"Digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen" - die Fachkonferenz zum Dialogprozess

Das Bild zeigt die Teilnehmenden an Panel I.
Rund 160 Teilnehmende diskutierten auf dem EUREF-Campus in Schöneberg zu Digitalen Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen. Besonders interessant: Die Praxisbeispiele aus europäischen Metropolen wie Wien, Madrid, Huddinge oder Brüssel.
Bild: Gregor Fischer/Raum 11

Berlin ist auf dem Weg zu guter Arbeit 4.0

Digitale Grundkompetenzen, das Recht auf Weiterbildung, flexible Instrumente für die digitale Aus- und Weiterbildung: Das waren die Themen der Fachkonferenz „Digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen“. Die 160 Teilnehmenden waren sich einig: Die Arbeit hat Zukunft und ist gestaltbar.

Wir brauchen ein neues Verständnis von digitalen Grundkompetenzen. Das ist ein Ergebnis der Fachkonferenz „Gute digitale Arbeit in europäischen Metropolen gestalten. Digitale Kompetenzen für die Aus- und Weiterbildung von morgen” am 17. Mai 2017.

Die Konferenz auf dem EUREF-Campus in Schöneberg ist Teil des Dialogprozesses „Arbeit 4.0 – made in Berlin“. Angereist waren dazu rund 160 Teilnehmende aus ganz Europa, darunter viele Expertinnen und Experten aus Berufsbildung, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Europäische Metropolen wie Lissabon, Wien, Madrid, Brüssel und Tampere steuerten gute Praxisbeispiele bei.

Der Mensch zählt, die Technik dient

Zum Auftakt der Veranstaltung setzten der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach und der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Thorben Albrecht, die Akzente für den Tag und betonten den Gestaltungsauftrag für Politik, Verwaltung, Unternehmen und Sozialpartner.

„Gute Arbeit ist humane Arbeit, auch in einer digitalen Welt“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Das Thema sei Chefsache. Müller verwies auf die Erklärung der diesjährigen Sonderkommission Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung zur Digitalisierung, die digitale Kompetenz als einen wesentlichen Schlüssel zum Ausbildungs- und Berufserfolg hervorhebt.

Gerade Aus- und Weiterbildung sei so wichtig wie noch nie, um Menschen zum souveränen Umgang mit den neuen Herausforderungen zu befähigen, sagte Arbeitssenatorin Elke Breitenbach. „Die Digitalisierung ist kein schicksalhafter Vorgang, sie ist nach humanen Maßstäben gestaltbar. Der Mensch zählt, die Technik dient.“

Beim Übergang in eine digitalisierte Arbeitswelt spielt für Staatssekretär Thorben Albrecht die duale Ausbildung eine hervorgehobene Rolle. Er lobte das Berliner Modellprojekt des ABB Ausbildungszentrums Berlin mit der KOS GmbH, Zusatzqualifikationen für digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung zu schaffen, die sich sowohl branchenspezifisch als auch -übergreifend einsetzen lassen.

In der anschließenden Diskussion unter den Teilnehmenden zeichneten sich folgende Schwerpunkte ab:

  • „Digitale Kompetenz“ ist ein Begriff, der bei vielen Menschen vor allem technische Assoziationen auslöst: das Erlernen von Programmiersprachen, der Umgang mit spezifischen IT-Systemen, das Aufsetzen einer IT-Sicherheitsinfrastruktur. Das aber werden nach Auffassung vieler Teilnehmenden Aufgaben für Spezialistinnen und Spezialisten bleiben. Digitale Kompetenzen umfassen für sie eine Vielzahl an persönlichen, sozialen und technischen Fähigkeiten, die es Menschen ermöglichen, ihr digitales Umfeld aktiv und souverän zu gestalten. Medienkompetenz gehört ebenso dazu, wie Kommunikation, die Bewertung von Informationsquellen im Netz, selbstorganisiertes Lernen und die Lust, in interdisziplinären Teams zusammenzuarbeiten. Viele der Teilnehmenden wünschen sich daher ein Modell digitaler Grundkompetenzen, das als Blaupause dafür dienen kann, die Aus- und Weiterbildung für eine digitale Arbeitswelt weiterzuentwickeln.
  • Die meisten Teilnehmenden wünschten sich flexible Instrumente, digitale Inhalte in die bestehenden Ausbildungsordnungen zu integrieren. Zusatzqualifikationen oder die Verbundausbildung könnten dafür gute Wege sein. Einen Bedarf an neuen Berufen sahen nur die wenigsten.
  • Informelles und selbstständiges Lernen ist für den souveränen Umgang mit einer digitalen Arbeitswelt entscheidend. Die meisten Menschen erwerben ihre digitalen Kompetenzen im Selbstversuch, im Freundes- und Kollegenkreis und über Web-Tutorials. Für viele der Teilnehmenden fehlt ein System, diese Fähigkeiten sicht- und vergleichbar zu machen. Die Validierung informell erworbener Kompetenzen sehen sie als Netzwerkaufgabe aller beteiligten Anbieter und Akteure.
  • Die viel diskutierte digitale Spaltung der Gesellschaft ist für viele Teilnehmenden lediglich die Fortsetzung ungleicher Chancen bei der Bildung sowie beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit. Technik an sich sei weder gut noch schlecht. Den meisten Teilnehmenden geht es darum, Wege zu finden, digitale Lehr- und Lernmethoden gezielt für die Motivation lernungewohnter Menschen einzusetzen.
  • Viele der Teilnehmenden wünschten sich zudem ein Recht auf Weiterbildung, das etwa bezahlte Arbeitszeit für die Qualifizierung reserviert. Deutlich wurde aber auch, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung dabei brauchen, ihre Beschäftigten zielgerichtet und über alle Berufsphasen hinweg zu qualifizieren.

Die Ergebnisse der Konferenz sind eingeflossen in das Grundlagenpapier „Digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen”, welches Sie hier herunterladen können.

Eindrücke von der Fachkonferenz

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Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Fachkonferenz “Gute digitale Arbeit in europäischen Metropolen gestalten. Digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen” in Bildern.