Mehr Raum für Bildung und Forschung

Das Jüdische Museum Berlin plant eine Akademie im ehemaligen Blumengroßmarkt

von Melanie von Plocki, Jüdisches Museum Berlin

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Ein Blick auf die heutige Blumengroßmarkthalle gegenüber des Jüdischen Museums Berlin

Seit seiner Eröffnung 2001 haben mehr als sechs Millionen Menschen aus Deutschland und aller Welt das Jüdische Museum Berlin besucht, allein im Jahr 2009 kamen mehr als 755.000. Rund 100.000 Besucher nutzen jährlich die Bildungsangebote, mit steigender Tendenz: In den neun Jahren seines Bestehens hat sich das pädagogische Angebot des Jüdischen Museums Berlin mehr als verdoppelt. Zusätzlich zu den 7.500 Führungen bietet es pro Jahr über 400 Fortbildungen, Workshops, Zeitzeugengespräche, Ferienprogramme und Projekttage an. Akuter Platzmangel ist die Folge, denn die Nachfrage nach Bildungsprogrammen steigt ebenso wie die Sammlungs- und Bibliotheksbestände wachsen.

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Von der Blumengroßmarkthalle zur Akademie des Jüdischen Museums. So soll die Akademie nach Plänen von Daniel Libeskind einmal aussehen

„Dank des außerordentlichen Engagements der Bundesregierung, des Landes Berlin und des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg haben wir eine Lösung gefunden, mit der wir sehr glücklich sind: Eine Erweiterung in der gegenüberliegenden Blumengroßmarkthalle, wo eine Akademie des Jüdischen Museums Berlin entsteht, die unsere Bereiche Bildung, Archiv und Bibliothek künftig unter einem Dach vereint“, erklärt W. Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin. Die landeseigene Gesellschaft Berliner Großmarkt GmbH hat die Halle an die bundesunmittelbare Stiftung Jüdisches Museum Berlin verkauft. Den Umbau gestaltet der renommierte US-Architekt Daniel Libeskind, der auch den Neubau des Jüdischen Museums Berlin sowie den Glashof im Altbau entworfen hat. Die ersten Arbeiten haben bereits begonnen, im Herbst 2011 soll das Bauprojekt fertig sein. Großveranstaltungen kann die Bildungsabteilung dann im dortigen Auditorium durchführen, Seminar-, Werkräume und multimediale Angebote ergänzen die neu gewonnenen Kapazitäten. So können in Zukunft mehr museumspädagogische Programme gleichzeitig angeboten und die Ergebnisse besser präsentiert werden. Mehr Raum entsteht auch für die Arbeit zu einem Themenfeld, auf das das Museum in Zukunft ein besonderes Augenmerk richten wird: Integration, Verständigung und Toleranz in einer multiethnischen Gesellschaft.

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Ein Blick in die Blumengroßmarkthalle im Mai 2010

Die Archivbestände des Jüdischen Museums Berlin haben sich seit der Eröffnung ebenfalls mehr als verdoppelt. Für die nähere und mittelfristige Zukunft ist ein weiterer Zuwachs zu erwarten, da die Generation der Holocaust-Überlebenden schwindet. Das Jüdische Museum Berlin hat die Aufgabe, dieses Erbe zu bewahren, indem es seine Sammlungen stetig ausbaut. Zudem beherbergt das Museum Dependancen wichtiger Archive des deutschsprachigen Judentums wie die des Leo Baeck Instituts New York und der Wiener Library London. Auch die Zahl der Nutzer ist stark angewachsen: Die Archive sind international gefragt, Anfragen von Forschenden kommen vor allem aus Europa, Israel, den USA und Kanada. Die Erweiterung schafft nicht nur bessere Nutzungsbedingungen, sondern auch mehr Möglichkeiten für Kooperationen mit Universitäten und anderen wissenschaftlichen Institutionen – eine Arbeit, die künftig intensiviert werden wird. Das archivpädagogische Angebot – Zeitzeugenworkshops, Stiftergespräche, Infoveranstaltungen – soll ebenfalls aufgestockt werden, um noch mehr Schülern und Erwachsenen Zugang zum Archivgut zu ermöglichen.

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Die geplante Akademie von innen

In den Erweiterungsbau wird auch die Bibliothek des Jüdischen Museums Berlin ziehen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Bestände der wissenschaftlichen Spezial- und Präsenzbibliothek verdreifacht, rund 70.000 Medien führt sie mittlerweile. Neben Literatur zur deutsch-jüdischen Geschichte, Kultur, Literatur, Musik, Kunst und anderen geisteswissenschaftlichen Sparten umfasst sie eine historische Sammlung – das älteste Buch stammt aus dem 14. Jahrhundert. 2005 wurde die Bibliothek zur Mediothek und sammelt seither auch audiovisuelles Material.

Direkte Wege zu Informationen und historischen Quellen, ein sichtbares Angebot und mehr Raum für Austausch, Wissenstransfer und Begegnung – die geplante Akademie des Jüdischen Museums Berlin will Synergien zwischen wissenschaftlicher Arbeit und pädagogischer Vermittlung schaffen. Ziel ist es, an der Kreuzberger Lindenstraße eines der wichtigsten Forschungs- und Bildungszentren zur Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums zu etablieren.


Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
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