbehörde errichtet und ein Gesetz für die Nutzung der Akten erlassen. Auch der Westen stimmte zu.

Kurzvortrag:
Dr. Klaus Bästlein (Referent beim LStU Berlin)

Diskussion mit:

  • Marianne Birthler (1990 Mitglied der Volkskammer)
  • Rolf Schwanitz (1990 Mitglied des Volkskammer-Überprüfungsausschusses)
  • Tom Sello (1990 Mitbesetzer der Stasi-Zentrale)
  • Eckart Werthebach (1990 Berater von DDR-Innenminister Diestel)

Moderation:
Christhard Läpple (ZDF)

In Kooperation mit der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen

27. Oktober 2010

Berlin ist wieder Berlin –
Mainzer Straße, Tacheles, Hauptstadt-Debatte, Veränderungen 1990

Berlin durchlebte 1990 ein Wechselbad der Gefühle. Auf die Euphorie nach dem Mauerfall folgten die Mühen des Alltags. Hausbesetzer, klamme Kassen und Verkehrsprobleme prägten die Diskussionen. Im Laboratorium der deutschen Einheit gärte es. Welche Konzepte hatte die Berliner Politik mit ihrer Doppelspitze, dem sogenannten Magi-Senat?

Einführung:
Fotodokumentation von Elena Demke (Referentin beim Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)

Diskussion mit:

  • Uwe Dähn (1990 Bezirsksstadtrat für Kultur und Bildung)
  • Eberhard Diepgen (Regierender Bürgermeister a.D.)
  • Thomas Krüger (1990 Stadtrat für Inneres)
  • Prof. Dr. Wilfried Rott (Historiker und Journalist)

Moderation:
Dr. Helge Heidemeyer (Leiter der Abteilung Bildung und Forschung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin

19. November 2010

Das Ende der Erinnerung?
Abschlussveranstaltung der gemeinsamen Veranstaltungsreihe “Die Friedliche Revolution. Berlin 1987-1990”

Vier Jahre lang wurden in der gemeinsamen Veranstaltungsreihe mit der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. Fragen zur Friedlichen Revolution diskutiert. Es ging um die Geschichte der DDR-Opposition, die Rolle der Kirchen, die Positionen westdeutscher Politik, die Arbeit der Medien und die Stasi-Auflösung. Wirtschaftliche Aspekte wurden ebenso erörtert wie juristische. In mehr als dreißig Veranstaltungen mit über 5000 Besuchern kam es zu spannenden Auseinandersetzungen. Zeitzeugen diskutierten mit Historikern; Prominente und Unbekannte erzählten die Geschichte der Friedlichen Revolution in Berlin.
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe fragen wir uns: Was bleibt? Welche Tabus konnten aufgebrochen werden? Wo wirken Mythen und Legenden fort? Welche Themen werden künftig die Aufarbeitungsdiskussion bestimmen?

Diskussion mit:

  • Dr. Olaf Weißbach (Geschäftsführer der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.)
  • Martin Gutzeit (Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Moderation:
Dr. Ilko Sascha Kowalczuk

In Kooperation mit Kulturprojekte Berlin GmbH

Veranstaltungen außerhalb unserer Veranstaltungsreihe

10.-12. März 2010

Der Weg zur Deutschen Einheit – Mythen und Legenden
Konferenz

Die rasche Herstellung der deutschen Einheit löst bis heute Verwunderung aus. Durch Jahrzehnte gepflegte Gewissheiten verloren in wenigen Wochen ihre Gültigkeit. Neue Handlungsalternativen traten hervor, wurden aber im Strudel der Ereignisse nicht realisiert. Daraus entwickelten sich dann nicht selten zählebige Mythen und Legenden.
Zwar glaubt heute niemand mehr, dass die DDR einmal den 10. Platz unter den Industrienationen einnahm. Aber für den ökonomischen Zusammenbruch soll die schnelle Herstellung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion verantwortlich sein – und vor allem die “Treuhand”. War es also nicht die SED, die ihren Staat ökonomisch in eine ausweglose Sackgasse führte?
Oft heißt es, die schnelle Herbeiführung der Einheit habe die Entwicklung eines “dritten Weges” unmöglich gemacht. Die Parteien aus dem Westen führten einen “Dolchstoß” gegen die Bürgerrechtsbewegung der DDR. Andererseits wurden die Wahlen am 18. März 1990 zu einem Plebiszit für die rasche Schaffung der Einheit.
Umstritten ist, ob die Herstellung der deutschen Einheit durch Beitritt oder eine neue Verfassung erfolgen sollte. Oft wird ein Verfassungsentwurf des “Runden Tisches” angeführt. Doch wollte die Bevölkerung 1990 tatsächlich zunächst eine Verfassungsdiskussion?
Die Herstellung der deutschen Einheit war ohne internationale Vereinbarungen nicht möglich. Nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation gaben die Alliierten des Zweiten Weltkriegs Deutschland seine Souveränität zurück. Wer war die treibende Kraft? Und gab es tatsächlich nur ein kleines “Zeitfenster”, das die Realisierung der Einheit zuließ?

Diverse Vorträge und Diskussionrunden näherten sich dem Thema von verschiedenen Seiten aus.

Die Tagung war eine gemeinsame Veranstaltung von
- Deutsche Gesellschaft e.V.
- Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen
- Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

26.-27. März 2010

Stasi-Aufarbeitung als Thema für die historisch-politische Bildung.
Hintergrund – Bilanz – Perspektiven
Tagung

Die Öffnung der Akten des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR war keine Selbstverständlichkeit. Im Herbst 1989 und Anfang 1990 konnte das MfS viele Akten vernichten. Bürgerkomitees gelang es jedoch, in Aktionen, die von spontanen “Besetzungen” der Stasi-Verwaltungen bis zu mühsam ausgehandelten Kontrollen reichten, die Aktenvernichtung zumindest teilweise zu stoppen. Ihrem Einsatz, dem Druck der Demonstranten sowie dem Engagement der Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerbewegung am Zentralen Runden Tisch in Berlin sowie an verschiedenen regionalen Runden Tischen ist es auch zu verdanken, dass bis zum Frühjahr 1990 der DDR-Staatssicherheitsdienst vollständig aufgelöst war. Bis zur geregelten Öffnung der Akten für die persönliche Einsicht, die historische Forschung und die Überprüfungen auf Stasi-Mitarbeit war es aber noch ein weiter Weg.
Die insbesondere an Lehrerinnen und Lehrer sowie an Multiplikatoren der politischen Bildung adressierte Tagung gibt durch Vorträge und Diskussionsrunden Einblick in die historischen Hintergründe eines hoch aktuellen Themas.